Der ungebeugte Präsident

Frage

Mir ist aufgefallen, dass es bei „von“ scheinbar unerklärliche Ausnahmen gibt. Dabei geht es mir um folgenden Satz: „Ich halte nichts von Präsident XY.“ Das „von“ sollte doch eigentlich den Dativ fordern, tut es hier aber offensichtlich nicht, da es sonst „PräsidentEN“ heißen müsste. Bildet man den Satz mit einem bestimmten Artikel, so kann man auf einmal korrekt formulieren: „Ich halte nichts von dem Präsidenten XY.“ Könnten Sie mich hier aufklären?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

diese „Ausnahme“ kann man nicht nur bei von und nicht nur bei Präsident beobachten. Sie hat mit der Funktion zu tun, die Wörter wie Präsident (Titel, Berufsbezeichnungen, Verwandschaftsbezeichnungen u. Ä.) innerhalb einer Personenbezeichnung haben können.

Wenn Präsident ohne Artikel vor einem Namen steht, ist es eine Ergänzung (Apposition) zum Namen. Der Name ist der Kern der Wortgruppe und wird gebeugt. Der Titel bleibt ungebeugt:

Die Bundeskanzlerin empfängt Präsident Hollande.
Europa hat von Präsident Hollande nicht zu fürchten.
Präsident Hollandes Lebensgefährtin

Ebenso zum Beispiel:

der von Fürst Metternich geleitete Kongress
Krimiautor Mario Puzos berühmter Roman
Onkel Bernhards Fiat und Tante Lindas Volvo
Königin Elisabeths Thronjubiläum

Wenn man ein Wort wie Präsident mit einem Artikelwort verwendet, werden die Rollen umgedreht. Der Titel ist der Kern der Wortgruppe und der Name eine Ergänzung (Apposition). Dann wird der Titel gebeugt und der Name bleibt unverändert:

Die Bundeskanzlerin empfängt den Präsidenten Hollande.
Europa hat vom Präsidenten Hollande nicht zu fürchten.
die Lebensgefährtin des Präsidenten Hollande

Ebenso zum Beispiel:

der vom Fürsten Metternich geleitete Kongress
der berühmte Roman des Krimiautors Mario Puzo
der Fiat meines Onkels Bernhard und der Volvo deiner Tante Linda
das Thronjubiläum der Königin Elisabeth

Mehr zu diesem Thema finden Sie, wenn Sie möchten, in der Canoonet-Grammatik hier und hier.

Es ist also nicht nur bei Präsidenten so, dass ohne Artikel der Name und mit Artikel der Titel gebeugt wird. Das Deutsche behandelt ganz demokratisch auch Königinnen, Krimiautoren und normalsterbliche Onkel und Tanten in dieser Weise.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Natürlich gibt es auch hier wieder Ausnahmen: Die Anrede Herr wird immer gebeugt, also auch dann, wenn kein Artikel verwendet wird:

Frau Merkel empfängt Herrn Hollande.
Europa hat von Herrn Hollande nichts zu befürchten.
Herrn Hollandes Lebensgefährtin.

Umgekehrt bleibt der Titel Doktor auch mit Artikel ungebeugt:

Doktor Bopps Blog
der Blog des Doktor Bopp

Angela Merkel mit und ohne Kommas

Frage

Ich hatte noch gelernt, dass bei Funktionsbezeichnungen wie: „Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, sagte …“ die Apposition mit Kommata abgetrennt wird, weil es nur eine amtierende Bundeskanzlerin gibt. Wenn man die Bezeichnung wie einen Titel gebraucht, steht kein Komma: „Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte …“

Dann hatte ich noch gelernt, dass wenn z. B. ein Amt von mehreren Personen ausgeübt wird, kein Komma steht: „Der stellvertretenden Landesvorsitzende der GdP-Saarland Ralf Porzel sagte …“

Ich bin durch die ganzen Rechtschreibreformen verunsichert und wollte deshalb wissen, ob das immer noch so ist?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

durch die Rechtschreibreform hat sich in diesem Bereich der Kommasetzung nichts geändert. Die Regel, die Sie hantieren, führt meist zu einem korrekten Resultat, sie ist aber viel zu strikt. Es gibt oft mehr als eine Möglichkeit.

Die Kommasetzung hängt hier nämlich nicht davon ab, ob es einen oder mehrere Vertreter einer bestimmten Funktion gibt, sondern davon, ob man die Nennung des Namens als Hauptsache oder als nachgestellte Apposition (nähere Bestimmung) versteht. Im Prinzip ist es ganz einfach: Wenn man in der gesprochenen Sprache vor und nach dem Namen eine Pause macht, ist er eine Apposition, das heißt eine nähere Bestimmung, wer genau mit der genannten Funktion gemeint ist. Man setzt Kommas. Wenn man beim Sprechen keine Pausen macht, ist der Name der Kern der Wortgruppe, dem ein Titel oder eine Funktionsbezeichnung vorausgeht. Man schreibt keine Kommas. In vielen Fällen ist beides möglich, unabhängig davon, ob es mehrere Vertreter oder Vertreterinnen der genannten Funktion gibt oder nicht. Ein paar Beispiele:

Mit oder ohne Pause → mit oder ohne Komma:

Es spricht die Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Es spricht die Bundeskanzlerin, Angela Merkel.

Der Vorsitzende Hans Christoph Brummer begrüßte die Anwesenden.
Der Vorsitzende, Hans Christoph Brummer, begrüßte die Anwesenden.

Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin Dr. Thekla Araneus einverstanden sei.
Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin, Dr. Thekla Araneus, einverstanden sei.

Ich reiste mit meinem Nachbarn Alois Siebenpunkt nach Prag.
Ich reiste mit meinem Nachbarn, Alois Siebenpunkt, nach Prag.

Ohne Pause → ohne Komma:

Nach der Aussage der Landtagsabgeordneten Maja Apis verliefen die Unterhandlungen gut.

Mit Pause → mit Komma:

Nach der Aussage einer Landtagsabgeordneten, Maja Apis, verliefen die Unterhandlungen gut.

Mir persönlich helfen die Pausen in der gesprochenen Sprache gut bei der Entscheidung, ob ich in solchen Fällen ein Komma setzen will oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Inselfrage – und England

Eine berühmte Frage ist die „Inselfrage“, wie Frau D. sie so schön nennt. Ich habe mir vorgenommen, diese Frage im Folgenden ein für alle Mal zu beantworten. Ich befürchte allerdings, dass es mir nicht gelingen wird …

Frage

Mein Zweifel betrifft die „Inselfrage“. Man sagt „Ich wohne auf Sardinien“ aber „Ich wohne in England“. Heißt es je nach Inselgröße auf oder in oder woran liegt das?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

bei den Inselnamen ist die Wahl der Präposition tatsächlich nicht so einfach. Die Größe der Insel spielt dabei aber keine Rolle. In der Standardsprache gelten die folgenden „Regeln“:

Bei Inselnamen, die ohne Artikel stehen, verwendet man bei einer Zielangabe (Frage wohin?) die Präposition nach:

Ich fahre nach Sylt.
Wir fliegen nach Kreta.
die Fähre nach Sizilien

Bei Inselnamen, die mit Artikel stehen, verwendet man bei einer Zielangabe (Frage wohin?) die Präposition auf:

Ich fahre auf die Mainau.
Wir fliegen auf die Isla Margarita.
Sie wanderte auf die Kanarischen Inseln aus.

Bei einer Ortsangabe (wo?) steht bei Inselnamen allgemein die Präposition auf:

Sie wohnt auf Sylt.
Heraklion liegt auf Kreta.
Ich habe ihn auf Sizilien getroffen.

Wir gingen auf der Mainau spazieren.
Urlaub auf der Isla Margerita
Sie wohnt schon seit Jahren auf den Kanaren.

Damit es nicht zu einfach bleibt, folgt noch eine kleine Ergänzung: Bei Inselnamen, die auch Ländernamen sind, kann neben dem zur Insel gehörenden auf auch das zum Land gehörende in stehen:

auf Jamaika / in Jamaika
auf Madagaskar / in Madagaskar

Noch etwas komplizierter wird es im Fall von England. (Wie könnte es auch anders sein bei einer Nation, die die Punktezählung beim Tennis erfunden hat und erst gerade dabei ist, sich an das metrische System zu gewöhnen!) Man sagt nie auf England, weil England keine Insel ist. Es liegt zusammen mit Wales und Schottland auf der Insel Großbritannien. Doch auch Großbritannien wird nur selten mit auf verwendet. Im deutschen Sprachraum meint man üblicherweise nicht die Insel, sondern den Staat, d. h. das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland, wenn man Großbritannien sagt. Es heißt deshalb fast immer in Großbritannien. Auch wenn man eher umgangssprachlich England für den Staat verwendet, ist nicht die Insel, sondern das Land gemeint. Man antwortet deshalb auf die Frage wo? immer mit in England.

Und wenn Sie mich nun fragen, warum bei Ortsangaben eigentlich immer in Irland und nicht auf Irland gesagt wird (auch wenn die ganze Insel und nicht „nur“ die Republik Irland gemeint ist), muss ich Ihnen die Antwort schuldig bleiben … Die Inseln machen es einem wirklich nicht einfach!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Athen und Basel im Genitiv

Frage

Ist es richtig, dass man zum Beispiel „die Territorialverteidigung des hellenistischen Athen“ und nicht „die Territorialverteidigung des hellenistischen Athens“ schreibt? In der Literatur finde ich beides.

Antwort

Sehr geehrter Herr O.,

in der Literatur finden Sie beides, weil Athen – wie viele andere Dörfer, Städte, Regionen und Länder – hier mit und ohne Genitiv-s stehen kann. Wenn sonst ohne Artikel stehende geographische Namen mit Artikel verwendet werden, wird die Genitivendung oft weggelassen:

Bremen
der Baumeister Bremens
der Baumeister des neuen Bremens oder
der Baumeister des neuen Bremen

Deutschland
die Hauptstadt Deutschlands
die Hauptstadt des vereinigten Deutschlands oder
die Hauptstadt des vereinigten Deutschland

Ebenso:

Athen
die Territorialverteidigung Athens
die Territorialverteidigung des hellenistischen Athens oder
die Territorialverteidigung des hellenistischen Athen

All diese Formulierungen gelten als korrekt. Sehen Sie hierzu auch die folgenden Angaben in der LEO-Grammatik (am Ende des Abschnitts 1.2.1.5.a Geographische Namen ohne Artikel).

Wenn ich die Schönheit Basels anpreise, muss ich also ein Genitiv-s verwenden. Fakultativ ist dieses s aber dann, wenn ich von der Schönheit des frühlingshaften Basels oder eben des frühlingshaften Basel schwärme. Heute möchte ich ergänzend sagen: Hauptsache, die Sonne scheint!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nicht nur für Murgtäler und Friedrichstalerinnen

Frage

Ich komme aus einem Ort im Murgtal  im Schwarzwald und es ist üblich wenn man zu mir (zu uns) sagt: „Du bist ein (Ihr seid) Murgtäler.“ Jetzt wohne ich in Friedrichstal bei Karlsruhe. Viele bestehen hier darauf als Friedrichstaler und nicht als Friedrichstäler angesprochen zu werden. Was ist grammatikalisch korrekt?

Antwort

Guten Tag Herr oder Frau M.,

bei Einwohnernamen sollte man vor allem auf die Einwohner und Einwohnerinnen hören. Rein grammatikalisch sind nämlich beide Formen richtig. Wenn man geographische Adjektive und Einwohnernamen mit -er bildet, kann das Grundwort umgelautet werden. Es muss aber nicht umgelautet werden. Zum Beispiel:

Rom – Römer
Elsass – Elsässer
Schwarzwald – Schwarzwälder
Mühlhausen – Mühlhäuser (Thüringen)

Bonn – Bonner
Stuttgart – Stuttgarter
Greifswald – Greifswalder
Mühlhausen – Mühlhaus[en]er (Elsass)

Korrekt sind also theoretisch sowohl:

Murgtäler
Friedrichstäler

als auch:

Murgtaler
Friedrichstaler

Entscheidend ist aber, was am Ort oder in der Region üblich ist:

Murgtäler
Friedrichstaler

Sie sind also ein Murgtäler oder eine Murgtälerin und wohnen nun zwischen den Friedrichstalern und Friedrichstalerinnen. Bei Ortsnamen auf -tal kommt die Form ohne Umlaut übrigens häufiger vor (z.B. Wuppertaler, Emmentaler, Zillertaler). Das heißt aber nicht, dass Murgtäler in irgendeiner Weise falsch oder weniger gut wäre. Es ist die Form, die im Murgtal verwendet wird, und somit ist es die richtige Form.

Das gilt ganz allgemein. Auch wenn fast alle Orte mit einem Namen auf –stadt Einwohner auf –städter haben (Darmstädter, Ingolstädter, Eisenstädter) nennen sich die Einwohner und Einwohnerinnen von Schifferstadt ganz richtig und ganz zu Recht Schifferstadter und Schifferstadterinnen. Auch wenn gemäß den Wörterbüchern das Adjektiv und der Einwohnername zu Basel auch Baseler lauten soll und es in verschiedenen deutschen Städten tatsächlich eine Baseler Straße gibt, käme es in Basel (und dem Rest der deutschsprachigen Schweiz) kaum jemandem in den Sinn, von der Baseler Firma Canoo zu reden. Es heißt hier immer nur: die Basler Firma Canoo.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Am Hafen von Boston

Frage

Ich wüsste gerne, wie es richtig heißt:

Er sitzt auf einer Bank an Bostons Old Harbor.

oder:

Er sitzt auf einer Bank am Bostoner Old Harbor.

Ist womöglich beides richtig? Die zweite Variante schätze ich als richtig ein, aber die erste gefällt mir besser. Oder sitzt man gar nicht am Hafen wie man am Strand sitzt?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Sie können die Formulierung wählen, die Ihnen besser gefällt. Möglich sind beide. Man kann hier sowohl den Genitiv des Ortnamens als auch das zum Ortsnamen gehörende Adjektiv verwenden:

an Bostons Old Harbor
am Bostoner Old Harbor

durch Deutschlands Wälder wandern
durch die deutschen Wälder wandern

in Genfs Nobelquartieren
in den Genfer Nobelquartieren

Tritt Italiens Ministerpräsident zurück?
Tritt der italienische Ministerpräsident zurück?

Der Genitiv wirkt oft etwas gehobener.

Ausnahmen gibt es natürlich auch. Beispiele dafür sind feste Wendungen und Namen, die nur in einer bestimmten Form üblich sind wie die Bremer Stadtmusikanten, das Deutsche Eck, die Salzburger Nachrichten oder die Emmentaler Liebhaberbühne. Zu guter Letzt: Man kann am Hafen sitzen. Wenn es ein schöner oder interessanter und nicht piratenfilmartig gefährlicher Hafen ist, geht das sogar sehr gut!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die im Titel verwendete Formulierung mit von ist meist auch möglich, stilistisch aber nicht immer empfehlenswert und bei einigen sogar als „genitivmordend“ verpönt.

Italien und Aserbaidschan

Wenn gestern Abend in Düsseldorf der italienische Beitrag das Finale des Eurovisonsfestivals gewonnen hätte, wäre ich in unserem Wohnzimmertippspiel trotzdem Letzter geworden. Ich hatte die Iren auf den ersten Platz gesetzt, die Gewinner auf dem vierten Platz vorhergesehen und, den Geschmack des gesamteuropäischen Publikums völlig unterschätzend, den zweitplatzierten, ausgezeichneten italienischen Beitrag unter „ferner liefen“ eingeteilt. Doch was hat dies alles mit Sprache oder Rechtschreibung zu tun? – Nichts. Ich schweife nur wieder einmal ab.

Wenn also gestern Abend in Düsseldorf der italienische Beitrag gewonnen hätte, gäbe es für die schreibenden Kommentatoren und Kommentatorinnen nächstes Jahr höchstens das Problem, dass man die italienischen Organisatoren und nicht die Italienischen Organisatoren schreibt.  Wie man Italien, italienisch, Italiener, Italienerin und zum Beispiel Rom, Mailand oder Venedig schreibt, müsste man als allgemein bekannt voraussetzen können. Sanremo ist ebenfalls einfach, denn auch San Remo ist richtig. Probleme auf der Ebene der Schreibung gäbe es wohl erst, wenn die Italiener das Festival in zum Beispiel Civitavecchia, Giugliano in Campania oder Chioggia veranstalten würden.

Anders sieht es beim gestrigen Gewinnerland aus. Wie schreibt man Aserbaidschan offiziell auf Deutsch? Genau so: Aserbaidschan, nicht (mehr?) Aserbeidschan und auch nicht wie im Englischen Azerbaijan. Das wusste ich natürlich auch nicht. Ich musste es in den offiziellen Länderlisten nachschlagen. Die Einwohner sind Aserbaidschaner und Aserbaidschanerinnen und das Adjektiv ist aserbaidschanisch (vgl. hier). Die auf i endende Form Azerbaijani oder Aserbaidschani, die irgendwie so klingt, als kenne man sich gut aus, ist englisch (resp. wahrscheinlich durch das Englische inspiriert). Dies sind, wie gesagt, die offiziellen Namen und deren Schreibung. Wie so oft bei „exotischeren“ geographischen Namen, trifft man auf der freien Sprachwildbahn auch andere Schreibweisen an (z. B. Aserbaidjan). Am meisten viel fiel mir übrigens auf, dass man die Hauptstadt Aserbaidschans genau so schreibt, wie man sie ausspricht: Baku; nicht Bhaku, Bakhu oder Bakou, nein, einfach Baku. Das ist so einfach, dass man es kaum glauben will, und in dieser Hinsicht schon fast wieder ein Problem.

Wer also nächstes Jahr etwas über das Songfestival schreiben will, weiß nun, wie man all diese Namen schreibt. Ich befürchte allerdings, dass dieses Wissen bis zum nächsten Mai nicht mehr bei allen ganz präsent sein wird. Aber wer weiß, vielleicht schreibt ja vor dem großen, fröhlichen Liederfest noch jemand etwas über zum Beispiel den wenig demokratischen Charakter des dortigen politischen Systems.

Neuseeland, das neue Land in der See, oder etwa doch nicht?

Unser niederländischer Freund Hans reist zurzeit durch Neuseeland und schickt uns mit Hilfe des Internets in regelmäßigen Abständen seine Reiseberichte und Fotos. Da die meisten von Ihnen zwar mindestens einen Hans kennen, aber nicht diesen Hans, handelt der heutige Bericht nicht von ihm und seiner Reise, sondern von Neuseeland. Es geht um den Namen des Landes.

Ohne viel zu überlegen ging ich immer davon aus, dass Neuseeland seinen Namen der Tatsache verdankt, dass es bei der Landung der ersten Europäer für diese neues Land mitten in der See war. Der Name Neuseeland lag also nahe. Heute fragte ich mich plötzlich, warum Neuseeland in der Landessprache Englisch mit Z geschrieben wird: New Zealand. Woher kommt das Z? Die englische Entsprechung für die See schreibt man doch auch im Englischen mit s: the sea. Man findet das Z auch in anderen Sprachen: Nouvelle-Zélande (frz.), Nueva Zeland[i]a (span.), Nuova Zelanda (ital.), Nowa Zelandia (poln.), Nya Zeeland (schwed.), Nieuw-Zeeland (nld.) u. a. m.

Woher kommt also dieses Z? Soweit ich es anhand der online verfügbaren Quellen beurteilen kann, schrieb man das englische Wort sea immer mit dem Anfangsbuchstaben s. Der rein sprachgeschichtliche Weg zurück hilft uns hier also nicht viel weiter. Geschichte ist natürlich trotzdem das Schlüsselwort: Der erste Europäer, der Neuseeland erblickt haben soll, war im 17. Jahrhundert der holländische Endeckungsreisende Abel Tasman. Er nannte die Insel zuerst Stateneiland (= Insel der Staten-Generaal, d.h des niederländischen Parlaments; vgl. die Insel Staten Island bei New York, die heute noch so heißt). Herr Tasman entdeckte auch die südlich vor Australien liegende Insel Tasmanien, deren Name hiermit auch gleich erklärt ist. Nebenbei sei noch erwähnt, dass Australien lange Zeit Neu-Holland genannt wurde, bevor es den heutigen Namen erhielt. Die Niederländer, die großen Entdeckungsreisenden des 17. Jahrhunderts, haben auch Neuseeland seinen Namen gegeben: Niederländische Kartographen, die wichtigsten der damaligen Zeit, tauften Tasmans Stateneiland nach der im Südwesten der heutigen Niederlande liegenden Provinz Zeeland auf Nieuw-Zeeland um (dt. Seeland und Neu-Seeland). Das Z, das man in vielen Sprachen im Namen Neuseelands antrifft, ist also niederländischen Ursprungs. Neuseeland ist nicht, wie ich meinte, das neue Land in der See, sondern das neue Seeland.

Unser moderner Entdeckungsreisender Hans bereist somit Inseln, die ihren Namen seinen niederländischen Vorvätern zu verdanken haben. Die Nachfahren der wirklichen Entdecker Neuseelands, die Maori, nennen ihr Land in ihrer Sprache heute meist Aotearoa. Die Bedeutung dieses Namens soll Land der langen weißen Wolke sein. Das ist noch viel poetischer, als Neues Land in der See es gewesen wäre!

Von und de, wenn der Adel in die Schlagzeilen gerät

Der Adel macht es einem nicht einfach, wenn er in die Schlagzeilen gerät. Es geht hier aber nicht um Abgeschriebenes und Rücktritte, sondern nur um die Schreibung von Adelspartikeln wie von und de am Satzanfang.

Frage

Wenn es Frau von der Leyen in die Überschrift einer Zeitung schafft, ist dann am Anfang der Titelzeile ,,von der Leyen tut dies und das“ oder ,,Von der Leyen tut dies und das“ korrekt“?

Antwort

Guten Tag Frau A.,

das Wörtchen von in Familiennamen verhält sich gleich wie die „gewöhnliche“ Präposition von: Man schreibt es grundsätzlich klein, außer wenn es am Satzanfang steht. Zum Beispiel:

Sehr geehrte Frau von der Leyen, …
Wer folgte Frau von der Leyen im Amt als Familienministerin?
Die deutsche Arbeitsministerin heißt von der Leyen.

Von der Leyen heißt die deutsche Arbeitsministerin.

Man schreibt auch dann groß, wenn der Name in einer Zusammensetzung an erster Stelle steht:

Politik nach Von-der-Leyen-Art

Aus aktuellem Anlass sei noch ergänzt, dass dies im Prinzip auch für die Adelspartikel de gilt:

Sehr geehrter Herr de Maizière, …
Wer folgt Herrn de Maizère im Amt als Innenminister?
Der neue Verteidigungsminister heißt de Maizière.

De Maizière heißt der neue Verteidigungsminister.
Politik nach De-Maizère-Art

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Heiligen Drei Könige

Am heutigen Dreikönigstag werden in einigen Gebieten Dreikönigskuchen gegessen, an anderen Orten hat sich die Tradition des Dreikönigssingens oder der Sternsinger noch erhalten und diejenigen, die die Weihnachtsdekoration nicht schon an Silvester aufgeräumt haben, sollten dies je nach Gegend und Brauchtum spätestens am 6. Januar tun. Die Befolger und Befolgerinnen von Traditionen, die ich hier nicht genannt habe, mögen mir dies bitte verzeihen. Es geht hier nämlich wieder einmal nur um so etwas Profanes wie die Rechtschreibung:

Wie der einleitende Abschnitt zeigt, kommen der Dreikönigstag und das Dreikönigsfest ebenso wie der Dreikönigskuchen und das Dreikönigssingen ganz ohne Bindestriche aus. Auch die kürzere Bezeichnung Dreikönig oder Dreikönige schreibt man zusammen: an/zu Dreikönig(e). Getrennt schreibt man nur dann, wenn man nicht den Feiertag, sondern die morgenländischen Weisen Kaspar, Balthasar und Melchior meint. Das sind die Heiligen Drei Könige. Da der Ausdruck als Eigenname gilt, werden alle drei Wörter mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben (vgl. heilig).

Ich wünsche Ihnen einen schönen Dreikönigstag!

Dr. Bopp