Das Rakentengeschoss

Frage

Darf ich Sie fragen, was ein „Rakentengeschoss“ ist? [Siehe Rechtschreibung.] Diese Entenart ist mir bisher nicht bekannt.

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

kennen Sie das Rakentengeschoss nicht? Bei der Rakente handelt es sich entweder um eine Ente aus dem arabischen Emirat Ra’s al-Chaima (R.A.K.) oder um eine Ente, die vor dem Braten in türkischem Raki mariniert wird. Entsprechend hat auch das Wort Rakentengeschoss zwei Bedeutungen:

  • ein bestimmtes Geschoss mit dem man in der Türkei Enten für das bereits erwähnte Gericht schießt, weil normale Schrotkugeln in Kombination mit Raki den Geschmack der gebratenen Ente verderben können;
  • die Ausscheidung der Ente aus den Arabischen Emiraten, die als eine der wenigen Entenarten sich nur im Flug „erleichtert“, so dass man in der Nähe des Ententeichs von Ra’s al-Chaima Gefahr läuft, von Rakentengeschossen getroffen zu werden.

Wir werden den Fehler natürlich korrigieren und das Rakentengeschoss in ein Raketengeschoss umwandeln. Es könnte aber leider eine Weile dauern, bis diese Korrektur online auf Canoonet zu sehen sein wird.

Vielen Dank für den Hinweis und freundliche Grüße

Dr. Bopp

Verwundete retten und Tote bergen

Frage

Neulich habe ich den folgenden Satz in der „Zeit“ gelesen: „Nicht alle verwundeten Amerikaner wurden geborgen.“ Meine Frage ist, ob es so richtig ist. Meiner Meinung nach wäre der Satz mit … wurden gerettet besser. Oder gibt es keine Bedeutungsunterschied zwischen bergen und retten? Ist es nicht so, dass jemand, der nicht mehr am Leben ist, nur geborgen werden kann?

Antwort

Sehr geehrter Herr I.,

nach meinem Sprachempfinden und auch nach den Angaben der mir zur Verfügung stehenden Wörterbücher (z.B. DWDS) bedeutet bergen unter anderem in Sicherheit bringen, retten. Es gibt allerdings Kolumnisten, die sagen, dass bergen und retten nie die gleiche Bedeutung hätten. Gerettet würden nur Lebende, geborgen nur Tote. Damit bin ich teilweise einverstanden, denn es stimmt, dass man Tote nur bergen kann. Für sie kommt jede menschliche Rettung zu spät. Verwundete, Schiffbrüchige und verunglückte Bergsteiger können aber sowohl gerettet als auch geborgen werden. In den Beispielsätzen einiger Wörterbücher und an vielen Stellen im Internet findet man nicht nur Verwundete retten, sondern auch Verwundete bergen.

Wenn Schiffbrüchige gerettet werden, weiß man also sofort, dass sie noch leben, denn wenn sie tot wären, könnten sie nur geborgen werden. Bei bergen ist das nicht immer so eindeutig. Oft gibt die Bezeichnung für die Geborgenen Aufschluss über ihren Zustand: geborgene Verwundete leben noch, geborgene Tote leider nicht mehr. Bei geborgenen Schiffbrüchigen ist es nicht mehr so eindeutig. Deshalb wird in solchen Fällen oft gesagt, dass die Schiffbrüchigen lebend geborgen wurden oder aber leider nur noch tot geborgen werden konnten.

Die Verben retten und bergen sind nicht immer gleichbedeutend. Tote können nur geborgen, aber nicht gerettet werden. Umgekehrt kann man jemanden nur vor einer drohenden Gefahr retten, aber nicht davor bergen. Es gibt noch weitere Unterschiede und Anwendungsbeschränkungen, auf die ich hier leider nicht eingehen kann. Wie so oft in der Sprache überdecken die Bedeutungen der beiden Wörter sich aber doch zum Teil. Der Satz, den Sie in der „Zeit“ gelesen haben, ist also korrekt, denn Verwundete können nicht nur gerettet, sondern eben auch geborgen werden.

Vielleicht hat die obenerwähnte Meinung, bergen und retten könnten niemals gleichbedeutend sein, ihren Ursprung in der bei der Feuerwehr üblichen Definition dieser Wörter. Nach dieser Definition rettet die Feuerwehr verletzte und gefährdete Menschen und birgt sie Sachgüter sowie tote Menschen und Tiere. (Diese Angaben sind „ohne Gewähr“, denn ich übernehme sie aus Wikipedia, ohne sie weiter kontrolliert zu haben.)

Schauen wir uns nun aber einmal die die Definition des Begriffs Bergung an, die man in den „Zentralen Begriffen des Zivil- und Katastrophenschutzes“ der Ständigen Konferenz für Katastrophenvorsorge und Katastrophenschutz findet:

Bergung umfasst Maßnahmen zur Befreiung von Menschen oder Tieren, die durch äußere Einwirkungen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind.

Bei dieser Definition ist es vielleicht nicht unbedingt erforderlich, aber ganz bestimmt nicht ausgeschlossen, dass die Geborgenen noch am Leben sind.

Diese einander widersprechenden Definitionen zeigen, dass man mit der Übertragung solcher fachsprachlicher Definitionen auf die Allgemeinsprache vorsichtig sein sollte. Fachsprachliche Begriffe haben eben oft eine viel engere Definition als die gleichlautenden Wörter der allgemeinen Sprache.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Dem Ralf seine Eltern

Frage

Es gab Diskussionen zu folgendem Satz: Das sind dem Ralf seine Eltern. Mein Opa sagte, dieser Satz sei falsch. Richtig müsse es heißen: Das sind Ralfs Eltern. Ist denn der erste Satz so falsch?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

wenn es um das Hoch- oder Standarddeutsche geht, hat Ihr Opa recht. Man sagt und schreibt:

Das sind Ralfs Eltern.
Das ist Tante Annas Auto.

Formulierungen wie die folgenden gelten im Standarddeutschen als nicht korrekt:

Das sind dem Ralf seine Eltern.
Das ist der Tante Anna ihr Auto

Diese Wendungen gelten als umgangssprachlich oder mundartlich. Woher stammen sie? In vielen Dialekten, vor allem im südlichen deutschen Sprachraum, gibt es (fast) keinen Genitiv. Standardsprachliche Formulierungen wie Ralfs Eltern sind dort also gar nicht möglich, denn Ralfs ist ja eine Genitivform. Besitzverhältnisse im weiteren Sinne werden deshalb mit von+Dativ oder eben dem … sein … bzw. der … ihr … ausgedrückt. Hinzu kommt, dass ebenfalls vor allem in den Dialekten des südlichen deutschen Sprachraums Personennamen in der Regel nur mit Artikel verwendet werden:

der Ralf
die Tante Anna
usw.

Das Fehlen des Genitivs und die Verwendung des Artikels bei Eigennamen führen zu Formulierungen wie dem Ralf seine Eltern. In den jeweiligen Dialekten und Varianten der Umgangssprache sind solche Formulierungen deshalb grammatisch richtig. Sätze mit dem Genitiv wie Wessen Auto ist das? – Das ist Tante Annas Auto (statt Wem sein Auto ist das? – Das ist der Tante Anna ihr Auto) sind dort falsch oder führen zumindest zu hochgezogenen Augenbrauen im Sinne von Was ist denn mit dem/der los? Wenn Sie zum Beispiel bayrisch, schwäbisch oder schweizerdeutsch reden, ist somit gegen dem Ralf seine Eltern gar nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil! Wenn Sie aber danach auf Hochdeutsch umschalten, gilt wie gesagt nur Ralfs Eltern als korrekt.

Sehen Sie hierzu auch diese Grammatikseite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Rotschnäblige Spitzschwanzamandine

Heute war ich im Zoo. Keine Angst, es war ein Zoo ohne Eisbärennachwuchs. Es folgt also keine verspätete Kolumne zu Jungtierhysterie und erfolgreichem Tiergartenmarketing. Nein, es war ein Zoo ganz ohne Eisbären, aber mit allem was sonst so dazu gehört, einschließlich schreiender Kinderhorden auf den Spielplätzen. Ich wundere mich immer wieder darüber, dass so kleine Geschöpfe so viel Lärm produzieren können. Papageienkolonien und Brüllaffengruppen sollen allerdings noch schlimmer sein. Außderdem gab es noch kleinerer Exemplare der Spezies Homo sapiens, die entweder unbedingt nicht in den Kinderwagen oder unbedingt aus dem Kinderwagen wollten, sowie natürlich die dazugehörenden Eltern in den verschiedensten Stadien der Entnervung.

Es geht also um einen ganz gewöhnlichen Sonntagnachmittag im Zoo. Aber wie kriege ich jetzt die Kurve zu Sprache oder Rechtschreibung? Ganz einfach: Bei jedem Gehege gibt es Tafeln mit wissenswerter Information über die Tiere. Dazu gehört auch der deutsche und der lateinische Name. Und dabei hat der Tiergarten, dessen Namen ich jetzt nicht verraten will, oft die amtliche Rechtschreibung nicht ganz eingehalten. Das fiel Dr. Bopp auf, weil er a) wie schon mehrmals erwähnt an Berufsdeformation leidet und b) keine Kinder bei sich hatte und deshalb auf solche Kleinigkeiten achten konnte. Es wäre eigentlich gar nicht so schwierig, denn es gelten ein bis zwei allgemeine Regeln plus eine Ausnahme:

Zusammensetzungen werden zusammengeschrieben:

der Brüllaffe
der Graupapagei

Auch wenn die Zusammensetzung länger wird, schreibt man sie einfach zusammen. Wie ich des Öfteren schon sagte: Dem Leser und der Leserin kann man meistens viel längere Wörter zumuten, als man denkt:

der Rothandbrüllaffe
der Guatemalabrüllaffe
der Rotbauchpapagei
der Kongograupapagei

Wenn geographische Namen verwendet werden, ist oft auch der verdeutlichende Bindestrich üblich. Er kann auch dann verwendet werden, wenn es um wirklich lange oder unübersichtliche Namensgebilde geht:

der Guatemala-Brüllaffe
der Kongo-Graupapagei
der Neuguinea-Edelpapagei
der Schwarzschulter-Edelpapagei

Soweit steht hier eigentlich nichts Besonderes, denn diese Regeln gelten für alle Zusammensetzungen. Nun zur Ausnahme: In zoologischen und botanischen Bezeichnungen von Arten und Unterarten schreibt man auch Adjektive groß:

der Schwarze Brüllaffe
der Amazonische Schwarze Brüllaffe
der Westafrikanische Graupapagei
der Hellrote Ara

Viel mehr gibt es eigentlich für den zoologischen Durchschnittsverbraucher nicht zu sagen. Ich möchte Sie deshalb nur noch dazu auffordern, im Zoo (oder im Botanikbüchlein) einmal auf die oft beinahe märchenhaft-poetischen Wortschöpfungen zu achten:

die Salbeiwühlmaus
die Gemeine Höckerechse
das Echte Dornschwanzhörnchen
die Östliche Purpurzungenschlange
der Karibische Halsband-Soldatenfisch
die Chinesische Pfauenaugenschildkröte
die Rotschnäblige Spitzschwanzamandine

Ganze Märchenbücher und Fantasyromane könnte man mit solchen Namen füllen!

Drehen unsere Vorfahren sich in ihrem Grab oder in ihren Gräbern um?

Frage

Ich zweifle gerade bei folgendem Satz:

Es wurde der Beschluss gefasst, dass das Grab der nachstehenden verstorbenen Personen in absehbarer Zeit umgegraben und neu belegt wird.

Oder:

Es wurde der Beschluss gefasst, dass die Gräber der nachstehenden verstorbenen Personen in absehbarer Zeit umgegraben und neu belegt werden.

Meine Frage: Welche der beiden Versionen ist sprachlich besser bzw. korrekter? Gibt es einen Anwendungs- und/oder Bedeutungsunterschied?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.

Wenn ein Gegenstand, ein Element usw. pro Person nur einmal vorhanden ist oder pro Person nur einmal betroffen ist, dann kann der Singular verwendet werden, auch wenn es um mehrere Personen geht. Die Singularform ist dann als pro Person zu verstehen:

Sie zündeten sich eine Zigarette an.
oder: Sie zündeten sich Zigaretten an.

Alle parkten ihr Auto hinter dem Haus.
oder: Alle parkten ihre Autos hinter dem Haus.

Wenn Sie von dieser Schande wüssten, würden seine Vorfahren …
… sich in ihrem Grab umdrehen.
oder: … sich in ihren Gräbern umdrehen.

Auch in Ihrem Satz sind beide Varianten möglich. Es ist mir nicht bekannt, dass hier eine Form üblicher oder stilistisch besser wäre.

das Grab der nachstehenden verstorbenen Personen
oder: die Gräber der nachstehenden verstorbenen Personen

Interessant ist, dass bei Körperteilen und zum Beispiel auch bei Leben nur der Singular üblich ist:

Er schüttelt allen die Hand.
nicht: Er schüttelt allen die Hände;
außer wenn er allen beide Hände schüttelt.

Sie haben beide die Nase gebrochen.
nicht: Sie haben beide die Nasen gebrochen.

Viele verloren dabei ihr Leben.
nicht: Viele verloren dabei ihre Leben.

Wie sich das genau erklären lässt, ist mir nicht deutlich. Es können nicht nur rein logische Gründe sein, denn ich glaube mich aus meinem (weit zurückliegenden) Englischunterricht erinnern zu können, dass gerade hier im Englischen vor allem der Plural üblich ist:

They both broke their noses.
Many lost their lives.

Wie stark diese Tendenz im Englischen ist, kann ich an dieser Stelle leider nicht überprüfen. Es scheint aber auch hier so zu sein, dass es nicht nur eine einzige logische Ausdrucksart gibt, sondern dass man in verschiedenen Sprachen verschiedenen Logiken“ folgt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Geht man ins „Rheingold“ oder in „Das Rheingold“?

Frage

Meine Freundin fragte gestern ihre Mutter, ob sie mit ihr ins Rheingold komme, woraufhin die Mutter fragte, ob das eine Kneipe sei. Meine Freundin hat gelacht und sich gewundert, dass sie die Oper „Das Rheingold“ nicht kenne. Ich sagte, dass man dann auch nicht ins sagen dürfe sondern in „Das Rheingold“ sagen müsse. Können Sie mir sagen, wer recht hat und weswegen?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

Ihre Freundin hat zwar recht, aber es ist nicht sehr erstaunlich, dass ihre Mutter zuerst meinte, es handle sich um ein Lokal. Die Formulierung ins „Rheingold“ gehen klingt relativ locker, sodass außer vielleicht eingefleischten Opernliebhabern und natürlich Bayreuthern nicht unbedingt jeder als Erstes an ein hehres Wagnerwerk denkt. Aber wie bereits gesagt: Sie hat recht.

Auch in diesem Satz steht ins einfach für in das. Wenn man die Oper „Das Rheingold“ besucht, kann man also sagen, dass man ins „Rheingold“ geht. Man kann übrigens auch sagen, dass man in „Das Rheingold“ geht. In ähnlicher Weise sind beide der folgenden Formulierungen korrekt:

Er tritt in der „Walküre“ auf, die ebenfalls zum „Ring des Nibelungen“ gehört.

oder seltener

Er tritt in „Die Walküre“ auf, die ebenfalls zu „Der Ring des Nibelungen“ gehört.

Werktitel werden üblicherweise gleich gebeugt wie normale Wortgruppen (ins „Rheingold“ gehen). Der gebeugte Artikel wird dabei aus dem Titel gelöst und kann wie ein „normaler“ Artikel mit einer Präposition verschmelzen (vgl. diese Rechschreibregel).

Wenn der Titel nicht gebeugt wird (in „Das Rheingold“ gehen), sollte man unbedingt Anführungszeichen verwenden. Aber auch bei der üblicheren, gebeugten Form empfiehlt sich die Verdeutlichung durch Anführungszeichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Oranje, Oranien und Orange

Die folgende Tatsache ist in letzter Zeit wohl nicht nur den Einwohnern von Bern und Basel und nicht nur Fußballfans aufgefallen: Wenn die niederländische Nationalmannschaft spielt, erkennt man die entsprechenden Fans schnell und eindeutig an der Farbe Orange. Auch die Fußballelf tritt am liebsten von Shirt bis Socke in Orange gekleidet an. Bei der Farbe Blau muss man genauer hinschauen, ob es les bleus“ aus Frankreich oder gli azzurri“ aus Italien sind. Bei roten Trikots ist die Auswahl ganz besonders groß: Österreicher, Polen, Portugiesen, Schweizer, Spanier, Tschechen, Türken und vielleicht auch noch andere spielen, wenn es geht, in Rot. Bei orangefarbenen T-Shirts hingegen gibt es wie bei Wohnwagen mit gelben Nummernschildern nicht den geringsten Zweifel: Das sind Holländer.

Wieso orange? Das liegt am niederländischen Königshaus, dem Haus von Oranien-Nassau (nld. Oranje-Nassau). Der erste Teil, Oranien, bezieht sich auf die französische Stadt Orange und das erklärt die Vorliebe der Niederländer für die Farbe Orange (nld. oranje), wenn es um Königin und Vaterland geht.

Wie das geschichtlich genau zu erklären ist, passt nicht hierher. Schon eher die Frage, was die Farbe Orange mit der Stadt Orange zu tun hat. Die Antwort lautet: erstaunlich wenig. Der Name der Frucht Orange, von der die Farbbezeichnung stammt, kam unter Anlehnung an das frühere niederländische oranjeappel aus dem Französischen. Wie so oft, wenn es um Exotischeres geht, stammt der Name aus dem Arabischen: narang (dies wiederum aus dem Persischen). Das n fiel irgendwann einmal weg und für das o am Wortanfang gibt es verschiedene Erklärungen. Es soll von or (frz. für Gold) oder eben vom Namen der Stadt Orange beeinflusst sein. Die Stadt habe früher etwas mit dem Orangenhandel zu tun gehabt. Die Bezeichnung Apfelsine verdanken wir übrigens direkt den Niederländern: Dort hieß die Frucht früher appelsina, Apfel aus China, und sie wird auch heute noch nicht etwas oranje, sondern sinaasappel oder appelsien genannt.

Und wenn Sie wissen möchten, wann man Farbbezeichnungen klein- und wann großschreibt, hier eine kleine Liste:

das Trikot ist orange
die orange Farbe
die Farbe Orange
in Orange gekleidet

Dies und auch noch eine kurze Bemerkung dazu, ob man ein orange Trikot oder ein oranges Trikot sagt oder sagen sollte, finden Sie auf dieser Seite.

Selbst ein eingefleischter Fußballmuffel wie ich kann sich also nicht ganz dem EM-Rummel entziehen. Andere eingefleischte Fußballmuffel mögen mir diesen Moment der Schwäche verzeihen. Ganz so fußballlastig ist dieser Beitrag ja nun auch wieder nicht.

Macht er nach 500 Metern oder nach 500 Meter schlapp?

Frage

Wann sind Maße und Gewichte zu deklinieren? Zum Beispiel:

Er legte eine Strecke von 100 Kilometer(n) zurück.
Nach 500 Meter(n) macht er schlapp.
Die Tonne hatte einen Inhalt von 50 Liter(n).

Antwort:

Sehr geehrter Herr W.,

bei all Ihren Beispielen sind beide Varianten richtig:

eine Strecke von 100 Kilometer oder ein Strecke von 100 Kilometern
nach 500 Meter oder nach 500 Metern
ein Inhalt von 50 Liter oder ein Inhalt von 50 Litern

Wenn männliche und sächliche Maßangaben, die auf unbetontes -er oder -el enden, im Dativ Plural stehen, werden Sie sowohl gebeugt als auch ungebeugt verwendet. Dies gilt für Maßangaben auf -meter und -liter sowie für die Bruchzahlen. Also auch zum Beispiel:

Fanzone Wien zu zwei Drittel gefüllt oder Fanzone Wien zu zwei Dritteln gefüllt

Wenn ein Läufer mit nicht allzu guter Kondition nach einem halben Kilometer nicht mehr weiterkommt, macht er also nach 500 Meter oder nach 500 Metern schlapp. Die Grammatik lässt beides zu und dem keuchenden Läufer ist die Deklination dann wahrscheinlich ohnehin völlig egal.

Mehr dazu, wie man Maß- und Mengenangaben dekliniert oder eben nicht dekliniert, finden Sie auf dieser Grammatikseite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Fugen-s und Bindestrich

Frage

Eine Frage zur Wortbildung mit Bindestrich: Ist es erlaubt, einen Bindestrich zu setzen, wenn der erste Wortteil ein Fugenelement enthält, oder fällt dieses dann weg?

Beispiel: Schaltvorgangs-Beschreibung oder Schaltvorgang-Beschreibung oder Schaltvorgangsbeschreibung?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

stilistisch gesehen ist es meist nicht so schön, direkt nach einem Fugenelement einen Bindestrich zu schreiben. Schließlich gibt ja das Fugenelement schon an, wo die Trennstelle zwischen den beiden Wortteilen liegt. Am besten schreiben Sie also Schaltvorgangsbeschreibung. Meistens kann man nämlich seinen Lesern und Leserinnen problemlos viel längere Wörter zumuten, als man denkt.

Es ist aber nicht verboten, nach einem Fugenelement zur Verdeutlichung einen Bindestrich zu setzen. Manchmal muss sogar ein Bindestrich verwendet werden:

Festtags-Make-up
Installations-CD
Herren-WC
Fugen-s

Und bei einem Wortungetüm wie Hochgeschwindigkeits-Internetzugang ist ein Bindestrich zur Verdeutlichung sicher gerechtfertigt. Wenn Sie also „unbedingt“ die Struktur des zusammengesetzten Wortes verdeutlichen wollen, können Sie einen Bindestrich verwenden: Schaltvorgangs-Beschreibung.

Sehen Sie auch die entsprechende Rechtschreibseite.

Zu guter Letzt: Ein Fugenelement fällt vor einem Bindestrich nicht weg.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das Elsässische

Vor meinem Urlaub hatte ich versprochen, Sie zu informieren, falls mir etwas Besonderes zur Situation der deutschen Sprache im Elsass auffallen sollte. Die elsässischen Dialekte gehören ja wie ihre nächsten Verwandten das Badische und das Baseldeutsche zu den im südwestlichen deutschen Sprachraum gesprochenen alemannischen Dialekten. Mir ist vor allem aufgefallen, dass mir fast nichts aufgefallen ist. Alles ist französisch angeschrieben und in Geschäften, Restaurants, Museen und auf der Straße hört man als Tourist – außer natürlich von anderen Touristen – eigentlich nur Französisch. Natürlich hab ich meinem Berufsinteresse gehorchend manchmal etwas besser aufgepasst und dann doch vor allem auf dem Land vor allem ältere Semester elsässisch miteinander sprechen gehört.

Das stimmt mit den Zahlen des INSEE, des französischen Instituts für Statistik und Wirtschaftsforschung, überein, nach denen im Jahre 2002 nur noch 40 Prozent der elsässischen Bevölkerung den Dialekt sprachen und bei den Jüngeren sogar nur noch einer von vier sich manchmal des Elsässischen bediente. Der Dialekt werde vor allem in der Familie und im engeren Freundeskreis gesprochen. Wie viele andere Dialekte scheint auch das Elsässische langsam von der Hochsprache der Schule und des Fernsehens verdrängt zu werden. Da aber der Dialekt und die Hochsprache zwei verschiedenen Sprachfamilien angehören, sodass es praktisch keine gleitenden Übergangsformen geben kann, sieht die Sprachrealität ganz anders aus als für andere Dialekte des Deutschen. Auch die bewegte Geschichte dieser Region ist wohl für die Stellung des Elsässischen nicht ganz ohne Einfluss.

Kenner und Sprecher des Elsässischen bitte ich für diese völlig unzureichende Darstellung der Sprachsituation im Elsass um Entschuldigung. Ein paar Tage Urlaub reichen eben nicht aus, sich besser mit der Situation bekannt zu machen. Deshalb gehe ich jetzt gleich wieder auf das Niveau des unbefangenen deutschsprachigen Besuchers zurück. So fiel mir auf, dass eine Bäckerei überall eine Boulangerie ist, „sogar“ wenn sie in Ampfersbach steht und den Namen Schaffhauser trägt. Namen wie Strasbourg, Mulhouse und Le Haut-Kœnigsbourg erinnern zwar an den alemannischen Ursprung, sehen aber richtig schön französisch aus und klingen auch so. Wenn man aber Ortsnamen wie Col de la Schlucht, Ammerschwihr, Niedermorschwihr und Voegtlinshoffen oder Gastronomisches wie kougelhopf, bäeckeoffe und Gewürztraminer ohne zu stolpern in einen französischen Satz einbauen will, muss man wohl als Elsässer oder Elsässerin geboren worden sein. So viel ist mir dann also doch aufgefallen.

Wie dem auch sei, das Elsass und die Vogesen sind bestimmt eine Reise wert!