Ist das Haus unseres, das unsere, das unsrige, uns oder unser?

Frage

Die Possessivpronomen können ohne Artikel stellvertretend für eine Nomen stehen. Die endungslose Form Neutrum Singular bekommt dann die Endung –es [vgl. hier]. Und nun zu meiner Frage: Was ist richtig?

Heute kam die Nachricht, dass das Haus unseres ist.
oder
Heute kam die Nachricht, dass das Haus unser ist.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

bei der Besitzangaben mit dem Verb sein und einem Possessiv kommen verschiedene Konstruktionen vor. Möglich ist die Verwendung der gebeugten Form des Possessivs ohne Artikel, der gebeugten Form mit Artikel oder, eher veraltenden, der mit -ig erweiterten Form mit Artikel:

Heute kam die Nachricht, dass das Haus unseres / das unsere / das unsrige ist.
Der Bus dort ist unserer / der unsere / der unsrige.
Ist die Jacke nicht deine / die deine / die deinige?

Veraltet oder sehr gehoben ist die prädikative Verwendung des ungebeugten Possessivs. Man trifft sie vor allem in älteren Texten und Operettenarien an:

Heute kam die Nachricht, dass das Haus unser ist.
Die Rache ist mein.
Dein ist mein ganzes Herz.
Die Schuld ist euer.

Die folgende Variante gilt als umgangssprachlich und sollte in der Standardsprache vermieden werden: sein mit dem Dativ (hier mit dem Dativ des Personalpronomens).

Heute kam die Nachricht, dass das Haus uns ist.
Der Bus dort ist mir.
Der Garten ist nicht Ihnen, sondern uns allen.

Die im heutigen Standarddeutschen üblichste Variante wird aber nicht mit sein, sondern mit dem Verb gehören formuliert:

Heute kam die Nachricht, dass das Haus uns gehört.
Der Bus dort gehört mir.
Der Garten gehört nicht Ihnen, sondern uns allen.

Um nun wieder zu Ihrer Frage zurückzukommen: Richtig ist sowohl dass das Haus unseres ist als auch dass das Haus unser ist, heute standardsprachlich üblich ist aber vor allem dass das Haus uns gehört.

In Léhars „Land des Lächelns“ wird man allerdings auch weiterhin

Dein ist mein ganzes Herz!
Wo du nicht bist, kann ich nicht sein.

singen, denn die „moderne“ Variante mit gehören würde hier einfach nicht passen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Schrägstrich mit Leerzeichen / ohne Leerzeichen

Frage

Wie verhält es sich mit eventuellen Leerzeichen vor, hinter oder vor und hinter einem Schrägstrich? Zum Beispiel:

Heide/Kreis Dithmarschen oder
Heide/ Kreis Dithmarschen oder
Heide / Kreis Dithmarschen

Antwort

Sehr geehrte Frau Z.,

die amtliche Rechtschreibregelung gibt hierüber keinen Aufschluss, weil bei allen Beispielen, die man dort zum Schrägstrich findet, links und rechts des Schrägstriches nur ein einzelner, ungegliederter Begriff steht (ein Wort, eine Zahl, eine Abkürzung). Sie sind also sozusagen auf sich selbst gestellt, wenn der Schrägstrich Wortgruppen voneinander trennt. Üblich sind diese beiden Schreibweisen:

  1. Heide/Kreis Dithmarschen
  2. Heide / Kreis Dithmarschen

Ich verwende in der Regel a) bei einzeln stehenden Begriffen und b), wenn auf einer oder beiden Seiten des Schrägstrichs mehr als ein Wort steht:

  1. Juli/August
    Frau Müller/Meier
    Anton/Christine
    Sprachen: Deutsch/Englisch/Französisch
  2. Ende Juli / Anfang August
    Frau Müller / Frau Meier
    Anton / Frau Meier
    Frau Müller / Christine
    Wörterbuch Deutsch–Englisch / Englisch–Deutsch

Häufig werden bei b), falls möglich, schmalen Leerzeichen verwendet. Eine allgemein verbindliche Regelung gibt es aber nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Danke der Nachfrage

Frage

Würden Sie mir bitte die Regel für Folgendes erklären:

– Danke der Nachfrage
– Danke für die Nachfrage

Antwort

Sehr geehrte Frau C.,

die Formulierung danke der Nachfrage ist eine veraltete Konstruktion, die manchmal noch (und dann häufig humoristisch oder ironisch) verwendet wird. Die Formulierung danke für die Nachfrage entspricht der heute üblichen Verwendung von danke und danken.

Ursprünglich stand das, wofür man dankt, im Genitiv: jemandem einer Sache (Gen.) danken. Diese Beispiele habe ich im Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm gefunden:

Ich danke euch auch freundlich euers theuern und treuen Geschenks.
Der Teufel dankt ihm der Wohltat.
Des[sen] danket Gott in Ewigkeit!

In danke der Nachfrage steht der Nachfrage also im Genitiv. Diese Konstruktion hat sich bis etwa ins 18. Jahrhundert gehalten, wurde aber schon früh durch um(be) etwas danken und später auch durch für etwas danken ersetzt. Heute ist bis auf die Wendung, um die es hier geht, nur danken für üblich, also zum Beispiel: Danke für Ihr Interesse.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zügeln

Wenn Sie bei Wörtern wie Zügeltermin, Zügelfirma, Zügelschachtel und Zügelstress an Pferde und Pferdesport denken, kommen Sie nicht aus der deutschsprachigen Schweiz. Das Verb zügeln hat nämlich im schweizerischen Deutsch, zumindest im eher umgangssprachlichen, zwei Bedeutungen.

Einerseits bedeutet es wie überall mit dem Zügel zurückhalten und im übertragenen Sinne beherrschen, unter Kontrolle bringen. Die anderswo unbekannte Verwendung ist umziehen, den Wohnort wechseln. Mit den eingangs genannten Wörtern ist also gemeint: Umzugstermin, Umzugsfirma, Umzugskarton und Umzugsstress.

Beide zügeln gehen auf das Verb ziehen zurück. Das allgemein gebräuchliche Verb gehört zu Zügel. Mit einem alten männlichen Suffix (-ila-) wurden Gerätebezeichnungen gebildet (vgl. auch z. B. Gürtel, Deckel, Schlägel, Schlüssel). Ein zugil war ein Gerät zum Ziehen – und ist es in der Form Zügel eigentlich immer noch. Das schweizerische zügeln kommt ebenfalls von Zug resp. ziehen, was ja nicht sehr erstaunlich ist, denn die gemeindeutsche Bezeichnung umziehen für einen Wohnungswechsel greift ja auch auf dieses Verb zurück.

Diesen kleinen Exkurs in die Regionalsprache haben Sie der Tatsache zu verdanken, dass unser Wohnungswechsel oder eben das Zügeln letzte Woche glimpflich verlaufen ist, die meisten Kartons wieder ausgepackt sind und sich bei mir der Zügelstress langsam wieder legt.

Umzug

Diese Woche sind Blogartikel spärlich und die Antwortzeiten lang. Das liegt daran, dass ich umziehe. Nicht der Blog und nicht Canoonet, sondern Dr. Bopp ganz privat hat morgen Umzugstag, und das bei Temperaturen die besser für einen karibischen Sommerkarnevalsumzug als für einen mitteleuropäischen Wohnungsumzug geeignet wären. Guten Mutes, aber doch schon leicht gestresst muss ich Sie deshalb um etwas Geduld bitten.

Wortbildung Umzug
Diese Wortbildungsinformationen finden Sie in Canoonet

Als Ganzes

Frage

Ich habe eine Frage zur Anwendung der Flexion: „Die Bemerkungen orientieren sich an der Heiligen Schrift als Ganzer (Ganzem, Ganzes????).“

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

wenn mit dieser Wendung etwas in seiner Gesamtheit gemeint ist, wird üblicherweise die sächliche Form verwendet.

als Gesamtheit = als Ganzes

Das substantivierte Adjektiv wird nur im Kasus angeglichen:

die Heilige Schrift als Ganzes
sich an der Heiligen Schrift als Ganzem orientieren
= an der Heiligen Schrift in ihrer Gesamtheit

der Park als Ganzes
für den Park als Ganzes
= für den Park in seiner Gesamtheit

Die Übereinstimmung in Kasus und Genus ist weniger üblich, aber auch möglich. Dann muss allerdings kleingeschrieben werden, weil das Adjektiv ganz sich dann direkt auf das vorhergehend Substantiv bezieht:

die Heilige Schrift als ganze
an der Heiligen Schrift als ganzer

der Park als ganzer
für den Park als ganzen

Eine weitere Tücke besteht darin, dass als Ganzes nicht im Genitiv stehen kann. Das liegt daran, dass im Deutschen eine Nomengruppe u. a. nur dann im Genitiv stehen kann, wenn mindestens ein Wort die Genitivendung (e)s oder er hat. Das ist hier nicht der Fall:

nicht: das Symbol der Heiligen Schrift *als Ganzen
(möglich: das Symbol der Heiligen Schrift als ganzer; er = weibl. Gen. Sing.)
nicht:
die Renovation des Parks als Ganzen

Man muss in solchen Fällen also wieder einmal Ausweichen. Am einfachsten geht das, indem man den unbestimmten Artikel einfügt, der im Genitiv die geforderte Genitivendung es hat:

das Symbol der Heiligens Schrift als eines Ganzen
die Renovation des Parks als eines Ganzen

Wenn Ihnen das zu umständlich oder zu gehoben klingt, dann müssen Sie anders formulieren. Zum Beispiel:

das Symbol der Heiligen Schrift als einer Einheit
die Renovation des gesamten/ganzen Parks

Es gäbe bestimmt noch mehr dazu zu sagen. Man braucht also ziemlich viele Worte, um das Phänomen als Ganzes als Ganzes zu beschreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Achtung, Hühner!

Frage

Eine Anzeige lautet beispielsweise:

Achtung Referendare!
Rechtssicher handeln mit der Ausbildungsliteratur aus dem Hause …

Muss oder kann nach „Achtung” ein Komma stehen oder wäre ein Komma gerade falsch? Es soll nicht vor Referendaren gewarnt werden, sondern diese sollen aufmerksam gemacht werden.

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

sowohl die an Referendare gerichtete Aufforderung, sie sollen aufpassen, als auch die Aufforderung, vor Referendaren aufzupassen, werden mit Komma geschrieben:

Achtung, Referendare!

Vgl.

Vorsicht, Stufe!
Achtung, bissiger Hund!

Passt auf, Kinder!
Achtung, Michael, die Ampel ist rot!

Es gibt fast keine Möglichkeit, eventuellen Zweideutigkeiten dieser Art mit Hilfe der Zeichensetzung vorzubeugen. (Die Aufforderung vor etwas oder jemandem aufzupassen, kann – aber muss keineswegs – mit einem Doppelpunkt geschrieben werden: Achtung: Referendare! Aber das ist ja gerade, was in Ihrem Beispiel nicht gesagt werden soll.)

In der Regel gibt die Bedeutung oder der weitere Zusammenhag an, was gemeint ist. Falls dies nicht so ist und es zu Problemen führen kann, muss anders formuliert werden. In Ihrem Beispiel sollte es meiner Meinung nach nicht zu Missverständnissen kommen (außer bei den üblichen Spaßvögeln, siehe auch unten).

Mir kommt hier ein Schild am Straßenrand bei einem Bauernhof in den Sinn, an dem wir auf einer unsere Lieblingsfahrradtouren vorbeikommen. Darauf steht in großen Buchtstaben die Warnung:

Achtung, Hühner!

Es ist bereits zu einer Tradition geworden, dass wir uns dann fröhlich fragen (Achtung, Humor!), wovor die Hühner denn aufpassen sollen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ich gelang?

Frage

[…] Es geht um:

Ich gelang (te) auf einem anderen Weg in den Besitz dieses Werkes.

Beim ersten Durchblättern der Grammatiktabellen in einem Werk des […]-Verlages stellte ich fest, dass die Formulierung „ich gelang“ dort nicht vorgesehen ist. Das verwirrt mich sehr, denn sowohl Canoo als auch Wiktionary sehen diese Form vor.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

die Wortform ich gelang ist tatsächlich in Canoonet zu finden. Warum sie nicht im Werk steht, das Sie konsultiert haben, weiß ich natürlich nicht genau. Wichtig sind hier jedenfalls die folgenden beiden Präzisierungen:

Erstens: Die Form ich gelang gehört zum Verb gelingen. Das Verb gelangen wird regelmäßig gebeugt. Es heißt also korrekt:

Ich gelangte auf einem anderen Weg in den Besitz dieses Werks.

Die Form ich gelang kann nur als (umgangssprachlich oder poetisch) verkürzte Präsensform zu gelangen gehören:

Wie gelang[e] ich in den Besitz dieses Werks?

Zweitens: Die Vergangenheitsform ich gelang kommt äußerst selten vor. Das Verb gelingen wird vor allem in der dritten Person verwendet: etwas gelingt (jemandem). Die Formen der zweiten Person kommen selten vor, zum Beispiel wenn Gegenständliches personifiziert und direkt angesprochen wird:

Was soll ich tun, neuer Tag, dass du gut gelingst?
Lied, wie schlecht gelingst du mir!

Die Formen der ersten Person sind noch seltener. Sie sind wohl vor allem theoretisch möglich:

Lied, wie schlecht gelangst du mir! – Ich gelang dir nicht, weil …

Damit stellt sich die Frage, ob man solche Formen in Konjugationstabellen aufnehmen soll oder nicht. Nimmt man sie auf, könnte der Eindruck entstehen, sie seien allgemein üblich. Nimmt man sie nicht auf, sieht es so aus, als seien sie grundsätzlich falsch. Beides ist nicht der Fall.

Wenn man sie wie Canoonet anzeigt, müsste idealerweise auch eine recht detaillierte Beschreibung der Verwendungsmöglichkeiten von Formen dieser Art hinzugefügt werden. Solche detaillierten Angaben zur Verwendung „problematischerer“ Formen stehen schon lange auf meiner Wunschliste der Dinge, um die ich unsere Wörterbücher gerne ergänzt sehen würde. Aus Kapazitätsgründen verschiedener Art müssen Sie und ich uns aber leider noch gedulden und ohne sie auskommen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Fremdsprachige Grüße: mit einem „à bientôt“

Frage

Mich quält da eine Frage. Ich habe folgenden Satz vorliegen:

Sie verabschiedete sich mit einem a bientot – bis bald – von ihm.

Mit Accents? In Anführungszeichen? Groß oder klein? Mit Bindestrichen (mit einem à-bientôt)? Gibt es eine elegantere Lösung als die Gedankenstriche?

Ich gestehe, ich bin etwas überfordert. Wie würden Sie diesen Satz schreiben?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

da der Abschiedsgruß französisch ist und auch noch übersetzt wird, würde ich ihn ganz einfach als Zitat behandeln, der in den Text integriert ist. Sie schreiben in gleich wie im Französischen und kennzeichnen ihn mit Anführungszeichen oder Kursivdruck als fremdsprachigen Ausdruck:

Sie verabschiedete sich mit einem „à bientôt“ von ihm
(auch: mit einem „À bientôt!“, vgl. unten)

Wenn Sie die deutsche Übersetzung auch angeben, können Gedankenstriche verwenden. Es gibt aber auch andere Möglichkeit wie zum Beispiel Klammern oder Kommas:

Sie verabschiedete sich mit einem „à bientôt“ – bis bald – von ihm.
Sie verabschiedete sich mit einem „à bientôt“ (bis bald) von ihm.
Sie verabschiedete sich mit einem „à bientôt“, bis bald, von ihm.

Ähnliches gilt auch für andere Wendungen, die viele aus dem Urlaub kennen:

sein kurzes „hasta la vista“
ihr fröhliches „come stai“
mit einem „kali nichta“
Er hat nicht einmal „good morning“ gesagt
Sie warf ihm ein „dzień dobry“ zu.

Da diese Wendungen auch als verkürzte Ganzsätze gesehen werden können, kann auch großgeschrieben werden: ein kurzes „Hasta la vista!“, ihr fröhliches „Come stai?“, mit einem „Kali nichta“, nicht einmal „Good morning“ sagen, ein „Dzień dobry“.

Mit freundlichen Grüßen, ciao und „à bientôt“

Dr. Bopp

Unklarer Bezug: Notwehrfälle mit Schusswaffen aus Österreich

„Warnung“: Wer immer und überall eindeutige Formulierungen haben will, wird enttäuscht sein.

Frage

Es geht um Notwehrfälle die in Österreich stattgefunden haben, bei welchen eine Schusswaffe verwendet wurde. Die Formulierung ist:

Es sind bereits viele Fälle von Notwehr mit Schusswaffen aus Österreich in die Medien gekommen.

Nun wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass man den Satz auch so verstehen könnte, dass nicht die Fälle in Österreich stattgefunden haben, sondern dass lediglich die Schusswaffen aus Österreich waren. Ist die ursprüngliche Formulierung wirklich dermaßen unverständlich? […]

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

Ihr Satz kann ohne weiteren Zusammenhang tatsächlich zweierlei bedeuten:

– viele Fälle aus Österreich, in denen es um Notwehr mit Schusswaffen geht
– viele Fälle von Notwehr mit aus Österreich stammenden Schusswaffen

Rein grammatisch gibt es sogar eine dritte Variante, die nur durch ihre Bedeutung relativ unwahrscheinlich ist:

– viele Fälle von österreichischer Notwehr mit Schusswaffen

Beim spontanen ersten Lesen Ihres Satzes habe ich den Satz so verstanden, wie Sie ihn gemeint haben. Die zweite Interpretationsmöglichkeit habe ich erst beim Weiterlesen erkannt. Ich bin der Meinung, dass Sie Ihren Satz nicht anpassen müssen, weil ich annehme, dass er nicht allein steht. Vorher oder nachher (oder eventuell in einem Text, auf den verwiesen wird) steht der weitere Zusammenhang, aus dem hervorgeht, ob es um Notwehrfälle aus Österreich oder um Schusswaffen aus Österreich geht. Eine solche Formulierung steht selten wie oben im Titel ganz allein für sich. Wenn Sie sich trotzdem eindeutig und ebenso kurz ausdrücken möchten, können Sie den Satz auch wie folgt abfassen. Er ist nicht sehr elegant, aber eindeutig:

Es sind bereits viele Fälle aus Österreich von Notwehr mit Schusswaffen in die Medien gekommen.

Es kommt übrigens sehr häufig vor, dass ohne weiteren Kontext nicht eindeutig ist, worauf sich ein Teil des Satzes bezieht.

Sie fuhr mit den Nachbarn und ihren Kindern weg.
Wessen Kinder sind das?
Ich nehme den Kuchen und den Kaffee ohne Sahne.
Nehme ich nur den Kaffee oder beides ohne Sahne?
Herr M. kam mit einem Auto aus Deutschland.
Kam Herr Müller aus Deutschland oder kam er mit einem deutschen Auto?

Das Deutsche lässt uns hier bei der Formulierung oft viel Freiheit und gelegentlich – wenn man sehr auf exakte Formulierungen besteht – sogar im Stich. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn normalerweise steht ein Satz ja innerhalb eines Zusammenhangs, aus dem sich ergibt, welche Lesung gemeint ist. Und manchmal ist es ja auch egal, wie der Bezug genau aussieht: Ob sie nun aus Rio zurückkommen mit Medaillen oder ob sie zurückkommen mit Medaillen aus Rio, Hauptsache:

Sie kommen erfolgreich mit Medaillen aus Rio zurück.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp