Willkommen „zu“ meiner Webseite?

Frage

In letzter Zeit fällt mir immer öfter das Wort zu im Zusammenhang mit willkommen auf. Heißt es tatsächlich willkommen zu meiner Webseite? Und heißt es willkommen bei der Eröffnung oder auf der Eröffnung? Wann benutze ich auf, bei oder zu und gibt es dazu eine Regel?

Antwort

Sehr geehrte Frau O.,

auch meine Ohren stören sich an der Formulierung willkommen zu meiner Webseite. Woran könnte das liegen? Eine genaue Regel zu dieser Frage kenne ich nicht, aber im Allgemeinen kann ich die folgenden Tendenzen beobachten:

Wenn man an einem Ort willkommen geheißen wird, wählt man die Präposition, die man bei der betreffenden Ortsbezeichnung auf die Frage wo? verwendet:

willkommen in Innsbruck (wo? – in Innsbruck)
willkommen auf dem Reiterhof
willkommen am Niederrhein
willkommen bei Canoo
Seid hoch willkommen unter meinem Dach! (Schiller: Willhelm Tell, 1. Akt, 4. Szene)

Man wählt zu, wenn man jemanden zu einem Geschehen, einem Ereignis u. Ä. willkommen heißt:

willkommen zur Eröffnung der Ausstellung
willkommen zur Konferenz
willkommen zum 60. ordentlichen Kreisparteitag
willkommen zu unserem Gartenfest

Hier sind auch andere Formulierungen möglich. Zum Beispiel:

willkommen bei der Eröffnung der Ausstellung
willkommen bei der Konferenz
willkommen auf unserem Gartenfest

Formulierungen wie die folgenden klingen deshalb nicht richtig, weil es sich nicht um ein Ereignis oder Geschehen, sondern (im weiteren Sinne) um einen Ort handelt:

willkommen zu meiner Webseite
willkommen zur Homepage der Familie X
willkommen zur Firma Y
willkommen zum Hotel California

Viel besser klingt:

willkommen auf meiner Webseite
willkommen auf der Hompage der Familie X
willkommen bei der Firma Y
willkommen im Hotel California

Das gilt auch dann, wenn die Homepage dynamisch so gut durchdesignt ist, dass sich alles auf ihr irgendwie bewegt. Es gilt auch trotz der Tatsache, dass die Eagles singen „Welcome to the Hotel California“. Letzteres soll nur ein leiser Hinweis darauf sein, dass viele der weniger gut klingenden willkommen zu dem Einfluss des Englischen zuzuschreiben sein könnten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Eine Million Menschen kam oder kamen?

Frage

Unser Professor erwähnte in seinem Vortrag, dass die Formulierung Eine Million Menschen kamen zu XY falsch sei, da das Verb durch eine Million in der Einzahl stehen müsse. Ist das korrekt, oder gilt die Regel, dass das Subjekt im Plural steht und darum auch das Verb im Plural stehen muss?

Antwort

Guten Tag M.,

in der Mengenangabe eine Million Menschen ist das Substantiv Million der Kern der Wortgruppe, der durch das Attribut Menschen näher bestimmt wird. Rein formal hat ihr Professor deshalb recht, wenn er sagt, dass bei einem solchen Subjekt das Verb in der Einzahl stehen müsse.

Eine Million Menschen kam zu diesem Anlass.
Ein Pfund Nudeln reicht nicht.
Eine Anzahl teure Designerbrillen wurde gestohlen.

Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Das Verb wird oft nicht formal der Maßbezeichnung (dem Wortgruppenkern) sondern sinngemäß dem Gemessenen (dem Attribut) angeglichen. Dies geschieht bei Maßbezeichnungen in der Einzahl  mit einem Attribut in der Mehrzahl:   

Eine Million Menschen kamen zu diesem Anlass.
Ein Pfund Nudeln reichen nicht.
Eine Anzahl teure Designerbrillen wurden gestohlen.

Ihr Professor hat also nicht ganz recht. Nach eine Million Menschen kann das Verb auch in der Mehrzahl stehen. Strengere Grammatiker finden oder fanden die Mehrzahl hier zwar nicht korrekt, aber nach dem allgemeinen Sprachgebrauch und zum Beispiel auch der Dudengrammatik ist sowohl eine Million Menschen kam als auch eine Million Menschen kamen korrekt. Sehen Sie hierzu auch diese Seite in Canoonet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Über oder mehr als 100 000 Menschen?

Frage

Ständig lese ich der Zeitung – hören kann ich es selbstverständlich auch –:

Über 100 000 Menschen haben es bereits gesehen.

Meiner Kenntnis nach ist das Wort über falsch gebraucht. Es gehört in die Gruppe von an, auf, in, über, vor und zwischen. Ich meine, dass es mehr als heißen muss. Liege ich richtig?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

das Wörtchen über wird im Deutschen – auch in der Standardsprache – vor Kardinalzahlen mit der Bedeutung mehr als verwendet:

Wir haben über eine halbe Stunde gewartet.
ein Stadt mit über 100 000 Einwohnern
die über siebzehn Jahre alten Jugendlichen

Dieser Gebrauch ist allgemein verbreitet, gebräuchlich und akzeptiert. Er wird in allen größeren Wörterbüchern angegeben.

Das ist eigentlich gar nichts Außergewöhnliches. Das Wort über gehört tatsächlich in die Reihe der Wörter wie an, auf, in, hinter, über, unter, vor, zwischen. Diese Wörter haben eine räumliche Bedeutung. Sie geben an, wie verschiedene Objekte im Raum zueinander stehen. All diese Wörter werden aber nicht nur räumlich, sondern auch in „übertragenem“ Sinne verwendet. Sehr typisch sind zeitliche Verwendungen. Die räumliche Anordnung wird in bildlichem Sinne auf die Zeit übertragen. Beispiele sind:

in dieser Woche
über
die Feiertage
vor drei Tagen
zwischen
Weihnachten und Neujahr
am Montag
die Nacht auf den Dienstag
usw.

Damit haben sie ihre Rolle in der Sprache aber noch lange nicht ausgespielt. Sie werden nämlich auch mit anderen Bedeutungen und Funktionen verwendet. Sehen Sie anhand einiger Beispiele, wo das Wörtchen über überall auftauchen kann :

über etwas nachdenken
über
alle Maßen
über
kurz oder lang
über
dem Stricken einnicken
drei Grad über Null
über
drei Meter breit
den ganzen Tag über
u.a.m.

Auch die Wendung über 100.000 Menschen mit der Bedeutung mehr als 100.000 Menschen ist, wie bereits gesagt, allgemein übliches, korrektes Deutsch.

Man verwendet ein ganz ähnliches, aus dem Räumlichen übertragenes Bild, wie wenn man von einer hohen oder einer höheren Zahl spricht. Ganz wörtlich, das heißt räumlich gesehen, sind alle Zahlen gleich „hoch“ oder „niedrig“. Als abstrakte Begriffe nehmen sie ja keinen Raum ein. Erst im übertragenen Sinne kann man sagen, dass zwanzig eine höhere Zahl ist als zehn. Das Bild stammt wohl daher, dass zum Beispiel ein Stapel von zwanzig Steinen, Holzblöcken oder Büchern höher ist als ein Stapel von zehn. Wenn es also um mehr als 100.000 Menschen geht, ist ihre Zahl höher als 100.000, d.h. sie liegt über 100.000. Von hier aus ist es dann kein großer Schritt mehr bis zu über 100.000 Menschen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Des Kanton Zürichs, des Bezirk Rostocks, des Land Kärntens: immer dieser Genitiv!

Frage

Was ist richtig: des Kantons Zürich oder des Kanton Zürichs? Im Internet finde ich beide Schreibweisen – oft sogar im gleichen Dokument.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

richtig ist des Kantons Zürich. Der sogenannte Kern der Wortgruppe ist hier Kanton. Zürich ist eine genauere Bestimmung (hier: Apposition), die hinter diesem Kern steht. Bei dieser Art geographischer Bezeichnungen wird nur der Kern der Wortgruppe gebeugt:

der Kanton Zürich – des Kantons Zürich

Andere Beispiele:

der Stadtteil St. Pauli  –  des Stadtteils St. Pauli (nicht: des Stadtteil St. Paulis)
der Weiler Heuberg  –  des Weilers Heuberg (nicht: des Weiler Heubergs)
der Bezirk Rostock  –  des Bezirks Rostock (nicht: des Bezirk Rostocks)
das Land Kärnten  –  des Landes Kärnten (nicht: des Land Kärntens)
die Stadt New York  – der Stadt New York (nicht: der Stadt New Yorks)

Sehen Sie hierzu auch diese Grammatikangaben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Am Ende dieses Jahres

Passend zum näherrückenden Jahresende und als Vorbereitung auf den Jahresbeginn ein weiterer Dauerbrenner bei den Anfragen:

Frage

Heißt es zu Beginn dieses Jahres oder zu Beginn diesen Jahres?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

auch wenn man es sehr häufig anders hört und liest, gilt im Standarddeutschen nur die folgende Form als korrekt:

zu Beginn dieses Jahres

Die sächliche Genitivform der Einzahl von dies… lautet immer dieses. Vergleichen Sie hierzu:

am Ende dieses Schreibens
die Eltern dieses Kindes
die Bewältigung dieses Problems

Die Formulierung zu Beginn diesen Jahres wird wahrscheinlich in Analogie mit zu Beginn nächsten Jahres, zu Beginn jeden Jahres u. Ä. gebildet, aber im Standardeutschen gilt sie (vorläufig noch?) als nicht korrekt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn länger weniger lang ist als lang

Es wird vor allem Logiker und Fremdsprachige ziemlich erstaunen: Im Deutschen ist ein älterer Mann oft jünger als ein alter Mann, und eine jüngere Frau kann älter sein als eine junge Frau. Wie ist das möglich, wenn doch jünger und älter eindeutig die Steigerungsformen von jung und alt sind? Dann muss doch ein älterer Mann älter sein als ein alter Mann. Und eine jüngere Frau muss jünger sein als eine junge Frau.

Innerhalb eines Vergleichs ist das auch genau so: Wenn Sie einen Mann von achtunddreißig mit einem Fünfundvierigjährigen vergleichen, ist der zweite ein älterer Mann als der erste. Und mit siebenundzwanzig ist eine Frau eindeutig eine jüngere Frau als eine Zweiunddreißigjährige. Die Anwendung des Komparativs hält sich hier genau an die Bedeutung seines deutschen Namens „Höherstufe“: Er gibt einen höheren Grad der Eigenschaft an, die das Adjektiv alt oder jung ausdrückt.

Die Vergleichsformen werden aber auch außerhalb von Vergleichen angewendet. Dann haben sie kurioserweise nicht eine verstärkende, sondern eine abschwächende Funktion. Wenn man mit einer jungen Frau gesprochen hat, war die betreffende Person einfach jung. Wenn man aber sagt, dass man mit einer jüngeren Frau gesprochen hat (ohne sie dabei mit jemand anderem zu vergleichen), meint man, dass die Gesprächspartnerin nicht mehr ganz so jung, aber sicher noch nicht alt war. Wenn man diese relativen, außerhalb von Vergleichen verwendeten Charakterisierungen miteinander vergleicht, bezeichnet also tatsächlich jünger eine ältere Person als jung!

Natürlich ist alles relativ: Für Elfjährige ist jeder Mann über zwanzig ein älterer Mann und jeder über dreißig ein alter Mann. Als Sechzigjähriger hält man sich vielleicht für einen älteren Mann, aber bestimmt noch nicht für einen alten Mann. Auch hier gilt aber in beiden Fällen, dass älter jünger ist als alt.

Das ist auch bei anderen Adjektiven möglich: Niemand wartet gerne. Wenn Sie aber einmal warten müssen, welche Antwort ist Ihnen lieber: „Es wird noch längere Zeit dauern“ oder „Es wird noch lange Zeit dauern“? Eine längere Zeit ist lang, aber eine lange Zeit ist in diesem Fall noch länger. Gewinnen Sie im Lotto lieber einen größeren Geldbetrag oder einen großen Geldbetrag? Im Allgemeinen ist ein großer Gewinn mehr als ein größerer Gewinn – außer wenn man die Beträge direkt miteinander vergleicht …

Verwirrend? – Nur wenn man zu viel darüber nachdenkt und den Begriff Steigerung im Namen Steigerungsform nicht loslassen kann. Sehen Sie hier, was die Grammatik kurz zu diesem Thema zu sagen hat.

Die aktuellsten Nachrichten

Wieder einmal zu einem „Dauerbrenner im Grammatikland“:

Frage

Nach Zwiebelfisch [= Kolumnist Bastian Sick] „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ kann man optimal und aktuell nicht steigern. Wenn etwas aktuell ist, dann ist das andere eben nicht aktuell. Auf Canoonet werden diese Wörter aber mit Steigerungsformen angegeben. Wer liegt hier richtig?

Antwort

Sehr geehrte Frau F.,

wenn man die wörtliche Definition solcher „absoluter“ Adjektive nimmt, hat Herr Sick natürlich recht. Wenn etwas aktuell ist, dann kann etwas anderes nur ebenfalls aktuell oder nicht (mehr) aktuell sein. Das Optimale ist das Bestmögliche, besser geht also nicht mehr. Und absolut bedeutet ja, dass es darüber hinaus nichts mehr geben kann. Steigerungsformen sind also bei der wörtlichen Bedeutung solcher Adjektive nicht möglich.

Das ist aber ein wenig flexible und sehr einengende Sicht auf die Möglichkeiten der Sprache. Nehmen wir zum Beispiel aktuell: Wenn die aktuellen Nachrichten der ARD eine halbe Stunde älter sind als die aktuellen Nachrichten des ZDF, darf ich dann nicht sagen, dass die Nachrichten des ZDF aktueller sind als diejenigen der ARD? Und wenn die Nachrichten von SAT und RTL usw. noch älter sind, hat dann das ZDF in diesem Moment nicht die aktuellsten Nachrichten? Nach der strengen, wörtlichen Auslegung der Bedeutung von aktuell stimmt das vielleicht nicht: Nur das ZDF hat aktuelle Nachrichten, alle anderen nicht mehr, obwohl sie behaupten, dass Sie aktuellen Nachrichten hätten. Ich glaube aber nicht, dass – außer strengen Grammatikern und deren Anhänger –  jemand hier einen Fehler entdecken kann. Die Steigerungsformen aktueller und aktuellste drücken hier genau aus, was gemeint ist, nämlich dass alle Fernsehstationen aktuelle Meldungen haben und dass diejenigen des ZDF die neuesten oder eben die aktuellsten sind.

Im Allgemeinen gilt, dass man absolute Adjektive auch in einem übertragenen Sinne oder bewusst übertreibend verwenden kann – und wie ich finde auch darf. Wenn es neben beste auch allerbeste gibt, weshalb darf es dann neben optimal im verstärkenden oder übertreibenden Sinne nicht auch optimalste geben? Diese Steigerungsform verdient zugegebenermaßen meistens nicht den Schönheitspreis, aber sie ist nach der Grammatik des Deutschen möglich, weil das Deutsche die bewusste Übertreibung und die Verstärkung des Superlativs (z.B. allerbeste) kennt und zulässt. Die Frage lautet meistens nicht, ob solche Steigerungsformen korrekt sind, sondern vielmehr, ob man sie stilistisch schön, gut oder akzeptabel findet. Man sollte also ihren Gebrauch nicht, wie Herr Sick es tut, von vornherein verurteilen.

Das schönste Beispiel einer solchen Übertreibung habe ich einmal von einer englischsprachigen Linguistin gelesen, an deren Namen ich mich leider nicht erinnere. Sie schrieb sinngemäß das Folgende:

Wer einmal im neunten Monat mit Drillingen schwanger war, wird nie mehr behaupten, dass eine Frau nicht schwangerer sein kann als eine andere.

Ganz so weit würde ich nicht gehen, aber das Beispiel zeigt, dass Wörter nicht nur im engen Käfig ihrer wörtlichen Definition benutzt werden, sondern auch in vielen anderen Kontexten und Bedeutungen.

Sehen Sie hierzu auch einen früheren Blogeintrag und diese Grammatikseite zu den absoluten Adjektiven.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Las ich oder habe ich gelesen? – Die Zeiten der Vergangenheit

Frage

Gibt es in der deutschen Sprache eine Vergangenheit und eine Vorgegenwart wie in manchen Fremdsprachen? Zum Beispiel:

Ich las ein Buch.
Ich habe ein Buch gelesen.

Ist das beides Vergangenheit oder gibt es da Unterschiede?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

bei den Verbformen kennt das Deutsche die folgenden Zeiten der Vergangenheit:

Perfekt (Vorgegenwart): ich habe gelesen
Präteritum (Vergangenheit): ich las
Plusquamperfekt (Vorvergangenheit): ich hatte gelesen

Anders als in anderen Sprachen gibt es im Deutschen fast keinen Unterschied zwischen dem Perfekt und dem Präteritum. Ob Sie Ich habe ein Buch gelesen oder Ich las ein Buch sagen, hängt vor allem von stilistischen Kriterien ab. So gilt zum Beispiel das Präteritum als die typische „Erzählzeit“, die man häufig in Erzählungen, Romanen usw. verwendet. Die Region, aus der Sie kommen, kann auch eine Rolle spielen: je nördlicher, desto häufiger las, je südlicher desto häufiger habe gelesen.

Einen Unterschied gibt es aber doch: Wenn ein Bezug zur Gegenwart hergestellt wird, kann nur das Perfekt, aber nicht das Präteritum verwendet werden:

Ich habe das Buch gelesen, deshalb kenne ich es schon.
Nicht: *Ich las das Buch, deshalb kenne ich es schon.

Umgekehrt, d. h. wenn es keinen solchen direkten Gegenwartsbezug gibt, sind in der Regel sowohl Perfekt als auch Präteritum möglich:

Ich habe damals viel gelesen.
Ich las damals viel.

Es gibt noch mehr Wissenswertes zur Verwendung der verschiedenen Zeiten. So kann zum Beispiel

  • das Präsens (Gegenwart) als sogenanntes „historisches Präsens“ etwas Vergangenes ausdrücken:

Im Jahr 1492 entdeckt Kolumbus Amerika.

  • das Perfekt für etwas Zukünftiges verwendet werden:

Wir haben es bald geschafft.

Ein Übersicht dazu und weitere Hinweise finden Sie auf dieser Grammatikseite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wegen jedes?

Frage

Wie drückt man das umgangssprachliche wegen jedem standardsprachlich aus, wenn jedem als Stellvertreter eines Nomens steht? Die Formulierung wegen jedes klingt so sehr aufgesetzt und unnatürlich, obwohl es stimmen müsste. Bei wegen jedes Einzelnen ist das schon wieder ganz anders.

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

wenn Sie den Dativ nach wegen vermeiden und den von bestimmt niemandem kritisierten Genitiv verwenden wollen, haben Sie mit dem Pronomen jeder tatsächlich ein Problem. Die Genitivform jedes kann nämlich aus mir übrigens völlig unerklärlichen Gründen nicht alleine stehen. Man kann also nicht sagen:

nach der Meinung jedes

In diesem Fall muss man auf andere Formulierungen ausweichen. Zum Beispiel:

nach der Meinung eines jeden
nach der Meinung aller

Die Formulierung wegen jedes klingt also deshalb so unnatürlich, weil sie nicht richtig ist. Man muss das aber eigentlich umgekehrt ausdrücken: wegen jedes ist nicht richtig, weil es so unnatürlich klingt. Wie dem auch sei, Sie sollten hier wegen eines jeden oder wegen jedes Einzelnen verwenden oder den Satz ganz umformulieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Mehr Informationen zum Pronomen jeder/jede/jedes finden Sie hier und hier.

Entsprechend dem Urteil oder des Urteils?

Ein Dauerbrenner in der Fragerubrik: Genitiv oder Dativ?

Frage

Ich streite seit geraumer Zeit mit Freunden darüber, was richtig ist:

entsprechend dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts …
entsprechend des Urteils des Bundesverfassungsgerichts …

Antwort

Sehr geehrte Frau A.,

standardsprachlich richtig ist:

entsprechend dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts …

Das Gleiche gilt für:

außer einem kleinen Beitrag
entgegen meinem ausdrücklichen Wunsch
entsprechend deinem Vorschlag
fern allem Zynismus
gegenüber dem Restaurant
gemäß diesem Urteil
nahe dem Zentrum
samt allem Inhalt
vis-à-vis dem Restaurant

All diese Präpositionen werden häufig mit dem Genitiv verwendet, obwohl sie standardsprachlich mit dem Dativ stehen müssten. Dann gibt es auch noch Präpositionen, die sowohl mit Genitiv als auch mit dem Dativ verwendet werden können:

binnen einem Monat/eines Monats
dank deinem Einsatz/deines Einsatzes
laut einem Pressebericht/eines Presseberichtes

Auch hier wird man aber hin und wieder von wohlmeinenden Mitmenschen korrigiert, wenn man die Dativvariante wählt.

Man hört zwar seit einiger Zeit oft, dass „der Dativ dem Genitiv sein Tod“ sei, aber wenn man es allzu ernst nimmt, kann sich diese „Warnung“ ins Gegenteil verkehren. Es gibt nun einmal auch Präpositionen, die mit dem Dativ stehen müssen oder können – sogar solche, die wie der Genitiv so richtig schön gehoben klingen. Eine Liste der Präpositionen mit Dativ finden sie hier.

Man sieht: Ähnlich dem Genitiv hat es der Dativ manchmal schwer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp