Athen und Basel im Genitiv

Frage

Ist es richtig, dass man zum Beispiel „die Territorialverteidigung des hellenistischen Athen“ und nicht „die Territorialverteidigung des hellenistischen Athens“ schreibt? In der Literatur finde ich beides.

Antwort

Sehr geehrter Herr O.,

in der Literatur finden Sie beides, weil Athen – wie viele andere Dörfer, Städte, Regionen und Länder – hier mit und ohne Genitiv-s stehen kann. Wenn sonst ohne Artikel stehende geographische Namen mit Artikel verwendet werden, wird die Genitivendung oft weggelassen:

Bremen
der Baumeister Bremens
der Baumeister des neuen Bremens oder
der Baumeister des neuen Bremen

Deutschland
die Hauptstadt Deutschlands
die Hauptstadt des vereinigten Deutschlands oder
die Hauptstadt des vereinigten Deutschland

Ebenso:

Athen
die Territorialverteidigung Athens
die Territorialverteidigung des hellenistischen Athens oder
die Territorialverteidigung des hellenistischen Athen

All diese Formulierungen gelten als korrekt. Sehen Sie hierzu auch die folgenden Angaben in der LEO-Grammatik (am Ende des Abschnitts 1.2.1.5.a Geographische Namen ohne Artikel).

Wenn ich die Schönheit Basels anpreise, muss ich also ein Genitiv-s verwenden. Fakultativ ist dieses s aber dann, wenn ich von der Schönheit des frühlingshaften Basels oder eben des frühlingshaften Basel schwärme. Heute möchte ich ergänzend sagen: Hauptsache, die Sonne scheint!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zahlen im Genitiv

Es geht hier nicht darum, wie man im Genitiv zahlt (zum Beispiel: sich der Kreditkarte bedienen). Mit „Zahlen im Genitiv“ sind  zweier und dreier, die Genitivformen von zwei und drei, gemeint.

Frage

Auf einer Nachrichtenwebseite las ich diese Formulierung: „Die Anwälte berufen sich auf die Aussagen drei iranischer Überläufer.“ Ist der Genitiv „drei iranischer Überläufer“ so richtig? Ist „dreier Überläufer“ eine oft benutzte falsche Floskel oder geht beides?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

der Satz, den Sie zitieren, ist tatsächlich nicht ganz richtig formuliert. Wenn die Zahlen zwei und drei ohne ein Artikelwort bei einem Nomen im Genitiv stehen, verwendet man nämlich die Formen zweier und dreier:

der Verkauf zweier Ponys
mit Hilfe dreier Schräubchen
Die Anwälte berufen sich auf die Aussagen dreier Überläufer.

Das gilt auch dann, wenn ein gebeugtes Adjektiv folgt:

der Verkauf zweier schwarzer Ponys
mit Hilfe dreier kleiner Schräubchen
Die Anwälte berufen sich auf die Aussagen dreier iranischer Überläufer.

Mit Artikelwort verwendet man diese Zahlwörter aber ohne Endung:

der Verkauf ihrer zwei [schwarzen] Ponys
mit Hilfe dieser drei [kleinen] Schräubchen
Die Anwälte berufen sich auf die Aussagen der drei [iranischen] Überläufer.

Bei der zitierten Formulierung die Aussagen drei iranischer Überläufer handelt es sich also um eine ungebräuchliche Mischform. Sehen Sie hierzu auch diese Seite in der Canoonet-Grammatik.

Bei Zahlen ab vier sind Gentivformen mit –er übrigens ungebräuchlich. Ohne Artikelwort verwendet man eine Formulierung mit von (auch wenn man dem Genitiv sonst sehr gewogen ist):

mit Hilfe von vier Schräubchen
die Mutter von fünf Kindern
die intelligenten Fragen von sechs Canoonet-Nutzern

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Riefend gibt es!

„Riefend gibt es nicht!“, lautet der Kommentar von Lollo, der oder die vielleicht den ebenso fiktiven Familiennamen Rosso trägt und des Weiteren leider eine falschen E-Mail-Adresse angegeben hat. Diese Behauptung möchte ich nicht gänzlich unwidersprochen lassen, zumal das Wort riefend tatsächlich im Canoonet-Wörterbuch zu finden ist.

Man findet riefend natürlich nicht bei den Wortformen des Verbs rufen. Es gibt im Deutschen schließlich nur das Partizip Präsens rufend und das Partizip Perfekt gerufen. Wenn es zu rufen gehören würde, müsste riefend aber eine Art Partizip Präteritum sein:

Er rennt aus vollem Halse rufend auf uns zu.
Er rannte aus vollem Halse *riefend auf uns zu.

Die Narren ziehen singend und tanzend durch die Straßen.
Die Narren zogen *sangend und *tanztend durch die Straßen.

Partizipformen dieser Art (*) gibt es nicht. Trotz seines Namens Partizip Präsens kann dieses Partizip nämlich nicht nur im Präsens verwendet werden. Es drückt keine Zeit aus. Es drückt aus, dass die Verbhandlung verlaufend ist, und wird manchmal wie oben adverbial oder meistens als Adjektiv verwendet (z. B. rufende Eulen, singende Lerchen, tanzende Schwäne). Es kann sowohl in Kombination mit der Gegenwart als auch zusammen mit der Vergangenheit stehen:

Er rennt/rannte aus vollem Halse rufend auf uns zu.
Die Narren ziehen/zogen singend und tanzend durch die Straßen.

Heute wird deshalb häufig der weniger irreführende Name Partizip I verwendet.

Die Wortform riefend kann also nicht zu rufen gehören, genauso wenig wie sangend eine Form von singen oder tanztend eine Form von tanzen ist. Weshalb steht riefend trotzdem im Wörterbuch? – Es gehört ganz regelmäßig zum Verb riefen, das wie seine Variante riefeln die Bedeutung mit Riefen (= Rillen) versehen hat.

Das Wort riefend ist alles andere als ein Anwärter auf eine Spitzenposition in der Liste der am häufigsten verwendeten Wortformen. Manchmal ist es sogar nur ein triefend oder reifend mit Flüchtigkeitsfehler. Man darf ihm aber trotzdem nicht einfach mit der Behauptung „Riefend gibt es nicht!“ die Daseinsberechtigung absprechen. Auch wenn dies wahrscheinlich außer Scrabble-Spielern, die die entsprechenden Buchstaben legen können, kaum jemanden interessiert: Riefend gibt es!

Aus 15 Meter(n) Entfernung

Frage

In Fußballreportagen höre ich immer wieder die Formulierung „ein Schuss aus 15 Metern Entfernung“. Meine Frage dazu wäre, ob es „Meter“ oder „Metern“ heißt – oder ist „Metern“ nur richtig, wenn man dahinter nicht mehr das Wort „Entfernung“ anhängt?

Antwort

Guten Tag S.,

beides ist hier möglich. Wenn Meter wie hier als Maßangabe im Plural nach einer Zahlenangabe steht, gelten sowohl die endungslose Form Meter also auch die gebeugte Form Metern als richtig. Ob das Wort Entfernung folgt oder nicht, hat darauf keinen Einfluss:

ein Schuss aus 15 Metern [Entfernung]
ein Schuss aus 15 Meter [Entfernung]

Normalerweise stehen männliche und sächliche Maß- und Mengenangaben ungebeugt im Nominativ Singular:

2,5 Kilo Äpfel
zwei Paar Schuhe
fast drei Dutzend Polizisten
12 Euro
eine Bildschirmgröße von 17 Zoll/Inch

Eine besondere Stellung nehmen hier die männlichen und sächlichen Maß- und Mengenangaben ein, die auf unbetontes el oder er enden. Speziell sind sie deshalb, weil man ihrer Form oft nicht ansieht, ob sie im Singular oder im Plural stehen:

(der/das) Drittel – (die) Drittel
(der) Liter – (die) Liter
(der) Kilometer – (die) Kilometer

Im Dativ Plural allerdings unterscheiden sich die Wortformen vom Nominativ Singular. Sie haben dann die Endung n, die sie als Pluralform „verrät“:

den Dritteln
den Litern
den Kilometern

Bei Maß- und Mengenangaben dieser Art gelten im Dativ Plural sowohl die gebeugte als auch die endungslose Form als korrekt:

bei zwei Drittel der Befragten
bei zwei Dritteln der Befragten

ein Inhalt von bis zu 7,5 Liter
ein Inhalt von bis zu 7,5 Litern

ein Schuss aus 15 Meter Entfernung
ein Schuss aus 15 Metern Entfernung

eine Höhe von 10 Zentimeter
eine Höhe von 10 Zentimetern

Mehr hierzu finden Sie auf der dieser Seite in der Canoonet-Grammatik (insbesondere Abschnitt „Spezialfall: Meter, Liter, Drittel“).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Außergewöhnlich aufmerksamen Lesern und Leserinnen mag aufgefallen sein, dass dieses Thema im Jahr 2010 schon einmal im Blog behandelt wurde. Da ich davon ausgehe (so realistisch bin ich schon), dass die meisten den Blog nicht so regelmäßig und lesen, nehme ich es niemandem übel, dass die Frage nach diesem Dativ-n immer wieder auftaucht. Ich hoffe, dass mir umgekehrt niemand diese Wiederholung zum Vorwurf macht.

Das Möbel(stück)

Frage

Schreibt man „Ich brauche ein Möbel für mein Telefon“ oder „Ich brauche ein Möbelstück für mein Telefon“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

das Wort Möbel steht meistens in der Mehrzahl. Es ist aber nicht grundsätzlich falsch, es in der Einzahl zu verwenden (steht zum Beispiel auch in Duden, DWDS, Wahrig, Pons, Canoonet). Je nach Region, Alter, Beruf oder was sonst noch eine Rolle spielen mag, finden wir die Einzahl das Möbel unmöglich, ungewöhnlich oder ganz normal. Möbel ist also – anders als das englische furniture und anders als gelegentlich gesagt wird – nicht ein Wort, das ausschließlich in der Mehrzahl verwendet werden darf.

Daneben wird auch das Wort Möbelstück verwendet, vor allem von denjenigen, die sich nicht mit das Möbel anfreunden können oder wollen. Sie können also beides sagen:

Ich brauche ein Möbel für mein Telefon.
Ich brauche ein Möbelstück für mein Telefon.

In meinen Ohren klingen allerdings beide Formulierungen etwas ungewöhnlich. Die Einzahl von Möbel ist wohl deshalb wenig gebräuchlich, weil vom winzigen japanischen Lacktischchen bis hin zum kolossalen Bücherschrank aus Eichenholz alles den Namen Möbel trägt. Wenn man einen einzelnen Einrichtungsgegenstand meint, gibt man deshalb meistens genauer an, was gemeint ist. Zum Beispiel:

Im Korridor versperrt ein großer Schrank den Durchgang.
Wann kaufst du endlich ein neues Sofa?
Ich brauche ein Tischchen für mein Telefon

Wenn Sie aber noch nicht wissen, welche Art Einrichtungsgegenstand Sie sich anschaffen wollen, können Sie auch von einem Möbel oder einem Möbelstück reden. Dabei steht es Ihnen frei, die Variante zu wählen, die Ihnen weniger ungewöhnlich vorkommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mord an Polizeibeamten

Frage

Auf einem Fahndungsplakat heißt es „Mord an Polizeibeamten“, wobei ein einzelner Polizeibeamter gemeint ist. Nun bin ich unsicher, ob es nicht „Mord an Polizeibeamtem“ heißen müsste.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

es müsste tatsächlich heißen:

Mord an Polizeibeamtem

Das Wort Beamter wird wie ein Adjektiv gebeugt:

Singular:
Nom.: der Beamte, ein Beamter, Beamter
Dat.: dem Beamten, einem Beamten, Beamtem

Plural:
Nom.: die Beamten, Beamte
Dat.: den Beamten, Beamten

Im Dativ Singular steht also die Endung em, wenn Beamter oder Polizeibeamter ohne Artikelwort steht:

Mord an Polizeibeamtem
= Mord an einem Polizeibeamten

Die Endung en steht im Dativ dann, wenn Polizeibeamter von einem gebeugten Artikelwort begleitet wird:

Mord an einem Polizeibeamten
der Mord an diesem Polizeibeamten

Die Endung en steht aber auch im Plural. Wenn mehr als ein Polizeibeamter ermordet worden wäre, müsste die Kriminalpolizei auf dem Fahndungsplakat schreiben:

Mord an Polizeibeamten
= Mord an mehreren Polizeibeamten

Solche artikellosen Formulierungen findet man vor allem in Titeln, stichwortartigen Aufzählungen und juristischen oder juristisch daherkommenden Texten. Zum Beispiel:

Zielvereinbarungen zwischen Studierendem/Studierender und Ausbildungsinstitut
Verkehrsmissstände mit Verantwortlichem des Campingplatzes besprechen
Rentner wegen erzwungenem Sex mit Verlobter vor Gericht
Mitreisende gesucht
Drei Jugendliche vemisst
Staatsanwaltschaft wirft Angeklagter 50 Straftaten vor.
Betrunkener bricht Polizeibeamtem den Finger

Im zweitletzten Satz ist mit Angeklagter (Dativ Singular) eine Frau gemeint. Im letzten Satz bezeichnet Betrunkener (Nominativ Singular) aber einen Mann. Kein Wunder, dass die Fälle hier manchmal durcheinandergeraten.

Wenn Sie einmal gar nicht mehr weiterwissen, denken Sie sich einfach Mann oder Frau (oder im Plural Menschen) dazu, dann finden Sie die richtige Form ganz einfach:

Staatsanwalt wirft angeklagter Frau 50 Straftaten vor.
=> Staatsanwalt wirft Angeklagter 50 Straftaten vor.

Betrunkener Mann bricht Polizeibeamtem den Finger.
=> Betrunkener bricht Polizeibeamtem den Finger.

Beim Beamten ist dies allerdings schwieriger. Wenn Sie ihn ohne Artikel verwenden wollen oder müssen und nicht sicher sind, welche Endung Sie verwenden sollten, ersetzen Sie ihn am besten durch ein Wort wie Angestellter:

Betrunkener bricht angestelltem Mann den Finger.
Betrunkener bricht Angestelltem den Finger.
=> Betrunkener bricht Polizeibeamtem den Finger.

Wenn hier stehen würde

Betrunkener bricht Polizeibeamten den Finger.

müsste der Betrunkene mindestens zwei Polizistenfinger gebrochen haben.

Im öffentlichen Dienst tätige Frauen machen uns das Leben hier übrigens wieder einmal viel einfacher: Die Beugung des Wortes Beamtin/Beamtinnen bietet keine größeren Schwierigkeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Rechtsklicken Sie?

Frage

Bei uns kam die Diskussion auf, ob es das Wort „rechtsklicken“ überhaupt gibt. Zum Beispiel:

Rechtsklicken Sie auf das Objekt, um das Kontextmenü zu öffnen.

Ich finde, dass das furchtbar klingt, bin mir aber nicht sicher, ob man es dennoch verwenden kann/darf.

Antwort

Sehr geehrte Frau F.,

wenig subtil ausgedrückt könnte man sagen: Wenn Sie ein Wort verwenden, gibt es das Wort. Die Frage ist nur, ob es verständlich und üblich ist.

Ist rechtsklicken verständlich? – Die meisten, die regelmäßiger mit einer Computermaus arbeiten, sollten eigentlich verstehen, was mit rechtsklicken gemeint ist.

Ist rechtsklicken üblich? – Das Wort kommt relativ häufig vor. Selbst ein eingefleischter Apple-Nutzer wie ich hat es schon hin und wieder gelesen. (Ich besitze keine Macintosh-Aktien und bin auch sonst in keiner Weise mit Apple verwandt oder verschwägert. Ich erwähne dies nur, weil Apple-Mäuse in der Regel keine rechte Maustaste haben.)

Ihr Zweifel ist aber dennoch verständlich. Das Verb rechtsklicken gehört zu einer Gruppe von zusammengesetzten Verben, die häufig nur im Infinitiv (und Partizip) verwendet werden. Andere Beispiele sind:

bauchtanzen, fehlernähren, kaltschweißen, paarlaufen, seilhüpfen, tieftauchen

Bei den konjugierten Formen entsteht im Hauptsatz nämlich eine Problem: Ist das Verb trennbar, wie seine Betonung es eigentlich vermuten ließe, oder ist es untrennbar? Heißt es also ich rechtsklicke oder ich klicke rechts? Diese Frage stellt sich bei rechtsklicken auch für die Befehlsform, die man in Anleitungen u. Ä. häufiger antrifft:

a) Rechtsklicken Sie auf das Objekt!
b) Klicken Sie rechts auf das Objekt!
c) Klicken Sie auf das Objekt rechts!

Die meisten werden wohl einverstanden sein, dass für das Verb rechtsklicken nur die untrennbare Variante a) in Frage kommt.

Weshalb „klemmt“ die Formulierung aber trotzdem irgendwie? Das hat mit der Betonung zu tun. Das Verb rechtsklicken wird auf dem ersten Teil betont: rechtsklicken. Verben, die auf dem ersten Teil betont werden, sind normalerweise trennbar. Zum Beispiel:

einladen: Laden Sie die Waren ein!
entladen: Entladen Sie den Wagen!

umfahren: Fahren sie den Kegel um!
umfahren: Umfahren Sie den Kegel!

anklicken: Klicken Sie das Objekt an!
verklicken: Verklicken Sie sich nicht!
rechtsklicken: Rechtsklicken Sie auf das Objekt!

Deshalb klingt die ungetrennte Befehlsform Rechtsklicken Sie! ungewohnt. Solche ungetrennten Formen kommen allerdings auch bei einigen anderen Verben vor, die auf dem ersten Wortteil betont werden. Zum Beispiel:

Downloaden Sie hier unseren Katalog!
Staubsaugen Sie die Teppiche regelmäßig!

Der langen Rede kurzer Sinn: Gegen den Infinitiv rechtsklicken als fachsprachlichen Begriff gibt es wenig einzuwenden. Es ist auch nicht „verboten“, ungetrennte Formen wie Rechtsklicken Sie! oder Rechtsklicke! zu verwenden. Sie klingen für viele eher ungewohnt, aber sie sind nicht grundsätzlich falsch. Stilistisch gesehen würde ich aber trotzdem in den meisten Fällen eine etwas wortreichere Formulierung verwenden:

Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Objekt!

Dasselbe gilt übrigens auch für doppelklicken

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Null Punkte, zéro point

Bemerkung

Das Plural-/Singularthema im Blog rief mir in Erinnerung, dass es in unterschiedlichen Sprachen unterschiedliche Verwendungen des Numerus gibt. Im Deutschen sagt man zum Beispiel „null Punkte“, im Französisch jedoch „zéro point“, also ohne Plural-s. Erst wenn man diese beiden Formen nebeneinander sieht, fällt einem auf, dass die französische Form „logischer“ ist, wir uns aber am deutschen Gebrauch nie an der „unlogischen“ Form gestört haben respektive stören.

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

tatsächlich ein bemerkenswerter Unterschied. Während wir ausschweifend pluralisch mit null Punkten unzufrieden und mit null Fehlern zufrieden sind, ärgern oder freuen sich die Französischsprachigen bescheiden singularisch über zéro point und zéro faute. Wir stören uns wahrscheinlich deshalb nicht am Plural, weil er gar nicht so unlogisch ist. Wenn man null mit kein gleichsetzt, sieht man, dass beides etwa gleich sinnvoll ist:

Sie haben keinen Punkt erhalten.
Sie haben keine Punkte erhalten.

Ganz einfach gesagt: Wenn nichts da ist, macht es nicht so viel aus, ob eine Einzahl oder eine Mehrzahl fehlt. Warum wir allerdings nach null immer die Mehrzahl wählen, ist eine Frage, die ich leider nicht zu beantworten weiß.

Wir sind allerdings nicht die einzigen, die hier den Plural dem Singular vorziehen. Zum Beispiel:

en: zero points (Sing. = point)
it: zero punti (Sing. = punto)
sp: cero puntos (Sing. = punto)
nl: nul punten (Sing. = punt)
pl: zero punktów (Sing. = punkt)

Das Französische steht also mit dem Singular zéro point schon ein bisschen allein da.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Jede(r) der Neubauten

Manchmal sind ganz einfach klingende Fragen auf den zweiten Blick doch gar nicht so einfach.

Frage

Ein schwieriger Fall, der, je länger ich drüber nachdenke, umso verworrener wird: Heißt es „Jeder der Neubauten ist schön“ oder „Jede der Neubauten ist schön“? Ich tendiere ja zu Letzterem.

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

zuerst dachte ich, dass die Antwort auf Ihre Frage ganz einfach sei. Dann aber schlug meine eigene Unsicherheit zu. Was ist nun eigentlich richtig? Im Prinzip heißt es:

Jeder der Neubauten ist schön.

Neubauten ist der Plural des männlichen Substantivs Neubau:

der Neubau / die Neubauten

Man sollte hier deshalb die männliche Form jeder verwenden. Vgl.

Jeder der Männer erhielt ein Stück Kuchen.
Jede der Frauen erhielt ein Stück Kuchen.
Jedes der Kinder erhielt eine Stück Kuchen.

Ganz so unkompliziert ist es bei Neubauten allerdings doch nicht. Die Unsicherheit entsteht dadurch, dass die Form Bauten irgendwie so weiblich aussieht. Das liegt daran, dass sie dies eigentlich auch war: Der Plural die Bauten von der Bau gehörte ursprünglich zum heute kaum mehr verwendeten weiblichen Wort die Baute (das Gebäude).

Falls Ihnen die Formulierung jeder der Neubauten immer noch nicht gefallen will (sie „klemmt“ auch in meinen Ohren), verwenden Sie doch einfach eine andere. Zum Beispiel:

Alle diese Neubauten sind schön.
Sämtliche Neubauten sind schön.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1,5 Pfund Erbsen – Singular oder Plural?

Nachdem ich die Antwort auf die untenstehende Frage wieder zurückerhalten habe („Absender unbekannt“), möchte ich Sie wieder einmal bitten, darauf zu achten, im Kontakformular die richtige Adresse anzugeben oder einfach die ebenfalls hier genannte E-Mail-Adresse zu verwenden. Sie erhalten dann nämlich ganz bestimmt eine Antwort – und auch noch schneller.

Frage

Auf Ihrer Webseite http://www.canoonet.eu/services/OnlineGrammar/Wort/Verb/Numerus-Person/ProblemNum.html führen Sie den Beispielsatz an: „Hinzu kommen 1,5 Pfund Erbsen.“ Mehrere Personen sind der Meinung, dass dies „Hinzu kommt 1,5 Pfund lauten muss“ (ab „2 Pfund“ dagegen Plural). Mit den anderen Beispielsätzen sind wir dagegen einverstanden.

Antwort

Guten Tag!

Als standardsprachlich richtig gilt:

Hinzu kommen 1,5 Pfund Erbsen.

Vermutlich finden Sie in diesem Beispielsatz die Einzahl besser, weil Sie 1,5 als eine Einzahl ansehen. Dass dies nicht der Fall ist, wird dann ersichtlich, wenn das nachfolgende Substantiv keine immer in der Einzahl stehende Mengenangabe wie Pfund ist:

1 Pfund Erbsen
1,5 Pfund Erbsen
2 Pfund Erbsen

1 Tonne Erbsen
1,5 Tonnen Erbsen (nicht: 1,5 Tonne)
2 Tonnen Erbsen

Ein Tag ist lang.
eineinhalb Tage sind lang. (nicht: eineinhalb Tag)
Zwei Tage sind lang.

Wir haben es also bei 1,5 Pfund Erbsen mit einer Mengenangabe in der Mehrzahl und etwas Gemessenem in der Mehrzahl zu tun. Standardsprachlich sollte das Verb deshalb ebenfalls in der Mehrzahl stehen (siehe hier):

Hinzu kommen 1,5 Pfund Erbsen.

Vgl.

Hinzu kommen 1,5 Tonnen Erbsen.
Hinzu kommen 2 Pfund Erbsen.

Es ist allerdings nicht sehr erstaunlich, dass Sie hier den Singular wählen möchten: 1,5 (eins Komma fünf) beginnt mit 1 (eins) und Pfund steht trotz der „mehrzahligen“ Bedeutung in der Einzahl (1,5 Pfund, nicht 1,5 Pfunde). Bei so vielen wie eine Einzahl aussehenden Elementen drängt sich die Singularform für das Verb beinahe auf. Standardsprachlich sollte aber, wie gesagt, trotzdem der Plural stehen. Wie bei vielen Mengenangaben, die ja nicht grundlos zu den problematischen Fällen gezählt werden, findet man „in der freien Wildbahn“ auch hier häufig andere Formulierungen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp