Ostern

Wie fast jedes Jahr kam mir in den Sinn, dass ich zu Ostern etwas über das Wort Ostern schreiben könnte. Wie jedes Mal musste ich feststellen, dass die Herkunftsgeschichte nicht viel hergibt. Sie ist nämlich ungewiss.

Neben dem deutschen Ostern gibt es nur im Englischen eine verwandte Bezeichnung: Easter. Laut einigen etymologischen Wörterbüchern gehen die beiden Wörter auf Ostara, den Namen einer germanischen Frühlingsgöttin, zurück.

Vermutete Frühlingsgöttin Ostara

Eine germanische Frühlingsgöttin, deren Namen zur Bezeichnung für das Osterfest wurde, das klingt sehr poetisch und sogar ein bisschen mystisch. Andere meinen aber, dass es für diese Erklärung keine Belege und nicht genug andere Beweise gebe. Für einen schönen Osterblog reicht das also kaum.

Eine andere Herleitung erwähnt den Begriff Albae paschales – das waren offenbar gewisse weiße Kirchengewänder – und bringt ihn umständlich in Verbindung mit dem Wort Osten. Wirklich überzeugend finde ich das Ganze nicht, soweit ich es überhaupt verstanden habe. Auch das ergibt also kein schönes Thema für einen Blogartikel zu Ostern (für mehr zur Wortherkunft siehe hier).

Es bleibt mir somit nur Folgendes: Ihnen allen wünsche ich schöne Ostertage, und mir wünsche ich, dass ich von nun an nicht mehr jedes Jahr kurz vor den Osterferien über dasselbe Thema stolpern werde. Wenn Sie längere Zeit nicht von mir hören, liegt das daran, dass ich eine Osterpause einlege.

Frohe Ostern!

Dr. Bopp

Kommt der Einbau von Smart Metern oder von Smart Meters voran?

Frage

Neulich kam mir ein Satz unter, bei dem ich nicht wusste, wie ich den Dativ Plural bilden soll. Es geht um das Wort „Smart Meter“, so eine Art digitalen Stromzähler. Wie würden Sie das Wort „Meter“ im Dativ Plural schreiben: „Meters“ oder „Metern“? Ich würde spontan „Der Einbau von Smart Metern kommt voran“ schreiben, aber eigentlich müsste ich ja ein s als Pluralmarkierung nehmen, da das Wort „Meter“ hier kein Längenmaß ist, sondern das englische Wort für „Messgerät“. Aber das hört sich ja ganz scheußlich an: „Der Einbau von Smart Meters kommt voran.“ Was meinen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

bei der Pluralbildung von Fremdwörtern kann eine Rolle spielen, wie stark sie bereits ins Deutsche integriert sind.

Wenn Sie Meter in Smart Meter englisch aussprechen (ähnlich wie Mieter), dann passt der s-Plural besser:

die Smart Meters
der Einbau von Smart Meters

Wenn Sie dieses Meter deutsch aussprechen (wie das Längenmaß), passt der endungslose Plural. Zum endungslosen Nominativ Plural gehört der Dativ Plural mit -n wie zum Beispiel bei den Computern, den Bestsellern oder den Bikern:

die Smart Meter
der Einbau von Smart Metern

Auch korrekt ist hier übrigens die Zusammenschreibung, die allerdings verhältnismäßig selten vorkommt:

die Smartmeter
der Einbau von Smartmetern

Die deutsche Pluralbildung die Smart Meter / den Smart Metern ist hier deutlich üblicher als der englische s-Plural. Sie ist übrigens nicht zwangsläufig mit dem Längenmaß Meter zu assoziieren. Es gibt ja auch andere Messgeräte wie zum Beispiel Thermometer, Barometer oder Tachometer. Ähnlich wie bei diesen herrscht auch bei Smart Meter ein gewisser Zweifel, ob das Wort sächlich oder männlich ist. Häufig ist es nämlich der Smart Meter wie der intelligente Stromzähler, aber viele sagen auch das Smart Meter, wie dies für das Thermometer und das Barometer üblich ist (wenn auch nicht überall in gleichem Maße: Im südlichen deutschen Sprachraum kommt daneben auch der Thermometer vor).

Für den Plural hat sich die eingedeutschte Pluralbildung die Smart Meter durchgesetzt. Bei der Formulierung in Ihrer Frage würde ich deshalb nur diese Pluralvariante empfehlen, die auch Ihnen spontan besser erschien:

Der Einbau von Smart Metern kommt voran.

Bei der Frage zum Genus, der oder das Smart Meter, wage ich mich an keine Empfehlung. Die Frage, ob das Wort männlich ist wie der Messer, der Zähler oder ob es sächlich ist wie das Thermometer u. a., ist (noch) nicht eindeutig entschieden. Wer mit „so viel Ungewissheit“ nicht leben kann, weicht einfach auf Begriffe wie der intelligente Stromzähler oder das intelligente Messsystem aus. (Bei intelligent fällt mir allerdings noch mehr als bei smart auf, dass das Adjektiv in diesem Zusammenhang etwas hoch gegriffen ist – aber das ist eine ganz andere Frage.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Anders, als wir glaubten“ oder „Anders als wir glaubten“?

Frage

Wir schlagen uns gerade mit einem Satz herum. Es geht um die Kommasetzung:

A) Teurer sind sie nicht, aber, anders, als wir glaubten, auch nicht besser.
B) Teurer sind sie nicht, aber anders, als wir glaubten, auch nicht besser.

Ist beides möglich?

Antwort

Guten Tag Herr F.,

für mich gibt es noch eine andere, vielleicht etwas „gewagte“ Variante:

C) Teurer sind sie nicht, aber anders als wir glaubten, auch nicht besser.

Ich halte hier anders als für eine erweiterte Nebensatzeinleitung, die als Gegensatz zu so wie oder genauso wie gelesen werden kann.

Teurer sind sie nicht, so wie wir glaubten, aber auch nicht besser.
Teurer sind sie nicht, anders als wir glaubten, aber auch nicht besser.

So wie ich gedacht hatte, ging alles sehr schnell.
Anders als ich gedacht hatte, ging alles sehr schnell.

Es ging alles gut, genauso wie ich es erwartet hatte.
Es ging alles gut, anders als ich es erwartet hatte.

Wenn man diese Interpretation akzeptiert, muss zwischen anders und als kein Komma stehen. Akzeptiert man sie nicht, muss ein Komma gesetzt werden:

Teurer sind sie nicht, aber anders, als wir glaubten, auch nicht billiger.

Ich  halte beides für vertretbar.

Dann noch zum Komma nach aber: Nach einer Konjunktion steht in der Regel kein Komma, und zwar auch dann nicht, wenn das Angefügte mit einem Nebensatz o. Ä. beginnt.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
Sie waren gegen mein Vornehmen, aber als ich es ihnen erklärte, stimmten sie zu.
Teurer sind sie nicht, aber anders(,) als wir glaubten, [sind sie] auch nicht billiger.

Ich halte deshalb das Komma vor anders für unnötig, auch wenn die mit anders beginnende Wortgruppe als Einschub gekennzeichnet sein soll. Sie können dann besser Gedankenstriche oder Klammern verwenden**:

Teurer sind sie nicht, aber – anders(,) als wir glaubten – auch nicht billiger.

Es gibt also m. M. n. für Ihren Satz diese Schreibweisen:

Teurer sind sie nicht, aber anders als wir glaubten, auch nicht billiger.
Teurer sind sie nicht, aber anders, als wir glaubten, auch nicht billiger.

Dies alles gilt natürlich nicht, wenn anders zum übergeordneten Satz gehört. Dann muss ein Komma stehen:

Es kam alles anders, als ich erwartet hatte.
Sie sind anders, als wir glaubten, und auch nicht billiger.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Wenn man es ganz genau nimmt, kann man auch für ein Komma nach aber argumentieren, denn Einschübe, die mit Gedankenstrichen abgetrennt werden, können im Prinzip auch durch Klammern oder Kommas abgetrennt werden:

Teurer sind sie nicht, aber, anders(,) als wir glaubten, auch nicht billiger.

Es gilt aber immer noch, dass man der Lesbarkeit zuliebe besser Gedankenstriche oder Klammern verwendet.

Deretwegen, derentwegen oder wegen der?

Immer dieses „wegen“ und der Genitiv! Auch heute geht es wieder einmal um diesen Stolperstein:

Frage

Ich war mir heute bei einem Satz bei einem Wort unsicher und stelle mir die Frage, welche der drei Varianten nun die richtige ist:

1) Mir fiel gerade eine Kleinigkeit auf, wegen der ihr euch keine Sorgen machen solltet.
2) Mir fiel gerade eine Kleinigkeit auf, deretwegen ihr euch keine Sorgen machen solltet.
3) Mir fiel gerade eine Kleinigkeit auf, derentwegen ihr euch keine Sorgen machen solltet.

Mein erster Gedanke war „deretwegen“, obwohl ich das Wort, wie ich meine, noch nie verwendet habe. Als ich dann ein bisschen recherchiert habe, bin ich noch auf „derentwegen“ gestoßen, aber im Duden steht als Bedeutung „wegen deren“, was in meinem Satz ja nicht passen würde. Woanders habe ich noch gelesen, dass „deretwegen“ und „derentwegen“ dasselbe bedeuten. Bedeutet das dann, dass beide Varianten in meinem Fall falsch sind?

Antwort

Guten Tag L.,

alle drei Varianten sind möglich, sie werden allerdings nicht gleich bewertet. Die älteste Form ist deretwegen. Heute wird vor allem das gleichbedeutende derentwegen verwendet:

eine Kleinigkeit, derentwegen ihr euch keine Sorgen machen solltet
eine Kleinigkeit, deretwegen ihr euch keine Sorgen machen solltet [selten/veraltend]

Ebenfalls möglich ist hier wegen der. Es wird aber meistens als umgangssprachlich bezeichnet. Das der ist nämlich ein Dativ (Dativ Singular weiblich des Relativpronomens die), und der Dativ nach wegen ist vielen ein Gräuel:

eine Kleinigkeit, wegen der ihr euch keine Sorgen machen solltet [umgangssprachlich]

Die Umschreibung im Duden ist schon richtig. Mit derentwegen ist wegen deren/derer gemeint. Als Einleitung eines Relativsatzes wird aber derentwegen vorgezogen:

eine Kleinigkeit, wegen deren/derer ihr euch keine Sorgen machen solltet [selten/ungebräuchlich]

Das Gesagte gilt auch für den Plural, bei dem hier im Genitiv die gleichen Formen verwendet werden wie für weibliche Bezugswörter:

Kleinigkeiten, derentwegen/(deretwegen) ihr euch keine Sorgen machen solltet
Kleinigkeiten, wegen denen ihr euch keine Sorgen machen solltet [umgangssprachlich]
Kleinigkeiten, wegen deren/derer ihr euch keine Sorgen machen solltet [selten/ungebräuchlich]

Im Plural kommt manchmal auch wegen der vor (Kleinigkeiten, wegen der …). Diese Form sollte vermieden werden (auch wenn sie vielleicht gar nicht so falsch klingt). Es gibt für den Plural des Relativpronomens weder im Genitiv noch im Dativ eine Form der, sondern nur deren und derer bzw. denen.

Der Vollständigkeit halber folgen hier noch die Formen für männliche und sächliche Bezugswörter:

ein Problem, dessentwegen ihr euch keine Sorgen machen solltet
ein Problem, wegen dem ihr euch keine Sorgen machen solltet [umgangssprachlich]
ein Problem, wegen dessen ihr euch keine Sorgen machen solltet [selten/ungebräuchlich]

Eine Frage, derentwegen man manchmal ins Zweifeln geraten kann. Im Zweifelsfall nehmen Sie am besten derentwegen oder dessentwegen. Das klingt manchen ziemlich gehoben in den Ohren, aber wegen der und wegen dem beschränken Sie besser auf eher alltags- und umgangssprachliche Äußerungen. Und wenn keines von beiden gefällt, gibt es immer noch die Umformulierung. In diesem Fall wäre die einfachste Lösung eine Formulierung mit worüber.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wer selbst brennt, erzeugt selbst Gebranntes oder Selbstgebranntes

Frage

Auch wenn’s jetzt stark nach Alkoholiker aussieht, es handelt sich um eine nüchterne Frage: „selbstgebrannt“ oder „selbst gebrannt“? Es kommt mir so vor, als könne man die Eigenschaft nur getrennt schreiben, habe auch beim Duden keinen Hinweis auf Zusammenschreibung gefunden. Bei Zusammenschreibung stellt sich auch die Frage nach dem Infinitiv: „selbstbrennen“ klingt zumindest auf Anhieb etwas eigenartig. […]

Antwort

Guten Tag Herr R.,

in Verbindung mit einem Verb wird selbst getrennt vom Verb geschrieben:

selbst backen, selbst brauen, selbst brennen
Ich habe das Schokolademousse selbst gemacht.
Sie will das Geld selbst verdienen.
Er hat den Unfall selbst verschuldet.

Nur in Verbindung mit dem adjektivisch verwendeten Partizip kann zusammengeschrieben werden. Dann sind beide Schreibweisen korrekt:

selbst gebackene / selbstgebackene Kekse
selbst gemachtes / selbstgemachtes Schokolademousse
selbst gebrautes / selbstgebrautes Bier
selbst gebrannter / selbst gebrannter Kirsch
selbst verdientes / selbstverdientes Geld
ein selbst verschuldeter / selbstverschuldeter Unfall

Das ergibt sich aus § 36(2.1) der amtl. Rechtschreibregelung. Dort steht:

2. Zusammen- wie auch getrennt geschrieben werden kann, wenn der entsprechende Ausdruck sowohl als Zusammensetzung als auch als syntaktische Fügung angesehen werden kann. Dies betrifft:

2.1. Verbindungen von Substantiven, Adjektiven, Verben, Adverbien oder Partikeln mit adjektivisch gebrauchten Partizipien, zum Beispiel:
die Rat suchenden/ratsuchenden Bürger, eine allein erziehende/alleinerziehende Mutter; ein klein geschnittenes/kleingeschnittenes Radieschen, selbst gebackene/selbstgebackene Kekse
[…]

Wenn es selbst gebackene oder selbstgebackene Kekse geben kann, gibt es auch selbst gebrautes oder selbstgebrautes Bier und selbst gebrannten oder selbstgebrannten Schnaps. Von diesen selbst gemachten o. selbstgemachten Köstlichkeiten würde ich bei meinen Back-, Brau- und Brennkünsten höchstens die Kekse empfehlen. Die Herstellung von selbst Gebrautem o. Selbstgebrautem und selbst Gebranntem o. Selbstgebranntem überlasse ich lieber den Profis.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Als ersten/erster Schritt wollte sie eine Kampagne unterstützen – Akkusativ oder Nominativ?

Frage

Ich war heute in eine Diskussion zu dieser Konstruktion verwickelt:

Als ersten/erster Schritt wolle sie mit einer Million Euro eine Kampagne für benachteiligte Jugendliche unterstützen.

Muss hier der Akkusativ oder der Nominativ stehen?

Antwort

Guten Tag Herr F.,

weil auch für mich spontan beides nicht wirklich falsch klingt, wurde ich zuerst einmal unsicher. Nach einiger Überlegung komme ich aber zum Schluss, dass der Akkusativ hier am besten passt.

Eine als-Gruppe steht im gleichen Fall wie das, worauf sie sich bezieht (es gibt viele Ausnahmen, aber dieser Fall gehört nicht dazu). Worauf bezieht sich die als-Gruppe hier?

Was (Akk.) wollte sie als ersten Schritt?
Als ersten Schritt wollte sie X

Die als-Gruppe bezieht sich auf die von wollen abhängige Wortgruppe, also einen Akkusativ (wen oder was wollte sie?). Hier ist dies die von wollen abhängige Infinitivgruppe, der man den Akkusativ natürlich nicht ansieht:

Als ersten Schritt wollte sie mit einer Million Euro eine Kampagne für benachteiligte Jugendliche unterstützen.

Der Nominativ würde in einer Konstruktion wie zum Beispiel dieser passen:

Als erster Schritt war geplant, mit einer Million Euro eine Kampagne für benachteiligte Jugendliche unterstützen..
(Wer oder was war als erster Schritt geplant?)

Falls Sie wieder einmal zweifeln, hilft Ihnen dieser „Fragetest“ vielleicht weiter. Wenn der Test Sie nicht weiterbringt, könnten Sie die Frage auch einfach umgehen, indem Sie zum Beispiel in einem ersten Schritt statt als ersten/erster Schritt wählen. Das ist für mich dann der Fall, wenn der Satz ohne wollen formuliert wird:

Als ersten/erster Schritt unterstützte sie mit einer Million Euro eine Kampagne für benachteiligte Jugendliche. [?]

Es ist mir nicht klar, worauf die als-Gruppe sich hier eigentlich bezieht. Auf das, was sie tat? In Ermangelung eines direkten Bezugs, würde ich eher den „neutralen“ Nominativ erwägen. Noch besser finde ich es allerdings, bei nicht vorhandenem oder undeutlichem Bezug die als-Gruppe fallen zu lassen:

In einem ersten Schritt unterstützte sie mit einer Million Euro eine Kampagne für benachteiligte Jugendliche.

Mit als wird ein Bezug zu einem anderen Satzteil hergestellt. Wenn ein solcher Bezug nicht vorhanden oder unklar ist, nimmt man besser etwas anderes.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Namenszusatz „von“: Darf man „von Bopp“ zu „v. Bopp“ verkürzen?

Frage

Keine weltbewegende Frage, für mich aber trotzdem interessant: Ist es korrekt, das „von“ von Nachnamen im Fließtext abzukürzen? Ein Beispiel: „Gerne wendet sich man bei Zweifelsfällen der deutschen Rechtschreibung an den bekannten Experten Dr. v. Bopp.“

Antwort

Guten Tag Frau S.,

es gibt keine verbindlichen Regeln dazu, welche Wörter man im Fließtext abkürzen „darf“ und welche nicht. Es ist im Allgemeinen nicht üblich, Wörter in durchgehenden Texten abzukürzen (allgemeine Abkürzungen, Maß- und Mengeneinheiten u. Ä. ausgenommen). Auch bei Eigennamen kürzt man nach meinem Empfinden besser nicht ab, sei es nur aus Gründen der Höflichkeit oder des Respekts. Verboten ist es aber nicht. Ob man abkürzt, kann auch von der Art des Textes abhängen, zum Beispiel ob es sich um eine Kurznachricht oder einen längeren Artikel handelt.

Auch praktisch bringt das Abkürzen von von nicht sehr viel: Die abgekürzte Variante ist nur zwei Zeichen kürzer und ein Punkt muss auch noch geschrieben werden. So gesehen lohnt sich das Abkürzen kaum: Otto von Bismarck ist nicht wesentlich länger als Otto v. Bismarck. Und auch bei Frau von der Leyen ist die Verkürzung zu Frau v. d. Leyen nicht wirklich eine große Einsparung, obwohl man sogar zwei Wörter abkürzen kann.

Einige Nachkommen deutscher Adelsfamilien scheinen allerdings ihren Namen mit v. zu schreiben, um ihr Adelsprädikat von Familiennamen mit „gewöhnlichem“ von zu unterscheiden. Das weiß allerdings kaum jemand und verbindlich ist es keineswegs. In Österreich sind Familiennamen mit von nicht gestattet und in der Schweiz hatten Adlige nie einen speziellen Status.

Ob Sie von zu v. verkürzen oder nicht, bleibt also Ihnen überlassen. Es verstößt gegen keine verbindliche Schreibregel.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp (weder mit von noch mit v. und schon gar nicht von Adel)

„Für Mensch und Tier“ – Wo sind Artikel und Endung geblieben?

Frage

Ich habe eine Frage zur Wendung „Mensch und …“. Mir sind die folgenden Sätze begegnet:

Die Folgen für Mensch und Natur sind nicht absehbar.
Die Lärmbelastung für Mensch und Tier ist erheblich.

Ich frage mich, ob die Wendung erstens richtig und zweitens umgangssprachlich ist. Kann ich dies auch in einer wissenschaftlichen Arbeit stehen lassen oder muss ich dann auf den (richtigen) Akkusativ „den/die Menschen“ ausweichen?

Antwort

Guten Tag Frau R.,

die beiden Formulierungen sind korrekt und auch standardsprachlich akzeptiert:

für Mensch und Natur
für Mensch und Tier

Sie können sie also in einer wissenschaftlichen Arbeit stehen lassen. Ihr Zweifel ist aber nicht unbegründet, denn wo sind Artikel und Endung geblieben?

Hier kommen zwei Phänomene zusammen:

1) Wenn zwei (oder mehr) Substantive mit und verbunden werden, können die Artikel weggelassen werden (siehe hier):

mit Nadel und Faden
für Land und Leute
Anfahrt mit Auto und Bahn
Das ist schädlich für Landwirtschaft, Fischfang, Handel und Tourismus.

2) Schwach gebeugte Substantive (en/en-Klasse) stehen im Singular sehr häufig ohne die Endung en, wenn sie ohne Artikelwort oder gebeugtes Adjektiv verwendet werden. Dies geschieht, weil sich der Singular sonst nicht vom Plural unterscheidet:

das Gespräch zwischen Arzt und Patient
David, seine Herde gegen Bär und Löwe verteidigend
von Mensch zu Mensch
Das Orchester spielt ohne Dirigent

Ein schwach gebeugtes Substantiv wie Mensch kann in solchen Aufzählungen also sowohl den Artikel als auch die Endung „verlieren“:

Die Folgen für Mensch und Natur sind nicht absehbar.
Die Lärmbelastung für Mensch und Tier ist erheblich.

Sobald allerdings ein Artikelwort oder ein gebeugtes Adjektiv hinzutritt, kann die Endung nicht weggelassen werden:

für den Menschen und die Natur
für jeden Menschen und jedes Tier

Mehr zur Endungslosigkeit schwach gebeugter Substantive finden Sie in diesem schon etwas älteren Blogartikel.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Reflexivpronomen oder Personalpronomen: Fragte er die Frau vor sich oder vor ihm in der Reihe?

Frage

Beim Lektorieren eines Werkes stieß ich einerseits auf Sätze wie:

Er sah die Lampe über sich
Er hörte die Frau hinter sich.

und andererseits:

Er fragte die Frau vor ihm in der Schlange.

Oder könnte auch „Er sah die Glocke über ihm“, „Er hörte die Frau hinter ihm“ oder „Er fragte die Frau vor sich in der Schlange“ richtig sein? Seit Tagen zermartere ich mein Hirn, weil ich dieses Phänomen einfach nicht logisch für mich klären kann und weil ich einfach nicht weiß, was richtig ist. […]

Antwort

Guten Tag Frau W.,

im Prinzip verwendet man das Reflexivpronomen sich dann anstelle des Personalpronomens, wenn das Pronomen sich auf das Subjekt bezieht. Dazu gibt es einige Ausnahmen (siehe hier), aber der Fall, um den es hier geht, gehört nicht dazu. Dennoch sind Ihre Zweifel gut verständlich.

Sicher richtig ist:

Er sah die Lampe über sich.
Er hörte die Frau hinter sich.
Er fragte die Frau vor sich in der Schlange.

Bezugswort des Pronomens ist jeweils das Subjekt des Satzes (Er). Die Verwendung des Reflexivpronomens sich ist also gerechtfertigt.

Warum zweifeln Sie trotzdem? Es ist bei diesen Sätzen in mehr oder weniger starkem Maße möglich, die Präpositionalgruppe zu einem Nebensatz zu erweitern. Das Pronomen bezieht sich dann nicht mehr auf das Subjekt dieses Nebensatzes, sondern auf das Subjekt des nun übergeordneten Satzes. Dann steht das Personalpronomen:

Er sah die Lampe [die] über ihm [hing]
Er hörte die Frau [die] hinter ihm [stand]
Er fragte die Frau [die] vor ihm in der Schlange [stand]

Vgl.

Er sah die über ihm hängende Lampe.
Er hörte die hinter ihm stehende Frau.
Er frage die vor ihm in der Schlange stehende Frau.

Möglich sollten also auch diese verkürzten Varianten sein:

Er sah die Lampe über ihm.
Er hörte die Frau hinter ihm.
Er fragte die Frau vor ihm in der Schlange.

Ich zweifle allerdings, ob die Varianten mit ihm von allen akzeptiert werden, zumal ohne Kontext nicht klar ist, ob dieses ihm sich nicht auch auf ein anderes männliches Substantiv beziehen könnte. Obwohl ich die Formulierung mit dem Personalpronomen ihm (insbesondere beim dritten Beispielsatz) nicht für falsch halte, würde ich empfehlen, in Fällen wie diesen das Reflexivpronomen sich zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zusammensetzungen mit mehrteiligen (englischen) Titeln

Frage

Ich habe eine Frage zur Zusammenschreibung von deutschen Wörtern mit englischen Namen. Ich habe verstanden, dass man immer dann durchkoppeln muss, wenn der letzte Bestandteil eines längeren Begriffs deutsch ist, also z. B. „Do-it-yourself-Programm“ (Beispiel aus dem Duden). Was aber, wenn der englische Bestandteil eine Art Eigenname ist. Muss dann ebenfalls durchgekoppelt werden? Heißt es also „Star Wars-Film“ oder „Star-Wars-Film“; „My Little Pony-Buch“ oder „My-Little-Pony-Buch“?

Und würde sich Ihre Antwort ändern, wenn der englische Bestandteil in Anführungszeichen stehen würde?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

was vor nicht allzu langer Zeit an dieser Stelle über Zusammensetzungen mit mehrteiligen deutschen Titeln gesagt wurde, gilt auch für Zusammensetzungen mit englischen Titeln.

Streng nach der amtlichen Rechtschreibregelung sollten bei Zusammensetzungen dieser Art durchgehend Bindestriche verwendet werden:

der Star-Wars-Film
das My-Little-Pony-Buch
die James-Bond-Filmreihe

Das gilt, wie gesagt, nicht nur für englische Titel, Namen u. Ä.:

die Bauer-sucht-Frau-Moderatorin
die Wer-wird-Millionär-Sendung
die Pippi-Langstrumpf-Autorin
der La-dolce-vita-Star Anita Ekberg

Nicht allen gefällt allerdings der „Eingriff“ in das Aussehen eines Titels o. Ä. Deshalb wird hier häufig auf eine Schreibung mit Anführungszeichen und nur einem Bindestrich ausgewichen:

der „Star Wars“-Film
das „My Little Pony“-Buch
die „Wer wird Millionär?“-Sendung
der „La dolce vita“-Star Anita Ekberg

Diese Schreibweise ist in der amtlichen Rechtschreibregelung nicht vorgesehen, aber sie kommt häufig vor und wird von vielen akzeptiert. Ich persönlich ziehe die durchgekoppelte Schreibung ohne Anführungszeichen vor, einerseits weil Titel nicht „unantastbar“ sind und andererseits weil ich die Schreibung mit Anführungszeichen und einem Bindestrich als unruhig und den Lesefluss störend empfinde. Letzteres ist allerdings Geschmackssache.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp