Von und vom: von Mittwoch bis … / vom 9. März bis …

Frage

Erlauben Sie bitte die folgende Frage:

Satz 1: Von Montag bis Dienstag …
Satz 2: Vom 9. März bis zum 10 März …

Weshalb heißt es „von Montag“ und „vom 9. März“?

Antwort

Guten Tag Herr M.,

bei der Angabe von Wochentagen und Daten ist vieles möglich, was manchmal zu einiger Unsicherheit führen kann.

Die Wochentage können als Zeitangabe mit und ohne am bzw. mit und ohne Artikel stehen:

Der Mittwoch ist ein guter Tag.
Mittwoch ist ein guter Tag.

Am Montag fahren wir nach Linz.
Montag fahren wir nach Linz.

Was machst du am nächsten Dienstag?
Was machst du nächsten Dienstag?

Wir bleiben bis zum Donnerstag.
Wir bleiben bis Donnerstag.

Vom Freitag bis zum Sonntag habe ich frei.
Von Freitag bis Sonntag habe ich frei.

Ein Datum als Zeitangabe kann nur mit einem Artikel und ggf. einer Präposition stehen:

Der 9. März ist ein guter Tag.

Am 7. März fahren wir nach Linz.

Was machst du am 15. März?

Wir bleiben bis zum 10 März.

Vom 11. bis (zum) 13. März habe ich frei.

Das heißt, dass es für den ersten Beispielsatz zwei Möglichkeiten gibt:

Vom Montag bis zum Dienstag
Von Montag bis Dienstag

Für den zweiten Satz gibt es nur die Möglichkeit mit vom:

Vom 9. März bis zum 13. März

Die Antwort auf die Frage, warum genau das so ist, muss ich Ihnen schuldig bleiben. So wird im Deutschen üblicherweise formuliert.

Außerdem sollte man sich wieder einmal davor hüten, das Gesagte als eiserne Regel zu verstehen. Manchmal kann nämlich auch das Datum ohne Artikel stehen. Dies ist in Datumsangaben in Briefen u. Ä. oder nach bis in Angaben mit vom – bis möglich:

München, den 11. März (den elften März)
München, 11. März (elfter März)

vom 9. bis zum 13. März
vom 9. bis 13. März

Freitag oder der Freitag ist für mich wie für viele der letzte Arbeitstag der Woche. Das gilt auch am 11. März 2022.

Schönes Wochenende!

Dr. Bopp

Hervorzuheben ist hier die Zusammenschreibung von „hervorzuheben“

Heute gleich noch einmal eine Frage zur Getrennt- oder Zusammenschreibung:

Frage

Ich habe eine Frage zur Zusammen- oder Getrenntschreibung eines zusammengesetzten Verbs im Vorfeld in Infinitivform. Wie muss es heißen?

  1. Hervorzuheben ist, dass alle Teilnehmenden mit der Aufführung zufrieden waren.
  2. Hervor zu heben ist, dass alle Teilnehmenden mit der Aufführung zufrieden waren.

Antwort

Guten Tag Herr S.,

bei trennbaren Verben wird der mit zu erweiterte Infinitiv in einem Wort geschrieben:

hervorheben – hervorzuheben
ausdenken – auszudenken
mitnehmen – mitzunehmen
einbeziehen – einzubeziehen
auseinandergehen – auseinanderzugehen

Das gilt auch dann, wenn der mit zu erweiterte Infinitiv eines trennbaren Verbes in das Vorfeld (vor das gebeugte Verb) verschoben wird, also auch beim Satz in Ihrer Frage:

Es ist hervorzuheben, dass …
Hervorzuheben ist, dass alle Teilnehmenden mit der Aufführung zufrieden waren.

Es ist besonders hervorzuheben, dass …
Besonders hervorzuheben ist, dass …

Ebenso zum Beispiel:

Mitzunehmen sind die folgenden Dokumente: …
Unbedingt mitzunehmen sind die folgenden Dokumente: …

Nicht auszudenken ist, was geschehen würde …

Einzubeziehen sind auch die Zahlungen vom Vorjahr.
In die Überprüfung einzubeziehen sind auch die Zahlungen vom Vorjahr.

Auseinanderzugehen kommt nicht in Frage.
Im Streit auseinanderzugehen kommt nicht in Frage.

Formulierungen dieser Art sind nicht immer allzu schön, aber zusammenzuschreiben sind die Infinitive auch in dieser Stellung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn man kleiner wohnen will: der Traum vom kleiner Wohnen oder vom Kleinerwohnen?

Frage

Ich habe eine Frage zur korrekten Schreibung von substantivierten Verben mit adjektivischem Begleiter. Kürzlich wurde im TV eine Reportage gesendet mit dem Titel »Der Traum vom kleiner Wohnen«. Der Ausdruck »kleiner Wohnen« kommt mir hinsichtlich der Schreibung und auch stilistisch irgendwie seltsam vor, wobei ich nicht sicher bin, ob ich hier möglicherweise ein Problem sehe, wo gar keines ist.

Da es sich um eine Substantivierung des Verbs handelt, wird »Wohnen« folgerichtig großgeschrieben, das ist klar. Wenn es nun hieße »Der Traum vom kleineren Wohnen« hätte ich auch kein Problem, aber das »kleiner« scheint mir bei der Substantivierung des Verbs enger an letzteres gebunden zu sein. Müsste es deshalb nicht vielleicht »Traum vom Kleinerwohnen« oder »Traum vom Kleiner-Wohnen« heißen? […]

Noch ein paar Beispiele, die dem »kleiner Wohnen« ähneln, bei denen ich mir ebenfalls unsicher bin:

das gesünder Essen
das nachhaltiger Einkaufen
das umweltbewusster Reisen
das schonend Kochen
das fettarm Backen
das hübsch Verzieren

Völlig unproblematisch sind diese Wendungen, wenn das Adjektiv anders dekliniert wird:

das gesündere Essen
das nachhaltigere Einkaufen
das umweltbewusstere Reisen
das schonende Kochen
das fettarme Backen
das hübsche Verzieren

Drücken diese Wendungen aber wirklich dasselbe aus wie die obenstehenden? […]

Antwort

Guten Tag Herr K.,

Ihre Analyse ist korrekt. Hier ist die ganze Infinitivgruppe kleiner wohnen substantiviert. Dann gilt, dass aus zwei Wörtern bestehende (o. übersichtliche) Infinitivgruppen groß- und zusammengeschrieben werden:

das Kleinerwohnen
also: Der Traum vom Kleinerwohnen

das Gesünderessen
das Nachhaltigereinkaufen
das Schonenderkochen
das Umweltbewussterreisen
das Schonendkochen
das Fettarmbacken
das Hübschverzieren

Getrennt geschrieben wird, wenn das Adjektiv gebeugt ist:

das kleinere Wohnen
das gesündere Essen
das nachhaltigere Einkaufen
das schonendere Kochen
das umweltbewusstere Reisen
das schonendere Kochen
das fettarme Backen

Häufig gibt es keinen wesentlichen Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Formulierungen. Dann ist stilistisch eindeutig die Variante mit einfachem Infinitiv und gebeugtem Adjektiv vorzuziehen. Substantivierte Infinitivgruppen verdienen selten den Schönheitspreis und sehen manchmal, wie die Beispiele oben von das Kleinerwohnen bis das Hübschverzieren, eher seltsam und gewöhnungsbedürftig aus.

In gewissen Fällen kann die Bedeutung unterschiedlich sein, wenn wie zum Beispiel bei das gesündere Essen der substantivierte Infinitiv eine andere Bedeutung hat oder haben kann als die reine Verbbedeutung (das Essen als Verbhandlung und das Essen als Mahlzeit oder Speise). Manchmal ist die getrennte Formulierung nicht möglich, wenn wie zum Beispiel bei hübsch verzieren das Adjektiv sich nicht auf das Verb, sondern auf ein Objekt bezieht (hübsch ist nicht das Verzieren, sondern das, was verziert wird). Und manchmal bin ich unsicher, ob eine Formulierung möglich ist: das kleinere Wohnen?? Eher nicht.

Ein ähnliches Thema behandelt dieser ältere Blogartikel.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Ursprung des Wortes »Krieg«

Im etymologischen Wörterbuch von W. Pfeifer1 steht:

Krieg m. ‘bewaffnete Auseinandersetzung’, ahd. krieg ‘Beharrlichkeit, Hartnäckigkeit, Rechthaberei’ (10. Jh.), mhd. kriec, krieg ‘Anstrengung, Bemühen, Streben nach oder gegen etw., Widerstreben, Widerstand, Zwietracht’, auch ‘Streit mit Waffen, Kampf, bewaffnete Auseinandersetzung’ […]

Das Wort Krieg gab schon im Althochdeutschen. Es bedeutete Beharrlichkeit, Hartnäckigkeit, Rechthaberei. Seine Bedeutung hat sich zu dem verändert und verengt, was wir heute unter dem Wort verstehen. Woher es ursprünglich stammt, ist ungeklärt. Zu welchem Elend das, was es bedeutet, unweigerlich führt, ist bekannt.

Ob es überhaupt einen „gerechtfertigten“ Krieg geben kann, weiß ich nicht. Der nun in Europa angestiftete Krieg ist es bestimmt nicht. Rechtfertigungen werden mit Wörtern ausgedrückt; Lügen auch.

1„Krieg“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Krieg>, abgerufen am 1. März 2022

Nominativ oder Kasusangleichung: ein Tipp von Thomas, engagierter/engagiertem Leiter des Verkehrsvereins?

Frage

Wie muss bei den folgenden Sätzen jeweils die Kongruenz lauten?

  • Wir folgen einem Tipp von Thomas, engagierter Leiter des örtlichen Verkehrsvereins.
  • Verwechseln Sie dieses exklusive Raumparfüm nicht mit „Tropical Lemon“, billiges Raumspray aus dem Supermarkt.
  • Wir freuen uns auf den Besuch des Freizeitparks, eine Attraktion nicht nur für Kinder.

Antwort

Guten Tag Herr B.,

es geht hier um sogenannte lockere Appositionen. Das sind Substantive, die als nähere Bestimmungen eines anderen Substantivs diesem nachgestellt sind. Als Grundregel gilt, dass die Apposition und das Substantiv, das sie näher bestimmt, im Fall übereinstimmen (Kasuskongruenz). Ganz so einfach ist es natürlich wieder einmal nicht, denn die Übereinstimmung ist bei Weitem nicht immer die Regel. Man kann hier grob zwei verschiedene Fälle unterscheiden:

a) Appositionen mit Artikel stehen in der Regel im gleichen Fall wie das Wort, das sie näher bestimmen (Kasuskongruenz):

  • Wir folgen einem Tipp von Thomas, dem örtlichen Leiter des regionalen Fremdenverkehrsbüros.
  • Verwechseln Sie dieses exklusive Raumparfüm nicht mit „Tropical Lemon“, einem billigen Raumspray aus dem Supermarkt.
  • Wir freuen uns auf den Besuch des Freizeitparks, einer Attraktion nicht nur für Kinder.*

b) Appositionen ohne Artikel stehen meistens im Nominativ. Wenn sie ein gebeugtes Adjektiv bei sich haben, stehen sie seltener auch im gleichen Fall wie das Wort, das sie näher bestimmen:

  • Wir folgen einem Tipp von Thomas, örtlicher Leiter des regionalen Fremdenverkehrsbüros.
  • Verwechseln Sie dieses exklusive Raumparfüm nicht mit „Tropical Lemon“, billiges Raumspray aus dem Supermarkt.
  • Wir freuen uns auf den Besuch des Freizeitparks, Attraktion nicht nur für Kinder.

Seltener auch:

  • Wir folgen einem Tipp von Thomas, örtlichem Leiter des regionalen Verkehrsbüros.
  • Verwechseln Sie dieses exklusive Raumparfüm nicht mit „Tropical Lemon“, billigem Raumspray aus dem Supermarkt.

Mehr zu den lockeren Appositionen und der Übereinstimmung im Fall finden Sie  auf dieser Seite in der LEO-Grammatik.

Ich finde übrigens bei allen drei Sätzen die Variante a) stilistisch besser und allgemein etwas leichter verständlich. Das ist allerdings auch eine Geschmacksfrage.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Ebenfalls möglich:  „Wir freuen uns auf den Besuch des Freizeitparks, eine Attraktion nicht nur für Kinder.“ Das Bezugswort ist dann aber nicht des Freizeitparks, sondern den Besuch (des Freizeitparks), das heißt, die Attraktion ist nicht der Freizeitpark, sondern der Besuch des Freizeitparks.

Wird die Produktion auf elektrisch oder auf Elektrisch umgestellt?

Frage

Wird das Wort „elektrisch/Elektrisch“ in diesem Satz groß- oder kleingeschrieben: „Das Unternehmen stellt seine Produktion auf elektrisch/Elektrisch um“?

Könnte man argumentieren, dass „elektrisch“ eine substantivierte Verwendung des Adjektivs ist? Ähnliche Beispiele wären:

Die Ampel schaltet auf Rot
Wir bestellen das Produkt in Klein

Beim ersten Beispiel kann man natürlich die Rechtschreibregeln für Sprach- und Farbadjektive anführen, aber zumindest das zweite Beispiel zeigt die Parallele zum fraglichen Satz.

Antwort

Guten Tag Herr F.,

meine Empfehlung ist hier die Kleinschreibung:

Das Unternehmen stellt seine Produktion auf elektrisch um.

Dies ist allerdings auch für mich ein Zweifelsfall. Es geht um eine Verbindung aus einer Präposition und einem ungebeugten Adjektiv. Hier ist die Rechtschreibregelung in Bezug auf die Groß- und Kleinschreibung zum Teil undeutlich.

1. Nach § 58(3.1) werden „bestimmte feste Verbindungen aus Präposition und nichtdekliniertem Adjektiv ohne vorangehenden Artikel“ kleingeschrieben. Es geht dabei um Fälle wie:

Ich hörte von fern ein dumpfes Grollen.
Die Ware wird nur gegen bar ausgeliefert.
Damit habe ich mich von klein auf beschäftigt.

2. Nach der Ausnahmeregel § 58(E2) werden „Substantivierungen, die auch ohne Präposition üblich sind“, auch dann großgeschrieben, wenn sie mit einer Präposition verbunden werden. Es geht hier u. a. um Fälle wie:

Die Ampel schaltete auf Rot.
Wir liefern das Gerät in Grau.
Mit Englisch kommst du überall durch.

Die Rechtschreibregelung ist hier insofern undeutlich, als sie nicht explizit angibt, wie man Verbindungen aus einer Präposition und einem ungebeugten Adjektiv schreibt, die keine festen Verbindungen sind (vgl. 1) und bei denen die ungebeugte Adjektivform nicht als Substantivierung üblich ist (vgl. 2).

Die Formulierungen in klein bestellen und auf elektrisch umschalten sind keine festen Verbindungen. Sie gehören somit nicht zu den nach §58(3.1) kleinzuschreibenden Verbindungen. Die ungebeugten Formen klein und elektrisch sind  auch keine ohne Präposition üblichen Substantivierungen (vgl. §58[E2]). Es gibt zwar ein leuchtendes Rot, aber nicht ein *durchschnittliches Klein oder *nachhaltiges Elektrisch.

Ich halte in solchen Fällen die Kleinschreibung für angebrachter, da die Verbindungen zwar nicht fest sind, sie aber nicht der Ausnahme-Regelung entsprechen. Dies ist meine Interpretation. Andere kommt hier zum Teil[!] zu einem anderen Schluss: Gemäß Duden, „Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle“, Stichwort in, schreibt man ungebeugte Adjektive nach in groß (→ ein Produkt in Klein bestellen; dies wahrscheinlich in Analogie mit in Rot bestellen). Nach dem Rechtschreibwörterbuch desselben Verlages schreibt man aber zum Beispiel: die Flamme auf klein drehen.

Nach all diesen Überlegungen kann ich nur noch erschöpft wiederholen, dass ich hier für die Kleinschreibung bin:

Das Unternehmen stellt seine Produktion auf elektrisch um.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zusammensetzungen mit mehrteiligen Titeln

Frage

Guten Tag,

ich möchte Folgendes schreiben:  „Der Gut zu wissen Bereich in unserem System ist sehr beliebt.“ Ich bin mir nicht sicher, welche Variante richtig ist.

„Gut zu wissen“ Bereich
„Gut zu wissen Bereich“
„Gut zu wissen“-Bereich

Der Bereich heißt explizit „Gut zu wissen“.

Antwort

Guten Tag Herr M.,

bei Ausdrücken dieser Art gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wenn man sie als Zusammensetzung formuliert, kommt man nicht ohne den Bindestrich aus. Zusammensetzungen werden im Deutschen im Prinzip zusammengeschrieben. Enthalten sie einem Begriff, der aus mehr als einem Wort besteht, setzt man Bindestriche zwischen die einzelnen Teile der Zusammensetzung:

Erste-Klasse-Abteil
Mund-zu-Mund-Beatmung
Tour-de-France-Teilnahme
Friedrich-Schiller-Denkmal

Nach der Rechtschreibregelung schreiben Sie deshalb:

Der Gut-zu-wissen-Bereich in unserem System ist sehr beliebt.

Es ist dann aber weniger deutlich, dass es sich um den Namen oder Titel eines Bereiches handelt. Bei Zusammensetzungen mit mehrteiligen Titeln u. Ä. wird deshalb häufig eine Schreibung mit Anführungszeichen verwendet. Innerhalb der Anführungszeichen stehen keine Bindestriche:

das „50 Jahre Marta und Johann“-Jubiläum
die „Bauer sucht Frau“-Moderatorin

Der „Gut zu wissen“-Bereich in unserem System ist sehr beliebt.

Diese Schreibweise kommt häufiger vor, sie ist aber nicht in der amtlichen Rechtschreibregelung vorgesehen. Sie könnten deshalb auch die folgende Lösungen erwägen. Sie ist übersichtlich und entspricht der Rechtschreibregelung:

Der Bereich „Gut zu wissen“ in unserem System ist sehr beliebt.

Der „Fragen Sie Dr. Bopp“-Autor oder eben der Autor von „Fragen Sie Dr. Bopp“ würde, wo es möglich ist, die letzte Formulierung empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ist „nichts weniger als einladend“ sehr oder gar nicht einladend?

Frage

Kann es sein, dass ein und derselbe Ausdruck zwei entgegengesetzte Bedeutungen hat? Ich meine nichts Geringeres als »nichts weniger als«. Angeblich kann diese Formulierung sowohl »nichts Geringeres als« als auch »alles andere als« zum Ausdruck bringen. Erstere Bedeutung war mir bekannt, letztere ist mir aber erst neulich begegnet, als ich in einem Roman aus dem 19. Jahrhundert las, wie ein angebranntes Essen als »nichts weniger als einladend« empfunden wurde. Das hat mich verwirrt, denn das Essen war ganz bestimmt nicht einladend. […]

Antwort

Guten Tag Herr M.,

ein interessantes Phänomen! Es geht um eine Wendung, die auf zwei verschiedene Arten verstärkend sein kann. Sie kann eine verstärkende Verneinung sein und bedeutet dann alles andere als:

Mit dem Misserfolg bin ich nichts weniger als glücklich
= alles andere als glücklich

Sie kann aber auch als Ganzes eine Verstärkung sein und bedeutet dann nichts Geringeres als:

Mit dem tollen Erfolg bin ich nichts weniger als glücklich
= sehr glücklich

Dieselbe Formulierung kann zwei gegenteilige Bedeutungen haben. Das ist erstaunlich, und trotzdem fällt es mir im Alltag kaum je auf. Das liegt daran, dass Formulierungen dieser Art – anders als die Beispiele oben – kaum je nebeneinanderstehen und sich meist aus dem Kontext ergibt, was gemeint ist: Wenn das angebrannte Essen nichts weniger als einladend war, kann es eigentlich nur alles andere als einladend gewesen sein, denn angebranntes Essen schmeckt in der Regel niemandem. Wenn das, was ein Unternehmen braucht, nichts weniger als eine umfassende digitale Marketing-Plattform ist, kann eigentlich nur gemeint sein, dass es dringend eine umfassend digitale Marketing-Plattform braucht – vor allem wenn der Text von einer Firma stammt, die solches entwickelt und verkauft.

Beide Verwendungen sind gebräuchlich und beide sind im allgemeinen Sprachgebrauch als richtig anzusehen – auch wenn manche strengeren Zeitgenossen und Zeitgenossinnen mit der „Sprachlogik“ im Anschlag meinen, nichts weniger als mit der Bedeutung nichts Geringeres als sei falsch. Wenn sich allerdings nicht aus dem Kontext ergibt, was gemeint ist, kann man nichts weniger als besser nicht verwenden:

Der Film ist nichts weniger als langweilig
= alles andere als langweilig / sehr langweilig?

Ich habe heute Abend Filmabend und hoffe deshalb, dass die Bedeutung alles andere als zutreffen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Warum man „heraus“ und nicht „herraus“ schreibt

Frage

Kinder einer vierten Klasse stolpern über die Schreibweise des Wortes „heraus“. Sie argumentieren, es müsse mit zwei r geschrieben werden, da „her“ eine Vorsilbe sei und dann das Wort „raus“ folge: „herraus“. Wie ist zu erklären, dass der zweite Wortteil die Präposition „aus“ meint?

Antwort

Guten Tag Frau B.,

Kinder können Fragen stellen, die sowohl intelligent also auch gar nicht so einfach zu beantworten sind. Sie könnten vielleicht mit dem Argument anfangen, dass die Form „raus“ eine umgangssprachliche Verkürzung von „heraus“ ist. Diese Verkürzung kommt nur bei Präpositionen vor, die mit einem Vokal beginnen:

ran = heran
rauf = herauf
raus = heraus
rein = herein
rüber = herüber
rum = herum
runter = herunter

Bei anderen Präpositionen, die mit her kombiniert werden, gibt es diese Verkürzung nicht:

herab
herbei
hervor

Wenn man her mit der verkürzten Form raus verbinden würde, wäre das sozusagen doppelt gemoppelt. Die Form raus bedeutet schon heraus und ist aus heraus entstanden. Man kann also nicht noch einmal her vor raus stellen, denn das entspräche herheraus.

Weiter zeigen Formen wie herab, herbei und hervor dass her bei der Bildung solcher Formen mit einer Präposition verbunden wird:

herab = her+ab
herbei = her+bei
hervor = her+vor

Ebenso:

heraus = her+aus
herauf = her+auf
herein = her+ein
usw.

Auch ein Vergleich mit den entsprechenden Formen mit hin könnte zeigen, dass nicht mit raus, sondern mit aus kombiniert wird:

hinaus = hin+aus
hinauf = hin+auf
hinein = hin+ein
usw.

Ob man Kinder einer vierten Klasse mit solchen Argumenten überzeugen kann, weiß ich allerdings nicht. Das muss ich der Fachkompetenz ihrer Lehrkraft überlassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mittel- und Schwarzes Meer: Wie eng lassen sich Mittelmeer und Schwarzes Meer zusammenziehen?

Frage

Unlängst bin ich im Zuge einer Diskussion um den Ergänzungsstrich auf ein Problem gestoßen, bei dem ich im „Lehrbuch“ keine Lösung finde. Es geht dabei um Formulierungen wie „die Maul- und Klauenseuche“. Nun ist die Frage aufgetaucht, ob man „das Mittelmeer und das Schwarze Meer“ der Vereinfachung halber mit „das Mittel- und Schwarze Meer“ abkürzen darf. Intuitiv sträuben sich bei mir die Nackenhaare bei solchen Eigennamen. Ich würde beides ausschreiben.

Antwort

Guten Tag Herr H.,

oft ist nicht genau geregelt, was man abkürzen bzw. zusammenziehen darf und was nicht. Wie in diesem Fall ist es häufig eine Frage des Geschmacks und des Stils. Ich persönlich würde hier nicht abkürzen:

das Mittelmeer und das Schwarze Meer
das Schwarze Meer und das Mittelmeer

Für akzeptabel halte ich allerdings auch diese Verkürzung:

das Mittel- und das Schwarze Meer
das Schwarze und das Mittelmeer

Nicht empfehlen würde ich eine Verkürzung, in der der zweite Artikel weggelassen wird. Der Artikel wird in einer Aufzählung in der Regel dann weggelassen, wenn die aufgezählten Begriffe zu einer Einheit zusammengefasst werden. Da die beiden Meere normalerweise als zwei selbständige Einheiten angesehen werden, ist es besser, den Artikel nicht wegzulassen:

besser nicht: das Mittelmeer und Schwarze Meer
besser nicht: das Mittel- und Schwarze Meer

Im Allgemeinen werden aufgezählte Eigennamen mit identischen Namensteilen vor allem dann verkürzt, wenn die Zusammensetzung sehr durchsichtig ist und an erster Stelle ein allgemeiner Begriff wie Nord-, Hinter-, Ober- usw. steht:

in Nord- und Westdeutschland
der Vorder- und der Hinterrhein
Ober- und Niederösterreich

Unüblich ist die Zusammenziehung dann, wenn die Einzelteile nicht oder weniger durchsichtig sind und ein allgemeiner Begriff wie -burg, -dorf, -heim usw. an zweiter Stelle steht. Zusammenziehungen wie die folgenden sind nicht üblich:

*Mann- und Weinheim
*von Straß- nach Freiburg
*zwischen Frank- und Erfurt

Das sind, wie eingangs angedeutet, keine eindeutigen und festen Regeln, die immer eingehalten werden. Die Verbindung das Mittel- und das Schwarze Meer liegt irgendwo zwischen den beiden oben genannten „Extremen“ und ist entsprechend ein stilistischer Zweifelsfall: Einige finden die Zusammenziehung problemlos, anderen gefällt sie nicht.

Weiter sei noch gesagt, dass kaum etwas wirklich ausgeschlossen ist, wie ein letzte Beispiel zeigt. Obwohl man üblicherweise von den Schweizer Kantonen Aargau und Thurgau spricht, ist die Zusammenziehung nicht völlig unmöglich:

Doch mehr als seine Reiter hilft ihm zu selber Stell
Die Kraft von Aar- und Thurgau und flinkes Volk aus Appenzell1

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1 Abraham Emanuel Fröhlich, Ulrich Zwingli: 21 Gesänge, 1840, 3. Gesang