Wer glauben will, ist glauben wollend

Frage

Schreibt man:

ein glauben wollender Mensch
ein glauben-wollender Mensch
ein glaubenwollender Mensch

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

Sie ahnten es sicher schon, denn wohl nicht ganz zufällig ist Ihr erster Vorschlag richtig:

ein glauben wollender Mensch

Partizigruppen werden gleich geschrieben, wie die zugrundeliegende Verbgruppe, auch wenn das Partizip wie ein Adjektiv vor einem Substantiv steht. Zum Beispiel:

sich verändern
die sich verändernde Umwelt

miteinander spielen
die miteinander spielenden Kinder

in der Stadt wohnen
die in der Stadt wohnenden Leute

bei jedem Windhauch quietschen
ein bei jedem Windhauch quietschender Fensterladen

sich an nichts mehr erinnern können
eine sich an nichts mehr erinnern könnende Zeugin

Und ebenso:

glauben wollen
ein glauben wollender Mensch

Eine weitere Rechtschreibhürde kann sich ergeben, wenn solche Partizipgruppen substantiviert werden. Es kommt auch dann weder zu Bindestrichen noch zur Zusammenschreibung. Nur das Partizip, der Kern der Wortgruppe, wird dann großgeschrieben, der Rest bleibt gleich:

das sich Verändernde
die in der Stadt Wohnenden
die sich an nichts mehr erinnern Könnenden
die glauben Wollenden

Das sieht manchmal etwas gewöhnungsbedürftig aus (für mich zum Beispiel mit sich), ist aber so korrekt geschrieben. Mehr Überlegungen zu diesem nicht nur Sie Verwirrenden, das heißt zu dieser nicht nur Sie verwirrenden Frage, finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Hellrotbraun, hell-rotbraun, helles Rotbraun

Frage

Ich habe eine Frage zur Zusammen- und Getrenntschreibung von Farben. Man schreibt ja sowohl „hellrot“ als auch „rotbraun“ […] zusammen. Gilt das auch für die Kombination aus beiden: „hellrotbraun“? Das scheint mir zwar logisch, wirkt aber merkwürdig. […] Wäre „hell rotbraun“ oder „hell-rotbraun“ akzeptabel? Oder müsste man auf Umformulierungen ausweichen wie z. B. „in einem hellen Rotbraun gefärbt“?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

die deutlichste Farbbezeichnung ist in hellem Rotbraun. In der Regel werden nämlich nur einfache Farbbezeichnungen mit hell- oder dunkel- kombiniert: hellrot, hellbraun, hellrosa, hellbeige, hellviolett usw. Nicht üblich sind solche Kombinationen bei komplexen Farbbezeichnungen wie flaschengrün, olivbraun oder fahlgelb. Es heißt also in der Regel nicht hellflaschengrün, dunkelolivbraun oder hellfahlgelb. Die Kombination hellrotbraun kommt Ihnen wahrscheinlich deshalb merkwürdig vor.

Bei Mischfarben kommt hinzu, dass undeutlich ist, ob die gesamte Farbe oder nur die erste Farbe durch hell bestimmt wird:

hellrotbraun
hellrot-braun (hellrot und braun)
hell-rotbraun (helles Rotbraun)

Doch dieses Argument finde ich nicht sehr stark, denn was genau gemeint ist, wird meist durch den weiteren Satzzusammenhang geklärt und kann notfalls durch einen verdeutlichenden Bindestrich angegeben werden.

Wenn Sie die Farbbezeichnung trotz der genannten Einwände verwenden möchten – sie ist nicht grundsätzlich unmöglich –, dann können Sie sie zusammenschreiben oder ggf. den verdeutlichenden Bindestrich verwenden:

hellrotbraun o. hell-rotbraun

Deutlicher und üblicher ist, wie eingangs gesagt, die Formulierung helles Rotbraun
in hellem Rotbraun.
Hier ein paar Beispiele:

Jetzt möchte ich gerne meine Haare in einem hellen Rotbraun tönen.
Ihre Grundfarbe ist variabel und reicht von einem hellen Rotbraun bis zu einem hellen Graubraun.
Die Farbe schwankt zwischen hellem Strohgelb und dunklem Rotbraun.
Ich würde gerne ein Band 28/24 in dunklem Rotbraun oder Dunkelbraun bestellen.

Die Farbbezeichnungen, die nicht direkt mit hell und dunkel kombinierbar sind, werden übrigens in der Regel auch nicht gesteigert. Das ist so richtig schön konsequent.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wie man „schenken“ und „schenken lassen“ substantiviert

Frage

Neulich fiel mir auf einem Werbeplakat der Spruch auf: „Zum Schenken und Schenken lassen.“ Müsste es aber nicht eigentlich heißen: „Zum Schenken und Schenkenlassen“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

nach den Rechtschreibregeln schreibt man tatsächlich:

Zum Schenken und Schenkenlassen

Wenn eine Infinitivgruppe, das heißt ein Infinitiv und was zu ihm gehört, aus zwei Teilen besteht und als Substantiv verwendet wird, dann schreibt man groß und zusammen:

schenken lassen → zum Schenkenlassen

Immer wenn ich diesem Spruch begegne, habe ich das beinahe unwiderstehliche Bedürfnis, ein sich einzufügen. Meiner Meinung nach ist nicht einfach gemeint, dass man etwas irgendjemandem schenken lassen kann, sondern dass man es sich schenken lassen kann. Unbedingt notwendig ist das sich nicht. Vielleicht ist dieses Bedürfnis nach dem verdeutlichenden Reflexivpronomen ja auch nur der Ausdruck eines geschenkgierigen Charakters.

Orthografisch hat das Anfügen von sich gewisse Konsequenzen. Da die Infinitivgruppe nun aus mehr als zwei Teilen besteht, wird alles etwas komplizierter – nicht zuletzt die Beschreibung: Wenn eine Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen besteht und als Substantiv verwendet wird, setzt man zwischen allen Teilen der Gruppe einen Bindestrich. Das erste Wort und der (letzte) Infinitiv werden großgeschrieben (ebenso wie ggf. vorkommende Substantive):

sich schenken lassen → zum Sich-schenken-Lassen

Die Regel und weitere Beispiele finden Sie hier.

Doch jetzt, da sie deutlich auf dem Bildschirm steht, stelle ich fest, dass auch die mit sich erweiterte Form zum Sich-schenken-lassen falsch verstanden werden könnte. Mit sich meine ich ja den/die Beschenkten und nicht etwa den/die Verschenkten. Nur wenn man anfängt zu duzen, wird eindeutig klar, dass der Dativ zum Dir-schenken-Lassen und nicht etwas der Akkusativ zum Dich-schenken-Lassen gemeint ist.

Doch genug der Spitzfindigkeiten! Die Beispiele zum Schenken, zum Schenkenlassen und zum Sich-schenken-Lassen sollen ja nur zeigen, wie man substantivierte Infinitive schreibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das User-centered Design

Es geht mir nicht darum, auf einem bestimmten Fremdwort herumzubashen. Das Wort, um das es hier geht, ist nur ein Beispiel für viele englische Ausdrücke, die ihren Weg ins Deutsche nur halb zurückgelegt haben.

Frage

Ich beschäftige mich gerade mit der Schreibung von englischen Fremdwörtern. Die Regeln diesbezüglich sind eigentlich ziemlich klar, wie ich inzwischen herausgefunden habe. Mit einem Ausdruck tue ich mich jedoch schwer: „User Centered Design“. So wird das z. B. in der deutschen Wikipedia geschrieben. Allerdings ergibt das wenig Sinn. […] Wenn man den Ausdruck eindeutscht und als Adjektiv+Substantiv-Gruppe betrachtet, müssen das erste Wort und das Substantiv großgeschrieben werden. Dann haben wir „User-centered Design“. Anhand der Regeln scheint mir das die korrekte Schreibweise zu sein. Bloß verwendet die niemand… Können Sie mir weiterhelfen?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

bei der Schreibung von Fremdwörtern, insbesondere bei mehrteiligen Ausdrücken in Fachsprachen, stimmen die regelkonforme Schreibung und die tatsächlich verwendete Schreibung sehr, sehr oft nicht überein.

Nach der amtlichen Regelung richtig sind:

a) das „user-centered design“
b) das User-centered Design

Bei a) verwendet man den Ausdruck als englisches Zitatwort und hält sich an die Schreibung, die in der Ursprungssprache gilt. Bei b) folgt man der Rechtschreibregel, nach der auch Sie sich in Ihrer Frage gerichtet haben.

Viel üblicher ist aber die Schreibung, die Sie offenbar auch in Wikipedia angetroffen haben:

c) das User Centered Design

Ich vermute, dass dies in Übereinstimmung mit den Großbuchstaben der Abkürzung UCD geschieht. Da außer Ämtern und Schulen niemand verpflichtet ist, sich an die amtliche Reglung zu halten, können sich insbesondere in Fachsprachen auch nicht regelkonforme Schreibungen durchsetzen. Wenn Sie diesen Begriff verwenden, müssen Sie sich also entscheiden, ob Sie die regelkonforme Schreibung b) oder die üblichere Schreibung c) verwenden. Wenn Sie durch Hausregeln, die Auflagen von Auftraggebenden oder Ihre eigene Einstellung an die amtliche Rechtschreibregelung gebunden sind, wählen Sie b): das User-centered Design.

Sie können das Problem natürlich auch umgehen – das ist in solchen Fällen meine Lieblingstaktik –, indem Sie zum Beispiel nutzerorientiertes Design oder „sogar“ nutzerorientierte Gestaltung verwenden:

d) das nutzerorientierte Design (UCD, user-centered design)

Als kleine Hilfestellung zur Schreibung von Fremdwörtern möchte ich Sie zum Schluss noch auf diese Seiten verweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Gemüseextrakt und Sojaeiweiß

Frage

Heißt es korrekt: „Gemüseextrakt“, „Gemüse-Extrakt“ oder „Gemüse Extrakt“? Dasselbe gilt für „Sojaeiweiß“, „Soja-Eiweiß“ oder „Soja-Eiweiß“. Wie schreibt man solche Wörter auf korrekte Art und Weise?

Antwort

Guten Tag D.,

richtig ist hier die Zusammenschreibung:

Gemüseextrakt
Sojaeiweiß

Ebenso zum Beispiel:

Gemüseauflauf, Gemüseeintopf, Gemüseernte
Sojaanbau, Sojaöl, Sojaerzeugnis,

Die Schreibung mit einem „verdeutlichenden“ Bindestrich (Gemüse-Extrakt, Soja-Eiweiß) ist im Prinzip bei allen Zusammensetzungen möglich, grundsätzlich wird aber zusammengeschrieben. (Die Getrenntschreibung Gemüse Extrakt und Soja Eiweiß ist falsch.) Das gilt auch für Fälle wie die oben stehenden, in denen an der Wortfuge ein paar Vokale aufeinandertreffen. Die Rechtschreibregelung § 45.4 erwähnt hier nur diese „berühmte“ Ausnahme: Wenn drei gleiche Buchstaben aufeinandertreffen, kann ein Bindestrich gesetzt werden (siehe auch hier):

Kaffeeernte o. Kaffee-Ernte
Seeelefant o. See-Elefant
Hawaiiinseln o. Hawaii-Inseln (vgl. auch hier)

Jeder hat so seine Marotten. Auf dem Gebiet der Rechtschreibung (anderswo habe ich natürlich keinerlei Marotten) ist dies bei mir der „verdeutlichende“ Bindestrich oder besser mein Widerstand gegen seine allzu häufige Verwendung. Meine Grundeinstellung lässt sich so zusammenfassen: Man kann der durchschnittlichen Leserschaft viel längere Wörter zumuten, als häufig angenommen wird, und viele Bindestriche verderben das Schriftbild. Ich empfehle deshalb auch bei drei aufeinanderfolgenden Buchstaben die Zusammenschreibung. Auch Wörter wie die folgenden fließen mir nie (na ja, fast nie) mit Bindestrich aus der Tastatur:

Maiausgabe, Gartenbauausstellung, blauäugig, Blaueisenerz, Polizeiauto, Parteieintritt, zweiäugig, Neuauflage, Neueinwanderer, Neueinwanderin, Treueeid, Energieaufwand, Energieeinsparung

Und weil man nie nie sagen soll, muss ich ein bisschen relativieren: Auch ich verwende gelegentlich verdeutlichende Bindestriche. Stilistisch viel schöner finde ich aber meist die Vermeidung von Wortungetümen, die wirklich einen verdeutlichenden Bindestrich nötig haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Von Grün-Weißem und rot-weiß Kariertem

Frage

Schreibt man „Das Team spielt in Grün-weiß“ oder „Das Team spielt in Grün-Weiß“? Oder ist auch „in Grünweiß“ möglich? Wenn ja, würde mir das nicht so zusagen, da der Kontrast der beiden Farben nicht so zur Geltung kommt, wie wenn man sie mit Bindestrich voneinander trennt.

Und noch ein Zweites: In der Zeitung […] las ich neulich: „das Hemdle leuchtet in rot weiß kariert“. Ich meine, dass es erstens nicht „kariert“ leuchten kann. Aber wie würde man es schreiben? Da gibt der Duden keine Auskunft.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

richtig ist beim ersten Beispiel die Großschreibung beider durch den Bindestrich verbundenen Teile:

Das Team spielt in Grün-Weiß.

Der Bindestrich zeigt hier an, dass die beiden Adjektive gleichrangig nebeneinanderstehen. Sie sind dann auch beide „gleichrangig“ als substantiviert anzusehen und entsprechend beide großzuschreiben. Die Zusammenschreibung ist hier übrigens ebenfalls korrekt:

Das Team spielt in Grünweiß.

Der Gebrauch des Bindestrichs beim Nebeneinander zweier Farben ist heute nicht mehr obligatorisch (vgl. hier). Ich halte es aber wie Sie und schreibe im Allgemeinen Mischfarben zusammen (der blaugrün leuchtende See) und das Nebeneinander von Farben mit Bindestrich (das blau-grün gestreifte Hemd).

Bei Ihrem zweiten Beispiel sollte eigentlich kein in stehen. Wenn man es aber stehen lässt, wäre dies eine passable Schreibweise

Das Hemdle leuchtet in Rot-Weiß kariert.

Besser formuliert man hier aber ohne in:

Das Hemdle leuchtet rot-weiß kariert.

Etwas ist nämlich nicht in Grün-Rot gestreift oder in Rot-Weiß kariert, sondern es ist einfach grün-rot gestreift bzw. rot-weiß kariert.

Ihre Ansicht, dass etwas nicht kariert leuchten kann, teile ich nur dann, wenn man es ganz wörtlich nimmt. Ich finde nämlich, dass etwas in frischen, bunten Farben Kariertes einem richtig entgegenleuchten kann. Es leuchtet dann frisch und bunt kariert! So viel Freiheit sollte beim Formulieren schon möglich sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

So groß wie ein Fünfcentstück

Eine Frage aus dem Bereich der Wortungetümkandidaten. Unter Wortungetümen verstehe ich nicht nur ganz lange Wörter, sondern auch Zusammensetzungen mit einer komplizierten Struktur. Heute geht es um zwei Wörter, die vielleicht nicht ganz das Prädikat „Wortungetüm“ verdienen, bei denen man sich aber doch überlegen sollte, ob eine Umschreibung nicht leserfreundlicher wäre.

Frage

Wie schreibt man eigentlich „Zweieurostück-groß“, „5-Cent-Stück-groß“ und Ähnliches? Also es geht um Dinge, die so groß sind wie ein Zweieurostück oder ein Fünfcentstück. Was wird hier groß- oder kleingeschrieben? Kommen Bindestriche hin und, wenn ja, wo?

Antwort

Sehr geehrte Frau N.,

wenn Sie mit einem Wort beschreiben möchten, dass ein Ding so groß ist wie ein Zweieurostück oder ein Fünfcentstück, gibt es auf der Ebene der Rechtschreibung verschiedene Lösungen:

zweieurostückgroß; ein zweieurostückgroßes Ding
fünfcentstückgroß; eine füncentstückgroße Sache

Zweieurostück-groß; ein Zweieurostück-großes Brandloch
Fünfcentstück-groß; eine Fünfcentstück-große Wunde

2-Euro-Stück-groß; ein 2-Euro-Stück-großer Rostfleck
5-Cent-Stück-groß; die 5-Cent-Stück-großen Farbkleckse

*In Verbindungen mit Bindestrich werden die Substantive großgeschrieben, auch wenn der Gesamtbegriff wie hier ein Adjektiv ist. Siehe hier.

Da ich immer für Zurückhaltung bei der Verwendung des Bindestrichs bin, würde ich mich unter Bedrohung mit einer geladenen Pistole für die erste Variante entscheiden. Meine unverbindliche Empfehlung für bessere Lesbarkeit ist aber eine ganz andere:

ein Ding, das so groß ist wie ein Zweieurostück
eine Sache von/mit der Größe eines Fünfcentstücks

Das ist nicht ganz so kurz und „schnittig“ formuliert, aber es liest sich einfacher.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die habermannsche Frage und die boppsche Antwort

Die Frage von Herrn Habermann – der hier ausnahmsweise nicht zu Herr H. verkürzt wird, sondern für die hier übliche Anonymisierung seiner Anfrage einen anderen Namen erhalten hat – gibt mir die Gelegenheit, die schöne Endung sch aufzugreifen. Im Prinzip ist es ganz einfach, aber eben …

Frage

Um etwas als für eine Person typisch zu kennzeichnen gibt es bekanntlich die Endung „sch“, also z. B. „Steinerscher Satz“. Man sieht aber oft die Schreibweise mit Apostroph: „Steiner’scher Satz“.

Frage 1: Was ist korrekt?
Frage 2: Steinersch ist ja eigentlich ein Adjektiv. Wie lautet in diesem Fall die Regel zur Gross/Kleinschreibung?

Antwort

Sehr geehrter Herr Habermann,

die boppsche oder Bopp’sche Antwort auf die habermannsche oder Habermann’sche Frage lautet:

Ohne Apostroph werden die mit der Endung -sch von Namen abgeleiteten Adjektive kleingeschrieben. (Die Regel, dass großgeschrieben wird, wenn das Adjektiv eine persönliche Leistung oder Zugehörigkeit ausdrückt, gilt seit der Rechtschreibreform nicht mehr.) Verwendet man einen verdeutlichenden Apostroph, schreibt man mit großem Anfangsbuchstaben. Siehe hier. Man schreibt also:

der steinersche o. Steiner’sche Satz
die darwinsche o. Darwin’sche Evolutionstheorie
die einsteinschen o. Einstein’schen Feldgleichungen
ein freudscher o. Freud’scher Versprecher
die oppenheimsche o. Oppenheim’sche Pelztasse
die schillerschen o. Schiller’schen »Räuber«
die thatchersche o. Thatcher’sche Politik

Auch bei Zisch- und ähnlichen Lauten wird die Endung einfach angehängt:

das huygenssche o. Huygens’sche Prinzip
die strausssche o. Strauss’sche Salome
die straußschen o. Strauß’schen Walzer
die buschschen o. Busch’schen Werke
das heinzsche o. Heinz’sche Ketchup
ein kaschnitzsches o. Kaschnitz’sches Hörspiel

Vokale am Ende des Namens bleiben erhalten, auch wenn sie unbetont sind oder gar nicht ausgesprochen werden:

die voltasche o. Volta’sche Säule
die dantesche o. Dante’sche Hölle
von shakespearescher o. Shakespeare’scher Größe
die linnésche o. Linné’sche Einteilung der Arten
das curiesche o. Curie’sche Gesetz
der faradaysche o. Faraday’sche Käfig

Und wie steht es mit Namen mit Bindestrich und mehrteiligen Namen? Besser als eine Erklärung sind Beispiele:

die van-goghschen o. van-Gogh’schen Sonnenblumen (van Gogh)
die la-fontaineschen o. La-Fontaine’schen Fabeln (La Fontaine)
die droste-hülshoffsche o. Droste-Hülshoff’sche Lyrik (Droste-Hülshoff)
das kübler-rosssche o. Kübler-Ross’sche Trauerschema (Kübler-Ross)
die kant-laplacesche o. Kant-Laplace’sche Theorie (Kant und Laplace)

So weit, so gut. Alles wäre also ganz einfach, wenn es nicht die Ausnahmeregelungen zur Großschreibung gäbe. Wenn ein Adjektiv Teil eines Eigennamens ist, schreibt man es auch ohne Apostroph groß:

der Halleysche Komet
die Magellanschen Wolken (zwei Zwerggalaxien)
das Müllersche Volksbad (ein Hallenbad in München)
die Seylersche Schauspiel-Gesellschaft (eine deutsche Wanderbühne im 18. Jh.)

Bezeichnungen von Lehrsätzen, Gesetzen, Theorien, Erfindungen usw. sind keine Eigennamen. Deshalb findet man oben wohl zum Erstaunen einiger Fachleute huygenssches Prinzip, curiesches Gesetz, faradayscher Käfig und voltasche Säule. In vielen Fachsprachen ist bei solchen Begriffen die Großschreibung des Adjektivs üblich, aber nach der geltenden Rechtschreibregelung müssten sie eigentlich kleingeschrieben werden. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie in diesem Bereich trotz des hier Gesagten vielen großgeschriebenen Adjektiven begegnen!

Der „verdeutlichende“ Bindestrich verdeutlicht nicht immer: Mann-männlich und mannmännlich

Eine Kampagne dagegen würde ich nicht organisieren, aber ich mag ihn nicht besonders, den „verdeutlichenden“ Bindestrich. Das ist der Bindestrich, den man setzen kann, um lange, komplexe oder missverständliche Zusammensetzungen leichter lesbar zu machen (vgl. hier). Während ich ihn bei Hochgeschwindigkeits-Internetzugang oder Mehrzweck-Eckschrank ganz gerechtfertigt finde, geht mir in einem normalen Text das Verlangen nach Verdeutlichung bei Schnell-Zug und Schlafzimmer-Möbel einfach zu weit. Man kann und darf der durchschnittlichen Leserschaft problemlos viel längere Wörter zumuten, als manche dies annehmen. (Anders sieht es bei Texten aus, die für Menschen mit Leseschwächen bestimmt sind.) Manchmal kann der verdeutlichende Bindestrich sogar zu eher verwirrenden Wortbildern führen. Das Beispiel in Herrn F.s Frage zeigt, dass man den verdeutlichenden Bindestrich sparsam und wohlüberlegt verwenden sollte.

Frage

Ein Berufskollege bat mich, Korrektor/Lektor, zu folgendem Fall um Rat: Er hat auf seinem Arbeitstisch die Wörter «mannmännlich» und «mann-männlich» (schwule Beziehung, homosexueller Akt u. Ä.). Was gilt und warum? – Ich finde für keine der beiden Schreibweisen eine gute Begründung. […]

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

hier würde ich eindeutig die Zusammenschreibung empfehlen:

mannmännlich

So schreibt man ja auch tagtäglich und wortwörtlich zusammen, zwei Wortbildungen die ganz ähnlich konstruiert sind. Es sind mit der Endung lich gebildete Ableitungen von Wortgruppen:

‚Tag für Tag‘ + lich = tagtäglich
‚Wort für Wort‘ + lich = wortwörtlich
‚Mann zu Mann‘ + lich = mannmännlich

Von der Verwendung des Bindestrichs würde ich hier nur schon deshalb abraten, weil Substantive in Zusammensetzungen mit Bindestrich großgeschrieben werden (siehe hier):

die amerikafreundliche Regierung
oder die Amerika-freundliche Regierung

eine konsumentenorientierte Lösung
oder eine Konsumenten-orientierte Lösung

also auch:

eine mannmännliche Beziehung
oder eine Mann-männliche Beziehung (??)

Ich finde, dass der verdeutlichend gemeinte Bindestrich hier verwirrend wirkt, weil er die interne Struktur des Wortes anders erscheinen lässt (Mann – männlich), als sie eigentlich gemeint ist (Mann/Mann – lich).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Drinks mit und ohne Ergänzungsstrich

Frage

Wenn ich mir in einer Bar einen Long Drink bestelle und meine Frau einen Soft Drink, dann steht da nach „Long“ bzw. „Soft“ kein Bindestrich. Wenn ich mir aber einen Long und meine Frau einen Soft Drink bestellt, kommen mir erhebliche Zweifel, ob ich das „Long“ so alleine stehen lassen soll oder nicht doch durch einen Bindestrich andeuten darf, dass da noch ein Wortteil folgt. Bitte beseitigen Sie meine Zweifel!

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

gerne beseitige ich Ihre Zweifel: Ein Bindestrich oder besser gesagt ein Ergänzungsstrich wird nur dann verwendet, wenn ein Wortteil eines zusammengeschriebenen Wortes wegfällt. Wenn Sie einen Long Drink und einen Soft Drink bestellen und das erste Drink weglassen, fällt (orthographisch gesehen) kein Wortteil, sonder ein Wort weg. Entsprechend verwenden Sie keinen Ergänzungsstrich:

ein Long und ein Soft Drink

Ob das Weglassen von Drink stilistisch immer überzeugt, ist eine andere Frage.

Es folgt nun etwas, was natürlich nur theoretisch und nur in geschriebener Form, nicht aber bei einer tatsächlichen Bestellung an der Bar irgendeine Rolle spielt: Man kann Longdrink und Softdrink auch zusammenschreiben. Wenn Sie nun einen Longdrink und einen Softdrink bestellen und dann beim ersten Wort drink weglassen, fällt kein ganzes Wort, sondern ein Wortteil weg. Dann benötigen Sie einen Ergänzungsstrich:

ein Long- und ein Softdrink

Theoretisch könnte man nun auch noch die Schreibungen Long Drink und Softdrink resp. Longdrink und Soft Drink miteinander kombinieren, aber das ist wenig konsequent und man sollte es der Deutlichkeit halber besser nicht tun.

Ganz ähnlich sieht die Ergänzungsstrichlage bei folgenden Beispielen aus:

Fast Food oder Slow Food → Fast oder Slow Food
Fastfood oder Slowfood → Fast- oder Slowfood

Hard Rock und Soft Rock → Hard und Soft Rock
Hardrock und Softrock → Hard- und Softrock

Beide Möglichkeiten gibt es natürlich nur dort, wo sowohl zusammen- als auch getrennt geschrieben werden kann. Nur eine Möglichkeit gibt es also zum Beispiel hier:

Hardware und Software → Hard- und Software
Corporate Banking und Private Banking →  Corporate und Private Banking

Bei den letzten beiden Beispielen können, falls gewünscht, zum Zwecke der Anglizismenvermeidung etwas „deutschere“ Bezeichnungen wie Apparate und Programme resp. Geschäfts- und Privatkundengeschäft verwendet werden. Bei den Hard, Soft und Long Drinks oder Hard-, Soft- und Longdrinks hingegen ist dies zum Teil ein bisschen schwieriger. Doch das hat sowieso nichts mit dem Ergänzungsstrich zu tun, um den es hier ja geht.

Prost!

Dr. Bopp