Auf der Webseite heute.de des ZDF steht ein Artikel mit dem Titel »Dem Fehlerteufel online auf der Spur. Welche Online-Wörterbücher wirklich nützlich sind«. Darin werden unter anderem das Wörterbuch und die Grammatik von Canoonet erwähnt. Sogar der Dr.-Bopp-Blog wird genannt. Der abschließende Satz des Beitrages lautet: Warum aus »Schmant« nun wieder »Schmand« wird, hat Dr. Bopp noch nicht geklärt. Die Frage wurde ihm bis jetzt auch nicht gestellt. Das kann ich natürlich nicht einfach so im Raum stehen lassen. Wirklich klären kann ich diese Frage allerdings auch nicht.
Für alle, denen Schmand oder Schmant nichts sagt, sei dies vorausgeschickt: Mit diesem Wort wird in vielen Regionen Deutschlands u. a. Sahne oder saure Sahne respektive Rahm oder Sauerrahm bezeichnet. Das „Problem“ der Schreibung entsteht dadurch, dass im Deutschen ein d am Wort- oder Silbenende genau gleich ausgesprochen wird wie ein t (Auslautverhärtung). Deshalb klingt Rad genau gleich wie Rat und Schmand genau gleich wie Schmant. Erst wenn man Rades und Räder beziehungsweise Rates und Räte sagt, also wenn d und t nicht mehr am Wortende stehen, hört man den Unterschied. Ein d wird dann nämlich so ausgesprochen, wie man es von einem d eigentlich erwartet.
Weil man in vielen Gegenden offenbar des Schmandes und schmandig und in anderen des Schmantes und schmantig sagt, kam entsprechend neben Schmant auch die Schreibweise Schmand vor. Aus irgendeinem Grund haben dann die Zusammensteller der zur amtlichen Rechtschreibregelung gehörenden Wörterliste 1) das Wort Schmant aufgenommen, und zwar 2) ohne die Variante Schmand zu vermelden. Ersteres ist mir nach wie vor ein Rätsel, Letzteres hat eventuell mit der Herkunft des Wortes zu tun. Man vermutet, dass es mit dem tschechischen Wort smetana (Sahne, Rahm) verwandt sein könnte. Das würde das t erklären. Nach einer anderen Erklärung kommt Schmand/Schmant allerdings über das alte Wort smand von einem noch älteren Adjektiv mit der Bedeutung weich, glatt und wäre dann indirekt mit dem englischen Adjektiv smooth verwandt.
Was auch immer der Grund gewesen sein mag, warum nur noch Schmant richtig sein sollte, es stand und steht so in der amtlichen Liste und ist somit offiziell die einzig richtige Schreibweise. Wie die verschiedenen Wörterbücher mit dieser Entscheidung umgegangen sind, ist eine andere, recht komplexe Geschichte, die ich hier nicht aufzeichnen möchte. Es ist nämlich so, dass die meisten Schmantverbraucher, -produzenten und -verkäufer diese Vorschrift einfach missachten und ganz undeutsch regelwidrig Schmand schreiben. Das hat viele Wörterbücher dazu gebracht, die Version Schmand doch in irgendeiner Weise zu vermelden.
Ich kann nicht mit Gewissheit sagen, warum der Rechtschreibrat nun vorschlägt, die Schreibung Schmand in Zukunft wieder zuzulassen. Liegt es daran, dass man die „Alleinherrschaft“ von Schmant nicht ausreichend begründen kann, oder daran, dass ein großer Teil der Schreibenden die t-Variante einfach nicht benutzen will? Wahrscheinlich beides – und offiziell wohl vor allem das Zweite. Tatsache ist, dass die von den meisten verwendete Variante Schmand wahrscheinlich wieder amtlich gutgeheißen werden wird. (Siehe Bericht über die Arbeit des Rats für deutsche Rechtschreibung von März 2006 bis Oktober 2010 [pdf]).