Hallo alle!

Frage

Ist die Begrüßung „hallo alle“ richtiges und gutes Deutsch?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

ob hallo alle richtiges und gutes Deutsch ist, hängt davon ab, was Sie darunter verstehen. Als Begrüßung ist es standardsprachlich nicht üblich und in einer formelleren Umgebung auch nicht zu empfehlen. In einer informellen Situation unter Freunden und guten Bekannten gibt es meiner Meinung nach nichts dagegen einzuwenden.

Rein grammatisch folgt nach hallo die Angabe der oder des Begrüßten, und zwar im Nominativ. Zum Beispiel:

Hallo, liebe Nachbarinnen und Nachbarn!
Hallo, mein lieber Schatz!
Hallo, du kleiner Stinker!

Wenn man bei der Begrüßung alle meint, ist also hallo alle grammatisch gesehen korrekt:

Hallo[,] alle!

Oder auch zum Beispiel:

Hallo, alle zusammen!
Hallo allerseits!

Ob diese Begrüßung üblich und passend ist, hängt wie oben bereits gesagt von der Situation und den beteiligten Personen ab. Was an einem Ort problemlos möglich ist, kann an anderer Stelle äußerst unpassend sein. Ob etwas richtiges und gutes Deutsch ist, hat oft nicht nur mit Grammatik, sondern auch mit Fingerspitzengefühl und Gewandtheit im gesellschaftlichen Umgang zu tun.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Deodorants, Deodorante – und Deodorantien?

Frage

Der Plural von „Antitranspirant“ ist gemäß dem Wörterbuch „Antitranspirants“. Ich finde aber in der Literatur immer wieder den Begriff „Antitranspirantien“ (oder auch „Deodorant – Deodorantien“). Kann man diesen so stehen lassen?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

die Wörter Antitranspirant und Deodorant (Desodorant) kommen aus dem Englischen und werden im Plural wie dort mit s gebildet. Daneben kommt auch die deutsche Pluralendung e vor:

das Antitranspirant – die Antitranspirants, auch die Antitranspirante
das Deodorant – die Deodorants,  auch die Deodorante

Der übergroße Teil der Substantive auf –ant ist männlich und wird schwach gebeugt (zum Beispiel Informant – Informanten, Lieferant – Lieferanten, Konsonant – Konsonanten). Sie sollen uns hier nicht weiter interessieren, denn Antitranspirant und Deodorant sind sächlich. Es gibt nur wenige sächliche Substantive dieser Form, und wenn sie nicht wie diese beiden aus dem Englischen stammen, kommen sie häufig aus dem Französischen (zum Beispiel Restaurant – Restaurants, Pendant – Pendants, Fondant – Fondants).

Woher kommen nun die Pluralformen Deodorantien und Antitranspirantien, die Sie ebenfalls entdeckt haben. Aus dem Englischen oder Französischen stammen sie ja nicht. Sie klingen sehr fachsprachlich, ich weiß aber nicht, ob sie nicht einfach pseudofachsprachlich sind. Sie gehören eigentlich zu einer latinisierenden Singularform Deodorans und Antitranspirans, werden aber (fälschlich?) nicht nur bei dieser Singularform verwendet.

das Antitranspirans – die Antitranspirantien (o. Antitranspiranzien)
das Deodorans – die Deodorantien (o. Deodoranzien)

Weitere sächliche Substantive dieser Form mit einem Plural auf –antien, -anzien oder –antia:

Adjuvans (unterstützender Bestandteil)
Antioxidans (Autoxidation verhindernder Zusatz)
Koagulans (Blutgerinnung förderndes Mittel)
Laxans (Abführmittel)
Relaxans (Muskeln entspannendes Arzneimittel)
Roborans (Stärkungsmittel)
Stimulans (stimulierendes Mittel)

Meine Empfehlung für Deodorant und Antitranspirant: Verwenden Sie insbesondere in allgemeinen Texten nur die Singularformen auf -ant und die Pluralformen auf -ants oder -ante. Wer dennoch nicht auf den Plural Antitranspirantien und Deodorantien verzichten will, sollte erwägen, auch im Singular die latinisierten Formen Antitranspirans und Deodorans zu gebrauchen. Wenn es schon wissenschaftlich klingen soll, dann auch auf der ganzen Linie.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Hier steht ein Komma, oder?

Frage

Auf der Suche nach verständlich erklärten Kommaregeln habe ich die Seite von Canoonet gefunden – und bin begeistert! Alle Regeln auf einen Blick. Eine Frage habe ich aber trotzdem. Die Regeln zum Thema „Komma vor und/oder“ verstehe ich nun ganz gut. Wie ist es aber, wenn am Ende eines Satzes ein „oder“ steht, also das Gesagte in Zweifel gezogen wird – steht dann ein Komma vor dem „oder“?

Du kommst doch morgen(,) oder?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

dieses eher umgangssprachliche „oder“ ist eine Art nachgestellte Stellungnahme. Sie sollte durch ein Komma abgetrennt werden:

Du kommst doch morgen, oder?

Dies gilt auch für andere mehr oder weniger umgangssprachliche oder standardsprachliche Vergewisserungsfragen u. Ä.:

Du benimmst dich anständig, gell(e)!
Sie bleiben hier, ja?
Das war schön, nicht?
Herr Boulanger war schon einmal hier, nicht wahr?
Sie hat dir bestimmt geholfen, oder etwa nicht?

Es wäre schön, wenn es immer so einfach wäre, nicht wahr?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zweimal verneint ist nicht doppelt verneint

Frage

Heute möchte ich mich mit einem für mich nicht ganz eindeutigen Fall der Verneinung an Sie wenden. Der Satz lautet:

Sie blieben auch dann bei ihrer Meinung, als keiner mehr daran glaubte, weder hier noch in anderen Ländern.

oder

Sie blieben auch dann bei ihrer Meinung, als keiner mehr daran glaubte, sowohl hier als auch in anderen Ländern.

Da im Deutschen im Gegensatz zu einigen anderen Sprachen ja die doppelte Verneinung eigentlich eine Bejahung bedeutet, sollte eigentlich die zweite Variante für die Aussage zutreffen, dass weder im In- noch im Ausland jemand daran glaubte. Mir scheint aber auch die erste Variante nicht abwegig.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

es stimmt, dass im Deutschen – zumindest in seiner Standardvariante – die doppelte Verneinung zu einer bejahten Aussage führt:

Ich habe nie nichts gesagt.
= Ich habe immer etwas gesagt.

Sie haben niemandem nichts geglaubt.
= Sie haben allen etwas geglaubt.

Weder im In- noch im Ausland glaubte keiner daran.
= Sowohl im In- als auch im Ausland glaubte jemand daran.

Man formuliert deshalb korrekt ohne doppelte Verneinung:

Sie blieben auch dann bei ihrer Meinung, als weder hier noch in anderen Ländern noch jemand daran glaubte.

oder

Sie blieben auch dann bei ihrer Meinung, als sowohl hier als auch in anderen Ländern keiner mehr daran glaubte.

Und trotzdem bin ich bei Ihrem Beispiel für die erste Variante:

Sie blieben auch dann bei ihrer Meinung, als keiner mehr daran glaubte, weder hier noch in anderen Ländern.

Das liegt nicht daran, dass ich mich plötzlich zur doppelten Verneinung bekehrt hätte. Nein, ich bin einfach der Meinung, dass hier keine doppelte Verneinung vorliegt, weil die Wortgruppe weder… noch… als Nachtrag sozusagen aus dem Satz ausgelagert wird. Die Verneinung im Satz hat deshalb keinen Einfluss mehr auf den Nachtrag. Der Nachtrag gehört nicht zu ihrem Wirkungsbereich, so dass die Verneinung im Satz und die Verneinung im Nachtrag einander nicht aufheben.

Ich weiß, dass dies keine wissenschaftlich fundierte Argumentation ist, aber so scheint es im Deutschen zu funktionieren: Nachträge zu etwas Verneintem gehören nicht mehr zum Wirkungsbereich der Verneinung und müssen deshalb ggf. ebenfalls verneint werden. Weitere Beispielpaare a) ohne Nachtrag und b) mit einem Nachtrag:

a) Sie hatte weder im Haus noch im Garten jemanden gesehen.
b) Sie hatte niemanden gesehen, weder im Haus noch im Garten.

a) Ich habe auch zu Hause nie geraucht.
b) Ich habe nie geraucht, auch nicht zu Hause.

a) Sie können nirgendwo jemanden für diese Aufgabe finden.
b) Sie können niemanden für diese Aufgabe finden, wirklich nirgendwo.

Ich hoffe, dass dies dazu beitragen kann, Ihre Zweifel an der Variante zu beseitigen, die Sie zu Recht für nicht abwegig halten. Es ist die richtige, weil ein Nachtrag separat verneint sein will. Zweimal verneint ist nicht immer doppelt verneint.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Vom tz und vom ck

Frage

Die Buchstabenverbindungen ck respektive tz werden wie Doppelkonsonanten behandelt. Sie gelten als Kürzezeichen und stehen darum nach kurzen Vokalen. In der Fachliteratur steht oft als Begründung, weshalb ck resp. tz geschrieben wird, dies sei historisch begründet. Was für historische Gründe sind das?

Antwort

Liebe Familie S.,

die Schreibungen tz und ck haben eine unterschiedliche Herkunft. Fangen wir mit dem tz an:

Das z steht nicht für einen Laut, sondern für zwei Laute, nämlich t und s. Viele (also nicht alle) z sind sprachgeschichtlich aus einem t entstanden. Man sieht dies heute am besten an Wörtern aus dem Niederländischen, Schwedischen und Englischen, in denen das t ein t geblieben ist. Zum Beispiel:

Hitze: hitte, hetta, heat
schwitzen: zweten, svettas, sweat
Münze: munt, mynt, u.a. mint
zwölf: twaalf, tolv, twelve

Auch aus heutiger Sicht ist die Schreibung tz nach einem kurzen Vokal noch relativ gut zu erklären. Wenn man ein Wort mit tz im Wortinneren trennt, spricht man nicht zwei z (ts-ts), sondern ein t und ein z (o. evtl. ein t und ein s):

Hit – ze, schwit – zen, Fet – zen, put – zen

Die Schreibung tz statt zz erklärt sich also sowohl aus historischer Sicht (z ist aus t entstanden), als auch aus lautlicher Sicht (z steht für ts; bei Worttrennung spricht man t-z nicht ts-ts).

Beim ck ist es einfacher, aber vielleicht weniger überzeugend: Die Buchstaben c und k standen und stehen oft für denselben Laut (früher zum Beispiel Camerad, Canal, Concert und Creatur neben Kamerad, Kanal, Konzert und Kreatur). Bei der Verdoppelung nahm man nicht „unschön“ zweimal den gleichen Buchstaben kk, sondern die „schönere“ Verbindung von zwei verschiedenen Buchstaben mit dem gleichen Wert ck. Diese Schreibtradition, ck statt kk, hat sich bis in die heutige Schrift gehalten.

Das ist natürlich nicht die ganze Geschichte, aber als kurze Erklärung von einem Nicht-„Schriftgelehrten“ dürfte es hoffentlich ausreichend sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn ja und nein unklar werden: „halbverneinte“ Fragen

Frage

Lautet die Antwort auf die folgende Frage „Ja“ oder „Nein“?

– Heißt das, er wurde nicht entlassen?
– Ja. (Ja, das heißt es.)
– Nein. (Nein, er wurde nicht entlassen.)

Antwort

Guten Tag H.,

es ist besser, diese positiv eingeleitete Frage (heißt das?) mit verneintem Inhalt (er wurde nicht entlassen) nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten. Logisch Veranlagte können Ihnen sicher erklären, warum die eine oder die andere Antwort eindeutig ist, doch für die Normalsterblichen ist nicht immer klar, was mit der einfachen Antwort Ja oder Nein gemeint ist. Man kann ja nicht immer davon ausgehen, dass sowohl die fragende als auch die antwortende Person die Regeln der Logik so gut beherrschen. Und daran, was richtig wäre, hat man nicht viel, wenn man sicher sein will.

Hier ein paar Beispiele, wie eine Antwort verstanden werden kann:

– Heißt das, er wurde nicht entlassen?
– Ja.
= Ja, das heißt, er wurde nicht entlassen.

Eine andere relativ eindeutige Antwort ist „doch“:

– Heißt das, er wurde nicht entlassen?
– Doch.
= Doch, er wurde entlassen.

Bis hierher gibt es nicht viel Zweideutiges zu verzeichnen. Schwieriger wird es bei dieser Antwort:

– Heißt das, er wurde nicht entlassen?
– Nein
= Nein, das heißt, er wurde entlassen.
= Nein, er wurde nicht entlassen.

Wird mit Nein geantwortet, kann man nicht sicher sein, ob diese Antwort den einleitenden Teil Heißt das? negiert oder den eigentlichen Inhalt der Frage er wurde nicht entlassen.

Beide Antwortvorschläge, die Sie in Ihrer Frage machen, sind also möglich:

– Heißt das, er wurde nicht entlassen?
– Ja = Ja, das heißt es.
– Nein = Nein, er wurde nicht entlassen.

Dummerweise kann Nein aber auch bedeuten, dass er sehr wohl entlassen wurde (s. o.).

Die Antworten ja und doch sind hier ziemlich eindeutig. Man muss aber als normalbegabtes Mitglied der Sprachgemeinschaft doch kurz nachdenken, bis man das auch so interpretiert. Bei der Antwort nein ist meiner Meinung ganz einfach unklar, was ausgesagt werden soll. Es ist deshalb zu empfehlen, keine solchen „halbverneinten“ und allgemein keine verneinten Fragen zu stellen, wenn es um etwas Wichtiges geht. Und wenn jemand Ihnen doch eine Frage mit Verneinung stellt, ist es meistens besser, nicht nur mit Ja oder Nein zu antworten (siehe auch hier).

Oder finden Sie, dass ich nicht recht habe?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

In den „Buddenbrooks“, in der „Verwandlung“ und im „Steppenwolf“

Frage

Meine Schüler haben mich gefragt, wie man mit Titeln umgeht, und zwar:

Das Ende des Fausts, des Faust, des „Faust“ oder von Faust?
In „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ oder in den „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“?
In „Die Buddenbrooks“ oder in den „Buddenbrooks“?
In „Die Verwandlung“ oder in der „Verwandlung“?
usw.

Antwort

Sehr geehrte Frau T.,

Werktitel sind im Deutschen nicht „unantastbar“. Im Prinzip werden sie innerhalb eines durchlaufenden Textes gleich behandelt wie „normale“ Wortgruppen:

das Ende von „Faust“
in den „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“
aus den „Buddenbrooks“
in der „Verwandlung“
in Kafkas „Verwandlung“
der Autor des „Steppenwolfs“
mit der „Unendlichen Geschichte“ von Michael Ende
mit Michael Endes „Unendlicher Geschichte“

Sieh auch hier.

Häufig kommt heute aber auch die unveränderte Übernahme des Titels vor. Dann sollte man unbedingt Anführungszeichen (oder Kursivdruck) verwenden:

in „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“
aus „Die Buddenbrooks“
in „Die Verwandlung“
in Kafkas „Die Verwandlung“
der Autor von „Der Steppenwolf“
mit „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende
mit Michael Endes „Die Unendliche Geschichte“

Wenn man den Titel nicht verändern möchte, ist es allerdings stilistisch häufig besser, zum Beispiel die Art des Werkes einzufügen:

im Roman „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“
aus Manns Werk „Die Buddenbrooks“
in der Erzählung „Die Verwandlung“
der Autor des Romans „Der Steppenwolf“
mit Michael Endes Jugendbuch „Die unendliche Geschichte“

Es gibt hier also wieder einmal mehr als eine Möglichkeit. Anders als viele meinen, darf und sollte man Werktitel u. Ä. in einem Text so abändern, dass sie in die Struktur des Satzes passen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Gier, Begierde, Neugier

Frage

Immer wieder stolpere ich über das „de“ bei Neugierde und Begierde. Während Begier meines Erachtens deutlich seltener verwendet wird als Begierde, sind Neugier und Neugierde vielleicht gleich häufig. Aber eine Gierde gibt es doch gar nicht? Wo kommt denn da das „de“ her?

Antwort

Sehr geehrter Herr N.,

ähnliche Wörter beeinflussen einander häufiger im Laufe der Wortgeschichte, auch wenn ihr Entstehungsgeschichte nicht ganz gleich ist. In diesem Fall haben wir es mit drei Wörtern zu tun, deren Geschichte unterschiedlicher ist, als man auf den ersten Blick annehmen würde.

Das Wort Gier ist eine althochdeutsche Ableitung des Adjektivs gir, ger = begierig. Dieses Adjektiv wiederum wurde später durch die Ableitung gierig abgelöst.

Das Wort Begierde ist keine direkte Ableitung von Gier, sondern eine Ableitung vom mittelhochdeutschen Verb begirn = begehren. Mit dem alten Ableitungssuffix ‑ida, später zu ‑de reduziert, wurden auch andere Wörter gebildet. Heute noch kennen wir neben Begierde zum Beispiel Gebärde, Freude, Beschwerde, Behörde, Zierde. Die suffixlose Form Begier ist dann durch Analogie mit Gier entstanden.

Das Wort Neugier hat eine andere Entstehungsgeschichte: Es ist eine Rückbildung von neugierig. Mit „Rückbildung“ ist Folgendes gemeint: Zuerst entstand das Adjektiv neugierig (16. Jh.). Später bildet man dann ein dazugehörendes Substantiv, von dem dieses Adjektiv hätte abgeleitet sein können: Neugier (17. Jh.). Die Variante Neugierde lässt sich schließlich durch Analogie mit Begierde erklären.

Gier, Begierde, Neugier – drei Wörter mit ähnlicher Form und unterschiedlicher Entstehungsgeschichte, die sich im Lauf der Zeit gegenseitig beeinflusst haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Quellen u. a.:
– Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, De Gruyter, 2002.
– Das Herkunftswörterbuch, Dudenverlag 2007.
DWDS, Etymologisches Wörterbuch nach Pfeifer.

Blühende Rosen und die Rechtschreibung

Gartentechnisch ist es noch ein bisschen zu früh, denn blühende Rosen dürften hierzulande noch eine große Ausnahme sein, doch orthografisch ist diese Frage ein Dauerbrenner: Getrennt- und Zusammenschreibung bei Partizipien. Diesmal anhand eines blumigen Beispiels:

Frage

Würden Sie mir beipflichten: „früh blühende Rosen“ contra „einmalblühende Rosen“ – einmal getrennt, ein andermal zusammen?

Antwort

Sehrt geehrter Herr L.,

um es gleich vorwegzunehmen: In beiden Fällen sind beide Schreibungen möglich:

früh blühende Rosen / frühblühende Rosen
einmal blühende Rosen / einmalblühende Rosen

Siehe hier.

Spielt dabei eine Rolle, ob die Rose „zufällig“ früh blüht oder einmal blüht oder ob sie zu einer Sorte gehört, die früh blüht resp. nur einmal im Jahr blüht? Diese Unterscheidung wurde früher strenger eingehalten. Das Standardbeispiel ist das folgende: Nach der alten Rechtschreibung waren Fleisch fressende Tiere nur dann Fleisch fressend, wenn sie gerade dabei waren, Fleisch zu fressen. Die fleischfressenden Tiere hingegen waren auch dann fleischfressend, wenn sie jagten, faul herumlagen oder anderweitig beschäftigt waren. Diese Unterscheidung wird tendenziell auch heute noch eingehalten, sie ist aber nicht mehr obligatorisch.

Tendenziell bezeichnen also frühblühende Rosen und einmalblühende Rosen eine Rosensorte, die relativ früh im Jahr oder nur einmal im Jahr blüht. Es spricht aber nach der aktuellen Rechtschreibregelung nichts dagegen, früh blühende Sorten und einmal blühende Sorten zu schreiben. Es empfiehlt sich nur, innerhalb eines Textes oder einer Textreihe möglichst konsequent dieselbe Schreibung zu verwenden. Frühblühend oder früh blühend, einmalblühend oder einmal blühend; Hauptsache, sie blühen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das »Rien ne va plus« des Croupiers und der Großbuchstabe

Frage

In einem Roman, den ich gerade lese, kam folgende Passage vor:

Nach dem „rien ne va plus“ des Croupiers wurde es still.

Müsste hier „rien“ nicht großgeschrieben werden, da es sich doch eigentlich um einen Ganzsatz handelt? Duden verzeichnet „rien ne va plus“ genau so.1 Können Sie mir weiterhelfen?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

auch ich halte hier die Großschreibung für richtig:

Nach dem „Rien ne va plus“ des Croupiers wurde es still.

Oder mit einem Ausrufezeichen, das die Bestimmtheit akzentuiert, mit der die Aussage wahrscheinlich getätigt wird:

Nach dem „Rien ne va plus!“ des Croupiers wurde es still.

Die Begründung geben Sie bereits in Ihrer Frage. Es handelt sich bei „Rien ne va plus“, also „Nichts geht mehr“, um einen Ganzsatz und ganze Sätze beginnen mit einem Großbuchstaben, auch wenn sie wie hier in einen anderen Satz eingebettet sind (vgl. § 94.2 der amtl. Rechtschreibregelung).

Weitere Beispiele:

Die Bürokratie nimmt durch die Einstellung „Wir vertrauen niemandem“, die in vielen Amtsstuben herrscht, immer groteskere Formen an.
Ein einfaches „Geht es dir gut?“ hätte genügt.
Das ständig laut schreiend wiederholte „Ich will ein Eis!“ des kleinen Jungen ging mir langsam auf die Nerven.2

Das „Rien ne va plus“ des Croupiers sollte also in Ihrem Roman korrekt mit einem großen Anfangsbuchstaben „erklingen“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1 In den Duden-Werken werden Beispiele meist mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben, auch wenn es sich um Ganzsätze handelt. So findet man zum Beispiel in „Duden, Universalwörterbuch“, 7. Auflage, 2011, unter dem Stichwort etwas u. a. die folgenden Beispiele:

– da klappert doch e.
– hat er e. gesagt?
– e. muss geschehen

Das erklärt auch die Kleinschreibung „rien ne va plus“, die Sie zitieren.

2 Der kleine Junge (weder verwandt noch bekannt, sondern an einem Nebentisch) nervte tatsächlich, als wir letzten Sonntag die nachmittägliche Fahrradtour für eine wohlverdiente Pause unterbrachen. Dies nur als Hinweis, dass manche Beispiele tatsächlich aus dem Leben gegriffen sind.