Klammern in Klammern

Frage

Dürfen zwei Klammern hintereinanderstehen? Beispiel: „Autofahren entgegen der Richtung in Einbahnstraßen ist verboten (Straßenverkehrsordnung §5 (SVO §5)).“

Stimmt das? Oder dürfen zwei gleiche Satzzeichen nicht hintereinanderstehen?

Antwort

Sehr geehrte Frau U.,

zwei abschließende Klammern dürfen hintereinanderstehen. Es ist mir keine Regel bekannt, die dies verbieten würde. Häufig werden dabei für den Klammerausdruck innerhalb des bereits eingeklammerten Textes eckige Klammern verwendet:

… (Straßenverkehrsordnung §5 [SVO §5]).
vier Großstadtbahnhöfe (Hamburg, Dresden, Frankfurt [Main], Düsseldorf)
Gewonnen hat das Duo Grünloer Spatzen (Hendrik Bremer [19], Stefanie Hansen [21]) mit dem Titel »Klammer mich nicht aus deinem Leben«.

Die Verwendung von eckigen Klammern ist aber nicht zwingend. Weder in der amtlichen Rechtschreibregelung noch in der DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) findet man Angaben hierzu. Sie können also auch schreiben:

… (Straßenverkehrsordnung §5 (SVO §5)).
vier Großstadtbahnhöfe (Hamburg, Dresden, Frankfurt (Main), Düsseldorf)
Gewonnen hat das Duo Grünloer Spatzen (Hendrik Bremer (19), Stefanie Hansen (21)) mit dem Titel »Klammer mich nicht aus deinem Leben«.

Der erfundene Siegertitel des fiktiven Gesangsduos ist mir übrigens nicht so gut gelungen. Es ist deshalb nicht besonders großzügig von mir, wenn ich ihn hier und jetzt zur allgemeinen Benutzung freigebe. (Nur wenn er wider Erwarten doch einmal auf einer Hitliste und bei Gottschalk oder Borg erschiene, wäre es nett, wenn sein Entstehungsort (Canoonet) erwähnt würde.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Hat der Hund mich oder mir in den Fuß gebissen?

Eine regelmäßig vorkommende Frage ist, ob man jemanden oder jemandem an den Haaren zieht, auf die Schulter klopft, in die Hand sticht, auf den Fuß tritt, in die Wade beißt usw.

Frage

Mich würde interessieren, ob man sagt: „Der Hund hat mich in den Fuß gebissen“ oder „Der Hund hat mir in den Fuß gebissen“?

Antwort

Guten Tag L.,

beide Formulierungen sind richtig:

Der Hund beißt mich in den Fuß.
Der Hund beißt mir in den Fuß.

Bei Konstruktionen mit einem Verb, das im weiteren Sinne ein Berühren ausdrückt, und einem Körperteil, der als Adverbialbestimmung den Ort der Berührung angibt, kann häufig sowohl der Dativ als auch der Akkusativ stehen. Zum Beispiel:

Er zog mir/mich an den Haaren.
Die Wespe stach ihm/ihn in die Hand.
Er klopfte seinem/seinen Freund auf die Schulter.
Hast du dir/dich in den Finger geschnitten?
Sie hat ihr/sie ins Schienbein getreten.

Wenn man den Akkusativ verwendet, ist mich das Akkusativobjekt zu beißen. Wenn man den Dativ verwendet, ist mir ein Dativ, der angibt, zu wessen „Ungunsten“ das In-den Fuß-Beißen geschieht resp. in wessen Fuß da gebissen wird. Es ist ein Dativ wie derjenige, den man verwendet, wenn ein Sohn seinem Vater einen Kratzer ins Auto macht, die Katze ihrem Frauchen das Sofa zerkratzt oder ein Mädchen dem kleinen Bruder heimlich Salz in den Sirup schüttet.

Wie so oft muss ich auch hier davor warnen, dies als strikte Regel anzusehen. So drücken zum Beispiel die Verben küssen und streicheln eine Berührung aus, deren Ziel ein Körperteil sein kann. Dennoch ist bei ihnen fast nur der Akkusativ beziehungsweise der Dativ üblich:

Sie küsste ihn auf die Wange.
Sie streichelte ihm über die Wange.

Da das Wetter es wieder einmal zulässt, werde ich mir noch ein Gläschen unter freiem Himmel genehmigen – und dabei aufpassen dass mir/mich keine Wespe in den Mund sticht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ich wechsel, wechsle oder wechsele

Frage

In Ihrem Bedeutungswörterbuch steht für das Verb „wechseln“ folgender Beispielsatz:

Ich wechsel den Reifen.

Klicke ich nun auf „Wortformen“, so gelange ich zur „Flexion von wechseln“ und finde dort lediglich diese beiden Formen:

ich wechsele
ich wechsle

Können Sie mir das erklären? Gibt es etwa alle drei Formen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

die Formen ich wechsle und ich wechsele gelten allgemein als korrekt. Die ungekürzte Form ich wechsele wird allerdings nur selten verwendet. Bei Verben, deren Grundform auf –eln endet, wird vor der Endung –e das e des Stammes meistens weggelassen:

wechseln – ich wechsle
bummeln – ich bummle
handeln – ich handle
regeln – ich regle
zwirbeln – ich zwirble
usw.

Mehr zum Thema der e-Tilgung bei Verbformen finden Sie auf dieser Seite.

Formen, bei denen die Endung e weggelassen wird, kommen auch vor (ich wechsel, ich bummel, ich handel, ich regel, ich zwirbel), sie gelten aber als umgangssprachlich und sollten deshalb in der geschriebenen Standardsprache nicht verwendet werden. Aus diesem Grund findet man sie nicht in der Wortformentabelle.

Sie haben also im Bedeutungswörterbuch einen Beispielsatz entdeckt, der eine umgangssprachliche Form enthält. Vielen Dank für den Hinweis!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Was tun Sprachexperten auf der Stör?

Frage

Ich habe gerade einen Artikel mit der Überschrift „Sprachexperten auf der Stör“ gelesen. Kennen Sie diesen Ausdruck? Ist er eher regional?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

den Ausdruck auf (der) Stör sein resp. auf (die) Stör gehen kenne ich. Nach den Angaben der Wörterbücher war und ist [?] er in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz üblich. Ob man in weiter nördlich auch kennt und versteht, kann ich von hier aus leider so schnell nicht beurteilen. Ich vermute aber, dass dem eher nicht so ist. Dort denkt man bei auf der Stör wohl eher an den Fluss die Stör (ein Nebenfluss der Elbe) und wundert sich dann, was ein Sprachexperte dort außer Bötchenfahren und Angeln zu tun haben soll. Gemeint ist im Artikel aber, dass Sprachexperten direkt beim Kunden tätig sind.

Auf Stör gingen früher Handwerker, wenn Sie sie anstatt in Ihrer ihrer Werkstatt beim Kunden zu Hause arbeiteten. Das verstieß eigentlich gegen die Zunftordnung. Es war ursprünglich eine Störung der Zunftordnung. Die Stör ist also eine Ableitung von stören. Ganz sicher ist dass allerdings nicht, denn – wie könnte es anders sein – es gibt auch andere Erklärungen für die Herkunft dieses Wortes.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

(Keine) Idylle auf deutschen Autobahnen

Wie sehr, sehr viele andere auch habe ich letztes Wochenende ein paar Stunden auf deutschen Autobahnen zugebracht. Da die Landschaft nicht überall so hügelig ist, dass man sich an schönen Fernsichten erfreuen könnte, und in flacherem Gelände fast überall die Autobahnbegrünung vor der Aussicht steht, habe ich mich einen Teil der für mich „steuerlosen“ Zeit damit beschäftigt, auf die Namen von Parkplätzen und Raststätten zu achten. Mir war vorher nie aufgefallen, dass sie so poetisch sein können. Wenn ich einmal einen epischen Roman wie „Der Herr der Ringe“ schreiben würde (was ich bestimmt nie tun werde), wüsste ich nun, wo ich einen Teil der Flurnamen für ein Plagiat von Tolkiens Mittelerde hernehmen könnte:

Hinter dem Entenfang und dem Königsforst stoßen wir auf den Schwarzbach, den wir beim Neuhöfer Tann überqueren. Dann geht es über die Rolandshöhe und den Fuchsbuckel nach Schauinsland, wo man eine gute Aussicht auf den Mahlberg hat, an dessen Fuß der Pfaffenbach in die Murg strömt. Dort wird auf der Fliegwiese gerastet, bevor es weitergeht und wir uns bei Scheidweg entschließen müssen, ob wir unsere Schritte rechts nach Elz oder links nach Welschehahn lenken.

All diese schönen Namen habe ich, wie gesagt, am Rande deutscher Autobahnen entdeckt. Allzu romantisch wird es einem dort allerdings nie zu Mute. Bevor man sich in einer Idylle wähnt, wird man immer wieder durch weniger poetische Texte wie „Baustelle“, „sechsstreifiger Ausbau“, „Missachtung wird geahndet“ und „Tropfmengen sind sofort aufzunehmen“ auf den Boden der Autobahnrealität zurückgeholt.

adidas, canoo, DER SPIEGEL und das iPhone

Frage

Wenn canoo im Satz klein geschrieben werden soll (davon gehe ich aus), wie schreibt man es dann am Satzanfang?

Antwort

Sehr geehrter Herr J.,

das Logo der Canoo Engineering AG ist:

canooRGB

Auch das Logo canoonet2 schreibt man mit einem kleinen Anfangsbuchstaben. Wenn man diese Wörter aber nicht als Logos, sondern als Namen in einem Text verwendet, kann man sie einfach mit einem großen C schreiben:

Es ist interessant, bei Canoo zu arbeiten.
Canoo ist eine Schweizer Firma.

Das Gleiche gilt auch für Logos wie »adidas« und »DER SPIEGEL«. Wenn Sie nicht an einen Hausstil gebunden sind, der etwas anderes vorschreibt, können Sie einfach Schuhe von Adidas und ein Artikel im Spiegel schreiben.

Es gibt nämlich keine amtliche Regelung für solche Fälle, denn es ist im Prinzip nicht korrekt, Eigennamen mit einem Kleinbuchstaben beginnen zu lassen. Da es aber allen freisteht, ihre Firma oder ihr Produkt so zu nennen, wie sie es wollen, gibt es nun einmal Eigennamen, die – zumindest in Logos – mit einem Kleinbuchstaben beginnen.

Da es keine offizielle Vorschrift gibt, haben Sie am Satzanfang verschiedene Möglichkeiten:

1. Sie schreiben trotzdem groß:

Adidas ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.

Das tue ich normalerweise. Es kann allerdings bei Namen wie iPhone zu unleserlichen Formen führen.

2. Sie schreiben auch am Satzanfang klein:

adidas ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.
iPhone ist nicht das bestverkaufte Smartphone.

Dies ist nicht zu empfehlen, weil die Großschreibung am Satzanfang eines der wichtigsten Gliederungselemente eines geschriebenen Textes ist. Ein Text wird durch solche Kleinschreibungen schlecht lesbar. Die Kleinschreibung am Satzanfang ist höchstens dann zu vertreten, wenn der Name sich als Logo oder anderweitig durch Farbe, Größe oder Schriftart vom Rest des Textes abhebt.

3. Sie vermeiden es, den Namen als erstes Wort im Satz zu verwenden. Meist kann umformuliert oder ein beschreibendes Element eingefügt werden. Zum Beispiel:

Die Firma »adidas« ist ein deutscher Hersteller von Sportartikeln.
Apples iPhone ist nicht das bestverkaufte Smartphone.

Meine Empfehlung für solche Fälle lautet: Schreiben Sie nur Logos klein und verwenden Sie in durchlaufenden Texten, also nicht nur am Satzanfang, die sonst übliche Groß- und Kleinschreibung:

Canoo ist ein Spezialist für RIA-Anwendungen.
Sportschuhe von Adidas und Puma
Das habe ich im Spiegel gelesen.

Dies ist  die leserfreundlichste Variante. Leserfreundlichkeit finde ich hier wichtiger als Respekt vor der Kreativität der Logoentwerfer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wenn Sie sich kommerziell mit solchen Namen und Logos beschäftigen, sollten Sie natürlich die geltenden Bestimmungen zur Verwendung geschützter Markennamen beachten.

Zuliefer(er)industrie

Heute geht es um eine Frage, die etwas mit Arbeiten zu tun hat und somit gar nicht zur derzeit herrschenden Sommerflaute passt:

Frage

Können Sie uns bitte über den Unterschied zwischen „Zulieferindustrie“ und „Zuliefererindustrie“ aufklären, da beide Wortformen gleichermaßen angewendet werden. Ist es so, dass das Wort „Zulieferindustrie“ eher die Funktion einer Industrie beschreibt und das Wort „Zuliefererindustrie“ sich eher auf die Akteure der Zulieferindustrie bezieht?

Unser Forschungsprojekt heißt „Der Strukturwandel in der mittelständischen Zulieferindustrie“. Haben wir die Bezeichnung „Zulieferindustrie“ richtig gewählt?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

die beiden Wörter Zulieferindustrie und Zuliefererindustrie unterscheiden sich vor allem durch ihre Wortbildungsstruktur. Das erste ist eine Zusammensetzung des Verbs zuliefern und Industrie, das zweite eine Zusammensetzung des Nomens Zulieferer und Industrie. Ihre Vermutung ist also richtig: Zulieferindustrie betont eher die Handlung des Zulieferns, während bei Zuliefererindustrie eher die Handelnden, die Zulieferer, im Vordergrund stehen. Diese Bedeutungsnuance ist aber in der Praxis nicht so wichtig, da die zuliefernde Industrie und die Industrie der Zulieferer letztlich ein und dieselbe Industrie sind. Die beiden Wörter werden deshalb in der Regel ohne Bedeutungsunterschied verwendet.

Der Name Ihres Forschungsprojektes ist also korrekt. Er wäre auch korrekt, wenn Sie Zuliefererindustrie statt Zulieferindustrie verwenden würden. Erwähnt sei hier höchstens noch, dass es stilistisch besser ist, innerhalb eines bestimmten Zusammenhangs immer die gleiche Bezeichnung zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Beteidigt statt beteiligt

Frage

Ich habe immer wieder Probleme, wenn ich das Wort »beteiligen« schreiben will. Ich bin mir immer unsicher, ob es »er beteiligt sich an etw.« oder »er beteidigt sich an etw.« heißt (l oder d). Nachdem ich das dann nachgeschlagen habe, weiß ich auch, dass die erste Schreibung richtig ist. Trotzdem spreche ich das Wort oft falsch aus. Hat das vielleicht phonetische Gründe? Fällt es mir/manchen/allen leichter, ein »d« an dieser Stelle zu sprechen?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

die genauen Gründe, weshalb Sie und offenbar auch andere die Neigung haben beteidigt statt beteiligt zu sagen, sind auch mir ein Rätsel. Es hat wahrscheinlich damit zu tun, dass Sie das Wort nicht mehr als abgeleitetes Wort mit dem Kern Teil erfahren. Man ist an etwas beTEILigt, wenn man daran teilnimmt oder teilhat;  man ist ein Teil davon oder trägt einen Teil dazu bei. Diesen Zusammenhang mit Teil spüren Sie nicht mehr. Vielleicht in Anlehnung an die ähnlich klingenden Wörter beleidigt, vereidigt und verteidigt sprechen Sie dann beteiligt als beteidigt aus.

Die Aussprache beteidigt hat also insofern phonetische Gründe, als sie dem Einfluss ähnlich klingender Wörter zuzuschreiben sein könnte. Es ist mir nicht bekannt, dass ein d an dieser Stelle leichter auszusprechen wäre als ein l.

Ich hoffe, dass Ihnen beim Lesen dieser Antwort der Zusammenhang zwischen beteiligen und Teil wieder richtig deutlich geworden ist. Dann werden Sie nämlich in Zukunft ganz automatisch und ohne nachdenken zu müssen beteiligt sagen und schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Prinz Charles’ Ehe

Immer wieder taucht die Frage nach dem Apostroph beim Genitiv von Eigennamen auf. Diesmal geht es aber ausnahmsweise nicht um Marias Blumenladen, sondern um die Ehe eines Prinzen!

Frage

In meiner Zeitung stand u. a.:

Charles pedantische Ordnungsliebe
Charles Ehe

Muss da nicht ein Apostroph nach Charles stehen oder ist der freigestellt?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

hier müsste tatsächlich ein Apostroph stehen, sofern es sich um Prinz Charles oder allgemein um jemanden mit einem auf s endenden Namen handelt. Es ist nicht korrekt, den Apostroph hier wegzulassen. Man schreibt also richtig:

Charles’ pedantische Ordnungsliebe
Charles’ Ehe

Die entsprechende Regel und weitere Informationen finden Sie hier und hier.

Die Regel gilt natürlich nicht nur für Charles Philip Arthur George Mountbatten-Windsor, Prince of Wales und Herzog von Cornwall, sondern für alle, die einen auf s, ss, ß, x oder z endenden Namen haben:

Pythagoras’ Lehren
Erika Hess’ Slalomsiege
Johann Strauß’ Donauwalzer
Beatrix’ Sportwagen
Kater Franz’ Spielzeugmaus

Weil solche Formen manchmal ungewohnt anmuten oder verunsichern können, werden oft andere, ebenso korrekte Formulierungen verwendet:

der Satz des Pythagoras (a2+b2=c2)
die Slalomsiege von Erika Hess
der Donauwalzer von Johann Strauß

Die z. T. ebenfalls möglichen Genitivformen auf -ens und sind heute nicht mehr üblich:

Beatrixens Sportwagen
Kater Franzens Spielzeugmaus

Der Apostroph steht in der Regel auch bei fremdsprachigen Namen, die ausgesprochen auf ein s, aber geschrieben auf zum Beispiel –ce oder –se enden:

Alice’ Reise durchs Wunderland
Amy Winehouse’ neues Album
Henri Matisse’ Scherenschnitte

Es heißt also Prinz Charles’ Ehe oder die Ehe von Prinz Charles. Im ersten Fall schreibt man einen Apostroph, weil ein Genitiv-s wegfällt (vgl. Prinz Andrews Exfrau, die Exfrau von Prinz Andrew). Dem englischen Thronfolger und seiner Gattin wird es allerdings ziemlich egal sein, wann genau sein Name im Deutschen mit einem Apostroph geschrieben wird. Sie machen sich wahrscheinlich mehr Gedanken darüber, ob es wirklich noch einmal Charles’ Thron werden wird.

Du und er, sie und ihr sind oder seid?

Frage

Es macht mir immer wieder Kopfzerbrechen, wie die richtige Personalendung lautet, die eine Kombination aus unterschiedlichen Personen, die mit „und“ verbunden sind, bezeichnet. Zum Beispiel: „Du und deine Freunde seid …“ oder „Du und deine Freunde sind …“?

Ich bekenne, gelesen zu haben, dass hier eigentlich die 2. Person Plural eingesetzt wird, aber mein Sprachgefühl verwirrt dies jedes Mal. Deshalb rette ich mich in eine Umformulierung: „Du und deine Freunde, ihr seid …“ Das ist jedoch nur eine Umgehung und keine eindeutige Antwort.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

diese Frage bereitet nicht nur Ihnen Kopfzerbrechen. Deshalb ist ihr in unserer Grammatik sogar ein eigener Abschnitt gewidmet. Dort steht, dass Sie in diesem Fall so formulieren sollten:

Du und deine Freunde seid herzlich eingeladen.

Bei einem mehrteiligen Subjekt, das aus Teilen mit unterschiedlichen grammatischen Personen besteht, befolgt man im Allgemeinen die folgenden Regeln:

  • Eine erste und eine zweite Person werden zur ersten Person Plural:

Du und ich sollten wieder einmal etwas zusammen unternehmen.
Wir und ihr haben nicht viel gemeinsam.

  • Eine erste und dritte Person werden ebenfalls zu einer ersten Person Plural:

Er und ich sollten wieder einmal etwas zusammen unternehmen.
Die Nachbarn und ich haben unseren Streit beigelegt.

  • Eine zweite und eine dritte Person werden zu einer zweiten Person Plural:

Du und deine Schwester werdet euch noch wundern!
Ihr und eure Freunde seid herzlich eingeladen.

Das liegt daran, dass ich und du zusammen wir sind. Auch ich und er/sie ergeben zusammen wir. Du und er/sie hingegen umschreibt man zusammenfassend mit ihr.

Wenn Formulierungen wie die oben stehenden Beispielsätze in Ihren Ohren irgendwie „holpern“, können Sie in den meisten Fällen stilistisch einwandfrei das tun, was Sie eine Umgehung nennen:

Du und ich, wir sollten wieder einmal etwas zusammen unternehmen.
Die Nachbarn und ich, wir haben unseren Streit beigelegt.
Du und deine Freunde, ihr seid herzlich eingeladen.

Solche Umschreibungen sind sogar besser, wenn das Bindewort nicht und, sondern oder ist. Ohne Umschreibung richtet sich das Verb meistens nach dem Subjektteil, der ihm am nächsten steht:

Du oder ich muss nachgeben.
Meine Nachbarin oder ich habe recht.
Ich oder meine Nachbarin hat recht.
Du oder deine Freunde sind eingeladen.

Keine dieser Formulierungen ist aber wirklich befriedigend. Deshalb besser:

Du oder ich, eine(r ) von uns muss nachgeben.
Nur eine(r) hat recht, meine Nachbarin oder ich.
Man lädt dich oder deine Freunde ein.

Das klingt alles ziemlich kompliziert. Verlassen Sie sich aber einfach auf Ihr Sprachgefühl, dann geht es meistens automatisch gut. Wenn Sie einmal unsicher sind oder eine Formulierung Ihnen einfach nicht gefallen will, bedenken Sie Folgendes: Umschreibungen und Umformulierungen sind keine „Kapitulationen“, sondern ein Beweis dafür, dass man die Sprache wendig beherrscht.