Nichts für Liebhaber unverrückbarer Regeln: etwas, was/das

Frage

Heißt es „etwas, das …“ oder „etwas, was …“?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

es heißt üblicherweise

etwas, was
Sie sagte etwas, was mich sehr erstaunt hat.

Man hört und liest aber auch häufig:

etwas, das
Sie sagte etwas, das mich sehr erstaunt hat.

Ich vermute, dass Liebhaber und Liebhaberinnen einfacher, eindeutiger Regeln diese Antwort nicht mögen. Es handelt sich nämlich um eine Ausnahme zu einer Ausnahmeregel. Die erste Regel, die man lernt, lautet, dass man standardsprachlich in Relativsätzen das und nicht was verwendet:

nicht: das Buch, was ich gerade lese
sondern: das Buch, das ich gerade lese
nicht: das schöne Leben, was er führt
sondern: das schöne Leben, das er führt

Das bringt einige Eifrige dazu, einem einen Fehler anzustreichen, wenn man etwas, was sagt oder schreibt. Diese Verbesserer mögen es gut meinen, aber sie haben nicht gelernt oder einfach übersehen, dass die Regel nur dann gilt, wenn sich das Relativpronomen auf ein sächliches Substantiv (hier Buch und Leben) bezieht. In anderen Fällen ist standardsprachlich gerade was üblich, nämlich nach substantivierten sächlichen Superlativen (das klingt komplizierter als es ist) und nach hinweisenden und unbestimmten Pronomen:

Das ist das Beste, was du tun konntest.
Das ist das Schönste, was ich je erlebt habe.

Das, was du hier siehst, ist ein Frosch.
Ich habe alles, was ich mir wünschen kann.
Es gibt noch einiges, was ich dich fragen möchte.
Es gibt noch etwas, was ich nicht verstehe.

Auch dies ist aber keine Regel, die man blindlings anwenden kann. Wenn jemand sagt:

Es gibt noch etwas, das ich nicht verstehe.

macht diese Person nicht gleich einen unverzeihlichen Fehler. Wenn mit etwas nicht etwas Unbestimmtes, sondern etwas Bestimmtes, Einzelnes gemeint ist, kann auch standardsprachlich das gesetzt werden. Manche mögen auch einfach die Wiederholung von was nicht und verwenden deshalb nach etwas lieber das. Sehen Sie hierzu auch diese Grammatikseite (ganz unten).

Regeln sind hilfreich. Es gibt aber meistens auch Ausnahmen. Das ist etwas, was/das man nicht vergessen sollte!

Alle seine(r) Schüler

Vorwarnung: Heute gibt es wieder einmal etwas für Liebhaber und Liebhaberinnen grammatischer Erklärungen.

Frage

Was ist richtig: „Alle seine Schüler sind begeistert“ oder „Alle seiner Schüler sind begeistert“?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

beide Formulierungen sind korrekt [siehe aber den Nachtrag unten]:

Alle seine Schüler sind begeistert.
Alle seiner Schüler sind begeistert.

Falls Sie an der Grammatik interessiert sind, können Sie weiterlesen. Falls Grammatisches Ihnen nicht so viel sagt, erfreuen Sie sich einfach der Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten, die uns die deutschen Sprache bietet, und klicken Sie weiter!

Warum kann seine(r) Schüler hier sowohl im Nominativ als auch im Genitiv stehen? Das liegt daran, dass alle sowohl als Artikelwort als auch als Indefinitpronomen verwendet werden kann. Als Artikelwort bestimmt es seine Schüler. Als Indefinitpronomen folgt ihm das Genitivattribut seiner Schüler.

Artikelwort alle:

Alle Schüler sind begeistert.

Als Artikelwort kann alle mit anderen Artikelwörtern wie diese, jene und seine kombiniert werden:

Alle seine Schüler sind begeistert.

Das Subjekt des Satzes ist hier eine Nomengruppe mit dem Kern Schüler. Der Kern wird durch die Artikelwörter seine und alle erweitert.

Indefinitipronomen alle:

Alle sind begeistert.

Als Indefinitpronomen kann alle wie ein Nomen durch ein Genitivattribut erweitert werden:

Alle seiner Schüler sind begeistert.

Das Subjekt des Satzes ist hier eine Pronomengruppe mit dem Kern alle. Der Kern wird durch das Genitivattribut seiner Schüler erweitert.

Je nachdem, ob man alle hier als Artikelwort oder als Pronomen verwendet, steht alle seine Schüler oder alle seiner Schüler. Ich sehe keinen wesentlichen Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Formulierungen. Mehr dazu finden Sie hier, hier und hier.

Dieses Beispiel zeigt, dass oft gleichberechtigt verschiedene grammatische Mittel angewandt werden können, um etwas auszudrücken. Hier ist die aus nur drei Wörtern bestehende Wortgruppe, die das Subjekt des Satzes bildet, ganz unterschiedlich strukturiert. Erstaunlicherweise sieht man dies an der Oberfläche nur an einem kleinen r.

Nachtrag:

Ganz so gleichberechtigt, wie ich es gerne hätte, sind die Formen allerdings nicht. Nach den strengeren Grammatikern gilt die Verwendung von alle mit einem Genitiv dieser Art aus irgendeinem Grund als „umgangssprachlich“ oder gar „falsch“. Wundern Sie sich also nicht, wenn nicht alle mit der Formulierung alle seiner Schüler einverstanden sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Vermischtes über Vögel

Zu Hause brüten die Kohlmeisen. Das habe ich Ihnen schon erzählt. Hier im Ferienhäuschen gab mir ein anderer Vogel zu denken. An das Hausamselpärchen, das um das Haus herum Regenwürmer sammelt, hatte ich mich schon gewöhnt (und sie sich an mich). Letzthin sah ich aber einen anderen, etwas kleineren, braunen Vogel mit hellem Bauch und Tupfen und Streifen, der ebenfalls im Garten Würmer und anderes, was solche Vögel mögen, aufpickte. Das gefiel den Amseln nicht besonders gut, aber ihre Vertreibungsversuche waren wohl nicht allzu erfolgreich. Ich sehe den Vogel seither regelmäßig im Garten herumtrippeln. Da meine ornithologischen Kenntnisse nicht viel weiter reichen als bis zum Erkennen von Kohlmeisen, Amseln, Stadttauben, Spatzen und Flamingos, wusste ich nicht, um was für einen Vogel es sich handelt. Der Nachbar brachte Klarheit: „Das ist eine Lerche.“

Von Lerchen wusste ich bis anhin wenig, außer dass eine Vertreterin dieser Vogelart Romeo und Julia den Tag ankündigte und dass man sie im Gegensatz zum Lärche genannten Baum mit e schreiben muss. Den Unterschied Lerche = Vogel und Lärche = Baum musste ich auswendig lernen. Welche Eselsbrücke ich auch ausprobierte, es gab immer auch einen Baum mit e oder einen Vogel mit a oder ä, der mir das neu erdachte Brücklein gleich wieder einstürzen ließ. Geblieben ist nur das wenig überzeugende „Lerche wie Vogel und Lärche wie Baum.“

Nachdem ich nun zum ersten Mal bewusst eine Lerche gesehen hatte, nahm mich wunder, ob vielleicht die Wortherkunft als Stütze dienen kann. Der Name des Vogels ist ein altes germanisches Wort, dessen althochdeutsche Form lerahha sich zum heutigen Lerche entwickelt hat. Der Name des Baumes (das klingt fast wie ein Roman eines Eco-Nachahmers) geht auf die lateinische Bezeichnung larix zurück, die über die Formen larche und lerche zur heutigen Lärche wurde. Wenn man nicht des Althochdeutschen mächtig ist und einem die lateinischen Bezeichnungen von Bäumen auch nicht allzu geläufig sind, hilft einem die Wortherkunft also nicht viel weiter. Das ist aber nicht sehr tragisch. Es gibt Schwierigeres in der Rechtschreibung und Wichtigeres im Leben als den Unterschied zwischen Lerche und Lärche. Und in „Notfällen“ hilft Canoonet weiter.

Während des Schreibens höre ich, wie die Amselmännchen in der Umgebung sich sehr melodiös fast die Lungen aus dem Leibe singen. Dabei stellt sich mir plötzlich eine ganz andere Frage: Warum treten in Literatur und Dichtung eigentlich immer die Nachtigallen und Lerchen auf, wenn in der Vogelwelt schön gesungen wird? Die Amseln haben doch auch ein großes Repertoire, das sie in sehr verdienstvoller Weise zu Gehör bringen!

Wieder da!

Einigen ist es bestimmt aufgefallen, dass der Dr.-Bopp-Blog seit gestern für einige Zeit unerreichbar war. Wir bitten Sie dafür um Entschuldigung.

Nun sind wir wieder da! Auch die Möglichkeit, über das Kontaktformular Fragen zu stellen, besteht wieder. Anfragen über unsere E-Mail-Adresse, die vielen Canoonet-Kennerinnen und -Kennern bekannt ist (falls nicht: siehe ebenfalls hier), waren übrigens immer möglich.

Wenn Zeiten nicht ihrem Namen entsprechen: das Perfekt des Zukünftigen

Frage

Kann man im folgenden Satz das Perfekt verwenden, auch wenn jemand erst in der Zukunft gesund sein wird?

„Wir bleiben hier, bist du gesund geworden bist.“

Antwort

Sehr geehrte Frau A.,

Ihr Beispielsatz ist korrekt. Er zeigt schön, dass man sich nicht genug davor hüten kann, die Bezeichnungen für die verschiedenen Zeitformen des Verbs wörtlich zu verstehen. Die Namen der verschiedenen Verbzeiten sind nicht viel mehr als reine Namen. Die größte Schwierigkeit bei der Verwendung der Zeitformen ist die Tatsache, dass es keinen direkten, gradlinigen Zusammenhang zwischen ihrem Namen und der wirklichen, objektiv messbaren Zeit gibt. Anders ausgedrückt: Die Zeitformen „Vergangenheit“, „Gegenwart“ und „Zukunft“ haben nicht immer etwas mit der wirklichen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu tun.

So auch in diesem Fall: Das Perfekt (die Vorvergangenheit Vorgegenwart) kann ausdrücken, dass etwas in Zukunft abgeschlossen sein wird:

Wir bleiben hier, bis du gesund geworden bist.
Wir haben es bald geschafft.
Übermorgen habe ich alles wieder vergessen.

Es ist hier auch möglich, die ihrem Namen nach „passendere“ Zeit zu verwenden, nämlich das Futur II, das mit deutschem Namen „Vorzukunft“ heißt:

Wir bleiben hier, bis du gesund geworden sein wirst.
Wir werden es bald geschafft haben.
Übermorgen werde ich alles wieder vergessen haben.

Das ist aber nicht notwendig. Wenn bereits durch zum Beispiel bis, bald, übermorgen oder nächstes Jahr angegeben wird, dass es sich um etwas Zukünftiges handelt, kann man werden einfach weglassen. So effizient kann die deutsche Sprache sein!

Mehr zum Perfekt des Zukünftigen und anderes Wissenswertes zu den Zeitformen finden sie hier.

Die Fälle entlang – entlang der Fälle

Frage

Ich habe ein Problem mit „entlang“: Heißt es „Gesteinsbänder, entlang denen die Strecke verläuft“ oder „Gesteinsbänder, entlang derer die Strecke verläuft“?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

das Wort entlang lässt einem so viel Freiheit bei der Wahl des Falles, dass viele ganz unsicher werden und dann „vorsichtshalber“ den Genitiv verwenden. Das ist zwar auch richtig, aber nicht immer:

Das Wort entlang wird dem Substantiv oft nachgestellt. Es steht dann in der Regel mit dem Akkusativ:

Die Strecke führt die Allee entlang.
Den Fluss entlang stehen Trauerweiden.

(Selten steht v. a. in der Schweiz auch der Dativ:
Die Strecke führt der Allee entlang.
Dem Fluß entlang stehen Trauerweiden.)

Wenn entlang vorangestellt wird, folgt ihm der Genitiv oder der Dativ:

Die Strecke führt entlang der Allee.
Entlang des Flusses stehen Trauerweiden.
Entlang dem Fluss stehen Trauerweiden.

Auch in Ihrem Beispiel steht entlang vor dem Wort das es bestimmt. Es kann entsprechend mit dem Genitiv oder mit dem Dativ stehen. Beide Varianten, die Sie vorschlagen, sind deshalb richtig:

Gesteinsbänder, entlang denen die Strecke verläuft. (Dativ)
Gesteinsbänder, entlang derer die Strecke verläuft. (Genitiv)

Wem diese Auswahlmöglichkeiten noch nicht genügen, dem stellt der Genitiv noch eine Variante zur Verfügung. Das ist ein weiterer komplizierender Faktor bei Ihrem Beispielsatz. In der weiblichen Einzahl und wie hier im Plural lautet die Genitivform des Relativpronomens nicht nur derer, sonder auch deren:

Gesteinsbänder, entlang deren die Strecke verläuft.

Weitere Angaben finden Sie in der LEO-Grammatik hier und hier.

Das Wörtchen entlang kann einen mit all seinen Möglichkeiten ziemlich verunsichern! So kurz nachdem ich dies alles aufgeschrieben habe, wüsste ich jedenfalls nicht mehr spontan, was richtig ist. Glücklicherweise hat man bei der Wahl des richtigen Falles fast immer viel weniger Schwierigkeiten, wenn man nicht darüber nachdenkt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mitarbeitende haben nach alle ein n

Frage

Meine Beispielsätze, um die es sich heute dreht:

Alle Mitarbeitende unterstehen der obligatorischen Versicherung.
Die Firma versichert alle Mitarbeitende bei einer Versicherung.

Wäre nicht in beiden Sätzen „alle Mitarbeitenden“ richtig? Warum ist es bei „Mitarbeitende“ so knifflig, während die Endungen bei „Angestellte“ so viel einfacher sind?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

warum einem alle Mitarbeitenden nicht so zügig aus der Tastatur fließen will wie alle Angestellten, weiß ich nicht. Es könnte damit zu tun haben, dass man viel häufiger das Wort Angestellte gehört und gelesen hat und deshalb besser an seine Formen gewöhnt ist. Es ist jedenfalls so, dass Mitarbeitende wie Angestellte ein sogenanntes substantiviertes Partizip ist, das in der Regel genau gleich wie ein Adjektiv gebeugt wird:

Alle mitarbeitenden Menschen unterstehen …
Alle Mitarbeitenden unterstehen …

Die Firma versichert alle angestellten Leute.
Die Firma versichert alle Angestellten

Mitarbeitende Menschen dürfen mitreden.
Mitarbeitende dürfen mitreden.

Angestellte Leute sind versichert.
Angestellte sind versichert.

Am 1. Mai feiert unser ältester mitarbeitender Kollege sein 40. Dienstjubiläum.
Am 1. Mai feiert unser ältester Mitarbeitender sein 40. Dienstjubiläum.

Am 1. Mai feiert unsere älteste mitarbeitende Kollegin ihr 40. Dienstjubiläum.
Am 1. Mai feiert unsere älteste Mitarbeitende ihr 40. Dienstjubiläum.

Das klingt alles komplizierter als es (für Muttersprachige!) normalerweise ist. Man macht es meistens spontan richtig und zweifelt erst, wenn man anfängt, darüber nachzudenken. Wenn Sie bei den Endungen von Angestellte sicher sind, ist die Sache sowieso ganz einfach: Mitarbeitende funktioniert genau gleich.

Dasselbe gilt übrigens für Wortgruppen wie zum Beispiel: der Angeklagte, ein Angeklagter; alle Anwesenden, zwei Anwesende; die lieben Studierenden, liebe Studierende; motivierte Unterrichtende, diese motivierten Unterrichtenden; unser Vorsitzender, unsere Vorsitzende usw. usf. Siehe auch „Liebe Auszubildende“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Word und -bar

Frage

Beispiel: „Insbesondere haftet die Firma nicht für kundeninterne, nicht ohne Weiteres klärbare und bereinigbare Meinungsdifferenzen.“ Warum akzeptiert Word „klärbare“ und „bereinigbare“ nicht? „Verrechenbare Spesen“ will Word in „errechenbare“ oder „berechenbare“ ändern. Wir meinen aber diejenigen Spesen, die wir dem Kunden verrechnen können … also „verrechenbar“.

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

die Formen klärbare, bereinigbare und verrechenbare sind korrekt. Man kann von sehr vielen transitiven Verben ein Adjektiv auf –bar bilden. Wenn etwas x-bar ist, kann es ge-x-t werden: essbar, trinkbar, verschiebbar, aufklappbar, abschließbar, erklärbar usw. usw. Mehr dazu finden Sie hier. Es gibt so viele Verben, für die man ein Adjektiv auf –bar bilden kann, und deren Bedeutung ist in der Regel so durchsichtig, dass es kein Wörterbuch gibt, die sie alle auflistet – auch Canoonet nicht.

Warum Ihr Word klärbar, bereinigbar und verrechenbar nicht akzeptiert, weiß ich nicht genau. (Meine Version von Word stört sich übrigens nur an den ersten beiden Wörtern, verrechenbar „rutscht“ problemlos durch die Kontrolle.) Die nicht akzeptieren Wörter stehen wohl nicht im Wörterbuch des Korrekturprogramms. Es verfügt offensichtlich auch nicht über eine Regel, die solche Formen analysieren und erkennen kann. Wenn ein Wort nicht in der Basiswörterliste steht und nicht aufgrund einer Regel erkannt werden kann, muss es wohl falsch sein ­– sagt Word.

Aus diesem Grund darf man Korrekturprogrammen nicht blind vertrauen. Nicht alles, was sie korrigieren, ist tatsächlich falsch. Erst recht gilt übrigens umgekehrt, dass nicht alles, was sie unkorrigiert stehen lassen, auch richtig geschrieben ist! Trotz guter Kontrollprogramme muss – und darf! – man auch selbst noch ein wenig nachdenken.

Nicht alle komplexen Wörter, die einen Verbstamm an erster Stelle haben und auf -bar enden, sind im Übrigen Adjektive: Ist Musik nicht tanzbar, hört man sie selten in der Tanzbar, und wer nicht animierbar ist, dem hilft auch keine Animierbar. Diese Beispiele sind zwar ziemlich forciert, sie zeigen aber, was ein Grund dafür sein könnte, warum ein Korrekturprogramm mit unbekannten Wörtern auf –bar so seine Schwierigkeiten hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Osterflaute

Mit „Osterflaute“ ist hier nicht das Gegenteil von „Westerwelle“ gemeint. Diesem eher flauen Witz bin ich auf dem Internet begegnet, als ich googelnd das im Titel dieses Beitrags stehende Wort als Suchbegriff eintippte. Man verzeihe mir bitte, dass ich es einfach nicht lassen konnte, ihn hier zu erwähnen!

Mit „Osterflaute“ meine ich die stark zurückgehenden Besucherzahlen auf Canoonet und das fast vollständige Ausbleiben von Fragen an „Dr. Bopp“. Es ist ein jährlich wiederkehrendes Phänomen: Wenn die Osterglocken (ver)blühen und die Kohlmeisen den Nistkasten an unserem Haus beziehen, weiß ich, dass Sie mich wieder in großer Zahl im Stich lassen werden. Das nehme ich Ihnen natürlich nicht übel, schon gar nicht bei dem Osterwetter, das für einen großen Teil des deutschsprachigen Raumes vorhergesagt wird. Wen kümmern schon Sprach- und Rechtschreibfragen, wenn man ein paar Tage frei hat und das Wetter fast nichts zu wünschen übrig lässt?

Ich wünsche Ihnen jedenfall ganz schöne Ostertage und hoffe, dass Sie sich danach wieder zahlreich Canoonet und „Dr. Bopp“ besuchen werden.

Wundert es jemand, wenn man niemand ohne Endung begegnet?

Frage

Was ist richtig: „Sicher gibt es in Ihrem Bekanntenkreis jemand oder jemanden, der noch nicht … ist.“

Antwort

Sehr geehrte Frau T.,

beide Formulierungen sind möglich. Sowohl die endungslose als auch die Form mit Endung gelten hier als richtig:

Sicher gibt es in Ihrem Bekanntenkreis jemanden, der …
Sicher gibt es in Ihrem Bekanntenkreis jemand, der …

Das gilt nicht nur für den Akkusativ, sondern auch für den Dativ:

Reden Sie mit jemandem darüber, der …
Reden Sie mit jemand darüber, der …

… und für niemand:

Es gibt in meinem Bekanntenkreis niemanden, der …
Es gibt in meinem Bekanntenkreis niemand, der …
Ich möchte mit niemandem darüber reden.
Ich möchte mit niemand darüber reden.

Bevor Sie sich nun aber allzu sehr über so viel Freiheit freuen oder sich leicht irritiert fragen, ob denn heutzutage alles erlaubt sei, hier noch zwei Einschränkungen: Es ist nicht richtig, im Dativ die Endung –en zu verwenden:

Nicht: Man kann hier niemanden vertrauen.
Sondern: Man kann hier niemandem/niemand vertrauen.

Und den schicken Genitiv trifft man natürlich nie ohne seine Endung an:

Wie kann man jemandes (jemands) Charakter beurteilen?
Das ist in niemandes (niemands) Interesse.

Falls Sie alles noch einmal in der Grammatik nachlesen möchten, können Sie das hier tun.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp