Abgehängt und abgehangen

Frage

Ich bitte Sie um Beantwortung der Frage, ob der folgende Satz richtig ist: „Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehängt.“ Es geht mir besonders um „abgehängt“ und „abgehangen“!

Ich bin mir nicht sicher, ob es sich bei dem abgehängten Fleisch doch vielleicht um ein Zustandspassiv handelt, da ja nicht gemeint ist, dass das Fleisch ohne Zwischenfälle von irgendwo abgenommen wurde, sondern dass es sich um seinen jetzigen Zustand handelt.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Partizip abgehängt gehört zum transitiven Verb abhängen (etwas Aufgehängtes herunternehmen, etwas loskoppeln).

Sie hat Bild wieder abgehängt.
Der hinterste Wagen wird in Freiburg abgehängt.
Wir haben alle Konkurrenten abgehängt.

Das Partizip abgehangen gehört zum intransitiven Verb abhängen (u.a. durch längeres Hängen mürbe werden).

gut abgehangenes Rindfleisch

Es ist theoretisch möglich, zu sagen, dass das Fleisch sehr gut abgehängt ist. Mit diesem Zustandspassiv würde ausgerückt, dass das Fleisch sich in einem Zustand des Sehr-gut-vom-Haken-genommen-Seins befindet.

Wenn jedoch, wie ich stark vermute, gesagt werden soll, dass das Fleisch sehr schön mürbe (geworden) ist, muss es heißen:

Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehangen.

Auch ich werde hoffentlich in gut zwei Wochen das intransitive Verb abhängen in umgangssprachlichem Sinn verwenden können: Ich habe in Portugal viel einfach nur abgehangen. Für diese Wortwahl bin ich allerdings nicht mehr jung genug – und wenn ich es noch wäre, hieße es nun wohl eher gechillt. Ich werde es einfach ruhig und entspannt angehen und zwei Wochen lang entsprechend wenig von mir hören lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Milliarden (von) Nutzer(n) und Millionen (von) Sterne(n)

Frage

Bei der Beschäftigung mit Menschenmengen kam eine zugegebenermaßen sehr einfache Frage auf, die mir nun allerdings nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Und zwar geht es um Formulierungen mit Zahlwörtern wie „hunderte“, „tausende“, „Millionen“ oder „Milliarden“.

Heißt es zum Beispiel: „Das soziale Netzwerk hat Milliarden Nutzer“ oder „Das soziale Netzwerk hat Milliarden von Nutzern“? In einem berühmten Schlager lautet eine Liedzeile „Millionen von Sternen“, aber im Prinzip könnte man doch auch genauso gut „Millionen Sterne“ sagen?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

bei unbestimmten Mengenangaben wie Hunderte*, Tausende*, Millionen, Dutzende*, eine Reihe, eine Anzahl, eine Gruppe usw. kann das Gemessene a) als Apposition direkt nach der Mengenangabe stehen oder b) mit von angefügt werden. Ein paar Beispiele verdeutlichen vielleicht besser als diese Erklärung, welche Möglichkeiten es gibt:

a) Das soziale Netzwerk hat Milliarden Nutzer.
b) Das soziale Netzwerk hat Milliarden von Nutzern.

a) Es gibt Millionen Sterne.
b) Es gibt Millionen von Sternen.

a) Sie hat Dutzende* Menschen interviewt.
b) Sie hat Dutzende* von Menschen interviewt.

a) Hier finden Sie die Antwort auf eine Reihe Fragen
b) Hier finden Sie die Antwort auf eine Reihe von Fragen

a) Auf dem Radstreifen stand eine Gruppe Touristen.
b) Auf dem Randstreifen stand eine Gruppe von Touristen.

Wenn die Bezeichnung des Gemessenen ein gebeugtes Artikelwort oder Adjektiv enthält, kann c) auch ein Genitivattribut stehen. Dann gibt es sogar drei mögliche Formulierungen:

a) Täglich melden sich Hunderte* neue Nutzer an.
b) Täglich melden sich Hunderte* von neuen Nutzern an.
c) Täglich melden sich Hunderte* neuer Nutzer an.

a) Es gibt Millionen strahlende Sterne.
b) Es gibt Millionen von strahlenden Sternen.
c) Es gibt Millionen strahlender Sterne.

a) Sie hat mit einer Reihe Studierenden über das Thema gesprochen.
b) Sie hat mit einer Reihe von Studierenden über das Thema gesprochen.
c) Sie hat mir einer Reihe Studierender über das Thema gesprochen.

a) Auf dem Radstreifen stand eine Gruppe spanische Touristen.
b) Auf dem Randstreifen stand eine Gruppe von spanischen Touristen.
c) Auf dem Radstreifen stand eine Gruppe spanischer Touristen.

Sie können also (auch standardsprachlich) Millionen strahlende Sterne, Millionen strahlender Sterne oder Millionen von strahlenden Sternen besingen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Auch die Kleinschreibung hunderte, tausende, dutzende ist hier möglich.

Keine Korrigierung wegen Blockierung

Frage

Ich bin in den letzten Wochen auf zwei Wörter gestoßen, die mir Kopfzerbrechen bereiten: „Erbung“ und „Korrigierung“. Ich empfinde beide zwar nicht direkt als falsch, aber als unschön und würde dazu raten, sie z. B. durch „Erbschaft“ bzw. „Korrektur“ zu ersetzen. Was meinen Sie dazu?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

die Wörter Erbung und Korrigierung sind korrekt mit einem im heutigen Deutsch aktiven Wortbildungsprozess gebildet worden (Verb-zu-Substantivableitung mit –ung). Insofern sind es mögliche Wörter. Dann greift aber ein Phänomen, das Blockierung (Blocking) genannt wird: Ein bereits etabliertes, häufig vorkommendes anderes Wort blockiert das Entstehen oder den Gebrauch dieser Wortbildungen. Die Wörter (das) Erbe, Erbschaft und Korrektur gibt es bereits mit dieser Bedeutung und sie sind allgemein bekannt. Sie blockieren die Bildung oder die Verwendung der deshalb „überflüssigen“ Wörter.

Ebenso werden zum Beispiel blockiert:

Stehler durch Dieb
Warmheit durch Wärme
Pferdin durch Stute

Die Blockierung wirkt aber nicht absolut. So gibt es zum Beispiel das Adjektiv unschön (siehe oben Ihre Frage), obwohl es auch hässlich gibt*, und im folgenden Sprichwort hebt der starke Wunsch nach einem Reim die Blockierung auf:

Der Hehler ist schlimmer als der Stehler.

Auch hier gibt es also keine unverrückbare Regel, die alle Fälle vorhersagen kann, aber diese Art der Blockierung erklärt, warum ich Ihnen jeweils eine Antwort und nie eine Antwortung schreibe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Das Adjektiv unschön kann neben hässlich als Gegenteil von schön bestehen, weil es häufig ein leicht andere, „mildere“  Bedeutung hat. Es klingt weniger konfrontierend als hässlich.

Wie man »außer« trennt, wenn man «ausser» schreibt

Bekanntlich schreibt man in der Schweiz und auch in Liechtenstein üblicherweise ss statt ß. Wenn es um dieses Thema geht, ist das gegenseitige Unverständnis manchmal groß: Die ß-Schreibenden wundern sich, wie denn das komplette Chaos ohne den Buchstaben ß vermieden werden kann, wenn es um die berühmten Beispielpaare Busse/Buße und Masse/Maße geht. Die ss-Schreibenden fragen sich, warum denn fast krampfhaft an diesem seltsam antiquiert anmutenden Buchstaben festgehalten wird, wenn man doch erwiesenermaßen problemlos ohne ihn auskommen kann.

Doch darum, wer hier „recht hat“, soll es heute nicht gehen. Frau W. fragt nämlich, wie es sich mit der Worttrennung verhält, wenn ss statt ß geschrieben wird. Die gängigen Wörterbücher helfen hier tatsächlich nicht viel weiter. 

Frage

Wie trennt man denn bitte das Wort „aussergewöhnlich“? Die Trennung nach „au“ bei „außergewöhnlich“ ist mir bekannt, aber für die Schweizer Schreibweise mit „ss“ finde ich nichts im Duden.

Antwort

Die Antwort ist ganz einfach: Wenn das ß als ss geschrieben wird, trennt man wie bei allen anderen Doppelkonsonanten.

Man trennt also nicht:

*au-sser wie au-ßer
*Stra-sse wie Stra-ße
*flei-ssig wie flei-ßig
*schlie-ssen wie schlie-ßen

sondern:

aus-ser, aus-ser-ge-wöhn-lich
Stras-se
fleis-sig
schlies-sen

Das ergibt sich aus § 110 der neuen amtlichen Rechtschreibregelung. Siehe hier und hier.

Dies wurde übrigens nicht ausschließlich der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein zuliebe so, wie man dort schon lange trennt, in die Regelung aufgenommen. Es hat auch damit zu tun, dass ein Doppelkonsonant am Zeilenanfang – was sonst nie vorkommt – auch für ß-Schreibende nicht in das gewohnte Schriftbild passen würde.

Für ß-Gewohnte sind Trennungen wie  fleis-sig und aus-sergewöhnlich natürlich sehr gewöhnungsbedürftig – falls sie ihnen außerhalb dieses Blogartikels überhaupt je begegnen –, aber das gilt ja ebenso für ungetrenntes fleissig und aussergewöhnlich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Canoonet-App jetzt bereit für iOS 11

Wenn Sie auf Ihrem iPhone oder iPad unbedingt das neue iOS 11 installieren wollen, aber auf keinen Fall auf die Canoonet-App verzichten möchten, kommt hier die „erlösende“ Nachricht: Es funktioniert. Die Version 4.0 der Canoonet-App läuft auch unter iOS 11 problemlos. Gleichzeitig wurden ein paar Darstellungsprobleme auf größeren Displays behoben.

Die Canoonet-App ist im App Store erhältlich.

John Lennons wunderbare/wunderbares Album?

Die deutschen Adjektivendungen sind für viele Deutschlernende eine mittlere Katastrophe. Und für die Muttersprachigen gilt: Bloß nicht zu viel darüber nachdenken! Herrn L.s Frage zeigt einen Fall, bei dem es häufig zu Zweifeln kommt: die Adjektivendung nach einem vorangestellten Genitivattribut.

Frage

Ich hab da mal eine Frage zu folgendem Komplex. Heißt es richtig auf John Lennons wunderbarem Album „Imagine“, oder auf John Lennons wunderbaren Album „Imagine“?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

es geht hier im die starke und schwache Deklination des Adjektivs. Nach u. a. dem bestimmten Artikel wird ein Adjektiv schwach gebeugt (vgl. hier). Die schwache Endung ist in diesem Fall en:

auf dem wunderbaren Album „Imagine“ des Musikers John Lennon.

Wenn nun das Genitivattribut (die nähere Bestimmung im Genitiv) vorangestellt wird, ersetzt es den Artikel. Es steht also kein Artikel mehr vor dem Adjektiv. Ohne ein Artikelwort wird ein Adjektiv stark gebeugt (vgl. hier). Die starke Endung ist hier em:

auf John Lennons wunderbarem Album „Imagine“

Hier gleich noch ein paar Beispiele:

das wunderbare Album des Musikers John Lennon aus dem Jahr 1971
John Lennons wunderbares Album „Imagine“ aus dem Jahr 1971

Das ist der neue Freund meiner Nachbarin Susanne.
Das ist Susannes neuer Freund.

Die netten Verwandten aus L. haben uns geholfen.
Herrn K.s nette Verwandte haben uns geholfen.

Und ich schließe mit einem eher unbescheidenen Beispiel: Das alles und viel mehr lesen Sie im interessanten Blog des Dr. Bopp oder – etwas zeitgemäßer formuliert – in Dr. Bopps interessantem Blog.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Blogeintrag vom sechsundzwanzigsten Neunten zweitausendsiebzehn

Frage

Ich würde gerne in einer Einladung das Datum ausschreiben. Jetzt stellt sich mir die Frage, ob man die ausgeschrieben Zahlen bei einem Datum groß oder klein schreibt. Ist es so korrekt?

Freitag, sechzehnter Februar
zweitausendachtzehn
um fünfzehn Uhr

Antwort

Sehr geehrte Frau M.

ja, so ist die Groß- und Kleinschreibung korrekt. Und damit die Antwort nicht ganz so knapp ist, folgt noch eine kurze Begründung.

Wenn Sie ein Datum ganz in Worten schreiben, gelten die folgenden allgemeinen Grundsätze:

  • Den Tag und ggf. den Monat geben wir als Ordnungszahlen an. Ordnungszahlen (Ordinalzahlen) werden wie Adjektive kleingeschrieben, außer wenn sie substantiviert sind.
  • Die Jahreszahlen sind Grundzahlen. Grundzahlen (Kardinalzahlen) werden immer kleingeschrieben.

Dies alles führt zu den folgenden Schreibungen:

Freitag, der sechzehnte Februar zweitausendachtzehn, um fünfzehn Uhr
Freitag, der sechzehnte Zweite zweitausendachtzehn, um drei Uhr nachmittags
am Freitag, dem sechzehnten Februar zweitausendachtzehn, um drei Uhr nachmittags
am Freitag, dem sechzehnten Zweiten zweitausendachtzehn, um fünfzehn Uhr

Das Komma vor der Uhrzeitangabe ist übrigens fakultativ, d.h., es kann auch weggelassen werden.

So weit meine Antwort vom sechsundzwanzigsten September oder sechsundzwanzigsten Neunten zweitausendsiebzehn.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wählen und wollen

Dieses Wochenende geht Deutschland zur Wahl. Deutschlands Bürgerinnen und Bürger haben dieses Wochenende die Möglichkeit, ihr Wahlrecht bei den Wahlen zum Bundestag auszuüben. Von diesem einmal hart erkämpfte Recht sollten meiner Meinung nach alle Gebrauch machen. Doch meine Meinung hierzu hat natürlich nichts mit Sprache, dem Thema dieses Blogs, zu tun.

Was hingegen mit Sprache oder besser Sprachgeschichte zu tun hat, ist die Herkunft des Wortes wählen (und des dazugehörende Substantivs Wahl). Wer nun eine spannende Geschichte erwartet, wird enttäuscht sein. Im Etymologischen Wörterbuch des Deutschen von Wolfgang Pfeifer steht:

wählen Vb. ‘(unter mehreren Möglichkeiten) aussuchen, nach eigenem Ermessen bestimmen’, ahd. wellen (8. Jh.), mhd. weln, wel(l)en […] ist zu der unter wollen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯el- ‘wollen, wählen’ gebildet. Ahd. wellen (aus germ. *waljan) tritt auch als Infinitiv in das Paradigma des unter wollen behandelten Verbs ein.
(Zitiert nach DWDS)

Kurz zusammengefasst: wählen ist sprachgeschichtlich eng mit wollen verwandt.

Wer wählt, gibt an was er/sie will. Wenn Sie zur Wahl gehen, geben Sie mit Ihrer Stimme an, was Sie wollen. Sie geben mit Ihrer Stimme also nicht an, was Sie nicht wollen. Dessen sollten Sie sich bewusst sein, wenn Sie Ihre Stimme einer Partei geben.

Man verzeihe mir bitte diese außersprachliche Abschweifung.

Dr. Bopp

Nähe Goetheplatz, groß oder klein?

Frage

Ich wollte gerade einer Person mitteilen, dass sich ein Geschäft in der Nähe eines bestimmten Ortes befindet und zwar in der Nähe des Goetheplatzes. Ich hatte es kurz gehalten und folgendermaßen geschrieben: „Nadel & Faden, Heinrichstraße 9, Nähe Goetheplatz“.

Könnte man das so sagen oder muss es beispielsweise „in der Nähe“ heißen? Müsste „Nähe“ im oben genannten Fall klein geschrieben werden?

Antwort

Guten Tag L.,

in einem „normal“ formulierten Text ist die Wendung in der Nähe vorzuziehen:

Das Geschäft Nadel & Faden liegt in der Nähe des Goetheplatzes.

Es spricht aber nichts dagegen, Nähe in kürzeren Mitteilungen allein stehend zu verwenden. Obwohl das Wort dann ähnlich wie eine Präposition benutzt wird, schreiben Sie es groß, so wie Sie es getan haben:

Nadel & Faden, Heinrichstraße 9, Nähe Goetheplatz

Die folgenden Substantive trifft man häufiger in ähnlicher Weise allein stehend an. Sie werden ebenfalls großgeschrieben:

Sie gehen zuerst Richtung Goetheplatz.
Seit Anfang dieses Jahres gelten andere Bestimmungen.
Ich werde Ihnen spätestens Mitte Oktober antworten.
Sie haben bis Ende der Woche Zeit.

Für diese Substantive gilt also (noch?) nicht, dass sie den substantivischen Charakter verloren haben und als Präpositionen kleingeschrieben werden. Dies im Gegensatz zu zum Beispiel den folgenden „Exsubstantiven“(siehe hier):

Wir haben es dank eurer Hilfe geschafft.
Hiermit erteile ich  kraft meines Amtes den Auftrag  …
Wir sind trotz allem Freundinnen geblieben.
Elisabeth von Portugal war zeit ihres Lebens sehr fromm.

Sie können also bei Platzmangel oder wenn es eilt, Nähe statt in der Nähe verwenden, sie sollten es aber immer noch großschreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Abhängigkeit des Alters ist nicht Abhängigkeit vom Alter

Frage

Welche Variante ist richtig: „in Abhängigkeit des Alters“ oder „in Abhängigkeit vom Alter“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

es stimmt zwar, dass der Genitiv stilistisch häufig (vgl. hier) besser ist als eine von-Gruppe, doch hier gilt dies (sehr wahrscheinlich) nicht. Während die Vor- und Nachteile des Alters eindeutig der Formulierung die Vor- und Nachteile vom Alter vorzuziehen ist, heißt es hier doch:

in Abhängigkeit vom Alter
der ideale BMI in Abhängigkeit vom Alter

ebenso

die maximale Luftfeuchtigkeit in Abhängigkeit von der Temperatur
die prozentuale Steuerbelastung in Abhängigkeit vom Gewinn

Mit Abhängigkeit vom Alter wird gesagt, dass etwas vom Alter abhängig ist. Das Substantiv Abhängigkeit verlangt also dieselbe Präposition wie das entsprechende Adjektiv abhängig (vgl. abhängig vom Alter / vom Alter abhängig).

Mit Abhängigkeit des Alters würde gesagt, dass das Alter von etwas abhängig ist: die Abhängigkeit des Alters von Unterstützung durch die Familie.

So sind auch die Abhängigkeit [z. B. der Luftfeuchtigkeit] von der Temperatur und die Abhängigkeit der Temperatur [z.B. von der Sonneneinstrahlung] zwei recht verschiedene Dinge. Nicht immer ist also der Genitiv besser als eine Formulierung mit von.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp