Fährst du als nächstes oder als Nächstes dieses Auto?

Des Öfteren bestimmt der weitere Satzzusammenhang oder das, was genau ausgesagt werden soll, ob groß- oder kleingeschrieben werden muss. Das kann dann geschehen, wenn eine Wortkombination unterschiedliche Deutungen zulässt. Dabei kann man schon einmal recht unsicher werden. Oft hilft dann der Ersatz durch ein anderes Wort. So auch bei dieser an und für sich gar nicht so komplizierten „Angelegenheit“:

Frage

Ich habe eine Frage zu Groß- und Kleinschreibung: „Das ist das Auto, das du als nächstes fahren wirst.“ Ist die Kleinschreibung von „nächstes“ hier korrekt, weil im Sinne von „als nächstes Auto“?

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

in diesem Fall ist, je nachdem was im konkreten Satzzusammenhang genau gemeint ist, sowohl die Kleinschreibung als auch die Großschreibung möglich.

Das ist das Auto, das du als nächstes fahren wirst.
Als nächstes wirst du dieses Auto fahren.

Hier ist mit als nächstes gemeint: als nächstes Auto. Deshalb wird nächstes kleingeschrieben – wie immer wenn ein Adjektiv zwar allein steht, sich aber auf ein vorhergehendes oder nachfolgendes Substantiv bezieht (Regel).

Das ist das Auto, das du als Nächstes fahren wirst.
Als Nächstes wirst du dieses Auto fahren.

Hier ist mit als Nächstes gemeint: im Folgenden, als nächste Handlung. Hier wird Nächstes allein stehend wie ein Substantiv verwendet und entsprechend großgeschrieben ­– ebenso wie zum Beispiel als Erstes, als Letztes (vgl. hier).

Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man das sächliche Wort Auto durch das männliche Substantiv Wagen ersetzt:

Das ist der Wagen, den du als nächsten fahren wirst.
Als nächsten wirst du diesen Wagen fahren.

Das ist der Wagen, den du als Nächstes fahren wirst.
Als Nächstes wirst du diesen Wagen fahren.

Die Zweideutigkeit von als nächstes/Nächstes bedingt also, das dass man für die Entscheidung zwischen Groß- und Kleinschreibung darüber nachdenken muss, was genau ausgesagt werden soll. Und nachdenken müssen wir tatsächlich selbst, denn hier scheitern selbst die besten Korrekturprogramme insoweit, als sie uns diese Entscheidung nicht abnehmen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Barbecue, Grillparty, Röstfest

Der Sommer ist in unseren Breitengraden ja inzwischen endlich ausgebrochen. Neben den ersten über Hitze Klagenden, vollen Stränden und Schwimmbädern sowie einigen zu stark geröteten Körperteilen ist eine der Auswirkungen, dass die Umsätze bei Holzkohle und Grillwürsten rasant gestiegen sein müssen. Das hat mich auf die Frage gebracht, wie es denn „wortherkünftlich“ um Grill und Barbecue steht, zwei Wörter also, die zu dieser Jahreszeit Hochsaison haben.

Barbecue kommt natürlich aus dem Amerikanischen. Von dort ist es jedenfalls zu uns gelangt, denn wirklich Englisch sieht das Wort ja auf den zweiten Blick nicht aus. Es kommt dann auch vom spanischen Wort barbacoa, das über El Salvador und Mexiko in die Vereinigte Staaten gelangt war. Die eigentliche Ursprungssprache ist eine dahingemordete karibische Sprache der Großen Antillen, in der das Wort einen Rost bezeichnete, auf dem Fleisch getrocknet oder geräuchert werden konnte, der aber unter anderem auch als Bett gedient haben soll.

Echte Barbecue-Fans werden Ihnen genau erklären können, dass es einen signifikanten Unterschied zwischen der Barbecue- und der Grilltechnik gibt, aber im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe fröhlich nebeneinander verwendet. Barbecue und vor allem seine Variante BBQ gehören dabei aber eher zur Sprache der Lifestyle-Magazine, der Gartencenter-Prospekte und der sommerlichen Sonderangebote in der Fleischabteilung.

Echten Anglizismenjägern ist Barbecue dann auch ein Dorn im Auge. Sie möchten es überall durch Grill oder Bratrost bzw. durch Grillen ersetzt haben. Auch in meinem aktiven Wortschatz kommt Barbecue zwar nicht vor, aber ganz so deutsch sind Grill und Grillen nun auch wieder nicht. Grill kommt nämlich ebenfalls aus dem Englischen. Für die weitere Wortgeschichte können wir dann aber diesseits des Atlantiks bleiben. Die Engländer haben das Wort von den Franzosen (gril o. grille) übernommen. Das französische Wort geht über einige Lautveränderungen auf das lateinische craticulum oder craticula (Diminutiv zu cratis = Flechtwerk) zurück, das Geflecht, kleiner Rost bedeutete. Süddeutsche und Schweizer mögen hier auch eine eventuelle Verwandtschaft mit dem Wort Kratten (eine Art Korb) erkennen.

Ob wir nun grillen oder zum Barbecue einladen, beides kommt ursprünglich aus dem Englischen. Grill und grillen haben sich aber (vorläufig noch?) besser im deutschen Wortschatz etabliert. Wer Englisches ganz vermeiden will, muss anstelle von Barbecue, Grillparty oder Grillfest auf ein Wort wie zum Beispiel Röstfest zurückgreifen. So weit gehen aber auch die eifrigsten Anglizismenwehrer nicht.

Zum Schluss noch etwas „Regionales“: Neben grillen gibt es in der Schweiz auch die Form grillieren: Ein gegrilltes Hähnchen ist ein grilliertes Poulet. Doch während Deutschschweizer und Deutschschweizerinnen niemals ihr Auto parken, sondern immer nur parkieren, wundert sich auch in der Schweiz kaum jemand, wenn das Poulet einmal gegrillt und nicht grilliert ist.

Viele schöne Grillabende wünsche ich allen, die Gegrilltes mögen!

Nur weil es nicht ganz stimmt, heißt das nicht unbedingt, dass es falsch ist.

Frage

Wir haben hier eine Diskussion über einen Satz, von dem ich vermute, dass er grammatikalisch falsch ist. Der Satz lautet:

(1) Nur weil jemand dich nicht versteht, heißt das nicht, dass du es nicht gesagt hast!

Ich denke, dass der erste Satz falsch ist und dass diese Alternative funktionieren würde:

(2) Dass jemand dich nicht versteht, heißt nicht, dass du es nicht gesagt hast!

Können Sie mir bitte sagen ob der Satz (1) grammatikalisch richtig ist.

Antwort

Sehr geehrte Frau T.,

Sie haben recht: Satz (1) klingt bei genauerem Hinhören tatsächlich etwas sonderbar. Die alternative Formulierung, die Sie vorschlagen ist hingegen problemlos:

Dass jemand dich nicht versteht, heißt nicht, dass du es nicht gesagt hast!

Der erste dass-Satz ist hier ein Subjektsatz, das heißt ein Nebensatz, der im Gesamtsatz die Rolle des Subjekts hat. Vgl.

Dass jemand dich nicht versteht, ist nicht erstaunlich.
Dass jemand dich nicht versteht, wird es immer geben.

Ein Begründungssatz mit weil kann diese Funktion nicht haben.

Nicht: *Nur weil jemand dich nicht versteht, ist nicht erstaunlich
Nicht: *Nur weil jemand dich nicht versteht, wird es immer geben.

Diesen Sätzen fehlt ein Subjekt. Dieses Subjekt wird oft mit es oder das eingefügt:

Nur weil jemand dich nicht versteht, heißt es/das nicht, dass du es nicht gesagt hast!

Das ist eine häufig vorkommende Ausdrucksweise.

Nur weil ich es nicht sage, heißt es nicht, dass ich es nicht weiß.
Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.
Nur weil die Welt untergeht, heißt das noch lange nicht, dass es auch die Schweiz betrifft.

Sind Sätze dieser Art nun durch die Einführung eines unpersönlichen das/es-Subjekts „gerettet“? Wenn man die Ausdrucksweise genauer analysiert, ist sie auch mit das oder es nicht ganz richtig. Mit weil wird eine Begründung für das im Hauptsatz Gesagte eingeleitet. Das ist hier aber nicht der Fall. Mit nur weil wird nicht die Begründung dafür eingeleitet, weshalb es nicht heißt, dass … Mit nur weil wird vielmehr der Umstand angegeben, der nicht falsch interpretiert werden darf. Der Satz

Nur weil ich es nicht sage, heißt das nicht, dass ich es nicht weiß.

bedeutet:

Die Tatsache allein, dass ich es nicht sage, bedeutet nicht, dass ich es nicht weiß.

Die Verwendung von nur weil lässt sich durch eine andere Umschreibung erklären:

Nur weil ich es nicht sage, darfst du nicht denken, dass ich es nicht weiß.

Es handelt sich also um eine Zusammenziehung verschiedener Ausdrucksweisen, die zu einer Art festen Redewendung geworden ist:

nur weil …., heißt das/es [noch lange] nicht, dass …
nur weil …., bedeutet das/es [noch lange] nicht, dass …

So häufig diese Ausdrucksweise auch vorkommt und so prägnant sie oft auch klingt, sie sollte stilistisch gesehen mit Vorsicht verwendet werden, weil ihre Konstruktion grammatisch doch eher etwas zweifelhaft ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wird oder werden mehr als eine Frage gestellt?

Frage

Wird das Verb im unten angegebenen Beispiel im Plural oder Singular benutzt?

„Mehr als eine Frage werden/wird gestellt?“

Antwort

Guten Tag A.,

im Prinzip ist es ganz einfach: Die gebeugte Verbform richtet sich nach dem Subjekt des Satzes. Ihre Frage zeigt aber, dass es doch nicht immer ganz so einfach ist.

Das Subjekt ist mehr als eine Frage. Die Person ist eindeutig: Es handelt sich um eine dritte Person. Beim Numerus wird es dann aber schwieriger: Ist mehr als eine Frage Einzahl oder Mehrzahl? Rein nach der Bedeutung ist es eine Mehrzahl. Schließlich ist eine Frage eine Einzahl, also muss mehr als eine Frage eine Mehrzahl sein. Trotzdem heißt es normalerweise:

Mehr als eine Frage wird gestellt.
Mehr als ein Gast hat sich beklagt.
In diesem Bericht wurde mehr als eine Datenquelle benutzt.

Es ist nicht üblich, hier das Verb im Plural zu verwenden. Das liegt daran, dass die Gegenwart der Einzahlform eine Frage so stark ist, dass sich das Verb nach dieser singularischen Form und nicht nach dem pluralischen Sinn richtet. Wenn wir nämlich eine Frage durch zwei Fragen ersetzen, muss das Verb auch im Plural stehen:

Mehr als zwei Fragen werden gestellt.
Mehr als zehn Gäste haben sich beklagt.
Im Bericht wurden mehr als hundert Datenquellen benutzt.

Das Verb richtet sich also bei Subjekten der Form mehr als nach der Substantivgruppe, die nach als steht. Dass Wendungen mit mehr als ein(e) eine pluralische Bedeutung haben, hat dabei keinen Einfluss auf die Verbform. Sie steht in der Einzahl. Das Substantiv ist also der Kern der Subjektgruppe – und mehr als ist „nur“ eine adverbialen Wendung, die das Zahlwort genauer bestimmt.

Ähnlich sind Formulierungen mit manche(r) und manch ein(e) im Singular:

Mancher Gast hat sich beklagt.
Manch eine Frage konnte nicht beantwortet werden.
Mancher Mensch lernt es nie.

Auch hier sind eindeutig mehrere Gäste, Fragen resp. Menschen gemeint. Trotzdem formulieren wir alles in der Einzahl. Das liegt daran, dass wir mit manch im Singular das Folgende ausdrücken (ich zitiere aus dem Duden, so schön kann ich selbst nicht formulieren):

einzelne Person od. Sache, die sich mit andern ihrer Art zu einer unbestimmten, aber ins Gewicht fallenden Anzahl summiert

Hier ist gewissermaßen der Nachdruck auf das Individuum / die individuelle Sache so stark, dass alles trotz pluralischer Gesamtbedeutung im Singular steht.

Ob es nun um mehr als ein oder manche(r) geht, in beiden Fällen richten wir uns bei der Formulierung des Satzes nach etwas anderem als der reinen Gesamtbedeutung. Und jetzt kommt, wie „Eingeweihte“ bereits vermuten, eine meiner Lieblingsschlussfolgerungen: Mit reiner Logik kommt man in der Sprache oft nicht weit. Manche Frage wurde mir aus diesem Grund gestellt und mehr als ein Blogeintrag schließt mit dieser Feststellung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wohin mit »schon« und »noch«?

Heute wieder einmal etwas, woran Muttersprachige nie denken und das Deutschlernenden und –lehrenden häufig Kopfzerbrechen bereitet: eine Frage zur Wortstellung.

Frage

Ich habe eine Frage zur Stellung von „noch“. Wieso kann in einigen Sätzen „noch“ sowohl vor als auch nach dem Objekt stehen, in manchen aber nicht? Beispiel:

Ich muss die Fahrkarte noch kaufen.
Aber nicht: Ich muss eine Fahrkarte noch kaufen.
Sondern: Ich muss noch eine Fahrkarte kaufen.

Ich muss die E-Mails noch beantworten.
Aber nicht: Ich muss E-Mails noch beantworten.
Sondern: Ich muss noch E-Mails beantworten.

Während es beim bestimmten Artikel wohl geht:

Ich muss die Fahrkarte noch kaufen.
Ich muss noch die Fahrkarte kaufen.

Ist das nur Sprachgewohnheit oder gibt es dafür eine Erklärung?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

richtig sind die folgenden Formulierungen:

a) Ich muss die Fahrkarte noch kaufen.
b) Ich muss noch eine Fahrkarte kaufen.

a) Ich muss die E-Mails noch beantworten.
b) Ich muss noch E-Mails beantworten.

a) Ich habe meinen Kamillentee schon getrunken.
b) Ich habe schon einen Kamillentee getrunken.

Bei der Wortstellung im Deutschen gelten verschiedene, sich zum Teil widersprechende Tendenzen. Wichtig ist dabei oft der Mitteilungswert oder einfach gesagt, ob eine Wortgruppe ein „neues“ Satzglied ist, mit dem neue Information eingeführt wird. Solche neuen Satzglieder stehen im deutschen Satz tendenziell weit rechts hinter der „alten“ Information (vgl. alt vor neu). Zum Beispiel:

Wem schenkt die Großmutter das Fotoalbum?
1) Sie schenkt das Fotoalbum ihrem Enkel.

Was schenkt die Großmutter ihrem Enkel?
2) Sie schenkt ihrem Enkel ein Fotoalbum.

Im ersten Satz ist die neue Information ihrem Enkel. Im zweiten Satz ist die neue Information ein Fotoalbum. Deshalb steht in Satz 1) das „neue“ Dativobjekt hinter dem „alten“ Akkusativobjekt. In Satz 2) hingegen steht das „neue“ Akkusativobjekt hinter dem „alten“ Dativobjekt.

Diese Tendenz verläuft parallel zur Tendenz, dass bestimmte Objekte im Satz eher links stehen und unbestimmte Objekte eher rechts (vgl. bestimmt vor unbestimmt). Unbestimmte Objekte sind Objekte mit einem unbestimmen oder keinem Artikel. Sie stehen deshalb weiter rechts im Satz, weil sie (fast) immer „neu“ sind. Den unbestimmten Artikel resp. keinen Artikel verwenden wir in der Regel für etwas Neues, noch nicht vorher Erwähntes.

Ein Enkel hat Geburtstag.
Was schenkt sie dem Enkel?
Sie schenkt dem Enkel ein Fotoalbum.

Sie verschenkt ein Fotoalbum.
Wem schenkt sie das Fotoalbum?
Sie schenkt das Fotoalbum einem Enkel.

Neues steht also weiter hinten im Satz als Altes, und Unbestimmtes steht weiter hinten als Bestimmtes. Und nun kommen wir endlich wieder auf Ihre Beispiele zurück. Hier gelten nämlich die folgenden Tendenzen:

a) Freie Adverbialbestimmungen stehen tendenziell hinter Subjekt, Dativobjekt und/oder Akkusativobjekt.

Die Adverbien noch und schon sind freie Adverbialbestimmungen. Die Objekte die Fahrkarte, die E-Mails und meinen Kamillentee sind bestimmte Objekte. Nach der Tendenz a) stehen die Adverbien oben in den Sätzen a) hinter den Objekten:

Ich muss die Fahrkarte noch kaufen.
Ich muss die E-Mails noch beantworten.
Ich habe meinen Kamillentee schon getrunken.

Aber:

b) Freie Adverbialbestimmungen stehen vor unbestimmtem Dativobjekt und/oder unbestimmtem Akkusativobjekt.

Die Objekte eine Fahrkarte, E-Mails und einen Kamillentee sind unbestimmte Objekte. Nach der Tendenz b) stehen die Adverbien in den Sätzen b) vor den Objekten:

Ich muss noch eine Fahrkarte kaufen.
Ich muss noch E-Mails beantworten.
Ich habe schon einen Kamillentee getrunken.

Tendenz b) lässt sich nun dadurch erklären, dass unbestimmte Objekte „neue“ Information sind und deshalb, wie wir oben gesehen haben, lieber weiter rechts, d. h. weiter hinten im Satz stehen.

Weitere Beispiele:

Vermutlich haben wir die Prüfung heute.
Vermutlich haben wir heute eine Prüfung.

Sie hat den Nagel mit dem Hammer eingeschlagen.
Sie hat mit dem Hammer einen Nagel eingeschlagen.

Das ist aber noch nicht alles (und hiermit sind wie beim letzten Teil Ihrer Frage): Während die Tendenz b) für die unbestimmten Objekte sehr stark ist, kann von der Tendenz a) für die bestimmten Objekte auch abgewichen werden. Das ist häufig dann der Fall, wenn das bestimmte Objekt „neue“ Information ist.

Was musst du noch tun?
Ich muss noch die E-Mails beantworten.
Ich muss noch die Fahrkarte kaufen.

Hier gehören die bestimmten Objekte im Satz zur neuen Information und können entsprechend hinter der Adverbialbestimmung stehen.

Mehr zu dieser Frage (und natürlich zu den unvermeidlichen Ausnahmen) finden Sie hier. Und wenn Ihnen nun immer noch nicht alles ganz klar ist oder wenn Sie denken, dass Sie es nie lernen werden: Keine Sorge, es ist alles nur eine Sache der Übung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ein anderes Mal und ein andermal

In letzter Zeit liegen Ihnen die Rechtschreibfragen am Herzen – oder auf dem Magen. 

Frage

Es gibt einige Web-Sites die eine Prüfung von Groß- und Kleinschreibung anbieten. Auf allen, die ich befragt habe, kam für beide Versionen immer die Antwort „ohne Fehler“.

Vielleicht klappt es ein anderes mal.
Vielleicht klappt es ein anderes Mal.

Können Sie mich aufklären, welche Version die Richtige ist?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

richtig ist hier die Großschreibung:

Vielleicht klappt es ein anderes Mal.

Man schreibt getrennt und groß, wenn vor Mal ein gebeugtes Artikelwort oder Adjektiv steht. Zum Beispiel:

dieses Mal
jedes Mal
ein/kein einziges Mal
beim nächsten Mal
das beste Mal
ein für alle Mal(e) (aber: allemal = ugs. für in jedem Fall)
beide Mal(e)

und eben:

ein anderes Mal

Man schreibt zusammen und klein, wenn eine Grundzahl oder eine ungebeugte Form mit mal kombiniert wird. Zum Beispiel:

diesmal
einmal, zweimal, …
keinmal

und

ein andermal

Noch ein paar Beispiele:

manches Mal – manchmal
viele Mal(e) – vielmal
wie viele Mal(e) – wievielmal
so viele Mal(e) – sovielmal
unendliche Mal(e) – unendlichmal

Natürlich gibt es noch ein paar andere Fälle und Varianten wie zum Beispiel wirklich nur ein Mal, dutzendmal – ein Dutzend mal,  zwei mal vier (mehr dazu hier). In dieser Weise sind aber die meisten Fälle abgedeckt.

Dass einige Programme ein anderes mal als richtig geschrieben durchgehen lassen, erstaunt nicht allzu sehr. Diese Programme berücksichtigen sehr wahrscheinlich nicht den ganzen Satz, sondern höchstens gewisse Wortgruppen oder sogar nur einzelne Wörter. Am Ende eines Satzes kann diese Wortgruppe nur so geschrieben werden: ein anderes Mal. Für sich allein kann mal aber die (umgangssprachliche) Verkürzung von einmal sein, die kleingeschrieben wird (Ich nehme mal ein anderes Beispiel). Für die Entscheidung, ob die Groß- oder die Kleinschreibung korrekt ist, reicht es also nicht, die Wörter einzeln zu prüfen. Die Prüfer, die Sie benutzt haben, tun aber offenbar nicht viel mehr als das.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Was Pax Christi, Alfred Hitchcock und Alfa Romeo (in Zusammensetzungen) gemeinsam haben

Das Thema Bindestriche und mehrteilige Namen beschäftigt viele immer wieder.

Frage

Rechtschreibung:

Pax Christi Leute oder Pax Christi-Leute
Pax Christi Bewegung oder Pax Christi-Bewegung

… mit oder ohne Bindestrich?

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

die korrekte Schreibweise verlangt sogar zwei Bindestriche:

Pax-Christi-Leute
die Pax-Christi-Bewegung

In Zusammensetzungen mit einer Wortgruppe setzt man zwischen alle Teile der Zusammensetzung einen Bindestrich (Regel). Zum Beispiel:

der Erste-Hilfe-Kurs
die Social-Media-Expertin
das Oben-ohne-Lokal (so nannte man früher eine »Topless Bar«)
die Berg-und-Tal-Bahn
die Mund-zu-Mund-Beatmung

Das gilt im Gegensatz zu dem, was viele meinen, auch für Zusammensetzungen mit mehrteiligen Personennamen und Namen von Firmen, Organisationen, Veranstaltungen usw. (Regel). Man darf, nein muss nach der Rechtschreibregelung auch mehrteilige Eigennamen durch Bindestriche „grafisch verändern“:

in einem Alfred-Hitchcock-Film
eine Niky-de-Saint-Phalle-Figur
das Mies-van-der-Rohe-Haus
Marilyn-Monroe-artig
ein Rolling-Stones-Album
der New-Orleans-Jazz
die Rio-de-la-Plata-Mündung
die Opus-Dei-Bewegung
die Academy-Award-Gewinnerin
die dritte Tour-de-France-Etappe
der Deutsche-Bank-Chef
das Microsoft-Word-Dokument (MS-Word-Dokument)
die Alfa-Romeo-Vertretung
die Coca-Cola-Werbung

Wir sind also in durchlaufenden Texten nicht dazu verpflichtet, die Leerschritte in Eigennamen und Logos zu respektieren, ganz egal ob sie nun deutschen oder fremdsprachigen Ursprungs sind. Sie schreiben also regelkonform nicht:

*in einem Alfred Hitchcock-Film
*das Microsoft Word-Dokument
*die Alfa Romeo-Vertretung

und auch nicht:

*in einem Alfred Hitchcock Film
*das Microsoft Word Dokument
*die Alfa Romeo Vertretung
*die Coca-Cola Werbung

Nun gibt es Leute, denen es ein Gräuel im Auge ist, gewohnte Schriftbilder und Logos durch Bindestriche zu verändern. Wenn Sie zu diesen Leuten gehören und trotzdem regelkonform schreiben möchten, bleibt immer noch die Möglichkeit, den Ausdruck umzugestalten. Beispiele:

in einem Film von Alfred Hitchcock
die dritte Etappe der Tour de France
die Gewinnerin des Academy Awards
der Chef der Deutschen Bank

Das ist aber – wie inzwischen wahrscheinlich zur Genüge gesagt – auch bei Eigennamen nicht notwendig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Unbeständige Temporaladverbien: Sie sagte gestern, dass sie morgen zahlen werde.

Frage

Diesmal geht es um die indirekte Rede. Temporaladverbien (gestern, heute usw.) werden ja geändert:

Er sagt: „Ich bin gestern nicht in Köln gewesen.“
Er sagt, er sei am Tag zuvor nicht in Köln gewesen.

Wäre es falsch, auch in der indirekten Rede „gestern“ zu schreiben? Mich hätte das absolut nicht gestört…

Antwort

Sehr geehrte Frau I.,

es gibt praktisch keine Regel, die uneingeschränkt gilt. So auch hier. Zeitangaben, die sich unmittelbar auf den Sprechzeitpunkt beziehen, müssen in der indirekten Rede tatsächlich geändert werden – aber nur dann, wenn sie zum Sprechzeitpunkt nicht mehr aktuell sind:

Er sagte am 25. Januar: „Ich bin gestern nicht in Köln gewesen.“
Er sagte am 25. Januar, er sei am Tag zuvor nicht in Köln gewesen.“

Sie hat vor einigen Tagen gesagt: „Ich zahle morgen.“
Sie hat vor einigen Tagen gesagt, dass sie am Tag danach zahle.

Das liegt daran, dass es bei einem Zitat in direkter Rede zwei Sprechzeitpunkte gibt: den Zeitpunkt, an dem zitiert wird, und den Zeitpunkt, an dem das Zitierte gesagt wird. Wenn nun die direkte Rede in die indirekte Rede umgewandelt wird, verliert das Zitierte sozusagen seinen Sprechzeitpunkt. Es gibt nur noch den Sprechzeitpunkt des Zitierens.

Zeitangaben wie gestern, heute und morgen beziehen sich immer unmittelbar auf den Sprechzeitpunkt. Wenn bei der Umsetzung von der direkten in die indirekte Rede ein Sprechzeitpunkt verschoben wird, geschieht es häufig, dass dieser Bezug nicht mehr stimmt. Das morgen am Tag X ist ein paar Tage später nicht mehr morgen, sondern der Tag nach X. Deshalb müssen oben das gestern und das morgen der direkten Rede in der indirekten Rede durch z. B. am Tag zuvor und am Tag darauf ersetzt werden.

Wenn nun aber gestern in der zitierten Aussage der gleiche Tag ist wie gestern zum Zeitpunkt des Zitierens, kann es auch in der indirekten Rede stehen bleiben. Der Sprechzeitpunkt der direkten Rede wird zwar durch den Sprechzeitpunkt des einleitenden Satzes ersetzt, der Tag und somit die zeitlichen Bezüge von heute, gestern und morgen bleiben aber dieselben:

Er hat heute Morgen gesagt: „Ich bin gestern nicht in Köln gewesen.“
Er hat heute Morgen gesagt, er sei gestern nicht in Köln gewesen.

Sie hat heute gesagt: „Ich zahle morgen.“
Sie hat heute gesagt, dass sie morgen zahle.

Temporaladverbien wie heute, gestern, morgen beziehen sich also immer auf den Sprechzeitpunkt, das heißt auf den Zeitpunkt, an dem die Aussage gemacht wird. Manchmal sind der Sprechzeitpunkt der Zitateinleitung und der Zeitpunkt der Zitataussage wie oben fast identisch. Dann muss auch in der indirekten Rede nichts angepasst werden. In allen anderen Fällen ist eine Anpassung der Adverbien notwendig.

So kann es umgekehrt auch vorkommen, dass gestern, heute oder morgen in der indirekten Rede erscheinen, obwohl sie in der direkten Rede gar nie vorkamen. Ich kann zum Beispiel am 25. Juni (und nur an diesem Tag) sagen:

Er hat vor ein paar Tagen gesagt: „Ich werde am 26. Juni kommen.“
Er hat vor ein paar Tagen gesagt, dass er morgen kommen werde.

Ein anderes Beispiel:

Sie sagte gestern:  „Übermorgen werde ich zahlen.“
Sie sagte gestern, dass sie morgen zahlen werde.

Das klingt alles ziemlich kompliziert. Es lässt sich jedenfalls nicht mit einer für alle Fälle geltenden einfachen Regel beschreiben. Solche Bezüge stellen wir zum Glück aber meistens automatisch her, ohne dass wir uns den Kopf über sich verschiebende Sprechzeitpunkte zerbrechen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zum Unterschied zwischen der Totale und der Illustrierten

Frage

Ich hätte mal wieder eine Frage, die mir Google leider nicht eindeutig beantworten kann. Es geht um die Totale als Einstellungsgröße beim Film. Beispiel: Die Kamera filmt die Begegnung in einer durchgehenden, statischen Totale(n). In dieser Form scheint kein Konsens zu bestehen, ob ein „n“ an die Totale gehängt wird; eine Regel hierzu ist mir leider nicht bekannt.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

das Wort die Totale als Bezeichnung einer Einstellungsgröße beim Film wird in der Regel wie ein „gewöhnliches“ Substantiv gebeugt. Es heißt also:

die Totale / in einer durchgehenden, statischen Totale

wie zum Beispiel:

die Straße / in einer durchgehenden Straße
die Aufnahme / in einer statischen Aufnahme

Die Beugung in einer … Totalen kommt allerdings auch vor. Das ist nicht einfach dumm und  falsch, sondern wie folgt zu erklären:

Weibliche Substantive, die auf e enden und abgesehen von der Großschreibung mit einem Adjektiv identisch sind, können zwei verschiedenen Beugungsklasse angehören:

Einerseits gibt es mit  -e von einem Adjektiv abgeleiteten Substantive, die wie andere weibliche Substantive gebeugt werden. Zum Beispiel:

die Breite / in der Breite / die Breiten, zwei Breiten
die Ebene / in einer Ebene / die Ebenen, zwei Ebenen
die Kontroverse / in einer Kontroverse / die Kontroversen, zwei Kontroversen
die Zentrale / in einer Zentrale / die Zentralen, zwei Zentralen

Anderseits gibt es substantivierte Adjektive, die auch als Substantive noch wie ein Adjektiv dekliniert werden. Zum Beispiel:

die Illustrierte / in einer Illustrierten / die Illustrierten, zwei Illustrierte
die Krachlederne / in einer Krachledernen / die Krachledernen, zwei Krachlederne

und natürlich viele weibliche Personenbezeichnungen:

die Angestellte / mit einer Angestellten / die Angestellten, zwei Angestellte
die Verdächtige / mit einer Verdächtigen / die Verdächtigen, zwei Verdächtige

Manchmal gibt es beide Beugungen nebeneinander:

das Interesse an der Fremde (an fernen Ländern)
das Interesse an der Fremden (an der fremden Frau)

die Vorteile einer Alternative (einer anderen Lösung)
die Meinung einer Alternativen (einer Frau, die einer Alternativbewegung angehört)

Größere Schwierigkeiten bereitet manchmal eine Gruppe von (meist) Fachwörtern, bei denen der Gebrauch zwischen substantivischer und adjektivischer Beugung schwankt:

a: die Diagonale / mit einer Diagonalen / die Diagonalen, zwei Diagonale
s: die Diagonale / mit einer Diagonale / die Diagonalen, zwei Diagonalen

a: die Parallele / mit einer Parallelen / die Parallelen, zwei Parallele
s: die Parallele / mit einer Parallele / die Parallelen, zwei Parallelen

(Gleiches oder Ähnliches gilt für zum Beispiel: die Horizontale, die Vertikale, die Waagrechte, die Senkrechte, die Variable.)

Es gibt hier also eine gewisse Unsicherheit, weil weibliche Substantive dieser Art zum Teil substantivisch und zum Teil adjektivisch gebeugt werden – und einige sogar nach beiden Deklinationsmustern. Ein Wort wie Totale könnte zu beiden Gruppen gehören, sollte aber (zumindest nach den Angaben in den Wörterbüchern) wie ein Substantiv gebeugt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Vom Glanz und der Pracht, vom Anbieter und vom Abonnenten

Frage

Ich habe eine Frage zum Thema Verschmelzung von Präpositionen und Artikeln […]

Laut Duden können

von einer Verschmelzung […] korrekterweise nur dann mehrere Nominalausdrücke abhängen, wenn diese die gleiche flektierte Artikelform haben:

Man sprach vom (= von dem) Leben und [vom (= von dem)] Erfolg der Ministerin.

Mehrere Nominalausdrücke, deren flektierte Artikelformen unterschiedlich sind, können nicht von einer Verschmelzung abhängen. In diesen Fällen wird die Präposition wiederholt.

Nicht korrekt: Man sprach vom Erfolg der Ministerin und den weiteren Plänen. Richtig: Man sprach vom Erfolg der Ministerin und von den weiteren Plänen. Nicht korrekt: Sie war vom Glanz und der Pracht des Festes wie betäubt. Richtig: Sie war vom Glanz und von der Pracht des Festes wie betäubt.

[Duden, Richtiges und gutes Deutsch, 7. Aufl. Mannheim 2011 (CD-ROM)]

Was aber ist mit Formulierungen wie der folgenden?

Diese wurden vom Anbieter und dem Abonnenten ausdrücklich für richtig erklärt.

Ist das erlaubt?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

hier muss ich etwas weiter ausholen: Die Dudenregel, die sich auf die verschmolzenen Formen bezieht, ist nämlich viel zu strikt formuliert. Es gibt aus meiner Sicht nichts gegen die folgende Formulierung einzuwenden:

vom Glanz und der Pracht (des Festes wie betäubt)

Sie kommt viel häufiger vor als:

vom Glanz und von der Pracht

Ich halte auch die folgenden Formulierungen für richtig:

vom Minister und der Regierung festgelegte Ziele
vom Bund und den Ländern finanziert
vom Bundesrat und der Geschäftspüfungskommission in Auftrag gegeben
die Geschichte vom Hasen und den Ostereiern

Diese Art der Zusammenziehung ist aber nicht immer zu empfehlen. Sie scheint hauptsächlich bei vom üblich zu sein, und zwar dann, wenn die beiden Begriffe relativ eng miteinander verbunden sind. Letzteres ist beim anderen Beispiel im Duden nicht der Fall. Der Erfolg der Ministerin und die weiteren Pläne sind zwei separate Gesprächsthemen. Deshalb besser:

Man sprach vom Erfolg der Ministerin und von den weiteren Plänen.

Bei anderen Präpositionen kommt diese Art der Zusammenziehung weniger vor:

am Rand und an der Seite
besser nicht: am Rand und der Seite

beim Essen und bei der Kleidung
eher nicht(?): beim Essen und der Kleidung

im Kindergarten und in der Schule
besser nicht: im Kindergarten und der Schule

ins Haus oder in den Garten
eher nicht(?): ins Haus oder den Garten

aus Liebe zur Kirche und zu den Menschen
besser nicht: zur Kirche und den Menschen

Die Duden-Regel, die Zusammenziehungen dieser Art grundsätzlich zu verbieten scheint, ist meiner Meinung nach zu stark und zu verallgemeinernd formuliert. Die Situation ist hier viel komplexer. (Ich müsste weiter untersuchen, um wirklich fundierte Aussagen machen zu können.) Die Regel hat allerdings den großen Vorteil, dass man immer richtig formuliert, wenn man sie anwendet.

Es ist auch nicht üblich, die Präposition wegzulassen und nur den Artikel zu nennen, wenn es eine verschmolzene Form gibt:

der Weg führt zum Museum und zur Kirche
besser nicht: zum Museum und der Kirche

der Weg führt zur Kirche und zum Museum
besser nicht: zur Kirche und dem Museum

die Liebe zur Musik und zur Technik
besser nicht: die Liebe zur Musik und der Technik

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich würde in Ihrem Beispielsatz zweimal vom empfehlen, und zwar deshalb, weil auch im zweiten Teil eine verschmolzene Form vorhanden ist:

Diese wurden vom Anbieter und vom Abonnenten ausdrücklich für richtig erklärt.

Ich ginge aber nicht so weit, vom Anbieter und dem Abonnenten als grundsätzlich falsch anzustreichen. Es geht in diesem Bereich oft nicht um „richtig“ und „nicht korrekt“, sondern um „besser“ und „eher nicht“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp