Die Mütze, sie/diese/die ist rot

Frage

Ich habe eine Frage zur Verwendung von Demonstrativpronomina: In meiner Schulzeit habe ich gelernt, dass man „diese(r/s)“ verwenden muss, wenn man sich auf das letzte Substantiv im vorherigen Satz bezieht. Beispiel:

Die Ente trägt eine Mütze. Diese ist rot.

Nun hat es sich aber eingebürgert, dass stattdessen oft „der/die/das“ verwendet wird, also:

Die Ente trägt eine Mütze. Die ist rot.

Das klingt in meinen Ohren schrecklich umgangssprachlich. Da meine Schulzeit aber schon eine Weile zurückliegt, würde mich interessieren, wie die offizielle Regelung hierzu aussieht. Gibt es eventuell eine Stelle im Duden, die man heranziehen kann? Mittlerweile habe ich sowohl das Internet als auch die Duden-Grammatik durchforstet, ohne einen brauchbaren Hinweis zu finden.

Antwort

Guten Tag Frau M.,

Sie finden hier keine festen Regeln, weil die Wahl des Pronomens (diese, die bzw. sie) keine grammatische, sondern eine stilistische Entscheidung ist. Dafür gibt es keine verbindlichen oder offiziellen Regeln.

Keine der folgenden Formulierungen ist falsch:

a) Die Ente trägt eine Mütze. Sie ist rot.
b) Die Ente trägt eine Mütze. Diese ist rot.
c) Die Ente trägt eine Mütze. Die ist rot.

Während bei a) mit etwas gutem Willen auch die Ente rot sein könnte, ist bei b) und c) deutlicher, dass die Mütze rot ist. Dabei ist diese formeller und die etwas weniger formell, ohne gleich umgangssprachlich zu sein. Für einen formellen Text würde ich deshalb diese oder sie empfehlen. In der Alltagssprache ist die aber auch gut vertretbar. Ebenso zum Beispiel:

Wir schauen in den Himmel und er ist blau.
Wir schauen in den Himmel und dieser ist blau.
Wir schauen in den Himmel und der ist blau.

Beim Bezug auf Personen gilt die Wahl von die oder der statt sie bzw. er allerdings als unhöflich und/oder umgangssprachlich:

Frau S. ist meine Nachbarin, aber die sieht man kaum.
Kennst du Rolf? Dem würde ich nicht vertrauen.

Hier geht es aber nicht um eine Person. Es ist also nicht gleich schrecklich umgangssprachlich, wenn man sich mit die auf die Mütze der Ente bezieht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wer reinigt die selbstreinigende Küche?

Frage

In meiner Dienststelle hängt folgender Hinweis:

Diese Küche (incl. Kühlschrank etc.) ist selbstreinigend, d. h. jeder, der diese schmutzig macht, reinigt sie auch selbst.

Aus meiner Sicht liegt hier ein klarer sprachlicher Widerspruch vor. Das Adjektiv „selbstreinigend“ beschreibt eine technische Eigenschaft von Dingen, also z. B. bei einem „selbstreinigenden Ofen“ oder einer „selbstreinigenden Toilette“. Es bedeutet, dass sich ein Objekt ohne äußeres Zutun selbst säubert – durch einen eingebauten Mechanismus.

In dem genannten Satz ist jedoch nicht die Küche gemeint, die sich eigenständig reinigt, sondern eine Aufforderung an Personen, ihren Schmutz selbst zu beseitigen.  […]

Es geht mir nicht um Humor oder Ironie, sondern um sprachliche Klarheit und Kohärenz. […] Daher meine Frage an Sie: Ist die Formulierung „Diese Küche ist selbstreinigend“ – in diesem Zusammenhang – aus sprachwissenschaftlicher Sicht korrekt, vertretbar oder inkonsequent?

Antwort

Guten Tag Herr A.,

Sie haben recht: Eine selbstreinigende Küche ist eine Küche, die sich selbst reinigt. Es ist keine Küche, die man selbst reinigen muss. Es handelt sich hier um einen bekannteren, ursprünglich nur witzig, ironisch oder zynisch gemeinten Spruch, der des Öfteren nicht ganz richtig verwendet wird.

Wenn ein Partizip I (Partizip Präsens) ein Substantiv näher bestimmt, ist dieses Substantiv das Subjekt der Verbhandlung:

der fahrende Zug = der Zug fährt
die lachenden Dritten = die Dritten lachen
eine enttäuschende Entscheidung = die Entscheidung enttäuscht

das selbstfahrende Taxi = das Taxi fährt selbst
selbstklebende Etiketten = die Etiketten kleben selbst
eine selbsttragende Konstruktion = die Konstruktion trägt sich selbst
die selbstreinigende Küche = die Küche reinigt sich selbst

So wie man das selbstfahrend Taxi nicht selbst fahren muss, die selbstklebende Etikette auch durch jemand anderen aufkleben lassen kann und eine selbsttragende Konstruktion nicht selbst abstützen muss, so muss man eine selbstreinigende Küche auch nicht selbst reinigen. Das Taxi fährt sich selbst, die Etikette klebt von selbst, die Konstruktion trägt sich selbst und die Küche reinigt sich selbst – wenn man den Behauptungen der Herstellerfirmen und Marketingmenschen glauben darf.

Wenn ausgedrückt werden soll, was offenbar mit dem Hinweis in Ihrer Dienststelle gemeint ist, gibt es eine andere Formulierung mit dem Partizip I, mit der man „müssen“ ausdrücken kann:

Dies ist eine selbst zu reinigende Küche = eine Küche, die selbst gereinigt werden muss

Vgl. zum Beispiel:

der zu nehmende Zug = der Zug, den man nehmen muss
die zu respektierenden Dritten = die Dritten, die man respektieren muss
die zu treffende Entscheidung = die Entscheidung, die getroffen werden muss
selbst aufzuklebende Etiketten = Etiketten, die man selbst aufkleben muss

Der Hinweis „Diese Küche ist selbstreinigend“ ist also entweder humoristisch gemeint oder nicht richtig formuliert. Dass dies nicht für alle selbsterklärend ist, zeigt die Verwendung des Spruches in Ihrer Dienstelle und an manchen anderen Orten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Stimmt es, dass hier die Kommas im Nebensatz wegzulassen besser ist?

Vor allem für diejenigen, die sich für Subtilitäten der Zeichensetzung interessieren, hier ein Problem, das ich nicht eindeutig zu lösen weiß:

Frage

Mit der Herausgabe des amtlichen Regelwerks im Jahr 2024 wurde das Kapitel zur Zeichensetzung vollständig überarbeitet. Besonders bei den infiniten Nebensätzen wurden viele, früher fakultative Vorschriften nun obligatorisch. Zum Beispiel müssen nun Subjektinfinitive aufgrund ihrer Satzwertigkeit mit einem Komma abgetrennt werden. Leider konnte ich weder in Ihrem Blog noch im Regelwerk etwas finden, was deren Kommatierung innerhalb von Nebensätzen beschreibt.

Konkret fiel mir beim Lesen folgender Satz auf:

Er erkannte, dass den Mund zu halten besser war, als zu reden.

In einem Hauptsatz wäre das Komma unstrittig:

Den Mund zu halten, war besser, als zu reden.

Auch mit einem Verweiswort/Korrelat wäre die Kommasetzung klar geregelt:

Er erkannte, dass es besser war, den Mund zu halten, als zu reden.

[…] Wie verhält es sich nun hinsichtlich Grammatik und korrekter Zeichensetzung? Ist die Kommatierung eines Subjektinfinitivs innerhalb eines Nebensatzes erforderlich, erlaubt oder verboten?

… dass[,] den Mund zu halten[,] besser war …

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

im Prinzip werden infinite Nebensätze durch Kommas vom übergeordneten Satz abgetrennt. Nach der aktuellen Version der Rechtschreibregeln gilt dies, wie Sie richtig bemerken, auch für infinite Nebensätze mit Subjektfunktion:

Sich selbst zu besiegen, ist der schönste Sieg.
Unsere Gäste zu verwöhnen, macht uns Freude.
Den Mund zu halten, war besser, als zu reden.

Was bedeutet dies für den besonderen Fall in Ihrer Frage? Eine einfache Antwort mit einem Hinweis auf eine Regel muss ich Ihnen schuldig bleiben. Im Regelwerk wird keine Ausnahme für Subjektinfinitive in eingeleiteten Nebensätzen angegeben. Der Infinitiv (den Mund) zu halten bildet meiner Meinung nach auch kein mehrteiliges Prädikat mit war besser, so dass auch hier eigentlich Kommas gesetzt werden müssten. Es kommt ja ein infiniter Nebensatz vor, der nach der allgemeinen Regel abgetrennt werden sollte:

Stimmt es, dass, sich selbst zu besiegen, der schönste Sieg ist? [??]
Wichtig ist, dass, unsere Gäste zu verwöhnen, uns Freude macht. [??]
Er erkannte, dass, den Mund zu halten, besser war, als zu reden [??]

So machen wir es  auch bei andere Nebensätze mit eingeschobenen finiten oder infiniten Nebensätzen (die allerdings nicht Subjekt sind):

Telemachus erkannte, dass, wenn er Gott dienen wollte, er den Menschen dienen müsste.
Oft kommt es vor, dass, um sich zu vergnügen, das Schiffsvolk einen Albatros ergreift …

Die eingeklammerten Fragezeichen oben sollen angeben, dass ich die Kommasetzung dort für nicht gelungen bis sehr zweifelhaft halte. Als „Lösung“ könnte man hier eine Ausnahme formulieren, die nicht in den Regeln vorgesehen ist und wie folgt lautet: Infinite Nebensätze als Subjekt eines eingeleiteten Nebensatzes werden nicht durch Kommas abgetrennt:

Stimmt es, dass sich selbst zu besiegen der schönste Sieg ist?
Wichtig ist, dass unsere Gäste zu verwöhnen uns Freude macht.
Er erkannte, dass den Mund zu halten besser war, als zu reden.

Wenn auch diese Zeichensetung nicht überzeugt oder wenn man dies alles etwas zu kompliziert findet, kann man das Kommaproblem umgehen, indem man zu weglässt. Das ist bei Subjektinfinitiven möglich:

Stimmt es, dass sich selbst besiegen der schönste Sieg ist?
Wichtig ist, dass unsere Gäste verwöhnen uns Freude macht.
Er erkannte, dass den Mund halten besser war als reden.

Noch besser ist es oft, etwas weniger verschachtelt zu formulieren:

Sich selbst zu besiegen, ist der schönste Sieg. Stimmt das?
Wichtig ist, dass es uns Freude macht, unsere Gäste zu verwöhnen.
Er erkannte, dass es besser war, den Mund zu halten, als zu reden.

Das gilt auch für den nicht allzu leicht verständlichen Titel dieses Beitrages:

Stimmt es, dass es besser ist, im Titel oben die Kommas im Nebensatz wegzulassen?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Gereihte Nebensätze als Subjekt

Frage

Ich habe noch folgende Fragen:

Seine Stärke ist, dass er fleißig ist. Er kann auch gut zuhören.

In diesem Fall heißt es „Stärke“, weil nur eine Stärke („fleißig“) innerhalb des Satzes genannt wird.

Die folgenden Sätze seien aber nicht richtig:

Zu seinen Stärken zählen, dass er fleißig ist und dass er gut zuhören kann.
Zu seinen Schwierigkeiten gehören, dass er nicht lesen und nicht schreiben kann.

Warum sind „zählen“ und „gehören“ hier nicht richtig? Es werden doch zwei Stärken bzw. Schwierigkeiten genannt. Offenbar hat es etwas damit zu tun, ob ich die Stärken bzw. Schwierigkeiten mit Nomen („Fleiß“) benenne oder in Form eines Nebensatzes („dass er fleißig ist“). […]

Antwort

Guten Tag Herr S.,

in Ihren Beispielen geht es darum, dass Nebensätze Subjekt sein können. Hier ein paar Beispiele:

Vorteilhaft ist, dass er fleißig ist.
Dass er fleißig ist, zählt zu seinen Stärken.
Dass er nicht lesen kann, ist schwierig für ihn.
Lesen zu können, wäre wichtig.

Zwei oder mehr Nebensätze bilden aber zusammen kein mehrteiliges Subjekt, das ein Verb im Plural verlangen würde:

nicht: *Vorteilhaft sind, dass er fleißig ist und dass er gut zuhören kann.
nicht: *Dass er fleißig ist und dass er gut zuhören kann, zählen zu seinen Stärken.
nicht: *Nicht lesen zu können und nicht schreiben zu können, sind schwierig für ihn.
nicht: *Lesen zu können und schreiben zu lernen, wären wichtig.

Was ist richtig? – Wenn das Subjekt aus zwei gereihten Nebensätzen (auch Infinitivsätzen) besteht, bleibt das Verb im Singular:

Vorteilhaft ist, dass er fleißig ist und dass er gut zuhören kann.
Dass er fleißig ist und dass er gut zuhören kann, zählt zu seinen Stärken.
Dass er nicht lesen kann und dass er nicht schreiben kann, ist schwierig für ihn.
Lesen zu können und schreiben zu lernen, wäre wichtig.

Gereihte Substantive hingegen bilden zusammen ein mehrteiliges Subjekt mit einem Verb im Plural:

Vorteilhaft sind sein Fleiß und die Fähigkeit, gut zuzuhören.
Sein Fleiß und seine Fähigkeit, gut zuzuhören, zählen zu seinen Stärken.
Seine Leseschwäche und seine Schreibschwäche sind schwierig für ihn.
Das Lesen und das Schreiben sind wichtig für ihn.

Kurz zusammengefasst: Bei gereihten Substantiven als Subjekt, steht das Verb meistens im Plural:

Fleiß und Aufmerksamkeit zählen zu seinen Stärke.

Bilden aber gereihte Nebensätze das Subjekt, bleibt das Verb im Singular:

Dass er fleißig ist und dass er gut zuhören kann, zählt zu seinen Stärken.
Fleißig zu sein und aufmerksam zuhören zu können, zählt zu seinen Stärken.

Normalerweise wählt man hier die richtige Verbform, ohne weiter dabei nachzudenken. Es kann aber nicht schaden, diese Besonderheit hier einmal zu erwähnen, zum Beispiel für den Fall, dass man wie Sie doch einmal darüber nachdenkt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Verbformenreiche Formulierung:
Soll er sich haben ansprechen lassen, ansprechen haben lassen oder ansprechen lassen haben?

Frage

Wie sollte man Ihrer Meinung nach in diesem Satz die Verben anordnen? „Er soll sich mit ,Boss‘ ansprechen haben lassen“ („haben ansprechen lassen“, „ansprechen lassen haben“?). Ich finde im Duden leider nichts dazu und auch nicht in Ihrem Blog-Archiv unter dem Stichwort „Infinitiv(e)“.

Antwort

Guten Tag Herr H.,

hier haben wir es wieder einmal mit einer Anhäufung von Verbformen zu tun, die nicht allzu oft vorkommt und bei der man leicht ins Stolpern geraten kann – vor allem wenn man anfängt, darüber nachzudenken.

Als standardsprachlich korrekt gilt hier:

Er soll sich mit Boss haben ansprechen lassen.
Er soll sich mit Boss ansprechen lassen haben.

Die allgemeine Regel lautet so:

Wenn eine Verbgruppe einen Ersatzinfinitiv von heißen, lassen, helfen, sehen, fühlen, hören enthält und dieser Ersatzinfinitiv vom Hilfsverb haben abhängig ist, wird das finite Hilfsverb im Nebensatz in der Regel vor die Verbgruppe gestellt. Zumindest bei lassen, sehen, fühlen, hören gilt aber die Endstellung des finiten Hilfsverbs auch als korrekt.

dass er sich mit Boss hat ansprechen lassen
dass er sich mit Boss ansprechen lassen hat

ob jemand die Verdächtigen habe weggehen sehen
ob jemand die Verdächtigen weggehen sehen habe

obwohl er das Kind hatte weinen hören
obwohl er das Kind weinen hören hatte

Die Regel gilt auch im folgenden Fall, in dem noch eine Verbform hinzukommt:

Das Hilfsverb haben steht auch dann vor den anderen Infinitiven, wenn es selbst im Infinitiv steht.

Er soll sich mit Boss haben ansprechen lassen.
Er soll sich mit Boss ansprechen lassen haben.

Jemand musste die Verdächtigen haben weggehen sehen.
Jemand musste die Verdächtigen weggehen sehen haben.

Er will das Kind haben weinen hören.
Er will das Kind weinen hören haben.

Siehe hierzu auch die LEO-Grammatik; Duden, Grammatik, 9. Auflage, 2016, Randnummer 684; Duden, Grammatik, 10. Auflage, 2022, Randnummer 658 ff.

Wie die Beispiele zeigen, sind Formulierungen dieser Art schwierig zu verwenden, ebenso schwierig zu erklären und manchmal auch gar nicht so einfach zu verstehen. Wenn sie nicht spontan der Tastatur entspringen oder wenn man zweifelt, ist es oft besser, etwas weniger verbformenreich zu formulieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kardinäle, die unter 80 Jahre[n] alt sind – mit oder ohne n?

Frage

Eine Kasusfrage zur folgenden Formulierung: „alle Kardinäle, die unter 80 Jahren alt sind“. Muss es nicht heißen: „alle Kardinäle, die unter 80 Jahre alt sind“?

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

auch wenn man es des Öftern anders hört und liest, richtig ist hier die unter 80 Jahre alt sind. In dieser Formulierung ist unter keine Präposition, sondern ein Adverb, das keinen Einfluss auf den Fall des Nachfolgenden hat.

Wenn unter vor einer Zahlenangabe steht und durch weniger als ersetzt oder weggelassen werden kann, hat es keinen Einfluss auf den Fall des nachfolgenden Ausdruckes:

Kardinäle, die 80 Jahre alt sind
Kardinäle, die weniger als 80 Jahre alt sind
Kardinäle, die unter 80 Jahre alt sind

Kardinäle von 80 Jahren
Kardinäle von weniger als 80 Jahren
Kardinäle von unter 80 Jahren

Wenn man unter nicht durch weniger als ersetzen oder weglassen kann, folgt der Dativ:

Kardinäle unter 80 Jahren

Sie haben also recht. Nur Kardinäle, die unter 80 Jahre alt sind, können den Papst wählen. Es heißt also richtig:

Wahlberechtigt sind alle Kardinäle, die unter 80 Jahre alt sind.

Aber:

Wahlberechtigt sind alle Kardinäle unter 80 Jahren.

Das gilt übrigens auch für über und bis zu:

Kardinäle, die über 80 Jahre alt sind, können nicht an der Papstwahl teilnemen.
Kardinäle über 80 Jahren können nicht an der Papstwahl teilnehmen.

Wahlberechtigt sind nur Kardinäle, die bis zu 80 Jahre alt sind.
Wahlberechtigt sind nur Kardinäle bis zu 80 Jahren.

Siehe auch hier und hier.

Wer als Papst gewählt worden sein wird, wenn weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kappelle aufsteigt, wissen wir natürlich noch nicht. Wir wissen nur, dass er wahrscheinlich unter 80 Jahre alt sein wird (und männlich und katholisch und …).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Viele Verben am Satzende: in Gefahr gebracht hätten werden können, hätten in Gefahr gebracht werden können, in Gefahr hätten gebracht werden können?

Frage

In einem Nachrichtenartikel bin ich auf einen Nebensatz mit vier Verben gestoßen. Die Wortstellung verstehe ich allerdings nicht.

Für Kritiker ist das ein klarer Beleg dafür, dass dadurch US-Militärs in Gefahr gebracht hätten werden können.

So wie ich das verstehe, ist das ein Ersatzinfinitiv in einem Nebensatz, also sollte „hätten“ als Hilfsverb vor allen anderen Verben stehen, also:

… dass dadurch US-Militärs hätten in Gefahr gebracht werden können

Weil „in Gefahr“ eng mit „gebracht“ verbunden ist, sollte „hätten“ auch schon davor stehen. Irre ich mich?

Antwort

Guten Tag N.,

Sie irren sich nicht. Standardsprachlich sollte das Hifsverb hätten in diesem Satz am Anfang der Verbgruppe stehen. Dabei kann das eng mit dem Vollverb bringen verbundene in Gefahr (vgl. in Gefahr bringen) zwischen hätten und dem Vollverb stehen

Für Kritiker ist das ein klarer Beleg dafür, dass dadurch US-Militärs hätten in Gefahr gebracht werden können.

Man kann aber in Gefahr auch aus der Verbgruppe herauslösen und vor hätten stellen:

Für Kritiker ist das ein klarer Beleg dafür, dass dadurch US-Militärs in Gefahr hätten gebracht werden können.

Ganz ähnlich zum Beispiel:

Es liegt nahe, dass die Verteidigung auf die Entscheidung hätte Einfluss nehmen können.
Es liegt nahe, dass die Verteidigung auf die Entscheidung Einfluss hätte nehmen können.

Dies hat zur Folge, dass der Kläger sich vor dem Verkauf mit der Beklagten hätte in Verbindung setzen müssen.
Dies hat zur Folge, dass der Kläger sich vor dem Verkauf mit der Beklagten in Verbindung hätte setzen müssen.

Man hätte Zelte aufbauen müssen, wenn die Gemeinde dieses Gebäude nicht hätte zur Verfügung stellen wollen.
Man hätte Zelte aufbauen müssen, wenn die Gemeinde dieses Gebäude nicht zur Verfügung hätte stellen wollen.

Weil diese Vergruppen am Satzende ziemlich komplex sind, geraten die Verbformen manchmal durcheinander, so dass auch Formulierungen, wie Sie sie in Ihrer Frage zitieren, häufiger vorkommen, auch wenn sie streng genommen nicht korrekt sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Akkusativobjekt oder Adverbialbestimmung: „die Treppe hinaufgehen“?

Frage

Es geht um Sätze wie diese:

Sie geht die Treppe hinauf..
Er fällt die Leiter hinunter..

Handelt es sich bei „die Treppe“ bzw. „die Leiter“ um einen adverbialen Akkusativ (Streckenangabe) oder ein Akkusativobjekt? […]

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Ihr Zweifel ist gut verständlich, denn diese Wortgruppen haben Merkmale beider Satzgliedarten. Es handelt sich hier aber eher um eine Adverbialbestimmung als um ein Akkusativobjekt. Warum?

  • Wenn man den Satz ins (unpersönliche) Passiv umsetzt, bleibt der Akkusativ ein Akkusativ. Wäre er ein Akkusativobjekt, würde er im Passiv zum Subjekt, also zu einem Nominativ:

Sie geht den Berg hinauf.
Es wird den Berg hinaufgegangen.
(nicht: *Es wird der Berg hinaufgegangen)

Er rennt den Abhang hinunter.
Es wird den Abhang hinuntergerannt.
(nicht: *Es wird der Abhang hinuntergerannt)

  • Das Perfekt wird mit sein gebildet, während transitiven Verben (Verben mit einem Akkusativobjekt) in der Regel mit haben stehen:

Sie ist die Treppe hinaufgegangen.
(nicht: *Sie hat die Treppe hinaufgegangen)

Er ist die Treppe hinuntergefallen.
(nicht: *Er hat die Treppe hinuntergefallen)

Sie ist den Abhang hinuntergefahren.
(nicht: *Sie hat den Abhang hinuntergefahren)

  • Die Adverbialbestimmung kommt in der gleichen Form auch zusammen mit einem Akkusativobjekt vor:

Er trägt den Hund die Treppe hinauf.
(Akkusativobjekt = den Hund)

Sie hat ihn die Leiter hinuntergestoßen.
(Akkusativobjekt = ihn)

Sie hat den Wagen den Abhang hinuntergefahren.
(Akkusativobjekt = den Wagen)

Aus diesen Gründen sind die Treppe und die Leiter in Ihren Beispielen als Adverbialbestimmungen (adverbiale Akkusative) anzusehen. Wie man genau fragen muss, ist allerdings nicht so einfach. Meist passt wo? (→ Adverbialbestimmung) allerdings etwas besser als wen oder was? (→ Akkusativobjekt):

Sie geht die Treppe hinauf – Wo geht sie hinauf?
Er ist die Leiter hinuntergefallen – Wo ist er hinuntergefallen?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mit oder ohne „es“: Sie konnte [es] sich aussuchen, wem …

Frage

Trotz intensiver Suche finde ich Internet keine Lösung. Ich schreibe:

Elisabeth konnte es sich aussuchen, wem sie ihre Gunst schenkt.

Verbessert wird der Satz:

Elisabeth konnte sich aussuchen, wem sie ihre Gunst schenkt.

Doch das klingt mir im Fluss des Satzes (und der Geschichte) nicht elegant, eher holprig. Habe ich Unrecht?

Antwort

Guten Tag Frau R.,

man kann hier sowohl mit als auch ohne es formulieren. Der mit wem beginnende Nebensatz ist ein Objektsatz, das heißt, er hat im Gesamtsatz die Funktion des Akkusativobjektes (wen oder was aussuchen?). Objektsätze können im übergeordneten Satz häufig fakultativ durch es vertreten sein (Korrelat). Damit ist gemeint, dass im übergeordneten Satz ein es steht, das den Objektnebensatz sozusagen ankündigt. Dieses es ist häufig fakultativ. Es kann, aber es muss nicht stehen (mehr dazu hier ).

Ein paar Beispiele:

Ich verstehe [es] gut, dass du heute keine Zeit hast.
Die meisten Menschen mögen [es] nicht, dass ihre Daten verkauft werden.
Wir bedauern [es], Sie enttäuschen zu müssen.
Ich weiß [es] nicht mehr, was sie genau gesagt hat.
Er konnte [es] nie vergessen, wie schlecht man ihn im Heim behandelt hatte.

Das gilt aber nicht immer. Manchmal kann kein Korrelat stehen. Zum Beispiel:

nicht: Die Polizei vermutet *es, dass der Dieb durch ein Fenster eingestiegen ist.
nicht: Wir beschlossen *es, noch nicht nach Hause zu gehen.

Ob ein Korrelat möglich ist, hängt vom Verb und seiner Bedeutung ab. Feste Regeln gibt es kaum, außer dass bei indirekter Rede und bei indirekten Fragen kein Korrelat stehen kann:

nicht: Er sagt *es, du habest das Geld gestohlen.
nicht: Sie fragt *es, wann ihr kommt.

Zurück zu Ihrer Frage: Das Verb sich aussuchen gehört zu den Verben, die mit einem Korrelat stehen können:

Nur die wenigsten Arbeitnehmenden können [es] sich aussuchen, ob sie länger arbeiten oder nicht.
Elisabeth konnte [es] sich aussuchen, wem sie ihre Gunst schenkt.

Siehe die Angaben im Wörterbuch zur Verbvalenz des IDS Mannheim, Stichwort aussuchen, Beispielsätze 8–11.

Beide Varianten sind korrekt. Wofür man sich entscheidet, ist vor allem eine Geschmacksfrage. Sie können in Ihrem Satz also wählen, was Ihnen besser zusagt. Ich hätte spontan ohne es formuliert, aber das ist, wie gesagt, Geschmackssache.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Stellte es sich als einen Fehler oder als ein Fehler heraus?

Frage

Ich habe eine Frage zur Verbvalenz. Auf die Schnelle habe ich leider auch online […] nichts gefunden, daher wende ich mich jetzt an Sie!

Es geht um Verben wie „herausstellen“. Was ist richtig?

Es stellte sich als einen Fehler heraus.
Es stellte sich als ein Fehler heraus.

Ich weiß nicht, ob ich den Nominativ oder den Akkusativ nehmen muss. Ein anderes Beispiel wäre: „Das Problem stellte sich als ein/einen Fehler heraus.“
[…]

Antwort

Guten Tag Herr M.,

es geht hier um das reflexive Verb sich herausstellen, das mit einer als-Gruppe steht. Dann gilt im heutigen Deutschen das Folgende:

Bei reflexiven und reflexiv verwendeten Verben kann eine als-Gruppe sich theoretisch auf das Subjekt oder auf das Reflexivpronomen sich beziehen. Wenn die als-Gruppe sich auf das Subjekt bezieht, steht sie im Nominativ. Wenn sie sich auf sich bezieht, steht sie im Akkusativ. Im heutigen Deutschen steht meistens der Nominativ (vgl. hier).

Worum es geht, ist wahrscheinlich mit Hilfe einiger Beispiele einfacher zu sehen:

Er spielt sich gern als der große Gönner auf.
Der Komponist empfand sich als ein Vertreter der Moderne.
Der Rottweiler hat sich als guter Wachhund bewährt.
Das Museum präsentiert sich als moderner und multimedialer Erlebnisraum.
Du zeichnest dich als perfekter Gastgeber aus.
Franz betrachtet sich als dein bester Freund.
Die Region stellt sich als einzigartiger Kulturraum dar.
Er empfiehlt sich als neuer Leiter des Chors.
Er empfand sich als deutscher Maler.
Er fühlt sich als großer Gönner.
Dieses Vorgehen erwies sich als ein großer Fehler.
Der Fremde gab sich als Deutscher zu erkennen.

Und entsprechend auch:

Das Problem stellte sich als ein Fehler heraus.

Seltener kommt auch der Akkusativ vor, wenn das Verb bei gleicher Bedeutung auch mit einem Akkusativobjekt stehen kann*:

Er stellt sich als guten, besorgten Vater hin.
üblicher: Er stellt sich als guter, besorgter Vater hin.

Der Komponist empfand sich als einen Vertreter der Moderne.
üblicher: Der Komponist empfand sich als ein Vertreter der Moderne.

Das Museum präsentiert sich als modernen und multimedialen Erlebnisraum.
üblicher: Das Museum präsentiert sich als moderner und multimedialer Erlebnisraum.

Du zeichnest dich als perfekten Gastgeber aus.
üblicher: Du zeichnest dich als perfekter Gastgeber aus.

Er sieht sich als den Retter der Menschheit.
üblicher: Er sieht sich als der Retter der Menschheit.

Wenn das Verb (mit einer gewissen Bedeutung) nur reflexiv verwendet wird, ist der Akkusativ veraltet oder er kommt gar nicht vor:

Er spielt sich gern als der große Gönner auf.
(Er spielt sich gern als den großen Gönner auf = veraltet)

Der Rottweiler hat sich als guter Wachhund bewährt.
(Der Rottweiler hat sich als guten Wachhund bewährt = veraltet)

Das Problem stellte sich als ein Fehler heraus.
(Das Problem stellte sich als einen Fehler heraus = veraltet)

Dieses Vorgehen erwies sich als großer Fehler.

Wie so häufig sind die Übergänge bei selten, veraltet und gar nicht fließend. Im Allgemeinen gilt aber, dass man am besten den Nominativ wählt, wenn eine als-Gruppe bei einem reflexiven oder reflexiv verwendeten Verb steht. Das bietet sich als der einfachste Weg an.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Mit Akkusativobjekt:

Sie stellen ihn als guten, besorgten Vater hin.
Der Kritiker empfand ihn als einen Vertreter der Moderne.
Das Museum präsentiert den Saal als modernen und multimedialen Erlebnisraum.
Das zeichnet dich als perfekten Gastgeber aus.
Sie sahen ihn als den Retter der Menschheit.