Das Komma vor „dass“

Frage

Vor „dass“ steht immer ein Komma. Gibt es Ausnahmen zu dieser Regel?

Regeln sind gut, abgesehen davon (Komma?) dass es viele Ausnahmen gibt.

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

mit dass werden Nebensätze eingeleitet und entsprechend steht meistens ein Komma vor ihm. „Meistens“ ist nicht immer: Bei Aufzählungen kann dass ganz „kommalos“ sein, und bei mehrteiligen Nebensatzeinleitungen kann das Komma nicht unmittelbar vor dass, sondern vor dem ersten Teil der Einleitung stehen.

Kein Komma steht, wenn der mit dass eingeleitete Nebensatz nach z. B. und oder oder steht und Teil einer gleichrangigen Aufzählung ist:

Ich hoffe, dass es euch gefallen hat und dass ihr uns bald wieder einmal besucht.
Ich glaube, dass er gar nicht kommt oder dass er viel zu spät sein wird.
Das kann bedeuten, dass sie sich entweder tatsächlich nicht mehr erinnert oder dass sie lügt.

Siehe auch hier.

Wenn dass Teil einer mehrteiligen Nebensatzeinleitung ist, steht unmittelbar vor ihm häufig kein Komma. Zum Beispiel:

Das ist zu schön, als dass es wahr sein könnte.
Sie hat nichts gesagt, außer dass sie kurz weggehe.
Anstatt dass ihr nur zuschaut, könntet ihr uns auch helfen!
Sie haben mir alles erzählt, auch dass du mitgegangen bist.
Er war zufrieden, nur dass es nichts zu essen gab, hat ihn gestört.

Siehe auch hier.

Manchmal kann zwischen die Teile einer mehrteiligen Einleitung ein Komma gesetzt werden:

Angenommen[,] dass alles gutgeht, wie lange wird es dann dauern?
Etwas wusste ich damals noch nicht, nämlich[,] dass er verheiratet war.
Du kennst den Titel ihres Buches nicht, geschweige[,] dass du es gelesen hat.

Siehe auch hier.

Hiermit sind wir endlich bei Ihrem Beispiel. Hier sollte vor dass ein Komma stehen, weil der Nebensatz durch davon angekündigt wird und sozusagen zweimal im Satz erscheint:

Regeln sind gut, abgesehen davon, dass es schwierige Ausnahmen gibt.

Und zum letzen Mal für heute: Siehe auch hier.

In diesem Bereich ist es tatsächlich sehr schwierig, einfache Regeln zu formulieren!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wie man „schenken“ und „schenken lassen“ substantiviert

Frage

Neulich fiel mir auf einem Werbeplakat der Spruch auf: „Zum Schenken und Schenken lassen.“ Müsste es aber nicht eigentlich heißen: „Zum Schenken und Schenkenlassen“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

nach den Rechtschreibregeln schreibt man tatsächlich:

Zum Schenken und Schenkenlassen

Wenn eine Infinitivgruppe, das heißt ein Infinitiv und was zu ihm gehört, aus zwei Teilen besteht und als Substantiv verwendet wird, dann schreibt man groß und zusammen:

schenken lassen → zum Schenkenlassen

Immer wenn ich diesem Spruch begegne, habe ich das beinahe unwiderstehliche Bedürfnis, ein sich einzufügen. Meiner Meinung nach ist nicht einfach gemeint, dass man etwas irgendjemandem schenken lassen kann, sondern dass man es sich schenken lassen kann. Unbedingt notwendig ist das sich nicht. Vielleicht ist dieses Bedürfnis nach dem verdeutlichenden Reflexivpronomen ja auch nur der Ausdruck eines geschenkgierigen Charakters.

Orthografisch hat das Anfügen von sich gewisse Konsequenzen. Da die Infinitivgruppe nun aus mehr als zwei Teilen besteht, wird alles etwas komplizierter – nicht zuletzt die Beschreibung: Wenn eine Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen besteht und als Substantiv verwendet wird, setzt man zwischen allen Teilen der Gruppe einen Bindestrich. Das erste Wort und der (letzte) Infinitiv werden großgeschrieben (ebenso wie ggf. vorkommende Substantive):

sich schenken lassen → zum Sich-schenken-Lassen

Die Regel und weitere Beispiele finden Sie hier.

Doch jetzt, da sie deutlich auf dem Bildschirm steht, stelle ich fest, dass auch die mit sich erweiterte Form zum Sich-schenken-lassen falsch verstanden werden könnte. Mit sich meine ich ja den/die Beschenkten und nicht etwa den/die Verschenkten. Nur wenn man anfängt zu duzen, wird eindeutig klar, dass der Dativ zum Dir-schenken-Lassen und nicht etwas der Akkusativ zum Dich-schenken-Lassen gemeint ist.

Doch genug der Spitzfindigkeiten! Die Beispiele zum Schenken, zum Schenkenlassen und zum Sich-schenken-Lassen sollen ja nur zeigen, wie man substantivierte Infinitive schreibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das User-centered Design

Es geht mir nicht darum, auf einem bestimmten Fremdwort herumzubashen. Das Wort, um das es hier geht, ist nur ein Beispiel für viele englische Ausdrücke, die ihren Weg ins Deutsche nur halb zurückgelegt haben.

Frage

Ich beschäftige mich gerade mit der Schreibung von englischen Fremdwörtern. Die Regeln diesbezüglich sind eigentlich ziemlich klar, wie ich inzwischen herausgefunden habe. Mit einem Ausdruck tue ich mich jedoch schwer: „User Centered Design“. So wird das z. B. in der deutschen Wikipedia geschrieben. Allerdings ergibt das wenig Sinn. […] Wenn man den Ausdruck eindeutscht und als Adjektiv+Substantiv-Gruppe betrachtet, müssen das erste Wort und das Substantiv großgeschrieben werden. Dann haben wir „User-centered Design“. Anhand der Regeln scheint mir das die korrekte Schreibweise zu sein. Bloß verwendet die niemand… Können Sie mir weiterhelfen?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

bei der Schreibung von Fremdwörtern, insbesondere bei mehrteiligen Ausdrücken in Fachsprachen, stimmen die regelkonforme Schreibung und die tatsächlich verwendete Schreibung sehr, sehr oft nicht überein.

Nach der amtlichen Regelung richtig sind:

a) das „user-centered design“
b) das User-centered Design

Bei a) verwendet man den Ausdruck als englisches Zitatwort und hält sich an die Schreibung, die in der Ursprungssprache gilt. Bei b) folgt man der Rechtschreibregel, nach der auch Sie sich in Ihrer Frage gerichtet haben.

Viel üblicher ist aber die Schreibung, die Sie offenbar auch in Wikipedia angetroffen haben:

c) das User Centered Design

Ich vermute, dass dies in Übereinstimmung mit den Großbuchstaben der Abkürzung UCD geschieht. Da außer Ämtern und Schulen niemand verpflichtet ist, sich an die amtliche Reglung zu halten, können sich insbesondere in Fachsprachen auch nicht regelkonforme Schreibungen durchsetzen. Wenn Sie diesen Begriff verwenden, müssen Sie sich also entscheiden, ob Sie die regelkonforme Schreibung b) oder die üblichere Schreibung c) verwenden. Wenn Sie durch Hausregeln, die Auflagen von Auftraggebenden oder Ihre eigene Einstellung an die amtliche Rechtschreibregelung gebunden sind, wählen Sie b): das User-centered Design.

Sie können das Problem natürlich auch umgehen – das ist in solchen Fällen meine Lieblingstaktik –, indem Sie zum Beispiel nutzerorientiertes Design oder „sogar“ nutzerorientierte Gestaltung verwenden:

d) das nutzerorientierte Design (UCD, user-centered design)

Als kleine Hilfestellung zur Schreibung von Fremdwörtern möchte ich Sie zum Schluss noch auf diese Seiten verweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der standhafte Abkürzungspunkt

Es geht hier nicht darum, welche Abkürzungen mit einem Punkt geschrieben werden und welche nicht. Das ist ein Kapitel für sich. Es geht vielmehr darum, wie der Abkürzungspunkt sich verhält, wenn andere Satzzeichen folgen. So viel sei schon vorweggenommen: Er ist sehr standhaft.

Frage

Behalte ich den Abkürzungspunkt bei, wenn danach ein Doppelpunkt folgt? Zum Beispiel folgender Fall

Bsp.:
Kontonr.:

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

der Abkürzungspunkt wird auch vor einem Doppelpunkt geschrieben:

Bsp.: …
Kontonr.: 123456

Der Abkürzungspunkt und der Punkt bei Ordnungszahlen werden immer geschrieben, also auch vor Komma, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Doppelpunkt, Strichpunkt, Gedankenstrich, Klammern, Anführungszeichen und Auslassungszeichen. Nur mit dem Schlusspunkt am Satzende verschmilzt er.

Komma:
Aufgerufen wurde Frau A., die sich als Zeugin gemeldet hatte.

Fragezeichen:
Wie hieß die erste Frau Heinrichs VIII.?

Ausrufezeichen:
Alles ist o. k.!

Doppelpunkt:
Telefonnr.: +49 123 123456

Strichpunkt:
Konzertdaten: München 29. 5., 30. 5.; Augsburg 31. 5.; Freiburg 5. 6.; Basel 6. 6.

Gedankenstrich:
Sie hatten auch die ganze Familie – Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen usw. – zu ihrem großen Fest eingeladen.

Klammern:
Viele Lebensmittel (z. B. Brot, Milch, Teigwaren, Reis usw.) waren kaum mehr erhältlich.
Eine wichtige Herrscherin war auch Katharina die Große (Katharina II.).

Anführungszeichen:
„Die Bewerberin ist Dr. med.“, schrieb sie auf den Briefumschlag.
Sagte er wirklich: „Abgabetermin ist der 31.“?

Auslassungszeichen:
Sie nannte sich nur Frau P. …

Wie man sieht, ist der Abkürzungspunkt sehr standhaft. Man schreibt ihn fast immer, also auch vor einem Komma, einem Doppelpunkt, einem Ausrufe- oder Fragezeichen usw. Nur wenn ihm unmittelbar ein Satzschlusspunkt folgt, verschmilzt er mit diesem (wie soeben bei usw.).

Schlusspunkt:
Sie kommen am 15. Dann muss alles bereit sein.
Der Verdacht fiel auf Holger K. Einige Zeugen meinten, ihn am Tatort gesehen zu haben.
Ich beschäftige mich nicht mit Fernsehen, Games, sozialen Medien usw. Dafür habe ich keine Zeit.

Wer die Standhaftigkeit des Abkürzungspunktes nicht in dieser Weise gefährdet sehen möchte, kann auch einfach sagen, dass der Schlusspunkt nach einem Abkürzungspunkt wegfällt. Wenn man es so sieht, bleibt der Abkürzungspunkt IMMER stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Gedankenstrich und die anderen – nur das Wichtigste

Es folgt keine erschöpfende Darstellung aller orthografischen und typografischen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Gedankenstrich ergeben können. Ich möchte nur kurz das Wichtigste bei der Verwendung des einfachen und des paarigen Gedankenstrichs innerhalb des Satzes aufzeigen.

Frage

Da ich Verfechterin der schönen deutschen Sprache bin, möchte ich meinem Kollegen gern mit Ihrer Hilfe seine Frage beantworten:

Im wissenschaftlichen Text hat er einige Gedanken seinerseits in Gedankenstrichen gesetzt und weiß nicht, ob sich das Komma dann generell aufheben muss oder je nach Satzbau gesetzt werden darf?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

ein einfacher Gedankenstrich in einem Satz trennt stärker als ein Komma oder ein Doppelpunkt. Er kann anstelle eines Kommas oder eines Doppelpunktes verwendet werden und ersetzt diese:

Du darfst nicht mitkommen – leider.
Sie hat es wieder getan – schon zum x-ten Mal!
Auf die Plätze – fertig – los!
Ich sah nur noch eine Möglichkeit – sofort wegrennen.

Manchmal steht der Gedankenstrich als „Pausenzeichen“ auch dort, wo sonst kein Satzzeichen steht:

Er machte mit seiner Freundin Schluss und ging – zurück zu seiner Frau.

Mit paarigen Gedankenstrichen werden Einschübe markiert.

Die Satzzeichen des Gesamtsatzes werden genau gleich gesetzt, wie wenn der Einschub nicht stehen würde. Zum Beispiel:

Das Problem war – wie immer –, dass jemand den Schlüssel nicht zurückgelegt hatte.
Der Kunde, den sie schon gut kannte – ein Stammkunde sozusagen –, begann wieder einmal sich lauthals zu beschweren.
Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“

Als Probe kann man hier einfach den ganzen Einschub mit den Gedankenstrichen wegdenken, die Satzzeichen setzen und dann den Einschub wieder einschieben.

Wie sieht es mit den Satzzeichen des Einschubes aus? Wenn ein ganzer Satz eingeschoben wird, fährt man nach dem ersten Gedankenstrich klein weiter. Der Schlusspunkt des Einschubs entfällt:

Du darfst – so ist es nun einmal – nicht mitkommen.
Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –, dass er die Frau nicht kenne.

Ein Fragezeichen oder Ausrufezeichen, das zum Einschub gehört, wird aber geschrieben, und zwar vor dem abschließenden Gedankenstrich:

Du darfst – leider! – nicht mitkommen.
Ich sage dir jetzt – hör mir gut zu! –, was du tun sollst.
Unser Geheimnis – du weißt doch noch welches? – bleibt unter uns.
Dann traf Julia sich mit dieser Frau – wie hieß sie auch wieder? –,  von der ich dir gestern schon erzählt habe.

Auch die Kommas innerhalb eines Einschubes müssen gesetzt werden. Ein abschließendes Komma vor dem Gedankenstrich fällt aber weg:

Viele Leute – zum Beispiel unsere Nachbarn, die Familie Müller – fahren jeden Sommer ans Meer.
Der Kunde, den sie schon gut kannte – viel besser, als ihr lieb war –, begann wieder einmal sich lauthals zu beschweren.
Du darfst – leider, leider! – nicht mitkommen.

Die Regeln zum Nachlesen finden Sie hier.

Es gäbe noch weitere Detailfragen zu klären – das erspare ich Ihnen und mir aber an dieser Stelle – und die Verteidiger und Verfechterinnen der Verwendung des Halbgeviertstrichs bitte ich, mir seine Nichterwähnung zu verzeihen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Direkte Rede innerhalb der indirekten Rede

Frage

Wenn ich den Satz:

An einer Mauer liest man: ,,Geld macht böse“.

in die indirekte Rede setzen muss, würde dieser dann wie folgt lauten?

 Sie haben gesagt, an einer Mauer läse man: „Geld mache böse.“

Liege ich richtig?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

es geht hier um ein Zitat innerhalb einer indirekten Rede. Der Ausgangssatz enthält ein Zitat in direkter Rede, nämlich einen Spruch an einer Mauer:

An einer Mauer liest man: ,,Geld macht böse.“

Wenn Sie diesen ganzen Satz in indirekte Rede umwandeln, haben Sie zwei Möglichkeiten. Sie können den Spruch in der direkten Rede lassen:

Sie haben gesagt, an einer Mauer lese man: „Geld macht böse.“

Sie können den Spruch aber ebenfalls in die indirekte Rede umwandeln. Anführungszeichen werden dann nicht gesetzt:

Sie haben gesagt, dass man an einer Mauer lese, Geld mache böse.

Weitere Beispiele:

Sie sagten, an der Mauer stehe: „Manches ist zu schön, um wahr zu sein.“
Sie sagten, an der Mauer stehe, manches sei zu schön, um wahr zu sein.

Er erzählte, er habe gelesen: „Wer nicht genießt, wird ungenießbar.“
Er erzählte, er habe gelesen, wer nicht genieße, werde ungenießbar.

Sie lachte, sie habe irgendwo gelesen: „Der Kreis ist eine geometrische Figur, bei der an allen Ecken gespart wurde.“
Sie lachte, sie habe irgendwo gelesen, der Kreis sei eine geometrische Figur, bei der an allen Ecken gespart worden sei.

Wie die Beispiele zeigen, kann von indirekter Rede abhängige Rede sowohl direkt als auch indirekt wiedergegeben werden.

Die Beispiele zeigen weiter, dass der indirekten Rede gewisse Grenzen gesetzt sind. Prägnante Sprüche sollten nämlich besser in direkter Rede belassen werden, weil sie in der indirekten Rede vieles an Deutlichkeit, Witz und Prägnanz verlieren. Dies gilt noch mehr, wenn kompliziertere Konjunktivkonstruktionen das Verständnis erschweren, wie der Spruch im Original genau lautet. Zum Beispiel:

Ich habe gelesen, manche würden sogar gegen Mauern anrennen, wo gar keine seien.
Auf der Mauer stand, alle wollten zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß.

Viel deutlicher ist es, wenn man den Spruch im Original belässt:

Ich habe gelesen: „Manche rennen sogar gegen Mauern an, wo gar keine sind.“
Auf der Mauer stand: „Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß.“

Dies gilt erst recht, wenn ein solcher Spruch in der ersten oder zweiten Person verfasst ist. Da man den Urheber oder die Urheberin in der Regel nicht kennt, ist es kaum oder nicht möglich, die indirekte Rede zu verwenden:

Wir sind zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen

Währen man beim diesem Spruch notfalls noch das sie der dritten Person Plural verwenden kann (Dort stand, sie seien zu allem fähig …), lassen sich ein ich und ein du eines Graffiti-Spruchs nicht in die indirekte Rede umwandeln.

Ohne mich kann ich nicht leben
So blöd wie du bin ich schon lange
STEFFI, ICH LIEBE DICH

Versuchen Sie gar nicht erst, diese Sprüche in indirekter Rede wiederzugeben!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

 

Gemüseextrakt und Sojaeiweiß

Frage

Heißt es korrekt: „Gemüseextrakt“, „Gemüse-Extrakt“ oder „Gemüse Extrakt“? Dasselbe gilt für „Sojaeiweiß“, „Soja-Eiweiß“ oder „Soja-Eiweiß“. Wie schreibt man solche Wörter auf korrekte Art und Weise?

Antwort

Guten Tag D.,

richtig ist hier die Zusammenschreibung:

Gemüseextrakt
Sojaeiweiß

Ebenso zum Beispiel:

Gemüseauflauf, Gemüseeintopf, Gemüseernte
Sojaanbau, Sojaöl, Sojaerzeugnis,

Die Schreibung mit einem „verdeutlichenden“ Bindestrich (Gemüse-Extrakt, Soja-Eiweiß) ist im Prinzip bei allen Zusammensetzungen möglich, grundsätzlich wird aber zusammengeschrieben. (Die Getrenntschreibung Gemüse Extrakt und Soja Eiweiß ist falsch.) Das gilt auch für Fälle wie die oben stehenden, in denen an der Wortfuge ein paar Vokale aufeinandertreffen. Die Rechtschreibregelung § 45.4 erwähnt hier nur diese „berühmte“ Ausnahme: Wenn drei gleiche Buchstaben aufeinandertreffen, kann ein Bindestrich gesetzt werden (siehe auch hier):

Kaffeeernte o. Kaffee-Ernte
Seeelefant o. See-Elefant
Hawaiiinseln o. Hawaii-Inseln (vgl. auch hier)

Jeder hat so seine Marotten. Auf dem Gebiet der Rechtschreibung (anderswo habe ich natürlich keinerlei Marotten) ist dies bei mir der „verdeutlichende“ Bindestrich oder besser mein Widerstand gegen seine allzu häufige Verwendung. Meine Grundeinstellung lässt sich so zusammenfassen: Man kann der durchschnittlichen Leserschaft viel längere Wörter zumuten, als häufig angenommen wird, und viele Bindestriche verderben das Schriftbild. Ich empfehle deshalb auch bei drei aufeinanderfolgenden Buchstaben die Zusammenschreibung. Auch Wörter wie die folgenden fließen mir nie (na ja, fast nie) mit Bindestrich aus der Tastatur:

Maiausgabe, Gartenbauausstellung, blauäugig, Blaueisenerz, Polizeiauto, Parteieintritt, zweiäugig, Neuauflage, Neueinwanderer, Neueinwanderin, Treueeid, Energieaufwand, Energieeinsparung

Und weil man nie nie sagen soll, muss ich ein bisschen relativieren: Auch ich verwende gelegentlich verdeutlichende Bindestriche. Stilistisch viel schöner finde ich aber meist die Vermeidung von Wortungetümen, die wirklich einen verdeutlichenden Bindestrich nötig haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mitzunehmen ist zusammenzuschreiben

Eine Frage, die eigentlich ganz einfach zu beantworten ist, die aber trotzdem immer wieder Anlass zu Zweifeln gibt. Sie kommt jedenfalls regelmäßig vorbei:

Frage

Ich hätte gerne gewusst, wie man Folgendes richtig schreibt und warum: „Denkt daran dies und das mit zu nehmen!“ – oder doch „mitzunehmen“?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

richtig ist hier die Zusammenschreibung:

Denkt daran, dies und das mitzunehmen!

Man schreibt den mit zu erweiterten mehrteiligen Infinitiv dann in einem Wort, wenn man auch den entsprechenden nicht erweiterten Infinitiv in einem Wort schreibt:

Denkt daran, dass ihr dies und das mitnehmen solltet!

Das zu wird sozusagen in die bestehende Wortform eingeschoben. Siehe die Angaben zum Infinitiv beim Eintrag mitnehmen in Canoonet und allgemein hier.

Man schreibt also auch zum Beispiel:

Sie versuchten aufzustehen. (vgl. aufstehen)
Hör auf, den ganzen Tag herumzutelefonieren (vgl. herumtelefonieren)
Es fällt dir schwer, Fehler zuzugeben. (vgl. zugeben)
Es scheint noch etwas hinzuzukommen.  (vgl. hinzukommen)

Getrennt wird aber zum Beispiel hier geschrieben:

Hört auf, den ganzen Tag miteinander zu telefonieren (vgl. miteinander telefonieren)
Es ist erlaubt, anders zu denken (vgl. anders denken)
Sie versuchte, immer für ihn da zu sein (da sein)

Und hier noch etwas Spitzfindigeres:

Die Richterin zögerte, den Angeklagten freizusprechen (jemanden freisprechen)
Die Vortragenden sollten versuchen frei zu sprechen (frei sprechen)
Es ist nicht immer einfach, dich liebzuhaben o. dich lieb zu haben (liebhaben o. lieb haben)

Im Prinzip ist es also nicht einfacher oder komplizierter, als die Getrennt- und Zusammenschreibung bei Verben ohnehin ist.

Dann noch zu Frage nach dem Warum: Die Antwort ist ebenso einfach wie sie für manche unbefriedigend sein wird: Weil die Schreibtradition und die Rechtschreibregeln es so wollen.

Ganz so selbstverständlich ist die Zusammenschreibung nämlich nicht. Das Wörtchen zu hat hier weder die Bedeutung noch die Betonung eines selbstständigen Wortes. Es ist fast ein Teil der Wortform. Deshalb schreibt man mitzunehmen, aufzustehen und zuzugeben zusammen. Es wird aber anders als zum Beispiel das ge des Partizips (genommen) doch nicht ganz als Teil der Wortform angesehen. Deshalb schreibt man es bei untrennbaren Verben vom Verb getrennt: zu nehmen, zu stehen, zu übergeben.

Dies ist natürlich bei Weitem keine umfassende Analyse. Ich möchte nur aufzeigen, dass es bei der Schreibung von Infinitiven mit zu Widersprüchlichkeiten gibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass man hier recht häufig getrennt geschriebenen Formen begegnet. Dass die Zusammenschreibung nicht der Weisheit einziger Schluss ist, zeigt die Orthografie des Niederländischen, das wie das Deutsche trennbare Verben kennt. Dort schreibt man nämlich:

meenemen – mee te nemen
opstaan – op te staan
toegeven – toe te geven
(mitnehmen – mitzunehmen, aufstehen – aufzustehen, zugeben – zuzugeben)

Wie dem auch sei, die deutsche Rechtschreibregelung ist hier deutlich: Man schreibt mitzunehmen, aufzustehen und zuzugeben zusammen wie mitnehmen, aufstehen und zugeben. Wirklich schwierig ist das zum Glück nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Relativität der Bedeutung der Rechtschreibung auf der A 7

Heute einmal etwas Einfaches, bei dem Wahlfreiheit eine größere Rolle spielt als starre Regeln. Möge dieser Nebensatz eines der Mottos für das neue Jahr sein!

Frage

Ich habe eine Frage zu Abkürzungen: Schreibt man A 7 für Autobahn 7 oder ohne Leerstelle, also A7?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

es gibt keine allgemein gültige Regel für die Schreibung von abgekürzten Autobahnbezeichnungen und Ähnlichem. Die Rechtschreibregelung schweigt dazu. Wer nicht an einen Hausstil, interne Schreibrichtlinien usw. gebunden ist, schreibt also nach Belieben. Beide Schreibungen (mit und ohne Leerstelle) kommen vor. Ich würde vor allem in fortlaufenden Texten die Schreibung mit Leerstelle empfehlen:

Staus auf der A 7
Die B 203 ist eine wichtige Verbindungsstraße in Schleswig-Holstein.
Die RN 10 führt von Paris über Bordeaux nach Spanien.
Am Hauptbahnhof auf die S 8 oder die S 10 Richtung … umsteigen.

Die Schreibung ohne Leerstelle ist aber nicht falsch. Sie empfiehlt sich unter anderem dann, wenn keine geschützte Leerstelle verwendet werden kann und dadurch das Risiko besteht, dass die Abkürzung am Zeilenende getrennt wird:

Eine wichtige Nord-Süd-Verbindung ist die
A7, die von der dänischen Grenze bis …
statt
Eine wichtige Nord-Süd-Verbindung ist die A
7, die von der dänischen Grenze bis …

Wichtig ist vor allem, innerhalb eines Textes oder einer Textreihe möglichst konsequent die gleiche Schreibweise zu verwenden.

Mir war übrigens am vergangenen 27. Dezember völlig, aber auch völlig egal, ob wir nun auf der A7 oder auf der A 7 fünf Stunden länger brauchten als geplant! Die Bedeutsamkeit der Rechtschreibung nimmt im Stau rapide ab!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wie man 0,75 Bananen ausdrückt

Um Fruchtfans nicht allzu sehr zu enttäuschen, sei gleich bemerkt, dass hier ausdrücken für formulieren steht und nicht etwa für auspressen.

Frage

Kann man die folgenden Mengenangaben sowohl zusammen- als auch getrennt schreiben?

eine viertel Banane/eine Viertelbanane
eine drei viertel Banane/eine Dreiviertelbanane

ein viertel Glas Milch/ein Viertelglas Milch
ein drei viertel Glas Milch/ein Dreiviertelglas Milch

Antwort

Guten Tag H.,

Bei Angaben mit Vierteln machen wir es uns und der Rechtschreibung nicht einfach. Es gibt nämlich verschiedene Arten, solche Angaben zu formulieren, zu betonen und zu schreiben.

Wenn Sie Banane als Maßeinheit verwenden und ein oder drei Viertel davon angeben wollen, haben Sie diese Möglichkeiten:

eine viertel Banane (Hauptbetonung auf Banane)
eine Viertelbanane (Hauptbetonung auf Viertel-)

drei viertel Bananen
drei Viertelbananen

eine Dreiviertelbanane
(damit könnte aber genau genommen auch eine ganze Banane gemeint sein, die nur 0,75 mal so groß ist wie eine gewöhnliche Banane – wenn es so etwas gibt)

Es ist aber nicht sehr gebräuchlich, Bananen als Maßeinheit zu verwenden. Ich würde deshalb eher sagen:

ein Viertel einer Banane
drei Viertel einer Banane

Das Wort Glas hingegen wird in der Einzahl häufig auch als Maßeinheit verwendet. Entsprechend sind nach der Rechtschreibregelung (siehe hier, hier und hier) diese Schreibweisen möglich:

ein viertel Glas Milch
ein Viertelglas Milch

drei viertel Glas Milch
drei Viertelglas Milch

Auch diese Formulierung ist möglich:

ein Dreiviertelglas Milch (= 0,75 Glas)

Hier ist aber die Verwechslungsgefahr mit

eindreiviertel Glas Milch (= 1,75 Glas)

recht groß! (Nicht so übrigens bei Banane: eine Dreiviertelbanane vs. eindreiviertel Bananen)

Weder mit einem Viertelgruß noch mit einem Dreiviertelgruß oder drei Viertelgrüßen, sondern ganz klassisch mit freundlichen ganzen Grüßen

Dr. Bopp