In Sachen Fall nach „in Sachen“

Frage

Wie lautet der korrekte Kasus nach „in Sachen“? Beispiel: „in Sachen sicherer Zahlungsverkehr“ oder „in Sachen sicherem Zahlungsverkehr“? Mir erscheint die erste Variante korrekt […]

Antwort

Guten Tag Frau H.,

eine feste Regel gibt es hier nicht. Nach dem allgemeinen Gebrauch lässt sich die folgende Faustregel für die Verwendung von in Sachen im Sinne von zum Thema, hinsichtlich formulieren: Nach in Sachen steht üblicherweise a) der Genitiv, wenn die Wortgruppe einen Artikel enthält, sonst b) der Nominativ:

a) in Sachen der Abfallentsorgung
b) in Sachen Abfallentsorgung

a) in Sachen der getrennten Abfallentsorgung
b) in Sachen getrennte Abfallentsorgung

a) in Sachen des öffentlichen Verkehrs
b) in Sachen öffentlicher Verkehr
b) in Sachen Verkehr

Ihre Einschätzung ist also zutreffend:

a) in Sachen des/eines sicheren Zahlungsverkehrs
b) in Sachen sicherer Zahlungsverkehr

Der Dativ kommt nach in Sachen übrigens auch vor (in Sachen sicherem Zahlungsverkehr) und er lässt sich mit etwas Mühe eventuell sogar grammatisch begründen. Aus verschiedenen Gründen würde ich hier aber von seiner Verwendung abraten, obwohl ich dem Dativ sonst häufig wohlgesinnt bin.

Ich hoffe, dass ich Ihnen hiermit in Sachen des Gebrauchs von „in Sachen“ resp. in Sachen Gebrauch von „in Sachen“ eine kleine praktische Hilfestellung leisten konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ein Dativ, der sich als Genitiv ausgibt

Frage

Mal wieder eine Frage, die ich nicht beantworten kann:

Das ist die Untersuchung, während der man völlig ruhig liegen muss.
Das ist die Untersuchung, während deren man völlig ruhig liegen muss.

Müsste der zweite Satz nicht der korrekte sein, da „während“ ja immer noch eine Genitivpräposition ist? Warum aber klingt mir der erste dann deutscher in den Ohren?

Antwort

Guten Tag Herr D.,

wer nach während nur den Genitiv akzeptiert, sagt und schreibt:

Das ist die Untersuchung, während derer/deren man völlig ruhig liegen muss.

Auf während folgt hier ein Relativpronomen. Da dieses Relativpronomen sich auf Untersuchung bezieht, muss es ein weiblicher Singular sein. Da es von während abhängig ist, sollte es im Genitiv stehen. Die entsprechende Form ist derer oder deren (siehe hier).

Viel häufiger trifft man aber tatsächlich während der an, obwohl der hier ein Dativ ist (vgl. die Untersuchung, mit der man ...):

Das ist die Untersuchung, während der man …

Das liegt wahrscheinlich daran, dass der weibliche Singular der als bestimmter Artikel nicht nur Dativ, sondern auch Genitiv sein kann (vgl. mit der Untersuchung; während der Untersuchung). Aus diesem Grund fällt es nicht so auf, dass die weibliche Singularform der als Relativpronomen eigentlich ein Dativ ist, der streng genommen nicht auf während folgen darf.

Beim männlichen Pronomen geschieht diese „Verwechslung“ viel weniger: Nach während steht viel häufiger dessen als dem, dem man den Dativ viel besser ansieht, als dies bei der Form der der Fall ist .

Das ist ein Test, während dessen …

Bei der Beurteilung, ob eine Untersuchung, während der … akzeptabel ist oder nicht, stellt sich also die folgende Frage: Hat die Regel „recht“ (während derer/deren) oder der allgemeine Gebrauch (während der)?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Karneval, Fasching Fas(t)nacht usw.

Herr G. hat mich gefragt, wie die Bezeichnung der Karnevals-, Faschings- resp. Fastnachtstage etwas vereinheitlicht werden könnte. Ich habe ihm darauf nicht allzu hilfsbereit (wofür ich ihn nochmals um Verzeihung bitte) geantwortet, dass ich eine Vereinheitlichung in diesem Bereich, der geradezu mit der Umkehrung der sonst geltenden Regeln zu tun hat und sehr regional geprägt ist, nicht für nötig halte. Hier eine Übersicht der gängigeren Namen:

Bereits hinter uns haben wir den Tag mit der größten Zahl verschiedener Bezeichnungen:

Weiberfasching, Wieverfastelovend, Fettdonnerstag, Schwerdonnerstag, Weiberfasnet, Altweiberfasching, Altweiberfastnacht, Schmutziger Donnerstag

Heute ist:

Rußiger Freitag, Karnevalsfreitag, Faschingsfreitag, Fastnachtsfreitag

Morgen haben wir dann:

Schmalziger Samstag, Nelkensamstag, Karnevalssamstag, Faschingssamstag, Fastnachtsamstag

Danach wird Auswahl an verschiedenen Bezeichnungen immer geringer. Auf den

Tulpensonntag, Karnevalssonntag, Faschingssonntag, Fastnachtssonntag

folgen:

Rosenmontag, Karnevalsmontag, Faschingsmontag, Fastnachtsmontag

Veilchendienstag, Karnevalsdienstag, Faschingsdienstag, Fastnachtsdienstag

Aschermittwoch

Da ich aus einer Region ohne Fastnacht komme und in einer Region ohne Karneval wohne, bin ich alles andere als ein Faschingsspezialist. Ich übernehme deshalb keine Verantwortung für die Korrektheit und Vollständigkeit der oben stehenden Liste und entlasse nun alle Narren und Närrinnen ins Narrentreiben und die anderen in ein hoffentlich schönes Wochenende.

Mit dem in Ihrer Region üblichen Narrenruf und einem freundlichen Gruß

Dr. Bopp

Kein „als auch“ ohne „sowohl“

Frage

Kann man statt „sowohl … als auch“ nur „als auch“ verwenden?

Antwort

Guten Tag Frau B.,

es ist nicht üblich, als auch ohne sowohl zu verwenden. Es heißt also nicht:

*Sie hat mich als (auch) meine Eltern eingeladen.
*In der Schachtel liegen grüne als (auch) rote Farbstifte.

sondern:

Sie hat sowohl mich als (auch) meine Eltern eingeladen.
In der Schachtel liegen sowohl grüne als (auch) rote Farbstifte.

Man kann sowohl dann weglassen, wenn wie auch statt als auch steht:

Sie hat sowohl mich wie (auch) meine Eltern eingeladen.
Sie hat mich wie (auch) meine Eltern eingeladen.

In der Schachtel lagen sowohl grüne wie (auch) rote Farbstifte.
In der Schachtel lagen grüne wie (auch) rote Farbstifte.

Während wie (auch) ganz allein zwei Elemente verbinden kann, gelingt dies als (auch) nur zusammen mit sowohl.

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Bopp

Je mehr Geld, desto ein größeres oder ein desto größeres Haus?

Frage

Ist in dem folgenden Satz der Satzbau korrekt?

Je mehr Geld du investieren wirst, desto ein größeres Haus kannst du bauen.

Antwort

Guten Tag Herr B.,

mit je … desto und je … umso werden zwei sich in gleichen Maße verändernde Geschehen miteinander in Bezug gebracht. Der sich verändernde Grad wird durch ein Adjektiv oder Adverb im Komparativ ausgedrückt.

Je schneller ihr arbeitet, desto/umso schneller werdet ihr fertig sein.
Je weiter man ins Landesinnere vordringt, desto/umso weniger Europäer trifft man.

Die Konjunktion je leitet einen Nebensatz ein (Verb an letzter Stelle). Mit desto oder umso wird ein Hauptsatz eingeleitet (Verb an zweitere Stelle). Das Adjektiv oder Adverb steht immer unmittelbar nach je respektive desto und umso.

Je mehr Geld du investierst, desto/umso größere Autos kannst du dir leisten.

In Ihrem Satz kommt nun ein unbestimmter Artikel hinzu, der für Probleme sorgt. Der unbestimmte Artikel steht vor dem Adjektiv. Steht desto jetzt als Konjunktion ganz am Anfang (desto ein größeres) oder, wie es die oben genannte Regel fordert, unmittelbar vor dem Adjektiv (ein desto größeres)? Die Antwort lautet:

Je mehr Geld du investieren wirst, ein desto/umso größeres Haus kannst du bauen.
Je mehr man mit ihnen sprichst, einen desto/umso besseren Eindruck erhält man von ihnen.
Je schneller man fährt, eine desto/umso höhere Buße muss man bezahlen

Das gilt auch für je in Kombination mit einem unbestimmten Artikel:

Ein je größeres Spektrum genutzt wird, desto/umso höher ist die erreichbare Datenrate.

Da viele – auch ich – Formulierungen wie ein desto größeres, eine umso höhere stilistisch nicht sehr gelungen finden, wird oft auf eine andere Formulierung ausgewichen. Zum Beispiel:

Je mehr Geld du investieren wirst, desto größer ist das Haus, das du bauen kannst.
Je mehr man mit ihnen spricht, desto besser lernt man sie kennen.
Je schneller man fährt, desto höher wird die zu bezahlende Buße.
Je größer das genutzte Spektrum ist, desto größer wird die erreichbare Datenrate.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Gibt es „aformal“?

Frage

In einem Text über Architektur finde ich das Wort „aformal“. Das scheint es nicht zu geben, das heißt, es steht nicht in Duden, Pons oder im Leipziger Wortschatzregister. […]

Antwort

Guten Tag Frau D.,

wenn ein Wort nicht in den Wörterbüchern zu finden ist, bedeutet dies noch nicht, dass es dieses Wort nicht gibt oder nicht geben kann. Das gilt auch für aformal. Es ist ein ungebräuchliches Wort, kann aber mit dem bildungssprachlichen Präfix a- gebildet werden und ist in einem solchen Kontext auch verständlich. Siehe auch hier.

Vielleicht erklärt sich die Wahl für aformal im Text, in dem Sie ihm begegnet sind, dadurch, dass:

  • nicht formal als zu „gewöhnlich“ empfunden wird,
  • un- im Gegensatz zu a- und in- nur selten bei der Verneinung von fachsprachlichen fremden Adjektiven vorkommt und
  • die verneinte Form informal bereits im Sinne von informell verwendet wird.

Es gibt also nichts gegen die Wortbildung aformal einzuwenden, außer wenn man ungewöhnliche Fremdwörter lieber vermeidet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Kinder sind drei und ein Jahr(e?) alt

Frage

Können Sie mir beantworten, welcher der zwei Formulierungen der Vorzug zu geben ist:

Meine zwei Kinder sind 3 und 1 Jahre alt.
Meine zwei Kinder sind 3 und 1 Jahr alt.

Oder geht Ihres Erachtens nur: „3 Jahre und 1 Jahr alt“?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

Wenn ein Substantiv in einer Aufzählung mehr als einmal erscheint und dabei unterschiedliche Attribute bei sich hat, muss es nur einmal genannt werden. Das gilt auch dann, wenn das Substantiv nicht immer dieselbe Form hat.

Anders und weniger genau, dafür hoffentlich leichter verständlich formuliert heißt das: Wenn ein Substantiv in einer Aufzählung ausgelassen wird, formuliert man gleich, wie wenn kein Wort weggelassen würde:

Meine Kinder sind drei und ein Jahr alt (drei [Jahre] und ein Jahr alt)
Meine Kinder sind ein und drei Jahre alt (ein [Jahr] und drei Jahre alt)

Ebenso zum Beispiel:

Gibt es nur eine oder mehrere Wahrheiten?
Kann es mehrere oder nur eine Wahrheit geben?
sowohl das große als auch die kleinen Zelte
sowohl die kleinen als auch das große Zelt
mit einer oder mehreren Personen
mit mehreren oder nur einer Person

Es ist eigentlich ganz einfach. Sie sind vielleicht deshalb unsicher geworden, weil es häufiger vorkommt, dass zuerst der Singular und dann der Plural genannt wird:

ein und drei Jahre alt
mit einer oder mehreren Personen

Die umgekehrte Reihenfolge trifft man weniger häufig an. Sie ist deshalb möglicherweise ein bisschen gewöhnungsbedürftiger:

drei und ein Jahr alt
mehrere oder nur eine Person

Sie können aber stolz und grammatisch korrekt sagen, dass Ihre Kinder drei und ein Jahr alt sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kein Bindestrich bei »nicht«: Nichteinschreiten, Nichtfachleute, nichteuropäisch

Zusammensetzungen mit nicht werden häufig mit Bindestrich geschrieben, obwohl dies in der Rechtschreibregelung nicht so vorgesehen ist.

Frage

Angenommen, das Wort „das Einschreiten“ soll mit „nicht“ verbunden werden, dann müsste das Negationswort doch direkt mit dem Substantiv verbunden werden, oder sehe ich das falsch? Korrekt müsste es also heißen: „das Nichteinschreiten“.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

es stimmt tatsächlich, dass man nach der Rechtschreibregelung Verbindungen mit nicht und einem substantivierten Infinitiv zusammenschreibt (vgl. hier).

nicht + substantivierter Infinitiv

das Nichteinschreiten

das Nichteinhalten des Vertrages
Rückgabe der Ware bei Nichtgefallen
Nichtwissen schützt nicht vor Strafe

Wird hingegen eine substantivierte Infinitivgruppe verneint, dann besteht sie aus mehr als zwei Elementen und wird entsprechend mit Bindestrichen geschrieben (vgl. hier).

nicht + subtantivierte Infinitivgruppe

das Gefühl des Nicht-gewollt-Seins
das Nicht-mehr-warten-Können

Das ist übrigens der einzige Fall, in dem die Rechtschreibregelung bei Zusammensetzungen mit nicht die Schreibung mit einem Bindestrich vorsieht. So schreibt man nicht nur nicht und substantivierte Infinitive zusammen (Nichteinhalten, Nichtwissen), sondern im Prinzip alle Verbindungen mit nicht und einem Substantiv (vgl. hier).

nicht + Substantiv

Nichteinhaltung
Nichterfolg
Nichtfachleute
Nichtedelgase
Nichteuropäer/Nichteuropäerin
Personen und Nichtpersonen
Nichtmuttersprachler/Nichtmuttersprachlerin

Hier wird allerdings entgegen der Grundregel häufig mit Bindestrich geschrieben. Noch häufiger kommt der in der Rechtschreibregelung nicht vorgesehene Bindestrich bei der Kombination von nicht mit einem Adjektiv vor. Für diesen Fall bestimmt die amtliche Regelung (§36.2.3) ausdrücklich, dass entweder zusammen- oder getrennt geschrieben wird (vgl. hier).

nicht + Adjektiv

nicht eheliche/nichteheliche Kinder
nicht europäisch/nichteuropäisch
nicht geschäftsfähig/nichtgeschäftsfähig
eine nicht kontrastive/nichtkontrastive Verneinung
nicht leitende/nichtleitende Materialien
nicht tumorbedingte/nichttumorbedingte Schmerzen

Siehe auch hier.

Bei absichtlichem oder nicht absichtlichem/nichtabsichtlichem Nichteinhalten dieser Regeln wird man sicher nicht gleich des Nicht-schreiben-Könnens bezichtigt, aber wenn Sie sich lieber nicht der Nichtbeachtung der Regeln schuldig machen wollen, kommen Sie bei nicht fast immer ohne Bindestriche aus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Seilbahn und ihre Vorgängerin

Frage

Manchmal stolpere ich beim Lesen über Formulierungen wie diese:

Die Seilbahn fasst dreimal so viele Passagiere wie ihre Vorgängerin
Die XY-Aktie war die größte Verliererin im DAX
Die dunkle Materie ist Herrscherin des Universums

Ist es nicht so, dass Wörter, die mit -in enden, Frauen bezeichnen, und ist es daher nicht im Grunde falsch, so zu formulieren? Ist es Gender-Sprache?

