Hast du mir noch ein Auto?

Sehr geehrtes Canoo-Team

Ich hätte da mal eine Frage: Stimmt diese Frage gramatikalisch?

Hast du mir noch ein Auto?

Es wäre sehr freundlich wenn sie mir antworten könnten, da es deswegen schon Streit gibt.

Mit freundlichen Grüßen
K.

Antwort:

Guten Tag K.,

als Linguist finde ich es gut, dass auch andere sich für Sprachfragen interessieren. Ich hoffe dennoch, dass Sie sich deswegen nicht allzu heftig streiten. Auch Sprachfragen sollte man meiner Meinung nach nicht ganz so seriös nehmen. Zu Ihrer Frage:

Die Frage Hast du mir noch ein Auto? scheint mir korrekt zu sein. Der Satz kommt mir zwar nicht ganz unbescheiden vor – ich würde bei dieser ungezwungenen Frageform nicht gleich ein Auto, sondern eher einen Tipp oder fünf Euro erwarten -, aber er entspricht den Grammatikregeln des Deutschen. Er bedeutet so viel wie Hast du noch ein Auto für mich? Dieses für mich kann auch als Dativobjekt mir ausgedrückt werden. Ein anderes Beispiel ist: Er öffnet mir die Tür = Er öffnet die Tür für mich. Es handelt sich hierbei um einen sogenannten „Dativus commodi“, einen Dativ des Vorteils. Im Dativ steht dann eine Person, zu deren Vorteil oder Gunsten etwas geschieht. Siehe „Freier Dativ“ in der Canoonet-Grammatik.

In Verbindung mit dem Verb haben ist diese Konstruktion allerdings stilmäßig vielleicht eher umgangssprachlich als standardsprachlich. Es ist möglich, dass Sie sich aus diesem Grund nicht einig sind, ob der Satz stimmt. Die Frage lautet dann aber nicht, ob er grammatikalisch richtig ist (das ist er), sondern vielmehr ob er stilistisch gut formuliert ist. Im Gespräch unter Freunden und Kollegen ist er meiner Meinung sehr gut vertretbar, in z.B. einem offiziellen Schreiben würde ich eher eine andere Formulierung verwenden. Aber beim Stil geht es sehr schnell um eine Geschmacksfrage, und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht(???) streiten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Laufen wie die Hasen

Frage eines Canoonet-Benutzers:

Ich hab mal eine ganz einfache Frage: Es geht um folgende Schreibweisen bzw. die Setzung des Kommas.

Sie laufen wie die Hasen.

In diesem Fall gibt es kein Komma bzw. es fällt weg. Es gibt auch folgende Schreibeweisen:

Sie sind gelaufen, wie die Hasen.
Sie sind wie die Hasen gelaufen.

Kann der erste Satz auch ohne Komma geschrieben werden (Sie sind gelaufen wie die Hasen)? Aber „wie die Hasen“ kann dann nicht an letzter Stelle stehen, weil das Verb die letzte Position (wie bei Satz 2) einnehmen muss, oder?

Antwort:

Sehr geehrter Herr K.,

wenn jemand sagt, es sei nur eine ganz einfache Frage, werde ich beinahe ein bisschen nervös. Die Antwort auf „einfache“ Sprachfragen ist nämlich oft ziemlich kompliziert. Zum Glück ist dies dank unserer Grammatikseiten bei dieser Frage weniger der Fall.

Richtig ist nur die Schreibweise ohne Komma:

Sie laufen wie die Hasen.
Sie sind wie die Hasen gelaufen.
Sie sind gelaufen wie die Hasen.

Bei Vergleichen mit „als“ und „wie“ steht nur dann ein Komma, wenn „als“ oder „wie“ einen Nebensatz einleiten. Siehe Rechtschreibregel.

Im dritten Beispielsatz steht „wie die Hasen“ am Schluss des Satzes, obwohl nach einer Grundregel der deutschen Satzstellung das Partizip „gelaufen“ den Satz abschließen müsste. Eine solche Satzstellung ist aber dennoch korrekt. Mit „als“ oder „wie“ eingeleitete Satzteile stehen in Vergleichssätzen sehr oft an letzter Stelle. Siehe hierzu:

Vergleiche mit „als“ und „wie“ im Nachfeld
und allgemeiner:
Die Besetzung des Nachfeldes.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wortstellung „es dir“ oder „dir es“?

Herr K. fragt:

Sehr geehrten Damen und Herren,

ich hätte nur eine kurze Frage zur Satzstellung. Ich habe folgende Sätze:

Ich habe es dir gestern gesagt.
Ich habe dir es gestern gesagt.

oder

Ich habe dir den Satz gestern gesagt.
Ich habe den Satz dir gestern gesagt.

Können die Wortstellung in beiden Sätzen verwendet werden oder ist jeweils der zweite Satz nicht möglich?

Ich hoffe, sie können mir eine kurze Antwort geben.

Besten Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort:

Sehr geehrter Herr K.,

Um die Antwort auf Ihre Frage gleich vorwegzunehmen:

A)
Ich habe es dir gestern gesagt. = richtig
Ich habe dir es gestern gesagt. = falsch oder sehr unüblich

B)
Ich habe dir den Satz gestern gesagt. = richtig
Ich habe den Satz dir gestern gesagt. = richtig, aber üblicherweise nur dann, wenn „dir“ betont wird und hervorgehoben werden soll. Also: Ich habe den Satz DIR (und nicht jemand anderem) gestern gesagt.

Die Wortstellung ist im Deutschen relativ frei und gleichzeitig sehr komplex, da sie von verschiedenen einander beeinflussenden und zum Teil widersprechenden Kriterien abhängig ist. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle all diese Kriterien für ihre Beispielsätze zu erläutern. Falls Sie daran interessiert sind, verweisen wir Sie auf die folgenden Stellen in unserer Online-Grammatik:

Zu A): Die Stellung der Objekte im Mittelfeld, Dativobjekt und Akkusativobjekt, dort Abschnitt „Objekte = Pronomen“.

Zu B): Pronomen vor Nomen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr.  Bopp