Schwere und schwierige Aufgaben

Frage

Die deutsche Grammatik ist in gedruckter Form sicherlich recht SCHWER. Für manch einen ist sie auch SCHWIERIG. Wenn mir die Grammatik mal wieder Rätsel aufgibt, stehe ich dann vor einem SCHWEREN oder vor einem SCHWIERIGEN Problem? Das vor mir liegende Sudoku wird übrigens mit dem Schwierigkeitsgrad „schwer“ eingestuft. Ich find’s irgendwie schwierig.

Antwort

Sehr geehrte Frau Z.,

sie stehen vor einem schweren oder vor einem schwierigen Problem. Beides ist möglich. Das Wort schwer hat unter anderem die Bedeutung mit Schwierigkeiten verbunden, nicht leicht zu bewältigen. Es gibt vielleicht einen leichten Bedeutungsunterschied zwischen schwierig und schwer:

  • eine schwierige Aufgabe = eine komplexe, ein hohes Maß an Fähigkeit(en) verlangende Aufgabe
  • eine schwere Aufgabe = eine große Mühe bereitende Aufgabe

Diese Bedeutungen werden aber nicht streng voneinander getrennt  – nur schon deshalb, weil nur Genies und in Einzelbereichen auch gute Fachleute eine komplexe Aufgabe, die ein hohes Maß an Fähigkeiten verlangt, ohne allzu große Mühe bewältigen – und auch denen gelingt es nicht immer. Es ist deshalb oft nur eine Frage des persönlichen Stils, ob Deutsch schwer oder schwierig ist, ob man eine schwere oder eine schwierige Aufgabe vor sich hat und ob dies ein schweres oder ein schwieriges Problem ist. Nun ja, beim Problem finde ich es stilistisch eigentlich besser, von einem großen Problem zu reden.

Ganz ähnlich sieht es übrigens auch bei leicht und einfach aus. Eine Aufgabe, die keine Mühe kostet, kann sowohl leicht als auch einfach genannt werden. Deshalb können Sudokus als leicht-mittel-schwer oder einfach–mittel­–schwierig, aber auch als leicht–mittel–schwierig oder einfach–mittel–schwer eingestuft werden.

Dies alles gilt nur dann, wenn es um die Bedeutung viel/wenig Fähigkeiten erfordernd, mit viel/wenig Schwierigkeiten verbunden geht. Wenn es z. B. um das physische Gewicht geht, passen nur schwer und leicht, nicht aber schwierig und einfach. Das Folgende gilt allerdings „trotzdem“: Wer sich des Körpergewichts wegen auf Diät gesetzt hat, weiß, dass es einfach ist, schwerer zu werden, aber um einiges schwieriger, wieder leichter zu werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wann, wenn und wann immer

Frage

Welche Varianten sind korrekt? Gibt es Bedeutungsunterschiede?

1) Damit Sie Ihre Abfälle dann vorbeibringen können, wenn es Ihnen am besten passt.
2) … wann es Ihnen am besten passt.

a) Wann immer Sie ein Abenteuer anpacken, denken Sie daran: …
b) Wenn immer Sie ein Abenteuer anpacken, denken Sie daran: …

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

richtig sind die folgenden beiden Formulierungen:

1) Damit Sie Ihre Abfälle dann vorbeibringen können, wenn es Ihnen am besten passt.
a) Wann immer Sie ein Abenteuer anpacken, denken Sie daran …

Die Wörter wann und wenn haben nicht die gleiche Funktion: Mit dem Fragewort wann wird eine (direkte oder indirekte) Ergänzungsfrage eingeleitet. Es wird nach einem Zeitpunkt gefragt (vgl. hier und hier):

Wann passt es Ihnen am besten?
Geben Sie bitte an, wann es Ihnen am besten passt.

Mit der Konjunktion wenn wird ein Temporalsatz eingeleitet. Es wird ein Zeitpunkt angegeben (vgl. u. a. hier)

Ich komme, wenn es mir am besten passt.
Sie können dann kommen, wenn es Ihnen am besten passt.

Also:

Frage: Wann kommst du?
Zeitangabe: Ich komme (dann), wenn

Die Verwendung von wann als Einleitewort eines Temporalsatzes kam früher übrigens häufiger vor:

Wann die Morgenlüfte blasen,
ist verweht der Elfen Spur.
Wo sie tanzten auf dem Rasen,
bleibt ein fahler Kringel nur.
[aus Die Königskerze von Friedrich Rückert, 1788-1866]

Sie gilt im heutigen Deutschen aber nicht mehr als standardsprachlich.

So weit, so gut. Das erklärt aber noch nicht die Verwendung von wann im obenstehenden Satz a).

Die Kombination von einem Fragewort und immer (und/oder auch) leitet keinen Fragesatz ein. Sie hat eine verallgemeinernde Bedeutung. Zum Beispiel:

Wer immer dafür verantwortlich ist, wird …
Du gibst das Geld zurück, von wem immer du es bekommen hast!
Ich glaube dir nicht, was du auch sagst.
Wo immer die beiden auch stecken mögen, ich werde sie finden.
Wie auch immer ihr es tut, Hauptsache ist, dass es rechtzeitig fertig ist.
Wir werden Sie unterstützen, wofür auch immer Sie sich entscheiden.

Wenn mit einer solchen Konstruktion ein unbestimmter Zeitpunkt angegeben wird, steht entsprechend das Fragewort wann, obwohl es sich nicht um eine Frage handelt:

Wann immer Sie ein Abenteuer anpacken, denken Sie daran …
Du kannst kommen, wann immer du willst.

Für manche Dialektsprecher und -sprecherinen ist diese Unterscheidung zwischen wann und wenn in der Standardsprache hin und wieder etwas schwieriger, weil es diesen Unterschied in einigen Dialekten und Regionalsprachen gar nicht gibt. Zumindest in meinem Dialekt heißt es immer wänn.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mit jemand(em) anderem/anders/anderes

Ich mag es, wenn in der Sprache scheinbar ein heilloses Durcheinander herrscht oder wenn wie in diesem Fall tatsächlich nur wenig Einheit und Regelmäßigkeit zu erkennen ist. Lassen Sie sich nicht durch die Variantenvielfalt verwirren, sondern betrachten Sie es einfach als ein kurioses Formenspiel!

Frage

Wie heißt es richtig?

Wollen Sie mit jemandem anderen sprechen?
Wollen Sie mit jemand anderes sprechen?
Wollen Sie mit jemand anders sprechen?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

ich habe keine eindeutige, klare Antwort auf Ihre Frage. Es gibt hier nämlich mehr als nur eine standardsprachlich (mehr oder weniger) übliche Formulierung. Es gibt deren sogar erstaunlich viele!

Üblich ist vor allem:

Wollen Sie mit jemand anders sprechen?
Wollen Sie mit jemand anderem sprechen?

Daneben kommt seltener auch die gebeugte Form jemandem vor:

Wollen Sie mit jemandem anders sprechen?
Wollen Sie mit jemandem anderem sprechen?

Das ist aber noch nicht alles. Auch die Form anderes kommt vor. Sie wird im Dativ allerdings nicht von allen als richtig akzeptiert:

Wollen Sie mit jemand anderes sprechen?
Wollen Sie mit jemandem anderes sprechen?

Als nicht richtig gilt allgemein diese letzte Formulierung, in der die schwach gebeugte Form anderen nach jemandem steht:

*Wollen sie mit jemandem anderen sprechen?

Das war aber erst der Dativ. Wie sieht es im Nominativ und im Akkusativ aus? (Den Genitiv können wir hier vernachlässigen, denn er kommt bei dieser Formulierung praktisch nie vor: jemandes anderen Meinung).

Im Nominativ und im Akkusativ steht nach jemand die sächliche Form anderes oder das unveränderliche anders.Vor allem im südlichen deutschen Sprachraum kommen auch die männlichen Formen anderer resp. anderen vor. Die Nominativform wird allerdings nicht von allen als richtig anerkannt. Dann noch dies: Im Akkusativ wird neben der ungebeugten Form jemand seltener auch die gebeugte Form jemanden verwendet. Wer es jetzt noch begreift, ist außergewöhnlich sprachbegabt! Für alle anderen (auch mich selbst) habe ich hier die Formen einmal zusammengestellt:

Jemand anderes sollte mit ihnen reden.
Jemand anders sollte mit ihnen reden.
Jemand anderer sollte mit ihnen reden. (?)

Sie hat mich für jemand anderes gehalten.
Sie hat mich für jemand anders gehalten.
Sie hat mich für jemand anderen gehalten.
Sie hat mich für jemanden anderes gehalten.
Sie hat mich für jemanden anders gehalten.
Sie hat mich für jemanden anderen gehalten.

Dasselbe gilt übrigens auch für ander… nach niemand und wer/wen/wem. Wenn Sie Lust haben, können Sie die „Formenparade“ auch für diese beiden Fälle durchexerzieren. Ich tue das hier nicht, denn ich sehe jetzt schon vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr! Ich überlasse es deshalb gern jemand…

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wenn Sie einmal wirklich nicht mehr wissen, wie es heißt, und Sie in Eile sind: anders ist vielleicht nicht in allen Ohren immer die wohlklingendste Wahl, aber immer richtig – außer im Genitiv – aber den braucht  ja doch keine/keiner …

Abstimmung

Was haben die folgenden Begriffe gemeinsam?

Blackfacing
Cloud
crowdfunden/Crowdfunding
Cypherpunk
epic/episch
Fracking
gendern
Hashtag
Hipster
liken
Liquid Democracy
Nerd
Paid Content
Paywall
posten
Second Screen
sharen
Smartphone
Tablet

Es sind alles Begriffe aus dem Englischen, sie sind alle (relativ) neu und waren aus irgendeinem Grund im letzten Jahr aktuell. Sie erfüllen also die Kriterien, die Kandidaten für die Wahl zum Anglizismus des Jahres 2012 erfüllen müssen. Wenn Sie wollen, können Sie sich bis am 1. März an dieser Wahl beteiligen und auf Ihren Favoriten stimmen. Mehr zu den Kandidaten und zur Wahl finden Sie im Sprachlog.

Von frottieren zu frottagieren

Frage

Ich habe einen Text über Frottagen geschrieben und dabei erklärt, wie eine Frottage hergestellt wird. Bei meinen Recherchen stieß ich auf die Tätigkeit „Frottieren“ und hatte dieses Wort auch in meinen Text eingearbeitet. Bei weiteren Recherchen für eine Fortsetzung musste ich heute jedoch feststellen, dass im kreativen Bereich überwiegend vom „Frottagieren“ gesprochen wird. Laut Cannonet und laut Duden gibt es dieses Wort aber nicht. […] Ich schreibe Ihnen, weil das Wort „frottagieren“ so häufig im Internet zu finden ist und ich nicht weiß, ob es sich um ein Modewort handelt und ob ich dieses so einfach übernehmen darf. Was geschieht eigentlich mit neuen Wörtern, die sich im Laufe der Zeit durchsetzen?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

das Verb frottagieren scheint ein Fachwort zu sein, das es (noch) nicht bis in die Wörterbücher geschafft hat. Es ist im Prinzip eine etwas seltsame Bildung, denn sein Basiswort, das Substantiv Frottage, ist eine (französische) Ableitung des Verbs frottieren. Es ist eher ungewöhnlich, ein neues Verb abzuleiten (frottagieren), anstatt auf das ursprüngliche Verb zurückzugreifen (frottieren). Es ist ein bisschen, wie wenn wir vom Substantiv Reibung ein neues Verb reibungeln oder reibungern ableiten würden, statt auf das Verb reiben zurückzugreifen. Im Bereich der Fremdwörter kommt dies aber hin und wieder vor, dann nämlich, wenn ein Bedeutungsunterschied zwischen dem ursprünglichen und dem neuen Verb angegeben werden soll:

frottieren (reiben, abreiben)
→ Frottage
→ frottagieren (mit Frottagetechnik erzeugen/arbeiten)

Hier noch ein paar Beispiele:

dozieren → Doktor → doktorieren
fundieren → Fundament → fundamentieren
fungieren → Funktion → funktionieren
konzipieren → Konzeption → konzeptionieren

Gestützt wird die Wortbildung frottagieren vielleicht auch durch das Verb collagieren, das von Collage kommt. Ich kann nicht beurteilen, ob es sich um ein Modewort oder um eine in der Fachsprache gebräuchliche Bildung handelt. Ich finde „auf die Schnelle“ sowohl frottieren als auch frottagieren im Zusammenhang mit Frottage.

Wenn neue Wörter sich im Laufe der Zeit durchsetzen, werden sie in die Wörterbücher aufgenommen. Bei Fachwörtern wie diesem dauert es wahrscheinlich etwas länger als bei allgemeiner gebräuchlichen Wörtern – falls frottagieren sich tatsächlich einmal durchsetzt, wie dies zum Beispiel E-Mail, scannen, Tsunami, All-inclusive-Urlaub, Mobiltelefon u.v.a.m. schon gelungen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Social TV, Web-TV und der Bindestrich

Die Schreibung von mehrteiligen Ausdrücken aus anderen Sprachen, meist aus dem Englischen, gehört zu Ihren Favoriten. Die Frage lautet jeweils: getrennt, zusammen, Bindestrich? Es ist nicht sehr erstaunlich, dass dieser Bereich immer wieder zu Fragen Anlass gibt, denn wenn man die Rechtschreibregeln hier konsequent anwendet, führt dies manchmal zu eher ungewöhnlich anmutenden Schreibungen.

Frage

Für eine wissenschaftliche Arbeit würde ich gern wissen, wie es richtig heißt: Social-TV oder Social TV. Wie würde man es bei drei Worten schreiben: Social-TV-Integration, Social TV-Integration oder Social TV Integration? Und gilt dann für Web-TV / Web TV und Smart-TV / Smart TV die gleiche Regelung?

Antwort

Sehr geehrte Frau E.,

die Ausdrücke, die Sie anführen, kommen alle aus dem Englischen, sie haben aber nicht alle die gleiche Struktur. Nämlich:

  • Verbindung von Adjektiv und Substantiv: Social TV, Smart TV
  • Verbindung von zwei Substantiven: Web-TV

Bei der ersten Gruppe, empfiehlt es sich, getrennt zu schreiben. Bei Adjektiv-Substantiv-Verbindungen aus dem Englischen kann getrennt oder zusammengeschrieben werden (Regel). Zum Beispiel:

Big Band oder Bigband
Happy End oder Happyend
Small Talk oder Smalltalk

Da die Zusammenschreibung mit einer Abkürzung wie TV nicht möglich ist (s. u.), ist die Getrenntschreibung hier die beste Lösung:

Social TV
Smart TV

Im zweiten Fall muss mit Bindestrich geschrieben werden. Substantiv-Substantiv-Verbindungen (und andere) mit einer Abkürzung werden mit Bindestrich geschrieben (Regel):

Eiskunstlauf-WM
Lungen-Tbc
Frühstücks-TV

Web ist ein Substantiv, TV ist eine Abkürzung, deshalb:

Web-TV

Wenn diese Begriffe in einer Zusammensetzung vorkommen, verwendet man Bindestriche:

Social-TV-Integration
Smart-TV-Anbieter
Web-TV-Angebote

Wenn Wortgruppen (z. B. Social TV)  oder Zusammensetzungen mit Bindestrich (z. B. Web-TV) in einer Zusammensetzung vorkommen, setzt man nämlich zwischen alle Teile der Zusammensetzung einen Bindestrich (Regel).

Social TV neben Social-TV-Integration oder Smart TV neben Smart-TV-Anbieter sieht irgendwie uneinheitlich aus. Das mag (neben Unkenntnis der Regeln) ein Grund dafür sein, weshalb sehr häufig auch andere Schreibweisen zu lesen sind. Wenn Sie sich aber an die geltende Rechtschreibregelung halten wollen oder müssen, bleibt Ihnen nicht viel anderes übrig, als so zu schreiben. Nach diesen Regeln ist Social-TV nicht zu empfehlen und Social TV-Integration oder Social TV Integration falsch. Es sieht allerdings auch nicht uneinheitlicher aus als zum Beispiel:

die Werke van Goghs in dieser Van-Gogh-Ausstellung
Fragen zu Vitamin C und Vitamin-C-Mangel
Kommt der New-Orleans-Jazz wirklich aus New Orleans?
Doping bei der Tour de France: Viele Tour-de-France-Gewinner sollen …

Ganz so ungewöhnlich und unsystematisch ist die Einpassung von mehrteiligen Begriffen aus dem Englisch ins deutsche Schriftbild also doch nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Guineisch und guineanisch

Kommentar

Leider vermisse ich einen Eintrag zu guineanisch, in Bezug auf Guinea.

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

Sie finden das Wort guineanisch nicht in Canoonet, weil das im Deutschen übliche Adjektiv zu Guinea anders lautet: guineisch. Die Menschen aus Guinea sind Guineerinnen und Guineer. Das Gleiche gilt für Äquatorialguinea: äquatorialguineisch, Äquatorialguineer, Äquatorialguineerin. Nicht nur in Afrika, sondern auch auf einem anderen Kontinent geht es wortbildungsmäßig gleich zu, jedenfalls auf Deutsch: Die Einwohner des neuguineischen Staates Papua-Neuginea werden offiziell Papua-Neuguineer und Papua-Neuguineerinnen genannt.

Auch wenn guineanisch nicht die „korrekte“ Form ist, klingt es eigentlich gar nicht so falsch. Zu vielen Ländernamen, die auf a enden, gehört nämlich ein Adjektiv auf anisch. Aber offensichtlich nicht zu allen. Um der Sache einmal etwas genauer nachzugehen, habe ich im „Länderverzeichnis für den amtlichen Gebrauch in der Bundesrepublik Deutschland“ nachgesehen. Dort habe ich u. a. die folgenden Angaben gefunden:

Viele Namen, die auf a enden, haben tatsächlich ein Adjektiv auf anisch:

Andorra, andorranisch, Andorraner/-in
Angola, angolanisch, Angolaner/-in
Antigua, antiguanisch, Antiguaner/-in
Costa Rica, costa-ricanisch, Costa Ricaner/-in o. Costa-Ricaner/-in
Jamaika, jamaikanisch, Jamaikaner/-in
Kambodscha, kambodschanisch, Kambodschaner/-in
Korea, koreanisch, Koreaner/-in
Kuba, kubanisch, Kubaner/-in
Liberia, liberianisch, Liberianer/-in
Nicaragua, nicaraguanisch, Nicaraguaner/-in
Nigeria, nigerianisch, Nigerianer/-in
Samoa, samoanisch, Samoaner/-in
Südafrika, südafrikanisch, Südafrikaner/-in

Bei den folgenden Namen ist es zweifelhaft, ob man beim Adjektiv von der Endung anisch oder isch sprechen muss:

Botsuana, botsuanisch, Botsuaner/-in
Guayana, guayanisch, Guayaner/-in
Guyana, guyanisch, Guyaner/-in
Tansania, tansanisch, Tansanier/-in

Nur die Endung isch haben die Adjektive der folgenden Ländernamen auf a:

Bermuda(s), bermudisch, Bermuder/-in
Burkina Faso, burkinisch, Burkiner/-in
Eritrea, eritreisch, Eritreer/-in
Gambia, gambisch, Gambier/-in
Guinea, guineisch, Guineer/-in
Kanada, kanadisch, Kanadier/-in
Malaysia, malaysisch, Malaysier/-in
Namibia, namibisch, Namibier/-in
Ruanda, ruandisch, Ruander/-in
Sambia, sambisch, Sambier/-in
Sri Lanka, sri-lankisch, Sri Lanker/-in o. Sri-Lanker/-in
Uganda, ugandisch, Ugander/-in

Wie man sieht, fällt das a am Ende des Namens vor isch in der Regel weg. Manchmal aber auch nicht:

Ghana, ghanaisch, Ghanaer/-in
Panama, panamaisch, Panamaer/-in
Tonga, tongaisch, Tongaer/-in

Noch komplizierter wird die ganze Angelegenheit durch Fälle wie diese:

Venezuela, venezolanisch, Venezolaner/-in
China, chinesisch, Chinese/Chinesin
Malta, maltesisch, Malteser/-in
Guatemala, guatemaltekisch, Guatemalteke/Guatemaltekin

Es gibt also keine feste Regel, wie zu geographischen Namen gehörende Adjektive und Einwohnerbezeichnungen gebildet werden müssen. Und dann reden wir hier nur von den auf a endenden Namen von Ländern! Das liegt daran, dass die deutschen Bezeichnungen sich teilweise, aber lange nicht immer und schon gar nicht konsequent nach den Bezeichnungen der am entsprechenden Ort (oder anderswo) gesprochenen Sprache richten. Dieses Durcheinander haben wir also den „Ausländern“ zu verdanken. Weit gefehlt! Die Bezeichnungen haben „wir“ selbst gewählt – und bei unserem eigenen Kontinent erlauben wir uns sogar einen ziemlich unsystematischen Umlaut: Europa, europäisch, Europäer/-in.

Es heißt also guineisch und nicht guineanisch, aber wirklich logisch ist das nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Elgernder Mann

Frage

Können Sie mir bitte sagen, was das Wort „elgern“ bzw. „elgernder“ bedeuten soll? Ich finde keine Erklärungen. Das Bild „Elgernder Mann“ ist im Landesmuseum für Kunst und Kunstgeschichte Oldenburg zu sehen. Es zeigt einen in einem Boot stehenden Mann. Dieser hält eine in das Wasser gesenkte Stange. Mit dieser stößt er sich entweder ab oder er stochert damit herum. Das Wort „elgern“ ist die Lösung. Ich kenne dieses Wort aber nicht. Ich habe für Sie das Bild beigefügt.

Erich Heckel, Elgernder Mann, 1910; Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

der elgernde Mann stammt aus früheren Zeiten. Elgernde Leute trifft man heute hierzulande nämlich nicht mehr an, jedenfalls nicht solange die entsprechenden Gesetze eingehalten werden. Ein elgernder Mann ist ein Mann, der mit einem Aalstecher, auch Aalgabel genannt, auf Aalfang ist. Elger ist ein altes Wort für ein Fischfanggerät in der Form einer Gabel mit langem Stil. Ein Aal, der sich im schlammigen Untergrund verborgen hatte, wurden damit aufgespießt, wenn der mehr oder weniger aufs Geratewohl herumstochernde Aalfänger Glück bzw. der Aal Pech hatte. Diese Fangmethode ist heute verboten.

Der erste Teil des Wortes Elger kommt von Aal. Der zweite Teil ist das alte germanische Wort Ger für Spieß. Ein Elger ist also wörtlich ein Aalspieß. Das Wort scheint in Vergessenheit zu geraten, denn es kommt in neuen Wörterbüchern nicht mehr vor. Neben an alten Fischfangmethoden und alten Wörtern Interessierten gibt es allerdings noch eine Gruppe von Leuten, denen Elger nicht unbekannt ist: Liebhaber und Liebhaberinnen von Kreuzworträtseln. Während Wahrig, Duden, Pons, Canoonet und Konsorten dieses schöne Wort schmählich negieren, ist es in vielen Kreuzworträtsellexika zu finden. Dank seiner überaus praktischen, weil häufig passenden Buchstabenfolge hat das Wort Elger eine Nische gefunden, in der es noch überlebt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Siehe auch:

Zusammen oder getrennt? Verbindungen mit Partizipien

Frage

Wieder einmal habe ich eine Frage zur Getrennt- bzw. Zusammenschreibung, und zwar geht es um Partizipien:

sich weiterbilden –> die sich Weiterbildenden [nur so]
nicht zutreffen –> das nicht Zutreffende / das Nichtzutreffende

Wieso ist im zweiten Fall […] die Zusammenschreibung möglich, bzw. warum beim ersten Beispiel nicht?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

es geht hier um die (mehr oder weniger) bekannten Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung von Verbindungen mit Partizipien. Verhältnismäßig bekannt sind zwei Regeln. Um alles abzudecken, fehlt aber eine dritte Regel.

Die erste Regel, die ich hier nenne, legt fest, dass Verbindungen mit Partizipien zusammengeschrieben werden, wenn das erste Wort der Verbindung für eine Wortgruppe steht:

den Abend füllend – abendfüllend
durch einen Computer gesteuert – computergesteuert
vor dem Wind geschützt – windgeschützt
von selbst klebend – selbstklebend (Regel)

Die zweite Regel sagt, dass Verbindungen mit Partizipien getrennt oder zusammengeschrieben werden können, wenn ihnen eine getrennt geschriebene Verbgruppe zugrunde liegt:

Fleisch fressen – Fleisch fressende / fleischfressende Tiere
getrennt schreiben – getrennt geschriebene / getrenntgeschriebene Wörter
nicht zutreffen – nicht Zutreffendes / Nichtzutreffendes
selbst backen – selbst gebackener / selbstgebackener Kuchen

Wir haben bis jetzt gesehen, wann zusammengeschrieben werden muss und wann zusammen- oder getrennt geschrieben werden kann. Was noch fehlt, ist eine Erklärung dafür, wann man nur getrennt schreiben sollte. Warum schreibt man nicht sichweiterbildende?

Verbindungen mit Partizipien werden nur dann zusammengeschrieben, wenn die Verbindung als Zusammensetzung angesehen wird. Wir empfinden eine Verbindung u. a. dann als Zusammensetzung, wenn bei neutraler Aussprache die Hauptbetonung auf dem ersten Wort liegt. Deshalb ist bei den folgenden Wörtern neben der Getrenntschreibung auch die Zusammenschreibung möglich:

fleischfressend,  getrenntgeschrieben, nichtzutreffend, notleidend, selbstgebacken, obenerwähnt, ratsuchend, vielsagend usw.

Wenn die Hauptbetonung nicht auf dem ersten Element liegt oder, anders gesagt, wenn das an zweiter Stelle stehende Partizip bei neutraler Aussprache** nicht unbetont sein kann, wird getrennt geschrieben. Das ist bei sich weiterbildend der Fall:

die sich Weiterbildenden (nicht: Sichweiterbildenden)
farblich passende Strümpfe (nicht: farblichpassende)
laut telefonierende Mitmenschen (nicht: lauttelefonierende)
unerwartet eingestürzte Brücke (nicht: unerwarteteingestürzte)

Diese in der amtlichen Regelung nicht erwähnte Betonungsregel ist eine Hilfsregel, die Sie eigentlich gar nicht bewusst kennen müssen. Ihr Gefühl sagt Ihnen wahrscheinlich in den meisten Fällen sofort, dass bei Wortgruppen wie sich weiterbildende, farblich passende und unerwartet eingestürzte keine Zusammensetzung vorliegt und deshalb nicht zusammengeschrieben werden kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ich habe lange gezögert, ob ich diese Betonungsregel überhaupt erwähnen soll, denn sie ist nicht unproblematisch. Es gibt nämlich auch die Möglichkeit, kontrastierend zu betonen. Dann liegt die Hauptbetonung auf dem hervorgehobenen Wort:

nicht die leise telefonierenden, sondern die laut telefonierenden Leute

Diese Art der Betonung bewirkt keine Zusammenschreibung. Deshalb steht oben die Bedingung „bei neutraler Aussprache“.