Das Fußballfeld als Maßeinheit

Frage

Bei uns ist folgendes Problem aufgetaucht: Welche Schreibung ist richtig?

die 30 fußballfeldergroße Anlage
die 30 fußballfelder-große Anlage
die 30 Fußballfelder große Anlage

Antwort

Sehr geehrter Herr O.,

die korrekte Schreibung ist:

die 30 Fußballfelder große Anlage

Hier wird Fußballfelder als Maßangabe verwendet. Die Größe der Anlage wird mit Hilfe der Maßeinheit »Fußballfeld« angegeben. Sie ist in den exakten Wissenschaften zwar unüblich, aber im Alltagsgebrauch für viele gut verständlich. Man muss nicht unbedingt Fan von Bayern München, Rapid Wien oder des FCB sein, um eine ungefähre Vorstellung der Größe eines Fußballfeldes zu haben. Obwohl Fußballfelder unterschiedlich groß sein können, sind sie für ungefähre Flächenangaben in allgemeinen Texten oft besser geeignet als abstrakte hohe Quadratmeterzahlen. Bei der Angabe 30 Fußballfelder habe ich zwar auch nur eine ungenaue Vorstellung, aber sie ist für mich dennoch um einiges verständlicher als die Angabe ca. 200 000 m². Doch ich schweife wieder einmal ab. Zurück zu Ihrer Frage:

Die Einheit »Fußballfeld« wird in der Rechtschreibung gleich behandelt wie die bekannteren Maßeinheiten:

Der Turm ist 20 Meter hoch.
der 20 Meter hohe Turm

Der Stau ist drei Kilometer lang.
der drei Kilometer lange Stau

Die Anlage ist 25 Jahre alt.
die 25 Jahre alte Anlage

Und genau gleich:

Die Anlage ist 30 Fußballfelder groß.
die 30 Fußballfelder große Anlage

Völlig ausgeschlossen ist die zusammengeschriebene Form fußballfeldergroß übrigens nicht. Genauso wie es meterhohe Barrikaden, kilometerlange Staus und jahrelange Bemühungen gibt, kann es auch

eine fußballfeldergroße Anlage

geben. Gemeint sind hier ungenaue Angaben, nämlich ungefähr einen oder mehrere Meter hohe Barrikaden, mehrere Kilometer lange Staus, mehrere Jahre dauernde Bemühungen und genauso (Regel):

die fußballfeldergroße Anlage = die mehrere Fußballfelder große Anlage

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Spitze! Klasse! Spitzenklasse!

Spitze! Klasse! Spitzenklasse! Ob zur gesprochenen Umgangssprache gehörende Wörter groß- oder kleingeschrieben werden, ist eigentlich nicht so wichtig. Wer aber umgangssprachliche Äußerungen schriftlich wiedergeben will, muss sich trotzdem manchmal mit dieser Rechtschreibfrage beschäftigen.

Frage

Wie wird die Aussage „Das ist spitze“ richtig geschrieben? M. E. handelt es sich hierbei um ein Adjektiv und wird kleingeschrieben. Ich habe es als Überschrift in der Zeitung schon oft großgeschrieben entdeckt.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Sie haben recht, dass hier spitze als Adjektiv im Sinne von ausgezeichnet, toll kleingeschrieben wird:

Das ist spitze!
Ich finde das spitze!

Auch in diesen Fällen wird spitze kleingeschrieben:

Candy Crush ist ein spitze Spiel!
Sie hat das wieder mal spitze hingekriegt!

Siehe auch spitze im Rechtschreibwörterbuch.

Bei einem verwandten Begriff, nämlich klasse, geht man genau gleich vor:

Das ist klasse!
Ich finde das klasse!
Candy Crush ist vielleicht doch nicht so ein klasse Spiel.
Sie hat das wieder mal klasse gemacht!

Wenn die Wertung klasse! nicht ausreicht und spitze!! auch mit zwei Ausrufezeichen dem Enthusiasmus nicht gerecht wird, gibt es noch eine Steigerungsform:

Spitzenklasse!

Zu meinem Erstaunen sind sich die Wörterbücher einig, dass hier großgeschrieben werden soll:

Das ist Spitzenklasse!
Ich finde das Spitzenklasse!

Ich finde die Großschreibung hier fragwürdig und nicht gerade konsequent. Doch wenn man sich an die Angaben der Wörterbücher halten will oder muss und dies einmal weiß, ist es keine höhere Hexenkunst. Problematisch wird es dann, wenn dieses Wort vor einem Substantiv steht oder als Adverb verwendet wird, also in Fällen wie diesen:

Das ist ein klasse/spitze Spiel.
Sie hat es wieder mal klasse/spitze gemacht.

Da in keinem Wörterbuch Angaben oder Beispiele zu dieser Verwendung zu finden sind, muss ich selbst entscheiden. Und ich bin hier eindeutig für die Kleinschreibung, weil es sich in dieser Stellung um ein Adjektiv resp. ein Adverb handeln muss:

Das ist ein spitzenklasse Spiel!
Sie hat es wieder mal spitzenklasse gemacht.

Ich wünsche Ihnen ein spitze, klasse, nein wunderschönes Wochenende!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Beizug, Beiziehung, Hinzuziehung

Es ist wohl für kaum jemanden neu, dass es im Deutschen auf der Ebene des Wortschatzes regionale Unterschiede gibt. Viele kennen bestimmt auch die Standardbeispiele wie das schweizerische Verb parkieren für parken und das österreichisch die Marille für die Aprikose. Ein weniger bekanntes und weniger auffallendes Beispiel hat Herr M. für uns gefunden: beiziehen und Beizug.

Frage

Weshalb ist das Wort „Beizug“ nicht im Duden enthalten? Gibt es dieses Wort überhaupt, wird es nur umgangssprachlich verwendet? Satzbeispiel: „Auf den Beizug des Brandermittlers wurde verzichtet.“ Oder ist es „besser“ bzw. korrekt, „Beiziehung“ zu verwenden?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

warum das Wort Beizug nicht im Duden steht, müssten Sie die Dudenredaktion fragen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Beizug ein Wort ist, das vor allem in der Schweiz, das heißt in der schweizerischen Variante des Standarddeutschen, verwendet wird.

Im südöstlichen Teil Deutschlands, in Österreich und in der Schweiz kennt man das Verb beiziehen mit der Bedeutung dazunehmen, heranziehen:

Zur Aufklärung des Sachverhalts kann das Gericht externe Akten beiziehen.
Es ist wichtig, einen Tierarzt beizuziehen, um organische Ursachen auszuschließen.

Allgemein wird im Deutschen in diesen Fällen eher das Verb hinzuziehen verwendet:

Zur Aufklärung des Sachverhalts kann das Gericht externe Akten hinzuziehen.
Es ist wichtig, einen Tierarzt hinzuzuziehen, um organische Ursachen auszuschließen.

In Ihrem Satz steht aber nicht das Verb, sondern eine Substantivierung. Dort ist die Situation noch komplexer. Allgemeindeutsch heißt es dann:

unter Hinzuziehung eines/einer Sachverständigen

Im südlichen Deutschland und in Österreich bleibt man hier beim Verb beiziehen:

unter Beiziehung eines/einer Sachverständigen

Auch in der Schweiz bleibt man dem Verb beiziehen treu, es wird aber häufig eine andere Substantivierung verwendet:

unter Beizug eines/einer Sachverständigen

Hinzuziehung, Beiziehung und Beizug: alle Formen sind korrekt gebildet und in einem konkreten Kontext zweifellos überall gut verständlich. Die drei Varianten sind nur nicht überall gleich gebräuchlich.

In der Schweiz können Sie korrekt drei verschiedene Varianten verwenden:

Auf den Beizug des Brandermittlers wurde verzichtet.
Auf die Beiziehung des Brandermittlers wurde verzichtet.
Auf die Hinzuziehung des Brandermittlers wurde verzichtet.

Keine der Varianten ist „korrekter“ als die anderen. Am häufigsten kommt aber in der Schweiz das Wort Beizug vor. Das ist deshalb auch die Form, die ich Ihnen empfehlen würde, wenn Sie in der Schweiz für die Schweiz schreiben. Aber auch jenseits der Grenze wird in Deutschland und Österreich Beizug kaum auf absolutes Unverständnis stoßen.

Diese Angaben habe ich übrigens unter Hinzuziehung/Beiziehung/Beizug des Variantenwörterbuchs des Deutschen* zusammengestellt, das für alle, die regionale Sprachvariation mögen, sehr nützlich und interessant ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Ulrich Ammon, Hans Bickel, Jakob Ebner u. a.: Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Berlin/New York, de Gruyter, 2004.

Nichts als Ärger, nichts wie weg!

Frage

Mein Telekommunikationsdienster (betrifft alle :-)) macht nichts als Ärger. Man würde hier nicht „wie“ benutzen. Warum sagt man dann „Nichts wie weg!“?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

wie Ihr Stoßseufzer über den Telefonanbieter zeigt, steht nach nichts standardsprachlich als, nicht wie:

Er macht nichts als Ärger.
Nichts als Ratlosigkeit auf der Krim
Sie wollte nichts als weggehen und in Ruhe gelassen werden.

Rein umgangssprachlich (und standardsprachlich nichkt korrekt) kommt in solchen Sätzen mit nichts auch wie vor:

Er macht nichts wie Ärger.
Sie wollte nichts wie weggehen und ihre Ruhe haben.

Die Formulierung

Nichts wie weg!

gehört ebenfalls zur Umgangssprache und ist dort zu einer festen Wendung geworden. Es wäre auf dieser Sprachebene sogar falsch, „nichts als weg!“ zu sagen. Umgekehrt wird „nichts wie weg!“ kaum in einem formelleren standardsprachlichen Zusammenhang verwendet, in dem nach nichts ausschließlich als richtig ist. In dieser Weise bleiben die beiden Sprachebenen hier einmal säuberlich getrennt.

Wenn also jemand nichts als Ärger macht, denkt man für sich ganz umgangssprachlich: „Nichts wie weg!“, sagt aber standardsprachlich und formell: „Ich habe leider noch einen Termin.“

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn Modul Q 64 an Deckenleuchten gekoppelt wird

Wer häufiger Beschreibungen für Kataloge u. Ä. oder eher technische Texte durch die Tastatur fließen lässt, kennt das Problem der Bezeichnungen von Produkten, Modellen und Typen, die aus Buchstaben, Zahlen und sonstigen für Laien schwer zu deutenden Teilen bestehen: Was ist zu tun, wenn diese Bezeichnungen als Teil einer Zusammensetzung vorkommen? Es folgt ein Lösungsvorschlag am Beispiel von Decken-, Wand- und Pendelleuchten.

Frage

Heute mal eine Anfrage zum (wohl leidigen) Bindestrichproblem: In einer Zeitschrift fand ich verschiedene Bezeichnungen von Leuchten, verbunden mit dem Artikelnamen:

Modul Q 64 Deckenleuchten
Air Maxx LED 250 Wandleuchten
Modul R 120 XL Pendelleuchten

Müsste da nicht zumindest vor dem Wort „Deckenleuchten“ oder „Wandleuchten“ ein Bindestrich stehen oder gar der ganze Begriff durchgekoppelt werden (was natürlich übel aussehen würde)?

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

wenn man die Rechtschreibregeln genau anwendet, ist es ganz einfach. Ausdrücke wie diese müssen durchgekoppelt werden, das heißt, zwischen allen Teilen der Zusammensetzung steht ein Bindestrich:

Modul-Q-64-Deckenleuchten
Air-Maxx-LED-250-Wandleuchten
Modul-R-120-XL-Pendelleuchten

Sie werden also gleich behandelt wie andere Zusammensetzungen mit Abkürzungen, Zahlen und Ziffern (siehe hier und hier):

der 800-m-Lauf
das 1.-Kl.-Abteil

Aus nicht ganz unbegreiflichen Gründen geschieht dies aber bei Modell- und Typenbezeichnungen häufig nicht. Viele mögen diese Anhäufung von Bindestrichen nicht. Andere wollen oder – problematischer – dürfen von Firmen vorgeschriebene Bezeichnungen nicht verändern. Der ersten Gruppe könnte man den Bindestrich eventuell einfach vorschreiben, bei der zweiten Gruppe wird es schwieriger. Wenn die Auftraggeber oder Auftraggeberinnen sich nicht durch das Argument der Rechtschreibregelung zermürben lassen und darauf beharren, dass ihre Produktbezeichnung nicht durch Bindestriche „verhunzt“ werden dürfe, dann bleibt wenig anderes, als sich an diesen Wunsch/Befehl zu halten (oder andere Kunden zu suchen, was angesichts eines kleineren Rechtschreibproblems ein wohl allzu drastischer Schritt wäre).

Meine Empfehlung für solche Fälle lautet: umstellen, falls möglich. Dann muss nicht gekoppelt werden:

Deckenleuchten Modul Q 64
Wandleuchten Air Maxx LED 250
Pendelleuchten Modul R 120 XL

Wenn dies nicht gewünscht oder nicht möglich ist, gibt es eine weitere Schreibung, die mittlerweile einen halboffiziellen Status hat: Die mehrteilige Bezeichnung wird in Anführungszeichen gesetzt (sozusagen als Zitat) und dann mit nur einem Bindestrich an den anderen Teil der Zusammensetzung gekoppelt:

„Modul Q 64“-Deckenleuchten
»Air Maxx LED 250«-Wandleuchten
„Modul R 120 XL“-Pendelleuchten

Die gänzlich bindestrichlose Schreibung, der Sie in der Zeitschrift begegnet sind, kommt wahrscheinlich weitaus am häufigsten vor. Nach den Regeln der deutschen Rechtschreibung ist sie nicht richtig!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Konjunktion »statt« statt der Präposition »statt«

Das Wörtchen statt sorgt oft für eine gewisse Unsicherheit. Es kann nämlich als Präposition, die den Genitiv fordert, aber auch als Konjunktion, die nicht fallbestimmend ist, verwendet werden (siehe hier). Wann statt in welcher Funktion auftreten kann oder muss, war (und ist) auch mir nicht immer klar. Es folgt ein Klärungsversuch anhand der Frage von H.:

Frage

a) Darf man in den folgenden beiden Sätzen den Dativ verwenden oder ist hier nur der Genitiv richtig?

Sie kommt statt ihres Bruders.
Sie kommt statt seiner.

Sie kommt statt ihrem Bruder.
Sie kommt statt ihm.

b) Kann „statt“ im folgenden Satz sowohl Präposition als auch Konjunktion sein?

Sie macht eine Torte statt eines Kuchens.
Sie macht eine Torte statt einen Kuchen.

Antwort

Guten Tag H.,

nach der Präposition statt kann standardsprachlich nicht der Dativ stehen (vgl. hier). Es heißt also nicht:

*Sie kommt statt ihrem Bruder.
*Sie kommt statt ihm.
*Sie macht eine Torte statt einem Kuchen.

Damit ist aber noch lange nicht alles gesagt. In Ihren Beispielen kann statt sowohl Präposition als auch Konjunktion sein. Welche Variante man hier wählt, ist eine stilistische Frage. Viele ziehen die Präposition mit Genitiv vor:

Sie kommt statt ihres Bruders.
Sie kommt statt seiner.
Sie macht eine Torte statt eines Kuchens.

Als Konjunktion ist statt hier im Prinzip auch korrekt. Dies wird aber nicht von allen als standardsprachlich gut akzeptiert:

Sie kommt statt ihr Bruder.
Sie kommt statt er.
Sie macht eine Torte statt einen Kuchen.

In Fällen wie diesen, das heißt in Verbindung mit einem Subjekt oder einem Akkusativobjekt, ist es deshalb zu empfehlen, die Präposition mit Genitiv zu verwenden (zu den üblichen Sonderfällen siehe hier).

In Verbindung mit einem Dativobjekt und in einer Präpositionalgruppe ist es umgekehrt zu empfehlen oder sogar obligatorisch, die Konjunktion statt zu verwenden:

Du solltest es lieber ihr statt ihm geben.

Hier steht ihm im Dativ, weil es wie ihr vom Verb geben abhängig ist, das den Dativ verlangt. Die Konjunktion statt hat keinen Einfluss auf den Fall des ihr nachfolgenden Wortes. Ebenso zum Beispiel:

Warum hilfst du ihnen statt deinen eigenen Kindern?
Sie hat es mir statt dir gesagt.

Auch bei Präpositionalgruppen scheint nur die Konjunktion statt üblich zu sein (meist mit Wiederholung der Präposition):

Ich gehe lieber mit dir statt [mit] meinem Bruder.
Warum bist du immer für ihn statt [für] mich?

Wenn hier die Präposition mit Genitiv verwendet wird, entstehen Sätze, bei denen die „Rollenverteilung“ unklar oder verwirrend ist:

*Du solltest es lieber ihr statt meiner geben.
*Warum hilfst du ihnen statt deiner eigenen Kinder?
*Sie hat es mir statt deiner gesagt.

*Ich gehe lieber mit dir statt meines Bruders.
*Warum bist du immer für ihn statt meiner?

Wenn statt in Verbindung mit einem Dativobjekt oder innerhalb einer Präpositionalgruppe steht, sollte man es deshalb als Konjunktion verwenden, die keinen Einfluss auf den Fall des nachfolgenden Wortes hat.

Es ist nicht einfach, eine klare Trennlinie zwischen der Präposition statt und der Konjunktion statt zu ziehen. Aus dem oben Gesagten lässt sich aber eine Regel – die ich vorsichtshalber lieber eine Tendenz oder eine Faustregel nenne – ableiten:

  • In Verbindung mit einem Subjekt oder Akkusativobjekt: besser Präposition statt mit Genitiv
  • In Verbindung mit einem Dativobjekt oder in einer Präpositionalgruppe: Konjunktion statt 

Mit einem einfachen „Nach statt steht der Genitiv!“ ist es also nicht getan. Es gibt Fälle, in denen man die nicht fallbestimmende Konjunktion statt statt der den Genitiv fordernden Präposition statt verwenden muss. (Diesen letzten Satz habe ich so kompliziert formuliert, weil er dann so schön zur Komplexität des Themas passt.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Macht die Pistole peng oder Peng?

Frage

Könnten Sie mir sagen, ob in den folgenden Fällen Groß- oder Kleinschreibung in der Verwendung von Onomatopoetika angebracht ist?

– Die Pistole machte P/peng.
– Es machte P/platsch, als er ins Wasser sprang.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

die Rechtschreibregel, die diesen Fall eindeutig beschreibt, muss ich Ihnen schuldig bleiben. Nach meinem Urteil kann hier sowohl klein- als auch großgeschrieben werden:

Die Pistole machte peng/Peng.
Es machte platsch/Platsch, als er ins Wasser sprang.

Dies in Anlehnung an vergleichbare Fälle, die man „offiziell“ (gemäß der zur amtlichen Regelung gehörenden Wörterliste) klein- oder großschreiben kann:

nein/Nein sagen
bravo/Bravo rufen
hurra/Hurra schreien

Im Prinzip werden klangnachahmende Wörter und allgemein Interjektionen kleingeschrieben:

Peng, peng, peng! Drei Schüsse erklangen.
Dann sprang er, platsch, ins Wasser.
Denen hab ich’s gezeigt, hihi!

Man muss sie aber großschreiben, wenn sie als Substantiv verwendet werden (Regel):

Man hörte das Peng der Pistole.
Mit einem Platsch sprang er ins Wasser.
Lass doch dein albernes Hihi!

Bei peng/Peng machen und platsch/Platsch machen kann wie bei nein/Nein sagen und bravo/Bravo rufen nicht entschieden werden, ob es sich um eine Substantivierung handelt oder nicht. Entsprechend halte ich hier sowohl die Groß- als auch die Kleinschreibung für richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das Let’s Play und die deutsche Rechtschreibung

Es kommen immer wieder neue Dinge zu uns, die sehr oft auch ihren englischen Namen mit sich bringen. Es ist meist nicht allzu schwierig, diese Neuankömmlinge einigermaßen in die deutsche Rechtschreibung einzupassen. Was ist aber zu tun, wenn ein Aufforderungssatz als Substantiv daherkommt?

Frage

Es gibt im Internet, besonders auf YouTube, sogenannte Let’s Plays. Das sind Videos, bei denen jemand ein Videospiel spielt, dabei kommentiert und diese Aufnahme dann veröffentlicht. Meine orthografische Frage dazu: Allgemein gebräuchlich ist eigentlich nur die Form „das Let’s Play“, wobei ich mich frage, ob das eigentlich mit einem Bindestrich geschrieben werden müsste. […]

Antwort

Sehr geehrter Herr V.,

Wenn dieser Ausdruck eine deutsche Zusammensetzung wäre, müsste er zusammen- oder mit Bindestrich geschrieben werden. Der Apostroph legt hier natürlich die Schreibung mit Bindestrich nahe: das Let’s-Play. Dabei müsste allerdings play kleingeschrieben werden, das Let’s-play, weil play ja kein Substantiv, sondern ein Verb ist (vgl. hier und zum Beispiel Ad-hoc-Bildung, Make-up).

Let’s play ist aber ein englisches oder ein aus dem Englischen übernommenes Wort, das eine sehr spezielle Form hat. Es ist ein Aufforderungssatz, der als Nomen verwendet wird (Let’s play! = Lass uns spielen!). Diese Art englischer Wortschöpfung wird in der amtlichen Rechtschreibregelung nicht berücksichtigt. Dort werden „nur“ Nomen-Nomen-Verbindungen wie Desktop-Publishing/Desktoppublishing, Verb-Partikel-Verbindungen wie Back-up/Backup und Adjektiv-Nomen-Verbindungen wie High Society behandelt (vgl. hier).

Ich finde es deshalb gerechtfertigt, hier frei zu improvisieren und einfach die englische Schreibweise zu übernehmen. (Die Großschreibung scheint auch im Englischen häufig vorzukommen, siehe hier.)

das Let’s Play
die Let’s Plays

Es trifft sich gut, ist aber nicht ganz zufällig, dass dies offenbar auch die in den meisten deutschen Texten gebräuchliche Schreibung ist.

Ganz auf den Bindestrich verzichten möchte ich dann aber doch nicht. In Zusammensetzungen mit Let’s Play sollten Sie Bindestriche verwenden (vgl. hier):

ein Let’s-Play-Video
die Let’s-Play-Szene

Wie wäre es, wenn ich diese Erklärung als eine Art orthographisches Let’s Play anbieten könnte? – Ein solches Video wäre wohl nicht viel interessanter als der trockene Text, den Sie soeben gelesen haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ihr alle, die mir gratuliert hab… – wie geht’s weiter?

Frage

Deutsch ist meine Muttersprache, doch sicher gibt es dennoch immer mal etwas, worüber es sich nachzudenken lohnt. So meinte letztens jemand, er müsste mich darauf aufmerksam machen,

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die mir zum Geburtstag gratuliert haben.

sei falsch. Er teilte mir aber nicht mit, welche Korrektur ihm vorschwebte. […] Ganz ungebräuchlich, wenn auch richtig, klingt für mich:

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die ihr mir zum Geburtstag gratuliert habt.

Alles in allem: Ist das ursprünglich Geschriebene falsch? […]

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

in diesem Fall haben Sie die eher ungewöhnliche Formulierung gewählt. Wenn ein Relativpronomen das Subjekt des Relativsatzes ist und sich auf ein Pronomen der ersten oder zweiten Person bezieht, wird normalerweise hinter dem Relativpronomen der Nominativ des Personalpronomens eingefügt. Das Verb richtet sich dann nach diesem Personalpronomen. Das klingt kompliziert, es wird aber wie so oft mit Hilfe einiger konkreter Beispiele einfacher:

Ich, die ich immer mein Bestes getan habe
Wer will dir schon helfen, der du immer alles besser weißt.
Es ist für uns besonders schlimm, die wir uns so lange darauf vorbereitet haben.
Euch, die ihr den guten Mann schon lange gewarnt habt, macht er nun Vorwürfe.

Und entsprechend in Ihrem Beispielsatz:

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die ihr mir zum Geburtstag gratuliert habt.

Das Personalpronomen wird seltener auch wie in Ihrem ersten Satz weggelassen. Dann steht das Verb in der dritten Person (vgl. auch hier):

Ich, die immer allen zu helfen versucht
Wer will dir schon helfen, der immer alles besser weiß.
Es ist für uns besonders schlimm, die sich so lange darauf vorbereitet haben.
Euch, die ihn schon lange gewarnt haben, macht er nun Vorwürfe.

Vielen herzlichen Dank an euch alle, die mir zum Geburtstag gratuliert haben.

Diese Formulierungen gelten ebenfalls als richtig, sie sind aber eher unüblich. Sie lassen auch mich beim Lesen stutzen, weil es hier tatsächlich einen Konflikt gibt zwischen der ersten oder zweiten Person, auf die sich der Relativsatz bezieht, und der dritten Person, die das Relativpronomen normalerweise fordert. Diesen Konflikt überbrücken wir, die wir solche Unklarheiten nicht mögen, dann häufig, indem wir das entsprechende Personalpronomen in den Relativsatz „hineinschmuggeln“. Kurz: Ihre ursprüngliche Formulierung ist zwar richtig, aber weniger gebräuchlich als Ihr zweiter Vorschlag.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kann etwas als etwas qualifizieren?

Frage

Kann ich die folgenden Sätze so stehenlassen? Das Verb „qualifizieren“ kenne ich in dieser Bedeutung/Verwendung nicht.

Sie können auf einen Anhang verzichten, sofern sie nicht als große Unternehmen qualifizieren.
Das ist eine Beschränkung auf Unternehmen, die als Beteiligung qualifizieren.

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

diese Verwendung von qualifizieren ist im Deutschen nicht üblich. Es ist vermutlich eine wörtliche Übersetzung des englischen to qualify as sth. mit der Bedeutung die Voraussetzungen für etwas erfüllen, als etwas bezeichnet werden können. Gemeint ist wohl so etwas wie:

… sofern sie keine großen Unternehmen sind.
… sofern sie nicht als große Unternehmen gelten.
… welche die Bedingungen/Voraussetzungen für eine Beteiligung erfüllen.

Bevor ich nun aber kategorisch erkläre, die zitierten Sätze seien schlichtweg falsch, möchte ich noch eine kleine Nuance anbringen: Es scheint im Jargon der Finanzwelt üblich zu sein, qualifizieren in dieser Weise zu verwenden. Man könnte in einem von Fachleuten für Fachleute geschriebenen Text vielleicht erwägen, stirnrunzelnd nur ein Fragezeichen dahinter zu setzen. Jede Fachsprache hat nun einmal ihre Eigenheiten. In allen anderen Textarten würde ich aber zum Rotstift greifen. Dort qualifiziert dieses qualifizieren als sozusagen als Fehler.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp