Das Topmodel und sein Freund

Frage

In einem Artikel der Yellowpress heißt es:

… das Topmodel ist glücklich mit seinem Freund.

Ist das richtig oder heißt es „mit ihrem Freund“

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

streng nach der Grammatik stimmt die Form seinem. Nach der allgemeinen Regel richtet sich die Form des besitzanzeigenden Wortes (Possessivs) nach dem grammatischen Geschlecht (Genus) des Wortes, auf das es sich bezieht:

der Wald und seine Funktionen
die Wiese und ihre Bewohner

Auch bei Lebewesen gilt im Prinzip diese Übereinstimmung nach dem grammatischen Geschlecht. So heißt es zum Beispiel

die Amsel mit ihrem schwarzen Federkleid

obwohl viele auch ohne Ornithologiestudium wissen, dass nur die Amselmännchen schwarz sind.

Ein bisschen anders sieht es bei Menschen aus. Auch hier gilt im Prinzip die Übereinstimmung nach dem grammatischen Geschlecht:

Das Topmodel ist glücklich mit seinem Freund.
Das Mädchen spielt mit seiner Schwester.

Bevor Sie nun vielleicht anfangen sich zu wundern oder gar zu ärgern, kommt das große Aber. Diese Übereinstimmung des Possessivums mit dem grammatischen Geschlecht war gang und gäbe, als man unverheiratete Frauen noch ungeniert Fräulein nannte:

Er hätte nicht sagen können, ob das Fräulein mit seinem traurigen oder mit seinem erschrockenen Gesicht hübscher aussah.

Nach dieser artigen Rede setzte das Fräulein seinem Vater die Blumenkrone auf, und er umarmte es zärtlich.

Im heutigen Deutsch hingegen ist die Übereinstimmung mit dem natürlichen Geschlecht in solchen Fällen immer üblicher:

Das Topmodel ist glücklich mit ihrem Freund.
Das Mädchen spielt mit ihrer Schwester.

Die Form seinem in Ihrem Beispiel ist also nicht falsch, aber immer weniger üblich. Persönlich empfehle ich hier immer die Übereinstimmung mit dem natürlichen Geschlecht, also ihrem. Nur wenn die Bezeichnung Topmodel sich entgegen dem üblichen Sprachgebrauch auf einen Mann bezieht, ist mit seinem Freund die einzige richtige Formulierung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Von Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll zu Veganismus, Laktoseintoleranz und Helene Fischer

Keine Angst, ich werde keine gesellschaftskritische Kolumne beginnen! Es geht auch hier um Grammatik: Ein nicht mehr ganz taufrisches Zitat wirft Kongruenzfragen auf.

Frage

„Wann genau ist aus Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll eigentlich Veganismus, Laktoseintoleranz und Helene Fischer geworden?“ Muss es nicht „sind“ heißen?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

die Einzahl ist ist hier richtig. Wenn mit und verbundene Subjektteile als eine Einheit aufgefasst werden, kann das Verb entgegen der Grundregel auch in der Einzahl stehen (vgl. hier). Häufig stehen die Substantive dann wie hier ohne Artikel.

Das Subjekt ist hier „Veganismus, Laktoseintoleranz und Helene Fischer“. Es wird mit  „Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“ in Verbindung gebracht und wie dieses als ein Motto oder eine Lebenseinstellung aufgefasst:

„Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“ war das Motto. Heute ist das Motto „Veganismus, Laktoseintoleranz und Helene Fischer“.

Wann genau ist aus Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll eigentlich Veganismus, Laktoseintoleranz und Helene Fischer geworden?

Die Mehrzahl sind ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen, ich fände sie hier aber stilistisch weniger gut. Ähnliche Formulierungen:

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit war die Losung der Französischen Revolution.
Brot und Spiele funktioniert auch heute noch.
Jung und Alt kann hiervon profitieren.

Und wenn Sie sich immer noch nicht ganz mit der Einzahl anfreunden können, helfen in Ihrem Beispiel vielleicht Anführungszeichen dabei, das ist etwas leichter verdaulich zu machen:

Wann genau ist aus „Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“ eigentlich „Veganismus, Laktoseintoleranz und Helene Fischer“ geworden?

Die Antwort auf diese Frage muss ich Ihnen übrigens schuldig bleiben. Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll war nie mein Lebensmotto und andererseits esse ich Fleisch, vertrage ich zum Glück Milch und bin ich, wenn ich wählen kann, doch eher für Rock ’n’ Roll als Helene Fischers Schlager.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Dativ oder Genitiv: der Nachfolger von MS-DOS, dem klassischen Betriebssystem / des klassischen Betriebssystems?

Manchmal gefällt es mir einfach, sozusagen als Gegenpol zu den feurigen Verteidigern und Verteidigerinnen des Genitivs Fälle aufzuzeigen, in denen der Genitiv gerade fehl am Platz ist. So auch heute:

Frage

Ich wende ich mich wieder einmal mit einer Frage an Sie:

Der Nachfolger von MS-DOS, dem klassischen PC-Betriebssystem, …

oder

Der Nachfolger von MS-DOS, des klassischen PC-Betriebssystems, …

Welche Version würden Sie bevorzugen?

Antwort

Sehr geehrter Herr V.,

richtig ist hier die Übereinstimmung im Fall. Das Bezugswort MS-DOS steht im Dativ, den von verlangt. Eine Apposition (nähere Bestimmung in der Form eines Substantivs) mit Artikel sollte deshalb auch im Dativ stehen:

der Nachfolger von MS-DOS, dem klassischen PC-Betriebssystem
am Beispiel von China, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt
die Lieferung von Reis, diesem wichtigen Grundnahrungsmittel

Die Apposition steht dann im Genitiv, wenn auch das Bezugswort im Genitiv steht:

der Nachfolger des bekannten MS-DOS, des klassischen PC-Betriebssystems
am Beispiel Chinas, des bevölkerungsreichsten Landes der Welt
die Bedeutung des Reises, dieses wichtigen Grundnahrungsmittels

Der Fall der Apposition richtet sich hier also nicht nach dem Fall, der stehen könnte oder eventuell stehen sollte, sondern ganz einfach nach dem Fall, der wirklich verwendet wird.

Mehr Informationen zur Apposition und dem Fall, in dem sie steht, finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ein Grenzfall der Konjugation: Wenn ich oder mein Kind krank …

Wenn ein Satz ein mehrteiliges Subjekt hat und die Subjektteile mit oder verbunden sind, wird es oft ziemlich holprig. Das findet auch Frau G.

Frage

Wer kann mir weiterhelfen, wie ich folgenden Nebensatz richtig formuliere?

Wenn ich oder mein Kind krank ist …

Mich stört hier das Verb „ist“, würde in diesem Fall auch „sind“ passen?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

die Form sind ist hier nicht üblich. Sie steht dann, wenn die beiden Teile des Subjekts mit und verbunden sind:

Wenn ich und mein Kind (= wir) krank sind …

Wenn die Subjekteile mit oder verbunden sind, ist diese Zusammenziehung zu wir nicht möglich.

Möglich ist die Form ist:

Wenn ich oder mein Kind krank ist …

Bei einer solchen Verbindung mit oder richtet sich das Verb in der Regel nämlich nach dem Subjektteil, der ihm am nächsten steht. Weitere Beispiele:

Wenn deine Schwester oder du etwas gesagt hättest …
Wenn du oder deine Schwester etwas gesagt hätte …

Sie oder Ihr Rechtsvertreter wird rechtzeitig informiert.
Ihr Rechtsvertreter oder Sie werden rechtzeitig informiert.

Solche Sätze klingen aber oft ziemlich seltsam oder unnatürlich. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Verbform ist des Beispielsatzes in Ihrer Frage Sie stört. Aus diesem Grund ist es oft besser, auf eine andere Formulierung auszuweichen. Zum Beispiel:

Wenn jemand von uns – ich oder mein Kind – krank ist …
Wenn ich krank bin oder mein Kind es ist …

Wenn eine von euch, du oder deine Schwester, etwas gesagt hätte …
Wenn du und deine Schwester nicht geschwiegen hätten …

Man wird Sie oder Ihren Rechtsvertreter rechtzeitig informieren.
Wir informieren Sie oder Ihren Rechtsvertreter rechtzeitig.

Siehe auch diese Seite unter „Zwei verschiedene Personen mit oder“.

Manchmal stößt man in der Grammatik an die Grenzen des Möglichen. Die Regel kennen ist dann gut, flexibel und einfallsreich formulieren aber besser!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Für sich selbst oder für einen selbst?

Frage

Wie wird am besten und vor allem richtig formuliert?

Als Kissen ist es ein wunderbares Geschenk für andere oder für einen selbst.

oder

Als Kissen ist es ein wunderbares Geschenk für andere oder für sich selbst.

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

richtig ist hier einen:

Als Kissen ist es ein wunderbares Geschenk für andere oder für einen selbst.

Das Reflexivpronomen sich wird dann verwendet, wenn es mit dem Subjekt des Satzes identisch ist. Das Subjekt ist hier aber nicht man, sondern es (das Kissen). Deshalb steht nicht das Reflexivpronomen sich, sondern das Indefinitpronomen einen. Der Akkusativ einen vertritt hier man, das ja nur im Nominativ verwendet werden kann.

Das heißt jetzt aber nicht, dass unpersönliches für sich selbst immer vermieden werden sollte. Ganz im Gegenteil! Man verwendet in unpersönlichen Formulierungen dann sich selbst, wenn auch bei persönlichen Formulierungen sich selbst steht, also wenn es mit dem Subjekt identisch ist:

Er kauft das Kissen für sich selbst.
Sie kauft das Kissen für sich selbst.
Man kauft das Kissen für sich selbst.

In unpersönlichen Formulierungen steht dann einen selbst (oder im Dativ einem selbst) wenn in persönlichen Formulierungen das Personalpronomen steht:

Es ist ein wunderbares Geschenk für andere oder für ihn selbst.
Es ist ein wunderbares Geschenk für andere oder für sie selbst.
Es ist ein wunderbares Geschenk für andere oder für einen selbst.

Er behält es, weil es ihm selbst so gut gefällt …
Sie behält es, weil es ihr selbst so gut gefällt …
Man behält es, weil es einem selbst so gut gefällt …

… und weil er/sie/man sich selbst ja sonst nichts gönnt.

Zum Schluss noch eine Bemerkung ganz anderer Art: Es ist im Rahmen einer geschlechtergerechteren Formulierung immer wieder überlegenswert, ob es nicht auch anders als mit den männlichen Formen einen und einem gesagt werden kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Eure Liebe und Zuneigung sucht …esgleichen

Frage

„Eure Liebe und Zugneigung sucht seinesgleichen“, sagt der Junge im Radio über seine Eltern. Meines Erachtens muss es heißen: „Eure Liebe und Zuneigung sucht ihresgleichen.“ Wie ist es richtig?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

auch ich würde hier eher ihresgleichen als seinesgleichen nehmen:

Eure Liebe und Zuneigung sucht ihresgleichen.

Viel besser wäre allerdings:

Eure Liebe und Zuneigung suchen ihresgleichen.

Die Erklärung ist nicht einfach. Die Wahl seinesgleichen im zitierten Satz ist nämlich nicht unbegreiflich. Die Form des Indefinitpronomens …esgleichen richtet sich danach, worauf es sich bezieht. Hier bezieht es sich auf Liebe und Zuneigung, also auf zwei Substantive oder, anders gesagt, auf einen Plural der dritten Person. Daraus folgt, dass man die Form ihresgleichen der dritten Person Plural wählen sollte.

Der pluralische Charakter der Wortgruppe, auf die sich das Indefinitpronomen bezieht, ist aber gar nicht so eindeutig. Im zitierten Satz steht das Verb nämlich in der Einzahl (sucht). Wenn zwei durch und verbundene Subjektteile ein gemeinsames Artikelwort haben, das nur einmal genannt wird (hier: eure), können sie als eine Einheit angesehen werden. Das Verb kann dann ganz korrekt auch im Singular stehen (vgl. hier):

Eure Liebe und Zuneigung ist einzigartig oder
Eure Liebe und Zuneigung sind einzigartig.

Eure Liebe und Zuneigung kennt keine Grenzen oder
Eure Liebe und Zuneigung kennen keine Grenzen.

So weit, so gut, denn nun beginnt die große Unsicherheit. Wenn das Verb im Singular steht und wenn sich das Indefinitpronomen wie hier nach dem Subjekt richten muss, handelt es sich dann in diesem Satz um ein pluralisches Subjekt (zwei Nomen) oder um ein singularisches Subjekt (Verb im Singular)? Wenn man es als singularisches Subjekt ansieht, ist es dann männlich, weiblich oder sächlich? Es gibt dann eine starke Tendenz, diese Einheit als sächliches „Etwas“ zu verstehen und deshalb wie der Junge im Radio die sächliche Einzahlform seinesgleichen zu wählen.

Eure Liebe und Zuneigung sucht seinesgleichen.

Die Wahl für seinesgleichen ist also gar nicht so unverständlich. Ist sie aber auch korrekt? Ich denke, dass viele wie ich seinesgleichen hier für sehr zweifelhaft halten. Es ist besser, ihresgleichen zu wählen. In Kombination mit der Einzahl des Verbs „holpert“ aber auch die Formulierung mit ihresgleichen sehr. Es ist deshalb am besten, das Verb in den  Plural zu setzen:

Eure Liebe und Zuneigung suchen ihresgleichen.

… oder auf eine Formulierung mit einzigartig auszuweichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Fall der als kompliziertes Phänomen geltenden als-Gruppe

Die als-Gruppen haben es Ihnen in angetan. In letzter Zeit jedenfalls haben viele Ihrer Fragen mit diesem Thema zu tun. Es ist auch ein Gebiet der deutschen Grammatik, in der es viele Formulierungsmöglichkeiten und Unsicherheiten gibt. Mit der Grundregel „Die als-Gruppe steht im gleichen Fall, wie das Wort, auf das sie sich bezieht” kommt man nämlich sehr oft nicht sehr weit. Auch bei der heutigen Frage ist dies so:

Frage

Heißt es „dem als Held verehrten Mann“ oder „dem als Helden verehrten Mann, „den als Wissenschaftler arbeitenden Männern“ oder „den als Wissenschaftlern arbeitenden Männern“? Ich bin der Meinung, dass jeweils die erste Version richtig ist, aber seit mir widersprochen wurde, bin ich nicht mehr ganz sicher.

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

in beiden Fällen ist Ihre Formulierung korrekt. Die als-Gruppe steht nach der Grundregel im gleichen Fall wie das Substantiv, auf das sie sich bezieht. In diesen Beispielen kommt aber hinzu, dass die als-Gruppe von einem Partizip abhängig ist. Dann hat die als-Gruppe den gleichen Kasus wie im entsprechenden Satz:

Der Mann wird [von vielen] als Held verehrt.

der [von vielen] als Held verehrte Mann
den [von vielen] als Held verehrten Mann
dem [von vielen] als Held verehrten Mann
des [von vielen] als Held verehrten Mannes

Die Männer arbeiten als Wissenschaftler.

die als Wissenschaftler arbeitenden Männer
den als Wissenschaftler arbeitenden Männern
der als Wissenschaftler arbeitenden Männer

Die von einem Partizip abhängigen als-Gruppen als Held und als Wissenschaftler stehen also immer im Nominativ. Sie beziehen sich sozusagen auf das Subjekt der Verbhandlung, die vom Partizip ausgedrückt wird.

Hier noch ein Beispiel mit einem Adjektiv:

Der Mann arbeitet als freier Künstler.

der als freier Künstler arbeitende Mann
den als freier Künstler arbeitenden (nicht: als freien Künstler arbeitenden)
dem als freier Künstler arbeitenden Mann (nicht: als freiem Künstler arbeitenden)
des als freier Künstler arbeitenden Mann (nicht: als freien Künstlers arbeitenden)

Und mit wie funktioniert es übrigens genau gleich:

Der Filmregisseur arbeitet wie ein Besessener.

dem wie ein Besessener arbeitenden Filmregisseur

Das Tier sieht wie ein Mammut aus.

eines wie ein Mammut aussehenden Tieres

Wenn wir als Muttersprachige nicht in Regeln denken, geht es hier zum Glück meistens automatisch gut. Falls Sie aber wegen dieser als kompliziertes Phänomen geltenden als-Gruppe wieder einmal unsicher werden, können Sie auch hier nachschauen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Als wer oder wen gibt man sich aus?

Wenn es nicht um die Rechtschreibung geht, gehören mit als eingeleitete Wortgruppen zu den größten Fragenlieferanten! In welchem Fall steht die als-Gruppe? Hier wieder einmal ein Spezialfall: als und reflexive Verben:

Frage

Ist in folgendem Satz der Nominativ „ich“ oder der Akkusativ „mich“ richtig?

Er hat sich als ich ausgegeben.
Er hat sich als mich ausgegeben

Antwort

Guten Tag H.,

Wenn eine als-Gruppe wie hier von einem reflexiven Verb abhängig ist, steht sie gewöhnlich im Nominativ und nicht wie das Reflexivpronomen im Akkusativ:

Der Mann spielte sich gern als großer Gönner auf.
Wie stellt man sich als neuer Nachbar vor?
Du siehst dich wohl als der Retter des Universums.
Er gibt sich als ihr bester Freund aus.

Die als-Gruppe bezieht sich also auf das Subjekt und nicht auf das Reflexivpronomen.

Nur noch selten (nicht mehr bei echten reflexiven Verben) wird auch der Bezug auf das Reflexivpronomen gemacht. Dann steht der Akkusativ:

Du siehst dich wohl als den Retter des Universums.
Er gibt sich als ihren besten Freund aus.

Siehe auch hier.

Das beantwortet Ihre Frage aber noch nicht ganz. Wenn die als-Gruppe ein Personalpronomen ist, scheint die Lage etwas anders zu sein. Dann kommt bei reflexiv verwendeten Verben der Akkusativ häufiger vor:

Er gibt sich als mich aus.

Der Nominativ ist aber auch möglich:

Er gibt sich als ich aus.

Und wenn Sie einmal gar nicht mehr wissen, was nun möglich ist: Die Unsicherheit lässt sich hier elegant mit für umgehen:

Er gibt sich für mich aus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn »A und B ist« richtig ist

Die meisten von uns haben auf der Schule gelernt, dass bei einem zweiteiligen Subjekt, bei dem die Subjektteile mit und verbunden sind, das Verb im Plural stehen muss:

Die alte Dame und ihr Sohn gingen jeden Tag im Park spazieren.
Nach der Werbung folgen der TV-Krimi und ein Diskussionsprogramm.

So weit, so einfach. Es gibt aber Ausnahmen. Diese Ausnahmen gleiten meist unbemerkt an uns vorbei, doch Sie können verunsichern, wenn wir darüber nachdenken und uns daran erinnnern, was wir auf der Schule gelernt haben. Hier die Frage von Frau S.:

Frage

Es geht um die korrekte Formulierung des folgenden Satzes:

Natürlich war dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.
Natürlich waren dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.

Selbst denke ich, dass die zweite Version korrekt ist. Mir fehlt jedoch die fachgerechte Begründung.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

beide Sätze sind richtig formuliert.

Das Verb kann nach der allgemeinen Grundregel im Plural stehen, weil das Subjekt aus zwei mit und verbundenen Teilen besteht.

Natürlich waren dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.

Das Verb kann aber auch im Singular stehen, weil die beiden Subjektteile eng miteinander verbunden sind und als eine Einheit aufgefasst werden. Das sieht man daran, dass sie eine gemeinsame Bestimmung haben: sehr viel bezieht sich sowohl auf Kleinarbeit als auch auf Konzentration:

Natürlich war dafür sehr viel Kleinarbeit und Konzentration notwendig.

Weitere Beispiele von Sätzen, in denen ein mehrteiliges Subjekt mit und eine gemeinsame Bestimmung hat und als eine Einheit aufgefasst werden kann:

Viel Glück und Sonnenschein soll dich begleiten.
Viel Glück und Sonnenschein sollen dich begleiten.

Münsters Grund und Boden ist zehn Milliarden Euro wert.
Münsters Grund und Boden sind zehn Milliarden Euro wert.

Ihre totale Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit war unerträglich.
Ihre totale Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit waren unerträglich.

Zum diesem Thema gäbe es noch viel mehr zu sagen. Die Grundregel sowie weitere Ausnahmen und Beispiele finden Sie auf dieser Seite in der LEO-Grammatik. Wie so oft sind auch hier die Übergänge zwischen der Grundregel und den Ausnahmen fließend. Als kleiner Trost für nun ganz Verunsicherte kann gelten: Der Plural ist hier (fast) immer richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn Sie bzw. eine andere Person mit dem Auto anreis…

Im Prinzip ist es ja ganz einfach: Das Verb richtet sich in Person und Numerus nach dem Subjekt. Problematisch wird es dann, wenn das Subjekt aus mehreren unterschiedlichen Teilen besteht. Das ist genau das Problem, vor das sich Frau J. gestellt sieht:

Frage

Ich benötige Ihre Hilfe bei folgendem Satz:

Wenn Sie bzw. die von Ihnen genannte Person mit dem Auto anreisen, geben Sie uns Bescheid.

Das Verb „anreisen“ passt ja eigentlich nur für „Sie“, nicht aber bei „wenn die von Ihnen berechtige Person mit dem Auto anreisen“. Wie gehe ich hier vor?

Antwort

Sehr geehrte Frau J.,

eine in Stein gemeißelte Regel zu dieser Frage gibt es nicht. Wenn das Subjekt eines Satzes aus zwei Teilen besteht, die mit oder oder bzw. verbunden sind und unterschiedlichen grammatischen Personen entsprechen, richtet sich das Verb meistens nach der Person, die ihm am nächsten steht.

Für Ihr Beispiel bedeutet diese wortreiche Erklärung, dass das Verb sich nach die von Ihnen genannte Person richtet, weil dieser Teil des Subjekts näher beim Verb steht:

Wenn Sie bzw. die von Ihnen genannte Person mit dem Auto anreist, geben Sie uns Bescheid.

Oder umgekehrt:

Wenn die von Ihnen genannte Person bzw. Sie selbst mit dem Auto anreisen, geben Sie uns Bescheid.

Zwei weitere Beispiele:

Entweder du oder sie kommt jetzt sofort her.
Entweder sie oder du kommst jetzt sofort her.

Ihr oder eure Vertretung wird rechtzeitig informiert werden.
Eure Vertretung oder ihr werdet rechtzeitig informiert werden.

Manche Stirn wird sich beim Lesen dieser Beispielsätze runzeln. Zusammenziehungen dieser Art klingen oft holprig oder gezwungen. Deshalb folgt nun noch ungefragt ein stilistischer Rat: Am besten vermeidet man solche Zusammenziehungen, zum Beispiel durch eine Umschreibung mit einem (unbestimmten) Pronomen:

Du oder sie, eine von euch kommt jetzt sofort her!
Wir werden euch resp. eure Vertretung rechtzeitig informieren.
Wenn jemand, d. h. Sie bzw. die von Ihnen genannte Person, mit dem Auto anreist, geben Sie uns Bescheid.

Oder vielleicht noch besser einfach:

Bei Anreise mit dem Auto geben Sie uns Bescheid.

Siehe auch die entsprechende Beschreibung auf dieser Seite.

Ich finde Fälle wie diesen ein schönes Beispiel dafür, dass man nicht immer versuchen sollte, auf Biegen und Brechen eine grammatisch korrekte Lösung zu finden. Guter Umgang mit Sprache kann sich auch darin zeigen, dass man solche Hürden elegant umgeht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp