Das ist es[?] nicht würdig, erwähnt zu werden

Auch Dr. Bopp ist nicht unfehlbar (das wussten Sie natürlich schon):

Frage

Bitte erläutern Sie mir die Satzkonstruktion Ihres Satzes

Das ist es nicht würdig, erwähnt zu werden

in diesem Artikel.

Das „es“ ist abhängig von „würdig“ und Akkusativ […], aber „würdig“ wird normalerweise mit dem Genitiv kombiniert. Der Genitiv von „es“ ist „seiner“ (was aber merkwürdig klingen würde). Kann „es“ auch der Genitiv von „es“ sein oder wird „würdig“ auch mit einem Akkusativ kombiniert? […]

Antwort

Guten Tag Herr S.,

das „es“ in „Das ist es nicht würdig, erwähnt zu werden“ ist ein Korrelat, das heißt, es ist ein Wort, das im übergeordneten Satz stellvertretend für die Infinitivgruppe „erwähnt zu werden“ steht. Die Wendung „würdig sein“ verlangt, wie Sie richtig bemerken, den Genitiv („jemandes/einer Sache würdig sein“). Das Korrelat für einen Nebensatz oder eine Infinitivgruppe mit der Funktion eines Genitivobjekts ist eigentlich „dessen“. Es müsste also heißen:

Das ist dessen nicht würdig, erwähnt zu werden.

Ein solches Korrelat im Genitiv ist aber sehr selten, denn es klingt sehr gehoben. Häufig wird deshalb statt a) einer Formulierung mit „dessen“ b) eine Konstruktion mit einem anderen Korrelat oder c) eine Konstruktion ohne ein Korrelat gewählt:

a) mit Korrelat „dessen“
b) mit anderem Korrelat
c) ohne Korrelat

a) Ich schäme mich dessen, dich nicht erkannt zu haben.
b) Ich schäme mich dafür, dich nicht erkannt zu haben.
c) Ich schäme mich, dich nicht erkannt zu haben.

a) Sie vergewisserte sich dessen, dass die Fenster geschlossen waren.
b) Sie vergewisserte sich davon, dass die Fenster geschlossen waren.
c) Sie vergewisserte sich, dass die Fenster geschlossen waren.

a) Das ist dessen nicht wert, erwähnt zu werden.
b) Das ist es nicht wert, erwähnt zu werden.
c) Das ist nicht wert, erwähnt zu werden.

Die Alternativen b) mit einem anderen Korrelat sind dann gut möglich, wenn es für die Konstruktion mit dem Genitiv auch standardsprachlich akzeptierte Varianten gibt. Das ist bei den Beispielen oben der Fall:

sich einer Sache schämen (dessen)
sich für etwas schämen (dafür)

sich einer Sache vergewissern (dessen)
sich von etwas vergewissern (davon)

einer Sache wert sein (dessen)
etwas wert sein (es)

Wie ist es nun beim Satz, den Sie zitieren?

a) Das ist dessen nicht würdig, erwähnt zu werden.
b) Das ist es nicht würdig, erwähnt zu werden. [?]
c) Das ist nicht würdig, erwähnt zu werden.

Während „etwas wert sein“ standardsprachlich akzeptiert ist, gilt dies für „etwas würdig sein“ (noch?) nicht. Deshalb hätte ich in einer Sprachrubrik besser nicht die Variante b) mit „es“, sondern die Variante c) ohne Korrelat verwendet. Obwohl ein schneller Blick in die Korpora zeigt, dass „es (nicht) würdig sein + Infinitivgruppe o. dass-Satz“ heute hin und wieder auch in standardsprachlichen Kontexten vorkommt, ist diese Konstruktion nicht oder noch nicht allgemein akzeptiert. Und warum nicht die Variante a) mit „dessen“? – Weil sie mir einfach zu gehoben oder veraltend klingt.

Bevor Sie nun vermuten, ich wolle mich mit vielen Worten herausreden, hier noch eine kurze Antwort: Die Formulierung mit „es“ ist bei „würdig“ standardsprachlich (noch?) nicht akzeptiert. Ich hätte besser „Das ist nicht würdig, erwähnt zu werden“ oder eine andere Formulierung verwendet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wer könnte es getan haben oder wer hätte es tun können?

Frage

Neulich habe ich den folgenden Satz gelesen:

Wir haben uns gefragt, welche Faktoren das dargestellte Blühphänomen ausgelöst haben könnten.

Ich habe mich dann gefragt, ob er auch wie folgt umformuliert werden könnte:

Wir haben uns gefragt, welche Faktoren das dargestellte Blühphänomen hätten auslösen können.

Gibt es einen Bedeutungsunterschied?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

beide Formulierungen sind möglich, sie haben aber nicht dieselbe Bedeutung.

Welche Faktoren könnten das dargestellte Blühphänomen ausgelöst haben?
… welche Faktoren das dargestellte Blühphänomen ausgelöst haben könnten.

Wenn Sie so formulieren, hat das Blühphänomen stattgefunden. Es wird gefragt, welche Faktoren es möglicherweise ausgelöst haben.

Welche Kulturfaktoren hätten das dargestellte Blühphänomen auslösen können?
… welche Kulturfaktoren das dargestellte Blühphänomen hätten auslösen können.

Bei dieser Formulierung hat das Blühphänomen nicht stattgefunden. Es wird gefragt, welche Faktoren es hätten auslösen können.

Der Unterschied lässt sich nur schwer in Worte fassen. Hier noch ein Beispiel:

Wer könnte es getan haben?

Es wurde getan. Wer hatte (vermutlich) die Möglichkeit, es zu tun?

Wer hätte es tun können?

Es wurde nicht getan. Wer hätte die Möglichkeit gehabt, es zu tun?

Es ist übrigens fraglich, ob der Unterschied wirklich immer so eingehalten wird. Die Verbgruppen sind komplex und einander ähnlich.

Im ersten Fall wird der Konjunktiv II Gegenwart von können (könnte) mit dem Infinitiv Perfekt von tun (getan haben) kombiniert: könnte getan haben. Es wird eine Vermutung über etwas Vergangenes geäußert. 

Im zweiten Fall wird der Konjunktiv II Vergangenheit von können (hätte können) mit dem Infinitiv Präsens von tun (tun) kombiniert: hätte tun können. Es wird etwas Irreales in der Vergangenheit ausgedrückt.

Wenn Sie all dem nicht mehr folgen können oder wollen oder es Ihnen allzu spitzfindig vorkommt, keine Sorge: Die Bedeutungsunterscheidung wird, wie schon oben gesagt, nicht immer so eingehalten. In der Regel ergibt sich aus dem weiteren Zusammenhang, was genau gemeint ist. Ohne jeglichen Kontext ist es sowieso oft schwierig, solche Äußerungen zu interpretieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Was ist/sind der Grundwert, der Prozentwert und die Prozentzahl?

Wer auf eine Frage zum Prozentrechnen hofft, wird enttäuscht sein. Es geht um Grammatik:

Frage

Wie heißt es richtig:

Gib an, was hier der Grundwert, der Prozentwert und die Prozentzahl sind.

oder:

Gib an, was hier der Grundwert, der Prozentwert und die Prozentzahl ist.

Antwort

Guten Tag Frau W.,

die kurze Antwort lautet: Beide Formulierungen sind vertretbar. Die grammatische Begründung (oder der Versuch dazu) fällt etwas länger aus:

Man kann den Satz als einen Gleichsetzungssatz interpretieren, in dem das Fragepronomen was über das Verb sein mit einem weiteren Satzteil im Nominativ verbunden ist. Wenn dieser zweite Nominativ im Plural steht, steht das Verb auch im Plural:

Was sind Gleichsetzungssätze?
Was sind deine Pläne?

Das gilt im Prinzip auch bei einer mehrteiligen Wortgruppe, deren Teile durch und  verbunden sind, denn sie ist ja auch pluralisch:

Was sind der Vorteil und der Nutzen dieser Technologie?
Was sind hier der Grundwert, der Prozentwert und die Prozentzahl?

Soweit eine grammatisch gut vertretbare Erklärung.

Es gibt aber ein kleines Problem: In der Sprachrealität kommen hier bei mehrteiligen Wortgruppen sehr häufig Formulierungen vor, bei denen das Verb im Singular steht:

Was ist der Vorteil und der Nutzen dieser Technologie?
Was ist hier der Grundwert, der Prozentwert und die Prozentzahl?

Obwohl diese Formulierungen nach der oben stehenden Erklärung nicht richtig sind, klingen sie auch in meinen Ohren gar nicht so falsch. Das liegt daran, dass man diese Konstruktion auch anders interpretieren kann: nicht als einen einzigen Satz mit einer mehrteiligen Nominativgruppe, sondern als mehrere zusammengezogene Teilsätze mit jeweils einem Nominativ im Singular. Bei dieser Interpretation steht das Verb einmal im Singular und wird in den anderen Teilsätzen „einfach“ weggelassen:

Was ist der Vorteil und [was ist] der Nutzen dieser Technologie?
Was ist hier der Grundwert, [was ist hier] der Prozentwert und [was ist hier] die Prozentzahl?

Beide Formulierungen sind also vertretbar, weil man von

  1. einem einzigen Satz
  2. mehreren zusammengezogenen Teilsätzen

sprechen kann.

In Ihrem Satz kommt „komplizierend“ hinzu, dass es sich um einen einzelnen Nebensatz bzw. um drei zusammengezogene Nebensätze handelt. Das wirkt sich u. a. auf die Stellung des Verbs aus:

  1. Gib an, was hier der Grundwert, der Prozentwert und die Prozentzahl sind.
  2. Gib an, was hier der Grundwert, der Prozentwert und die Prozentzahl ist.
    (vgl.: Gib an, was hier der Grundwert [ist], [was hier] der Prozentwert [ist] und [was hier] die Prozentzahl ist.)

Es gäbe noch zwei, drei weitere Aspekte zu erwähnen, aber im Allgemeinen scheint der Singular für das Verb bei Formulierungen dieser Art häufiger vorzukommen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Wer von den Enkelinnen?“, „Welche von den Enkelinnen?“ und „Welche der Enkelinnen?“

Frage

Ich habe folgende Frage: Eine Großmutter hat vier Enkelinnen. Sie weiß nicht …

a) wer von ihnen ihr Haus erben soll.
b) wer von den vier Enkelinnen ihr Haus erben soll.
c) wer der vier Enkelinnen ihr Haus erben soll.
d) welche von ihnen ihr Haus erben soll.
e) welche von den vier Enkelinnen das Haus erben soll.
f) welche der vier Enkelinnen das Haus erben soll.

Welche Sätze sind grammatikalisch richtig oder falsch?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

von den sechs Varianten, die Sie aufzählen, ist standardsprachlich nur eine nicht üblich. Sie sagen besser nicht:

*wer der vier Enkelinnen (c)

Nach dem Fragepronomen wer wird in der Regel mit von angeschlossen:

wer von ihnen (a)
wer von den vier Enkelinnen (b)

Nach welche hingegen kann sowohl mit von als auch mit dem Genitiv angeschlossen werden, wenn ein Artikelwort steht. Manche halten hier den Genitiv für stilistisch besser:

welche von den vier Enkelinnen (e)
welche der vier Enkelinnen (f)

Auch nach welche kann nur mit von angeschlossen werden, wenn ein Pronomen folgt:

welche von ihnen (d)

Es gibt hier also verschiedene Möglichkeiten, die alle gut vertretbar sind. Nur wer mit dem Genitiv ist nicht üblich. Die Antwort auf die Frage, warum das so ist, muss ich Ihnen leider schuldig bleiben. Ergänzend sei aber gesagt, dass auch nach was, etwas, irgendwer, jemand, niemand, nichts, ein bisschen und ein wenig in der Regel mit von und nicht mit dem Genitiv angeschlossen wird:

Was von diesen Dingen brauchst du noch?
Jemand/Niemand von den Nachbarn hat die Katze gesehen.
Ich möchte nichts/etwas/ein wenig von diesem Kuchen.

Siehe auch diese Seite in der LEO-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wie(,) meint ihr(,) sieht es hier mit der Kommasetzung aus?

Frage

Heute mal wieder ein Komma-Problem: Gehört in dem Satz „Was meint ihr ist besonders wichtig beim Kochen“ nach dem Wort „ihr“ ein Komma hin?

Antwort

Guten Tag Herr A.,

auch wenn man Formulierungen wie diese häufig kommalos antrifft, sollten Kommas gesetzt werden, und zwar vor und nach „meint ihr“:

Was, meint ihr, ist besonders wichtig beim Kochen?

Dieses „meint ihr“ ist ein eingeschobener Satz (Schaltsatz), der mit Kommas abgetrennt wird.

Das Fragewort „was“ gehört nicht zu „meint ihr“, sondern zu dieser Frage: „Was ist besonders wichtig beim Kochen?“ Es handelt sich also nicht um eine Frage wie diese, bei der „was“ von „meinen“ abhängig ist:

Was meint ihr, ist kochen zu können wichtig?
Was meint ihr: Ist kochen zu können wichtig?

Vergleiche auch ähnliche Formulierungen mit einem eingeschobenen Satz, die ebenfalls mit Kommas geschrieben werden sollten:

Wo, meint ihr, kann man am besten einkaufen?
Wer, glaubst du, hat es getan?
Wie, denken Sie, wird es hier in zwanzig Jahren aussehen?
Womit, findest du, sollten wir es reparieren?
Das ist, glaube ich, nicht so wichtig.
Man will die Kommas ja nicht, sagen wir, einfach nach Gefühl setzen.

Häufig werden solche Einschübe ohne Kommas geschrieben. Das liegt vielleicht daran, dass sie als formelhafte adverbiale Wendungen angesehen werden, die mit und ohne Kommas geschrieben werden können, wie dies zum Beispiel hier der Fall ist:

Das haben wir, Gott sei Dank, endlich hinter uns.
Das haben wir Gott sei Dank endlich hinter uns.

Sie haben, wer weiß wie lange, miteinander gesprochen.
Sie haben wer weiß wie lange miteinander gesprochen.

Einschübe der Art „meint ihr“, „glaubst du“, „denken Sie“ usw. sollten allerdings immer durch Kommas abgetrennt werden. Das ist, finde ich, unter anderem auch übersichtlicher.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Es“ oder „so viel“: Was ist das Subjekt in „Es wurde so viel verlangt“?

Frage

Gegeben ist ein einfacher Passivsatz:

In der Firma wurde immer so viel verlangt, dass ich abends todmüde war.

Die Frage ist, was das Subjekt des Hauptsatzes ist. Zunächst dachte ich, dass es das weggelassene „es“ sein muss: „Es wurde in der Firma so viel verlangt …“. Dann fiel mir ein, dass das Verb „verlangen“ ein Akkusativobjekt („viel“) hat. Dann müsste „viel“ das Subjekt im Passivsatz sein. Leider konnte ich dazu keine Erläuterung finden, mit der ich mit Sicherheit die eine oder andere Lösung als richtig oder falsch beurteilen konnte.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

in Ihrem Satz ist tatsächlich die Pronomengruppe „so viel“ das Subjekt. Bei einem transitiven Verb (= einem Verb mit Akkusativobjekt) wird das Akkusativobjekt im Passiv zum Subjekt (vgl. hier):

Aktiv:
Man verlangte in der Firma so viel
(Man verlangte wen oder was?)

Passiv:
So viel wurde in der Firma verlangt …
(Wer oder was wurde verlangt?)

Dass „so viel“ das Subjekt ist, sieht man auch dann gut, wenn Sie „so viel“ durch „so viele Dinge“ ersetzen. Das Verb wird dann in den Plural gesetzt, weil es in Numerus und Person mit dem Subjekt übereinstimmen muss:

In der Firma wurde immer so viel verlangt, dass ich abends todmüde war.
In der Firma wurden immer so viele Dinge verlangt, dass ich abends todmüde war.

Das Subjekt ist hier also „so viel“. Aber wenn „so viel“ das Subjekt ist, was ist dann „Es“ am Anfang der folgenden Formulierung?

Es wurde in der Firma immer so viel verlangt …

Dieses „es“ ist das sogenannte Platzhalter-es. In einem deutschen Aussagesatz muss immer ein Satzteil vor dem gebeugten Verb stehen. Das ist eine der wenigen „ehernen Gesetzte“ der deutschen Grammatik. Es ist so stark, dass man den Satz mit einem völlig bedeutungslosen „es“ beginnt, wenn sonst nichts vor der gebeugten Verbform steht. Mehr dazu finden Sie hier und hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Beschreibung von als-Gruppen als komplexem/komplexes Problem

Die als-Gruppen sind zu Recht einer Ihrer „Lieblingsproblemfälle“. In welchem Fall das Substantiv in einer als-Gruppe stehen sollte, ist nämlich bei Weitem nicht immer eindeutig. Entsprechend groß ist die Unsicherheit, die daraus entstehen kann – insbesondere dann, wenn man anfängt darüber nachzudenken. Wenn ich alle Aspekte dieser Frage ausführlich in Artikeln beschreiben wollte, wäre der Blog bis Ende Jahr gefüllt – und ich übertreibe nur mäßig. Weil das recht langweilig wäre, veröffentliche ich weiterhin einfach hin und wieder Einzelfragen zu diesem Thema (eine Übersicht der Regeln und Ausnahmen finden sie auf dieser Grammatikseite). Heute eine Frage von Herrn K.:

Frage

Wir sind uns intern nicht einig, welcher Fall nach „als“ gesetzt werden soll. Der Satz lautet folgendermaßen:

Die Zahlen belegen die Konstanz von TERMO [ein Firmenname] als attraktiver/attraktivem Arbeitgeber.

Setzt man nach „als“ den Nominativ oder den Dativ?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

die Uneinigkeit ist begreiflich, denn das Thema ist sehr komplex – und beide Formulierungen sind möglich.

Als Grundregel gilt, dass eine als-Gruppe dieser Art im gleichen Fall steht wie das Wort, auf das sie sich bezieht. In Ihrem Satz kann die als-Gruppe sich auf „TERMO“ beziehen. Der Firmenname steht im Dativ, den „von“ verlangt. Die als-Gruppe kann also im Dativ stehen:

Die Zahlen belegen die Konstanz von TERMO als attraktivem Arbeitgeber.

Ebenso zum Beispiel:

Ankündigung der Einstellung von Sandro Müller als neuem Abteilungsleiter
Sie verurteilten den Einsatz von Kindern als billigen Arbeitskräften.

Es gibt aber zahlreiche Ausnahmen zu dieser Grundregel. Mit einer solchen haben wir es auch hier zu tun:

Wenn eine als-Gruppe wie hier bei einem Präpositionalattribut mit „von“ steht, kann sie auch vom übergeordneten Substantiv abhängig sein. Das übergeordnete Substantiv ist hier „Konstanz“ und das dazugehörende Präpositionalattribut mit „von“ ist „von TERMO“. Wenn dies der Fall ist, kann die als-Gruppe im Nominativ stehen:

Die Zahlen belegen die Konstanz von TERMO als attraktiver Arbeitgeber.
Ankündigung der Einstellung von Sandro Müller als neuer Abteilungsleiter
Sie verurteilten den Einsatz von Kindern als billige Arbeitskräfte.

In diesem Fall (die als-Gruppe enthält ein gebeugtes Adjektiv, aber keinen Artikel) ist die Konstruktion mit dem Nominativ gebräuchlicher, der Dativ gilt aber ebenfalls als richtig (vgl. hier).

Man sollte bei der Beschreibung von als-Gruppen als komplexem/komplexes Problem nicht übertreiben, aber einfach machen sie es uns wirklich nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„An“ oder „von“: Ist es ein Feuerwerk an Einfällen oder von Einfällen?

Frage

Ich lese immer wieder die Präposition „an“, wo ich eher einen Genitiv oder evtl. ein zusammengesetztes Substantiv setzen würde, zum Beispiel „ein Feuerwerk an Einfällen“, „eine Variation an Veranstaltungen“, „das Angebot an Wohnungen“. Wie ist das: Lässt sich das Wort „an“ einfach mit dem Genitiv vertauschen? […]

Antwort

Guten Tag Frau W.,

wie so häufig bei Sprachlichem lautet die Antwort ja und nein. Manchmal kann oder sollte eine Formulierung mit „an“ statt eines Genitivattributs oder einer Präpositionalgruppe mit „von“ stehen.

Mit „an“ wird eine unbestimmte Menge als Attribut zu bestimmten Substantiven angegeben (z. B. „ein Mangel an [innovativen] Ideen“). Dieselbe Funktion/Bedeutung kann der Genitiv resp. die Präposition „von“ haben (z. B. „eine Flut innovativer Ideen“, „eine Flut von [innovativen] Ideen“). Es hängt dabei vom Substantiv ab, ob „an“ üblich, möglich oder ungebräuchlich ist.

  • In der Regel mit „an“ bei z. B. diesen Substantiven:

die Armut an Bodenschätzen
die Armut an hochwertigen Bodenschätzen
der Bedarf an Hilfskräften
der Gehalt an Silber
der Mangel an Ideen
der Reichtum an Bodenschätzen
ein Überfluss an Konsumgütern

  • Mit „an“ oder „von“ resp. Genitiv bei z. B. diesen Substantiven:

das Angebot an/von Wohnungen
das Angebot an/von bezahlbaren Wohnungen / das Angebot bezahlbarer Wohnungen
ein Übermaß an/von Freude
eine Vielfalt an/von Herausforderungen
der Zuwachs an/von Neukunden

  • Üblicherweise nicht mit „an“ bei z. B. diesen Substantiven:

ein Heer von Ameisen
ein Heer von fleißigen Ameisen / eine Heer fleißige[r] Ameisen
eine Vielzahl von Vorschriften
eine Flut von Beschwerden

  • Bei Substantiven, die im übertragenen Sinne verwendet werden, kommen ebenfalls häufig verschiedene Formulierungen vor:

ein Feuerwerk an/von Einfällen
ein Feuerwerk an/von guter Laune / ein Feuerwerk guter Laune
ein ganzer Reigen an/von Sehenswürdigkeiten
ein Schatz an/von Weisheit

Es gibt also keine feste Regel, wann „an“ und „von“ resp. der Genitiv bei dieser Art von Angaben mit unbestimmten Mengen zu verwenden sind. Entscheidend ist der Gebrauch und entsprechend groß ist die Variation, der man in der Sprachrealität begegnen kann. Häufig ist beides gebräuchlich. Bei Zweifel hilft oft – aber leider nicht immer – ein Blick ins Wörterbuch. Was dort steht, gilt als akzeptiert.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Auch ohne übergeordnetes Substantiv kann „an“ bei der Angabe unbestimmter Mengen erscheinen:

Was wurde an Beweisen gefunden
Was haben Sie an preiswerten Tablets auf Lager?

Indikativ und Konjunktiv in Konditionalgefügen: Wie wäre es, wenn wir gehen/gingen?

Frage

Ich kann den folgenden Satz nicht richtig einordnen:

Wie wäre es, wenn wir jetzt nach Hause gehen?

Mein Sprachgefühl verlangt hier das Wort „würde“, also:

Wie wäre es, wenn wir jetzt nach Hause gehen würden?

Zunächst habe ich an einen irrealen Bedingungssatz oder Ähnliches gedacht: „Wenn wir jetzt nach Hause gehen würden, dann könnten wir den Film um 20 Uhr noch sehen.“ Ich glaube aber, dass ich falsch liege. Das „wie wäre es“ lässt sich doch auch ersetzen. […] Bevor ich noch länger darüber nachdenke, frage ich lieber jemanden, der sich damit auskennt.

Antwort

Guten Tag Herr A.,

der Satz, den Sie nicht richtig einordnen können, hat die Form eines Konditionalgefüges. In einem Konditionalgefüge beinhaltet ein Teilsatz eine Bedingung und ein Teilsatz die Folge bei Erfüllung dieser Bedingung. Im Prinzip stehen dabei beide Teilsätze im Indikativ oder beide Teilsätze im Konjunktiv II (o. würde-Form).

Im Indikativ wird das Gesagt als real angenommen:

Ich komme, wenn ich Zeit habe.
Wenn du gut für dich sorgst, wirst du bald wieder gesund sein.
Errätst du die Zahlen richtig, gewinnst du den Hauptpreis.

Im Konjunktiv II wird das Gesagte als irreal, nur gedacht angenommen:

Ich käme, wenn ich Zeit hätte.
Wenn du besser für dich sorgen würdest/sorgtest, wärst du bald wieder gesund.
Hättest du die Zahlen richtig erraten, hättest du den Hauptpreis gewonnen.

Vor allem in der gesprochenen (Umgangs)sprache kommen auch Formulierungen vor, in denen der Indikativ und der Konjunktiv gemischt werden. Das ist in Ihrem Beispiel der Fall:

Wie wäre es, wenn wir jetzt gehen?

Das hat damit zu tun, dass der Konjunktiv II hier nicht „irreal“, sondern einfach nur höflich gemeint ist:

Wie wäre es, wenn …? = Was hältst du davon, wenn …?

Ihre Annahme, dass kein echter irrealer Bedingungssatz vorliegt, ist also richtig. Im formaleren Sprachgebrauch sollten solche „Mischformen“ aber besser vermieden werden, also auch dann, wenn der Konjunktiv II einfach höflich gemeint ist:

Wie wäre es, wenn wir jetzt gehen würden/gingen?

Auch ein „nur“ höflich gemeintes irreales Konditionalgefüge formuliert man stilistisch besser mit doppeltem Konjunktiv.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wiederholte Verbformen lassen sich häufig, aber nicht immer einsparen

Frage

Es geht um das Weg- oder Auslassen von sich ähnlichen und sich anscheinend wiederholenden Satzteilen, meist Verben oder Hilfsverben. Man könnte meinen, es wäre so etwas wie eine Ellipse, doch im Unterschied dazu sind die potenziell auslassbaren Satzteile eben nicht gleich, sondern nur ähnlich. Hier zwei konstruierte Beispiele:

Hans und Peter fahren mit dem Auto nach Berlin, aber Frank mit dem Fahrrad nach Bielefeld
Lisa, Udo und Karl sind seit zwei Wochen im Urlaub, aber Wilhelm nicht.

Es gibt viele Kombinationsmöglichkeiten in dieser Art und man ist oberflächlich versucht, darüber hinwegzulesen. Doch bei genauerem Hinsehen müsste es natürlich heißen: „… aber Frank fährt …“ und „… aber Wilhelm ist es nicht …“.

Antwort

Guten Tag Herr D.,

identische Verbformen können weggelassen werden:

Lisa isst einen Apfel und Leo _ eine Birne. [isst]
Die Eltern sind schon hier, aber die Kinder _ noch nicht _.
[sind … hier]

Verbformen können auch dann eingespart werden, wenn sie nicht dieselben grammatischen Merkmale (Person, Numerus) haben. Dabei werden nicht alle Einsparungen von allen gleichermaßen akzeptiert. Die folgenden Arten von Einsparung sind aber möglich:

Ich esse einen Apfel und du _ eine Birne. [isst]
Du isst eine Birne und ich _ einen Apfel. [esse]
Ich gehe heute nicht ins Kino, meine Schwester _ aber schon. [geht]
Du kommst um 15 Uhr an, Susanne _ eine Stunde später _. [kommt … an]
Ihr kommt um 15 Uhr an, Susanne und Max _ eine Stunde später _. [kommen … an]

Bei unterschiedlichem Numerus wird die Einsparung nicht von allen gleichermaßen akzeptiert:

Ich esse einen Apfel und ihr _ eine Birne. [esst]
Ihr esst eine Birne und ich _ einen Apfel. [esse]
Was nützt uns unser Geld und was _ unsere Kenntnisse? [nützen uns]
Was nützen uns unsere Kenntnisse und was _ unser Geld? [nützt uns]
Die Lehrerin musste lachen, ihre Schülerinnen _ ebenfalls _. [mussten … lachen]
Die Schülerinnen mussten lachen, ihre Lehrerin _ ebenfalls _. [musste … lachen]

In Ihren Beispielsätzen unterscheiden sich die Verbformen im Numerus. Das Verb kann in solchen Fällen eingespart werden, auch wenn nicht alle diese Einsparung gleichermaßen akzeptabel finden.

Hans und Peter fahren mit dem Auto nach Berlin, aber Frank _ mit dem Fahrrad nach Bielefeld. [fährt]
Lisa, Udo und Karl sind seit zwei Wochen im Urlaub, aber Wilhelm _ nicht _. [ist … im Urlaub]


Der Vollständigkeit halber muss hier noch gesagt werden, dass das Weglassen nicht immer möglich ist. Ganz allgemein, also auch bei identischen Verbformen, gibt es nämlich Einschränkungen bei der Einsparung von Verbformen:

Zwei Verbformen sollten nicht zusammengezogen werden, wenn sie eine unterschiedliche Satzkonstruktion haben**:

nicht: Er fürchtete die Einsamkeit und sich vor der Dunkelheit.
nicht: Ich danke für die große Überraschung und allen, die dazu beigetragen haben.

Zwei Verbformen sollten nicht zusammengezogen werden, wenn sie eine unterschiedliche Bedeutung haben**:

nicht: Wir laden zuerst das Gepäck in den Kofferraum und ihr uns dann zum Kaffee ein.
nicht: Er bestellte ihr Grüße von ihrer Mutter und dann ein Bier.
nicht: Sie gab den Brief auf und, weil es regnete, auch den Plan, spazieren zu gehen.

Zwei Verbformen sollten nicht zusammengezogen werden, wenn nur eines der beiden Verben ein Hilfsverb, ein Funktionsverb oder Teil einer festen Wendung ist**:

nicht: Sie hat ein Auto und uns schon oft damit abgeholt.
nicht: Er nahm einen Hammer und damit die Arbeit in Angriff.
nicht: Ich brachte sie in Verlegenheit und du sie dann nach Hause.
nicht: Dein Problem wird zurzeit behandelt und du bald zufrieden sein.

Wie Sie sehen, ist bei der Einsparung von Verbformen mehr möglich, als Sie vielleicht dachten, aber bei Weitem nicht alles.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Aber bewusst zur Erzeugung eines speziellen, oft humoristischen Effektes:

Ich heiße nicht nur Heinz Erhardt, sondern Sie auch herzlich willkommen.
Es war sehr kalt, und ich fror vor mich hin, denn nicht nur meine Mutter, sondern auch der Ofen war ausgegangen.