Osterflaute

Mit „Osterflaute“ ist hier nicht das Gegenteil von „Westerwelle“ gemeint. Diesem eher flauen Witz bin ich auf dem Internet begegnet, als ich googelnd das im Titel dieses Beitrags stehende Wort als Suchbegriff eintippte. Man verzeihe mir bitte, dass ich es einfach nicht lassen konnte, ihn hier zu erwähnen!

Mit „Osterflaute“ meine ich die stark zurückgehenden Besucherzahlen auf Canoonet und das fast vollständige Ausbleiben von Fragen an „Dr. Bopp“. Es ist ein jährlich wiederkehrendes Phänomen: Wenn die Osterglocken (ver)blühen und die Kohlmeisen den Nistkasten an unserem Haus beziehen, weiß ich, dass Sie mich wieder in großer Zahl im Stich lassen werden. Das nehme ich Ihnen natürlich nicht übel, schon gar nicht bei dem Osterwetter, das für einen großen Teil des deutschsprachigen Raumes vorhergesagt wird. Wen kümmern schon Sprach- und Rechtschreibfragen, wenn man ein paar Tage frei hat und das Wetter fast nichts zu wünschen übrig lässt?

Ich wünsche Ihnen jedenfall ganz schöne Ostertage und hoffe, dass Sie sich danach wieder zahlreich Canoonet und „Dr. Bopp“ besuchen werden.

Canoonet-App nun auch im Offline-Modus einsatzbereit!

Wenn Sie nicht ohne Canoonet auskommen (wer kann das schon?) und sich einmal in einem internetzugangslosen Zustand befinden, brauchen Sie nicht mehr zu verzagen: Die neueste Version der mobilen Canoonet-App für iPhone und iPod touch kann man nun auch im Offline-Modus benutzen! Mehr dazu finden Sie HIER.

Die Anwendung ist nicht ganz schlank und rank, da sie den ganzen Informationsreichtum von Canoonet  (Rechtschreibung, Flexionstabellen, vollständige Grammatik usw.) umfasst. Keine andere App in diesem Bereich bietet so viele Informationen zur deutschen Sprache an. Ihre Entwicklung war mit einem größeren Aufwand verbunden, so dass wir sie leider nicht kostenlos anbieten können. (Man hat mir allerdings zugeflüstert, dass zum Beispiel eine bekannte Universalwörterbuch-App doppelt so viel kostet.)

Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit

Zum Jahreswechsel gehören immer auch Listen und Aufzählungen. Die folgende „Bestenliste“ hat allerdings weder mit dem vergangenen Jahr 2010 noch mit dem soeben eingeläuteten Jahr 2011 besonders viel zu tun. Ich möchte das neue Jahr einfach mit einem leichten Thema beginnen.

Frage

Bei unseren Gesellschaftsspielabenden stoßen wir immer wieder auf die Frage nach langen Wörtern oder gar dem längsten Wort. Können Sie mir bitte das Wort aus Ihrem Korpus nennen, das die meisten Buchstaben hat?

Antwort

Sehr geehrter Herr V.,

da wir nur (mehr oder weniger) gebräuchliche Wörter aufnehmen, finden Sie in unserem Wörterbuch keine theoretisch möglichen Wortungetüme wie Kühlschrank­reparatur­dienstleistungs­gesellschafts­presse­vereinigungs­redaktions­sprecher oder Donau­dampfschiff­fahrts­gesellschafts­raddampfer­kapitäns­kajüten­tür­sicherheits­schlüssel, aber auch bei weitem nicht alle amtlichen, juristischen und sonstigen Fachbegriffe wie zum Beispiel das beachtliche 39 Buchstaben lange Wort Vermögens­schaden­haftpflicht­versicherung.

Die längsten Wörter in unserem Wörterbuch sind deshalb von recht bescheidener Länge:

31 Zeichen:

Angestelltenversicherungsgesetz
Kraftfahrzeugreparaturwerkstatt
Lebensversicherungsgesellschaft
Sekundärelektronenvervielfacher

32 Zeichen:

Borderlinepersönlichkeitsstörung
Feld-Wald-und-Wiesen-Übersetzung
Straßenverkehrszulassungsordnung

33 Zeichen:

Betriebsgewerkschaftsorganisation
DNA-Identitätsfeststellungsgesetz

34 Zeichen:

Donaudampfschifffahrtsgesellschaft
Allgemeinverbindlichkeitserklärung
mathematisch-naturwissenschaftlich

36 Zeichen:

Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung

37 Zeichen:

Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit

Da man diese Begriffe beliebig erweitern könnte und unser Wörterbuch, wie gesagt, nicht alle bestehenden und möglichen Fachbegriffe enthalten kann, hat diese Liste keinerlei Aussagekraft, die über die Feststellung des längsten zurzeit in Canoonet enthaltenen Wortes hinausginge. Ich hoffe, dass sie Ihnen gerade durch diesen willkürlichen Charakter trotzdem ein bisschen gefällt.

Mit den besten Wünschen für das neue Jahr

Dr. Bopp

Vorschlag für einen guten Vorsatz

Wenn alle Fragesteller und Fragestellerinnen sich für 2011 vornehmen würden, besonders gut darauf zu achten, dass sie die richtige Mailadresse für die Antwort angeben, wäre ich allen sehr dankbar. Ich komme darauf, weil die Antwort auf eine dringende Frage von Mana soeben „mailwendend“ zu mir zurückgekommen ist: Undelivered Mail Returned to Sender. This user doesn’t have a xyz.de account.

Liebe Mana, wenn Sie die Antwort immer noch benötigen, sollten Sie mir bitte Ihre richtige Adresse angeben. Das können Sie über das Kontaktformular oder die dort angegebene Mailadresse tun.

adidas, canoo, DER SPIEGEL und das iPhone

Frage

Wenn canoo im Satz klein geschrieben werden soll (davon gehe ich aus), wie schreibt man es dann am Satzanfang?

Antwort

Sehr geehrter Herr J.,

das Logo der Canoo Engineering AG ist:

canooRGB

Auch das Logo canoonet2 schreibt man mit einem kleinen Anfangsbuchstaben. Wenn man diese Wörter aber nicht als Logos, sondern als Namen in einem Text verwendet, kann man sie einfach mit einem großen C schreiben:

Es ist interessant, bei Canoo zu arbeiten.
Canoo ist eine Schweizer Firma.

Das Gleiche gilt auch für Logos wie »adidas« und »DER SPIEGEL«. Wenn Sie nicht an einen Hausstil gebunden sind, der etwas anderes vorschreibt, können Sie einfach Schuhe von Adidas und ein Artikel im Spiegel schreiben.

Es gibt nämlich keine amtliche Regelung für solche Fälle, denn es ist im Prinzip nicht korrekt, Eigennamen mit einem Kleinbuchstaben beginnen zu lassen. Da es aber allen freisteht, ihre Firma oder ihr Produkt so zu nennen, wie sie es wollen, gibt es nun einmal Eigennamen, die – zumindest in Logos – mit einem Kleinbuchstaben beginnen.

Da es keine offizielle Vorschrift gibt, haben Sie am Satzanfang verschiedene Möglichkeiten:

1. Sie schreiben trotzdem groß:

Adidas ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.

Das tue ich normalerweise. Es kann allerdings bei Namen wie iPhone zu unleserlichen Formen führen.

2. Sie schreiben auch am Satzanfang klein:

adidas ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.
iPhone ist nicht das bestverkaufte Smartphone.

Dies ist nicht zu empfehlen, weil die Großschreibung am Satzanfang eines der wichtigsten Gliederungselemente eines geschriebenen Textes ist. Ein Text wird durch solche Kleinschreibungen schlecht lesbar. Die Kleinschreibung am Satzanfang ist höchstens dann zu vertreten, wenn der Name sich als Logo oder anderweitig durch Farbe, Größe oder Schriftart vom Rest des Textes abhebt.

3. Sie vermeiden es, den Namen als erstes Wort im Satz zu verwenden. Meist kann umformuliert oder ein beschreibendes Element eingefügt werden. Zum Beispiel:

Die Firma »adidas« ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.
Apples iPhone ist nicht das bestverkaufte Smartphone.

Meine Empfehlung für solche Fälle lautet: Schreiben Sie nur Logos klein und verwenden Sie in durchlaufenden Texten, also nicht nur am Satzanfang, die sonst übliche Groß- und Kleinschreibung:

Canoo ist ein Spezialist für RIA-Anwendungen.
Sportschuhe von Adidas und Puma
Das habe ich im Spiegel gelesen.

Dies ist  die leserfreundlichste Variante. Leserfreundlichkeit finde ich hier wichtiger als Respekt vor der Kreativität der Logoentwerfer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wenn Sie sich kommerziell mit solchen Namen und Logos beschäftigen, sollten Sie natürlich die geltenden Bestimmungen zur Verwendung geschützter Markennamen beachten.

Dr. Bopp ist sehr unhöflich

Frage

Warum haben Sie mir immer noch nicht geantwortet? Ich finde das sehr unhöflich, wenn man bedenkt, dass Sie allen anderen hier geholfen haben.

gz. der Unbekannte

Antwort

Guten Tag!

Ich versuche immer, möglichst alle Fragen zu beantworten. Es kann trotzdem passieren, dass einmal etwas „durchrutscht“. Wenn das vorkommt, tut es mir sehr leid.

In Ihrem Fall ist es allerdings so, dass Sie wahrscheinlich – wie auch jetzt wieder – eine falsche E-Mail-Adresse angegeben haben (Undelivered Mail Returned to Sender: This user doesn’t have a yahoo.com account). Dann kann ich Ihnen nicht antworten. Ärgerlicherweise merke ich das immer erst dann, wenn ich die Frage bereits behandelt habe … Es werden nämlich bei weitem nicht alle Fragen im Blog veröffentlicht.

Wie es mit den Fragen an Dr. Bopp genau funktioniert, steht hier:

Die Antwort wird an Ihre E-Mail-Adresse geschickt! Vergewissern Sie sich deshalb bitte, dass Sie keine falsche E-Mail-Adresse angeben. Ihr Name und Ihre E-Mail-Adresse werden nicht veröffentlicht und nicht an Dritte weitergegeben. Fragen, die für einen größeren Leserkreis interessant sein könnten, werden ohne Namensnennung im Blog veröffentlicht.

Sehr geehrter „Unbekannter“, wie lautete Ihre Frage? Wenn Sie sie mir noch einmal schicken und dabei so höflich sind, eine richtige E-Mail-Adresse anzugeben, beantworte ich sie gerne.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Osterpause

Über die Ostertage werde ich Sprache wieder einmal einfach Sprache sein lassen. Ihre Fragen können Sie natürlich jederzeit stellen [hier], antworten werde ich aber erst wieder am 6. April. Ich wünsche Ihnen frohe Ostern! Mögen Ihnen die im Garten versteckten Ostereier nicht weggeschwemmt, zugeschneit oder kaputt gehagelt werden!

Dr. Bopp

Problematische E-Mail-Adressen

Es kommt manchmal vor, dass Fragesteller im Kontaktformular eine „problematische“ E-Mail-Adresse angegeben angeben. Gemeint sind Adressen, bei denen ich nach dem Abschicken der Antwort eine Unzustellbarkeitsmeldung erhalten. Falls Sie sich wundern, weshalb ich nicht antworte, liegt es vielleicht daran. Es geht diesmal um:

René F. (Frage zur Abkürzung inkl./incl.)
Kleon A. (u. a. Frage zu „um … zu“)
Taflo (Frage nach Internetseite mit Angabe zur Wortart)

Wenn Sie noch an einer Antwort interessiert sind, schicken Sie doch einfach Ihre E-Mail-Adresse an diese Adresse:
mailadresse

Ihre Frage habe ich noch und die Antwort ist auch schon formuliert!

Dr. Bopp

Abbildbar, das Suffix -bar und das Wörterbuch

Frage

Ich nutze Ihr Wörterbuch regelmäßig und gerne. Gelegentlich finde ich keine Antwort auf meine Fragen, einfach weil Wörter oder bestimmte Zusammensetzungen fehlen […]. Sind Sie daran interessiert, außer Fragen zur Grammatik auch generell Vorschläge zur Aufnahme neuer Begriffe zu erhalten, oder nervt Sie das? Ich habe zum Beispiel abbildbar vermisst.

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

es nervt keineswegs, wenn Sie neue Wörter zur Aufnahme vorschlagen. Wir nehmen solche Vorschläge sogar sehr gerne entgegen. Wir hoffen nur, dass es Sie dann nicht nervt, wenn wir ein Wort eventuell doch nicht aufnehmen oder wenn es lange dauert, bis ein Vorschlag online auf CanooNet erscheint.

Zu Ihrem konkreten Vorschlag abbildbar: Das Suffix -bar ist ein sehr produktives Suffix, das heißt, es werden sehr viele Adjektive mit ihm gebildet. Es kann nämlich bei sehr, sehr vielen Verben verwendet werden. Einige Beispiele, die dies zu illustrieren:

abbildbar, abänderbar, abbaubar, abberufbar, abbestellbar, abbezahlbar, abbrausbar, abbürstbar, abnehmbar, abschätzbar, abstellbar, …
anstellbar, aufstellbar, ausstellbar, beistellbar, bestellbar, darstellbar, einstellbar, erstellbar, verstellbar, vorstellbar, zustellbar, stellbar usw.

Sehen Sie diese Seite zur Wortbildung für weitere Informationen über -bar.

Unser Wörterbuch enthält über 18 000 Verben, von denen ein großer Teil ein Adjektiv auf -bar bilden kann. Es wird deshalb nicht möglich sein, alle auf -bar endenden Adjektive aufzunehmen. Es ist auch nicht immer unbedingt sinnvoll, denn manchmal sind solche Wortbildungen zwar möglich und korrekt, aber recht ungebräuchlich oder sehr ungewöhnlich. Zum Beispiel:

hinüberziehbar, kratzbar, eingrabbar, abkaubar

Übrigens: Wenn ein Wort nicht in einem Wörterbuch steht, heißt das noch lange nicht, dass es das Wort nicht gibt! Viele Wörter, die mit so produktiven Wortbildungselementen wie -bar gebildet werden (können), sind nicht in Wörterbüchern zu finden. Sie sind von sich aus verständlich und anwendbar, da ihre Bedeutung, Verwendung usw. sich einfach aus der Bedeutung des Grundwortes und der Art des Wortbildungselementes erschließen. Die Aufnahme von abbildbar werden wir natürlich trotzdem prüfen, denn dieses Adjektiv ist zum Beispiel im Bereich der Informatik recht gebräuchlich geworden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp