Aristoteles und der Apostroph: Eigennamen im Genitiv

Frage

Für die nützliche Information auf Ihrer Webseite möchte ich mich bedanken. Allerdings hätte ich eine Frage bzgl. des Genitivs. Sie führen zwei Möglichkeiten an:

die Regeln des Aristoteles
Aristoteles’ Regeln

Wie aber steht es nun mit dem nachgestellten Genitiv ohne Artikel, so wie in das Zimmer Karins? Darf man die Regeln Aristoteles’ schreiben oder ist es die Regeln Aristoteles – ohne Apostroph?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

die folgenden Wortstellungen sind im Standarddeutschen möglich:

a) Karins Zimmer
b) das Zimmer Karins
c) das Zimmer der Karin

Wenn ein Name auf s, x oder z endet, steht anstelle des Genitiv-s ein Apostroph:

a) Aristoteles’ Regeln

Nachgestellt ohne Artikel muss ebenfalls ein Apostroph stehen, weil auch hier ein s wegfällt:

b) die Regeln Aristoteles’

Diese Form wird aber nicht verwendet, da sie wegen des Wegfallens des Genitv-s ziemlich undeutlich sein könnte. Diese Undeutlichkeit ist der Grund dafür, dass gerade bei diesen Namen im Genitiv der Artikel häufiger verwendet wird als bei anderen Namen:

c) die Regeln des Aristoteles

Mehr Informationen zum Apostroph bei Eigennamen – zum Beispiel ob nun Carlos Pizzapardies oder Carlo’s Pizzaparadies oder gar beides richtig geschrieben ist – finden Sie hier. Auf keinen Fall den amtlichen Rechtschreibregeln entspricht:

Carlo’s Pizza Paradies

Das hat aber nichts mit dem Apostroph und noch weniger mit Aristoteles zu tun und gehört deshalb nicht hierher.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Callas und die Huber: der Artikel bei Eigennamen

Frage

Warum heißt es: „Der Ball rollt zu Jakob“? Kann man nicht auch sagen: „Der Ball rollt zum Jakob“?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

im Standarddeutschen werden Vornamen ohne Artikel verwendet. Deshalb sagt man zu Jakob und nicht zum Jakob (= zu dem Jakob). Andere standarddeutsche Sätze sind:

Das hat Susanne gesagt
Hast du Jakob gesehen?
Ich habe die Geschichte Jakob und Susanne erzählt.

Es ist allerdings so, dass vor allem im südlichen deutschen Sprachraum in der Umgangssprache Vornamen häufig mit dem Artikel verwendet werden. Zum Beispiel:

Das hat die Susanne gesagt.
Hast du den Jakob gesehen?
Ich habe die Geschichte dem Jakob und der Susanne erzählt.

Diese Formen gelten aber wie gesagt als umgangssprachlich.

Der Artikel wird aber auch in der Standardsprache manchmal bei Namen verwendet. Das geschieht vor allem bei Familiennamen von Frauen, denen man so den Status einer Diva zuspricht:

Mit dem „Blauen Engel“ gelang der Dietrich der internationale Durchbruch.
Die Callas brillierte unter anderem in Verdis „Traviata“ und Bellinis „Norma“.
Doch einen Oscar bekam die Lollobrigida im Gegensatz zur „Busenfeindin“ Sophia Loren nie.

Bei weniger bekannten Frauen und Männern hat die Verwendung des Artikels beim Familiennamen interessanterweise den gegenteiligen Effekt. Der Artikel gilt hier wieder als umgangssprachlich und er zeugt oft von einer – gelinde gesagt – nicht allzu ehrfurchtsvollen Haltung gegenüber der Person, über die man spricht:

Hast du gehört, was die Huber gemacht haben soll!?
Das ist wohl wieder so ein Hirngespinst vom Schröder.

So kann also die gleiche sprachliche Strategie, nämlich die Verwendung des bestimmten Artikels vor einem Familiennamen, ganz unterschiedliche Bedeutungen haben, je nachdem ob man von Stars oder Nachbarn spricht.

Mehr zum Thema Artikel bei Eigennamen finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

eBay und iPod: Namen mit kleinem Anfangssbuchstaben

Frage

Ihr Internetangebot ist sehr hilfreich. Beim Thema Markennamen bin ich allerdings nicht fündig geworden.

Bspw. eBay (wie vom Unternehmen geschrieben).

Ist es erlaubt diesen Begriff in etwas wie E-Bay umzuformen? Wenn der Begriff in der eBay-Form geschrieben wird, bleibt er dann bei Verwendung am Satzanfang ebenfalls in dieser Form (kleines e)?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

Markennamen unterliegen insofern nicht den Rechtschreibregeln, als man ein Unternehmen oder ein Produkt im Prinzip so nennen kann, wie man will (solange man nicht mit einem geschützten Markenzeichen o. Ä. in Konflikt kommt). Namen wie eBay oder iPod verstoßen dann auch gegen ein bis zwei amtliche Rechtschreibregeln, sind aber dennoch nicht falsch oder gar „illegal“. Man kann sich höchstens darüber streiten, ob sie in dieser Form wünschenswert sind.

Es steht Ihnen frei, in einem nicht geschäftlichen Umfeld zum Beispiel E-Bay oder I-Pod zu schreiben, aber es ist nicht sicher, ob die Leser dann noch wissen, wer oder was gemeint ist. Diese Namen sind vor allem wegen ihres auffälligen optischen Effekts so gewählt worden. Bei der ursprünglichen Schreibung entsteht am Satzanfang tatsächlich ein kleines Problem, aber auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Sie können entweder sämtliche Proteste ihres Sprachgefühls und aller Rechtschreib- und Grammatikkorrekturprogramme außer Acht lassen und mit einem Kleinbuchstaben beginnen, oder Sie formen den Satz so um, dass ein solcher Produktname nicht am Anfang steht:

eBay ist ein Firmenname. iPod ist ein Produktname.

oder zum Beispiel:

Der Name eBay ist ein Firmenname und iPod ist ein Produktname.

Ich persönlich würde Ihnen in den meisten Fällen die zweiten Lösung empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Bopp

Heute geht es um eine eher persönliche Frage, die nicht unmittelbar etwas mit Sprache zu tun hat. Doch am Wochenende gesteht meine Brötchengeberin Canoo ihrem Hauslinguisten wohl eine solche Abschweifung zu. Und auch wenn es persönlich ist, so gebe ich zumindest ein paar Hinweise, wo auch Sie auf eine eigene kleine Entdeckungsreise gehen können.

Vor einiger Zeit fragte Herr Bopp (es ist hier ausnahmsweise wenig sinnvoll, den Fragesteller zu Herr B. zu „anonymisieren“), ob ich wisse, wo unser Familienname herkomme. Er hatte gelesen, dass der Name Bopp aus dem Französischen kommen könnte. Es folgt die Antwort an meinem Namensvetter:

———-

Sehr geehrter Herr Bopp,

als Träger des gleichen Familiennamens müsste ich lügen, wenn ich sagen wollte, dass mir Ihre Frage nicht ganz besonders interessant erscheint. Hier dann also, was ich zu diesem Thema finden konnte:

Bopp: aus dem alten Lallnamen Boppo entstandener Familienname.
(Duden – Familiennamen – Herkunft und Bedeutung. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, Dudenverlag 2006).

Bopp: Poppo, vielleicht Kurzform zu Bodobert oder Lallwort zu „buobe“ ‚Knabe‘.
(nach einem durch die Zürcher Kantonalbank 1994 herausgegebenen Büchlein über Zürcher Familiennamen)

Der Name ist also nicht französischen, sondern germanischen Ursprungs.

Hat der Name etwas mit Boppard zu tun? Wikipedia und andere Quellen sagen das Folgende über die Entstehung von Boppard:

Von den Römern als Festung gegründet. In Anlehnung an das in der Nähe liegende keltische Dorf nannten die Römer dieses Kastell Vicus Baudobriga (Bodobriga, Bontobrica).

Der Name Boppard geht also nicht – wie Sie gelesen haben – auf das französiche beau port oder bon port (schöner resp. guter Hafen) zurück. Und wenn wir diese Angaben mit dem oben Gesagten vergleichen, ist ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Namen der Stadt und unserem Namen höchst unwahrscheinlich.

Ein anderer interessanter Ortsname ist Boppelsen im Schweizer Kanton Zürich, wo mein „Ast“ der Bopps herkommt. Der Name kommt von Boppinsolo (bei den Sumpflachen des Boppo). Er hat also insofern mit unserem Familiennamen zu tun, als er vom gleichen Namen, das heißt von Boppo abgeleitet wurde.

Zur Verbreitung des Namens:

Gemäß einer Webseite, die die Verbreitung von Familiennamen aufgrund von Telefonanschlüssen anzeigt, wohnen in Deutschland zurzeit die meisten Bopps in Baden-Würtemberg und Hessen. Diese Daten sind aus namenshistorischer Sicht natürlich unzuverlässig, aber ein Blick auf diese Seite lohnt sich allemal (einfach Bopp eingeben und auf Kartieren klicken). Gemäß der gleichen Webseite kommt der Name Bopp in Österreich nur sehr selten vor. Eine andere Seite mit ähnlichen Karten ist diese.

In der Schweiz soll unser Name auffällig häufig in der Nähe von Boppelsen im Kanton Zürich vorgekommen sein, er ist aber heute auch an vielen anderen Orten zu finden. Sehen Sie hier eine Karte, die ebenfalls auf Telefonanschlüssen basiert.

In Frankreich kommen die Bopps gemäß dieser Karte, die aufgrund der Geburtenregister erstellt wird, vor allem im Elsass vor. Das widerspricht also dem germanischen Ursprung des Namens nicht.

Der Familienname Bopp kommt somit im südwestlichen deutschen Sprachraum am häufigsten vor und findet dort wohl auch als Ableitung des verkürzten Vornamens oder Lallwortes Boppo seinen Ursprung. Mir hätte es auch besser gefallen, wenn unser Name nicht auf ein Lallwort, sondern auf Beauport zurückzuführen wäre (am liebsten noch mit einem adligen de davor), aber dem ist nun einmal nicht so. Wir werden damit leben müssen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche(n?) Post AG

Das liechtensteinische Bankgeheimnis und die deutsche Steuerhinterziehungsaffäre haben mich an eine schon etwas weiter zurückliegende Frage erinnert. Dabei geht es nicht darum, wie man die Bank nennt, die Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein „mitbesitzt“: Erbprinz Alois’ Bank, Erbprinzen Aloisens Bank oder dem Erbpinz Alois seine Bank? (Die erste Version ist die richtige; auch im Deutschen kann oder muss man manchmal im Genitiv einen Apostroph verwenden.) Nein, es geht hier um den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG – oder heißt es der Deutsche Post AG?

Frage

Bei meinen Kollegen ist folgende Diskussion aufgekommen: Heißt es

die Aktien der Deutsche Post AG
die Aktien der Deutschen Post AG
die Aktien von der Deutsche Post AG
die Aktien von Deutsche Post AG

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

die beiden folgenden Varianten sind korrekt:

die Aktien der Deutschen Post AG
die Aktien der Deutsche Post AG

Im Allgemeinen gelten Abkürzungen wie AG und GmbH in Firmennamen als Zusätze (fachsprachlich: Appositionen) zum eigentlichen Firmennamen. Für die Deutsche Post AG heißt das, dass Deutsche Post der Kern des Namens ist, der auch dekliniert wird:

die Aktien der Deutschen Post AG

Wenn aber die Rechtsform der Firma betont wird, dann ist AG resp. GmbH der Kern des Namens und bleibt Deutsche Post ungebeugt:

die Aktien der Deutsche Post Aktiengesellschaft

oder eben

die Aktien der Deutsche Post AG

Beide Varianten werden allgemein verwendet und kommen auch auf den Webseiten der Deutschen Post vor (mit n, ohne n). Die Formulierungen mit von anstelle des Genitivs sind stilistisch sehr unschön resp. falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nachtrag:

Die Antwort auf die am Anfang gestellte Frage lautet also, dass beides möglich ist:

der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post AG
der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Post AG

Die gebeugte Variante gefällt mir persönlich allerdings besser. Weil ich mich nicht so viel mit Aktien, Aktiengesellschaften und Ähnlichem beschäftige, ist das AG für mich eben doch nur ein Anhängsel.

Hompage des Musikverein Eintracht – Wo bleibt das s?

Frage

Gibt es irgend einen Grund, warum man sehr häufig schreibt: „Konzert des Musikverein XXX“ ohne dabei ein s nach Musikverein anzuhängen?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

in mehrteiligen Namen von Institutionen, Betrieben, Vereinigungen usw. wird das zentrale Wort manchmal ohne Endung verwendet, auch wenn es im Genitiv steht und eigentlich eine Endung haben müsste. Zum Beispiel:

auf der Homepage des Musikverein Eintracht
die Präsidentin des Verband der Deutschen Möbelindustrie
im Auftrag des Zweiten Deutschen Fernsehen

Das hat vielleicht damit zu tun, dass man sich scheut, einen „feststehenden“ Namen durch die Verwendung einer Endung zu „verändern“. Eine andere mögliche Erklärung ist, dass die Endung weggelassen wird, wie dies bei mit Artikel stehenden Personennamen geschehen muss:

Johann Sebastian Bachs Kompositionen
aber endungslos: die Kompositionen des Johann Sebastian Bach
(Siehe Regel)

Ob dies die Gründe sind oder ob es eine weitere Erklärung gibt, müssten genauere Untersuchungen ausweisen. Die Endungslosigkeit gilt hier in jedem Fall standardsprachlich als nicht korrekt. Richtig muss es also bei dieser Art von Eigennamen immer heißen:

auf der Homepage des Musikvereins Auenberg
die Präsidentin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie
im Auftrag des Zweiten Deutschen Fernsehens

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Bildung von Einwohnernamen

Einwohnernamen geben immer wieder zu Fragen Anlass (nicht nur bei “Fragen Sie Dr. Bopp?). Deshalb auch hier einmal ein Beitrag mit ein paar allgemeinen Worten zur Bildung von Einwohnernamen:

Frage

Eine ausländische Freundin fragte mich kürzlich, ob es denn im Deutschen eine Regel gäbe zur Bildung der Bezeichnung der Einwohner eines Landes, also z. B.

Deutschland –> der Deutsche / die Deutsche
Schweiz –> der Schweizer / die Schweizerin
Frankreich –> der Franzose / die Französin

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

es gibt im Deutschen keine festen Regeln, wie Einwohnernamen gebildet werden. Dies zeigen schon Ihre drei Beispiele. Wie die Einwohner eines Ortes, einer Region oder eines Landes heißen, wird durch den Gebrauch bestimmt. Dabei spielen historische gewachsene Namen (zum Beispiel Franzose, Italiener) und deutsche Ableitungsregeln (zum Beispiel Österreicher, Liechtensteiner, Japaner), aber auch fremdsprachigen Namen (zum Beispiel Guatemalteke, Madrilene) eine Rolle.

So ist nicht durch Regeln zu erklären, warum in England Engländer, in Holland Holländer, aber in Lettland Letten statt Lettländer und in Griechenland Griechen und nicht Griechenländer wohnen. Und in Deutschland wohnen Deutsche, ein Einwohnername, der als einziger wie ein Adjektiv gebeugt wird. Weiter wohnen in Norwegen Norweger, aber in Schweden nicht etwas Schweder, sondern Schweden. Auch in Dänemark trifft man nicht Dänemarker, sondern Dänen. Und dann gibt es noch die “exotischeren? Namen wie Guatemalteke, Chinese, Togolese, Zypriote, Kosovare, Montenegriner, Brasilianer, Jemenit usw.

Man muss also oft lernen, wie die Einwohner eines Ortes, Gebietes oder Landes heißen. Die häufigste Art, einen Einwohnernamen zu bilden, ist das Suffix -er. Siehe die Ableitungsregel in Canoonet. Auch bei einigen fremdsprachlich beeinflussten Einwohnernamen setzt sich immer mehr die Form auf -er durch. Z.B. Togoer statt Togolese, Zyprer statt Zypriote, Azorer statt Azoreaner. Zum letzten Namen gibt es bereits einen Blogeintrag. Dort finden Sie auch zwei Hinweise, wo Sie Länderlisten mit Einwohnernamen herunterladen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wörther und der Wörthersee

Frage

In Ihrer Datenbank ist mir folgender Eintrag aufgefallen: Wörther. Mir ist dieses Wort nur als Name (Wörthersee), aber nicht als Adjektiv bekannt. Was bedeutet es?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

das Adjektiv Wörther bedeutet von/aus Wörth. So spielt in Wörth am Main die Wörther Blasmusik auf und erscheint in Wörth an der Donau der Wörther Anzeiger. Wie alle mit -er von geographischen Namen abgeleiteten Adjektive ist Wörther unveränderlich und muss großgeschrieben werden (siehe Rechtschreibregel).

Zur Diskussion über die korrekte Schreibung von Wörthersee, um die es hier vielleicht geht, das Folgende: Der Duden schreibt Wörther See vor, lässt aber auch Wörthersee zu. Da es in der Nähe des Sees kein Wörth gibt, von dem das Adjektiv abgeleitet sein könnte, ist die Schreibung Wörthersee sicher korrekt. Ich überlasse es aber den Einwohnern der Region, wie sie den Namen des Sees schreiben wollen. Und allen anderen bleibt nicht viel anderes übrig, als den Angaben des Wörterbuches zu vertrauen und davon auszugehen, dass Wörther See auch richtig ist. Bei der Schreibung von Eigennamen „versagen“ nämlich die Rechtschreibregeln ohnehin des Öfteren. In diesem Sinne kann das Adjektiv Wörther auch im Namen des schönen Wörther Sees verwendet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wie heißen die Einwohner von Nizza?

Bei frühlingshaft warmem Wetter fragte ich mich vorgestern in Nizza plötzlich, wie denn die Einwohner der Stadt auf Deutsch heißen. Das Resultat meiner Überlegungen, die dank der viel zu schönen Umgebung nicht allzu tiefschürfend waren, lautete, dass man wohl im Deutschen jemand aus Nizza oder das französische Niçois verwendet. Das aus der örtlichen Sprache mit dem gleichen Namen stammende Nissart kann man ja im deutschen Sprachraum kaum als bekannt voraussetzen.

Diese Überlegungen stimmen nicht ganz. Zu meinem Erstaunen fand ich zu Hause auch viele Belege für das Adjektiv und den Einwohnernamen Nizzaer. Das Wort klingt für mich irgendwie gar nicht nach Côte d’Azur und Riviera, aber es hat es sogar in den Duden und ins Canoonet-Wörterbuch geschafft. Die Nizzaerin ist dann die grammatisch korrekte weibliche Form, aber sie findet sich außer im Duden und auf Canoonet kaum irgendwo. Und bei Niçoise stößt man natürlich vor allem auf Salatrezepte. Ich würde es deshalb am ehesten auf Einwohnerin von Nizza halten.

Diese Lösung klingt relativ unbefriedigend, aber sie muss öfter angewendet werden, als man auf Anhieb denken würde. Oder wüssten Sie auch nach längerem Nachdenken, wie die Einwohner von Antibes, einem Ort in der Nähe Nizzas, mit einem Wort genannt werden müssten? Viel weiter als Antibier und Antibioten komme ich nicht, und das ist natürlich reinster Unsinn.

Der Mercedes/die Mercedizes? Plural von Autonamen

Frage

[…] Die allerletzte Frage, die leider auch Canoo nicht beantworten konnte, ist die Frage, ob der Plural von Mercedes in nachfolgendem Beispielsatz korrekt ist:

Sie parkten ihre Mercedizes, um im benachbarten Freizeitpark zu grillieren.

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

Mercedizes klingt zwar ausgesprochen wissenschaftlich und gebildet, lässt sich aber weder durch historische noch durch moderne Wortbeugung erklären.

Der Autoname Mercedes geht auf Mercédès Jellinek, die Tochter des Geschäftsmannes und Autoliebhabers Emil Jellinek, zurück. Er ließ Anfang des letzten Jahrhunderts bei Daimler mehrere Autos bauen und verlangte, dass die Modelle nach dem Kosenamen seiner Tochter Mercedes genannt würden. Gehen wir noch weiter zurück: Der Name Mercedes ist spanisch. Es ist der Plural von merced, das unter anderem Gnade, Gunst bedeutet. Das spanische Wort wiederum geht auf das lateinische merces, mercedis zurück. Etymologisch gesehen handelt es sich also um einen Mädchennamen und weiter zurück um eine spanische Pluralform. Hier findet sich somit keine Begründung für eine Pluralform auf -izes. Im Deutschen kommt diese Pluralform eigentlich nur bei Fremdwörtern vor, die im Lateinischen einen Plural auf -ices haben.

Zurück in die Moderne: Im modernen Sprachgebrauch werden Pluralformen von Autonamen vielfach mit -s gebildet: Audis, BMWs, Smarts, Peugeots, Toyotas, Alfa Romeos usw. Andere wiederum sind endungslos: die Chrysler, die Rover, die Opel. Letzteres ist wohl so, weil männliche Wörter auf unbetontes -el und -er im deutschen meist einen endungslosen Plural haben (vgl. die Bäcker, die Computer, die Esel). Und bei Mercedes wird – wohl in Anlehnung an Busse, Ibisse, Atlasse usw. – häufig die Pluralform Mercedesse verwendet. Diese Form halte ich auch für die beste, da sie sich naht- und mühelos in die Sprachsystematik des Deutschen einordnet. In meinen Augen weniger schön aber ebenfalls recht häufig ist die blässliche, jegliches Risiko scheuende Pluralvariante ohne Endung: die Mercedes.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp