Mandarin und Mandarine

Welche Frucht gehört zum Nikolaustag? Bei mir ist es eindeutig die Mandarine – so sehr sogar, dass ich eigentlich finde, dass die Mandarinensaison erst am 6. Dezember beginnen dürfte. Das Wort „eigentlich“ zeigt allerdings, dass ich mich nicht an diese selbsterfundene „Tradition“ halte. Auch dieses Jahr habe ich die erste Mandarine der Saison nicht erst heute gegessen.

Die Frage, die ich mir heute stellte, war, inwieweit eine Mandarine etwas mit einem Mandarin genannten hohen chinesischen Beamten zu tun hat. Ein solcher Zusammenhang drängt sich ja bei Worten, die einander so ähnlich sind wie die Mandarine und der Mandarin, unweigerlich auf. Ich habe deshalb ein paar Quellen „angebohrt“ und dabei wieder einmal viel mehr gefunden, als ich erwartet hätte. Hier ein kleiner Auszug, der in keiner Weise den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

Es beginnt damit, dass das Wort Mandarin, mit dem ein früherer hoher chinesischer Beamter bezeichnet wird, nicht chinesisch ist. Es müsste dann ja Mandalin heißen. (Man verzeihe mir bitte diesen für mich unwiderstehlichen Kalauer.) Das Wort Mandarin ist im 17. Jahrhundert aus dem Portugiesischen zu uns gekommen. Dort war wahrscheinlich aus dem portugiesischen Verb mandar (befehlen) und dem malaiischen Wort mantari (Ratgeber des Fürsten, Minister) das Wort mandarin entstanden. Das Wort wurde dann nach China übertragen und für dortige hohe Beamte verwendet. Auf Chinesisch heißt ein solcher Beamter übrigens guan.

Da China groß ist und es dort sehr viele verschiedene Dialekte gibt, benötigten die Mandarine eine Beamtensprache, mit der sie sich im ganzen Reich verständigen konnten. Diese Sprache, die eine ähnliche Funktion hatte wie Latein in Europa, wurde von den Europäern Mandarin genannt. Das Mandarin basiert auf dem in Peking gesprochenen Dialekt und ist heute die Standardsprache Chinas.

So viel zu der Mandarin und das Mandarin. Wie steht es nun mit der Frucht Mandarine? Hier ist vieles unklar. Je nach Quelle heißt es, die ursprüngliche Variante sei französisch (orange mandarine), spanisch (naranja mandarina) oder dank der Reisebeschreibungen eines schwedischen Schiffskaplans auch schwedisch (mandarin-apelsin). Auf jeden Fall ist im Laufe der Zeit Orange oder Apfelsine weggefallen und nur Mandarine übriggeblieben. Noch unklarer und entsprechen phantasievoller sind die möglichen Erklärungen, weshalb man zu diesem Namen kam. Hier ein paar Beispiele:

  • Die Frucht wurde nach der Farbe, die in der Kleidung der Mandarine vorkam, benannt.
  • Die Früchte waren teuer und köstlich, also eines Mandarins würdig.
  • Mandarinen sollen ein traditionelles Geschenk für Mandarine gewesen sein.
  • Der Name ist vom Namen der Insel Mandara, dem heutigen Mauritius, abgeleitet.

Nicht gerade die wahrscheinlichste, aber die vielleicht schönste Erklärung ist diese:

  • Die Frucht mit Stil Stiel und einem Blatt soll eine gewisse Änlichkeit mit dem Sommerhut eines Mandarins haben, den je nach Rang seines Trägers ein Stöckchen und eine Feder zierte.

Sie können also selber wählen, welcher Erklärung Sie Glauben schenken wollen. Im Prinzip macht es ja nicht viel aus. Hauptsache ist, dass der Nikolaus Mandarinen bringt und dass sie schön süß und saftig sind.

Männlicher oder sächliches Filter

Frage

Heißt es „der Filter“ oder „das Filter“? Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass es „der Filter“ heißt, aber mein Prof. redet immer von „das Filter“. Ich bin deshalb inzwischen ein bisschen verunsichert und wollte mal kurz Klarheit geschaffen haben. Er schreibt zum Beispiel: „Ein analoges Filter hat die Übertragungsfunktion …“

Antwort

Guten Tag S.,

bis jetzt hatte ich beim Wortgeschlecht von Filter die gleiche Überzeugung wie Sie: Man sagt „natürlich“ der Filter. Ein kurzer Blick in die Wörterbücher zeigt aber, dass wir uns – wie es einem bei solchen Überzeugungen im Sprachbereich so oft ergeht – beide getäuscht haben. Das Wort Filter kann sowohl männlich als auch sächlich sein. Sehen Sie zum Beispiele hier.

Es scheint allerdings so zu sein, dass die sächliche Variante das Filter hauptsächlich in technischen Fachsprachen verwendet wird. Das könnte stimmen, denn das Filter, von dem Ihr Professor spricht, klingt ziemlich technisch. Im Gegensatz dazu sind zum Beispiel der trotz des Aufkommens von Espressomaschinen und Kaffeevollautomaten immer noch recht alltägliche Kaffeefilter sowie der seit einigen Jahren in meinem Alltag nicht mehr vertraute, aber deswegen noch lange nicht fachsprachliche Zigarettenfilter eigentlich immer nur männlich: der Kaffeefilter, der Zigarettenfilter.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Frage der Saison

Pünktlich zum Dezemberanfang sind wieder die ersten Anfragen zur Rechtschreibfrage der Saison eingetroffen: Schreibt man „frohe“ groß oder klein? Die Antwort lautet auch dieses Jahr: In Weihnachtsgrüßen und guten Wünschen zum neuen Jahr schreibt man Adjektive klein – außer ganz am Anfang. Zum Beispiel:

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.
Fröhliche Weihnachen und alles Gute im neuen Jahr

Sehen Sie auch den entsprechenden Beitrag vom letzten Jahr.

Was Begehrlichkeiten mit begehren zu tun haben

Frage

In letzter Zeit hört man in den Medien häufig Formulierungen wie diese: „Der Wirtschaftsboom weckt Begehrlichkeiten bei der FDP.“ Wird in diesem Fall das Wort „Begehrlichkeit“ tatsächlich richtig verwendet oder hat es durch den häufigen Gebrauch gar eine Bedeutungsverschiebung erfahren? Ich habe das Wort immer im Sinn von „Eigenschaft, begehrt zu sein“ verstanden. Das ist in meinem Beispiel ja offensichtlich nicht der Fall. Hier ist ja eher „Verlangen“ gemeint. Woher kommt diese unterschiedliche Verwendung?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

das Wort Begehrlichkeiten wird in diesem Zitat aus den Medien richtig verwendet. Ich vermute, dass Sie das Wort begehrlich anders verwenden, als dies im Allgemeinen üblich ist. Es bedeutet nämlich in der Regel nicht begehrt/begehrbar, sondern begehrend. Die Ableitung Begehrlichkeit bedeutet hier entsprechend nicht das Begehrtsein, sondern das Begehrendsein. Daraus leitet sich die Bedeutung Verlangen, Wunsch ab, die im Medienzitat gemeint ist.

Es ist nicht ganz unbegreiflich, dass es hier manchmal zu Missverständnissen kommt. Bei Adjektiven, die mit –lich von Verben abgeleitet sind, ist das Bedeutungsverhältnis zwischen Basisverb und Ableitung nicht immer gleich:

a) Das Adjektiv auf -lich bezeichnet eine Eigenschaft des Objekts der Verbhandlung.

xx-lich ist, wer oder was ge-xx-t wird (werden kann/muss).

begreiflich – was begriffen werden kann
beachtlich – wer/was beachtet werden muss
käuflich – wer/was gekauft werden kann

b) Das Adjektiv auf -lich bezeichnet eine Eigenschaft des Subjekts der Verbhandlung.

xx-lich ist, wer oder was xx-t.

bedrohlich – wer/was bedroht
erfreulich – was erfreut
vergesslich – wer vergisst

Das Adjektiv begehrlich gehört in der Standarsprache zur Gruppe b); entsprechend auch das Substantiv Begehrlichkeit.

Das ist aber noch nicht alles. Bei einigen Verben, die reflexiv und nichtreflexiv verwendet werden, ist die Situation noch komplizierter:

Sowohl das Veränderbare als das sich Verändernde sind veränderlich.
Sowohl das Ärgernde als auch der Geärgerte sind ärgerlich.

Das kann man mit den unterschiedlichen grammatischen Strukturen der nichtreflexiven (ärgern, verändern) und der reflexiven (sich ärgern, sich verändern) Verbkonstruktionen erklären, aber kompliziert bleibt es trotzdem.

In Fällen wie diesem frage ich mich immer wieder, wie es möglich ist, dass zwei Menschen einander überhaupt je mit Hilfe der Sprache verstehen. Zum Glück müssen wir nicht dauernd – wie hier – über solche komplizierten Strukturen nachdenken, wenn wir uns miteinander unterhalten!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Tausendundeine Hyperbel

Man könnte es als eine Art Nachwehen des Urlaubs in der arabischen Welt deuten, dass ich zurzeit in Tausendundeiner Nacht lese. Ich kannte eigentlich nur Aladin, Ali Baba und Sindbad – also die von Kinderbuch, Film und Fernsehen bearbeiteten Erzählungen – und wollte einmal wissen, welche anderen Geschichten Scheherazade König Scheherban Nacht für Nacht erzählt, um ihren Kopf zu retten. Nicht alle Geschichten sind fesselnd, aber die meisten sind schön, interessant, poetisch und teilweise auch spannend.

Etwas fällt mir als heutigem, abendländischem Leser besonders auf: die Neigung zur Übertreibung. Die Helden und Heldinnen lieben, leiden und freuen sich nicht einfach nur so, nein, sie tun dies, indem sie Verse rezitieren, ausgiebigstens Tränen vergießen und dazwischen – ja, auch die Männer – immer wieder in Ohnmacht fallen. Diese Überschwänglichkeit gehört wohl zur morgenländischen Erzähltradition, aber wenn der Held auf zwei Seiten dreimal vor Liebesschmerz die Besinnung verliert, dann kann die Geschichte noch so herzzerreißend sein, ich muss doch lächeln.

Die Übertreibung, als Stilfigur in der Rhetorik Hyperbel genannt, gehört zu diesem Genre. In Tausendundeiner Nacht findet man wunderschöne Hyperbeln. Nehmen wir als Beispiel die Geschichte, die ich gestern und heute gelesen habe: „Geschichte des Hasan aus Baßrah und der Prinzessinnen von den Inseln Wak-Wak“*. Darin kommen die folgenden Passagen vor, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Zuerst die Beschreibung eines schönen Tals:

[…] und Bäche fließen dort, deren Wasser süßer als Honig und frischer als Schnee ist; es hat noch kein Aussätziger davon getrunken, ohne davon geheilt worden zu sein.

Dagegen kommt das frischeste Wasser der reinsten Alpenquelle nicht an und das teuerste Mineralwasser aus der „designtesten“ Flasche kann im Vergleich dazu nur schal schmecken.

So richtig schön wird es aber, wenn es um Verwünschungen geht. Stellen Sie sich vor, dass jemand Sie so richtig geärgert hat und Sie dieser Person dann die folgenden Worte entgegenschleudern dürfen:

Du Verruchter, du Feind Gottes […], du Hund, du Treuloser, du Übeltäter!

Nach einer solchen Schimpfkanonade muss der Ärger schon fast wieder vergessen sein! (Ich würde Ihnen trotzdem empfehlen, sich heutzutage und hierzulande gegenüber dem nächsten ärgerlichen Menschen etwas weniger „blumig“ auszudrücken.)

Den Höhepunkt in der Geschichte bildet diesbezüglich die Schilderung des Bösewichts. Falls Sie einmal eine vernichtende Beschreibung Ihres Erzfeindes benötigen, könnten Sie dieses Literaturzitat in Erwägung ziehen:

Ein Niederträchtiger, ein Widerspenstiger, Sohn eines Hundes und einer schlechten Mutter, Sohn eines bösen Abtrünnigen. Es ist an ihm kein Fleck so groß, daß eine Mücke sich draufsetzen könnte, worauf nicht irgendeine Schändlichkeit haftet!

Wie man sieht, kann man auch das Übertreiben zu einer höheren Kunst erheben! Ich möchte Ihnen deshalb – aber bestimmt nicht nur deshalb – empfehlen, auch einmal ein paar Geschichten aus Tausendundeiner Nacht zu lesen.

* Die Zitate stammen aus der Übersetzung von Dr. Gustav Weil aus dem Jahre 1865; in: Tausendundeine Nacht, vollständige Ausgabe, Dörfler Verlag, 2004.

Kurze Grüße

Frage

Wenn ich die Grußformel in z. B. einer E-Mail kurz halten will, schreibe ich „lieber Gruß“. Oder wäre „lieben Gruß“ die korrekte Form, wenn ich beim Singular bleiben möchte?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

anders als bei zum Beispiel Guten Tag und Mit lieben Grüßen gibt es bei diesem informellen Gruß (noch?) keine festgelegte Formulierung. Stilistisch ist es eine reine Geschmacksfrage, ob man ihn überhaupt verwenden will und, wenn ja, in welcher Form. Grammatisch sind beide Varianten etwa gleich (un)vertretbar:

Ich sende dir einen lieben Gruß => Lieben Gruß
Ein lieber Gruß geht an dich => Lieber Gruß

Wenn es wirklich so kurz sein soll, können Sie diese Klippe übrigens ganz einfach umgehen, indem Sie den Singular doch verlassen und Liebe Grüße schreiben. Das sind genau gleich viele Buchstaben.

Warum eigentlich so kurz? Ich persönlich finde es immer nett, wenn sich jemand auch in einer E-Mail die Mühe macht, eine Grußformel auszuschreiben. Zum Beispiel:

Mit einem lieben Gruß

Dr. Bopp

Ausgeschaltet und ausgeschalten

Frage

Ich dachte ja immer, dass ich Deutsch kann, bis ich (aus Österreich) auf meinen Freund (aus Norddeutschland) traf.

Ich sage: „Ich habe die Heizung ausgeschalten.“
Er sagt: „Ich habe die Heizung ausgeschaltet.“

Meine Internetrecherche ergab, dass er wohl recht hat, und doch frage ich mich (weil ich sonst meine bisherige Überzeugung, in Grammatik ganz gut zu sein, sofort über Bord werfen müsste): Kann es tatsächlich sein, dass Österreich und Deutschland hier unterschiedliche Deklinationen verwenden?

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

im Standarddeutschen lautet das Partizip von ausschalten von Nord- und Ostsee bis zu den Alpen überall ausgeschaltet. Ihr Freund hat also recht. Dies gilt allerdings nur für das Standarddeutsche. Die Form ausgeschalten kommt nämlich umgangssprachlich oder regionalsprachlich an vielen Orten im deutschen Sprachraum vor. Ursprünglich war das Verb schalten sogar unregelmäßig, doch in der Schriftsprache wurde die Form geschalten schon vor langem durch die schwache Form geschaltet ersetzt.

Zweifeln Sie also nicht wegen einer einzelnen Wortform an Ihren gesamten Grammatikkenntnissen! Formen wie ausgeschalten und eingeschalten gelten standardsprachlich als nicht korrekt (und sollten entsprechend im Standarddeutschen vermieden werden), aber in der Grammatik vieler regionaler Umgangssprachen – nicht nur in Österreich – leben sie fröhlich neben ausgeschaltet und eingeschaltet weiter. Außerdem können sich auch einigermaßen gute Grammatikkenner und -kennerinnen einmal einen Schnitzer erlauben, ohne gleich grundsätzlich an ihren Kenntnissen zweifeln zu müssen. Ich hätte sonst meinen Beruf schon lange aufgeben müssen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Warum es einem zusammen schwerfällt und man es getrennt schwer hat

Keine Angst, es geht hier nicht um eine pessimistische Betrachtung zum Thema Beziehung oder um wohlgemeinte Lebenshilfe. Ich bleibe bei meinem Leisten und beschränke mich auf die Zusammen- und Getrenntschreibung.

Frage

So sehr ich mich auch mit den Regeln über das Getrennt- und Zusammenschreiben befasse, sie wollen mir nicht einleuchten. Ich stieß in der Süddeutschen Zeitung auf zwei Sätze, die mich abermals mit Fragezeichen im Kopf zurücklassen:

Angesichts massiven Widerstands dürfte es der Ministerin schwerfallen, ihre Pläne fristgerecht umzusetzen.

Sie dürfte es gerade mit Blick auf diesen Teil des Urteils schwer haben, diese Entscheidung zu verteidigen.

Wieso heißt es in diesen Sätzen „schwerfallen“, aber „schwer haben“?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

man hat es hier tatsächlich nicht leicht. Verbindungen von einem Adjektiv und einem Verb schreibt man u. a. dann in einem Wort, wenn die Verbindung eine neue, übertragene Bedeutung hat. Dies ist bei schwerfallen im Sinne von Mühe bereiten der Fall. Die übertragene Bedeutung ist dabei weniger bei schwer als bei fallen zu suchen: Wenn einem etwas schwerfällt, fällt im eigentlichen Sinne gar nichts. Im wörtlichen Sinne bedeutet schwer fallen so etwas wie hart stürzen.

Anders sieht es bei schwer haben aus. Hier entsteht bei der Verbindung von schwer und haben keine wirklich neue Bedeutung, da haben allein schon oft eine wenig konkrete Bedeutung hat. Das Verb haben hat nicht nur die konkrete Bedeutung besitzen; so zum Beispiel in den folgenden Ausdrücken: Sorgen haben, Mitleid haben, Recht/recht haben, Glück haben, Mühe haben, es gut/schlecht haben und eben es schwer/leicht haben.

Es ist oft nicht einfach zu bestimmen, wann genau eine neue, übertragene Bedeutung vorliegt. Das sollte man aber nicht schwernehmen. Auch ich muss in solchen Fällen öfter im Wörterbuch nachschlagen, ob man nun getrennt oder zusammenschreibt.

Die Regeln und weitere Informationen finden Sie hier und hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Diametral entgegengesetzte Ansichten

Frage

Man sagt ja immer, diese Ansicht sei der anderen diametral entgegengesetzt. Ich frage mich nun, ob das in gewisser Weise nicht „doppelt gemoppelt“ oder pleonastisch ist. Reicht es nicht, wenn man sagt: „Diese Ansichten sind diametral“?

Antwort

Guten Tag M.,

diametrale Ansichten sind ungefähr dasselbe wie entgegengesezte Ansichten. Wenn man von diametral entgegengesetzten Ansichten spricht, ist das also eigentlich pleonastisch („doppelt gemoppelt“). Das stimmt aber nicht ganz, denn diametral entgegengesetzt ist als Verstärkung gemeint, das heißt, es drückt ganz und gar entgegengesetzt, vollständig entgegengesetzt aus. Solche Verstärkungen sind im Deutschen gang und gäbe (vgl. zum Beispiel auch: nie und nimmer, brennend heißer Schmerz).

Das Einzige, was ich eventuell gegen diametral entgegengesetzt einzubringen hätte, ist rein stilistischer Natur: Man hört und liest so häufig, dass Ansichten und Meinungen einander nicht einfach widersprechen, sondern diametral entgegengesetzt sind, dass diese Verstärkung etwas klischeehaft und abgedroschen klingen kann. Doch das ist  keine Frage von richtig und falsch, sondern eine Frage der persönlichen sprachlichen Vorlieben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Pucken

Im Berg der nach dem Urlaub zu beantwortenden E-Mails habe ich wieder einmal eine Frage angetroffen, die ich nicht bantworten kann. Vielleicht weiß ja ein Leser oder eine Leserin dieses Blogs die Antwort. Herr L. und ich wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie dieses Wissen mit uns teilen würden.

Frage

Es gibt ein neues Verb im Deutschen: pucken. Das Internet ist voller Seiten dazu. Es handelt sich um eine wiederentdeckte alte Wickelmethode für Kleinkinder. Woher kommt dieses Verb? Können Sie etwas zu seiner Etymologie sagen?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

dank Ihrer Frage kenne ich nun die Wickelmethode Pucken. Woher das Verb pucken stammt, konnte ich aber leider nicht herausfinden. Keine der mir zur Verfügung stehenden Quellen erwähnt es. Es steht nicht einmal in Canoonet!

Mit freundlichen Grüßen

Dr.  Bopp

Wer kann uns hier weiterhelfen? Es geht nicht darum, was das Wort bedeutet oder woher die mit ihm beschriebene Wickeltechnik kommt, sondern darum, woher das Wort selbst stammt. Sämtliche Hinweise werden dankend entgegengenommen.