Sommerflaute

Die Ferienzeit ist angebrochen und ich mache auch ein bisschen mit. In den kommenden zwei Wochen bin ich zwar noch „ansprechbar“, aber je nach Lust und Wetterlage könnten die Antworten etwas länger auf sich warten lassen. Ich bitte um Verständnis.

Mit (zurzeit leider nicht allzu) sommerlichem Gruße

Dr. Bopp

Falsche E-Mail-Adressen

Wenn Sie Ikuto, Kalborn oder Max heißen, für Ihre Frage das Kontaktformular verwendet haben und immer noch auf eine Antwort warten, liegt das daran, dass Sie sich bei der Angabe Ihrer E-Mail-Adresse wohl vertippt haben. Ich habe nämlich die Antwort postwendend zurückerhalten: „Nicht zustellbare E-Mail zurück an Absender.“ Ich benötige also noch eine korrekte E-Mail-Adresse von Ihnen.

Ich möchte alle Fragesteller und Kommentatorinnen wieder einmal bitten, auf die Angabe einer korrekten Antwortadresse zu achten, wenn Sie das Kontaktformular verwenden. Vielen Dank!

Die 24-Volt-Spannung und die 25-Grad-Grenze

Die elektrische Spannung und die Temperaturgrenze stehen nur deshalb gemeinsam im Titel, weil beide mit Bindestrichen geschrieben werden. Heute geht es nämlich um eine zwar recht einfach zu beantwortende, aber trotzdem immer wieder auftauchende Rechtschreibfrage:

Frage

Gerne würde ich wissen, wie man Zusammensetzungen wie „24 V Spannung“ und „24 Volt Spannung“ schreibt. Mit Bindestrichen, Leerstellen oder zusammen?

Antwort

Guten Tag,

in Zusammensetzungen mit Ziffern und Abkürzungen verwendet man Bindestriche. Für Ihr Beispiel bedeutet dies, das wie folgt geschrieben wird:

die 24-Volt-Spannung
die 24-V-Spannung

Die entsprechende Regel finden Sie hier. Man schreibt also zum Beispiel auch:

die 100-Jahr-Feier
der 80-Meter-Lauf oder der 80-m-Lauf
der 5-Liter-Kanister oder der 5-l-Kanister
der 6-Zylinder-Motor
das 2.-Klasse-Abteil oder das 2.-Kl.-Abteil
der ¾-Takt

Oft ist natürlich auch die Schreibung in Worten möglich (und meiner Meinung nach zu empfehlen, denn auch längere Wörter sind oft ohne Bindestriche gut lesbar und ergeben ein ruhigeres Schriftbild – doch das ist wohl eher eine Geschmacksfrage):

Hundertjahrfeier
Achtzigmeterlauf
Fünfliterkanister
Sechszylindermotor
Dreivierteltakt

Wenn das Thermometer die richtige Temperatur anzeigt, haben wir hier soeben die 25-Grad-Grenze überschritten!

Mit sonnigen Grüßen

Dr. Bopp

Der Bürgersteig

Frage

Bürgersteig! Ist diese Bezeichnung für „Gehweg“ heute noch standesgemäß? Während meines Studiums, wurde uns erklärt, diese Definition stamme aus Kaisers Zeiten! Um den Kaiser bei Besuchen, Paraden etc. besser sehen zu können, sollten die Bürger den höher gelegenen Teil der Straße (den Bürgersteig) benutzen! Warum nicht heute generell „Gehweg“?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.

am Wort Bürgersteig gibt es eigentlich nicht so viel auszusetzen. Die Erklärung, die man Ihnen während des Studiums gegeben hat, scheint mir nicht wirklich zutreffend zu sein. Bürgersteige gab es schon vor des Kaisers Zeiten. Vielleicht war aber auch einfach allgemein ein Fürst gemeint oder wurden Bürgersteige erst unter kaiserlicher Herrschaft so genannt. Bürgersteige gab es allerdings auch dort, wo keine kaiserlichen oder sonstigen fürstlichen Paraden zu erwarten waren. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie außerdem häufiger Trottoir genannt. Eine andere überzeugende Erklärung muss ich Ihnen aber ehrlich gesagt auch schuldig bleiben. Ich konnte sie in keiner der mir zur Verfügung stehenden Quellen finden. So behauptet jemand, dass der Bürgersteig so heiße, weil nur die gute Bürgerschaft, nicht aber das gewöhnliche Volk ihn benutzen durfte. Bei dieser Erklärung ist die Benutzung des Bürgersteigs also nicht dem niedrigeren Stand, sondern umgekehrt den Höhergestellten vorbehalten.

Die genaue Herkunft des Wortes ist also ungeklärt oder einfach so unspektakulär, dass ich keine Informationen dazu finden konnte. Heute heißt der erhöhte Gehweg für Fußgänger jedenfalls so, ohne dass ein bestimmter sozialer Stand damit verbunden wäre. Ich finde also keinen Grund, weshalb man das Wort Bürgersteig nicht mehr verwenden sollte. (Man könnte sich höchstens Fragen, ob denn Fahrradfahrer, Motorradfahrer und Automobilisten nicht auch Bürger sind. Nicht alle Verkehrsteilnehmer auf Rädern sind schließlich ungehobelte Rüpel und auch unter den Fußgängern gibt es sich eher proletenhaft Benehmende.) Das Wort Bürgersteig ist allerdings nicht überall üblich und manche finden den Begriff etwas veraltet. Deshalb hört man oft eher Gehweg, Gehsteig (SO-Deutschland, Österreich) oder Trottoir (Schweiz).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Konstellieren

Heute wieder einmal etwas dazu, warum es gar nicht so einfach ist, ein neugebildetes Wort zu verwenden.

Frage

Letztens stieß ich in einem wissenschaftlichen Text auf das Wort „konstellieren“ (abgeleitet von „Konstellation“). Ich fand’s sehr hübsch, traue mich aber nicht, es selbst zu verwenden, weil ich nicht weiß, ob es das Wort wirklich gibt. Eine Google-Stichprobe ergab, dass es kaum vorkommt. In den Wörterbüchern taucht es gar nicht auf. Ist es Ihnen bekannt?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

das Verb konstellieren ist mir nicht bekannt. Auch in den mir zur Verfügung stehenden Wörterbüchern und -listen kommt es nicht vor. Ist es deshalb ein falsches oder unmögliches Wort?

Seine Form passt gut in ein häufig vorkommendes Muster: Zu vielen auf –ieren endenden Verben gibt es ein Substantiv auf –ation:

isolieren – Isolation
konzentrieren – Konzentration
partizipieren – Partizipation
restaurieren – Restauration
u. v. a. m.

Dazu passt mühelos auch dieses Wortpaar:

konstellieren – Konstellation

Die Form ist also kein Problem. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb das Wort bei flüchtigerem Lesen unbemerkt „durchrutscht“. Bei genauerem Lesen stellt sich dann allerdings die Frage der Bedeutung. Doch wie oft kommt es nicht vor, dass man in wissenschaftliche oder wissenschaftlich daherkommenden Texten einem Wort begegnet, dessen Bedeutung man nicht oder nur vage kennt. „Es wird wohl etwa mit zusammenstellen zu tun haben“, war mein erster Gedanke. Erst wenn man es genauer wissen will, stockt man beim Verb konstellieren.

Fangen wir einmal beim in den Wörterbüchern verzeichneten Substantiv Konstellation an: Es geht auf das lateinische constellatio mit der Bedeutung Stellung der Sterne (untereinander) zurück. Diese Bedeutung hat es auch heute noch. Es wird auch im übertragenen Sinne verwendet und bezeichnet dann das Zusammentreffen bestimmter Umstände und die sich daraus ergebende Situation: eine neue politische Konstellation, eine ungünstige Konstellation der Umweltfaktoren.

Im Französischen und Italienischen gibt es ein dazu passendes Verb: consteller bzw. costellare. Beide bedeuten mit Sternen übersäen und figürlich mit etwas besetzten/bestreuen. Ich weiß nun nicht, ob Ihnen bei der deutschen Neuschöpfung eine ähnliche Bedeutung vorschwebt oder ob Sie mit diesem Verb etwas anderes ausdrücken möchten. Vielleicht ist damit zu einer bestimmten Konstellation führen, eine bestimmte Konstellation entstehen lassen gemeint. Es könnte auch sein, dass ganz einfach meine erste Intuition richtig war: Sie möchten konstellieren als eine Art gelehrter klingende Variante von zusammenstellen benutzen.

Damit sind wir beim eigentliche Problem der Verwendung von Neubildungen wie konstellieren angelangt: Das Wort ist weder prinzipiell falsch noch unmöglich, Sie können aber nicht sicher sein, dass man versteht, was Sie genau damit meinen. Ihr Zögern ist also gerechtfertigt. Wenn Ihnen das Wort so gut gefällt, dass Sie es einfach nicht lassen können, es zu verwenden, sollten Sie es kurz erklären oder dafür sorgen, dass aus dem Kontext deutlich hervorgeht, was gemeint ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn breitbandig nicht breit genug ist, wie sagt man dann?

Frage

Wenn man sagt „breitbandigere Verbindung in der Telekommunikation“, weiß jeder, was gemeint ist, aber ist diese vielleicht erst gerade erfundene Steigerungsform auch richtig? Muss es heißen „breiterbandig“ – oder ist das genau so schlimm?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

wenn man denn das Wort breitbandig unbedingt steigern will oder muss, ist breitbandiger eine grammatisch richtige Möglichkeit (vgl. weiträumig –  weiträumiger, breitschultrig – breitschultriger). Diese Form ist allerdings nicht sehr geläufig. Auch breiterbandig wäre im Prinzip möglich (vgl. hochwertig – höherwertiglangfristig – längerfristig), es scheint aber noch weniger üblich zu sein.

Bei manchen Zusammensetzungen dieser Art wird der erste Teil gesteigert (längerfristig), bei vielen aber der zweite Teil, d. h. das ganze Adjektiv (zartgliedriger). Es ist übrigens nie richtig, beide Teile zu steigern (nicht: *breiterbandigere, *höherwertigere).

Stilistisch ist es wohl am besten, breitbandig nicht zu steigern, sondern – wenn Platz und andere Vorgaben es zulassen – eine Formulierung wie zum Beispiel Verbindungen mit größerer Bandbreite zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Hafenwelle

Was es  ist und wie man es nennt, ist seit 2004 vielen bekannt. Am vergangenen 11. März ist auch deutlicher geworden, warum wir dafür ein japanisches Wort verwenden: Tsunami. Seine ursprüngliche Bedeutung ist Hafenwelle, Welle im Hafen (tsu = Hafen, nami = Welle). Es soll von japanischen Fischern stammen, die auf See nichts von Sturm oder großen Wellen bemerkt hatten und  bei ihrer Rückkehr trotzdem einen durch eine große Flutwelle zerstörten Hafen vorfanden.

Die Bedeutung des Wortes ist leicht verständlich. Die schreckliche Bedeutung, die das Phänomen für die Betroffenen haben muss, bleibt trotz aller Fernsehbilder unbegreiflich. Möge das Volk, das unseren Wortschatz auch mit zum Beispiel Bonsai, Ginkgo, Sushi, Sashimi, Shiitake, Sake, Kimono, Futon, Judo, Karate, Ikebana, Origami, Manga, Sudoku und Karaoke bereichtert hat, von weiteren Katastrophen verschont bleiben.

Das zweite l des Kellners

Bei einem Cafébesuch heute Nachmittag waren die Kellner und Kellnerinnen so schlecht organisiert (alle kümmerten sich um alles und deshalb niemand wirklich um etwas), dass man immer ziemlich lange warten musste, obwohl ihre Gesamtzahl kaum geringer war als die Zahl der Gäste. Auch das Kellnern will gelernt sein. Mir kommt dabei die folgende Frage von Frau S. in den Sinn:

Frage

Laut der Rechtschreibregelung wird ein Konsonant nach einem kurzen Vokal nur dann verdoppelt, wenn er allein steht. Wie verhält es sich nun mit dem Wort „Kellner“? Das e wird kurz gesprochen, darauf folgen l und n. Also dürfte das l nicht verdoppelt werden. Wo liegt also der Ursprung des Wortes, durch den man das Doppel-l erklären könnte? Kommt es von „Keller“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

das Wort Kellner (lat. cellenarius) ist tatsächlich mit Keller (lat. cellarium) verwandt. Der Kellner war ursprünglich der Kellermeister, der Vorsteher des Wein- und Vorratskellers. Die heutige Bedeutung (Bedienung in Gasthäusern) hat das Wort seit dem 18. Jahrhundert.

Ein Ober ist übrigens nichts anderes als ein verkürzter Oberkellner. Der Oberkellner ist eigentlich der Kellner, der für die Abrechung mit den Gästen verantwortlich ist. Die Kurzversion Ober wird aber in der Regel als Anrede für alle bedienenden Herren verwendet. Wenn man die Aufmerksamkeit einer Kellnerin erheischen will, muss man sich meist mit einem Entschuldigen Sie bitte behelfen. Die Anredeform Oberin hat sich nicht durchgesetzt. Das hat vielleicht damit zu tun, dass Oberin bereits die Bezeichnung für eine Oberschwester oder die Leiterin eines Nonnenklosters ist. Auch bei Kellnern ziehe ich heutzutage übrigens das Entschuldigen Sie bitte! dem Ober! vor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS:

Dieses Entschuldigen Sie bitte! war heute leider etwas häufiger nötig, als mir eigentlich lieb ist. Dafür war das Wetter vorfrühlingshaft schön! Dann wird man auch weniger professionellem Kellnerhandwerk gegenüber vergebungsgesinnt.

Valentinstagsrätsel

Es geht hier weder um die Liebe noch um den Kommerz, sondern einfach um die Wortbildung.

Frage

Mein örtliches Anzeigenblättchen titelte links oben: „Valentinstagsrätsel“. Das klingt furchtbar, aber ist es auch falsch? Das ist gerade mein Rätsel …

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Wort Valentinstagsrätsel mag mit seinen beiden Fugen-s nicht allzu melodiös klingen, aber es ist korrekt gebildet. Wenn Zusammensetzungen mit dem Wort Tag an zweiter Stelle in einer weiteren Zusammensetzung an erster Stelle stehen, verwendet man in der Regel ein Fugen-s:

Sonntagsruhe
Bundestagswahl
Reichstagsabgeordneter
Gründonnerstagsliturgie
Geburtstagsüberraschung
Reformationstagsfeier

In den angelsächsischen Ländern ging es, soweit ich weiß, beim Valentinstag eigentlich um (anonyme) Valentinstagskarten. Heutzutage wird man auch bei uns „multimedial“ dazu aufgefordert, mindestens ein persönliches Valentinstagsgeschenk zu überreichen. Ein speziell auf den Valentinstag zugeschnittenes Rätsel ist also auf der Ebene der Wortbildung entsprechend ein Valentinstagsrätsel. Ebenfalls üblich sind allerdings die Bezeichnungen Valentinskarte und Valentinsgeschenk. Im Titel hätte also auch der kürzere Begriff Valentinsrätsel stehen können.

Valentinstagsrätsel ist vielleicht nicht die schönste aller Wortschöpfungen. Es ist aber immerhin ganz erfreulich, dass Ihr Anzeigenblatt nicht der um sich greifenden „Bindestrichmanie“ erlegen ist (Valentinstags-Rätsel) oder die Rechtschreibregeln gänzlich hinter sich lassend Valentinstags Rätsel oder gar Valentinstag’s Rätsel geschrieben hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn Zwerge hinter Ohren hüpfen, was ist dann deren Fall?

Frage

Ich bin über einen Satz gestolpert: „Der Zwerg hüpft hinter Franz‘ rechtes Ohr.“ Stimmt „rechtes Ohr“? Muss es nicht „rechtem Ohr“ heißen? Je mehr ich darüber nachdenke, umso unsicherer werde ich …

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

wenn es um die Fälle geht, verwirrt langes Nachdenken öfter, als es hilft. Wenn es um hüpfende Zwerge und Ohren geht, ist dies wahrscheinlich noch schlimmer also sonst.

Der Zwerg in Ihrem Satz kann sowohl hinter Franz‘ rechtem Ohr als auch hinter Franz‘ rechtes Ohr hüpfen. Er tut dann aber nicht ganz dasselbe. Die Präposition hinter gehört zu den sogenannten Wechselpräpositionen, die sowohl mit dem Akkusativ als auch mit dem Dativ stehen können. Den Akkusativ verwendet man bei einer Richtungsangabe (wohin?), den Dativ bei einer Ortsangabe (wo?):

Ich stelle den Wagen hinter das Haus.
Der Wagen steht hinter dem Haus.

Hinzu kommt die Bedeutung des Verbs hüpfen: Man kann von einer Stelle an eine andere hüpfen (wohin hüpfen?). Man kann aber auch an einer bestimmten Stelle auf und ab hüpfen (wo hüpfen?).

Wenn der Zwerg von einer anderen Stelle hinter das rechte Ohr von Franz hüpft, steht der Akkusativ (Wohin hüpft er? – Hinter Franz’ rechtes Ohr). Wenn der Zwerg sich hinter Franz‘ Ohr befindet und dort herumhüpft, dann hüpft er hinter dem rechten Ohr von Franz (Wo hüpft er? – Hinter Franz’ rechtem Ohr).

Wenn Zwerge hinter Ohren hüpfen, hängt der Fall der Ohren also davon ab, wie die Zwerge hüpfen. Mehr zu den Wechselpräpositionen wie hinter finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp