Makrogesteuert, kundenorientiert, sauerstoffarm

Frage

Meine Suche nach der korrekten Rechtschreibung für „makrogesteuert“ ergab keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Ich habe die oben stehende Schreibweise als die richtige angenommen, analog zu zum Beispiel „computerbasiert“. Was ist Ihre Meinung?

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

das Wort makrogesteuert gehört zu einer Gruppe von Wörtern, die man sehr häufig falsch geschrieben antrifft: Verbindungen von einem Nomen und einem Adjektiv oder adjektivischen Partizip. Sie werden nämlich zusammengeschrieben, wenn das erste Element für einen Wortgruppe steht (Regel).

Ihre Annahme ist also richtig. Mit makrogesteuert ist gemeint durch Makros/ein Makro gesteuert. Hier steht makro-  somit nicht nur für sich allein, sondern für durch Makros oder durch ein Makro. Entsprechend wird zusammengeschrieben:

eine makrogesteuerte Anwendung
Die Datenausgabe ist makrogesteuert.

Nicht richtig also die relativ häufig anzutreffende Getrenntschreibung:

*eine Makro gesteuerte Anwendung
*Die Datenausgabe ist Makro gesteuert.

Weitere Beispiele:

ein abbruchreifes Haus (reif für den Abbruch)
die amerikafreundliche Politik (Amerika freundlich gesinnt)
die comuptergesteuerte Anlage (durch [einen] Computer gesteuert)
die kundenorientierte Beratung (an den Kunden orientiert)
eine sauerstoffarme Umgebung (arm an Sauerstoff)
systembedingte Schwierigkeiten (durch das System bedingt)

All diese Begriffe trifft man häufig in der getrennt geschriebenen Form an, die nach den Rechtschreibregeln nicht korrekt ist.

Dann noch ein Zusatz für den Fall, dass Sie den „verdeutlichenden“ Bindestrich mögen: Er ist hier meiner Meinung nach zwar meistens nicht notwendig, aber man kann ihn benutzen. Achten Sie dann aber darauf, dass ein Substantiv in einer Verbindung mit Bindestrich großgeschrieben werden sollte (Regel). Also zum Beispiel:

eine Makro-gesteuerte Anwendung (nicht: *eine makro-gesteuerte A.)
die Kunden-orientierte Beratung (nicht: *die kunden-orientierte B.)
eine Sauerstoff-arme Umgebung (nicht: *eine sauerstoff-arme U.)

Mir gefallen allerdings die zusammengeschriebenen Formen einfach besser.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Ergänzungsstrich am Wortanfang

Vielschreibern und -schreiberinnen ist er vertraut, doch andere kann er unter anderem „dank“ der Korrekturprogramme manchmal verunsichern: der Ergänzungsstrich am Wortanfang.

Frage

Prozessentwicklung und -optimierung oder
Prozessentwicklung und Optimierung

Welches ist bei solch einer Wortkopplung die richtige Schreibweise? Wenn ich alles richtig verstanden habe, ist die zweite Schreibweise korrekt. Bin mir aber unsicher

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

wenn Sie die Wortgruppe

Prozessentwicklung und Prozessoptimierung

in verkürzter Form aufschreiben wollen, ist die erste Variante korrekt:

Prozessentwicklung und -optimierung

Der wegfallende Wortteil wird durch einen Ergänzungsstrich ersetzt. Der verbleibende Wortteil wird gleich wie im unverkürzten Wort geschrieben:

[Prozess]optimierung → -optimierung

Ebenso zum Beispiel:

Autoverkauf und -vermietung
Programmentwicklung und -wartung
auf der Wiese herumrennen und -hüpfen
bergauf und -ab

und sogar:

Warenein- und -ausgang

Weitere Beispiele finden Sie hier.

Es ist also keine höhere Wissenschaft. Verwirrend kann hier allerdings sein, dass viele Korrekturprogramme insbesondere Substantive mit Ergänzungsstrich am Wortanfang nicht als richtig erkennen. Sie unterstreichen sie zu Unrecht als falsch und geben die Schreibung ohne Ergänzungsstrich als Verbesserungsvorschlag an: Prozessentwicklung und Optimierung. Diese Schreibung ist zwar auch richtig, sie bedeutet aber nicht dasselbe. Hier werden die Prozessentwicklung und allgemein die Optimierung aufgezählt, also nicht die Prozessentwicklung und die Prozessoptimierung. Wieder einmal zeigt sich, dass man sich nicht vollständig auf Korrekturprogramme verlassen darf.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Irgendwohin gehen oder irgendwo hingehen

Frage

Schon lange bin ich auf der Suche, was richtig ist. Es geht um folgende Wörter: „irgendwo hingehen“ oder „irgendwohin gehen“ bzw. „nirgendwo“, „überallhin“.

Ich denke, es heißt „irgendwohin gehen“. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es „irgendwo hingehen“ auch gibt.

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

in „einwandfreiem“ Standarddeutsch schreiben Sie:

irgendwohin gehen

Die Richtungsadverbien woher und wohin werden allerdings in der gesprochenen Alltagssprache häufig durch die getrennte Variante wo … her und wo … hin ersetzt. Ein paar Beispiele:

Standard: (Gesprochene) Alltagssprache auch:
Woher kommst du? Wo kommst du her?
Wohin gehst du? Wo gehst du hin?
Ich weiß nicht, wohin er gegangen ist. Ich weiß nicht, wo er hingegangen ist.
Ich weiß nicht, woher sie kommt. Ich weiß nicht, wo sie herkommt.
Entsprechend:
Sie sind irgendwohin gegangen. Sie sind irgendwo hingegangen.
Sie könnten überallher kommen. Sie könnten überall herkommen.

Die getrennten Formen kommen häufig vor, aber sie sollten in der geschriebenen Standardsprache vermieden werden (heißt es in den meisten Grammatiken, Stilbüchern usw.).

Auch bei den Formen irgendwohin/irgendwo hin, nirgendwohin/nirgendwo hin, überallhin/überall hin, irgendwoher/irgendwo her usw. sollten entsprechend die zusammengeschriebenen Formen vorgezogen werden. Die folgende Diskussion kommt Eltern von Nachwuchs, der das Kleinkindalter hinter sich gelassen hat, eventuell bekannt vor:

– Ich will irgendwo hingehen.
– Du gehst heute Abend nirgendwo hin!
– Ich kann überall hingehen, wo ich hinwill!
– Ich weiß nicht, wo du diese Ideen herhast.
– Ich werde sie schon irgendwo herhaben.
– Ob sie nun überall oder nirgendwo herkommen, du bleibst hier!

In schriftlicher Standardsprache geben Sie diesen „Gedankenaustausch“ also besser so wieder:

– Ich will irgendwohin gehen.
– Du gehst heute Abend nirgendwohin!
– Ich kann überallhin gehen, wohin ich will!
– Ich weiß nicht, woher du diese Ideen hast.
– Ich werde sie schon irgendwoher haben.
– Ob sie nun überall- oder nirgendwoher kommen, du bleibst hier!.

Ich befürchte allerdings, dass die korrekte Schreibweise in diesem Fall für den Ausgang des Abends völlig irrelevant ist oder, falls sie unvorsichtigerweise erwähnt wird, die Wirkung von ins Feuer gegossenem Öl hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Herbst Moto Cross

Heute ist Sonntag. Der Sonntag ist normalerweise auch für mich ein Ruhetag. Da hier aber heute von Ruhe keine Rede sein kann, greife ich doch kurz zur Tastatur.

Ganz in der Nähe des Wochenendhäuschens findet heute eine alljährliche Veranstaltung statt, bei der Männer – ja, es sind hier nur Männer – auf Motorrädern über Hügel springen und durch Mulden rasen. Das ist natürlich mit viel Lärm verbunden, der dank der in diesem Sinne ungünstigen Windrichtung ausgezeichnet zu hören ist. Das ist nicht weiter schlimm, denn hin und wieder müssen die Männer ihren Spaß haben – und wir gehen heute für den ersten Herbstspaziergang dieses Jahres einfach in die andere Richtung. So ist auch diese Situation ohne Ärger, Proteste und Petitionen gut zu meistern.

Motocross

Damit nun die deutsche Sprache und Rechtschreibung auch noch kurz zum Zuge kommen, sei noch dies erwähnt: Ich werde mich bei den Veranstaltern auch nicht darüber beschweren (es wäre ebenso kleinlich wie sinnlos), dass man nicht

Herbst Moto Cross

schreibt – auch nicht auf Ankündigungen und Ähnlichem – sondern

Herbst-Moto-Cross

oder

Herbst-Motocross

Nach der amtl. Regelung schreibt man nämlich Motocross oder Moto-Cross, und Herbst sollte nicht ganz „ungebunden“ alleine vorangestellt, sondern zumindest mit einem Bindestrich als zur Zusammensetzung gehörig gekennzeichnet werden. Dass die gänzliche Zusammenschreibung Herbstmotocross zwar möglich, aber in diesem Zusammenhang für die meisten der „Betroffenen“ wohl etwas zu viel der Guten wäre, verstehe auch ich. Und Sie haben mittlerweile sicher verstanden, dass ich kein echter Motocross-Fan bin.

Ich wünsche einen schönen ersten Herbstsonntag

Dr. Bopp

In kariert, in Kariert oder einach kariert

Wieder einmal eine ganz einfache Frage zur Rechtschreibung, die sich nicht ganz so einfach beantworten lässt:

Frage

Werden folgende Farbbezeichnungen groß- oder kleingeschrieben?

– Die Sofadecke gibt es in Kariert, in Gestreift und in Gemustert.
– Die Sofadecke gibt es in kariert, in gestreift und in gemustert.

kariert gestreift gemustert

Antwort

Guten Tag H.,

auf die Gefahr hin, kleinkariert zu wirken [Verzeihung, ich konnte es einfach nicht lassen], zuerst diese Bemerkung: Das in sollten Sie weglassen:

Die Sofadecke gibt es kariert, gestreift und gemustert.

Das in wird üblicherweise bei Farbbezeichnungen verwendet. Die Adjektive (oder adjektivisch verwendeten Partizipien) kariert, gestreift und gemustert sind keine Farbbezeichnungen. Endungslose Farbadjektive werden häufiger als Substantive verwendet:

ein schönes Blau
dieses Gelb
in einem knalligen Rot
in Grün

Das gilt nicht für die folgenden Adjektive. Es heißt normalerweise nicht:

*ein schönes Kariert
*dieses Gestreift
*in einem bunten Gemustert

(Ich weiß nicht, ob solche Wendungen in der Mode- und Designerbranche vorkommen – diese Bemerkung zeigt, dass ich es mir vorstellen könnte –, aber sie gehören nicht zum allgemeinen Sprachgebrauch.)

Ich kann nicht mit Gewissheit sagen, ob Sie korrekt in gemustert oder in Gemustert schreiben müssen, weil die Formulierung meiner Meinung nach eigentlich nicht richtig ist. Wenn Sie nicht damit einverstanden sind und Sie trotzdem in verwenden wollen oder müssen, würde ich für die Kleinschreibung in kariert, in gestreift, in gemustert plädieren. Die Begründung für die Großschreibung von zum Beispiel in Rot und auf Deutsch ist die amtlichen Regelung § 58 E2:

»Substantivierungen, die auch ohne Präposition üblich sind, werden nach § 57(1) auch dann großgeschrieben, wenn sie mit einer Präposition verbunden werden«

Wie oben gesagt, ist es nicht gebräuchlich, die Adjektive kariert, gestreift und gemustert als Substantivierungen zu verwenden. Sie fallen also nicht unter diese Regel und werden nicht großgeschrieben. Sie sind eher Verbindungen wie gegen bar, von fern oder von privat, die gemäß § 58.3.1 kleingeschrieben werden (vgl. hier). 

Man kann allerdings auch argumentieren, dass die Adjektive in Ihrem Beispiel (ausnahmsweise) wie Farbbezeichnungen verwendet werden und deshalb analog großgeschrieben werden sollten. Auch wenn ich die Kleinschreibung aus den genannten Gründen vorziehe, halte ich diese Argumentation nicht für grundsätzlich falsch.

Eine eindeutige Antwort – außer dass Sie hier in besser weglassen – kann ich Ihnen also nicht geben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Notenbankchefs und Bindestrich-Haarspaltereien

Frage

Eine kurze Frage:

1) US-Notenbank-Chef oder
2) US-Notenbankchef

Ist beides zulässig? Ich bevorzuge Variante 1).

