unser beider Hund

Heute wieder einmal eine etwas spezialistischere Frage: Es geht um eine nicht mehr allzu häufig benutzte, aber deswegen nicht weniger schöne Ausdrucksweise mit dem Genitiv.

Frage
Als Kenner der alten Sprachen hat sich mir neulich ein Problem bei einer lebenden aufgetan. Es handelt sich um ein Problem aus meiner Muttersprache: Der Satz Unser beider Hund läuft schnell ist zwar nicht ganz alltäglich, aber erscheint doch den meisten als grammatikalisch korrekt.

Meine Frage dazu: Kann man die Kombination unser beider (respektive auch euer beider, unser aller etc. pp.) beugen? Im Deutschen habe ich beispielsweise mit dem Satz Ich liebe unser beider Hund ein Problem. Auch Ich liebe unseren beider Hund erscheint mir fremd. Ebenso Unsere beider Schlange … oder Unser beider Schlange …

Antwort
Sehr geehrter Herr H.,

Wortgruppen wie unser beider, unser aller usw. lassen sich beugen, aber nicht in dem Sinne, wie sie wahrscheinlich meinen. Es handelt sich um die Kombination eines Personalpronomens mit alle resp. beide. Solche Wortgruppen werden in folgender Weise gebeugt:

Nom: wir alle, wir beide
Akk: uns alle, uns beide
Dat: uns allen, uns beiden
Gen: unser aller, unser beider

In Ihrem Beispielsatz ist unser beider ein Genitivattribut, das das Nomen Hund bestimmt:

Wessen Hund? – unser beider Hund.

Im Normalfall werden Besitzverhältnisse im weiteren Sinne nicht durch Personalpronomen, sondern durch Possessivpronomen ausgedrückt:

Wessen Hund? – unser Hund.
Wessen Hund? – euer Hund.
Wessen Hund? – ihr Hund.

Nur in Verbindung mit aller und beider kommen die Genitivformen des Personalpronomens noch mit dieser Funktion vor:

Wessen Hund? – unser aller Hund.
Wessen Hund? – euer beider Hund.
Wessen Hund? – ihrer aller Hund.

Sie bemerken, dass in diesen Beispielen die Form des Personalpronomens sich nur in der dritten Person Plural von der Form des Possessivpronomens unterscheidet: ihr vs ihrer. Anders sieht es in einem anderen Kasus oder bei einem weiblichen Bezugswort aus.

Ohne wen oder was können wir nicht mehr leben?
– ohne unseren Freund, das Handy
– ohne unser aller Freund, das Handy

Wessen Unterstützung bieten wir an?
unsere Unterstützung.
unser beider Unterstützung.

Wie es für alle Genitivattribute gilt, verändern sich auch die Genitivattribute dieser Art nicht, wenn die Nomengruppe dekliniert wird:

Nom: Unser aller Interesse ist das faire Miteinander.
Akk: Es geht mir um unser aller Interesse.
Dat: Es ist in unser aller Interesse.
Gen: die Wahrung unser aller Interesses

Sie sehen also, dass unser beider Schlange und Ich liebe unser beider Hund korrekt formuliert sind. Es klingt wohl deshalb ziemlich fremd in den Ohren, weil unser beider, euer aller usw. zum gehobenen und literarischen Sprachgebrauch gehören, während die genannten Beispiele eher aus dem alltäglichen Sprachgebrauch stammen.

Falsch hingegen sind Ich liebe unseren beider Hund und unsere beider Schlange.

Möge diese schöne Ausdrucksweise noch lange unser aller die deutsche Sprache liebendes Auge erfreuen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

hat geendet/ist geendet

Frage

Wir diskutieren gerade, ob man sagt Die Frist ist gestern geendet oder Die Frist hat gestern geendet.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Verb enden wird in den meisten Fällen mit haben konjugiert. Also:

Die Frist hat gestern geendet.

Auch was für viele leider bald ziemlich aktuell ist, formuliert man mit dem Hilfsverb haben:

Die Ferien haben geendet.

Aus irgendeinem Grund verwendet man hier aber eher Formulierungen mit sein:

Die Ferien sind zu Ende.
Die Ferien sind zu Ende gegangen.
Die Ferien sind vorbei.

Vielleicht stammt daher die Unsicherheit über die Wahl des Hilfsverbs bei enden. Richtig ist aber – wenn man das Verb überhaupt in der Vorvergangenheit verwendet – meistens haben. Dies gilt nicht nur für Fristen und Ferien, sondern für fast alles, das enden kann: ein Vortrag (um 21.30 Uhr), eine Streiterei (in einer Prügelei), ein Freiluftkonzert (wenn man Pech hat im strömenden Regen), ein Film (mit einem Happy End), ein Rendezvous (wenn man Happy Ends mag mit einem Kuss im strömenden Regen), strömender Regen (je nachdem zu früh, zu spät oder gerade rechtzeitig), der Deutsche Aktienindex DAX (zurzeit meist im Minus), Buslinien (am Stadtrand), Wege (am Waldrand), Röcke (kurz über oder unter dem Knie) und so weiter. All diese Verwendungen von enden verlangen im Perfekt das Hilfsverb haben.

Weshalb dann aber die Angabe in LEO, dass enden auch mit sein stehen kann? Das Hilfsverb sein kann dann verwendet werden, wenn es um nichts weniger als das Leben geht, das endet. Dann nämlich sind beide Hilfsverben erlaubt:

Sie hat/ist kläglich geendet.
Er hat/ist in der Gosse geendet.
Sie hat/ist im Zuchthaus geendet.
Er hat/ist durch Selbstmord geendet.
Sie hat/ist als Hexe auf dem Scheiterhaufen geendet.

Und mit diesen nicht gerade fröhlichen Beispielen endet auch dieser Beitrag.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Sauregurkenzeit

Sie ist zwar schon bald wieder vorbei, aber auch bei den E-Mails zu Grammatik- und Rechtschreibfragen ist sie deutlich zu spüren: die Sauregurkenzeit. Es ist ja auch gut zu verstehen, dass viele in Ferienzeiten die (deutsche) Sprache vor allem für das Bestellen von Eis, kühlen Getränken, Tapas und was es sonst noch alles an den Sommer Erfrischendem und Versüßendem gibt. Auch wenn der Sommer dieses Jahr nicht ganz immer und nicht ganz überall so richtig mitspielen will: Ferien sind Ferien und Urlaub ist Urlaub. Wer mag sich dann schon den Kopf über komplizierten Mehrzahlformen und Kommaregeln zerbrechen?

Der Name Sauregurkenzeit stammt (zumindest nach meinen Quellen) aus der Zeit, als Gemüse und Früchte noch ganz ohne die Hilfe von Gewächshäusern auskommen mussten. Die Gurken wurden deshalb vor allem Mitten im Sommer geerntet und zur besseren Haltbarkeit in Essig eingelegt. Sonst war im Handel offenbar in dieser Zeit des Jahres auch früher schon nicht mehr viel los, so dass diese ruhige und ereignislose Periode Sauregurkenzeit genannt wurde. Im Niederländischen gibt es einen ähnlichen Ausdruck: komkommertijd. Das heißt so viel wie Gurkenzeit. Sogar in Holland wurden also die Gurken früher hauptsächlich im Sommer geerntet. Im Norwegischen soll es auch einen Ausdruck mit Gurken für diese Zeit geben, aber leider konnte ich ihn nicht finden.

Da ich es aus „berufsdeformatorischen“ Gründen doch nicht ganz lassen kann: Die Sauregurkenzeit darf auch mit Bindestrichen geschrieben werden: Saure-Gurken-Zeit. Das ist wohl so, weil sie sowohl als feststehender Ausdruck (zusammen) als auch als Zusammensetzung mit einer Wortgruppe (mit Bindestrich) interpretiert werden kann. Und auch bei der Beugung hat sie eine Besonderheit in petto: das Adjektiv darf mitgebeugt werden. Man kann in der Saure-Gurken-Zeit oder in der Sauren-Gurken-Zeit sagen. Das Gleiche gilt für das Ende der Saure-Gurken-Zeit und das Ende der Sauren-Gurken-Zeit. Bei der Schreibung ohne Bindestrich der Formen mit gebeugtem Adjektiv wird es dann irgendwie so kompliziert, dass die verschiedenen Wörterbücher zu unterschiedlichen Resultaten kommen. In diesem Fall würde ich einfach auf das Sommerloch ausweichen. Das bedeutet ungefähr das Gleiche und der Ausdruck ist eigentlich fast genauso schön.

Der Buchstabe B/der Buchstabe b

Frage

Heute haben wir in der Schule diskutiert, ob die folgende Aussage korrekt ist:

Das B –> Schreibe ein großes B.

Ich würde mich freuen, wenn Sie uns weiterhelfen könnten.

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

es freut mich, dass ich Ihnen weiterhelfen kann. Buchstaben sind sächlich. Es heißt also richtig:

das B oder das b

Siehe hierzu die die allgemeine Seite zur Beugung von Buchstaben.

In dieser Tabelle sehen wir auch, dass alle Formen – also auch der Genitiv und die Mehrzahlformen – ohne s geschrieben werden. In der gesprochenen Umgangssprache sagt man zwar manchmal /des bes/ und /die bes/, die Endung s wird aber in der Regel nicht geschrieben.

Was für ein Wort soll ich denn mit drei B, zwei C und einem Y legen!
Die Rundung des b zeigt nach rechts.

Dann noch diese erklärenden Beispiele zur Groß- und Kleinschreibung:

Schreibe ein großes B.
Schreibe ein kleines b.
Das Boot schreibt man mit B.
Ebbe wird mit zwei b geschrieben.
der Buchstabe B oder der Buchstabe b

Im Weiteren gilt, dass als Substantiv verwendete Buchstaben großgeschrieben werden:

Ich habe mir alles von A bis Z erklären lassen, denn Kenntnis der Materie ist das A und O, damit einem niemand ein X für ein U vormachen kann.

Kleingeschrieben wird allerdings, wenn der Kleinbuchstabe gemeint ist. Man denke da zum Beispiel an den berühmten Punkt auf dem i. Siehe die entsprechende Rechtschreibseite.

Mehr Rechtschreibinformationen zum Buchstaben B (oder b) finden Sie hier. Es fehlt allerdings noch die Information, dass im folgenden Fall großgeschrieben wird:

Wer A sagt, muss auch B sagen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zitate aus anderen Sprachen

Frage

Wenn ich in einem deutschsprachigen Text einen englischen Satz zitiere (These boots are made for walking), behandle ich dann diesen Satz wie einen deutschen, d.h. schreibe ich dann Boots, oder gilt dann die englische Schreibweise boots?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

wenn sie fremdsprachliche Wörter, Ausdrücke oder Sätze als Zitat in einen deutschen Text aufnehmen, gilt nicht die deutsche, sondern so weit wie möglich die Schreibweise der Ursprungssprache. So schreibt man z. B. Sie werden immer Mamas kleine Babys sein. Aber wenn direkt aus dem Englischen zitiert wird, schreibt man: Sie werden immer „Mama’s little babies“ sein.

Sehen Sie hierzu auch Punkt 3.1 auf dieser Seite der amtlichen Rechtschreibregelung.

Ein Muttersöhnchen ist deshalb – man beachte die Kleinschreibung und die Verwendung von Akzenten und des Apostrophs – in England a mama’s boy, in Frankreich un petit garçon à maman, in Spanien un hijo de mamá, in Italien ein figlio di mamma, und in den Niederlanden een moederskindje.

Beim Zitieren begibt man sich gewissermaßen in eine andere Sprache und da gilt dann das Sprichwort Andere Länder, andere Sitten oder eben zitierenderweise:
When in Rome, do as the Romans do.
Autres pays, autres mœurs.
A donde fueres, haz lo que vieres.
Paese che vai, usanze che trovi.
’s Lands wijs, ’s lands eer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Brutto und netto

Frage

Zurzeit suche ich zwei Wörter. Ich kann diese nirgenwo finden. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen.

Die Pluralformen von Brutto und von Netto, sind dies Brutti und Netti?

Woher stammen diese Wörter? Aus dem Italienischen oder dem Lateinischen?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.

es ist vielleicht gar nicht so erstaunlich, dass Sie die beiden Wörter nirgendwo finden können, denn es gibt sie eigentlich nicht. Die Wörter brutto und netto werden in der deutschen Standardsprache nur als Adverbien benutzt:

etwas brutto/netto auszahlen
das Salär beträgt brutto/netto

Sonst kommen sie eigentlich nur als erster Teil in Zusammensetzugen vor:

Bruttolohn/Nettolohn
Bruttogewicht/Nettogewicht
Bruttobetrag/Nettorbetrag
Bruttosozialprodukt
usw.

Wenn Sie sie als Nomen verwenden, insbesondere im Plural, dann handelt es sich wohl meistens um eine Abkürzung, die als umgangssprachlich gelten muss. Zum Beispiel:

die Bruttos und Nettos berechnen = die Brutto- und Nettobeträge berechnen

Wenn Sie dennoch darauf bestehen, brutto und netto als Nomen zu verwenden, empfehle ich Ihnen den Plural mit s zu bilden: Bruttos und Nettos. Ein Plural mit i klingt sehr förmlich und „offiziell“, was nicht so gut zum umgangssprachlichen Charakter passt. Es ist auch eine korrekte Art der Deutschen Pluralbildung, denn die Mehrzahlformen Kontos, Saldos und Pizzas sind ja auch richtig.

Die beiden Wörter stammen aus dem Italienischen. Das Wort netto bedeutet sauber, rein. Das Wort brutto bedeutet im modernen Italienischen hässlich, schlecht. Ein schönerer Gegensatz zu netto ergibt sich, wenn man eine im Italienischen veraltete Bedeutung von brutto hinzuzieht: schmutzig. Zu der Zeit, in der diese Begriffe ins Deutsche übernommen wurden, machte man also einen Unterschied zwischen dem schmutzigen und dem sauberen Gewicht. Das tun die Italienischsprachigen noch immer, denn im modernen Italienischen ist das Nettogewicht zwar das peso netto, aber das Bruttogewicht nicht etwa das peso brutto, sondern das peso lordo. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass lordo tatsächlich schmutzig bedeutet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Trennbare Verben

Eine Frage, die immer wieder einmal auftaucht und deren Beantwortung den meisten Muttersprachigen einiges Kopfzerbrechen bereiten kann:

Frage

In Singapur hatte ich eine interessante Diskussion mit einer Deutschstudentin. Ich konnte ihr leider nicht erklären, warum Verben teilweise im Satzbau getrennt werden (als Native-Speaker man macht es ja intuitiv richtig). Z.B. abfahren: Heute fährt Sven um 15 Uhr ab. Oder einkehren: Ich kehrte abends in eine Gastwirtschaft ein. Wie läßt sich dies grammatikalisch genau erklären und wie ist hier die Regel? Vielen Dank! G.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

nicht nur in Singapur, sondern auch an anderen Orten wundern sich Anderssprachige über gewisse deutsche Verben. Es geht hier nämlich um die sogenannten trennbaren Verben. Wenn sie in einem Hauptsatz stehen, wird der erste Teil abgetrennt und ganz an den Schluss des Satzes gestellt:

abfahren: Heute fährt Sven um 15 Uhr ab.
einkehren: Ich kehrte abends in eine Gastwirtschaft ein.
herumtreiben: Er treibt sich wieder irgendwo herum.

Man erkennt die trennbaren Verben im Allgemeinen daran, dass sie auf dem ersten Teil betont sind:

abfahren
einkehren
herumtreiben

Untrennbare Verben werden auf dem Verbstamm betont:

verfahren: Heute verfährt Sven sich sicher wieder.
betreiben: Sie betreibt eine Gastwirtschaft.

Diese Unterscheidung kann ziemlich wichtig sein. Ein bekanntes Beispiel ist das folgende:

umfahren: Er umfährt den Polizisten.
umfahren: Er fährt den Polizisten um.

Damit ist aber noch nicht alles gesagt, denn die Trennung gilt nur in Hauptsätzen. In Nebensätzen bleiben auch die trennbaren Verben ungetrennt:

…, dass Sven heute um 15 Uhr abfährt.
…, als ich abends in eine Gastwirtschaft einkehrte.
…, wenn er sich wieder irgendwo herumtreibt.

…, obwohl Sven sich sicher wieder verfährt.
…, weil sie eine Gastwirtschaft betreibt.

Das zwingt uns manchmal (aber wirklich nur ganz selten), einen Satz in der geschriebenen Form umzuformulieren, da es sonst zu ziemlich ernsten Missverständnissen kommen kann:

Es ist besser, wenn du den Polizisten umfährst.

Sie finden diese Informationen auch in unserer Grammatik: Trennbare Verben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Altersgelder

Frage:

Ich habe eine kurze Frage. Auf Ihrer Internetseite fand ich den Hinweis, daß es für das Wort Altersgeld eine Pluralform gibt. Im Duden hingegen steht: Altersgeld = ohne Plural.

Wann kann man die Pluralform von Altersgeld bilden?

Antwort:

Sehr geehrter Herr K.,

gerne beantworte ich die Frage zu den Pluralformen von Altersgeld. Da unsere Angaben hier von den Angaben im Duden abweichen, versuche ich dies relativ ausführlich zu tun.

Die Pluralform Altersgelder ist relativ selten, wird aber in der Gesetzgebung und z.B. auch in der Versicherungsbranche verwendet. Zum Beispiel:

http://bundesrecht.juris.de/rag_18/
http://www.swisslife.com/slcom/de/home/gruppe/tradition/insurance.html

Als individuelle Person hat man Recht auf Altersgeld, kann man Altersgeld anfragen oder Altersgeld beziehen. In diesem Sinne hat das Wort keine Mehrzahl. Wenn es aber allgemein um die Gelder (!) geht, die für die Ausbezahlung des Altersgeldes bestimmt sind und/oder die an bestimmte Gruppen der Bevölkerung ausbezahlt werden, kann auch von den Altersgeldern gesprochen werden. In ähnlichem Sinne werden z.B. auch die Pluralformen Gelder, Spargelder, Witwengelder und Waisengelder verwendet. Sie können den Gebrauch der Pluralformen auch mit dem Wort Altersrente vergleichen, das in ganz ähnlicher Weise sowohl im Singular als auch im Plural (Altersrenten) verwendet wird.

Im Duden steht die Angabe „ohne Plural“ wahrscheinlich deshalb, weil die Dudendefinition des Wortes Altersgeld nur die erste Bedeutung des Wortes (an eine Einzelperson ausbezahlte/auszubezahlende Rente) umfasst.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kein e bei „lädt“?

Es folgt eine Frage, die uns Muttersprachler(innen) trotz ihrer Einfachheit in akuten Erklärungsnotstand bringt. Warum? Weil wir in Fällen wie diesen meist gar nicht wissen, dass es ein Problem überhaupt gibt. Ohne in der Grammatik nachzuschlagen hätte ich jedenfalls die Antwort nicht gewusst. Und für die Deutschlernenden mag die Frage ein Trost sein, wenn nicht immer alles ganz perfekt geht: Es gibt einfach viel zu viele Regeln und Ausnahmen.

Frage:

Warum konjugieren wir die er/sie/es-Form von laden als lädt? Der Verbstamm hat ein -d am Ende, dann müsste die Form doch lädet sein.

Antwort:

Sehr geehrte Frau J.,

die allgemeine Regel lautet tatsächlich, dass u.a. in der 3. Person Einzahl Indikativ Präsens bei Verbstämmen, die auf d enden, ein e eingeschoben wird:

baden -> er/sie/es badet (nicht badt)
enden -> er/sie/es endet (nicht endt)
reden -> er/sie/es redet (nicht redt)
usw.

Siehe Grammatik, e-Erweiterung.

So weit, so gut. Diese Regel ist nicht allzu kompliziert. Aber wie so oft geht es natürlich nicht ohne Ausnahmen: Wenn der Verbstamm umgelautet oder abgelautet wird, dann darf kein e eingeschoben werden:

laden -> er/sie/es lädt (nicht: lädet)
treten -> er/sie/es tritt (nicht: trittet)

Siehe Grammatik, Ausnahmen zur e-Erweiterung. Und wenn Sie unsicher sind, finden Sie die Wortformen von laden, treten und allen anderen Verben in den Flexionstabellen im Wörterbuch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

in der Breite(n) Straße

Frage:

Ich habe eine Frage, durch die wir hier doch etwas in Streit gekommen sind: Heißt es für eine Adresse mit der Anschrift Breite Str.:

Ich wohne in der Breite Str. oder
Ich wohne in der Breiten Str.

Für eine Antwort wäre ich Ihnen (und meine Mitbewohner) sehr dankbar.

Antwort:

Sehr geehrter Herr K.,

die Grammatik eignet sich viel zu gut zum Streiten, als dass man das tatsächlich tun sollte. Einen eindeutigen Schiedsspruch werden Sie nämlich auch von mir nicht erhalten. Ich kann Ihnen leider nur eine dieser eher unbefriedigenden „Im-Prinzip-ja-aber-Antworten“ geben.

IM PRINZIP werden in Eingennamen, die aus einem Adjektiv mit Endung und einem Nomen bestehenden, beide Teile ganz normal gebeugt. Zum Beispiel:

der Blaue Nil – die Quelle des Blauen Nils
das Deutsche Eck – am Deutschen Eck
das Rote Kreuz – das Internationale Komitee vom Roten Kreuz

und so auch z.B.

Alter Markt – am Alten Markt
die Breite Straße – in der Breiten Straße

ABER: In einigen Ortschaften, Städten oder Landstrichen wird von dieser Regel abgewichen. Eine der bekanntesten Ausnahmen ist, dass nur Nichtkölner sich am Alten Markt in Köln treffen. Kölner treffen sich nämlich offenbar am Alter Markt. Wahrscheinlich gehen sie auch nicht in der Breiten Straße einkaufen, sondern in der Breite Straße. Weshalb genau das so ist, kann ich hier nicht beurteilen (wahrscheinlich wird der Name als unveränderliches Ganzes erfahren). Entscheidend ist, dass, wenn dies in Köln allgemein üblich ist, es dort nicht als falsch bezeichnet werden sollte.

Ob Ich wohne in der Breite Straße richtig oder falsch ist, hängt also davon ab, wo sie wohnen. Ist Ihr Wohnort Köln, muss es wohl als richtig gelten. Läge die Straße zum Beispiel in Basel (wo man nicht in der Mittlere Straße sondern in der Mittleren Straße wohnt), wäre die Adressangabe in dieser Form falsch. Es bleibt mir also nicht viel anderes übrig als Ihnen zu raten, sich bei den Einheimischen ihres Wohnortes zu erkundigen. Und wenn dies auch zu keinem eindeutigen Resultat führt, würde ich mich an die allgemeine Regel (in der Breiten Straße) halten, da die unveränderliche Variante eigentlich eine Ausnahme ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp