Frage
Sind die folgenden beiden Sätze richtig und gleichbedeutend?
Wir kommen mit unser beider Frauen.
Wir kommen mit unseren beiden Frauen.
Antwort
Guten Tag H.,
beide Sätze sind (grammatisch) richtig, auch wenn der erste eher etwas gehoben/antiquiert wirkt. Die Bedeutung der beiden Äußerungen ist nicht ganz dieselbe. Unser kulturelle Kontext macht es aber relativ schwierig, den Unterschied klar aufzuzeigen. Wenn Frau und Mann mit meine, dein oder unsere stehen, ist in unserem Kulturkreis meistens von Paaren die Rede. Deshalb werden viele den beiden oben stehenden Sätzen die gleiche Bedeutung zuordnen: Wir kommen beide mit Partnerin.
Mit Hilfe eines anderen Beispiels lässt sich besser aufzeigen, worin die beiden Formulierungen sich unterscheiden. Bei Hunden und Herrchen oder Frauchen liegt das zahlenmäßige Verhältnis viel weniger stark bei eins zu eins. (NB: Auch die Art des mit unser ausgedrückten Verhältnisses ist anders!)
a) unser beider Hunde = die Hunde, die uns beiden gehören
In Satz a) bezieht sich beider auf unser. Es geht also um zwei „Besitzende“ und um mehrere Hunde. Über die Zahl der Hunde wird nichts gesagt. Die beiden Hundebesitzenden können zwei, drei oder mehr Hunde haben.
b) unsere beiden Hunde = die beiden Hunde, die uns gehören
In Satz b) bezieht beiden sich auf Hunde. Es geht also um zwei Hunde. Darüber, wie viele wir sind, wird nichts gesagt. Die Hundebesitzenden können auch mehr als zwei Personen sein, zum Beispiel eine mehrköpfige Familie.
Nur wenn es um zwei Hunde und um zwei Besitzende geht, sind sowohl a) als auch b) mögliche Formulierungen.
Keine der beiden Formulierungen klärt übrigens die Besitzverhältnisse eindeutig: Es ist nicht klar, ob die Hunde gemeinsam den gleichen Personen gehören oder ob jeder Hund ein eigenes Herrchen oder Frauchen hat.
Kommen wir nun wieder auf die Formulierungen in Ihrer Frage zurück:
c) unser beider Frauen = die Frauen, zu denen wir beide gehören
In Satz c) sind Frauen gemeint, zu denen wir beide gehören. Wir sind zu zweit. Die Anzahl der Frauen ist nicht bestimmt. Wir könnten zum Beispiel zwei Personen und die Frauen deren (erwachsene) Töchter sein.
d) unsere beiden Frauen = die beiden Frauen, zu denen wir gehören
In Satz d) hingegen geht es um zwei Frauen. Wie viele Personen wir sind, ist nicht näher bestimmt. Wenn wir im klassischen Kontext bleiben, könnten wir zum Beispiel ein Vater mit seinen Söhnen und die Frauen die Frau/Mutter und die Tochter/Schwester sein.
Nur wenn von zwei Personen in Verbindung mit zwei (anderen) Frauen die Rede ist, sind sowohl c) als auch d) mögliche Formulierungen. Das klingt nun alles sehr uneindeutig, und das ist es ohne Kontext auch. Normalerweise erschließt sich aber aus dem weiteren Zusammenhang mehr oder weniger eindeutig, um wie viele Personen in Begleitung wie vieler (anderer) Frauen es geht.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp