Warum in und nicht auf Polynesien?

Immer wieder gibt es Fragen dazu, welche Präpositionen bei Inseln zu verwenden sind (siehe zum Beispiel hier und hier). Immer wieder erstaunt mich das, denn das deutsche Sprachgebiet ist ja nicht besonders inselreich. Vielleicht erklärt gerade die relative Inselarmut die Popularität dieser Frage. Die Regel, die die meisten irgendwann einmal lernen, ist ganz einfach: bei Namen von Orten, Regionen und Ländern verwendet man in (in Dresden, in Osaka, in Sachsen, im Burgund, in Deutschland, in den Niederlanden), bei Inseln aber auf (auf Sylt, auf Curaçao, auf der Mainau). Dass es aber nicht immer ganz so eindeutig ist, sehen Sie  hier und hier. Und heute ein weiteres Beispiel, weshalb es trotz der Einfachheit der Regel zu Fragen kommen kann.

Bora Bora

Inselfrage

Polynesien scheint unter den Sonderfällen ein Sonderfall zu sein. Man ist „in“ Polynesien, obwohl man „auf“ den Inseln weilt. Man kann auf den Kanaren geboren sein, aber nicht auf Polynesien. Die geopolitischen Ansätze funktionieren hier nicht mehr. (Quantengrammatik ?)

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

um die Verwendung von in bei Polynesien zu erklären, braucht man keine „Quantengrammatik“. Der Name Polynesien bezeichnet anders als zum Beispiel Kanaren, Azoren und Bahamas nicht eine Inselgruppe, sondern eine ganze Region, die aus verschiedenen eigenständigen Inseln und Inselgruppen besteht. Das sieht man auch daran, dass Polynesien zwar viele Inseln umfasst, als Name aber in der Einzahl steht (Polynesien hat/ist…). Man lebt nicht auf einer Region, sonder in einer Region. So lebt man zum Beispiel auf Hawaii, auf Samoa oder auf den Cook-Inseln, die alle in Polynesien liegen. Dasselbe gilt für Melanesien und Mikronesien – und auch für Inselstaaten wie Indonesien und Japan.

Auch bei Japan und Indonesien heißt es nicht auf Japan, sondern in Japan und nicht auf Indonesien, sondern in Indonesien, obwohl es sich, wie ein Blick auf die Karte zeigt, um Inselgruppen handelt. Die Namen Japan und Indonesien werden also als Name eines Landes oder einer Region aufgefasst und entsprechend behandelt.

Als Faustregel kann gelten: Namen von aus Inselgruppen bestehenden Ländern und Regionen werden nur dann mit auf verwendet, wenn der Name ein Plural ist:

auf den Kanaren, auf den Azoren, auf den Philippinen
in Polynesien, in Indonesien, in Japan

Es ist nicht die brisanteste aller deutschen Grammatikfragen, sie zeigt aber gut, dass es auch bei so etwas Übersichtlichem wie Inselgruppen mehr als eine Betrachtungsweise und entsprechend mehr als eine sprachliche Ausdrucksweise geben kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Herr Doppler und sein Effekt: Eigennamen in Zusammensetzungen

Frage

Christian Doppler war Mathematiker und Physiker. „Doppler-Effekt“ lässt sich schön mit Bindestrich schreiben. Jedoch stolpere ich über die Schreibweise von „dopplersonografisch“.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

in Zusammensetzungen mit einem einfachen Eigennamen an erster Stelle kann zur Verdeutlichung ein Bindestrich verwendet werden. Er muss also nicht stehen.

Ohne Bindestrich:

der Dopplereffekt
die Dopplersonografie
dopplersonografisch
eine dopplersonografische Untersuchung

Mit Bindestrich:

der Doppler-Effekt
die Doppler-Sonografie
Doppler-sonografisch
eine Doppler-sonografische Untersuchung

Zu beachten ist, dass der Eigenname in der zusammengeschriebenen Variante einen kleinen Anfangsbuchstaben hat, in der Variante mit Bindestrich aber großgeschrieben wird. Siehe auch hier.

Zusammensetzungen dieser Art mit einem einfachen Eigennamen werden häufiger falsch geschrieben. Es gibt ja auch so viele Möglichkeiten, es falsch zu machen. Man schreibt nicht:

die extrem *Obama feindliche Tea-Party-Bewegung
die extrem *Obamafeindliche Tea-Party-Bewegung
die extrem *obama-feindliche Tea-Party-Bewegung

sondern:

die extrem obamafeindliche Tea-Party-Bewegung
die extrem Obama-feindliche Tea-Party-Bewegung

Nach den Rechtschreibregeln schreibt man nicht:

*Moskau freundliche Staaten und *Russland kritische Regierungen
*Moskaufreundliche Staaten und *Russlandkritische Regierungen
*moskau-freundliche Staaten und *russland-kritische Regierungen

sondern:

moskaufreundliche Staaten und russlandkritische Regierungen
Moskau-freundliche Staaten und Russland-kritische Regierungen

Im Prinzip ist es gar nicht so kompliziert, man muss nur wissen, wie’s geht. Und wenn es im Schreibstress einmal schiefgeht, bedeutet das ja nicht gleich den Untergang unserer Schreibkultur. Es stellt sich hier nämlich die Frage, was „schlimmer“ ist: dass man weiß, wie man dopplersonografisch schreibt, aber wie ich keine Ahnung hat, was es bedeutet, oder dass man weiß, wovon man redet, und einen kleinen Verstoß gegen die Rechtschreibregeln begeht. Am besten weiß man immer beides, aber wer ist schon perfekt?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Vom New-York-Event zum Kaiser-Franz-Josef-Land

Es geht wieder einmal um Bindestriche, die in der „freien Wildbahn“ gerne einmal weggelassen werden.

Frage

Schreibt man Begriffe wie „das New York-Event“ (in einem Blog gefunden) tatsächlich nur mit einem Bindestrich? Mein Sprachgefühl sagt mir, dass zwischen jedem Wort einer sein müsste.

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

richtig ist hier tatsächlich die Schreibung mit zwei Bindestrichen:

das New-York-Event

In Zusammensetzungen mit einem mehrteiligen Eigennamen steht zwischen allen Teilen der Zusammensetzung ein Bindestrich. Die entsprechende Regel finden Sie in Canoonet bei den Angaben zum Bindestrich bei Eigennamen (Ortsnamen zählen auch zu den Eigennamen). Man darf also bedenkenlos in das Wortbild eines Namens eingreifen, indem man ihn mit einem Bindestrich (verun)ziert.

Weil Beispiele oft mehr sagen als eine Regel, folgt hier eine ganze Reihe von Zusammensetzungen dieser Art:

der New-Orleans-Jazz
die Puerto-Rico-Reise
die Hudson-River-Mündung
das Grand-Canyon-Erlebnis

Mit Heiligen:

der Sankt-Andreas-Graben (St.-Andreas-Graben)
die Sankt-Barbara-Kirche (St.-Barbara-Kirche)
das Sankt-Florians-Prinzip (St.-Florians-Prinzip)
der San-Bernardino-Tunnel (S.-Bernardino-Tunnel)

Und mit (mehr oder weniger) Normalsterblichen:

ein Marilyn-Monroe-Film
die Van-Gogh-Ausstellung (aber: van-Gogh-artig)
der Da-Vinci-Code (aber: da-Vinci-ähnlich)
die Katharina-die-Große-Schule

Zum Schluss noch zwei meiner Lieblingsbeispiele aus den Rechtschreibbüchlein:

die Rio-de-la-Plata-Bucht
Kaiser-Franz-Josef-Land

So viel im Dr.-Bopp-Blog zum Thema Zusammensetzungen mit mehrteiligen Eigennamen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kapstadt, seine Einwohner/-innen und der Umlaut

Frage

Wir rätseln, wie die korrekte Bezeichnung für die Einwohner(innen) Kapstadts ist: Kapstadter, Kapstädter oder ganz anders?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

Kapstadter, Kapstädter, beide Bezeichnungen sind im Prinzip vertretbar, eine allgemein bindende Bezeichnung gibt es nicht. Die meisten Städte mit einem Namen auf -stadt haben Einwohner auf -städter/-städterin. Von Albstadt über Darmstadt, Eisenhüttenstadt, Friedrichstadt und viele andere bis hin zu Wörrstadt, alle haben Einwohner und Einwohnerinnen mit ä: Albstädter/in, Darmstädter/in, Eisenhüttenstädter/in, Friedrichstädter/in, Wörrstädter/in usw. Einwohnernamen auf -stadter/-stadterin sind eine Ausnahme. So wohnen in Neustadt an der Weinstraße nicht Neustädter und Neustädterinnen wie in anderen Neustadt genannten Städten, sondern Neustadter und Neustadterinnen.

Entsprechend ist auch viel häufiger von Kapstädtern und Kapstädterinnen die Rede als von Kapstadtern und Kapstadterinnen. Da wir einen deutschen Namen für Cape Town, Kaapstad oder iKapa verwenden, würde ich empfehlen, auch bei Ableitungen die im deutschen üblicherer Variante mit Umlaut zu verwenden: Kapstädter und Kapstädterin.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Habsburgtreu und putinfreundlich

Auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt, geht es nicht um politische Gesinnungen oder die aktuelle Weltlage, sondern nur um eine Rechtschreibfrage. Auch mit Eigennamen lassen sich spontan zusammengesetzte Adjektive bilden. Herr G. hat eine Frage zur Schreibung solcher Zusammensetzungen.

Frage

Wie schreibt man eigentlich Zusammensetzungen von Namen mit einem Adjektiv, also beispielsweise „Habsburg-treu“ oder „habsburgtreu“, „Putin-freundlich“ oder „putinfreundlich“ usw.?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

im Prinzip werden auch Zusammensetzungen mit einem einfachen Eigennamen an erster Stelle zusammengeschrieben (mit kleinem Anfangsbuchstaben!):

habsburgtreu
die putinfreundliche Presse
amerikafeindliche Proteste
eine deutschlandkritische Denkerin

Wenn der Name hervorgehoben werden soll, kann mit Bindestrich geschrieben werden (der Name erhält seinen großen Anfangsbuchstaben zurück):

Habsburg-treu
die Putin-freundliche Presse
Amerika-feindliche Proteste
eine Deutschland-kritische Denkerin

Bei Zusammensetzungen mit einem mehrteiligen Namen wird immer mit Bindestrichen geschrieben:

die Vladimir-Putin-freundliche Presse
der de-Gaulle-treue General
ihr Rolling-Stones-ähnlicher Musikstil
eine New-York-artige Skyline

Verweise auf die entsprechenden Regeln finden Sie zum Beispiel hier und hier.

Eigentlich ist es ganz einfach. Deshalb lesen Sie heute einmal eine nicht sehr Dr.-Bopp-typische, relativ kurze Antwort mit wenig Wenn und ohne Aber.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

WhatsApp-Nachricht und Whatsapp-Nachricht

Frage

Schreibweise von

Whatsapp-Nachricht oder
WhatsApp-Nachricht?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

bei Namen und Bezeichnungen dieser Art steht man immer vor der Wahl, den mehr oder weniger fantasievollen grafischen Einfällen der Werbe- und Marketingleute zu folgen oder sich mehr an die Vorgaben der Rechtschreibregelung zu halten. Beides ist je nach Art der Bezeichnung, Kontext, Auftraggebenden, Leserschaft usw. usw. vertretbar. In diesem Fall heißt das:

  • Wenn Sie das Originalschriftbild beibehalten wollen oder müssen, schreiben Sie:

eine WhatsApp-Nachricht

  • Wenn Sie sich genau nach der Rechtschreibregelung richten wollen oder müssen – sie sieht die Großschreibung im Wortinnern nicht vor –, können Sie den Namen sozusagen orthografisch eindeutschen:

 eine Whatsapp-Nachricht

Man muss sich in der Regel nämlich nicht an die Logos und Schreibweisen halten, die Firmen, Institutionen usw. verwenden. Es ist also nicht notwendig, die adidas-Reklame und der Artikel über die Gewerkschaft ver.di  in DER SPIEGEL zu schreiben. Man darf ungestraft Adidas-Reklame, Gewerkschaft Verdi und im Spiegel aus der Tastatur fließen lassen.

Wie eingangs erwähnt ist nicht das eine immer zu empfehlen und das andere immer zu lassen. Ich bin im Allgemeinen für die regelkonformere Schreibung ohne kleine Anfangsbuchstaben bei Eigen- und Produktnamen und ohne Großbuchstaben im Wortinnern. Aber nicht immer. Bei zum Beispiel iPhone und iPad kann man das regelkonforme I-Phone und I-Pad benutzen, diese Schreibweise macht sich aber zum Beispiel in einem Livestyle-Artikel und im Smartphone-Shop nicht so gut.

Und wenn Sie sich kommerziell mit solchen Namen und Logos beschäftigen, sollten Sie sowieso die geltenden Bestimmungen zur Verwendung geschützter Markennamen beachten.

Im Allgemeinen halte ich die regelkonforme Schreibung für empfehlenswert. Sie stört das Schriftbild und den Lesefluss in der Regel viel weniger. Deshalb arbeite ich für Canoo und beantworte ich Fragen zum Inhalt von Canoonet, auch wenn die Logos eigentlich ein kleines c vorschreiben würden (siehe oben links).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die habermannsche Frage und die boppsche Antwort

Die Frage von Herrn Habermann – der hier ausnahmsweise nicht zu Herr H. verkürzt wird, sondern für die hier übliche Anonymisierung seiner Anfrage einen anderen Namen erhalten hat – gibt mir die Gelegenheit, die schöne Endung sch aufzugreifen. Im Prinzip ist es ganz einfach, aber eben …

Frage

Um etwas als für eine Person typisch zu kennzeichnen gibt es bekanntlich die Endung „sch“, also z. B. „Steinerscher Satz“. Man sieht aber oft die Schreibweise mit Apostroph: „Steiner’scher Satz“.

Frage 1: Was ist korrekt?
Frage 2: Steinersch ist ja eigentlich ein Adjektiv. Wie lautet in diesem Fall die Regel zur Gross/Kleinschreibung?

Antwort

Sehr geehrter Herr Habermann,

die boppsche oder Bopp’sche Antwort auf die habermannsche oder Habermann’sche Frage lautet:

Ohne Apostroph werden die mit der Endung -sch von Namen abgeleiteten Adjektive kleingeschrieben. (Die Regel, dass großgeschrieben wird, wenn das Adjektiv eine persönliche Leistung oder Zugehörigkeit ausdrückt, gilt seit der Rechtschreibreform nicht mehr.) Verwendet man einen verdeutlichenden Apostroph, schreibt man mit großem Anfangsbuchstaben. Siehe hier. Man schreibt also:

der steinersche o. Steiner’sche Satz
die darwinsche o. Darwin’sche Evolutionstheorie
die einsteinschen o. Einstein’schen Feldgleichungen
ein freudscher o. Freud’scher Versprecher
die oppenheimsche o. Oppenheim’sche Pelztasse
die schillerschen o. Schiller’schen »Räuber«
die thatchersche o. Thatcher’sche Politik

Auch bei Zisch- und ähnlichen Lauten wird die Endung einfach angehängt:

das huygenssche o. Huygens’sche Prinzip
die strausssche o. Strauss’sche Salome
die straußschen o. Strauß’schen Walzer
die buschschen o. Busch’schen Werke
das heinzsche o. Heinz’sche Ketchup
ein kaschnitzsches o. Kaschnitz’sches Hörspiel

Vokale am Ende des Namens bleiben erhalten, auch wenn sie unbetont sind oder gar nicht ausgesprochen werden:

die voltasche o. Volta’sche Säule
die dantesche o. Dante’sche Hölle
von shakespearescher o. Shakespeare’scher Größe
die linnésche o. Linné’sche Einteilung der Arten
das curiesche o. Curie’sche Gesetz
der faradaysche o. Faraday’sche Käfig

Und wie steht es mit Namen mit Bindestrich und mehrteiligen Namen? Besser als eine Erklärung sind Beispiele:

die van-goghschen o. van-Gogh’schen Sonnenblumen (van Gogh)
die la-fontaineschen o. La-Fontaine’schen Fabeln (La Fontaine)
die droste-hülshoffsche o. Droste-Hülshoff’sche Lyrik (Droste-Hülshoff)
das kübler-rosssche o. Kübler-Ross’sche Trauerschema (Kübler-Ross)
die kant-laplacesche o. Kant-Laplace’sche Theorie (Kant und Laplace)

So weit, so gut. Alles wäre also ganz einfach, wenn es nicht die Ausnahmeregelungen zur Großschreibung gäbe. Wenn ein Adjektiv Teil eines Eigennamens ist, schreibt man es auch ohne Apostroph groß:

der Halleysche Komet
die Magellanschen Wolken (zwei Zwerggalaxien)
das Müllersche Volksbad (ein Hallenbad in München)
die Seylersche Schauspiel-Gesellschaft (eine deutsche Wanderbühne im 18. Jh.)

Bezeichnungen von Lehrsätzen, Gesetzen, Theorien, Erfindungen usw. sind keine Eigennamen. Deshalb findet man oben wohl zum Erstaunen einiger Fachleute huygenssches Prinzip, curiesches Gesetz, faradayscher Käfig und voltasche Säule. In vielen Fachsprachen ist bei solchen Begriffen die Großschreibung des Adjektivs üblich, aber nach der geltenden Rechtschreibregelung müssten sie eigentlich kleingeschrieben werden. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie in diesem Bereich trotz des hier Gesagten vielen großgeschriebenen Adjektiven begegnen!

Krank am Tag der Kalten Sophie

Heute, am fünfzehnten Mai, ist der Tag der heiligen Sophie. Sie ist im Kalender die letzte der Eisheiligen, die je nach Region vom 11. oder 12. bis zum 15. Mai dauern. Nach den Eisheiligen sind gemäß den alten Bauernregeln keine Nachtfröste mehr zu erwarten. Also nichts wie raus mit dem frostempfindlichen einjährigen Sommerflor!

Schwarzäugige Susanne

Schwarzäugige Susanne (Bild: Wikimedia)

Auch ich – mittlerweile in ein Alter gekommen, in dem man sich tatsächlich mit Gartenblumen beschäftigt und sich noch nicht einmal schämt, darüber zu reden – auch ich hatte geplant, heute schnurstracks ins Gartencenter zu gehen und eine schöne Auswahl aus all den Begonien, Petunien, Fleißigen Lieschen, Schwarzäugigen Susannen usw. für Garten und Balkon zusammenzustellen. Das Stadium, Blümchen selbst aus Samen zu ziehen, habe ich nämlich (noch?) nicht erreicht. Doch wer macht mir einen Strich durch die Rechnung? Die Grippe. Ausgerechnet am Tag der Kalten Sophie hat mich die Grippe erwischt. Das passt zwar zum Adjektiv kalt, aber nicht zum lang erwarteten Sommerflor.

Wenn Sie also dieser Tage etwas länger auf eine Antwort warten müssen, ist das dadurch zu erklären, dass ich krank darniederliege. Ganz so schlimm ist es nicht, wie nur schon die Tatsache zeigt, dass ich noch zu Blogeinträgen fähig bin. Aber wenn schon krank, dann auch mit Klagen!

Zur Beugung heiliggesprochener Päpste (u. a.)

Hier eine Frage zu einem (fast) aktuellen Anlass:

Frage

Ich möchte Sie fragen, wie die folgende Wortgruppe korrekt gesprochen werden muss:

die Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II.

a) Heiligsprechung der Päpste Johannes des Dreiundzwanzigsten und Johannes Paul des Zweiten
b) Heiligsprechung der Päpste Johannes des Dreiundzwanzigsten und Johannes Pauls des Zweiten
c) die Heiligsprechung der Päpste Johannes der Dreiundzwanzigste und Johannes Paul der Zweite

Mich interessiert vor allem, ob der absolute Nominativ in der Version c) falsch oder richtig ist.

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

Mit Titeln versehene Namen wie diese werden gebeugt. Ganz so einfach, wie es klingt, ist es aber nicht. Was wird gebeugt und was bleibt ungebeugt?

Standardsprachlich korrekt ist in diesem Fall a):

Heiligsprechung der Päpste Johannes des Dreiundzwanzigsten und Johannes Paul des Zweiten

Es ist eine Zusammenziehung von:

Heiligsprechung des Papstes Johannes des Dreiundzwanzigsten und
Heiligsprechung des Papstes Johannes Paul des Zweiten

Wenn ein Titel mit einem Artikel steht, ist der Titel der Kern der Wortgruppe und der Name die nähere Bestimmung (Apposition). Gebeugt wird ggf. der Titel und der Name bleibt ungebeugt:

die Regierungszeit des Königs Friedrich Willhelm
am Hof der Zarin Katharina
Heiligsprechung des Papstes Johannes
Heiligsprechung des Papstes Johannes Paul

Steht der Titel ohne Artikel, wird er zu einer näheren Bestimmung des Namens „degradiert“ und bleibt ungebeugt. Gebeugt wird dann der Name:

die Regierungszeit König Friedrich Willhelms oder vorangestellt
König Friedrich Willhelms Regierungszeit

am Hof Zarin Katharinas oder
an Zarin Katharinas Hof

die Heiligsprechung Papst Johannes Pauls oder
Papst Johannes Pauls Heiligsprechung

Das ist aber noch nicht alles. Ihr Interesse gilt ja vor allem der nachgestellten Ergänzung des Herrschernamens. Diese wird immer gebeugt, ganz gleich ob weiter vorn der Titel oder der Name der Kern der Wortgruppe ist:

die Regierungszeit des Königs Friedrich Willhelm des Zweiten
die Regierungszeit König Friedrich Willhelms des Zweiten

am Hof der Zarin Katharina der Großen
am Hof Zarin Katharinas der Großen

die Heiligsprechung des Papstes Johannes des Dreiundzwanzigsten
die Heiligsprechung Papst Johannes’ des Dreiundzwanzigsten

die Heiligsprechung des Papstes Johannes Paul des Zweiten
die Heiligsprechung Papst Johannes Pauls des Zweiten

Das klingt kompliziert und das ist es auch (zumal noch gar nicht alles Sagenswerte gesagt worden ist). Meist geht es gut, ohne dass man diese „Regeln“ kennt. Es ist aber nicht erstaunlich, dass dennoch des Öfteren andere Formulierungen zu hören sind.

Die Sache funktioniert übrigens nicht nur bei Herrschern und Päpsten so. Auch Menschen geringeren Standes werden so behandelt, wenn ihr Name mit einem Titel, einer Verwandtschaftsbezeichnung o. Ä. verwendet wird.

Steht die Personenbezeichnung ohne Artikel, wird der Name gebeugt:

Tante Tinas Gärtnerei
Bundeskanzlerin Merkels Reden
Dozent Anderlings Unterricht
die Bilder Pieter Breughels des Jüngeren

Mit Artikel wird ggf. der Titel, die Berufsbezeichnung usw. gebeugt:

die Gärtnerei meiner Tante Tina
die Reden der Bundeskanzlerin Merkel
der Unterricht des Dozenten Anderling
die Bilder des Malers Pieter Breughel des Jüngeren

Und wenn Sie alles noch einmal nachlesen wollen, finden Sie  hier, hier und hier entsprechende Angaben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

O, o – das olympische Feuer an den Olympischen Spielen

Ich muss zugeben, dass ich kein besonders sportlicher und schon gar kein sportinteressierter Mensch bin. Aber man sollte ja trotzdem „etwas“ tun, um mit zunehmendem Alter nicht ganz einzurosten und die Konfektionsgrößen nicht allzu schnell zu wechseln. Da die Fingerbewegungen auf der Tastatur und die Beinarbeit beim Kaffeeholen nicht ausreichen und sich das Radfahren im Winter auf das Notwendigste beschränkt, kann man auch mich regelmäßig als Jogger verkleidet durch die Natur keuchen sehen. Ich bin dann immer recht stolz auf meine Leistung, bis mich dann wirklich sportliche Leute offenbar ohne größere Anstrengung leichtfüßig überholen. Soweit zum aktiven Sportler. Auch als „Passivsportler“ tauge ich nicht viel. Die Fußball- und Skisaisons gehen von mir unbemerkt vorbei – soweit das bei der großen Medienpräsenz möglich ist – und andere Sportarten verfolge ich mit ebenso geringem Interesse. Das hat übrigens keine tiefere Bedeutung. Ich verstehe den Spaß am Sport und gönne ihn allen. Es ist nur nicht meine Sache.

Die gestern offiziell eröffneten Olympischen Winterspiele können mich entsprechend nur mäßig fesseln. Deshalb hier nur kurz etwas Orthographisches „zum Thema“: Es gibt eine starke Neigung, das Adjektiv olympisch großzuschreiben. Das ist aber nur dann richtig, wenn es Teil eines Eigennamens ist:

die Olympischen Spiele
die Olympischen Winterspiele
das Internationale Olympische Komitee (IOK)

Wenn es sich als „gewöhnliches“ Adjektiv auf die Olympischen Spiele bezieht, schreibt man es klein (vgl. hier):

das olympische Dorf
der olympische Eid
das olympische Feuer

Den Sportlern und Sportlerinnen in Sotschi ist es aber bestimmt egal, ob sie um orthographisch korrekte olympische Medaillen oder um nicht ganz richtig geschriebene *Olympische Medaillen wetteifern. Und allen Olympiafans wünsche ich viel olympischen Sportgenuss!