Von Grün-Weißem und rot-weiß Kariertem

Frage

Schreibt man „Das Team spielt in Grün-weiß“ oder „Das Team spielt in Grün-Weiß“? Oder ist auch „in Grünweiß“ möglich? Wenn ja, würde mir das nicht so zusagen, da der Kontrast der beiden Farben nicht so zur Geltung kommt, wie wenn man sie mit Bindestrich voneinander trennt.

Und noch ein Zweites: In der Zeitung […] las ich neulich: „das Hemdle leuchtet in rot weiß kariert“. Ich meine, dass es erstens nicht „kariert“ leuchten kann. Aber wie würde man es schreiben? Da gibt der Duden keine Auskunft.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

richtig ist beim ersten Beispiel die Großschreibung beider durch den Bindestrich verbundenen Teile:

Das Team spielt in Grün-Weiß.

Der Bindestrich zeigt hier an, dass die beiden Adjektive gleichrangig nebeneinanderstehen. Sie sind dann auch beide „gleichrangig“ als substantiviert anzusehen und entsprechend beide großzuschreiben. Die Zusammenschreibung ist hier übrigens ebenfalls korrekt:

Das Team spielt in Grünweiß.

Der Gebrauch des Bindestrichs beim Nebeneinander zweier Farben ist heute nicht mehr obligatorisch (vgl. hier). Ich halte es aber wie Sie und schreibe im Allgemeinen Mischfarben zusammen (der blaugrün leuchtende See) und das Nebeneinander von Farben mit Bindestrich (das blau-grün gestreifte Hemd).

Bei Ihrem zweiten Beispiel sollte eigentlich kein in stehen. Wenn man es aber stehen lässt, wäre dies eine passable Schreibweise

Das Hemdle leuchtet in Rot-Weiß kariert.

Besser formuliert man hier aber ohne in:

Das Hemdle leuchtet rot-weiß kariert.

Etwas ist nämlich nicht in Grün-Rot gestreift oder in Rot-Weiß kariert, sondern es ist einfach grün-rot gestreift bzw. rot-weiß kariert.

Ihre Ansicht, dass etwas nicht kariert leuchten kann, teile ich nur dann, wenn man es ganz wörtlich nimmt. Ich finde nämlich, dass etwas in frischen, bunten Farben Kariertes einem richtig entgegenleuchten kann. Es leuchtet dann frisch und bunt kariert! So viel Freiheit sollte beim Formulieren schon möglich sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Für die Kleinschreibung des Adjektivs

Stellvertretend für immer wiederkehrende Fragen zur Groß- und Kleinschreibung von Adjektiven in fest(er)en Wendungen greife ich die Beispiele von Frau P., Herrn W. und von L. auf. Es ging den drei Fragenden um die folgenden Wendungen:

die ordentliche Hauptversammlung / die Ordentliche Hauptversammlung
die allgemeinen Geschäftsbedingungen / die Allgemeinen Geschäftsbedingungen
die freie Marktwirtschaft / die Freie Marktwirtschaft
die unterlassene Hilfeleistung / die Unterlassene Hilfeleistung
der öffentliche Dienst / der Öffentliche Dienst

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Nach den Angaben der Rechtschreibregelung ist hier überall die Kleinschreibung des Adjektivs zu empfehlen. Bis auf gewisse zum Teil ziemlich schwammig definierte Ausnahmen ist die Großschreibung des Adjektivs in festen Wendungen in der Rechtschreibregelung nicht vorgesehen (§63).

Großgeschrieben wird in den folgenden Fällen (§60§64)

Eigennamen

die Neue Zürcher Zeitung
das Zweite Deutsche Fernsehen
das Internationale Komitee vom Roten Kreuz IKRK

Titel, Ehren- und Amtsbezeichnungen

der Heilige Vater
die Erste Vorsitzende

besondere Kalendertage

der Heilige Abend (24. Dez.)
der Weiße Sonntag (erster Sonntag nach Ostern)

Arten, Unterarten und Rassen in Botanik und Zoologie

der Japanische Ahorn
die Schwarze Mamba

Großgeschrieben werden können (und hier wird es schon etwas schwammiger):

Verbindungen, die eine neue Gesamtbedeutung haben (§63E). Die Standardbeispiele sind:

das schwarze / Schwarze Brett (das Anschlagbrett, das nicht schwarz sein muss oder auch digital sein kann)
der weiße Tod / Weiße Tod (der Lawinentod)
der letzte Wille / Letzte Wille (das Testament)

Was oft vergessen wird, ist der folgende Zusatz:

Kleinschreibung des Adjektivs ist in diesen Fällen der Regelfall.

Die schwammigste und deshalb vielleicht am häufigsten ge- und missbrauchte Ausnahmeregel ist die folgende :

Fachsprachliche Wendungen (§64E)

Die Großschreibung von Adjektiven, die mit dem Substantiv zusammen für eine begriffliche Einheit stehen, ist auch in Fachsprachen außerhalb der Biologie und bei Verbindungen mit terminologischem Charakter belegt.

die Gelbe Karte
der Goldene Schnitt
die Erste Hilfe

Man muss hier das Wörterverzeichnis bemühen, das die Regeln ergänzt, um zu sehen, dass in diesen Fällen auch die Kleinschreibung möglich ist:

die gelbe Karte
der goldene Schnitt
die erste Hilfe

Gerade in Fachsprachen kommt die Großschreibung des Adjektivs sehr häufig vor. Warum dies so ist, weiß ich nicht. Ich vermute, dass das Fachwort in dieser Form irgendwie „fachwortlicher“ aussieht. Wie meine eher negative Charakterisierung zeigt, wundere ich mich ein wenig über diese Vorliebe für die Großschreibung. Ich will den Fachleuten aber nicht dreinreden, wie sie ihre Fachwörter in Fachtexten zu schreiben haben.

Zurück zu den Beispielen oben. Die Wendungen sind keine Eigennamen oder andere Begriffe, die großgeschrieben werden müssen. Sie haben keine sonderliche Eigenbedeutung, die sich nicht aus der Bedeutung des Adjektivs und des Nomens erschließen ließe. Bis auf unterlassen Hilfeleistung sind es auch keine wirklichen Fachbegriffe. Meine Schlussfolgerung: Es gibt keinen Grund, das Adjektiv in diesen Verbindungen großzuschreiben. Also

die ordentliche Hauptversammlung
die allgemeinen Geschäftsbedingungen
die freie Marktwirtschaft
die unterlassene Hilfeleistung
der öffentliche Dienst

Es folgen noch ein paar Beispiele mit großgeschriebenen Adjektiven, die ich im Internet gefunden habe, bei denen ich eindeutig für die Kleinschreibung plädieren würde:

die Angewandte Chemie, die Archimedische Schraube, der Argentinische Tango, das Autogene Training, das Bürgerliche Recht, eine Dantische Hölle, die Erneuerbaren Energien, die Funktionale Grammatik, die Gewaltfreie Kommunikation, die Innere Medizin, das Kleine Latinum, das Kopernikanische Weltbild, das Kreative Schreiben, die Organische Chemie, die Sozialen Medien, die Technische Dokumentation, die Theoretische Physik usw. usw. usw.

NB: In all diesen Fällen ist die Rechtschreibregelung für die Kleinschreibung des Adjektivs. Und Dr. Bopp auch.

Die habermannsche Frage und die boppsche Antwort

Die Frage von Herrn Habermann – der hier ausnahmsweise nicht zu Herr H. verkürzt wird, sondern für die hier übliche Anonymisierung seiner Anfrage einen anderen Namen erhalten hat – gibt mir die Gelegenheit, die schöne Endung sch aufzugreifen. Im Prinzip ist es ganz einfach, aber eben …

Frage

Um etwas als für eine Person typisch zu kennzeichnen gibt es bekanntlich die Endung „sch“, also z. B. „Steinerscher Satz“. Man sieht aber oft die Schreibweise mit Apostroph: „Steiner’scher Satz“.

Frage 1: Was ist korrekt?
Frage 2: Steinersch ist ja eigentlich ein Adjektiv. Wie lautet in diesem Fall die Regel zur Gross/Kleinschreibung?

Antwort

Sehr geehrter Herr Habermann,

die boppsche oder Bopp’sche Antwort auf die habermannsche oder Habermann’sche Frage lautet:

Ohne Apostroph werden die mit der Endung -sch von Namen abgeleiteten Adjektive kleingeschrieben. (Die Regel, dass großgeschrieben wird, wenn das Adjektiv eine persönliche Leistung oder Zugehörigkeit ausdrückt, gilt seit der Rechtschreibreform nicht mehr.) Verwendet man einen verdeutlichenden Apostroph, schreibt man mit großem Anfangsbuchstaben. Siehe hier. Man schreibt also:

der steinersche o. Steiner’sche Satz
die darwinsche o. Darwin’sche Evolutionstheorie
die einsteinschen o. Einstein’schen Feldgleichungen
ein freudscher o. Freud’scher Versprecher
die oppenheimsche o. Oppenheim’sche Pelztasse
die schillerschen o. Schiller’schen »Räuber«
die thatchersche o. Thatcher’sche Politik

Auch bei Zisch- und ähnlichen Lauten wird die Endung einfach angehängt:

das huygenssche o. Huygens’sche Prinzip
die strausssche o. Strauss’sche Salome
die straußschen o. Strauß’schen Walzer
die buschschen o. Busch’schen Werke
das heinzsche o. Heinz’sche Ketchup
ein kaschnitzsches o. Kaschnitz’sches Hörspiel

Vokale am Ende des Namens bleiben erhalten, auch wenn sie unbetont sind oder gar nicht ausgesprochen werden:

die voltasche o. Volta’sche Säule
die dantesche o. Dante’sche Hölle
von shakespearescher o. Shakespeare’scher Größe
die linnésche o. Linné’sche Einteilung der Arten
das curiesche o. Curie’sche Gesetz
der faradaysche o. Faraday’sche Käfig

Und wie steht es mit Namen mit Bindestrich und mehrteiligen Namen? Besser als eine Erklärung sind Beispiele:

die van-goghschen o. van-Gogh’schen Sonnenblumen (van Gogh)
die la-fontaineschen o. La-Fontaine’schen Fabeln (La Fontaine)
die droste-hülshoffsche o. Droste-Hülshoff’sche Lyrik (Droste-Hülshoff)
das kübler-rosssche o. Kübler-Ross’sche Trauerschema (Kübler-Ross)
die kant-laplacesche o. Kant-Laplace’sche Theorie (Kant und Laplace)

So weit, so gut. Alles wäre also ganz einfach, wenn es nicht die Ausnahmeregelungen zur Großschreibung gäbe. Wenn ein Adjektiv Teil eines Eigennamens ist, schreibt man es auch ohne Apostroph groß:

der Halleysche Komet
die Magellanschen Wolken (zwei Zwerggalaxien)
das Müllersche Volksbad (ein Hallenbad in München)
die Seylersche Schauspiel-Gesellschaft (eine deutsche Wanderbühne im 18. Jh.)

Bezeichnungen von Lehrsätzen, Gesetzen, Theorien, Erfindungen usw. sind keine Eigennamen. Deshalb findet man oben wohl zum Erstaunen einiger Fachleute huygenssches Prinzip, curiesches Gesetz, faradayscher Käfig und voltasche Säule. In vielen Fachsprachen ist bei solchen Begriffen die Großschreibung des Adjektivs üblich, aber nach der geltenden Rechtschreibregelung müssten sie eigentlich kleingeschrieben werden. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie in diesem Bereich trotz des hier Gesagten vielen großgeschriebenen Adjektiven begegnen!

Krank am Tag der Kalten Sophie

Heute, am fünfzehnten Mai, ist der Tag der heiligen Sophie. Sie ist im Kalender die letzte der Eisheiligen, die je nach Region vom 11. oder 12. bis zum 15. Mai dauern. Nach den Eisheiligen sind gemäß den alten Bauernregeln keine Nachtfröste mehr zu erwarten. Also nichts wie raus mit dem frostempfindlichen einjährigen Sommerflor!

Schwarzäugige Susanne

Schwarzäugige Susanne (Bild: Wikimedia)

Auch ich – mittlerweile in ein Alter gekommen, in dem man sich tatsächlich mit Gartenblumen beschäftigt und sich noch nicht einmal schämt, darüber zu reden – auch ich hatte geplant, heute schnurstracks ins Gartencenter zu gehen und eine schöne Auswahl aus all den Begonien, Petunien, Fleißigen Lieschen, Schwarzäugigen Susannen usw. für Garten und Balkon zusammenzustellen. Das Stadium, Blümchen selbst aus Samen zu ziehen, habe ich nämlich (noch?) nicht erreicht. Doch wer macht mir einen Strich durch die Rechnung? Die Grippe. Ausgerechnet am Tag der Kalten Sophie hat mich die Grippe erwischt. Das passt zwar zum Adjektiv kalt, aber nicht zum lang erwarteten Sommerflor.

Wenn Sie also dieser Tage etwas länger auf eine Antwort warten müssen, ist das dadurch zu erklären, dass ich krank darniederliege. Ganz so schlimm ist es nicht, wie nur schon die Tatsache zeigt, dass ich noch zu Blogeinträgen fähig bin. Aber wenn schon krank, dann auch mit Klagen!

Die Staatsangehörigkeit und das Adjektiv: Deutsch oder deutsch?

Heute geht es wieder einmal um eine Frage, die vielen von Ihnen sicher bekannt vorkommt. Sie taucht regelmäßig in Fragerubriken, Foren usw. auf. Ich bilde mir dann auch nicht ein, dass ich sie mit diesem Blogartikel ein für allemal aus der Welt schaffe. Aber probieren kann man es ja trotzdem.

Frage

Staatsangehörigkeit: deutsch oder Deutsch? Groß oder klein?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

richtig ist hier die Kleinschreibung. Gemeint ist das Adjektiv deutsch, das das Substantiv Staatsbürgerschaft oder die betreffende Person näher bestimmt:

Staatsangehörigkeit: deutsch

Man schreibt das ungebeugte Deutsch eigentlich nur dann groß, wenn es als Sprachbezeichnung verwendet wird (z.B. auf Deutsch, Deutsch können, mehr dazu hier):

Sprachen: Deutsch (Muttersprache), Englisch (gut)

Etwas einleuchtender wird die Kleinschreibung vielleicht auch dann, wenn die Deutschen kurz über die Grenze gucken. Auch dort schreibt man das entsprechende Adjektiv klein*:

Staatsangehörigkeit: österreichisch
Nationalität: schweizerisch

Bei verheiratet, ledig, verwitwet und geschieden scheint übrigens praktisch niemand die Neigung zu haben, das Adjektiv großzuschreiben. Auch hier gilt die Kleinschreibung:

Familienstand: verheiratet

Ganz so streng muss man es nicht unbedingt nehmen. Wer bei den persönlichen Angaben nach dem Doppelpunkt Deutsch statt deutsch schreibt, wird bestimmt nicht gleich des Landes verwiesen, und auch die Stelle, für die man sich bewirbt, ist dadurch kaum gefährdet. Doch wenn die Frage lautet, was regelkonform ist, heißt die Antwort: klein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Im Reispass steht allerdings:

Staatsangehörigkeit: Österreich
Nationalität: Schweiz, Suisse, Svizzera, Svizra, Switzerland

Wird das große Ü zu UE oder zu Ue?

Frage

Wenn man ü mit ue umschreiben muss, was schreibt man dann bei einem großen Ü? UE oder Ue? Beispiel: Uebersetzung/UEbersetzung. Für beides gibt es Argumente. […] Gibt es dazu einen Konsens oder eine Regel? Oder darf ich das machen wie ich will?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

wenn der Großbuchstabe Ü nicht zur Verfügung steht, wird er in der Regel durch Ue ersetzt:

Ueber Dr. Oetkers Ruehrkuchen mit Aepfeln wird nicht viel Uebles gesagt.

Siehe auch hier.

Man geht also genau gleich vor, wie bei der Großschreibung von Diphthongen und in der Schrift besonders gekennzeichneten langen Vokalen:

Auge, Äuglein, Eigelb, Eugen
Aachen, Ahle, Ehre, Ohr, Ührchen

Auch bei mit mehreren Buchstaben geschriebenen einfachen Konsonanten ist dies der Fall:

Schule, China

Das Prinzip der Großschreibung des Anfangsbuchstabens ist also rein formal. Man schreibt den ersten Buchstaben groß, egal ob er nun für sich allein einen Laut darstellt oder ob er zusammen mit einem anderen Buchstaben für eine lautliche Einheit steht (oder wie ue einen Einzelbuchstaben vertritt).

Das mag uns aus Gewohnheit ganz normal erscheinen, doch wie Ihre Frage zeigt, ist es das nicht unbedingt. Die meisten Sprachen machen es so wie wir, aber im Niederländischen gibt es tatsächlich eine Buchstabenkombination, die als ein Buchstabe zählt und am Satzanfang oder in Eigennamen als Ganzes großgeschrieben wird: Das kleine ij wird zum großen IJ. Man segelt dort deshalb nicht auf dem *Ijsselmeer und isst sein Eis nicht im *Ijssalon ‚t Hoekje,  sondern auf dem IJsselmeer und im IJsalon ‚t Hoekje. Selten ist in der Rechtschreibung etwas ganz so selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Substantivierte »Jährige«

Frage

Ich lektoriere gerade einen Text und bin mit der Frage konfrontiert, ob das J in „die 38-jährige“ (ohne nachfolgendes Substantiv) groß- oder kleingeschrieben wird. Meiner Auffassung nach steht die Zahl 38 einfach als Ersatz für das Wort „Achtunddreißig“, an das ich das „jährige“ schlicht anhängen würde. […]

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

richtig sind hier der Bindestrich und das große J:

die 38-Jährige

Ebenso (wenn mit Ziffern geschrieben):

Ferienlager für 14- bis 18-Jährige
Benimm dich nicht wie ein 7-Jähriger!

Den Bindestrich, den Sie ja auch gesetzt haben, kann ich leicht erklären: Zusammensetzungen mit einer Ziffer werden mit Bindestrich geschrieben (Regel). Bei der Großschreibung des J ist es etwas schwieriger. Im Prinzip gilt, dass man Substantive in Zusammensetzungen mit einem Bindestrich großschreibt (Regel). Wir müssen also davon ausgehen, dass Jährige in der substantivierten Form 38-Jährige als Substantiv gilt und deshalb großgeschrieben wird.

Dass das J in die 38-Jährige großgeschrieben werden muss, kann ich nachvollziehen, aber ich weiß es ehrlich gesagt nicht, weil ich es sofort eindeutig aus den Regeln ableiten kann. Ich weiß es vor allem, weil in Paragraph 40.3 der amtlichen Rechtschreibregelung das Beispiel der 17-Jährige steht und die zur amtlichen Regelung gehörenden Wörterliste beim Stichwort acht angibt: der, die 8-Jährige.

Die genaue Schreibung von die 38-Jährige, der 17-Jährige, die über 100-Jährigen usw. gehört zu den Sachen, die man sich am besten einfach merkt. Wenn Sie trotzdem einmal unsicher sind, schauen Sie einfach in Canoonet nach, zum Beispiel hier oder hier. Und dann gibt es natürlich immer auch die Möglichkeit, keine Ziffern zu verwenden:

die Achtunddreißigjährige

Mit freundlichen Grüßen

Dr.  Bopp

Macht die Pistole peng oder Peng?

Frage

Könnten Sie mir sagen, ob in den folgenden Fällen Groß- oder Kleinschreibung in der Verwendung von Onomatopoetika angebracht ist?

– Die Pistole machte P/peng.
– Es machte P/platsch, als er ins Wasser sprang.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

die Rechtschreibregel, die diesen Fall eindeutig beschreibt, muss ich Ihnen schuldig bleiben. Nach meinem Urteil kann hier sowohl klein- als auch großgeschrieben werden:

Die Pistole machte peng/Peng.
Es machte platsch/Platsch, als er ins Wasser sprang.

Dies in Anlehnung an vergleichbare Fälle, die man „offiziell“ (gemäß der zur amtlichen Regelung gehörenden Wörterliste) klein- oder großschreiben kann:

nein/Nein sagen
bravo/Bravo rufen
hurra/Hurra schreien

Im Prinzip werden klangnachahmende Wörter und allgemein Interjektionen kleingeschrieben:

Peng, peng, peng! Drei Schüsse erklangen.
Dann sprang er, platsch, ins Wasser.
Denen hab ich’s gezeigt, hihi!

Man muss sie aber großschreiben, wenn sie als Substantiv verwendet werden (Regel):

Man hörte das Peng der Pistole.
Mit einem Platsch sprang er ins Wasser.
Lass doch dein albernes Hihi!

Bei peng/Peng machen und platsch/Platsch machen kann wie bei nein/Nein sagen und bravo/Bravo rufen nicht entschieden werden, ob es sich um eine Substantivierung handelt oder nicht. Entsprechend halte ich hier sowohl die Groß- als auch die Kleinschreibung für richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

O, o – das olympische Feuer an den Olympischen Spielen

Ich muss zugeben, dass ich kein besonders sportlicher und schon gar kein sportinteressierter Mensch bin. Aber man sollte ja trotzdem „etwas“ tun, um mit zunehmendem Alter nicht ganz einzurosten und die Konfektionsgrößen nicht allzu schnell zu wechseln. Da die Fingerbewegungen auf der Tastatur und die Beinarbeit beim Kaffeeholen nicht ausreichen und sich das Radfahren im Winter auf das Notwendigste beschränkt, kann man auch mich regelmäßig als Jogger verkleidet durch die Natur keuchen sehen. Ich bin dann immer recht stolz auf meine Leistung, bis mich dann wirklich sportliche Leute offenbar ohne größere Anstrengung leichtfüßig überholen. Soweit zum aktiven Sportler. Auch als „Passivsportler“ tauge ich nicht viel. Die Fußball- und Skisaisons gehen von mir unbemerkt vorbei – soweit das bei der großen Medienpräsenz möglich ist – und andere Sportarten verfolge ich mit ebenso geringem Interesse. Das hat übrigens keine tiefere Bedeutung. Ich verstehe den Spaß am Sport und gönne ihn allen. Es ist nur nicht meine Sache.

Die gestern offiziell eröffneten Olympischen Winterspiele können mich entsprechend nur mäßig fesseln. Deshalb hier nur kurz etwas Orthographisches „zum Thema“: Es gibt eine starke Neigung, das Adjektiv olympisch großzuschreiben. Das ist aber nur dann richtig, wenn es Teil eines Eigennamens ist:

die Olympischen Spiele
die Olympischen Winterspiele
das Internationale Olympische Komitee (IOK)

Wenn es sich als „gewöhnliches“ Adjektiv auf die Olympischen Spiele bezieht, schreibt man es klein (vgl. hier):

das olympische Dorf
der olympische Eid
das olympische Feuer

Den Sportlern und Sportlerinnen in Sotschi ist es aber bestimmt egal, ob sie um orthographisch korrekte olympische Medaillen oder um nicht ganz richtig geschriebene *Olympische Medaillen wetteifern. Und allen Olympiafans wünsche ich viel olympischen Sportgenuss!

Die große/Große Koalition

Deutschland hat eine neue Regierung, eine Koalition zwischen CDU/CSU und  SPD. Eine Koalition zwischen den zahlenmäßig stärksten Parteien wird mit dem Adjektiv groß näher bestimmt. Und dann kommt es für diejenigen, die alles ganz korrekt schreiben wollen, zu einem kleinen Problem mit groß: Ist es die große Koalition oder die Große Koalition?

Eine kleine, wissenschaftlich und methodisch völlig unzureichende Stichprobe* im Internet zeigt heute Folgendes:

die große Koalition
Bild, Focus online, Frankfurter Allgemeine, Neue Zürcher Zeitung, Süddeutsche

die Große Koalition
Basler Zeitung, Heute.at, Spiegel, TAZ, Zeit Online

Beides:
Berliner Zeitung, Der Standard, Die Welt

Man ist sich online also alles andere als einig, ob das Adjektiv große hier groß- oder kleingeschrieben werden soll. Das liegt daran, dass die Rechtschreibregelung beides zulässt. So kann man es jedenfalls z. B. im Rechtschreibduden und Canoonet nachlesen.

Falls Sie sich gewundert haben sollten: Sowohl die Anhänger von die Große Koalition als auch diejenigen, die für die große Koalition sind, haben recht – zumindest orthografisch. Einen kleinen Vorwurf kann man nur denjenigen machen,  bei denen beide Formen erscheinen. Stilistisch gesehen sollte es vermieden werden, innerhalb eines Textes, einer Publikation usw. verschiedene Schreibweisen nebeneinander zu verwenden.

So viel zur aktuellen politischen Lage. Ich wünsche allen einen schönen dritten Advent.

* Die Auswahl der Zeitungen ist willkürlich und die Angaben beziehen sich nur auf die Schreibweisen, die ich bei einem schnellen Blick auf die jeweiligen Hauptseiten gefunden habe. Die Angaben sind also nicht exakt, aber sie sollen ja nur aufzeigen, dass beide Schreibweisen regelmäßig vorkommen.