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

wie viele Bindestriche hier benötigt werden, hängt davon ab, was genau gesagt werden soll. Eine dreiteilige Zusammensetzung wie diese (US + Notenbank + Chef) kann auf mehr als eine Art interpretiert werden:

1) der US-Notenbank-Chef = der Chef der amerikanischen Notenbank
2) der US-Notenbankchef = der amerikanische Notenbankchef

Wenn man die Struktur der Zusammensetzung mit Hilfe von Klammern darstellt:

1) [[US-Notenbank]-Chef]
2) [US-[Notenbankchef]]

Auch bei zum Beispiel seinem britischen Amtskollegen sind beide Formulierungen möglich:

1) Mark Carney, der Chef der britischen Notenbank
2) Mark Carney, der britische Notenbankchef

Im ersten Fall wird ein Wort mit einem Bindestrich (US-Notenbank) mit einem weiteren Wort (Chef) kombiniert. Dann schreibt man nach der Regel zwischen allen Teilen der Zusammensetzung einen Bindestrich (US-Notenbank-Chef).

Im zweiten Fall wird eine Abkürzung (US) mit einem weiteren Wort (Notenbankchef) kombiniert. Dann reicht nach der Regel ein Bindestrich (US-Notenbankchef).

Als „allgemeine Berufsbezeichnung“ würde auch ich 1) vorziehen. Das ist aber eine subjektive Einschätzung und die Variante 2) ist keineswegs falsch. Eine präzise Unterscheidung machen zu wollen würde nämlich zu einem ziemlich haarspalterischen Unternehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Dunkle Materie und Dunkelmaterie

Frage

In Physikerkreisen gibt es die Auffassung, es sei besser von „Dunkelmaterie“ zu reden als von „Dunkler Materie“. „Dunkle Materie“ sei im Grunde eine Art ungeschickte Übersetzung von englisch „dark matter“, auf Deutsch müsse nämlich in solchen festen Konstruktionen das Adjektiv mit dem Bezugswort kombiniert werden, siehe „Dunkelwolke“ oder „Dunkelkammer“. Nun heißt es aber auch „Weißer Zwerg“, „Roter Riese“ und „helle Sauce“. Gibt es einen Bedeutungsunterschied zwischen beiden Formen, der erklären würde, wann die Regel (so sie denn existiert) zur Anwendung kommt?

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

es gibt keine Regel, nach der entschieden werden kann, ob es dunkle Materie oder Dunkelmaterie heißen muss. Das Einzige, was mit einiger Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass es sich bei Zusammensetzungen von einem Adjektiv und einem Nomen meist um einen festen Begriff handelt. Ein paar Beispiele:

Altbundeskanzler
Dunkelkammer
Fertigprodukt
Gebrauchtwagen
Hochbahn
Normalbenzin

Das Umgekehrte gilt aber nicht: Aus einem Adjektiv und einem Nomen bestehende feste Begriffe müssen nicht als Komposita zusammengeschrieben werden. Einige Beispiele haben Sie selbst schon aufgezählt, andere sind:

der graue Star
das schwarze Schaf,
der goldene Schnitt
Rote Beete
die schwache Deklination
die doppelte Buchführung
die eustachische Röhre
das sekundäre Bewusstsein
das schwarze Loch

Manchmal sind ohne wesentliche Bedeutungsunterschiede beide Formulierungen üblich:

ein direkter Flug –  ein Direktflug
feste Kosten  – Festkosten
der hohe Adel – der Hochadel
die Kommunalwahlen – die kommunalen Wahlen

Der  Ausdruck dunkle Materie ist auch keine grundsätzlich falsche oder „ungeschickte“ Übersetzung aus dem Englischen. Englische Adjektiv-Nomen-Verbindungen können im Prinzip immer auf zwei Arten ins Deutsche übertragen werden. Im Englischen werden Wortgruppen und Komposita, die sich aus einem Adjektiv und einem Nomen zusammensetzen, in der Regel gleich geschrieben: Man schreibt getrennt und das Adjektiv ist zwangsläufig ungebeugt:

Wortgruppe: direkter Flug = direct flight
Kompositum: Direktflug = direct flight

Anhand der Form der englischen Bezeichnung lässt sich also nicht entscheiden, ob im Deutschen eine Wortgruppe oder ein Kompositum vorliegt.

Entscheidend ist also keine grammatische oder orthografische Regel, sondern der Gebrauch. Das englische dark matter wird im Deutschen allgemein als dunkle Materie bezeichnet (fachsprachlich oft auch Dunkle Materie geschrieben, siehe hier). Da dies, wie gesagt, gegen keine Regel verstößt, gibt es keinen zwingenden Grund, dunkle Materie durch das Kompositum Dunkelmaterie zu ersetzen.

Das Wort Dunkelmaterie ist übrigens auch nicht falsch, es ist nur weniger üblich und wird deshalb vielleicht nicht immer auf Anhieb verstanden. Ich persönlich würde deshalb den gebräuchlicheren Begriff dunkle Materie (oder evtl. Dunkle Materie) verwenden. Wenn die Physik aber lieber Dunkelmaterie zum offiziellen Fachwort kürt, ist das natürlich genauso angebracht. Jedes Fach bestimmt seine Terminologie selbst. „Relaxte“ Physikerinnen und Physiker lassen beide Ausdrücke nebeneinander bestehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Fährst du als nächstes oder als Nächstes dieses Auto?

Des Öfteren bestimmt der weitere Satzzusammenhang oder das, was genau ausgesagt werden soll, ob groß- oder kleingeschrieben werden muss. Das kann dann geschehen, wenn eine Wortkombination unterschiedliche Deutungen zulässt. Dabei kann man schon einmal recht unsicher werden. Oft hilft dann der Ersatz durch ein anderes Wort. So auch bei dieser an und für sich gar nicht so komplizierten „Angelegenheit“:

Frage

Ich habe eine Frage zu Groß- und Kleinschreibung: „Das ist das Auto, das du als nächstes fahren wirst.“ Ist die Kleinschreibung von „nächstes“ hier korrekt, weil im Sinne von „als nächstes Auto“?

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

in diesem Fall ist, je nachdem was im konkreten Satzzusammenhang genau gemeint ist, sowohl die Kleinschreibung als auch die Großschreibung möglich.

Das ist das Auto, das du als nächstes fahren wirst.
Als nächstes wirst du dieses Auto fahren.

Hier ist mit als nächstes gemeint: als nächstes Auto. Deshalb wird nächstes kleingeschrieben – wie immer wenn ein Adjektiv zwar allein steht, sich aber auf ein vorhergehendes oder nachfolgendes Substantiv bezieht (Regel).

Das ist das Auto, das du als Nächstes fahren wirst.
Als Nächstes wirst du dieses Auto fahren.

Hier ist mit als Nächstes gemeint: im Folgenden, als nächste Handlung. Hier wird Nächstes allein stehend wie ein Substantiv verwendet und entsprechend großgeschrieben ­– ebenso wie zum Beispiel als Erstes, als Letztes (vgl. hier).

Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man das sächliche Wort Auto durch das männliche Substantiv Wagen ersetzt:

Das ist der Wagen, den du als nächsten fahren wirst.
Als nächsten wirst du diesen Wagen fahren.

Das ist der Wagen, den du als Nächstes fahren wirst.
Als Nächstes wirst du diesen Wagen fahren.

Die Zweideutigkeit von als nächstes/Nächstes bedingt also, das dass man für die Entscheidung zwischen Groß- und Kleinschreibung darüber nachdenken muss, was genau ausgesagt werden soll. Und nachdenken müssen wir tatsächlich selbst, denn hier scheitern selbst die besten Korrekturprogramme insoweit, als sie uns diese Entscheidung nicht abnehmen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ein anderes Mal und ein andermal

In letzter Zeit liegen Ihnen die Rechtschreibfragen am Herzen – oder auf dem Magen. 

Frage

Es gibt einige Web-Sites die eine Prüfung von Groß- und Kleinschreibung anbieten. Auf allen, die ich befragt habe, kam für beide Versionen immer die Antwort „ohne Fehler“.

Vielleicht klappt es ein anderes mal.
Vielleicht klappt es ein anderes Mal.

Können Sie mich aufklären, welche Version die Richtige ist?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

richtig ist hier die Großschreibung:

Vielleicht klappt es ein anderes Mal.

Man schreibt getrennt und groß, wenn vor Mal ein gebeugtes Artikelwort oder Adjektiv steht. Zum Beispiel:

dieses Mal
jedes Mal
ein/kein einziges Mal
beim nächsten Mal
das beste Mal
ein für alle Mal(e) (aber: allemal = ugs. für in jedem Fall)
beide Mal(e)

und eben:

ein anderes Mal

Man schreibt zusammen und klein, wenn eine Grundzahl oder eine ungebeugte Form mit mal kombiniert wird. Zum Beispiel:

diesmal
einmal, zweimal, …
keinmal

und

ein andermal

Noch ein paar Beispiele:

manches Mal – manchmal
viele Mal(e) – vielmal
wie viele Mal(e) – wievielmal
so viele Mal(e) – sovielmal
unendliche Mal(e) – unendlichmal

Natürlich gibt es noch ein paar andere Fälle und Varianten wie zum Beispiel wirklich nur ein Mal, dutzendmal – ein Dutzend mal,  zwei mal vier (mehr dazu hier). In dieser Weise sind aber die meisten Fälle abgedeckt.

Dass einige Programme ein anderes mal als richtig geschrieben durchgehen lassen, erstaunt nicht allzu sehr. Diese Programme berücksichtigen sehr wahrscheinlich nicht den ganzen Satz, sondern höchstens gewisse Wortgruppen oder sogar nur einzelne Wörter. Am Ende eines Satzes kann diese Wortgruppe nur so geschrieben werden: ein anderes Mal. Für sich allein kann mal aber die (umgangssprachliche) Verkürzung von einmal sein, die kleingeschrieben wird (Ich nehme mal ein anderes Beispiel). Für die Entscheidung, ob die Groß- oder die Kleinschreibung korrekt ist, reicht es also nicht, die Wörter einzeln zu prüfen. Die Prüfer, die Sie benutzt haben, tun aber offenbar nicht viel mehr als das.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Schwierigkeiten beim Infinitivgruppenschreiben und beim Infinitivgruppen-richtig-Schreiben

Da es für komplexere Fragen viel zu warm ist (endlich!), gibt es heute wieder einmal ein einfacheres, aber bei vielen häufig eine gewisse Schreibunsicherheit verursachendes Thema: die substantivierte Infinitivgruppe.

Frage

Meine Frage betrifft die Schreibweise von als Substantiv verwendeten Wortgruppen. Wenn sich jemand zum Beispiel ansehen lässt, und man diese Eigenschaft im Satz mit einem vorangestelltem Artikel verwendet, heißt es dann „das Sich-ansehen-Lassen“ oder „das Sich-Ansehen-Lassen“? Das erste Wort dürfte aufgrund der substantivischen Verwendung großgeschrieben werden. Das letzte Wort vermutlich auch. Wie sieht es mit dem Wort in der Mitte aus?

Antwort

Sehrt geehrter Herr S.,

bei substantivierten Infinitivgruppen gilt diese Faustregel: Besteht sie aus nur zwei Teilen, schreibt man zusammen:

das Teetrinken
gemütliches Spaghettiessen
zum Schwimmengehen
beim Schnellfahren
des Sichanpassens

Besteht die substantivierte Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen, verwendet man Bindestriche*:

das Miteinander-Tee-Trinken
das Nicht-mehr-Weiterwissen
zum Aus-der-Haut-Fahren
des Sich-zu-sehr-anpassen-Wollens

Dabei gilt für die Groß- und Kleinschreibung – und damit sind wir endlich bei Ihrer eigentlichen Frage –, dass die folgenden Teile der Verbindung großgeschrieben werden:

  • das erste Wort der Gruppe
  • der (letzte) Infinitiv
  • ggf. Wörter, die auch sonst großgeschrieben werden (z.B. Substantive)

Bei Ihrem Beispiel ist somit der erste Vorschlag, den Sie machen, korrekt:

das Sich-ansehen-Lassen

So einfach ist es im Prinzip. Die Regeln finden Sie hier und hier. Eine älterer Blogbeitrag zum Thema der substantivierten Infinitivgruppen steht hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Natürlich geht es nicht ohne Ausnahmen. Es hat der Rechtschreibkommission nämlich (unter Zwang?) „behagt“, diese wunderbar einfache Grundregel etwas schwammiger zu formulieren (§ 43 E): „Dies [die Schreibung mit Bindestrich] gilt nicht für übersichtliche Zusammensetzungen mit Infinitiv“. Als dreiteiliges Beispiel wird dort das Inkrafttreten angeführt. Laut Duden ist auch das Zuspätkommen eine solche zusammenzuschreibende Ausnahme.