So groß wie ein Fünfcentstück

Eine Frage aus dem Bereich der Wortungetümkandidaten. Unter Wortungetümen verstehe ich nicht nur ganz lange Wörter, sondern auch Zusammensetzungen mit einer komplizierten Struktur. Heute geht es um zwei Wörter, die vielleicht nicht ganz das Prädikat „Wortungetüm“ verdienen, bei denen man sich aber doch überlegen sollte, ob eine Umschreibung nicht leserfreundlicher wäre.

Frage

Wie schreibt man eigentlich „Zweieurostück-groß“, „5-Cent-Stück-groß“ und Ähnliches? Also es geht um Dinge, die so groß sind wie ein Zweieurostück oder ein Fünfcentstück. Was wird hier groß- oder kleingeschrieben? Kommen Bindestriche hin und, wenn ja, wo?

Antwort

Sehr geehrte Frau N.,

wenn Sie mit einem Wort beschreiben möchten, dass ein Ding so groß ist wie ein Zweieurostück oder ein Fünfcentstück, gibt es auf der Ebene der Rechtschreibung verschiedene Lösungen:

zweieurostückgroß; ein zweieurostückgroßes Ding
fünfcentstückgroß; eine füncentstückgroße Sache

Zweieurostück-groß; ein Zweieurostück-großes Brandloch
Fünfcentstück-groß; eine Fünfcentstück-große Wunde

2-Euro-Stück-groß; ein 2-Euro-Stück-großer Rostfleck
5-Cent-Stück-groß; die 5-Cent-Stück-großen Farbkleckse

*In Verbindungen mit Bindestrich werden die Substantive großgeschrieben, auch wenn der Gesamtbegriff wie hier ein Adjektiv ist. Siehe hier.

Da ich immer für Zurückhaltung bei der Verwendung des Bindestrichs bin, würde ich mich unter Bedrohung mit einer geladenen Pistole für die erste Variante entscheiden. Meine unverbindliche Empfehlung für bessere Lesbarkeit ist aber eine ganz andere:

ein Ding, das so groß ist wie ein Zweieurostück
eine Sache von/mit der Größe eines Fünfcentstücks

Das ist nicht ganz so kurz und „schnittig“ formuliert, aber es liest sich einfacher.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ein Satz mit weiß ich wie vielen Kommas

Frage

Kann man die folgenden beiden Sätze sowohl mit Kommas als auch ohne schreiben?

Er fährt für(,) was weiß ich wie lange(,) nach London.
Er hat sich mit(,) was weiß ich wem(,) getroffen.

Antwort

Guten Tag H.,

wenn man es ganz genau beschrieben haben will, lassen uns die Rechtschreibregeln hier im Stich. Es handelt sich um einen Sonderfall, der nicht detailliert behandelt wird. Ich würde wie folgt vorgehen:

Im Prinzip werden eingeschobene Sätze (Schaltsätze) durch Kommas abgetrennt (Regel):

Er fährt, ich bin sicher, für einige Tage nach London.
Er hat sich, so heißt es, mit Freunden getroffen.

Es gibt aber formelhafte Sätze, die nicht mehr als Satz, sondern als adverbiale Wendung empfunden werden und entsprechend nicht mehr immer durch Kommas abgetrennt werden. Sie können also mit oder ohne Kommas stehen:

Er fährt, wer weiß wie oft, nach London.
Er fährt wer weiß wie oft nach London.

Sie haben, weiß ich wie lange, nach einer Antwort gesucht.
Sie haben weiß ich wie lange nach einer Antwort gesucht.

Sie gibt sich, weiß Gott, viel Mühe.
Sie gibt sich weiß Gott viel Mühe.

Die Wendungen in Ihren Beispielsätzen gehören zu diesen formelhaften Wendungen. Hinzu kommt, dass sie so sehr in den Satz integriert sind, dass sie gar nicht mehr durch Kommas abgetrennt werden. Wenn die formelhafte Wendung weggelassen würde, bliebe ein unvollständiger Satz oder ein Satz mit einer anderen Bedeutung übrig:

Er fährt für was weiß ich wie lange nach London.
nicht: *Er fährt für London.

(Hier ist allerdings die Abtrennung der ganzen Präpositionalgruppe möglich:
Er fährt, für was weiß ich wie lange, nach London.)

Er hat sich mit was weiß ich wem getroffen.
nicht: *Er hat sich mit getroffen.

Ebenso besser nur ohne Kommas:

Sie wohnt wer weiß wo.
Sie würden Gott weiß was dafür gegeben.
Er hat einen Satz mit weiß ich wie vielen Kommas geschrieben!

Bevor Sie nun hieraus eine exakten Regel herzuleiten versuchen: Die Grenzen zwischen verpflichteten, fakultativen und „unmöglichen“ Kommas sind hier fließend. Als Faustregel kann bei solchen Wendungen gelten: Wenn in der gesprochenen Sprache vor und nach dem Einschub eine Pause gemacht wird, setzt man Kommas. Ich weiß nicht, ob Sie nun besser verstehen, wann man bei Formulierungen der Form weiß ich wie, wer weiß wo, weiß Gott was Kommas setzt. Vielleicht denken Sie auch nur: „Das soll weiß der Kuckuck wer begreifen!“

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die habermannsche Frage und die boppsche Antwort

Die Frage von Herrn Habermann – der hier ausnahmsweise nicht zu Herr H. verkürzt wird, sondern für die hier übliche Anonymisierung seiner Anfrage einen anderen Namen erhalten hat – gibt mir die Gelegenheit, die schöne Endung sch aufzugreifen. Im Prinzip ist es ganz einfach, aber eben …

Frage

Um etwas als für eine Person typisch zu kennzeichnen gibt es bekanntlich die Endung „sch“, also z. B. „Steinerscher Satz“. Man sieht aber oft die Schreibweise mit Apostroph: „Steiner’scher Satz“.

Frage 1: Was ist korrekt?
Frage 2: Steinersch ist ja eigentlich ein Adjektiv. Wie lautet in diesem Fall die Regel zur Gross/Kleinschreibung?

Antwort

Sehr geehrter Herr Habermann,

die boppsche oder Bopp’sche Antwort auf die habermannsche oder Habermann’sche Frage lautet:

Ohne Apostroph werden die mit der Endung -sch von Namen abgeleiteten Adjektive kleingeschrieben. (Die Regel, dass großgeschrieben wird, wenn das Adjektiv eine persönliche Leistung oder Zugehörigkeit ausdrückt, gilt seit der Rechtschreibreform nicht mehr.) Verwendet man einen verdeutlichenden Apostroph, schreibt man mit großem Anfangsbuchstaben. Siehe hier. Man schreibt also:

der steinersche o. Steiner’sche Satz
die darwinsche o. Darwin’sche Evolutionstheorie
die einsteinschen o. Einstein’schen Feldgleichungen
ein freudscher o. Freud’scher Versprecher
die oppenheimsche o. Oppenheim’sche Pelztasse
die schillerschen o. Schiller’schen »Räuber«
die thatchersche o. Thatcher’sche Politik

Auch bei Zisch- und ähnlichen Lauten wird die Endung einfach angehängt:

das huygenssche o. Huygens’sche Prinzip
die strausssche o. Strauss’sche Salome
die straußschen o. Strauß’schen Walzer
die buschschen o. Busch’schen Werke
das heinzsche o. Heinz’sche Ketchup
ein kaschnitzsches o. Kaschnitz’sches Hörspiel

Vokale am Ende des Namens bleiben erhalten, auch wenn sie unbetont sind oder gar nicht ausgesprochen werden:

die voltasche o. Volta’sche Säule
die dantesche o. Dante’sche Hölle
von shakespearescher o. Shakespeare’scher Größe
die linnésche o. Linné’sche Einteilung der Arten
das curiesche o. Curie’sche Gesetz
der faradaysche o. Faraday’sche Käfig

Und wie steht es mit Namen mit Bindestrich und mehrteiligen Namen? Besser als eine Erklärung sind Beispiele:

die van-goghschen o. van-Gogh’schen Sonnenblumen (van Gogh)
die la-fontaineschen o. La-Fontaine’schen Fabeln (La Fontaine)
die droste-hülshoffsche o. Droste-Hülshoff’sche Lyrik (Droste-Hülshoff)
das kübler-rosssche o. Kübler-Ross’sche Trauerschema (Kübler-Ross)
die kant-laplacesche o. Kant-Laplace’sche Theorie (Kant und Laplace)

So weit, so gut. Alles wäre also ganz einfach, wenn es nicht die Ausnahmeregelungen zur Großschreibung gäbe. Wenn ein Adjektiv Teil eines Eigennamens ist, schreibt man es auch ohne Apostroph groß:

der Halleysche Komet
die Magellanschen Wolken (zwei Zwerggalaxien)
das Müllersche Volksbad (ein Hallenbad in München)
die Seylersche Schauspiel-Gesellschaft (eine deutsche Wanderbühne im 18. Jh.)

Bezeichnungen von Lehrsätzen, Gesetzen, Theorien, Erfindungen usw. sind keine Eigennamen. Deshalb findet man oben wohl zum Erstaunen einiger Fachleute huygenssches Prinzip, curiesches Gesetz, faradayscher Käfig und voltasche Säule. In vielen Fachsprachen ist bei solchen Begriffen die Großschreibung des Adjektivs üblich, aber nach der geltenden Rechtschreibregelung müssten sie eigentlich kleingeschrieben werden. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie in diesem Bereich trotz des hier Gesagten vielen großgeschriebenen Adjektiven begegnen!

Der „verdeutlichende“ Bindestrich verdeutlicht nicht immer: Mann-männlich und mannmännlich

Eine Kampagne dagegen würde ich nicht organisieren, aber ich mag ihn nicht besonders, den „verdeutlichenden“ Bindestrich. Das ist der Bindestrich, den man setzen kann, um lange, komplexe oder missverständliche Zusammensetzungen leichter lesbar zu machen (vgl. hier). Während ich ihn bei Hochgeschwindigkeits-Internetzugang oder Mehrzweck-Eckschrank ganz gerechtfertigt finde, geht mir in einem normalen Text das Verlangen nach Verdeutlichung bei Schnell-Zug und Schlafzimmer-Möbel einfach zu weit. Man kann und darf der durchschnittlichen Leserschaft problemlos viel längere Wörter zumuten, als manche dies annehmen. (Anders sieht es bei Texten aus, die für Menschen mit Leseschwächen bestimmt sind.) Manchmal kann der verdeutlichende Bindestrich sogar zu eher verwirrenden Wortbildern führen. Das Beispiel in Herrn F.s Frage zeigt, dass man den verdeutlichenden Bindestrich sparsam und wohlüberlegt verwenden sollte.

Frage

Ein Berufskollege bat mich, Korrektor/Lektor, zu folgendem Fall um Rat: Er hat auf seinem Arbeitstisch die Wörter «mannmännlich» und «mann-männlich» (schwule Beziehung, homosexueller Akt u. Ä.). Was gilt und warum? – Ich finde für keine der beiden Schreibweisen eine gute Begründung. […]

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

hier würde ich eindeutig die Zusammenschreibung empfehlen:

mannmännlich

So schreibt man ja auch tagtäglich und wortwörtlich zusammen, zwei Wortbildungen die ganz ähnlich konstruiert sind. Es sind mit der Endung lich gebildete Ableitungen von Wortgruppen:

‚Tag für Tag‘ + lich = tagtäglich
‚Wort für Wort‘ + lich = wortwörtlich
‚Mann zu Mann‘ + lich = mannmännlich

Von der Verwendung des Bindestrichs würde ich hier nur schon deshalb abraten, weil Substantive in Zusammensetzungen mit Bindestrich großgeschrieben werden (siehe hier):

die amerikafreundliche Regierung
oder die Amerika-freundliche Regierung

eine konsumentenorientierte Lösung
oder eine Konsumenten-orientierte Lösung

also auch:

eine mannmännliche Beziehung
oder eine Mann-männliche Beziehung (??)

Ich finde, dass der verdeutlichend gemeinte Bindestrich hier verwirrend wirkt, weil er die interne Struktur des Wortes anders erscheinen lässt (Mann – männlich), als sie eigentlich gemeint ist (Mann/Mann – lich).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Drinks mit und ohne Ergänzungsstrich

Frage

Wenn ich mir in einer Bar einen Long Drink bestelle und meine Frau einen Soft Drink, dann steht da nach „Long“ bzw. „Soft“ kein Bindestrich. Wenn ich mir aber einen Long und meine Frau einen Soft Drink bestellt, kommen mir erhebliche Zweifel, ob ich das „Long“ so alleine stehen lassen soll oder nicht doch durch einen Bindestrich andeuten darf, dass da noch ein Wortteil folgt. Bitte beseitigen Sie meine Zweifel!

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

gerne beseitige ich Ihre Zweifel: Ein Bindestrich oder besser gesagt ein Ergänzungsstrich wird nur dann verwendet, wenn ein Wortteil eines zusammengeschriebenen Wortes wegfällt. Wenn Sie einen Long Drink und einen Soft Drink bestellen und das erste Drink weglassen, fällt (orthographisch gesehen) kein Wortteil, sonder ein Wort weg. Entsprechend verwenden Sie keinen Ergänzungsstrich:

ein Long und ein Soft Drink

Ob das Weglassen von Drink stilistisch immer überzeugt, ist eine andere Frage.

Es folgt nun etwas, was natürlich nur theoretisch und nur in geschriebener Form, nicht aber bei einer tatsächlichen Bestellung an der Bar irgendeine Rolle spielt: Man kann Longdrink und Softdrink auch zusammenschreiben. Wenn Sie nun einen Longdrink und einen Softdrink bestellen und dann beim ersten Wort drink weglassen, fällt kein ganzes Wort, sondern ein Wortteil weg. Dann benötigen Sie einen Ergänzungsstrich:

ein Long- und ein Softdrink

Theoretisch könnte man nun auch noch die Schreibungen Long Drink und Softdrink resp. Longdrink und Soft Drink miteinander kombinieren, aber das ist wenig konsequent und man sollte es der Deutlichkeit halber besser nicht tun.

Ganz ähnlich sieht die Ergänzungsstrichlage bei folgenden Beispielen aus:

Fast Food oder Slow Food → Fast oder Slow Food
Fastfood oder Slowfood → Fast- oder Slowfood

Hard Rock und Soft Rock → Hard und Soft Rock
Hardrock und Softrock → Hard- und Softrock

Beide Möglichkeiten gibt es natürlich nur dort, wo sowohl zusammen- als auch getrennt geschrieben werden kann. Nur eine Möglichkeit gibt es also zum Beispiel hier:

Hardware und Software → Hard- und Software
Corporate Banking und Private Banking →  Corporate und Private Banking

Bei den letzten beiden Beispielen können, falls gewünscht, zum Zwecke der Anglizismenvermeidung etwas „deutschere“ Bezeichnungen wie Apparate und Programme resp. Geschäfts- und Privatkundengeschäft verwendet werden. Bei den Hard, Soft und Long Drinks oder Hard-, Soft- und Longdrinks hingegen ist dies zum Teil ein bisschen schwieriger. Doch das hat sowieso nichts mit dem Ergänzungsstrich zu tun, um den es hier ja geht.

Prost!

Dr. Bopp

Krank am Tag der Kalten Sophie

Heute, am fünfzehnten Mai, ist der Tag der heiligen Sophie. Sie ist im Kalender die letzte der Eisheiligen, die je nach Region vom 11. oder 12. bis zum 15. Mai dauern. Nach den Eisheiligen sind gemäß den alten Bauernregeln keine Nachtfröste mehr zu erwarten. Also nichts wie raus mit dem frostempfindlichen einjährigen Sommerflor!

Schwarzäugige Susanne

Schwarzäugige Susanne (Bild: Wikimedia)

Auch ich – mittlerweile in ein Alter gekommen, in dem man sich tatsächlich mit Gartenblumen beschäftigt und sich noch nicht einmal schämt, darüber zu reden – auch ich hatte geplant, heute schnurstracks ins Gartencenter zu gehen und eine schöne Auswahl aus all den Begonien, Petunien, Fleißigen Lieschen, Schwarzäugigen Susannen usw. für Garten und Balkon zusammenzustellen. Das Stadium, Blümchen selbst aus Samen zu ziehen, habe ich nämlich (noch?) nicht erreicht. Doch wer macht mir einen Strich durch die Rechnung? Die Grippe. Ausgerechnet am Tag der Kalten Sophie hat mich die Grippe erwischt. Das passt zwar zum Adjektiv kalt, aber nicht zum lang erwarteten Sommerflor.

Wenn Sie also dieser Tage etwas länger auf eine Antwort warten müssen, ist das dadurch zu erklären, dass ich krank darniederliege. Ganz so schlimm ist es nicht, wie nur schon die Tatsache zeigt, dass ich noch zu Blogeinträgen fähig bin. Aber wenn schon krank, dann auch mit Klagen!

Die Staatsangehörigkeit und das Adjektiv: Deutsch oder deutsch?

Heute geht es wieder einmal um eine Frage, die vielen von Ihnen sicher bekannt vorkommt. Sie taucht regelmäßig in Fragerubriken, Foren usw. auf. Ich bilde mir dann auch nicht ein, dass ich sie mit diesem Blogartikel ein für allemal aus der Welt schaffe. Aber probieren kann man es ja trotzdem.

Frage

Staatsangehörigkeit: deutsch oder Deutsch? Groß oder klein?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

richtig ist hier die Kleinschreibung. Gemeint ist das Adjektiv deutsch, das das Substantiv Staatsbürgerschaft oder die betreffende Person näher bestimmt:

Staatsangehörigkeit: deutsch

Man schreibt das ungebeugte Deutsch eigentlich nur dann groß, wenn es als Sprachbezeichnung verwendet wird (z.B. auf Deutsch, Deutsch können, mehr dazu hier):

Sprachen: Deutsch (Muttersprache), Englisch (gut)

Etwas einleuchtender wird die Kleinschreibung vielleicht auch dann, wenn die Deutschen kurz über die Grenze gucken. Auch dort schreibt man das entsprechende Adjektiv klein*:

Staatsangehörigkeit: österreichisch
Nationalität: schweizerisch

Bei verheiratet, ledig, verwitwet und geschieden scheint übrigens praktisch niemand die Neigung zu haben, das Adjektiv großzuschreiben. Auch hier gilt die Kleinschreibung:

Familienstand: verheiratet

Ganz so streng muss man es nicht unbedingt nehmen. Wer bei den persönlichen Angaben nach dem Doppelpunkt Deutsch statt deutsch schreibt, wird bestimmt nicht gleich des Landes verwiesen, und auch die Stelle, für die man sich bewirbt, ist dadurch kaum gefährdet. Doch wenn die Frage lautet, was regelkonform ist, heißt die Antwort: klein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Im Reispass steht allerdings:

Staatsangehörigkeit: Österreich
Nationalität: Schweiz, Suisse, Svizzera, Svizra, Switzerland

Wenn »hinzu kommen« korrekt getrennt geschrieben wird

Wenn ein trennbares Verb wie hinzukommen in einem Hauptsatz steht, wird der abtrennbare Teil hinter das Verb an den Schluss des Satzes gestellt. Sonst schreibt man zusammen. So weit die Grundregel. Wie Herrn L.s Frage zeigt, gibt es aber noch einen seltenen dritten Fall.

Frage

Muss „Hinzu komme“ in diesem Satz getrennt geschrieben werden? (Indirekte Rede: Präsens Konjunktiv)

Hinzukomme, dass davon auch die regionale Wirtschaft profitiere.

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

das Verb hinzukommen wird im Prinzip zusammengeschrieben. In Ihrem Satz schreibt man hinzu aber trotzdem vom Verb getrennt:

Hinzu komme, dass davon auch die regionale Wirtschaft profitiere.

Das hat nichts damit zu tun, dass es sich um den Konjunktiv der indirekten Rede handelt. Die Getrenntschreibung gilt auch zum Beispiel in der Vergangangenheit und im Indikativ:

Hinzu kommt/kam/käme/, dass davon auch die Wirtschaft …

Die Getrenntschreibung hinzu komme hat vielmehr mit der etwas sonderbaren Satzstellung zu tun. Dafür muss ich ein bisschen ausholen. Wir haben es hier mit einem einleitenden Hauptsatz (Hinzu kommt) und einem dass-Satz zu tun. In einem deutschen Hauptsatz (Aussagesatz) steht die gebeugte Verbform immer an zweiter Stelle. Vor ihr, im sogenannten Vorfeld, steht nicht mehr und nicht weniger als ein Satzteil:

Peter kommt heute Abend nicht.
Kaum ein Mensch kommt noch zu uns.
Meinen Eltern kommt das gar nicht ungelegen.
Heute Abend kommt wahrscheinlich niemand mehr vorbei.
Wahrscheinlich kommt kein weiterer Gast hinzu.
Es kommt hinzu, dass davon auch die Wirtschaft profitiert.

Wie man sieht, kann das Subjekt, ein Objekt oder eine Adverbialbestimmung an erster Stelle stehen. In seltenen Fällen kann auch der abtrennbare Teil eines trennbaren Verbs (der sonst am Schluss des Satzes steht) diese erste Stelle einnehmen:

Hinzu kommt, dass davon auch die Wirtschaft profitiert.

Der abtrennbare Verbteil wird in solchen Fällen getrennt vom Basisverb geschrieben, obwohl er direkt vor diesem steht. Nur so kann die beinahe unantastbare Zweitstellung der gebeugten Verbform im deutschen Hauptsatz gewährleistet werden. Weitere Beispiele:

Fest steht die Tatsache, dass die gebeugte Verbform an zweiter Stelle steht.
Hinauf ging er über die Treppe, herunter kam er über den Balkon.
Zusammen kam dabei eine erfreulich hohe Summe.

Der letzte Satz zeigt, dass solche Formulierungen nicht immer stilistische Höhepunkte sind. Weiter gilt, dass sie fast nur bei trennbaren Verben möglich sind, deren abtrennbarer Teil und Basis noch eine recht große Eigenbedeutung haben. Nicht möglich sind zum Beispiel:

*Zu gab sie den Fehler nicht.
*An ist zu nehmen, dass alles stimmt.
*Ein lade ich nur, wen ich mag.

Siehe auch hier.

Diese Randerscheinung der deutschen Wortstellung (und Rechtschreibung) illustriert wieder einmal, weshalb man bei der Getrennt- und Zusammenschreibung im Bereich der deutschen Verben manchmal so unsicher werden kann. Es gibt keine exakte Trennlinie zwischen getrennt geschriebenen Verbgruppen und zusammengeschriebenen Verbzusammensetzungen. Obwohl feststehen, hinzukommen und hinaufgehen im Allgemeinen Verbzusammensetzungen sind, können sich fest, hinzu und hinauf manchmal wie selbstständige Adverbien benehmen. Fest steht nur, dass nicht alles immer eindeutig feststeht.

Mir freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wird das große Ü zu UE oder zu Ue?

Frage

Wenn man ü mit ue umschreiben muss, was schreibt man dann bei einem großen Ü? UE oder Ue? Beispiel: Uebersetzung/UEbersetzung. Für beides gibt es Argumente. […] Gibt es dazu einen Konsens oder eine Regel? Oder darf ich das machen wie ich will?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

wenn der Großbuchstabe Ü nicht zur Verfügung steht, wird er in der Regel durch Ue ersetzt:

Ueber Dr. Oetkers Ruehrkuchen mit Aepfeln wird nicht viel Uebles gesagt.

Siehe auch hier.

Man geht also genau gleich vor, wie bei der Großschreibung von Diphthongen und in der Schrift besonders gekennzeichneten langen Vokalen:

Auge, Äuglein, Eigelb, Eugen
Aachen, Ahle, Ehre, Ohr, Ührchen

Auch bei mit mehreren Buchstaben geschriebenen einfachen Konsonanten ist dies der Fall:

Schule, China

Das Prinzip der Großschreibung des Anfangsbuchstabens ist also rein formal. Man schreibt den ersten Buchstaben groß, egal ob er nun für sich allein einen Laut darstellt oder ob er zusammen mit einem anderen Buchstaben für eine lautliche Einheit steht (oder wie ue einen Einzelbuchstaben vertritt).

Das mag uns aus Gewohnheit ganz normal erscheinen, doch wie Ihre Frage zeigt, ist es das nicht unbedingt. Die meisten Sprachen machen es so wie wir, aber im Niederländischen gibt es tatsächlich eine Buchstabenkombination, die als ein Buchstabe zählt und am Satzanfang oder in Eigennamen als Ganzes großgeschrieben wird: Das kleine ij wird zum großen IJ. Man segelt dort deshalb nicht auf dem *Ijsselmeer und isst sein Eis nicht im *Ijssalon ‚t Hoekje,  sondern auf dem IJsselmeer und im IJsalon ‚t Hoekje. Selten ist in der Rechtschreibung etwas ganz so selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Substantivierte »Jährige«

Frage

Ich lektoriere gerade einen Text und bin mit der Frage konfrontiert, ob das J in „die 38-jährige“ (ohne nachfolgendes Substantiv) groß- oder kleingeschrieben wird. Meiner Auffassung nach steht die Zahl 38 einfach als Ersatz für das Wort „Achtunddreißig“, an das ich das „jährige“ schlicht anhängen würde. […]

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

richtig sind hier der Bindestrich und das große J:

die 38-Jährige

Ebenso (wenn mit Ziffern geschrieben):

Ferienlager für 14- bis 18-Jährige
Benimm dich nicht wie ein 7-Jähriger!

Den Bindestrich, den Sie ja auch gesetzt haben, kann ich leicht erklären: Zusammensetzungen mit einer Ziffer werden mit Bindestrich geschrieben (Regel). Bei der Großschreibung des J ist es etwas schwieriger. Im Prinzip gilt, dass man Substantive in Zusammensetzungen mit einem Bindestrich großschreibt (Regel). Wir müssen also davon ausgehen, dass Jährige in der substantivierten Form 38-Jährige als Substantiv gilt und deshalb großgeschrieben wird.

Dass das J in die 38-Jährige großgeschrieben werden muss, kann ich nachvollziehen, aber ich weiß es ehrlich gesagt nicht, weil ich es sofort eindeutig aus den Regeln ableiten kann. Ich weiß es vor allem, weil in Paragraph 40.3 der amtlichen Rechtschreibregelung das Beispiel der 17-Jährige steht und die zur amtlichen Regelung gehörenden Wörterliste beim Stichwort acht angibt: der, die 8-Jährige.

Die genaue Schreibung von die 38-Jährige, der 17-Jährige, die über 100-Jährigen usw. gehört zu den Sachen, die man sich am besten einfach merkt. Wenn Sie trotzdem einmal unsicher sind, schauen Sie einfach in Canoonet nach, zum Beispiel hier oder hier. Und dann gibt es natürlich immer auch die Möglichkeit, keine Ziffern zu verwenden:

die Achtunddreißigjährige

Mit freundlichen Grüßen

Dr.  Bopp