Die alternativen Formulierungen wären:

Die Seilbahn fasst dreimal so viele Passagiere wie ihr Vorgänger
Die XY-Aktie war der größte Verlierer im DAX
Die dunkle Materie ist Herrscher des Universums

Antwort

Guten Tag Herr G.,

es ist im Deutschen möglich und üblich, weibliche Substantive auf -in, die im Prinzip Personenbezeichnungen sind, auch für weibliche Sachbezeichnungen zu verwenden:

Antragstellerin ist die Universität
die Stadtverwaltung als Arbeitgeberin

Es ist ebenfalls möglich, die entsprechende männliche Bezeichnung zu verwenden:

Antragsteller ist die Universität
die Stadtverwaltung als Arbeitgeber

Die Zitate in Ihrer Frage sind also mit Vorgängerin, Verliererin und Herrscherin richtig formuliert, sie könnten aber auch mit Vorgänger, Verlierer und Herrscher stehen. Siehe auch hier und hier.

Diese Verwendung weiblicher Substantive auf -in hat ihren Ursprung übrigens nicht in der geschlechtergerechten Sprache. Es gab sie schon, bevor von Gendern die Rede war:

Allein die wahre Weisheit ist die Begleiterin der Einfalt.
Kant, Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik, 1766

Erfahrung bleibt des Lebens Meisterin
Goethe, Die natürliche Tochter, 1803. 4. Akt, 2. Szene

Die Vernunft ist des Herzens größte Feindin
Casanova (1725 – 1798), Memoiren. Vollständige Ausgabe in der Übertragung von Heinrich Conrad, 1911

Es könnte sein, dass die Aufmerksamkeit für die geschlechtergerechte Sprache dafür sorgt, dass diese Art der Formulierung häufiger vorkommt, doch dazu liegen mir leider keine Angaben vor. Mangelnde Information ist hier die Spielverderberin.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Sich weglassen?

Es ist wahrscheinlich möglich, einen Kontext zu finden, in dem das Verb weglassen reflexiv verwendet wird, aber darum geht es hier nicht. Vielmehr fragt Herr D., ob man wiederholtes sich weglassen kann.

Frage

Können Wiederholungen von sich ausgelassen werden? Fantasiebeispiel:

…, sodass sie sich versammelten, (sich) manche darüber wunderten und einige (sich) auf den Weg machten

Antwort

Guten Tag Herr D.,

wiederholtes sich kann manchmal weggelassen werden:

Wackelaugen, die sich öffnen und schließen
Sie freute und ärgerte sich gleichzeitig
Sie versammelten und wunderten sich

Das ist aber nicht immer der Fall. Das Reflexivpronomen sich kann unter anderem dann nicht weggelassen werden, wenn es sich – anders als in den Beispielen oben – nicht auf dasselbe Subjekt bezieht.

In Satz a) bezieht sich sich immer auf dasselbe Subjekt, nämlich sie. Es kann dann zusammen mit dem Subjekt eingespart werden:

a) … sodass sie sich versammelten, _ darüber wunderten und _ auf den Weg machten

In Ihrem Beispiel bezieht sich sich auf verschiedene Subjekte, nämlich sie, manche und einige. Dann kann es nicht weggelassen werden:

b) … sodass sie sich versammelten, sich manche darüber wunderten und einige sich auf den Weg machten

Damit man den Unterschied auch richtig gut sieht, hier noch zwei einfachere (nicht unbedingt genderneutrale) Beispiele, in denen sich zusammen mit dem Subjekt ausgelassen werden kann:

Er wäscht und rasiert sich jeden Morgen
Sie wäscht und schminkt sich jeden Morgen

Aber nur mit Wiederholung von sich, wenn das Reflexivpronomen sich auf unterschiedliche Subjekte bezieht:

Er rasiert sich und sie schminkt sich jeden Morgen.
nicht: *Er rasiert und sie schminkt sich jeden Morgen.

Schlussfolgerung: Nicht immer lässt sich sich weglassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp