Ein Stück ökologisch einwandfreier Schweinebraten

Draußen ist es für einen Sonntagmorgen im Juni sehr, sehr grau. Leichtes Getröpfel hat in Kombination mit Windböen aus unterschiedlichen Richtungen sämtliche Pläne für ein Frühstück auf der Terrasse zunichtegemacht. Ich schiebe es einfach einmal diesem wenig inspirierenden Wetter in die Schuhe, dass ich Sie schon wieder mit Mengenangaben belästige. Sie sind wahrscheinlich nicht gerade das Interessanteste, was die deutsche Sprache zu bieten hat, aber sie geben immer wieder Anlass zu Fragen. Das Beispiel in Frau F.s Frage passt im Übrigen gut zu einem klassisches Sonntagsmenü. Ich bin mir bewusst, dass diese Wahl für vegetarisch, koscher und halal essende Menschen oder für Leserinnen und Leser, die streng auf ihren Cholesterinspiegel achten müssen, ungeeignet ist. Der Schweinebraten ist aber immerhin ökologisch einwandfrei – und es geht sowieso nur um Grammatik.

Frage

Heißt es „mit einem Stück ökologisch einwandfreien Schweinebraten“ oder „mit einem Stück ökologisch einwandfreiem Schweinebraten“? Starke oder schwache Beugung?

Antwort

Sehr geehrte Frau F.,

richtig ist:

mit einem Stück ökologisch einwandfreiem Schweinebraten.

Es geht hier u. a. um die Frage der Deklination bei Mengenangaben. Wenn das Gemessene in der Einzahl steht und von einem Adjektiv begleitet wird, steht es heute in der Regel im gleichen Fall wie die Maßangabe. Gemessen wird hier ökologisch einwandfreier Schweinebraten, die Maßangabe ist Stück:

ein Stück ökologisch einwandfreier Schweinebraten
für ein Stück ökologisch einwandfreien Schweinebraten
mit einem Stück ökologisch einwandfreiem Schweinebraten
wegen eines Stücks ökologisch einwandfreien Schweinebratens

In Ihrem Beispiel, das heißt nach mit, sollte der Schweinebraten also im Dativ stehen.

Das Adjektiv einwandfrei wird stark gebeugt, weil es ohne Artikelwort vor dem Nomen steht, das es bestimmt. Der Artikel einem gehört nämlich nicht zu Schweinebraten, sondern zu Stück. Das adverbial verwendete ökologisch hat keinen Einfluss auf die Deklination des ihm folgenden Adjektivs. Die folgenden Beispiele zeigen hoffentlich besser als lange Erklärungen, was damit gemeint ist:

mit einem [ökologisch] einwandfreien Schweinbraten
mit [ökologisch] einwandfreiem Schweinebraten
mit einem Stück [ökologisch] einwandreiem einwandfreiem Schweinebraten
mit zwei Stück [ökologisch] einwandfreiem Schweinebraten

Es heißt also mit einem Stück ökologisch einwandfreiem Schweinebraten. Ganz so eindeutig ist es natürlich wieder einmal nicht. Das Gemessene kann nämlich auch im Genitiv stehen:

ein Stück ökologisch einwandfreien Schweinebratens
für ein Stück ökologisch einwandfreien Schweinebratens
mit einem Stück ökologisch einwandfreien Schweinebratens

Wenn das Gemessene wie hier in der Einzahl steht, wird der Genitiv heute aber nur noch selten verwendet. Er wirkt eher gespreizt und veraltet. Das gilt natürlich nicht, wenn die Maßangabe ebenfalls im Genitiv steht:

wegen eines Stücks ökologisch einwandfreien Schweinebratens

Das Stück ökologisch einwandfreier Schweinbraten, oder was sonst auf Ihrem Sonntagsmenü steht, möge Ihnen schmecken! Und wenn Sie dann nach dem Nachtisch wider Erwarten alles noch einmal nachlesen möchten, finden Sie es auf dieser Grammatikseite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Eine Menge schwarzer Schafe / schwarze Schafe / von schwarzen Schafen

Heute geht es um etwas, was mich sehr erstaunt hat, als ich zum ersten Mal in einem Grammatikbuch darauf stieß: wie ungenau die deutsche Sprache ausgerechnet bei Mengenangaben ist!

Frage

Gerade hörte ich im Radio, dass sich im Bildungssektor eine ganze Menge schwarze Schafe tummle. Muss es nicht heißen eine ganze Menge schwarzer Schafe?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

bei Mengenangaben zeigt die deutsche Grammatik erstaunlicherweise nicht die Präzision, die man gerade dort erwarten würde. Beide Formulierungen sind nämlich möglich:

eine ganze Menge schwarzer Schafe
eine ganze Menge schwarze Schafe

Bei ungenauen Mengenangaben wie Menge, Reihe, Anzahl, Strauß usw. und etwas Gemessenem im Plural kommt der (partitive) Genitiv am häufigsten vor:

eine ganze Menge schwarzer Schafe
eine Gruppe französischer Bergsteiger
ein Strauß roter Rosen

Es ist jedoch ebenfalls möglich, das Gemessene als Apposition (Beisatz) zur Mengenangabe zu verwenden:

eine ganze Menge schwarze Schafe
eine Gruppe französische Bergsteiger
ein Strauß rote Rosen

Dabei übernimmt die Apposition den Fall der Mengenangabe. Im Dativ kann das Gemessene auch unverändert im Nominativ stehen:

mit Kasusangleichung:
mit einer ganzen Menge schwarzen Schafen
mit einer Gruppe französischen Bergsteigern
mit einem Strauß roten Rosen

ohne Kasusangleichung:
mit einer ganzen Menge schwarze Schafe
mit einer Gruppe französische Bergsteiger
mit einem Strauß rote Rosen

Das wären dann also schon drei verschiedene mehr oder weniger akzeptierte Möglichkeiten, wie man Mengengaben dieser Art formulieren kann. Das ist aber noch nicht alles! Nach Sammelbegriffen ist auch noch die Formulierung mit von möglich:

eine ganzen Menge von schwarzen Schafen
eine Gruppe von französischen Bergsteigern
eine Strauß von roten Rosen

Das führt dazu, dass bei einer Mengenangabe im Dativ und etwas Gemessenem im Plural vier Formulierungen möglich sind:

mit einem Strauß roter Rosen (partitiver Genitiv)
mit einem Strauß rote Rosen (Apposition ohne Kasusangleichung)
mit einem Strauß roten Rosen (Apposition mit Kasusangleichung)
mit einem Strauß von roten Rosen (Präpositionalgruppe mit „von“)

Diese Vielzahl verschiedener/verschiedene/von verschiedenen Möglichkeiten führt oft dazu, dass man ins Zweifeln gerät, sobald man anfängt, über die korrekte Formulierung nachzudenken. Am besten tun Sie dies deshalb nicht und formulieren Sie einfach so, wie Ihr Sprach- und Stilgefühl es Ihnen eingibt. Bei so viel Formulierungsspielraum kann ja kaum etwas schiefgehen! Falls Sie einmal wirklich nicht mehr weiterwissen: Der Genitiv ist in den hier beschriebenen Fällen immer richtig und wird auch von niemandem angezweifelt.

Die entsprechende Grammatikseite finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Was für ein „moppel“ steckt in doppelt gemoppelt?

Frage

Woher stammt der Ausdruck doppelt gemoppelt?

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

leider kann ich Ihnen nur eine sehr unvollständige Antwort geben. Ich weiß weder, wann und wo der Ausdruck entstanden ist, noch, was für ein moppel genau in gemoppelt steht. Mit der umgangssprachlichen Wendung doppelt gemoppelt drückt man wie mit doppelt genäht hält besser aus, dass etwas (meist unnötigerweise) zweimal ausgedrückt wird.

Das umgangssprachliche Substantiv Moppel bezeichnet einen dicklichen Menschen, einen molligen Hund oder eine vollschlanke Katze. Das umgangssprachliche Verb moppeln hat unter anderem die Bedeutung – sagen wir es einmal ganz gesittet – beischlafen. Der Bedeutungszusammenhang mit doppelt gemoppelt ist mir in beiden Fällen ziemlich schleierhaft. Vielleicht gibt es auch eine Verbindung mit moppen (mit einem Mopp saubermachen). Es ist eigentlich gar nicht so wichtig, woher gemoppelt genau kommt. Es geht vor allem um die lautliche Wiederholung, die die Bedeutung der Wendung so schön wiedergibt. Wichtig ist bei gemoppelt also vielmehr der Klang als der Inhalt.

Vielleicht kennt ja ein Leser oder eine Leserin des Blogs die Antwort  – oder einen Teil davon – und ist so nett, dieses Wissen hier mit uns zu teilen. Das Wetter soll ja am Pfingstwochenende nicht überall ganz so schön werden, wie wir es gerne hätten. Freie Zeit und mäßige meteorologische Verhältnisse sind eine gute Voraussetzung für eine kurzen Griff zur Tastatur. Dr. Bopp ist eben auch nur ein Mensch und nicht allwissend. Dies festzustellen ist wohl noch nicht doppelt gemoppelt, aber eine Binsenwahrheit ist es in jedem Fall.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Pfingstwochende

Dr. Bopp

Auslassungspunkte und andere Satzzeichen

Was Sie schon immer über die Satzzeichen wissen wollten … oder wahrscheinlich eher nicht. Es geht diesmal um etwas so Trockenes wie die Auslassungspunkte in Verbindung mit anderen Satzzeichen.

Frage

Heute habe ich ein Frage zum Thema Auslassungspunkte: Werden Satzzeichen nach Auslassungspunkten gesetzt oder fallen sie weg?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

die Auslassungspunkte treten immer zu dritt auf. Sie stehen oft für etwas, das weggelassen wird (Wortteil, Wort, mehrere Wörter). Sie haben dann keinen Einfluss auf die anderen Satzzeichen oder die Leerzeichen. Man setzt sie gleich, wie wenn anstelle der Auslassungspunkte das Ausgelassene stünde. Man schreibt also zum Beispiel:

Ich habe keine Zeit für den Auftrag von Herrn …, weil zwei Mitarbeiter krank sind.
Der Auftrag Nr. … ist fertig.
Das Geheimnis des Dr. …
Kennen Sie Frau …?
Dann fragte Frau …: „Was ist los?“
Warum funktioniert das Sch…ding nicht?
Verd…!

Ohne Ausnahmen geht es allerdings doch nicht: Nach den Auslassungspunkten steht der Schlusspunkt nicht mehr. Nach den drei Punkten folgt also kein vierter:

Das Wort beginnt mit ver
Ich habe keine Zeit für den Auftrag von Herrn … Zwei Mitarbeiter sind krank.
„Kennen Sie Frau …?“ – „Ja, ich kenne Frau …“

Sehen Sie auch hier.

Zu guter Letzt noch eine weitere Ausnahme: Die Auslassungspunkte werden auch als Pausenzeichen oder als Zeichen für einen nicht abgeschlossenen Gedankengang/Satz verwendet. Ein Komma an der Abbruchstelle setzt man dann besser nicht:

Ich habe kaum mehr Zeit für mein Hobby … aber ich werde etwas daran ändern.
Es geht um Geld, Macht, Beziehungen, Sex …
»… denn sie wissen nicht, was sie tun« (Filmtitel)

Es gäbe wahrscheinlich noch mehr zu den Auslassungspunkten zu sagen, doch ich möchte Sie wirklich nicht weiter langweilen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das überflüssige „ver“: verbringen statt bringen

Frage

In letzter Zeit hört man immer öfter, dass Personen irgendwohin „verbracht“ statt „gebracht“ werden. Das klingt für mich relativ schräg. Trügt mich mein Gefühl oder ist das die richtige Wortwahl?

Antwort

Guten Tag R.,

die Verwendung von verbringen im Sinne von jemanden/etwas irgendwo hinschaffen ist Amts- oder Papierdeutsch:

Man verbrachte die Verletzten ins Krankenhaus.
Die Verhafteten werden ins Polizeibüro verbracht.
Wer Vermögen ins Ausland verbringt und daraus nicht versteuerte Einkünfte bezieht, …

Es ist also grammatisch gesehen eine richtige Wortwahl, stilistisch lässt sie jedoch zu wünschen übrig. Ich würde dieses verbringen allgemein, aber auch in amtlichen Schreiben durch bringen ersetzen oder, wenn es „unbedingt“ gehobener klingen soll, zum Beispiel überführen wählen.

Wie immer bei stilistischen Fragen sind  bestimmt nicht alle mit dieser Einschätzung einverstanden. Unbestritten ist aber wohl die folgende Verwendung von verbringen: Ich hoffe, dass Sie ein schönes Himmelfahrtswochenende verbracht haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wem gehört das Brautgeschenk?

Frage

Ist ein Brautgeschenk
– das Geschenk des Bräutigams für die Braut,
– das Geschenk der Braut für den Bräutigam,
– das Geschenk von XY für die Braut
oder hat dieses Wort gar mehrere Bedeutungen?

Antwort

Sehr geehrte Frau U.,

ein Brautgeschenk ist eigentlich das Geschenk des Bräutigams für die Braut (mit dem Ziel, ihre Liebe zu gewinnen!). So wird das Wort auch in der Tierwelt unter anderem bei balzenden Vögeln verwendet: Das Männchen bringt Kerne, Zweiglein, Mücken, einen Fisch oder je nach der echten oder vermeintlichen Vorliebe seiner Angebeteten etwas ganz anderes als Brautgeschenk für das Weibchen mit. Auch im übertragenen Sinne wird Brautgeschenk manchmal in dieser Weise verwendet: „Als Brautgeschenk versprach die Baugesellschaft dem Dorf eine neue Schule.“ Man muss dabei an ein kleines, armes Dorf, eine mächtige, reiche Baugesellschaft und ein großes, lukratives Bauvorhaben denken …

Mit Brautgeschenk ist aber manchmal auch allgemein ein Geschenk von irgendjemandem für die Braut oder sogar ein Geschenk für das Brautpaar gemeint. Diese Verwendung des Wortes entspricht zwar nicht der „eigentlichen“ Bedeutung, ist aber nach der Wortstruktur begreiflich. Wenn Braut und Geschenk in einer Zusammensetzung vorkommen, heißt das nur, dass die Zusammensetzung:

– aller Wahrscheinlichkeit nach ein Geschenk ist und
– etwas mit einer Braut zu tun hat.

Welcher Zusammenhang genau besteht, bestimmt nur der Gebrauch, nicht die Struktur des Wortes. Deshalb kommen neben der eigentlichen Bedeutung dieser Zusammensetzung noch andere Verwendungen vor. Wenn Sie eine Braut sind, können Sie aber beruhigt sein: Die Bedeutung Geschenk der Braut für den Bräutigam habe ich nirgendwo gefunden. Ob ein Braugeschenk nun vom Bräutigam kommt, von jemand anderem oder sogar für das Brautpaar bestimmt ist, mindestens die Hälfte gehört immer Ihnen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Beinah Unaussprechbares: röntgen

Vor langer Zeit habe ich einmal Deutsch für Fremdsprachige unterrichtet. Ich kann mich noch gut an eine spanische Dame erinnern, die im Anfängerunterricht das Wortpaar gut und schlecht vorlesen sollte: gut ging gut, aber dann seufzte sie verzweifelt, dass es ihr nie, aber auch gar nie gelingen werde, ein Wort mit so vielen Konsonanten und nur einem e auszusprechen. Als ihr klar wurde, dass sch und ch nur für je einen Laut stehen, beruhigte sie sich ein wenig. Mir kam damals gleich das Wort Zwetschge in den Sinn. Das habe ich aber wohlweislich für mich behalten. Mit welchem Wort ich die arme Kursistin wirklich hätte erbleichen lassen können, wusste ich damals noch nicht.

Frage

Schreibt man  „Der Knochen wurde geröntgt“ oder „wurde geröntget“ oder existieren beide Formen. Wenn ich google, finde ich beide Formen.

Antwort

Sehr geehrte Frau V.,

man schreibt:

Der Knochen wurde geröntgt.

Bei der Beugung des Verbs röntgen wird kein e eingeschoben, wenn der Verbstamm von t oder s gefolgt wird. Also:

du röntgst
er/sie/es röntgt
er röntgte
geröntgt
Siehe auch Canoonet.

So viel zur Schreibung, die einfach der allgemeinen Regel folgt: Man hängt die Endungen direkt an den Verbstamm röntg-. Schwieriger wird es bei der Aussprache. Während einem bei Formen wie röntgt und geröntgt das /ntkt/ am Wortende mit etwas Mühe noch einigermaßen gelingen will, weigert sich mein Artikulationsapparat entschieden, die Wortform röntgst nach der „offiziellen“ Aussprache auf /ntkst/ enden zu lassen. Nur mit äußerster Konzentration und nicht allzu trockenem Mund gelingt es mir beim dritten Anlauf, diese fünf Konsonanten nacheinander auszusprechen.

Es ist deshalb kein Wunder, dass bei der Aussprache oft „geschummelt“ wird. Statt /geröntkt/ sagt man je nach Region zum Beispiel /geröncht/ oder /gerönkt/ und statt /röntkst/ hört man /rönchst/ oder /rönkst/. Die Aussprache /geröntget/, die die Schreibung geröntget rechtfertigen würde, kenne ich übrigens nicht.

Wenn man dieses Verb also nach der Standardaussprache beugen will, bleibt einem nur der Trost, dass man mit etwas Mühe und Konzentration geröntgt gerade noch schaffen kann und dass die Form du röntgst nur selten vorkommt. Nur wenige duzen den Röntgenassistenten oder die Röntgenärztin, wenn es ums Röntgen geht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Einmilliardengrenze

Frage

Was ist korrekt: jenseits der Ein-Milliarden-Grenze oder jenseits der Eine-Milliarden-Grenze?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

es heißt:

jenseits der Einmilliardengrenze

Millliarde ist ein Zahlwort, aber es ist wie Million oder Dutzend ein Substantiv. Es hat ein Geschlecht (die Milliarde), hat Einzahl- und Mehrzahlformen (Milliarde – Milliarden) und wird entsprechend großgeschrieben. Auch bei der Wortzusammensetzung verhält es sich wie ein Substantiv. Das Wort Einmilliardengrenze hat den gleichen Aufbau wie zum Beispiel:

Einfamilienhaus, Einparteienstaat, Einpersonenhaushalt, Einschienenbahn, Zweiparteiensystem, Mehrfamilienhaus usw.

Die Zusammensetzung Einmilliardengrenze entspricht also einer im Deutschen üblichen Wortbildungsart.

Wenn man „unbedingt“ will, kann man Bindestriche verwenden:

jenseits der Ein-Milliarden-Grenze

Diese Bindestriche sollen der Verdeutlichung dienen. Ich finde aber, dass sie hier im Gegenteil eher verwirren als verdeutlichen. Ist es nicht so, dass Ihre Frage vor allem dann aufkommt, wenn man die einzelnen Elemente der Zusammensetzung durch Bindestriche voneinander trennt? Erst dann fällt so richtig auf, dass die ungebeugte Form ein vor der Form Milliarden steht, die man so isoliert und mit großem M als Pluralform interpretiert:

Ein-Milliarden?Es heißt doch eine Milliarde oder mehrere Milliarden!

Milliarden entspricht zwar formal einer Pluralform, hat aber in einer Zusammensetzung wie Einmilliardengrenze nicht mehr diese Funktion (vgl. Fugenelmente). Und wie zum Beispiel Einfamilienhaus zeigt, verwendet man in Zusammensetzungen die ungebeugte Form ein auch dann, wenn ein weibliches Wort folgt. Zusammensetzungen „funktionieren“ anders als nebeneinanderstehende Wörter in einem Satz. Ich empfehle hier deshalb die Schreibung ohne Bindestriche:

Einmilliardengrenze
Einmillionenstadt
Einfamilienhaus

Und wenn Ihnen das Wort weder mit Bindestrichen noch ohne sie wirklich gefallen will, können Sie natürlich auch einfach jenseits der Grenze von einer Milliarde sagen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp