Meint er die Anschuldigung gegen sich oder gegen ihn?

Frage

Wie heißt es richtig?

– Jede Anschuldigung gegen sich weist er von sich.
– Jede Anschuldigung gegen ihn weist er von sich.

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

die kurze Antwort lautet: Hier ist sowohl sich als auch ihn möglich. Im zweiten Fall ist der Satz eventuell nicht eindeutig, weil mit ihn auch eine andere Person gemeint sein könnte. Es ist allerdings meistens so, dass man aus dem weiteren Satzzusammenhang schließen kann, wer mit ihn gemeint ist.

Und hier die lange Antwort:  Das Reflexivpronomen sich wird dann anstelle des Personalpronomens ihn oder sie verwendet, wenn es mit dem Subjekt des Satzes identisch ist. Das allbekannte Standardbeispiel lautet:

Er wäscht ihn.
= ein andere Person, ein Tier oder eine Sache mit männlichem Genus

Er wäscht sich.
= sich selbst

So weit ist alles recht einfach. Die Unsicherheit entsteht nun, weil Ihr Satz eigentlich zwei Verben enthält, nämlich von sich weisen und anschuldigen. Das zweite Verb erscheint hier in der Form der Substantivierung Anschuldigung.

Das Subjekt des ganzen Satzes und der Angeschuldigte sind identisch, deshalb erwarten wir das Reflexivpronomen sich:

Jede Anschuldigung gegen sich weist er von sich.

Das stimmt allerdings nicht ganz, denn das Pronomen sich ist eigentlich nicht von weisen abhängig, sondern von anschuldigen. Weiter gilt, dass das Subjekt, das man zu anschuldigen ergänzen muss, und der Angeschuldigte nicht identisch sind. Wir müssten also mit ihn auf den Angeschuldigten, das Objekt der Anschuldigung, verweisen:

Er weist von sich, dass man/jemand ihn anschuldigt.
Jede Anschuldigung gegen ihn weist er von sich.

In solchen Fällen wird trotzdem sehr oft sich verwendet. Das Reflexivpronomen verdeutlich hier besser als ihn, wer genau gemeint ist, nämlich das Subjekt des Gesamtsatzes und nicht etwa eine andere Person.

Ganz ohne Kontext wird die Sache aber auch mit sich nicht immer wirklich eindeutig:

Sie konnte sein Gerede über sie nicht ertragen. (über sie oder über eine dritte Person?)
Sie konnte sein Gerede über sich nicht ertragen. (über ihn oder über sie?) 

Es steht Ihnen also frei, in Ihrem Satz ihn oder sich zu verwenden – und wenn man Ihnen vorwirft, Sie hätten einen Fehler gemacht, können Sie diese Anschuldigung gegen sich/Sie zu Recht von sich weisen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Namen der Fälle

Die Fälle gehören sozusagen zu meinem Handwerkszeug. Ich schlage mich fast täglich mit den Begriffen Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ herum. Ich hatte zwar schon eine Ahnung, woher diese Namen kommen und was sie ungefähr bedeuten, aber ich habe es nun endlich einmal für mich herausgesucht – und für Sie.

Die Begriffe Kasus, Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ haben wir wie so viele andere zusammen mit der traditionellen Grammatik von den Lateinern übernommen. Diese wiederum verwendeten für ihre Sprachbeschreibung Lehnübersetzungen aus der griechischen Grammatik.

Fangen wir mit Fall an: Das deutsche Wort ist die wörtliche Entsprechung des lateinischen Wortes casus. Es ist in dieser Bedeutung eine Übersetzung des griechischen Wortes ptõsis (das Fallen, der Fall), das schon von den alten griechischen Grammatikern für die Bezeichnung der grammatischen Fälle verwendet wurde.

Der Nominativ war der (casus) nominativus, der benennende Fall. Bei den Griechen hieß er onomastiké ptõsis, wörtlich namengebender Fall. Es ist der Fall, den man beim Bennennen verwendet. Das gleiche nomin- steht zum Beispiel auch im Fachwort Nominalwert. Nominalwert oder Nennwert ist die Bezeichnung des Wertes, der auf einer Münze, einer Banknote o. Ä. angegeben wird.

Der Genitiv geht über (casus) genitivus auf geniké ptõsis zurück, den die Gattung, Herkunft, Abstammung bezeichnenden Fall. Im Lateinischen wurde er als Fall interpretiert, der die Abhängigkeit eines Substantivs von einem anderen angibt. Dem gen in Genitiv begegnen wir auch zum Beispiel in Generation, genetisch, das Gen usw.

Der Dativ kommt von (casus) dativus und dieser von dotiké ptõsis, zum Geben gehörender Fall. Es ist der Fall, in dem häufig die Person oder Sache steht, die bei einem Verb des Gebens das Gegebene erhält. Das lateinische Adjektiv dativus ist von datum abgeleitet, dem zum Verb dare = geben gehörenden Partizip. Das dat in Dativ finden wir unter anderem auch in dem heute so wichtigen Wort Daten. Die Daten sind eigentlich nichts anderes als das Gegebene. Die Bezeichnung Datum für die Angabe eines bestimmten Tages geht auf den lateinischen Gebrauch zurück, in Briefen anzugeben, wann ein Schriftstück datum, also gegeben oder ausgestellt wurde.

Bleibt noch der Akkusativ. Er kommt von (casus) accusativus, der zur Anklage gehörende Fall (vgl. engl. to accuse, frz. accuser). Hier sind sich viele Gelehrte – aber natürlich nicht alle! – einig, dass den Lateinern bei der Übersetzung des griechischen Begriffes aitiatiké ptõsis ein Fehler unterlaufen sei. Gemeint sei nicht der Fall der Anklage, des Anklagens, sondern der Fall der Ursache, des Grundes. Auf die Details der Diskussion will ich hier nicht weiter eingehen, das könnte Ihre (und nicht zuletzt auch meine) Geduld überstrapazieren.

Bei den Fällen haben wir es also wortgeschichtlich mit dem Nennfall, dem Herkunftsfall, dem Gebefall und dem Anklagefall zu tun. Das ist auf den ersten Blick relativ aussagekräftig, aber ich bezweifle, dass diese Namen viel hilfreicher sind als die üblichen deutschen Bezeichnungen Werfall, Wesfall, Wemfall und Wenfall.

Wenn Sie bzw. eine andere Person mit dem Auto anreis…

Im Prinzip ist es ja ganz einfach: Das Verb richtet sich in Person und Numerus nach dem Subjekt. Problematisch wird es dann, wenn das Subjekt aus mehreren unterschiedlichen Teilen besteht. Das ist genau das Problem, vor das sich Frau J. gestellt sieht:

Frage

Ich benötige Ihre Hilfe bei folgendem Satz:

Wenn Sie bzw. die von Ihnen genannte Person mit dem Auto anreisen, geben Sie uns Bescheid.

Das Verb „anreisen“ passt ja eigentlich nur für „Sie“, nicht aber bei „wenn die von Ihnen berechtige Person mit dem Auto anreisen“. Wie gehe ich hier vor?

Antwort

Sehr geehrte Frau J.,

eine in Stein gemeißelte Regel zu dieser Frage gibt es nicht. Wenn das Subjekt eines Satzes aus zwei Teilen besteht, die mit oder oder bzw. verbunden sind und unterschiedlichen grammatischen Personen entsprechen, richtet sich das Verb meistens nach der Person, die ihm am nächsten steht.

Für Ihr Beispiel bedeutet diese wortreiche Erklärung, dass das Verb sich nach die von Ihnen genannte Person richtet, weil dieser Teil des Subjekts näher beim Verb steht:

Wenn Sie bzw. die von Ihnen genannte Person mit dem Auto anreist, geben Sie uns Bescheid.

Oder umgekehrt:

Wenn die von Ihnen genannte Person bzw. Sie selbst mit dem Auto anreisen, geben Sie uns Bescheid.

Zwei weitere Beispiele:

Entweder du oder sie kommt jetzt sofort her.
Entweder sie oder du kommst jetzt sofort her.

Ihr oder eure Vertretung wird rechtzeitig informiert werden.
Eure Vertretung oder ihr werdet rechtzeitig informiert werden.

Manche Stirn wird sich beim Lesen dieser Beispielsätze runzeln. Zusammenziehungen dieser Art klingen oft holprig oder gezwungen. Deshalb folgt nun noch ungefragt ein stilistischer Rat: Am besten vermeidet man solche Zusammenziehungen, zum Beispiel durch eine Umschreibung mit einem (unbestimmten) Pronomen:

Du oder sie, eine von euch kommt jetzt sofort her!
Wir werden euch resp. eure Vertretung rechtzeitig informieren.
Wenn jemand, d. h. Sie bzw. die von Ihnen genannte Person, mit dem Auto anreist, geben Sie uns Bescheid.

Oder vielleicht noch besser einfach:

Bei Anreise mit dem Auto geben Sie uns Bescheid.

Siehe auch die entsprechende Beschreibung auf dieser Seite.

Ich finde Fälle wie diesen ein schönes Beispiel dafür, dass man nicht immer versuchen sollte, auf Biegen und Brechen eine grammatisch korrekte Lösung zu finden. Guter Umgang mit Sprache kann sich auch darin zeigen, dass man solche Hürden elegant umgeht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nichts als Ärger, nichts wie weg!

Frage

Mein Telekommunikationsdienster (betrifft alle :-)) macht nichts als Ärger. Man würde hier nicht „wie“ benutzen. Warum sagt man dann „Nichts wie weg!“?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

wie Ihr Stoßseufzer über den Telefonanbieter zeigt, steht nach nichts standardsprachlich als, nicht wie:

Er macht nichts als Ärger.
Nichts als Ratlosigkeit auf der Krim
Sie wollte nichts als weggehen und in Ruhe gelassen werden.

Rein umgangssprachlich (und standardsprachlich nichkt korrekt) kommt in solchen Sätzen mit nichts auch wie vor:

Er macht nichts wie Ärger.
Sie wollte nichts wie weggehen und ihre Ruhe haben.

Die Formulierung

Nichts wie weg!

gehört ebenfalls zur Umgangssprache und ist dort zu einer festen Wendung geworden. Es wäre auf dieser Sprachebene sogar falsch, „nichts als weg!“ zu sagen. Umgekehrt wird „nichts wie weg!“ kaum in einem formelleren standardsprachlichen Zusammenhang verwendet, in dem nach nichts ausschließlich als richtig ist. In dieser Weise bleiben die beiden Sprachebenen hier einmal säuberlich getrennt.

Wenn also jemand nichts als Ärger macht, denkt man für sich ganz umgangssprachlich: „Nichts wie weg!“, sagt aber standardsprachlich und formell: „Ich habe leider noch einen Termin.“

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Konjunktion »statt« statt der Präposition »statt«

Das Wörtchen statt sorgt oft für eine gewisse Unsicherheit. Es kann nämlich als Präposition, die den Genitiv fordert, aber auch als Konjunktion, die nicht fallbestimmend ist, verwendet werden (siehe hier). Wann statt in welcher Funktion auftreten kann oder muss, war (und ist) auch mir nicht immer klar. Es folgt ein Klärungsversuch anhand der Frage von H.:

Frage

a) Darf man in den folgenden beiden Sätzen den Dativ verwenden oder ist hier nur der Genitiv richtig?

Sie kommt statt ihres Bruders.
Sie kommt statt seiner.

Sie kommt statt ihrem Bruder.
Sie kommt statt ihm.

b) Kann „statt“ im folgenden Satz sowohl Präposition als auch Konjunktion sein?

Sie macht eine Torte statt eines Kuchens.
Sie macht eine Torte statt einen Kuchen.

Antwort

Guten Tag H.,

nach der Präposition statt kann standardsprachlich nicht der Dativ stehen (vgl. hier). Es heißt also nicht:

*Sie kommt statt ihrem Bruder.
*Sie kommt statt ihm.
*Sie macht eine Torte statt einem Kuchen.

Damit ist aber noch lange nicht alles gesagt. In Ihren Beispielen kann statt sowohl Präposition als auch Konjunktion sein. Welche Variante man hier wählt, ist eine stilistische Frage. Viele ziehen die Präposition mit Genitiv vor:

Sie kommt statt ihres Bruders.
Sie kommt statt seiner.
Sie macht eine Torte statt eines Kuchens.

Als Konjunktion ist statt hier im Prinzip auch korrekt. Dies wird aber nicht von allen als standardsprachlich gut akzeptiert:

Sie kommt statt ihr Bruder.
Sie kommt statt er.
Sie macht eine Torte statt einen Kuchen.

In Fällen wie diesen, das heißt in Verbindung mit einem Subjekt oder einem Akkusativobjekt, ist es deshalb zu empfehlen, die Präposition mit Genitiv zu verwenden (zu den üblichen Sonderfällen siehe hier).

In Verbindung mit einem Dativobjekt und in einer Präpositionalgruppe ist es umgekehrt zu empfehlen oder sogar obligatorisch, die Konjunktion statt zu verwenden:

Du solltest es lieber ihr statt ihm geben.

Hier steht ihm im Dativ, weil es wie ihr vom Verb geben abhängig ist, das den Dativ verlangt. Die Konjunktion statt hat keinen Einfluss auf den Fall des ihr nachfolgenden Wortes. Ebenso zum Beispiel:

Warum hilfst du ihnen statt deinen eigenen Kindern?
Sie hat es mir statt dir gesagt.

Auch bei Präpositionalgruppen scheint nur die Konjunktion statt üblich zu sein (meist mit Wiederholung der Präposition):

Ich gehe lieber mit dir statt [mit] meinem Bruder.
Warum bist du immer für ihn statt [für] mich?

Wenn hier die Präposition mit Genitiv verwendet wird, entstehen Sätze, bei denen die „Rollenverteilung“ unklar oder verwirrend ist:

*Du solltest es lieber ihr statt meiner geben.
*Warum hilfst du ihnen statt deiner eigenen Kinder?
*Sie hat es mir statt deiner gesagt.

*Ich gehe lieber mit dir statt meines Bruders.
*Warum bist du immer für ihn statt meiner?

Wenn statt in Verbindung mit einem Dativobjekt oder innerhalb einer Präpositionalgruppe steht, sollte man es deshalb als Konjunktion verwenden, die keinen Einfluss auf den Fall des nachfolgenden Wortes hat.

Es ist nicht einfach, eine klare Trennlinie zwischen der Präposition statt und der Konjunktion statt zu ziehen. Aus dem oben Gesagten lässt sich aber eine Regel – die ich vorsichtshalber lieber eine Tendenz oder eine Faustregel nenne – ableiten:

  • In Verbindung mit einem Subjekt oder Akkusativobjekt: besser Präposition statt mit Genitiv
  • In Verbindung mit einem Dativobjekt oder in einer Präpositionalgruppe: Konjunktion statt 

Mit einem einfachen „Nach statt steht der Genitiv!“ ist es also nicht getan. Es gibt Fälle, in denen man die nicht fallbestimmende Konjunktion statt statt der den Genitiv fordernden Präposition statt verwenden muss. (Diesen letzten Satz habe ich so kompliziert formuliert, weil er dann so schön zur Komplexität des Themas passt.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ihr alle, die mir gratuliert hab… – wie geht’s weiter?

Frage

Deutsch ist meine Muttersprache, doch sicher gibt es dennoch immer mal etwas, worüber es sich nachzudenken lohnt. So meinte letztens jemand, er müsste mich darauf aufmerksam machen,

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die mir zum Geburtstag gratuliert haben.

sei falsch. Er teilte mir aber nicht mit, welche Korrektur ihm vorschwebte. […] Ganz ungebräuchlich, wenn auch richtig, klingt für mich:

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die ihr mir zum Geburtstag gratuliert habt.

Alles in allem: Ist das ursprünglich Geschriebene falsch? […]

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

in diesem Fall haben Sie die eher ungewöhnliche Formulierung gewählt. Wenn ein Relativpronomen das Subjekt des Relativsatzes ist und sich auf ein Pronomen der ersten oder zweiten Person bezieht, wird normalerweise hinter dem Relativpronomen der Nominativ des Personalpronomens eingefügt. Das Verb richtet sich dann nach diesem Personalpronomen. Das klingt kompliziert, es wird aber wie so oft mit Hilfe einiger konkreter Beispiele einfacher:

Ich, die ich immer mein Bestes getan habe
Wer will dir schon helfen, der du immer alles besser weißt.
Es ist für uns besonders schlimm, die wir uns so lange darauf vorbereitet haben.
Euch, die ihr den guten Mann schon lange gewarnt habt, macht er nun Vorwürfe.

Und entsprechend in Ihrem Beispielsatz:

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die ihr mir zum Geburtstag gratuliert habt.

Das Personalpronomen wird seltener auch wie in Ihrem ersten Satz weggelassen. Dann steht das Verb in der dritten Person (vgl. auch hier):

Ich, die immer allen zu helfen versucht
Wer will dir schon helfen, der immer alles besser weiß.
Es ist für uns besonders schlimm, die sich so lange darauf vorbereitet haben.
Euch, die ihn schon lange gewarnt haben, macht er nun Vorwürfe.

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die mir zum Geburtstag gratuliert haben.

Diese Formulierungen gelten ebenfalls als richtig, sie sind aber eher unüblich. Sie lassen auch mich beim Lesen stutzen, weil es hier tatsächlich einen Konflikt gibt zwischen der ersten oder zweiten Person, auf die sich der Relativsatz bezieht, und der dritten Person, die das Relativpronomen normalerweise fordert. Diesen Konflikt überbrücken wir, die wir solche Unklarheiten nicht mögen, dann häufig, indem wir das entsprechende Personalpronomen in den Relativsatz „hineinschmuggeln“. Kurz: Ihre ursprüngliche Formulierung ist zwar richtig, aber weniger gebräuchlich als Ihr zweiter Vorschlag.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wie man auf ein Ungeheuer verweist

 Frage

Wie Sie auf Ihrer Website erklären, kann man sich mit einem Pronominaladverb nicht auf Lebewesen beziehen. Auch ist es nicht üblich, das Fürwort „es“ in Verbindung mit einer Präposition zu benutzen. Das bringt mich aber ganz schön in die Bredouille, wenn ich diesen Satz übersetzen will:

„[…] said the monster would be returning tonight, which means we have to wait for it.

Schreibe ich nun …

„[…] sagte, das Ungeheuer werde heute Nacht zurückkehren, was bedeutet, dass wir darauf warten müssen.“

oder

„[…] sagte, das Ungeheuer werde heute Nacht zurückkehren, was bedeutet, dass wir auf es warten müssen.“

Antwort

Sehr geehrter Herr V.,

es handelt sich tatsächlich um eine Art „Klemme“. Die Verwendung von darauf kommt eigentlich nicht in Frage (siehe hier unter „Gebrauch und Einschränkungen“). Sie könnten eventuell das ziemlich umgangssprachlich klingende auf es verwenden:

… was bedeutet, dass wir auf es warten müssen.

Stilistisch besser wäre es aber, diese Konstruktion zu vermeiden, indem Sie den Satz umformulieren. Zum Beispiel:

… das Ungeheuer werde heute Nacht zurückkehren, was bedeutet, dass wir auf das Monster/die Seeschlange/den Drachen/das Gespenst (oder welche Form das Ungeheuer auch haben möge) warten müssen.

… das Ungeheuer werde heute Nacht wiederkommen, was bedeutet, dass wir auf seine Rückkehr warten müssen.

… das Ungeheuer werde heute Nacht zurückkehren, was bedeutet, dass wir es hier erwarten müssen.

Zwei weitere Beispiele, in denen man sich in der gleichen Zwickmühle befindet:

Sie führte das Pferd in den Stall und legte Futter für das Tier bereit. (statt: dafür/für es)
Er merkte, dass das Kind hinter ihm her lief, und wartete auf sie/ihn. (statt: darauf, auf es)

Es gibt hier also eine Lücke im Verweissystem des Deutschen, die man am besten mit einer (kleinen) Umformulierung umgeht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn man täglich gölfe …

So schön der Umlaut in den Verbformen des Konjunktivs auch klingen mag (z. B. sähe, flösse, schlüge), er ist nur sehr beschränkt anwendbar.

Frage

Eine Kleinigkeit: Kann man im Konjunktiv Präsens auch sagen: „gölfe“?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

der Konjunktiv Präsens des eher umgangssprachlichen Verbs golfen (Golf spielen) wird ausschließlich ohne Umlaut gebildet (vgl. hier):

Sie sagte, dass sie täglich golfe.

Auch alle anderen Verben, selbst die unregelmäßigen, bilden die Formen des Konjunktivs Präsens (Konjunktiv I), ohne umzulauten. Umgelautet wird nur bei der Bildung der Formen des Konjunktivs Präteritum (Konjunktiv II) und dies nur bei gewissen unregelmäßigen Verben. Zum Beispiel:

essen – aß – äße
sprechen – sprach – spräche
fließen – floss – flösse
ziehen – zog – zöge
fahren – fuhr – führe
schlagen – schlug – schlüge

Bei einem einzigen regelmäßigen Verb sind umgelautete Formen im Konjunktiv II weit verbreitet (allerdings standardsprachlich nicht von allen akzeptiert):

brauchen – brauchte – brauchte/bräuchte
Was ich noch bräuchte, ist eine gute Idee.
(stand. besser: Was ich noch brauchte / brauchen würde …)

Die Form gölfe passt also nicht ins Konjugationssystem des Deutschen. Es gibt diese Form von golfen ebenso wenig wie zum Beispiel schäue zu schauen, löbe zu loben und flüche zu fluchen. Es heißt deshalb:

Konjunktiv I: Sie sagte, dass sie täglich golfe.
Konjunktiv II: Sein Handicap könnte tiefer sein, wenn er täglich golfte (o. golfen würde).

Wenn man täglich gölfe …; auch wenn es vielleicht lustig oder edel anmüte, es pässe einfach nicht in unser Verbsystem.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

»Sowie« ist doch nicht ganz »und«

Die Konjunktion sowie wird in den Wörterbüchern u. a. mit und, und außerdem, und auch umschrieben. Sie dient dazu, die Glieder einer Aufzählung miteinander zu verbinden. Dieses sowie ist vor allem dann praktisch, wenn eine Häufung von und vermieden werden soll: Hans und Erna sowie meine Eltern waren da. Bis jetzt ging ich immer davon aus, dass – abgesehen von stilistischen Kriterien –  sowie immer für und stehen kann. Nach Frau B.s Frage bin ich aber nicht mehr ganz dieser Meinung.

Frage

Heute bin ich über einen Satz gestolpert, in dem „sowie“ als Aufzählung in einer längeren Phrase verwendet wird. Meiner Meinung nach ist diese Verwendung nicht richtig. […] Hier der Satz:

Profitieren Sie vom Netzwerk der Jahresauftaktveranstaltung unserer Branche und knüpfen Sie neue sowie pflegen Sie bestehende Kontakte.

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

auch ich bin der Meinung, dass hier nicht sowie verwendet werden sollte. Bei der Begründung, warum dies so ist, muss ich allerdings ein bisschen spekulieren.

Ich denke, dass sowie trotz der Zusammenschreibung im Satz noch ähnlich wie ergänzendes ebenso wie behandelt wird:

Hans und Erna und meine Eltern waren da.
Hans und Erna sowie meine Eltern waren da.
Hans und Erna, ebenso wie meine Eltern, waren da.

Die Abeilungsleiterin und ihr Stellvertreter waren abwesend.
Die Abeilungsleiterin sowie ihr Stellvertreter waren/war abwesend.
Die Abeilungsleiterein, ebenso wie ihr Stellvertreter, war abwesend.

Dass hier bei der Aufzählung mit sowie auch der Singular war stehen kann, zeigt schon, dass es einen gewissen Unterschied zwischen und und sowie gibt (mehr zur Verbform bei sowie hier).

Auch bei der Aufzählung von Infinitivsätzen und Nebensätzen ist der Ersatz von und durch sowie (resp. ebenso wie) einfach:

Ich vergaß die Fenster zu schließen und die Gas- und Wasserzufuhr auszudrehen.
Ich vergaß die Fenster zu schließen sowie die Gas- und Wasserzufuhr auszudrehen.
Ich vergaß die Fenster zu schließen, ebenso wie die Gas- und Wasserzufuhr auszudrehen.

Ich hoffe, dass es dir und Peter gefallen hat und dass ihr bald wiederkommt.
Ich hoffe, dass es dir und Peter gefallen hat sowie dass ihr bald wiederkommt.
Ich hoffe, dass es dir und Peter gefallen hat, ebenso wie, dass ihr bald wiederkommt.

Wenn aber Hauptsätze miteinander verbunden werden sollen, „klemmt“ es. Die Wortstellung ist nämlich nach dem nebenordnenden und anders als nach unterordnendem ebenso wie:

Er hat sie eingeladen und sie haben die Einladung angenommen.
Er hat sie eingeladen, ebenso wie sie die Einladung angenommen haben.

Verhält sich sowie nun wie und oder wie ebenso wie? Wenn wir in den Beispielsätzen und resp. ebenso wie durch sowie ersetzen, erhalten wird Folgendes:

*Er hat sie eingeladen sowie sie haben die Einladung angenommen.
Er hat sie eingeladen, sowie sie die Einladung angenommen haben.

Der erste Satz ist m. E. schlichtweg falsch. Der Einfluss von ebenso wie ist wohl noch so stark, dass die Hauptsatzwortstellung nach sowie nicht möglich ist. Der zweite Satz ist nicht falsch, aber er wird anders verstanden: sowie bedeutet als Nebensatzeinleitung sobald.

Die Konjunktion sowie weigert sich sozusagen, Hauptsätze in einer Aufzählung miteinander zu verbinden. Auch die folgenden Sätze sind demnach falsch formuliert:

*Er ist hellbraun und gräulich sowie er hat Schlappohren.
*Sie müssen die Ware nicht einpacken sowie Sie müssen nicht Schlange stehen.

Auch in Ihrem Satz kann und nicht durch sowie ersetzt werden, weil in ihm zwei Hauptsätze, in diesem Fall Befehlssätze, miteinander verbunden werden. Es ist deshalb besser, hier nicht sowie zu verwenden. Besser zum Beispiel:

Profitieren Sie vom Netzwerk der Jahresauftaktveranstaltung unserer Branche, knüpfen Sie neue und pflegen Sie bestehende Kontakte.

Man könnte also zusammenfassend sagen, dass aufzählendes sowie trotz der Bedeutung und auch immer noch eine unterordnende Konjunktion ist, der allerdings bei der Aufzählung von Sätzen die Bedeutung sowie = sobald im Wege steht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das ziemlich altertümliche »derselben«

Ein etwas verstaubt klingendes und wohl gerade deshalb gehoben anmutendes Wort ist derselben, wenn damit nicht der Gleichen gemeint ist. Wie wird es verwendet?

Frage

Darf man „derselben“ synonym für „deren“ verwenden? Zum Beispiel

eine Wohnung, deren Eigentümer sich in Frankreich aufhält
eine Wohnung, derselben Eigentümer sich in Frankreich aufhält

Ob es eigentümlich klingt, spielt keine Rolle, lediglich, inwiefern es grammatikalisch noch zu akzeptieren wäre.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

das Demonstrativpronomen der-/die-/dasselbe wird nicht als Relativpronomen verwendet. Es heißt also nicht:

*eine Wohnung, derselben Eigentümer sich in Frankreich aufhält

Hier sollte die Genitivform deren stehen:

eine Wohnung, deren Eigentümer sich in Frankreich aufhält

Der-/die-/dasselbe wird also nicht als Relativpronomen verwendet. Es kann sich aber als Demonstrativpronomen auf etwas vorher Genanntes beziehen:

Er brachte einen großen Krug und setzte denselben auf den Tisch.
[denselben = ihn/diesen]
Dann öffnete er eine Schublade und entnahm derselben einen Brief.
[derselben = ihr/dieser]
Füllen Sie das Formular aus und senden Sie dasselbe an unten stehende Adresse.
[dasselbe = es/dieses]

Als Genitivattribut wird derselben resp. desselben in der Regel dem Wort nachgestellt, das es bestimmt:

Es geht um die Wohnung im dritten Stock. Der Eigentümer derselben hält sich in Frankreich auf.
[der Eigentümer derselben = ihr/deren Eigentümer] 
Er brachte einen großen Krug und goss den Inhalt desselben in die Becher.
 [den Inhalt desselben = seinen/dessen Inhalt]
Der geneigte Leser dieser Seiten mag mir nach der Lektüre derselben eine gewisse Blauäugigkeit vorwerfen.
[nach der Lektüre derselben = nach ihrer/deren Lektüre]

Je nach Geschmack klingen solche Formulierungen etwas verstaubt, gehoben oder beides. Die Verwendung von der-/die-/dasselbe als verweisendes Wort gilt dann auch als veraltend – auch im Genitiv! Mehr zu diesem Pronomen finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp