Frage
Bei Vergleichen habe ich zwei Möglichkeiten gesehen. Zum Beispiel:
Ich glaube, dass er besser ist als sein Vater.
Ich glaube, dass er besser als sein Vater ist.
Der erste Satz wirkt unnatürlich, aber er wird häufig verwendet. Ist er überhaupt richtig?
Antwort
Sehr geehrte Frau P.,
der erste Satz ist keine unnatürliche, sondern eine im Deutschen übliche Formulierung. Man lernt zwar als Grundregel, dass in Nebensätzen die konjugierte Verbform am Schluss steht, wie dies hier der Fall ist:
Ich glaube, dass er besser als sein Vater ist.
Doch wie es mit solchen Grundregeln so ist – es gibt Ausnahmen. In Vergleichssätzen wird die mit als oder wie eingeleitete Wortgruppe oft ganz an den Schluss gestellt. In einem Nebensatz steht sie dann hinter der konjugierten Verbform:
Ich glaube, dass er besser ist als sein Vater.
Diese Art, die Vergleichsgruppe ganz an den Schluss zu stellen, ist üblich und auch richtig. Sie ist meist sogar die gebräuchlichere der beiden Varianten. Andere Beispiele:
… weil ihr die Aufgabe schneller gelöst habt als wir.
… weil ihr die Aufgabe schneller als wir gelöst habt.
Sie haben gleich gut gespielt wie vor einem Monat.
Sie haben gleich gut wie vor einem Monat gespielt.
Er kam sich vor wie ein Anfänger.
Er kam sich wie ein Anfänger vor.
Und passend zum bevorstehenden Jahreswechsel:
Ich werde versuchen, im Jahr 2012 geduldiger zu sein als in diesem Jahr.
Ich werde versuchen, im Jahr 2012 geduldiger als in diesem Jahr zu sein.
Ich hoffe, dass Sie im neuen Jahr ebenso viele interessante Fragen stellen werden wie im vergangenen Jahr.
Ich hoffe, dass Sie im neuen Jahr ebenso viele interessante Fragen wie im vergangenen Jahr stellen werden.
Mehr zu diesem Thema finden Sie, wenn Sie möchten, auf dieser Seite in der Canoonet-Grammatik.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
