Abgehängt und abgehangen

Frage

Ich bitte Sie um Beantwortung der Frage, ob der folgende Satz richtig ist: „Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehängt.“ Es geht mir besonders um „abgehängt“ und „abgehangen“!

Ich bin mir nicht sicher, ob es sich bei dem abgehängten Fleisch doch vielleicht um ein Zustandspassiv handelt, da ja nicht gemeint ist, dass das Fleisch ohne Zwischenfälle von irgendwo abgenommen wurde, sondern dass es sich um seinen jetzigen Zustand handelt.

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Partizip abgehängt gehört zum transitiven Verb abhängen (etwas Aufgehängtes herunternehmen, etwas loskoppeln).

Sie hat Bild wieder abgehängt.
Der hinterste Wagen wird in Freiburg abgehängt.
Wir haben alle Konkurrenten abgehängt.

Das Partizip abgehangen gehört zum intransitiven Verb abhängen (u.a. durch längeres Hängen mürbe werden).

gut abgehangenes Rindfleisch

Es ist theoretisch möglich, zu sagen, dass das Fleisch sehr gut abgehängt ist. Mit diesem Zustandspassiv würde ausgerückt, dass das Fleisch sich in einem Zustand des Sehr-gut-vom-Haken-genommen-Seins befindet.

Wenn jedoch, wie ich stark vermute, gesagt werden soll, dass das Fleisch sehr schön mürbe (geworden) ist, muss es heißen:

Das Fleisch hat zwei Wochen im Reiferaum gehangen und ist jetzt sehr gut abgehangen.

Auch ich werde hoffentlich in gut zwei Wochen das intransitive Verb abhängen in umgangssprachlichem Sinn verwenden können: Ich habe in Portugal viel einfach nur abgehangen. Für diese Wortwahl bin ich allerdings nicht mehr jung genug – und wenn ich es noch wäre, hieße es nun wohl eher gechillt. Ich werde es einfach ruhig und entspannt angehen und zwei Wochen lang entsprechend wenig von mir hören lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das gehört mir oder das ist mein/meins/mir

Frage

Mein Mann sagt „Das ist mir“ oder „Das ist Dein“. Sind das korrekte Sätze? Ich meine, das ist falsch.

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

die Formulierungen, die Sie in Ihrer Frage anführen, sind ein schönes Beispiel dafür, dass es in der Sprache nicht immer nur darum geht, ob etwas richtig oder falsch ist. Die Wendungen, die Ihr Mann verwendet, sind nämlich nicht falsch. Sie gehören einfach zu verschiedenen Sprachniveaus.

Wenn man ausdrücken möchte, dass etwas jemandes Besitz ist, wählt man in der heutigen Standardsprache im Allgemeinen das Verb gehören:

Das Buch gehört mir.
Gehört der Wagen dir?
Das Grundstück gehörte ihm/ihr.

Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, dasselbe Besitzverhältnis anzugeben. Standardsprachlich akzeptiert ist auch:

Das Buch ist mein.
Ist der Wagen dein?
Das Grundstück ist sein/ihr.

Ich muss dabei aber anmerken, dass diese Wendung auf mich einen sehr gehobenen und eher veraltenden Eindruck macht. Sie passt zu Aussagen wie:

Die Rache ist mein.
Der Sieg ist unser!
Dein ist mein ganzes Herz

Viel häufiger kommen die folgenden, als umgangssprachlich und regionalsprachlich geltenden Wendungen vor:

Das Buch ist meins.
Ist der Wagen deiner?
Das Grundstück ist seins.

Oder mit dem Dativ:

Das Buch ist mir.
Ist der Wagen dir?
Das Grundstück ist ihm.

Es gibt also verschiedene Arten, wie man angeben kann, dass etwas jemandes Besitz ist. Es geht hier nicht darum, ob wirklich all diese Wendungen „richtig“ sind, sondern darum, jeweils die zur Situation und dem Sprachniveau passende zu wählen:

In einem neutralen standardsprachlichen Kontext verwendet man am besten gehören. Die Wendung das ist mein/dein/unser usw. passt eher in einen gehobenen (oder evtl. ironisch-humoristischen) Zusammenhang. In der alltäglichen Umgangssprache können Sie schließlich je nach Region oder Lust und Laune das ist meins oder das ist mir sagen.

Und wem das alles zu kompliziert ist: jemandem gehören passt immer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Schon früher und schon später

Frage

[…] Sie hatten bestätigt:

schon = unerwartet früh
erst = unerwartet spät

Nun habe ich Beispielsätze aus dem Buch „Berliner Platz Neu 2.2“:

In Deutschland isst man SCHON [= unerwartet früh] zu Abend, in Spanien ERST [= unerwartet spät] um 21 Uhr.“

Hier passt die Erklärung also. Aber wie wäre folgender Satz zu erklären:

Meine Freundin wollte um drei kommen und jetzt ist es SCHON [=unerwartet SPÄT] Viertel vor vier und sie ist noch nicht da.“

„Schon“ bedeutet im ersten Beispielsatz also „unerwartet FRÜH“, im zweiten Beispielsatz aber „unerwartet SPÄT“. Das sieht ja doch erst mal wie ein Widerspruch aus. Haben Sie eine Idee dazu?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

das sieht auf den ersten Blick tatsächlich ziemlich verwirrend aus. Es ist auch gar nicht so einfach, den Unterschied zu erfassen. Ich versuche es trotzdem einmal:

Wenn schon ein Geschehen zeitlich bestimmt, dann bedeutet es früher als erwartet/geplant/vorhergesehen:

Sie wurde schon mit fünf Jahren eingeschult = Sie wurde früher als erwartet eingeschult
Man isst in Deutschland schon vor acht Uhr zu Abend = Man isst früher als erwartet

Hier wird schon als Adverb verwendet, das ein Geschehen näher bestimmt: Das Geschehen tritt früher als erwartet ein. Man fragt mit wann.

Wenn schon eine Menge, eine Anzahl, ein Ausmaß oder eben eine Zeitangabe näher bestimmt, bedeutet es im weitesten Sinne mehr als erwartet/geplant/vorhergesehen:

Sie war schon sieben Jahre alt, als sie eingeschult wurde = mehr Jahre als erwartet.
Es ist schon Viertel vor vier = später als erwartet

Hier bestimmt schon nicht ein Geschehen, sondern einen Zeitpunkt näher. Der mit schon modifizierte Zeitpunkt ist weiter fortgeschritten als erwartet. Man fragt mit wie spät, wie lange, wie alt usw.

Wenn man nun Zeitpunkt und Geschehen miteinander kombiniert, sieht man vielleicht ein bisschen besser, wie schon und erst zueinander stehen:

Es ist SCHON so spät und das Geschehen tritt doch ERST jetzt ein.
Es ist ERST so spät und das Geschehen tritt doch SCHON jetzt ein.

Es geschah SCHON um vier Uhr. Es war also ERST vier Uhr, als es geschah.
Es geschah ERST um fünf Uhr. Es war also SCHON fünf Uhr, als es geschah.

Muttersprachige, aber auch fortgeschrittene Lernende verwenden schon und erst automatisch in dieser Weise, ohne dass sie dabei nachdenken müssen. Erst wenn man es genau erklären soll, wird es schwierig. Eine Eselsbrücke könnte sein: Wenn man mit wann fragen kann, ist schon ein Temporaladverb mit der Bedeutung früher als erwartet, sonst bedeutet es mehr/später als erwartet. (Wirklich einfacher wird es damit aber auch nicht …).

Sie kommt schon um 15.00 Uhr –  Wann kommt sie?
schon = früher als erwartet
Jetzt ist es schon 16.00 Uhr – Wie spät ist es jetzt?
schon = später als erwartet

In Spanien isst man erst um 21.00 Uhr – Wann isst man in Spanien?
erst = später als erwartet
In Spanien ist es schon 21.00 Uhr, wenn man isst – Wie spät ist es, wenn man in Spanien isst?
schon = später als erwartet

Diesen komplex erscheinenden Unterschied zwischen Bestimmungswort eines Geschehens und Bestimmungswort eines Zeitpunktes gibt es auch in anderen Sprachen. So werden zum Beispiel im Englischen already/only, im Französischen déjà/seulement, im Italienischen già/solo und im Niederländischen al/pas gleich verwendet wie im Deutschen schon/erst. Das bringt den Vorteil mit sich, dass man zumindest einem Teil der Deutschlernenden nur beibringen muss, dass es nicht *Es ist nur fünf Uhr, sondern Es ist erst fünf Uhr heißt, dass man ihnen aber nicht den genauen Unterschied zwischen erst = unerwartet spät und erst = unerwartet früh erklären muss.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Auf oder unter www.canoonet.eu?

Frage

Was ist korrekt: „Interessierte finden auf ODER unter www.canoonet.eu weiterführende Informationen“?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

beide Formulierungen kommen häufig vor und beide sind richtig. Aber warum? Schließlich ist auf dem Tisch auch nicht dasselbe wie unter dem Tisch.

Zuerst sollte man hier auf und unter nicht allzu wörtlich nehmen. Weiter kann man eine Angabe wie www.canoonet.eu oder http://www.canoonet.eu als eine Internetadresse, aber auch als eine Website ansehen und entsprechend behandeln:

Interessierte finden auf der Website www.canoonet.eu weiterführende Informationen.
Interessierte finden unter der Adresse www.canoonet.eu weiterführende Informationen.

Oder ein bisschen kürzer:

Interessierte finden auf www.canoonet.eu weiterführende Informationen.
Interessierte finden unter www.canoonet.eu weiterführende Informationen.

Die unterschiedlichen Präpositionen können also auf unterschiedliche Betrachtungsweisen zurückgeführt werden. Diese Information lässt sich übrigens nicht so auf oder unter www.canoonet.eu finden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Warum in und nicht auf Polynesien?

Immer wieder gibt es Fragen dazu, welche Präpositionen bei Inseln zu verwenden sind (siehe zum Beispiel hier und hier). Immer wieder erstaunt mich das, denn das deutsche Sprachgebiet ist ja nicht besonders inselreich. Vielleicht erklärt gerade die relative Inselarmut die Popularität dieser Frage. Die Regel, die die meisten irgendwann einmal lernen, ist ganz einfach: bei Namen von Orten, Regionen und Ländern verwendet man in (in Dresden, in Osaka, in Sachsen, im Burgund, in Deutschland, in den Niederlanden), bei Inseln aber auf (auf Sylt, auf Curaçao, auf der Mainau). Dass es aber nicht immer ganz so eindeutig ist, sehen Sie  hier und hier. Und heute ein weiteres Beispiel, weshalb es trotz der Einfachheit der Regel zu Fragen kommen kann.

Bora Bora

Inselfrage

Polynesien scheint unter den Sonderfällen ein Sonderfall zu sein. Man ist „in“ Polynesien, obwohl man „auf“ den Inseln weilt. Man kann auf den Kanaren geboren sein, aber nicht auf Polynesien. Die geopolitischen Ansätze funktionieren hier nicht mehr. (Quantengrammatik ?)

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

um die Verwendung von in bei Polynesien zu erklären, braucht man keine „Quantengrammatik“. Der Name Polynesien bezeichnet anders als zum Beispiel Kanaren, Azoren und Bahamas nicht eine Inselgruppe, sondern eine ganze Region, die aus verschiedenen eigenständigen Inseln und Inselgruppen besteht. Das sieht man auch daran, dass Polynesien zwar viele Inseln umfasst, als Name aber in der Einzahl steht (Polynesien hat/ist…). Man lebt nicht auf einer Region, sonder in einer Region. So lebt man zum Beispiel auf Hawaii, auf Samoa oder auf den Cook-Inseln, die alle in Polynesien liegen. Dasselbe gilt für Melanesien und Mikronesien – und auch für Inselstaaten wie Indonesien und Japan.

Auch bei Japan und Indonesien heißt es nicht auf Japan, sondern in Japan und nicht auf Indonesien, sondern in Indonesien, obwohl es sich, wie ein Blick auf die Karte zeigt, um Inselgruppen handelt. Die Namen Japan und Indonesien werden also als Name eines Landes oder einer Region aufgefasst und entsprechend behandelt.

Als Faustregel kann gelten: Namen von aus Inselgruppen bestehenden Ländern und Regionen werden nur dann mit auf verwendet, wenn der Name ein Plural ist:

auf den Kanaren, auf den Azoren, auf den Philippinen
in Polynesien, in Indonesien, in Japan

Es ist nicht die brisanteste aller deutschen Grammatikfragen, sie zeigt aber gut, dass es auch bei so etwas Übersichtlichem wie Inselgruppen mehr als eine Betrachtungsweise und entsprechend mehr als eine sprachliche Ausdrucksweise geben kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Wettlauf mit der Zeit und gegen die Zeit

Frage

Wie heißt es richtig: „Wettlauf mit der Zeit“ oder „Wettlauf gegen die Zeit“

Antwort

Sehr geehrte Frau T.,

spontan würde man ja sagen, dass es einen großen Unterschied zwischen etwas mit jemandem tun und etwas gegen jemanden tun gibt. Es hört sich sogar ziemlich gegenteilig an. Trotzdem kommen hier beide Formulierungen vor und gelten beide als korrekt:

ein Wettlauf mit der Zeit
ein Wettlauf gegen die Zeit

Es gibt noch nicht einmal einen wesentlichen Bedeutungsunterschied. Das hat mit einer unterschiedlichen Betrachtungsweise des Phänomens Wettlauf zu tun. Ein Wettlauf oder ein Wettrennen ist ein Geschehen, dass man mit jemandem unternimmt, indem man gegen diese Person oder diese Personen antritt. Nimmt man mit, gibt man an, wer auch am Wettlauf teilnimmt. Nimmt man gegen, gibt man an, wer die Gegenpartei ist.

Im Märchen gewinnt der Igel das Wettrennen mit dem Hasen.
Im Märchen gewinnt der Igel das Wettrennen gegen den Hasen.

Diese beiden Sichtweisen sind, wie oben schon gezeigt, auch bei der Verwendung von Wettlauf im übertragenen Sinne möglich. Je sportlicher und kompetitiver ein Wettlauf, ein Wettrennen o. Ä. ist, desto stärker nimmt allerdings die Formulierung mit gegen überhand. So werden Fußballspiele im Allgemeinen nur gegen eine andere Mannschaft ausgetragen und liest man häufiger über den Titelkampf von Tyson Fury gegen Wladimir Klitschko als über den Titelkampf von Tyson Fury mit Wladimir Klitschko.

Zum Glück für mich (und für diejenigen, die es gerne möglichst kurz und bündig haben, leider) ist die Beantwortung dieser Frage für mich heute weder ein Wettlauf gegen die Zeit noch ein Wettlauf mit der Zeit.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Tauschen mit und tauschen gegen

Frage

Wenn an einem Wintertag die Angestellten nicht ins Büro, sondern auf die Piste gehen, haben sie dann das Büro mit der Piste getauscht oder haben sie das Büro gegen die Piste getauscht?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

dass alle mit und gegen beim Verb tauschen immer genau so verwenden, wage ich zu bezweifeln, aber die allgemein gebräuchlichen Konstruktionen mit diesem Verb sind die folgenden.

Wenn man angibt, was wodurch ersetzt wird, verwendet man gegen:

etwas gegen etwas tauschen
Sie tauschten Pelze gegen Nahrungsmittel.
Sie will ihr Auto gegen ein größeres tauschen.

Wenn man angibt, welche Person beim Tausch von etwas auch beteiligt ist, verwendet man mit:

etwas mit jemandem tauschen
Er hat die Wohnung mit einem Freund getauscht.
Sie haben ein paar freundliche Worte miteinander getauscht.

Die Person kann auch weggelassen werden. Dann steht weder mit noch gegen:

etwas tauschen
Sollen wir die Plätze tauschen?
Nach dem Jawort tauschten sie die Ringe.

Und wenn man angibt, dass man gerne an jemandes Stelle wäre, ist mit die richtige Wahl:

mit jemandem tauschen
Ich möchte nicht mit ihm tauschen!

In Ihrem Beispiel haben also die Angestellten das Büro gegen die Piste getauscht. Das konnten sie tun, weil sie ihren freien Tag mit anderen Angestellten getauscht hatten. Und die im Büro Zurückgebliebenen würden gerne mit ihnen tauschen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Deutschlands Wörter des Jahres 2015

Die Wahl des Anglizismus des Jahres hat diese Woche die deutschen Wortwahlen für das Jahr 2015 abgeschlossen. Auffallend ist, dass sie alle aus dem Themenbereich rund um die Flüchtlingsfrage stammen:

Wort des Jahres: Flüchtling
Unwort des Jahres: Gutmensch
Anglizismus des Jahres: Refugees Welcome

Nur ein gekürtes Wort passt nicht in diese Reihe:

Jugendwort des Jahres: Smombie

Kann man stolz auf einen selbst sein?

Frage

Ist der Satz „Am Ende ist man stolz auf einen selbst“ grammatikalisch richtig oder muss es heißen „Am ist man stolz auf sich selbst“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Das Reflexivpronomen sich wird dann verwendet, wenn es sich in der dritten Person auf das Subjekt des Satzes bezieht. Das gilt auch dann, wenn das unpersönliche man Subjekt ist. In Ihrem Satz ist die Person, auf die man stolz ist, identisch mit dem Subjekt man. Das Pronomen, das nach auf folgt, bezieht sich somit auf das Subjekt. Die richtige Wahl ist hier deshalb sich (evtl. mit verstärkendem selbst), nicht einen selbst:

Am Ende ist man stolz auf sich [selbst].

Vgl.

Am Ende ist er/sie stolz auf sich [selbst].
Am Ende sind sie stolz auf sich [selbst].

Auch in den folgenden Beispielen steht nicht einen oder einem, sondern sich:

Vor dem Essen sollte man sich die Hände waschen.
(nicht: … sollte man einem selbst die Hände waschen)
Man darf sich nicht wundern, dass …
(nicht: Man darf einen selbst nicht wundern, dass …)
Wenn man mit sich und der Welt zufrieden ist …
(nicht: Wenn man mit einem selbst und der Welt zufrieden ist …)

Das unpersönliche Pronomen einen steht dann, wenn es sich nicht auf das Subjekt des Verbs bezieht:

Es darf einen nicht wundern, dass …
Man möchte ja, das jemand auf einen stolz ist.

Solche Formulierungen mit einen und einem werden heute allerdings von vielen vermieden, weil sie eine allgemein gemeinte Aussage mit einem rein männlichen Pronomen ausdrücken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Auf/bei/über XY.de bestellen

Frage

Eine Frage zu Präpositionen in Bezug auf Websites:

Ich kaufe etwas auf otto.de
Ich kaufe etwas bei otto.de

Gibt es da einen entscheidenden Unterschied? Ist beides richtig?

Ich bestelle etwas bei otto.de
Ich bestelle etwas auf otto.de
Ich bestelle etwas über otto.de

Ist die Version mit „über“ umgangssprachlich?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

alles kommt vor und alles ist möglich. Welche Präposition man wählt, hängt vom Bild ab, das man sich von diesem Vorgang macht:

Ich kaufe/bestelle etwas auf Otto.de = auf der Website Otto.de
Ich kaufe/bestelle etwas bei Otto.de = beim Anbieter Otto.de

Die Formulierung mit über ist nicht umgangssprachlich, sie ist aber viel seltener und hat eine leicht andere Bedeutung:

Ich bestelle etwas über Otto.de = durch Vermittlung von Otto.de

Am häufigsten kommt bei diesen Webadressen die Präposition bei vor. Wir verwenden also trotz einer neuen, digitalen Einkaufsmethode am liebsten dieselbe Präposition wie beim althergebrachten „analogen“ Einkauf: Das bei von beim Bäcker, beim Supermarkt, bei Spar ist auch zu bei in bei Amazon.de, bei Neckermann.at oder bei Zalando.ch geworden.

Sprachliches finden Sie übrigens auf Canoonet oder bei Canoonet – und das kostenlos!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp