Von geschlossenen und zuen Schuhen

Wer zurzeit nicht in den Bergen im Schnee versinkt, hört in tieferen Gefilden meist sumpfig-schmatzende Geräusche unter den Sohlen, wenn er zu Fuß abseits asphaltierter oder anderweitig befestigter Straßen unterwegs ist. Bei den gegenwärtigen Schnee- und Regenmengen ist von Sandalen und anderem offenem Schuhwerk dringend abzuraten. Die zu diesem Thema passende, nicht allzu neue Frage:

Frage

Wenn man von geschlossenem Schuhwerk spricht, wie schreibt man dann „zuhe“ Schuhe?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

wenn man von geschlossenen Schuhen redet und das Wort zu verwendet, schreibt man zue Schuhe oder zune Schuhe. Diese Verwendung von zu als vorangestelltes Adjektiv ist allerdings rein umgangssprachlich. Sie gilt standardsprachlich sogar als falsch. Standardsprachlich spricht und schreibt man nur von geschlossenen Schuhen. Auch zu(n)e Türen, ein am Sonntag zu(n)es Restaurant oder eine noch zu(n)e Kaugummipackung trifft man in der Standardsprache nicht so an, sondern als geschlossene Türen, ein am Sonntag geschlossenes Restaurant oder eine noch ungeöffnete Kaugummipackung.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Gegenteil von zu. Weder ein aufes Fenster noch aufe Schuhe sind im Standardeutschen akzeptiert. Wenn es zieht und man an die Füße friert, liegt das standardsprachlich an einem offenstehenden Fenster und offenen Schuhen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mord an Polizeibeamten

Frage

Auf einem Fahndungsplakat heißt es „Mord an Polizeibeamten“, wobei ein einzelner Polizeibeamter gemeint ist. Nun bin ich unsicher, ob es nicht „Mord an Polizeibeamtem“ heißen müsste.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

es müsste tatsächlich heißen:

Mord an Polizeibeamtem

Das Wort Beamter wird wie ein Adjektiv gebeugt:

Singular:
Nom.: der Beamte, ein Beamter, Beamter
Dat.: dem Beamten, einem Beamten, Beamtem

Plural:
Nom.: die Beamten, Beamte
Dat.: den Beamten, Beamten

Im Dativ Singular steht also die Endung em, wenn Beamter oder Polizeibeamter ohne Artikelwort steht:

Mord an Polizeibeamtem
= Mord an einem Polizeibeamten

Die Endung en steht im Dativ dann, wenn Polizeibeamter von einem gebeugten Artikelwort begleitet wird:

Mord an einem Polizeibeamten
der Mord an diesem Polizeibeamten

Die Endung en steht aber auch im Plural. Wenn mehr als ein Polizeibeamter ermordet worden wäre, müsste die Kriminalpolizei auf dem Fahndungsplakat schreiben:

Mord an Polizeibeamten
= Mord an mehreren Polizeibeamten

Solche artikellosen Formulierungen findet man vor allem in Titeln, stichwortartigen Aufzählungen und juristischen oder juristisch daherkommenden Texten. Zum Beispiel:

Zielvereinbarungen zwischen Studierendem/Studierender und Ausbildungsinstitut
Verkehrsmissstände mit Verantwortlichem des Campingplatzes besprechen
Rentner wegen erzwungenem Sex mit Verlobter vor Gericht
Mitreisende gesucht
Drei Jugendliche vemisst
Staatsanwaltschaft wirft Angeklagter 50 Straftaten vor.
Betrunkener bricht Polizeibeamtem den Finger

Im zweitletzten Satz ist mit Angeklagter (Dativ Singular) eine Frau gemeint. Im letzten Satz bezeichnet Betrunkener (Nominativ Singular) aber einen Mann. Kein Wunder, dass die Fälle hier manchmal durcheinandergeraten.

Wenn Sie einmal gar nicht mehr weiterwissen, denken Sie sich einfach Mann oder Frau (oder im Plural Menschen) dazu, dann finden Sie die richtige Form ganz einfach:

Staatsanwalt wirft angeklagter Frau 50 Straftaten vor.
=> Staatsanwalt wirft Angeklagter 50 Straftaten vor.

Betrunkener Mann bricht Polizeibeamtem den Finger.
=> Betrunkener bricht Polizeibeamtem den Finger.

Beim Beamten ist dies allerdings schwieriger. Wenn Sie ihn ohne Artikel verwenden wollen oder müssen und nicht sicher sind, welche Endung Sie verwenden sollten, ersetzen Sie ihn am besten durch ein Wort wie Angestellter:

Betrunkener bricht angestelltem Mann den Finger.
Betrunkener bricht Angestelltem den Finger.
=> Betrunkener bricht Polizeibeamtem den Finger.

Wenn hier stehen würde

Betrunkener bricht Polizeibeamten den Finger.

müsste der Betrunkene mindestens zwei Polizistenfinger gebrochen haben.

Im öffentlichen Dienst tätige Frauen machen uns das Leben hier übrigens wieder einmal viel einfacher: Die Beugung des Wortes Beamtin/Beamtinnen bietet keine größeren Schwierigkeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die besser als erwarteten Konjunkturdaten?

Der Jahreswechsel ist eine Zeit, in der neue Erwartungen formuliert und alte überprüft werden. Vor allem bei Letzterem begegnet man häufiger einer fragwürdigen Formulierung.

Frage

Ist die folgende Formulierung zulässig?

die meist besser als erwarteten Konjunkturdaten

Müsste es nicht etwa heißen: „Die Konjunkturdaten, die meist besser ausfielen als erwartet …“?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

die Formulierung ist tatsächlich „krumm“. Das liegt daran, dass erwartet in besser als erwartet sich nicht als Adjektiv auf Konjunkturdaten bezieht. Es ist ein Partizip, das zu einem Vergleichssatz gehört:

besser, als man erwartet hatte

Dieser verkürzte Vergleichssatz ist eine Erweiterung von besser (wie? – besser als erwartet). Die Wortgruppe als erwartet bezieht sich also auf besser. Das Adjektiv, das sich auf Konjunkturdaten bezieht, ist besser.

Die Konjunkturdaten sind besser.
die besseren Konjunkturdaten

Die Konjunkturdaten sind viel besser.
die viel besseren Konjunkturdaten.

Die Konjunkturdaten sind besser als erwartet.
die ??? Konjunkturdaten

Das Partizip erwartet kann hier eigentlich nicht attributiv vor das Substantiv gestellt werden. Vergleichen Sie zum Beispiel:

Die Konjunkturdaten sind nicht so hoch wie erwartet.
Die Konjunkturdaten sind besser als von den Analysten erwartet.
Die Konjunkturdaten sind besser als letztes Jahr.
(Der Schrank ist breiter als hoch.)

In diesen Fällen kann erwartet ebenfalls nicht vor das Substantiv treten. Also nicht:

*die nicht so hoch wie erwarteten Konjunkturdaten
*die besser als von den Analysten erwarteten Konjunkturdaten
*die besser als letztes Jahr Konjunkturdaten
(*der breiter als hohe Schrank)

Genauso wenig kann man eigentlich sagen:

*die besser als erwarteten Konjunkturdaten

Trotzdem kommt die letzte Formulierung häufig vor, auch in eher standardsprachlichen Kontexten. Sie ist nämlich so schön kurz und bündig. Grammatisch ist sie aber wie gesagt sehr fragwürdig und stilistisch ist sie alles andere als ein Meisterwerk. Ich würde sie auf jeden Fall vermeiden! Zum Beispiel:

Die Konjunkturdaten, die meist besser ausfielen als erwartet, …
Die Konjunkturdaten sind meist besser als erwartet. Sie …

Manchmal lohnt es sich einfach, ein paar Wörter mehr zu „investieren“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Feuerwerk

Es knallt hier schon seit gestern ziemlich oft und ziemlich laut. Viele können nicht bis heute Mitternacht warten. Ich kann es ja verstehen. Es hat etwas Schönes, Faszinierendes und Gefährliches. Mir gefällt auch das leicht altertümlich anmutende Wort: Feuer-werk.

Wenn man ein bisschen im Wörterbuch herumsucht, stellt man fest, dass es viele Zusammensetzungen mit -werk an letzter Stelle gibt. Noch erstaunlicher ist die Vielfalt der Bedeutungen dieser Wörter.

Eine erste Gruppe von auf -werk endenden Wörtern bezeichnet die Gesamtheit von etwas. Es kann etwas Natürliches sein:

Astwerk, Blätterwerk, Haarwerk, Laubwerk, Rankenwerk, Strauchwerk, Wurzelwerk

Die Gesamtheit kann aber auch etwas von Menschenhand Geschaffenes sein:

Federwerk (Uhr), Festungswerk, Mauerwerk, Räderwerk, Segelwerk, Seilwerk, Tauwerk

Beispiele von nicht ganz so konkreten Dingen:

Gesetzeswerk, Reformwerk, Vertragswerk, Regelwerk

Wörter auf –werk Bezeichnen auch Produkte bestimmter Tätigkeiten:

Backwerk, Bauwerk, Druckwerk, Knüpfwerk, Schnitzwerk

Wozu sie dienen:

Naschwerk, Schleckwerk, Räucherwerk

Woraus sie bestehen:

Maschenwerk, Netzwerk, Zuckerwerk

Weiter gibt es die Gruppe der Vorrichtungen und Maschinen, die etwas Bestimmtes tun:

Laufwerk, Triebwerk, Schöpfwerk, Förderwerk, Hebewerk, Heizwerk, Leitwerk, Mahlwerk, Rührwerk, Schaltwerk, Schlagwerk, Zählwerk

Diese Gruppe geht über in die Gruppe der Wörter, die ganze Betriebe bezeichnen, in denen etwas getan wird:

Emaillierwerk, Kopierwerk, Lieferwerk, Presswerk, Pumpwerk, Sägewerk, Schmelzwerk, Stauwerk, Walzwerk

Ganz allgemein bezeichnet Werk auch einen Betrieb, eine Fabrik.

– Betrieb nach Erzeugnis:

Betonwerk, Chemiewerk, Elektrizitätswerk, Gaswerk, Kraftwerk, Stahlwerk, Zementwerk (im weiteren Sinne auch: Hilfswerk)

– Betrieb nach Bereich:

Bergwerk, Hüttenwerk, Industrierwerk

– Ganz allgemein Betrieb:

Audiwerke, Volkswagenwerke, Siemenswerke, Stadtwerke, Zweigwerk

Die nächste große Gruppe umfasst ganz andere Bezeichnungen, nämlich die Resultate kreativen Tuns:

Bach-Werk, Bühnenwerk, Erstlingswerk, Frühwerk, Geschichtswerk, Hauptwerk, Jahrhundertwerk, Kunstwerk, Lebenswerk, Lehrwerk, Musikwerk, Nachschlag(e)werk, Prosawerk, Sprachwerk

Andere Wörter auf –werk bezeichnen die Tätigkeit selbst (und deren Resultat) unter verschiedenen Gesichtspunken:

Handwerk, Maßwerk
Einigungswerk, Pionierwerk, Zerstörungswerk
Friedenswerk, Liebeswerk
Menschenwerk, Teufelswerk
Blendwerk, Gaukelwerk
Machwerk, Flickwerk

Eine letzte Restgruppe konnte ich nirgendwo richtig einteilen:

Fuhrwerk, Grottenwerk, Schuhwerk, Stockwerk, Mundwerk

Ganz für sich allein darf heute dieses schöne Wort stehen:

Feuerwerk

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr! Falls Sie es mit Feuerwerk begrüßen, seien Sie bitte vorsichtig. Wenn man nicht gut aufpasst, kann das erste im Wort genannte Element gefährlich sein.

Dr. Bopp

PS: Bevor Sie sich nun vielleicht kopfschüttelnd ans Nachschlagen und Neueinteilen machen, beachten Sie bitte das Folgende: Diese Übersicht ist weder vollständig noch sehr genau – und auch nicht die einzig mögliche.

Auf dass 2012 (noch) besser werde als 2011!

Frage

Bei Vergleichen habe ich zwei Möglichkeiten gesehen. Zum Beispiel:

Ich glaube, dass er besser ist als sein Vater.
Ich glaube, dass er besser als sein Vater ist.

Der erste Satz wirkt unnatürlich, aber er wird häufig verwendet. Ist er überhaupt richtig?

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

der erste Satz ist keine unnatürliche, sondern eine im Deutschen übliche Formulierung. Man lernt zwar als Grundregel, dass in Nebensätzen die konjugierte Verbform am Schluss steht, wie dies hier der Fall ist:

Ich glaube, dass er besser als sein Vater ist.

Doch wie es mit solchen Grundregeln so ist – es gibt Ausnahmen. In Vergleichssätzen wird die mit als oder wie eingeleitete Wortgruppe oft ganz an den Schluss gestellt. In einem Nebensatz steht sie dann hinter der konjugierten Verbform:

Ich glaube, dass er besser ist als sein Vater.

Diese Art, die Vergleichsgruppe ganz an den Schluss zu stellen, ist üblich und auch richtig. Sie ist meist sogar die gebräuchlichere der beiden Varianten. Andere Beispiele:

… weil ihr die Aufgabe schneller gelöst habt als wir.
… weil ihr die Aufgabe schneller als wir gelöst habt.

Sie haben gleich gut gespielt wie vor einem Monat.
Sie haben gleich gut wie vor einem Monat gespielt.

Er kam sich vor wie ein Anfänger.
Er kam sich wie ein Anfänger vor.

Und passend zum bevorstehenden Jahreswechsel:

Ich werde versuchen, im Jahr 2012 geduldiger zu sein als in diesem Jahr.
Ich werde versuchen, im Jahr 2012 geduldiger als in diesem Jahr zu sein.

Ich hoffe, dass Sie im neuen Jahr ebenso viele interessante Fragen stellen werden wie im vergangenen Jahr.
Ich hoffe, dass Sie im neuen Jahr ebenso viele interessante Fragen wie im vergangenen Jahr stellen werden.

Mehr zu diesem Thema finden Sie, wenn Sie möchten, auf dieser Seite in der Canoonet-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ein nicht allzu schwieriges Weihnachtsrätsel

Wieder einmal war ich dieser Tage unterwegs. Dabei bin ich durch drei Länder gekommen, zwei kleinere und ein großes. Anhand der folgenden Weihnachtswünsche im jeweiligen westgermanischen Idiom sollten Sie erraten können, welche Länder dies waren:

Prettige kerstdagen!
Frohe Weihnachten!
Schöni Wienacht!

Dies soll für alle regelmäßigen und gelegentlichen Besucher und Besucherinnen dieses Blogs sowie für all meine Kollegen und Kolleginen von Canoo gelten! Und falls Ihnen das Weihnachtsfest nicht so viel sagt, wünsche ich Ihnen einfach ein paar schöne, ruhige Tage.

Dr. Bopp

Sie hüteten des Nachts ihre Herde

»Es waren Hirten aus derselben Gegend auf dem Felde und sie hüteten des Nachts ihre Herde …« Für die Weihnachtsgeschichte ist es allerdings noch ein bisschen zu früh. Es geht hier dann auch nicht um Hirten, Engel, Ställe, Esel, Ochsen, Krippen und den Heiland. Herrn M.s Frage richtet sich also nicht an meine Bibelkenntnisse, sondern auf die bei genauerer Betrachtung recht seltsame Wendung des Nachts.

Frage

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Ausdruck „des Nachts“? Ist das Wort „Nacht“ einmal männlich gewesen oder woher stammt diese Redewendung? Logisch kann ich das nicht nachvollziehen.

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

soweit ich weiß, war Nacht auch früher nicht männlich. Das Wortgeschlecht spielt aber trotzdem eine Rolle. Die Entstehung dieser grammatisch sehr ungewöhnlichen Wendung (der Genitiv müsste ja der Nacht lauten) hat damit zu tun, dass Nacht die einzige weibliche Tageszeitangabe ist. Die Wendungen des Nachts und eines Nachts sind Analogiebildungen zu des Morgens, des Mittags, des Abends bzw. eines Morgens, eines Mittags, eines Abends, eines Tages. Das weibliche Wort Nacht hat sich bei dieser Ausdrucksweise also der Übermacht männlicher Tageszeitangaben beugen müssen (typisch!). „Logisch“ gesehen und nach den Regeln der deutschen Grammatik müsste man die Wendungen des Nachts und eines Nachts also eigentlich als falsch bezeichnen. Sie gehören aber trotzdem zur Standardsprache –  sogar zur gehobenen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Zur Groß- und Kleinschreibung bei eines Nachts und nachts siehe hier. Zur Frage, weshalb hier überhaupt der Genitiv steht, siehe hier.

Zweimal, 2-mal, 2 x

Für Liebhaber rechtschreiblicher Haarspaltereien:

Frage

Man sieht häufig in Listen oder in Aufzählungen, dass für einmal, zweimal usw. 1 x, 2 x usw. verwendet wird. Wird das „x“ nun mit Abstand zur Zahl gesetzt oder ohne Abstand? Es ist ja kein Rechenzeichen, sondern ersetzt eine Silbe. Können Sie es mir vielleicht genau sagen und begründen?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

die Abkürzung 2 x für zweimal ist weder in der Rechtschreibregelung noch in typografischen oder anderen Richtlinien vorgesehen. Ich kann Ihnen deshalb nicht genau sagen und begründen, wie Sie die Abkürzung schreiben müssen. An eine Empfehlung möchte ich mich aber trotzdem wagen:

Davon ausgehend, dass x für mal steht, sehe ich verschiedene Argumentationsmöglichkeiten:

a) 2x

Die Ziffer 2 steht für zwei, der Buchstabe x steht für mal, also kürzt man zweimal ohne Leerschritt ab.

b) 2-x

Es handelt sich um eine Zusammensetzung mit einer Ziffer und einem Einzelbuchstaben. Zusammensetzungen mit Ziffern und Einzelbuchstaben werden mit Bindestrich geschrieben (vgl. 2-mal, x-mal; Regel).

Entsprechend ist die Schreibung a) 2x eigentlich falsch. Allerdings darf man 2-fach (für zweifach) auch zusammenschreiben: 2fach. Wenn man nun beschließt, diese Ausnahme auch für 2-x zuzulassen, sind wir wieder bei a).

c) 2 x

Man kann zweimal bei besonderer Betonung auch getrennt schreiben: zwei Mal. Die Abkürzung orientiert sich außerdem an der mathematischen Schreibweise (wobei das x nur ein Ersatz für das eigentliche Malzeichen, den mittigen Punkt, ist). Bei Gleichungen setzt man vor und nach dem x ein Leerzeichen: 2 x 5 = zwei mal fünf.

Alle Begründungen sind möglich und vertretbar. Bindende Richtlinien gibt es nicht. Wenn Sie diese Art der Abkürzung überhaupt verwenden wollen, würde ich persönlich empfehlen, die Schreibung c) zu verwenden. Sie folgt dem Gebrauch der Schreibung, von der die Abkürzung abgeleitet ist (Mathematik) und sie wird häufig verwendet. Schreibung a) ist bei strenger Anwendung der amtl. Rechtschreibregeln eigentlich falsch (nur durch Einführung einer neuen Ausnahme zu rechtfertigen) und Schreibung b) kommt schlicht kaum vor. Also:

Die Eingabe muss 2 x bestätigt werden.
Wir verlosen 5 x 2 Freikarten!

Andere Schreibungen sind aber, wie gesagt, ebenfalls vertretbar.

Am besten gefallen mir außerhalb von mathematischen Gleichungen die ausgeschriebenen Formen zweimal und fünfmal. Über zwei Freikarten würde ich mich allerdings auf jeden Fall freuen, gleichgültig, ob sie nun 5x, 5-x, 5 x, 5-mal oder fünfmal verlost werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wörter des Jahres

Es gibt wohl nur wenige, denen entgangen ist, dass Stresstest zum Wort des Jahres 2011 gewählt worden ist. Vor allem in Deutschland dürften aber einige nicht wissen, dass es sich hier genau genommen um das bundesdeutsche Wort des Jahres handelt. Weil dies nicht immer erwähnt wird, sei hier der Vollständigkeit halber gesagt:

Das österreichische Wort des Jahres ist Euro-Rettungsschirm und in der deutschsprachigen Schweiz hat man sich für Euro-Rabatt entschieden. Das liechtensteinische Wort des Jahres 2011 ist noch nicht gekürt worden.

Dann noch ein Hinweis für diejenigen, die sich für Wörter des Jahres interessieren: Bis zum 7. Januar 2012 können Sie sich mit Ihrem Vorschlag an der Wahl des Anglizismus des Jahres 2011 beteiligen. Es sieht auch dort ein bisschen „deutschländisch“ aus, aber Vorschläge aus anderen deutschsprachigen Regionen nimmt man bestimmt auch entgegen.

Blogspektrogramm 8

Die achte Ausgabe des Blogspektrogramms wird diesen Monat in Susanne Flachs Blog
*/ˈdɪ?kæf/ vorgestellt:

Auch diesmal gibt es viel Interessantes zu lesen:

  • über das Spiel mit Schriftsystemen in einer Kampagne der Stadt Seoul,
  • über die Erweiterung des Wortschatzes, wenn dieser Lücken aufweist,
  • über Hinweisschilder »Caution! This language is under construction!«,
  • über die Verlässlichkeit und Zitierbarkeit von Wikipediaartikeln,
  • über zweifelhafte Anglizismenkritik durch Englischsprachige,
  • über Korrektheit und Bedeutung der Formen nächste und näheste.

Viel Spaß beim Lesen!

Blogspektrogramm 8
Blogspektrogramm 7
Blogspektrogramm 6

Blogspektrogramm 5
Blogspektrogramm 4
Blogspektrogramm 3
Blogspektrogramm 2
Blogspektrogramm 1