Hervorzuheben ist hier die Zusammenschreibung von „hervorzuheben“

Heute gleich noch einmal eine Frage zur Getrennt- oder Zusammenschreibung:

Frage

Ich habe eine Frage zur Zusammen- oder Getrenntschreibung eines zusammengesetzten Verbs im Vorfeld in Infinitivform. Wie muss es heißen?

  1. Hervorzuheben ist, dass alle Teilnehmenden mit der Aufführung zufrieden waren.
  2. Hervor zu heben ist, dass alle Teilnehmenden mit der Aufführung zufrieden waren.

Antwort

Guten Tag Herr S.,

bei trennbaren Verben wird der mit zu erweiterte Infinitiv in einem Wort geschrieben:

hervorheben – hervorzuheben
ausdenken – auszudenken
mitnehmen – mitzunehmen
einbeziehen – einzubeziehen
auseinandergehen – auseinanderzugehen

Das gilt auch dann, wenn der mit zu erweiterte Infinitiv eines trennbaren Verbes in das Vorfeld (vor das gebeugte Verb) verschoben wird, also auch beim Satz in Ihrer Frage:

Es ist hervorzuheben, dass …
Hervorzuheben ist, dass alle Teilnehmenden mit der Aufführung zufrieden waren.

Es ist besonders hervorzuheben, dass …
Besonders hervorzuheben ist, dass …

Ebenso zum Beispiel:

Mitzunehmen sind die folgenden Dokumente: …
Unbedingt mitzunehmen sind die folgenden Dokumente: …

Nicht auszudenken ist, was geschehen würde …

Einzubeziehen sind auch die Zahlungen vom Vorjahr.
In die Überprüfung einzubeziehen sind auch die Zahlungen vom Vorjahr.

Auseinanderzugehen kommt nicht in Frage.
Im Streit auseinanderzugehen kommt nicht in Frage.

Formulierungen dieser Art sind nicht immer allzu schön, aber zusammenzuschreiben sind die Infinitive auch in dieser Stellung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn man kleiner wohnen will: der Traum vom kleiner Wohnen oder vom Kleinerwohnen?

Frage

Ich habe eine Frage zur korrekten Schreibung von substantivierten Verben mit adjektivischem Begleiter. Kürzlich wurde im TV eine Reportage gesendet mit dem Titel »Der Traum vom kleiner Wohnen«. Der Ausdruck »kleiner Wohnen« kommt mir hinsichtlich der Schreibung und auch stilistisch irgendwie seltsam vor, wobei ich nicht sicher bin, ob ich hier möglicherweise ein Problem sehe, wo gar keines ist.

Da es sich um eine Substantivierung des Verbs handelt, wird »Wohnen« folgerichtig großgeschrieben, das ist klar. Wenn es nun hieße »Der Traum vom kleineren Wohnen« hätte ich auch kein Problem, aber das »kleiner« scheint mir bei der Substantivierung des Verbs enger an letzteres gebunden zu sein. Müsste es deshalb nicht vielleicht »Traum vom Kleinerwohnen« oder »Traum vom Kleiner-Wohnen« heißen? […]

Noch ein paar Beispiele, die dem »kleiner Wohnen« ähneln, bei denen ich mir ebenfalls unsicher bin:

das gesünder Essen
das nachhaltiger Einkaufen
das umweltbewusster Reisen
das schonend Kochen
das fettarm Backen
das hübsch Verzieren

Völlig unproblematisch sind diese Wendungen, wenn das Adjektiv anders dekliniert wird:

das gesündere Essen
das nachhaltigere Einkaufen
das umweltbewusstere Reisen
das schonende Kochen
das fettarme Backen
das hübsche Verzieren

Drücken diese Wendungen aber wirklich dasselbe aus wie die obenstehenden? […]

Antwort

Guten Tag Herr K.,

Ihre Analyse ist korrekt. Hier ist die ganze Infinitivgruppe kleiner wohnen substantiviert. Dann gilt, dass aus zwei Wörtern bestehende (o. übersichtliche) Infinitivgruppen groß- und zusammengeschrieben werden:

das Kleinerwohnen
also: Der Traum vom Kleinerwohnen

das Gesünderessen
das Nachhaltigereinkaufen
das Schonenderkochen
das Umweltbewussterreisen
das Schonendkochen
das Fettarmbacken
das Hübschverzieren

Getrennt geschrieben wird, wenn das Adjektiv gebeugt ist:

das kleinere Wohnen
das gesündere Essen
das nachhaltigere Einkaufen
das schonendere Kochen
das umweltbewusstere Reisen
das schonendere Kochen
das fettarme Backen

Häufig gibt es keinen wesentlichen Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Formulierungen. Dann ist stilistisch eindeutig die Variante mit einfachem Infinitiv und gebeugtem Adjektiv vorzuziehen. Substantivierte Infinitivgruppen verdienen selten den Schönheitspreis und sehen manchmal, wie die Beispiele oben von das Kleinerwohnen bis das Hübschverzieren, eher seltsam und gewöhnungsbedürftig aus.

In gewissen Fällen kann die Bedeutung unterschiedlich sein, wenn wie zum Beispiel bei das gesündere Essen der substantivierte Infinitiv eine andere Bedeutung hat oder haben kann als die reine Verbbedeutung (das Essen als Verbhandlung und das Essen als Mahlzeit oder Speise). Manchmal ist die getrennte Formulierung nicht möglich, wenn wie zum Beispiel bei hübsch verzieren das Adjektiv sich nicht auf das Verb, sondern auf ein Objekt bezieht (hübsch ist nicht das Verzieren, sondern das, was verziert wird). Und manchmal bin ich unsicher, ob eine Formulierung möglich ist: das kleinere Wohnen?? Eher nicht.

Ein ähnliches Thema behandelt dieser ältere Blogartikel.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wird die Produktion auf elektrisch oder auf Elektrisch umgestellt?

Frage

Wird das Wort „elektrisch/Elektrisch“ in diesem Satz groß- oder kleingeschrieben: „Das Unternehmen stellt seine Produktion auf elektrisch/Elektrisch um“?

Könnte man argumentieren, dass „elektrisch“ eine substantivierte Verwendung des Adjektivs ist? Ähnliche Beispiele wären:

Die Ampel schaltet auf Rot
Wir bestellen das Produkt in Klein

Beim ersten Beispiel kann man natürlich die Rechtschreibregeln für Sprach- und Farbadjektive anführen, aber zumindest das zweite Beispiel zeigt die Parallele zum fraglichen Satz.

Antwort

Guten Tag Herr F.,

meine Empfehlung ist hier die Kleinschreibung:

Das Unternehmen stellt seine Produktion auf elektrisch um.

Dies ist allerdings auch für mich ein Zweifelsfall. Es geht um eine Verbindung aus einer Präposition und einem ungebeugten Adjektiv. Hier ist die Rechtschreibregelung in Bezug auf die Groß- und Kleinschreibung zum Teil undeutlich.

1. Nach § 58(3.1) werden „bestimmte feste Verbindungen aus Präposition und nichtdekliniertem Adjektiv ohne vorangehenden Artikel“ kleingeschrieben. Es geht dabei um Fälle wie:

Ich hörte von fern ein dumpfes Grollen.
Die Ware wird nur gegen bar ausgeliefert.
Damit habe ich mich von klein auf beschäftigt.

2. Nach der Ausnahmeregel § 58(E2) werden „Substantivierungen, die auch ohne Präposition üblich sind“, auch dann großgeschrieben, wenn sie mit einer Präposition verbunden werden. Es geht hier u. a. um Fälle wie:

Die Ampel schaltete auf Rot.
Wir liefern das Gerät in Grau.
Mit Englisch kommst du überall durch.

Die Rechtschreibregelung ist hier insofern undeutlich, als sie nicht explizit angibt, wie man Verbindungen aus einer Präposition und einem ungebeugten Adjektiv schreibt, die keine festen Verbindungen sind (vgl. 1) und bei denen die ungebeugte Adjektivform nicht als Substantivierung üblich ist (vgl. 2).

Die Formulierungen in klein bestellen und auf elektrisch umschalten sind keine festen Verbindungen. Sie gehören somit nicht zu den nach §58(3.1) kleinzuschreibenden Verbindungen. Die ungebeugten Formen klein und elektrisch sind  auch keine ohne Präposition üblichen Substantivierungen (vgl. §58[E2]). Es gibt zwar ein leuchtendes Rot, aber nicht ein *durchschnittliches Klein oder *nachhaltiges Elektrisch.

Ich halte in solchen Fällen die Kleinschreibung für angebrachter, da die Verbindungen zwar nicht fest sind, sie aber nicht der Ausnahme-Regelung entsprechen. Dies ist meine Interpretation. Andere kommt hier zum Teil[!] zu einem anderen Schluss: Gemäß Duden, „Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle“, Stichwort in, schreibt man ungebeugte Adjektive nach in groß (→ ein Produkt in Klein bestellen; dies wahrscheinlich in Analogie mit in Rot bestellen). Nach dem Rechtschreibwörterbuch desselben Verlages schreibt man aber zum Beispiel: die Flamme auf klein drehen.

Nach all diesen Überlegungen kann ich nur noch erschöpft wiederholen, dass ich hier für die Kleinschreibung bin:

Das Unternehmen stellt seine Produktion auf elektrisch um.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zusammensetzungen mit mehrteiligen Titeln

Frage

Guten Tag,

ich möchte Folgendes schreiben:  „Der Gut zu wissen Bereich in unserem System ist sehr beliebt.“ Ich bin mir nicht sicher, welche Variante richtig ist.

„Gut zu wissen“ Bereich
„Gut zu wissen Bereich“
„Gut zu wissen“-Bereich

Der Bereich heißt explizit „Gut zu wissen“.

Antwort

Guten Tag Herr M.,

bei Ausdrücken dieser Art gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wenn man sie als Zusammensetzung formuliert, kommt man nicht ohne den Bindestrich aus. Zusammensetzungen werden im Deutschen im Prinzip zusammengeschrieben. Enthalten sie einem Begriff, der aus mehr als einem Wort besteht, setzt man Bindestriche zwischen die einzelnen Teile der Zusammensetzung:

Erste-Klasse-Abteil
Mund-zu-Mund-Beatmung
Tour-de-France-Teilnahme
Friedrich-Schiller-Denkmal

Nach der Rechtschreibregelung schreiben Sie deshalb:

Der Gut-zu-wissen-Bereich in unserem System ist sehr beliebt.

Es ist dann aber weniger deutlich, dass es sich um den Namen oder Titel eines Bereiches handelt. Bei Zusammensetzungen mit mehrteiligen Titeln u. Ä. wird deshalb häufig eine Schreibung mit Anführungszeichen verwendet. Innerhalb der Anführungszeichen stehen keine Bindestriche:

das „50 Jahre Marta und Johann“-Jubiläum
die „Bauer sucht Frau“-Moderatorin

Der „Gut zu wissen“-Bereich in unserem System ist sehr beliebt.

Diese Schreibweise kommt häufiger vor, sie ist aber nicht in der amtlichen Rechtschreibregelung vorgesehen. Sie könnten deshalb auch die folgende Lösungen erwägen. Sie ist übersichtlich und entspricht der Rechtschreibregelung:

Der Bereich „Gut zu wissen“ in unserem System ist sehr beliebt.

Der „Fragen Sie Dr. Bopp“-Autor oder eben der Autor von „Fragen Sie Dr. Bopp“ würde, wo es möglich ist, die letzte Formulierung empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Warum man „heraus“ und nicht „herraus“ schreibt

Frage

Kinder einer vierten Klasse stolpern über die Schreibweise des Wortes „heraus“. Sie argumentieren, es müsse mit zwei r geschrieben werden, da „her“ eine Vorsilbe sei und dann das Wort „raus“ folge: „herraus“. Wie ist zu erklären, dass der zweite Wortteil die Präposition „aus“ meint?

Antwort

Guten Tag Frau B.,

Kinder können Fragen stellen, die sowohl intelligent also auch gar nicht so einfach zu beantworten sind. Sie könnten vielleicht mit dem Argument anfangen, dass die Form „raus“ eine umgangssprachliche Verkürzung von „heraus“ ist. Diese Verkürzung kommt nur bei Präpositionen vor, die mit einem Vokal beginnen:

ran = heran
rauf = herauf
raus = heraus
rein = herein
rüber = herüber
rum = herum
runter = herunter

Bei anderen Präpositionen, die mit her kombiniert werden, gibt es diese Verkürzung nicht:

herab
herbei
hervor

Wenn man her mit der verkürzten Form raus verbinden würde, wäre das sozusagen doppelt gemoppelt. Die Form raus bedeutet schon heraus und ist aus heraus entstanden. Man kann also nicht noch einmal her vor raus stellen, denn das entspräche herheraus.

Weiter zeigen Formen wie herab, herbei und hervor dass her bei der Bildung solcher Formen mit einer Präposition verbunden wird:

herab = her+ab
herbei = her+bei
hervor = her+vor

Ebenso:

heraus = her+aus
herauf = her+auf
herein = her+ein
usw.

Auch ein Vergleich mit den entsprechenden Formen mit hin könnte zeigen, dass nicht mit raus, sondern mit aus kombiniert wird:

hinaus = hin+aus
hinauf = hin+auf
hinein = hin+ein
usw.

Ob man Kinder einer vierten Klasse mit solchen Argumenten überzeugen kann, weiß ich allerdings nicht. Das muss ich der Fachkompetenz ihrer Lehrkraft überlassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ist man ü40, ü-40, ü 40 oder ü. 40, wenn man über vierzig ist?

Frage

Ich habe eine Frage zu einer Schreibweise, bei der ich mir trotz Wälzung der Rechtschreibregeln unsicher bleibe:

Das betrifft nicht nur die Generation zwischen zwanzig und dreißig, sondern inzwischen auch die Menschen Ü-vierzig.

„Ü-vierzig“ sieht für mich seltsam aus, aber ich weiß nicht, wie es besser wäre, insbesondere, wenn man die „vierzig“ als Wort belassen möchte: „ü‑vierzig“, „ü vierzig“?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

mit den Rechtschreibregeln kommt man hier nicht sehr weit und die Wörterbücher geben auch nicht viel her. Es gibt deshalb keine eindeutige, allgemein gültige Antwort auf Ihre Frage.

Im Prinzip müsste man „über“ in „über vierzig“ mit Hilfe eines Abkürzungspunktes abkürzen:

die Menschen, die ü. vierzig sind
die Menschen, die ü. 40 sind

Der Abkürzungspunkt ist aber nicht bei allen Abkürzungen üblich. Weiter ist es fraglich, ob Wendungen dieser Art nicht schon zu einer eigenständigen Formulierung mit eigener Schreibweise geworden sind. Die folgenden Varianten kommen u. a. vor (ich nenne nur die Schreibungen mit kleinem ü, siehe weiter unten):

die Menschen ü 40
die Menschen ü-40
die Menschen ü40

In Wörterbüchern ist, wie gesagt, nur wenig zu diesem Thema zu finden. Erwähnt wird nur die Verwendung dieser Abkürzungsart als Erstglied in Zusammensetzungen:

die Ü-30-Party o. die Ü30-Party

Die Verwendung der Abkürzung als eigenständiges Zahlwort wird nicht erwähnt. Sie haben hier also eine gewisse Freiheit, da die Schreibung (noch) nicht standardisiert ist. Es liegt an Ihnen, welche der oben genannten Varianten (ü. 40, ü 40, ü‑40, ü40) Sie wählen. Am nächsten bei der traditionellen Schreibweise ist ü. 40. Sie ist für mich auch die am besten geeignete Variante in Verbindung mit dem ausgeschriebenen Zahlwort: die Menschen, die ü. vierzig sind. Sonst könnte ich mich auch mit ü 40 und ü40 anfreunden, denn sie passen am besten zu die Ü-30-Party bzw. die Ü30-Party.

Vom Großbuchstaben Ü, der auch häufiger vorkommt, würde ich bei der Zahlenangabe „über vierzig“ abraten, weil er eigentlich durch nichts zu rechtfertigen ist. In „Ü-30-Party“ wird er verwendet, weil er am Wortanfang eines Substantivs steht. [Nachtrag: Für die vor allem im Sport übliche Großschreibung in Alterklasse Ü40 siehe Kommentare zum Artikel.]

Wir haben es hier mit einem verhältnismäßig neuen Sprach- und Schreibphänomen zu tun, das sich den hergebrachten Gebräuchen und Regeln entzieht und noch nicht durch den Gebrauch und/oder die Wörterbücher standardisiert ist. Den Fans von Eindeutigkeit bleibt hier deshalb nur, über vierzig auszuschreiben und abzuwarten, ob sich eine der Varianten durchsetzen wird. Bis dann bin ich vielleicht einiges weiter ü 40, als dies ohnehin schon seit längerer Zeit der Fall ist. Vielleicht bleibt diese Ausdrucksweise auch nur eine zeitlich beschränkte Modeerscheinung, die  irgendwann wieder außer Gebrauch kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Noch einmal die Regel mit den 2 G, diesmal mit +

Frage

In einem Ihrer stets lesenswerten Blog-Artikel haben Sie bereits die Frage bezüglich der korrekten Schreibung(en) „2-G-Regel“ bzw. „2G-Regel“ geklärt [siehe hier]. Eine Frage stellt sich mir diesbezüglich aber immer noch:

Warum wird das G großgeschrieben? Es steht doch für die Adjektive „geimpft“, „genesen“, „getestet“. Wann immer die Abkürzung „2G“ oder „3G“ erklärt wird, erfolgt ein Verweis auf diese drei Adjektive, praktisch nie auf die Nomen „Geimpfte“, „Genesene“, „Getestete“. […]

Inzwischen ist es sogar noch komplizierter geworden, denn die Begriffe „2G“ und „2G-Regel“ wurden noch um ein „Plus“ erweitert. In den vergangenen Tagen habe ich u. a. in meiner Tageszeitung die verschiedensten Schreibvarianten hierzu gefunden – offenbar schreibt jeder einfach nach Gefühl. Hier ein paar Beispiele:

2G-Plus-Regel / 2G-plus-Regel
Ab sofort gilt in vielen Bereichen 2G plus / 2G Plus / 2G-plus / 2G-Plus

Vollends durcheinander geht es, wenn das „Plus“ durch das Pluszeichen + ersetzt wird, was zurzeit auch immer häufiger geschieht. Dann kommen solche Varianten dabei heraus (ebenfalls in Printmedien entdeckt):

2G+
2G +
2G+ Regel
2G+-Regel
2G + Regel
2G-+-Regel

Was ist richtig? […]

Antwort

Guten Tag Herr K.,

gerade bei Abkürzungen regeln die Regeln nicht alles. Außerdem stimmt bei Abkürzungen das, was streng nach Regeln sein müsste, oft nicht mit dem überein, was ist. Das gilt auch hier. Mit einer Argumentation, die sich, so gut es geht, an die wenigen Angaben hierzu in der amtlichen Rechtschreibregelung hält, kommt man zu diesen Schreibungen:

2 G plus
2 G +
2-G-plus-Regel
2-G-+-Regel oder 2-G +-Regel [?]
Zwei-G-plus-Regel

Das große G lässt sich damit erklären, dass nur Substantive zählbar sind, nicht aber Adjektive. Nur in Fällen wie Man schreibt Egge mit zwei g ist die Kleinschreibung richtig. Sonst schreibt man nach Zahlwörtern groß: die Regel mit den zwei G.

Das Wort „plus“ sollte kleingeschrieben und ohne Bindestrich angefügt werden,  wie dies zum Beispiel bei fünf Grad plus, eine Zwei plus bekommen oder im Alter von 70 plus der Fall ist.

Wie das Pluszeichen in Zusammensetzungen behandelt werden soll, bleibt schwierig, weil nicht klar ist, wie bei Zeichen dieser Art vorzugehen ist. Ein ähnlicher Fall ist das Prozentzeichen. So schreibt man gemäß Duden 5 %-Klausel. DWDS hingegen schreibt 5-%-Hürde und gibt 5 %-Hürde und 5%-Hürde als ungültige Schreibungen an.

Wichtig ist hier aber, sich (auch) nach dem zu richten, was allgemein üblich ist, nämlich 2G und 3G. Zusammen mit plus bzw. + komme ich dann zu den folgenden Schreibungen:

2G plus
2G+ (eigentlich: 2G +)
2G-plus-Regel
2G+-Regel

Da diese Schreibungen, wie erwähnt, nicht vollständig durch Regeln belegbar „richtig“ sind, sind Abweichungen davon nicht automatisch „falsch“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Knifflige Kommafrage: „egal[,] wie es ist[,] und unabhängig davon, wie es war“

Frage

Bei dem folgenden Satz frage ich mich, ob ein Komma hinter „mag“ gesetzt werden muss oder kann? Ich verzichte bewusste auf das (Kann-)Komma hinter „egal“. Der unvollständige Satz lautet wie folgt:

… egal wie schmal die Straße sein mag und vollkommen unabhängig davon, wie hoch das Tempo ist.

Antwort

Guten Tag Herr B.,

bei diesem speziellen Fall sehe ich zwei Möglichkeiten:

  1. … egal, wie schmal die Straße sein mag, und unabhängig davon, wie hoch das Tempo ist.
  2. .… egal wie schmal die Straße sein mag und unabhängig davon, wie hoch das Tempo ist.

Man kann dies wie folgt begründen:

  1. Wenn man das fakultative Komma nach egal setzt, trennt man den wie-Satz ab. Das hat zur Folge, dass man ihn auch am Schluss, also nach mag, durch ein Komma abtrennen sollte (vgl. § 71(E1) der amtlichen Rechtschreibregelung). Das und verbindet dann egal mit unabhängig davon. Dabei ist der erste wie-Satz egal untergeordnet, wie der zweite wie-Satz der Wortgruppe unabhängig davon untergeordnet ist:

     
    egal, wie schmal die Straße sein mag,
    und
    unabhängig davon, wie hoch das Tempo ist.

  2. Ohne Komma zwischen egal und wie leitet egal wie als mehrteilige Nebensatzeinleitung einen Nebensatz ein. Dieser Nebensatz wird durch und gleichrangig mit der Wortgruppe unabhängig davon verbunden (von der ein Nebensatz mit wie abhängig ist). Zwischen dem Nebensatz und der Wortgruppe steht kein Komma (vgl. § 74(E2) der amtlichen Rechtschreibregelung):

     
    egal wie schmal die Straße sein mag
    und
    unabhängig davon, wie hoch das Tempo ist.

Beide Varianten sind vertretbar. Ich würde hier die Variante a) wählen, weil ich sie wegen der parallelen Konstruktion egal, wie und unabhängig davon, wie für übersichtlicher halte. Wenn Sie aber das Komma zwischen egal und wie lieber weglassen, wählen Sie einfach die Variante b).

Noch zwei Beispiele:

  1. … egal, wie es ist, und unabhängig davon, wie es war.
  2. … egal wie es ist und unabhängig davon, wie es war.
  1. Wir fahren in die Berge, vorausgesetzt, dass das Wetter es zulässt, und in der Hoffnung, dass ihr uns begleiten werdet.
  2. Wir fahren in die Berge, vorausgesetzt dass das Wetter es zulässt und in der Hoffnung, dass ihr uns begleiten werdet.

So weit meine Interpretation der Kommaregeln für Fälle wie diese. Zum Glück kommen solche „kommatechnisch problematischen“ Formulierungen nicht oft vor. Besonders[,] wenn sie länger sind[,] sowie in Texten, die leicht verständlich sein sollten, vermeidet man sie besser.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Allen ein frohes Fest im Kreis ihrer/Ihrer[?] Familie

Frage

Ich bin mir nicht sicher, ob im folgenden Satz das Wort „Ihrer“ groß- oder kleingeschrieben werden muss:

Ich wünsche allen ein frohes Fest im Kreise Ihrer/ihrer Familie.

Ich tendiere eher zur Großschreibung. Ganz klar ist es für mich, wenn der Satz lauten würde: „Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Fest im Kreise Ihrer Familien.“ Dann würde ich zwei Mal Großschreibung nehmen. Aber welche Schreibweise ist beim ersten Satz richtig?

Antwort

Guten Tag Frau O.,

im ersten Satz sollten Sie die Kleinschreibung wählen, wie es die Grammatik „verlangt“. Der Possessivartikel ihrer bezieht sich auf das Pronomen alle, das keine Anredeform ist und somit keine Großschreibung von ihrer rechtfertigt:

Ich wünsche allen ein frohes Fest im Kreise ihrer Familie.
vgl.:
Ich wünschen allen [Mitarbeitenden] ein frohes Fest im Kreise ihrer Familie.

Ich verstehe aber, dass Sie die Großschreibung in Erwägung ziehen, wenn Sie alle im Sinne von Sie alle verwenden. Die Großschreibung richtet sich dann nicht nach der Grammatik, sondern nach der Bedeutung. Wenn Sie tatsächlich Sie alle meinen, können Sie allerdings die Anredeform Ihnen am besten auch nennen:

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Fest im Kreise Ihrer Familie.

Dann stimmen – sozusagen – Grammatik, Bedeutung und Orthografie wieder überein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Auch ich wünsche allen ein frohes Fest allein, zu zweit oder in welchem angenehmen Kreis auch immer!

Die vielen Male, die oder dass?

Frage

Was ist korrekt: „die vielen Male, wo …“, „die vielen Male, dass …“ oder „die vielen Male, die …“ – oder sonst etwas? Ich bin ratlos und finde nirgends etwas, das mir weiterhilft.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

am besten wählen Sie hier dass:

Die vielen Male, dass ich das getan habe.

Ebenso wie:

Das erste/zweite/einzige/letzte/sovielte Mal, dass ich das getan habe.

Die Verwendung von wo gilt hier als umgangssprachlich und das Relativpronomen die bzw. im Singular das passt hier nicht.

Warum steht hier nicht das Relativpronomen das oder die, sondern die Konjunktion dass? Dafür gibt es zwei Erklärungsmöglichkeiten. Die erste lautet, dass man das Relativpronomen das immer durch welches und die durch welche ersetzen kann. Die zweite geht mehr auf die Funktion des Wörtchens ein:

Wenn man das Relativpronomen wählt, muss es im Relativsatz eine Funktion haben. Das ist zum Beispiel in seltenen Fällen wie diesen so:

Das ist das eine Mal, das mir noch in Erinnerung geblieben ist.
das = Subjekt; durch „welches“ ersetzbar

Das ist das einzige Mal, das ich hier erwähnen will.
das = Akkusativobjekt; durch „welches“ ersetzbar

Ebenso (die ist durch welche ersetzbar):

die vielen Male, die mir in Erinnerung geblieben sind
die wenigen Male, die ich hier erwähnen will

Die Sätze klingen zum Teil etwas ungewöhnlich.

In den meisten Fällen folgt aber auf Mal kein Relativsatz, sondern ein dass-Satz. Die Konjunktion dass hat keine andere Funktion, als den Nebensatz einzuleiten. Sie hat im Nebensatz selbst keine Funktion:

Das ist das einzige Mal, dass ich das getan habe.
dass = Konjunktion; nicht durch „welches“ ersetzbar
(nicht: Das ist das einzige Mal, *das ich das getan habe.)

die vielen Male, dass ich das getan habe
dass = Konjunktion; nicht  durch „welche“ ersetzbar
(nicht: die vielen Male, *die ich das getan habe)

die wenigen Male, dass sie ihre Eltern besucht haben
dass = Konjunktion; nicht  durch „welche“ ersetzbar
(nicht: die wenigen Male, *die sie ihre Eltern besucht haben)

Sie kommen nicht häufig vor, aber es gibt auch andere Konstruktionen, in denen ein dass-Satz von einem (nicht von einem Verb abgeleiteten) Substantiv abhängig ist:

Es ist (höchste) Zeit, dass ihr geht.
Das Problem, dass die beiden Wörter gleich klingen, macht das Schreiben nicht einfacher.

Im letzten Beispielsatz steht der Grund, weshalb das und dass manchmal zu Unsicherheiten und Zweifeln führen – und häufig auch einfach zu Flüchtigkeitsfehlern.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp