Unterwegs

Wieder einmal bin ich für ein paar Tage unterwegs. Ich werde versuchen, der französischen Tourismus- und Gastronomiebranche im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten einen bescheidenen Impuls zu geben. Als europäischer Konsument soll man ja in dieser Krisenzeit den Euro rollen lassen, wenn man noch einen hat.

Ab dem 17. Juni bin ich wieder für Sie und Ihre Sprachfragen da. In der Zwischenzeit wird Canoonet natürlich nicht abgeschaltet: Unser Team sorgt dafür, dass die unter www.canoonet.eu angebotenen Sprachdienste wie immer vierundzwanzig Stunden am Tag online zur Verfügung stehen!

Merci et au revoir!

Dr. Bopp

Angela Merkel mit und ohne Kommas

Frage

Ich hatte noch gelernt, dass bei Funktionsbezeichnungen wie: „Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, sagte …“ die Apposition mit Kommata abgetrennt wird, weil es nur eine amtierende Bundeskanzlerin gibt. Wenn man die Bezeichnung wie einen Titel gebraucht, steht kein Komma: „Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte …“

Dann hatte ich noch gelernt, dass wenn z. B. ein Amt von mehreren Personen ausgeübt wird, kein Komma steht: „Der stellvertretenden Landesvorsitzende der GdP-Saarland Ralf Porzel sagte …“

Ich bin durch die ganzen Rechtschreibreformen verunsichert und wollte deshalb wissen, ob das immer noch so ist?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

durch die Rechtschreibreform hat sich in diesem Bereich der Kommasetzung nichts geändert. Die Regel, die Sie hantieren, führt meist zu einem korrekten Resultat, sie ist aber viel zu strikt. Es gibt oft mehr als eine Möglichkeit.

Die Kommasetzung hängt hier nämlich nicht davon ab, ob es einen oder mehrere Vertreter einer bestimmten Funktion gibt, sondern davon, ob man die Nennung des Namens als Hauptsache oder als nachgestellte Apposition (nähere Bestimmung) versteht. Im Prinzip ist es ganz einfach: Wenn man in der gesprochenen Sprache vor und nach dem Namen eine Pause macht, ist er eine Apposition, das heißt eine nähere Bestimmung, wer genau mit der genannten Funktion gemeint ist. Man setzt Kommas. Wenn man beim Sprechen keine Pausen macht, ist der Name der Kern der Wortgruppe, dem ein Titel oder eine Funktionsbezeichnung vorausgeht. Man schreibt keine Kommas. In vielen Fällen ist beides möglich, unabhängig davon, ob es mehrere Vertreter oder Vertreterinnen der genannten Funktion gibt oder nicht. Ein paar Beispiele:

Mit oder ohne Pause → mit oder ohne Komma:

Es spricht die Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Es spricht die Bundeskanzlerin, Angela Merkel.

Der Vorsitzende Hans Christoph Brummer begrüßte die Anwesenden.
Der Vorsitzende, Hans Christoph Brummer, begrüßte die Anwesenden.

Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin Dr. Thekla Araneus einverstanden sei.
Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin, Dr. Thekla Araneus, einverstanden sei.

Ich reiste mit meinem Nachbarn Alois Siebenpunkt nach Prag.
Ich reiste mit meinem Nachbarn, Alois Siebenpunkt, nach Prag.

Ohne Pause → ohne Komma:

Nach der Aussage der Landtagsabgeordneten Maja Apis verliefen die Unterhandlungen gut.

Mit Pause → mit Komma:

Nach der Aussage einer Landtagsabgeordneten, Maja Apis, verliefen die Unterhandlungen gut.

Mir persönlich helfen die Pausen in der gesprochenen Sprache gut bei der Entscheidung, ob ich in solchen Fällen ein Komma setzen will oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Flamingos in NRW

Wenn Sie mich nun fragen, was Flamingos in Nordrhein-Westfalen zu suchen haben – und zwar nicht in einem öffentlichen Tiergarten oder einem Privatzoo, sondern in freier Wildbahn –, dann könnte die „humoristische“ Antwort lauten: Futter. Wir waren im Zwillbrocker Venn, im Münsterland, ganz an der niederländischen Grenze. Dort gibt es tatsächlich seit den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts eine kleine Brutkolonie von Flamingos, die nördlichste der Welt. Lärmende Möwen, bewegungslos fischende Graureiher und ihre Flügel spreizende Kormorane sind ein schöner, aber vielleicht nicht allzu großes Staunen erregender Anblick in einem Naturschutzgebiet rund um einen kleinen See. Herumstelzende Flamingos hingegen passen irgendwie gar nicht in diese Szenerie. Sie taten uns sogar den Gefallen, ihr Futter ganz in der Nähe der Beobachtungshütte zu suchen, so dass wir sie auch ohne Fernglas gut bewundern konnten. Die „richtige“ Fotokamera war leider nicht dabei und die Handyfotos sind zu unscharf geworden, als dass man sie hier veröffentlichen könnte. Dieser Beitrag bleibt deshalb leider fotolos.

Nach einem wohlverdienten Bierchen in der Sonne fragte der berufsdeformierte Dr. Bopp sich natürlich nicht nur, wie Flamingos einen Winter wie den vergangenen an einem zugefrorenen Gewässer überstehen (sie ziehen offenbar an einen Ort mit einem nicht zugefrorenen Gewässer), sondern auch, woher das Wort Flamingo kommt.

Der Name Flamingo stammt aus dem Portugiesischen und Spanischen (flamingo resp. flamengo). Alles andere ist unsicher. Das spanische Wort könnte auf das provenzalische flamenc zurückgehen, das vom lateinischen Wort flamma (Flamme) abgeleitet ist und sich auf das flammend rotweiße Federkleid der Vögel bezieht. Das französische Wort für Flamingo, flammant, geht auch auf diese provenzalische Form zurück.

Eine andere Theorie besagt, dass der spanische Vogelname vom flämischen Wort Vlaming (= Flame) abgeleitet sei. Flandern war vom 16. bis ins 18. Jahrhundert ein Besitz der spanischen Krone und es gab lange Zeit intensive Kontakte zwischen Spanien und Flandern. Die Vögel hätten also ihren Namen der Ähnlichkeit mit der rosa Hautfarbe der Flamen zu verdanken. Wenn man bedenkt, dass die Flamen die Nachbarn der heutigen Niederländer sind, und man sich die von Weiß über Rosa in feuriges Rot verfärbende Haut des eben am spanischen Strand angekommenen holländischen Touristen vor Augen führt, ist diese Theorie gar nicht so abwegig.

Wahrscheinlicher ist aber dennoch, dass Flamingo über das provenzalische flamenc auf flamma zurückgeht. Im Spanischen sind die Bezeichnung für den Vogel und der Name der Flamen einfach lautlich zusammengefallen. Das heutige spanische Wort für beides ist flamenco. Wie nun der typisch spanische Flamencotanz zum Vogel und zu den Flamen passt, ist eine andere, ebenfalls nicht vollständig geklärte Wortgeschichte.

Wenn die rosarot gefiederten Vögel ihren Namen tatsächlich den Einwohnern der früheren Spanischen Niederlande zu verdanken hätten, wären sie heute ganz im Westen Nordrhein-Westfalens an der niederländischen Grenze doch nicht so fehl am Platz. Dieser „abrundende“ Schlusssatz klingt – ich gebe es zu – nur schon desalb ziemlich forciert, weil Vögel sich bei der Wahl ihrer Brutplätze keinen Deut um die europäische Geschichte kümmern.

Stilistisches zur Freien und Hansestadt

Frage

Hamburg, seit ein paar Jahren meine Wahlheimatstadt, bezeichnet sich immer gerne als „Freie und Hansestadt Hamburg“. Jedes Mal, wenn ich dies lese, frage ich mich, ob man wirklich ein Adjektiv und ein Substantiv auf diese Weise verbinden kann. Müsste es nicht heißen „Freie Hansestadt Hamburg“ oder höchstens „Freie hanseatische Stadt Hamburg“?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

es zeigt sich hier wieder einmal, dass man Regeln nicht überstrapazieren sollte. Im Prinzip haben Sie recht. Zusammenziehungen wie die folgenden sind grammatisch möglich, gelten aber stilistisch als unschön:

Fliegen- und andere Pilze
öffentliche und Privatmittel
das freiwillige und Ehrenamt

Man formuliert hier besser zum Beispiel:

Fliegenpilze und andere Pilze
öffentliche und private Mittel
das freiwillige Ehrenamt

Vgl. auch diese Grammatikseite (insbesondere unter „Einschränkungen“).

Freie und Hansestadt Hamburg ist ebenfalls eine solche Formulierung. Die Adjektiv-Substantiv-Gruppe freie Stadt wird mit der Zusammensetzung Hansestadt zusammengezogen. Es handelt sich also um eine Art Zusammenziehung, die eigentlich vermieden werden sollte. Dieser Name ist aber so sehr eingebürgert (und, soweit ich weiß, sogar eine offizielle Bezeichnung), dass man nicht mehr von einem stilistischen Fehler sprechen kann. Man sagt und schreibt deshalb problemlos:

Freie und Hansestadt Hamburg

Anders sieht es in Bremen aus. Dort heißt es normalerweise:

Freie Hansestadt Bremen

Ob man daraus schließen kann, dass die Bremer die deutsche Sprache stilsicherer verwend(et)en als die Hamburger, wage ich nicht zu beurteilen. In diese interhanseatischen Nesseln will ich mit nicht setzen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

O oder oh

Frage

Eine Frage zum Thema Interjektion: Schreibt man zum Beispiel „Oh Gott“ oder „O Gott“; „Oh lasst uns singen!“ oder: „O lasst uns singen!“? Wann also „Oh“, wann „O“ und warum? Ich habe diesbezüglich beide Möglichkeiten schon gesehen, aber nicht immer ist das, was allgemein so verwendet, auch richtig.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

ob Sie oh oder o schreiben, hängt davon ab, was Sie rufen:  Wenn die Interjektion allein steht oder betont ist, schreibt man oh. Man schreibt o, wenn sie einen Ausruf einleitet, vor allem wenn sie nicht die Hauptbetonung trägt:

Oh!
Oh, oh!
Oh, wie schön! (oh ist betont, Komma entspricht einer Pause)
Oh, Gott! (oh ist betont, Komma entspricht einer Pause)

O weh!
O ja!
O wie schön!  (keine Pause, Hauptbetonung liegt auf schön)
O Gott! (keine Pause, Hauptbetonung liegt auf Gott)

Im Allgemeinen können Sie sich an diese Richtlinien halten:

  • oh wenn betont und lang
  • o wenn nicht betont und kurz

Oft sind beide Schreibweisen möglich, je nachdem, welche Aussprache gemeint ist:

Oh, lasst uns singen!
O lasst uns singen!

Wenn man den Ausruf nicht auch hört, kann man also in der Regel gar nicht beurteilen, ob er tatsächlich orthographisch richtig wiedergegeben wird. Das ist aber oft gar nicht so wichtig: Es macht mir zum Beispiel nicht viel aus, ob Sie beim Lesen dieses Texts Oh, wie interessant! oder O wie interessant! rufen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Einbildung einer Krankheit

Frage

Macht der folgende Satz Sinn?

Ich leide an einer sonderbaren Krankheit oder der Einbildung derselben.

Also:

Ich leide an einer Krankheit oder an der Einbildung einer Krankheit.

Zwar bin ich davon überzeugt, dass der Satz sinnvoll und korrekt ist, dennoch erscheint er mir irgendwie „sonderbar“. Was halten Sie davon?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

auch mir kommt dieser Satz seltsam vor. Er ist nicht unbedingt falsch, aber ungewöhnlich formuliert. Was stört uns an dieser Formulierung? Ein Erklärungsversuch:

Wenn man leidet, weil man sich eine Krankheit einbildet, sagt man normalerweise nicht, dass man an der Einbildung leidet. Das Leiden wird ja subjektiv nicht durch die Einbildung, sondern durch die Symptome der vermeintlichen Krankheit verursacht. Üblichere Formulierungen sind deshalb wohl:

Ich leide an einer sonderbaren Krankheit oder ich bilde mir sie ein.
Ich leide an einer sonderbaren oder an einer eingebildeten Krankheit.

Ihr Beispiel (Ich leide an der Einbildung einer Krankheit) ist, wie gesagt, nicht grundsätzlich falsch. Man sagt aber eigentlich nicht, dass man an den Symptomen einer eingebildeten Krankheit leidet. Man betont eher, dass man am Bewusstsein leidet, sich eine Krankheit einzubilden.

Es gibt allerdings eine noch viel einfachere stilistische Erklärung, die ohne semantische Haarspalterei auskommt: Die Formulierung die Einbildung einer Krankheit ist umständlicher, unschöner Nominalstil*. Nur schon deshalb sagt man besser eine eingebildete Krankheit oder sich eine Krankheit einbilden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Nominalstil = Stil mit vielen Substantiven und entsprechend wenig Verben und Adjektiven. Die Substantive sind oft von Verben oder Adjektiven abgeleitet. Der Nominalstil wirkt oft schwerfällig, umständlich oder bürokratisch und sollte wenn möglich vermieden werden. Beispiele: das Nichterfüllen der Versicherungs- und Sicherstellungspflich, bei Nichterscheinen, Inanspruchnahme der Ausfuhrerstattung, die Höherstellung der Enthaltsamkeit, die Einbildung einer Krankheit.

Die 24-Volt-Spannung und die 25-Grad-Grenze

Die elektrische Spannung und die Temperaturgrenze stehen nur deshalb gemeinsam im Titel, weil beide mit Bindestrichen geschrieben werden. Heute geht es nämlich um eine zwar recht einfach zu beantwortende, aber trotzdem immer wieder auftauchende Rechtschreibfrage:

Frage

Gerne würde ich wissen, wie man Zusammensetzungen wie „24 V Spannung“ und „24 Volt Spannung“ schreibt. Mit Bindestrichen, Leerstellen oder zusammen?

Antwort

Guten Tag,

in Zusammensetzungen mit Ziffern und Abkürzungen verwendet man Bindestriche. Für Ihr Beispiel bedeutet dies, das wie folgt geschrieben wird:

die 24-Volt-Spannung
die 24-V-Spannung

Die entsprechende Regel finden Sie hier. Man schreibt also zum Beispiel auch:

die 100-Jahr-Feier
der 80-Meter-Lauf oder der 80-m-Lauf
der 5-Liter-Kanister oder der 5-l-Kanister
der 6-Zylinder-Motor
das 2.-Klasse-Abteil oder das 2.-Kl.-Abteil
der ¾-Takt

Oft ist natürlich auch die Schreibung in Worten möglich (und meiner Meinung nach zu empfehlen, denn auch längere Wörter sind oft ohne Bindestriche gut lesbar und ergeben ein ruhigeres Schriftbild – doch das ist wohl eher eine Geschmacksfrage):

Hundertjahrfeier
Achtzigmeterlauf
Fünfliterkanister
Sechszylindermotor
Dreivierteltakt

Wenn das Thermometer die richtige Temperatur anzeigt, haben wir hier soeben die 25-Grad-Grenze überschritten!

Mit sonnigen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn Carne sich auf Sahne reimt

In der deutschen Standardaussprache wird das r am Endrand der Silbe ja von vielen vokalisiert (als Selbstlaut ausgesprochen):

wer = [we:?]
ihr = [i:?]
Wort = [wo?t]
Wurst = [wu?st]

Nach einem a lassen manche das r sogar ganz wegfallen:

wahr = [wa:?] oder [wa:]

Da ich ursprünglich aus einer Ecke des deutschen Sprachraums stamme, in der man das r fröhlich rollen lässt, kommt mir diese letzte Ausspracheweise, das heißt das gänzliche Weglassen des r, immer irgendwie „extrem“ vor. Seit dem vergangenen Wochenende weiß ich aber endgültig, dass man hier nicht mehr von „extrem“ sprechen kann. Im WDR-Radio hörte ich einen Schlager, in dem die Liebe anhand von verschiedenen Gerichten erklärt wird. Mein Ohr blieb bei den letzen beiden Zeilen des Refrains hängen:

Ich find dich schärfer als Chili con Carne
und noch viel süßer als Erbeer’n mit Sahne.

Chili con carne reimt sich hier auf Erdbeeren mit Sahne. Wenn das „ungestraft“ durchgeht, ist der fortschreitende Schwund des r nicht mehr zu stoppen. Ich fange deshalb schon einmal an, die Aussprache Tschili kon Kahne zu üben …

Das allerschönste Kompliment dieser kulinarischen Liebeserklärung findet man übrigens (mit einwandfreiem Binnenreim) in der zweiten Strophe dieses Schlagers:

Ich find dich schöner als ’n Döner

Wer könnte einem solchen Kompliment widerstehen!

Blogspektrogramm 13

Die dreizehnte Ausgabe des Blogspektrogramms finden Sie diesen Monat im Texttheater.

Auch diesmal wird wieder auf Interessantes und Lesenwertes zur deutschen Sprache hingewiesen. Mehr dazu, wie bereits gesagt, in Kilian Evangs Texttheater. Viel Spaß beim Lesen!

Frühere Ausgaben:
Blogspektrogramm 12
Blogspektrogramm 11
Blogspektrogramm 10
Blogspektrogramm 9
Blogspektrogramm 8
Blogspektrogramm 7
Blogspektrogramm 6

Blogspektrogramm 5
Blogspektrogramm 4
Blogspektrogramm 3
Blogspektrogramm 2
Blogspektrogramm 1

Deutsch-französische Kontamination

Wenn ich hier von einer deutsch-französischen Kontamination rede, meine ich nicht eine zwischenstaatliche Verschmutzung, Verunreinigung oder Verseuchung irgendeiner Art. Es geht mir schon gar nicht darum, gegen Gallizismen (französische Lehnwörter) zu wettern. Gemeint ist eine bestimmte Art von Kontamination im Bereich des Wortschatzes. Man Bezeichnet mit diesem Begriff die Zusammenziehung zweier Wörter zu einem. Beispiele sind:

jein aus ja und nein
Gebäulichkeiten aus Gebäude und Baulichkeiten
Eurasien aus Europa und Asien
Brunch aus breakfast und lunch
Denglisch aus Deutsch und Englisch
Bollywood aus Bombay und Hollywood

Mehr dazu hier.

Wie komme ich auf dieses Thema und was ist nun mit der eingangs erwähnten deutsch-französischen Kontamination gemeint? Ein jüngeres bekanntes Beispiel einer Kontamination habe ich noch nicht genannt:

Merkozy aus Merkel und Sarkozy

Seit sich abzeichnete, dass Sarkozy die Präsidentschaftswahlen verlieren könnte, und noch mehr, seit sich dies bewahrheitet hat, machen sich viele Gedanken darüber, wie die deutsch-französische politische Zusammenarbeit innerhalb Europas aussehen wird. Dabei können verschiedene politische, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte beleuchtet werden. Mir geht es um den unwichtigsten von allen: Wie werden die beiden (nicht?) zusammenarbeitenden Staatsleute Merkel und Hollande genannt werden. Es schwirren bereits Vorschläge herum:

Horkel
Merkande

Ich bezweifle allerdings, dass sich eine dieser beiden Zusammenziehungen durchsetzen wird. Im Vergleich zu Merkozy sind sie weniger durchsichtig und vor allem weniger „zweisprachig“: Merkozy beginnt auch klanglich deutsch und endet französich. Horkel hingegen klingt von vorn bis hinten urdeutsch, nach altem Ackerbaugerät und Bauernmuseum. Bei Merkande wiederum denke ich eher an einen delikaten Speisefisch, der auf einem französischen Fischmarkt neben Hummern und Austern angeboten wird.

Die Zeit wird zeigen, ob meine Skepsis begründet war. Vielleicht schafft es ja auch eine dritte Kontamination; dann findet nächste Woche in Berlin das erste Merkollande-Treffen statt.