Weibliche Motorschiffe

Eine Frage für Landratten und Binnenlandbewohner:

Frage

Ich las einen Artikel, in dem sinngemäß stand:  „… dann hat die MS Alexander …“ Mir ist die MS Alexander auch sympathisch. Es tönt angenehmer, gewohnter als das MS Alexander. Bin ich auf dem Holzweg, wenn ich MS als Motorschiff lese?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

Sie sind nicht „auf dem Holzweg“. Schiffsnamen sind im Allgemeinen weiblich: die Titanic, die Hindenburg, die Bounty usw. Das gilt sogar dann, wenn eine an und für sich sächliche Abkürzung wie MS (Motorschiff) oder SS (je nach Sprache Steam Ship o. Segelschiff) Teil des Namens ist. Es heißt deshalb das Motorschiff »Alexander«, aber die »MS Alexander« oder einfach die »Alexander«. Ebenso zum Beispiel: die MS Hamburg, die MS Rossini, die SS Rotterdam, die TSS Carnivale usw.

Warum Schiffe immer weiblich sind, ist eine andere Frage, auf die ich bis jetzt keine vernünftige Antwort finden konnte – nur witzig Gemeintes wie „weil die Takelage so teuer ist“ …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Männlicher oder sächliches Filter

Frage

Heißt es „der Filter“ oder „das Filter“? Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass es „der Filter“ heißt, aber mein Prof. redet immer von „das Filter“. Ich bin deshalb inzwischen ein bisschen verunsichert und wollte mal kurz Klarheit geschaffen haben. Er schreibt zum Beispiel: „Ein analoges Filter hat die Übertragungsfunktion …“

Antwort

Guten Tag S.,

bis jetzt hatte ich beim Wortgeschlecht von Filter die gleiche Überzeugung wie Sie: Man sagt „natürlich“ der Filter. Ein kurzer Blick in die Wörterbücher zeigt aber, dass wir uns – wie es einem bei solchen Überzeugungen im Sprachbereich so oft ergeht – beide getäuscht haben. Das Wort Filter kann sowohl männlich als auch sächlich sein. Sehen Sie zum Beispiele hier.

Es scheint allerdings so zu sein, dass die sächliche Variante das Filter hauptsächlich in technischen Fachsprachen verwendet wird. Das könnte stimmen, denn das Filter, von dem Ihr Professor spricht, klingt ziemlich technisch. Im Gegensatz dazu sind zum Beispiel der trotz des Aufkommens von Espressomaschinen und Kaffeevollautomaten immer noch recht alltägliche Kaffeefilter sowie der seit einigen Jahren in meinem Alltag nicht mehr vertraute, aber deswegen noch lange nicht fachsprachliche Zigarettenfilter eigentlich immer nur männlich: der Kaffeefilter, der Zigarettenfilter.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Eines Abends, eines Nachts

Heute geht es wieder einmal im eine Frage, bei der ich mich wundere, dass ich sie mir nie selbst gestellt habe.

Frage

Warum sagt man eines Nachts, obwohl das Nomen Nacht weiblich ist?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

es ist tatsächlich erstaunlich, dass ein weibliches Wort wie Nacht plötzlich wie ein männliches oder sächliches Wort daherkommt. Weibliche Nomen haben (außer als Eingennamen) kein s im Genitiv. In einigen festen Wendungen stehen weibliche Wörter trotzdem mit einem Genitiv-s und manchmal sogar mit einem männlich/sächlichen Artikelwort. Eher veraltet:

von Obrigkeits wegen
an Zahlungs statt

Noch springlebendig, aber etwas gehoben:

eines Nachts

Diese eigentlich sehr sonderbaren Formen wurden schon vor langer Zeit in Analogie mit männlichen und sächlichen Wörtern gebildet, die in vergleichbaren festen Wendungen vorkommen:

von Amts wegen, von Staats wegen
an Kindes statt, an Eides statt
eines Tages, eines Morgens, eines Abends

Nach und nach haben sich diese weiblichen s-Genitive so sehr eingebürgert, dass sie uns heute gar nicht mehr sonderbar vorkommen. Sie sind auch standardsprachlich richtig, obwohl sie ihre Laufbahn streng genommen als „falsche Analogie“ angefangen haben.

Wortformen wie Zahlungs, Obrigkeits und Nachts kommen nur in diesen festen adverbialen Wendungen vor. Das erwähne ich hier auch zur Beruhigung von Deutschlernenden, die nach viel Arbeit und Mühe die Endungen der deutschen Nomendeklination endlich im Griff haben und dann plötzlich weiblichen Substantiven wie Nacht mit einem Genitiv-s begegnen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

NS: Auch das Adverb nachts (z. B. um drei Uhr nachts) ist ursprünglich eine Analogiebildung zu tags.

Warum der Python männlich ist

Frage

Warum heißt es der Python und nicht die Python?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

der Python verdankt seinen Namen der von Apollo getöteten Schlange Python. Diese mythologische Figur, die das Orakel in Delphi behütete, ist im Griechischen männlich. Deshalb heißt die Schlange wohl auch im Deutschen offiziell der Python.

Vor allem umgangssprachlich ist diese Schlange aber häufig weiblich: die Python. Auch ich muss mir Mühe geben, um „der Python“ zu sagen, denn auch bei mir kommt spontan die Python“ auf. Das liegt daran, dass praktisch alle anderen Schlangenarten wie das Wort Schlange“ weiblich sind*. Zum Beispiel:

die Anakonda, die Boa, die Kobra, die Mamba, die Natter, die Otter (der Otter ist ein ganz anderes Tier!), die Viper

Wenn man es aber standardsprachlich ganz richtig machen will, sagt man am besten der Python“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Ich habe auf die Schnelle“ nur eine weitere Ausnahme gefunden: der Buschmeister (eine giftige Grubenotternart aus Mittel- und Südamerika). Es ist möglich, dass es noch mehr Ausnahmen gibt.

Die Ruderin und die Zauberin: ein beliebter Streitfall

Wieder einmal ein bliebtes Thema, wenn Deutschsprachige sich über ihre Sprache streiten:

Frage

Ich diskutiere gerade mit Freunden über die weibliche Form von Bezeichnungen wie Zauberer – Zauberin, Ruderer – Ruderin. Meine Freunde behaupten, es müsse Zaubererin und Rudererin heißen, schließlich sage man auch FahrerFahrerin. Ich weiß zwar, dass ich Recht habe (Zauberin, Ruderin), aber ich würde es gern begründen.

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

der Unterschied zwischen Fahrer und Zauberer liegt darin, dass das erste Wort am Schluss nur ein unbetontes er hat, während das zweite auf zwei unbetonte er (-erer) endet. Wenn die weibliche Endung in an ein Wort angehängt wird, das auf unbetontes erer endet, fällt im Standarddeutschen ein er weg (vgl. CanooNet):

Zauberin (nicht *Zaubererin)
Ruderin (nicht *Rudererin)
Bewunderin (nicht *Bewundererin)
Herausforderin (nicht *Herausfordererin)
usw.

Dies ist nicht etwa eine von Grammatikern frei erfundene Regel, die uns Deutschsprechenden das Leben schwer machen soll, sondern ein historisch gewachsenes lautliches Phänomen. Es handelt sich um eine sogenannte Haplologie. Man verzeihe mir bitte diesen Fachausdruck. Mir gefällt das Wort einfach gut. Man spricht von einer Haplologie, wenn zwei gleichlautende Silben zu einer Silbe zusammenfallen. Der Zweck der Übung: Es vereinfacht die Aussprache ungemein.

Bei den männlichen Formen Zauberer und Bewunderer tritt keine Haplologie auf, weil sonst die Bedeutung der Nachsilbe er (jemand, der die Verbhandlung ausübt) wegfällt: Zauberer => Zauber, Bewunderer => Bewunder. Tritt nun aber noch eine Silbe hinzu, die wie in angibt, dass es sich um eine „ausübende“ Person handelt, kann die Haplologie zuschlagen, ohne dass Bedeutungselemente verloren gehen: Zaubererin, Bewundererin => Zauberin, Bewunderin. Wie bereits gesagt, ist das nicht eine durch Grammatiker ausgetüftelte Spitzfindigkeit, sondern ein lautliches Phänomen, das im Deutschen historisch gewachsen ist. Hätten Grammatiker die Finger im Spiel gehabt, hätte wahrscheinlich diejenige „Logik“ gewonnen, die -ererin vorschreiben würde.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

NS: Wenn das Wort Haplologie dem Phänomen unterliegen würde, das es beschreibt, würde es Haplogie heißen. Es ist sozusagen ein Fachwort mit eingebauter Eselsbrücke.

Männliche Autos und weibliche Motorräder

Frage

Mich irritiert eine Sache ganz gewaltig: Wenn ich ein Auto z. B. der Marke BMW besitze, sage ich: „Ich fahre einen BMW.“ Habe ich aber ein BMW-Motorrad, sage ich: „Ich fahre eine BMW.“ Da sowohl das Motorrad als auch das Auto sächlich sind, muss der Ursprung für diese Ausdrucksweise ja zum Beispiel von Synonymen (welchen?) oder aber von importierten Möglichkeiten anderer Sprachen entstanden sein?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

bis auf wenige Ausnahmen sind Autos männlich und Motorräder weiblich. Zum Beispiel:

Autos:
der Alfa Romeo
der Audi
der Citroën
der Honda

Motorräder:
die Ducati
die Honda
die Harley
die Kawasaki

Den genauen Grund für die Wahl des männlichen und weiblichen Artikels kann ich nicht mir Sicherheit angeben. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass bei den Autos das männliche Wort der Wagen und bei den Motorrädern das weibliche Wort die Maschine eine entscheidende Rolle gespielt haben. Aber warum nicht einfach das? Hier muss ich raten: Wagen klingt eben vornehmer und teurer als Auto und Maschine macht einen schnelleren und sportlicheren Eindruck als Motorrad. Motorfahrzeuge haben ja für viele von uns nicht nur die Funktion, einen von A nach B zu bringen.

Den Einfluss anderer Sprachen kann man eigentlich ausschließen. Die heute einflussreichste Fremdsprache, das Englische, kennt ja außer bei Personen kein Wortgeschlecht. Ihre Vorgänger in Sachen Einfluss, das Französische und zum Teil auch das Italienische, können auch nicht „schuld“ sein. Aus Frankreich und Italien kommen zwar viele Autos, aber dort sind sie weiblich: la Renault, une Peugeot; la Fiat, una Ferrari. Grammatische Einflüsse dieser Art aus dem Japanischen und Koreanischen, also aus Sprachen weiterer Autoländer, kommen wohl ebenfalls nicht in Frage. Diese Sprachen sind dafür nicht nur geographisch etwas zu weit entfernt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Autos als Lebensinhalt und Deutschland als Weltmeisterin

Es geht hier nicht um die Frage, ob die Deutschen ihr Auto mehr lieben als der Rest der Welt.

Frage

Wie erklärt der Sprachwissenschafler das Besondere folgender Opel-Werbung: „Wir leben Autos“ (FAS 13.9.09)? Wodurch entsteht grammatikalisch die Wirkung? Und wie ist es bei der folgenden Mercedes-Werbung: „Deutschland ist Weltmeisterin“ (FAZ 12.9.09)?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

beide Werbesprüche haben das wichtigste Ziel erreicht: Sie fallen auf. Das beweisen nur schon Ihre Frage und meine Antwort. Doch wie fallen Sie auf? Am besten fällt man auf, indem man abweicht. In beiden Werbeslogans steht eine Formulierung, die vom normalen Sprachgebrauch abweicht.

Wir leben Autos

In der Opelwerbung fällt die Verwendung des Wortes Autos als Akkusativobjekt bei leben auf. Normalerweise sagt man einfach leben, gut leben, an einem Ort leben, für etwas leben, von etwas leben, mit etwas leben usw. usw. Man sagt praktisch nie etwas leben. Dies ist nur üblich, wenn es um Begriffe geht, die man durchleben, vorleben oder im Leben praktizieren kann. Zum Beispiel: ein einfaches Leben leben, Demokratie leben, seinen Glauben leben, seine eigene Geschichte leben u. Ä. Es geht also um abstrakte Begriffe. Autos hingegen sind konkrete Dinge, die man im Prinzip nicht leben kann. Durch den Werbeslogan wird etwas Konkretes wie Autos zu etwas Abstraktem, zu so etwas wie einer Weltanschauung, einem Lebensinhalt. Das fällt auf.

Deutschland ist Weltmeisterin

Der Mercedes-Slogan knüpft an den Weltmeistertitel der deutschen Fußballfrauen an. Mercedes-Benz war ja der Generalsponsor der deutschen Frauen-Fußballnationalelf. Hier fällt auf, dass die weibliche Form Weltmeisterin sich auf Deutschland bezieht. Man kann sich zwar mit weiblichen Personenbezeichnungen auf eine Sache, Institution usw. beziehen, aber das ist nur dann möglich, wenn es sich um ein weibliches Wort handelt:

Antragstellerin ist die Universität
Die Firma AX ist Lieferantin des Produktes.

Bei männlichen und sächlichen Wörtern ist dies im Prinzip nicht möglich. Trotzdem bezieht sich im Mercedes-Slogan die weibliche Personenbezeichnung Weltmeisterin auf das sächliche Wort Deutschland. Obwohl es Frauen waren, die den Weltmeister(innen)titel errungen haben, ist das grammatisch gesehen eigentlich falsch und fällt deshalb entsprechend auf.

Sehen Sie hierzu auch diesen und diesen älteren Blogeintrag.

Werbesprüche können also mit Hilfe „grammatischer Vergehen“ auffallen und dadurch wirkungsvoll sein. Bei Opel und Mercedes hat das jedenfalls insofern gut funktioniert, dass die Markennamen einige Male in diesem Blog genannt werden …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Warum Rotkäppchen zu seiner Großmutter ging

Wie wir wahrscheinlich alle wissen, ging Rotkäppchen zur Großmutter, um ihr ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein zu bringen. Mit der Frage im Titel ist dann auch nicht gemeint, aus welchem Grund die junge Dame den gefährlichen Fußmarsch durch den Wald unternahm, sondern warum Rotkäppchen zu seiner und nicht zu ihrer Großmutter ging.

Frage

Warum heißt es zum Beispiel: „Rotkäppchen ging nach Hause, und niemand tat ihm etwas zuleid“? Verlangt Rotkäppchen nicht eigentlich die Form: „… und niemand tat ihr etwas zuleid“?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

Rotkäppchen ist grammatisch gesehen ein sächliches Nomen (das Rotkäppchen), auch wenn das natürliche Geschlecht weiblich ist. Bei der grammatischen Übereinstimmung richtet man sich im Deutschen in der Regel nach dem grammatischen und nicht nach dem natürlichen Geschlecht. Deshalb geht Rotkäppchen zu seiner Großmutter, nicht zu ihrer Großmutter. Dieser Besuch wird ihm beinahe fatal, weil es den Wolf für seine Großmutter hält, aber glücklicherweise rettet der wackere Jäger das Mädchen, das sonst sein Leben als Wolfsmahl hätte lassen müssen.

Wie man sieht, gilt diese Regel der grammatischen Übereinstimmung auch für  Mädchen. Ein weiteres Beispiel:

Das Mädchen, das seinen Namen verloren hatte.

Bei diesem Wort wird allerdings immer häufiger auch die weibliche Form verwendet. Dies geschieht insbesondere dann, wenn der Abstand zwischen Mädchen und dem Pronomen größer ist:

Aber Tom konnte das Mädchen nicht vergessen. Er durfte nicht mehr durch die verborgene Tür gehen, aber er musste doch versuchen, hinter ihren Namen zu kommen.

Die Formulierung „hinter seinen Namen zu kommen“ ist hier aber mindestens ebenso korrekt. Wörter wie Rotkäppchen, Mädchen und Kind bleiben eben in der Regel grammatisch sächlich, auch wenn sie weibliche Personen bezeichnen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Sie ist jemand, die – oder der?

Frage

Ich frage mich, ob auf jemand ein weibliches Relativpronomen folgen kann oder ob jemand stets als männliches Wort behandelt wird. Wie ist es zum Beispiel bei „Ich kenne jemanden, die ein gelbes Auto hat“? Ist diese Formulierung nur ungewohnt oder grammatisch falsch? Falls letzteres, wie kann ich der Tatsache Ausdruck verleihen, dass es eine Frau ist, die das gelbe Auto hat? Kann jemand dies je ausdrücken?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

das Wort jemand ist eigentlich weder männlich noch weiblich, sondern unbestimmt. In der Regel nimmt man aber mit einem männlichen Pronomen Bezug auf jemand, sogar wenn die mit jemand bezeichnete Person eine Frau ist:

Ich kenne jemanden, der ein gelbes Auto hat: Hannelore.
Sie ist jemand, der sich gut zu helfen weiß.

Die männliche Form ist hier die „neutrale“ Form, die bei unbestimmten Ausdrücken verwendet wird. Im Prinzip steht jemand ja für eine unbestimmte Person. Ähnliches gilt zum Beispiel auch für man und niemand:

Man weiß gar nicht, was man mit seiner Zeit anfangen soll.
Ich kenne niemanden, der

Gelegentlich wird aber bei jemand anstelle der „neutralen“, männlichen Form die dem natürlichen Geschlecht entsprechende weibliche Form verwendet:

Ich kenne jemanden, die ein gelbes Auto hat.
Sie ist jemand, die sich gut zu helfen weiß.

Die weiblichen Formen sind hier nicht falsch, aber eher unüblich. Andere mögliche Formulierungen, wenn man sich nicht mit männlichen Pronomen auf weibliche Personen beziehen will, sind zum Beispiel:

Ich kenne eine Frau, die ein gelbes Auto hat.
Sie ist eine Person, die sich gut zu helfen weiß.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Bis nächstes Ostern oder bis nächste Ostern?

Frage

Ich stehe wieder vor einem kleinen Rätsel:

Wenn Sie das Marmorieren oder die Serviettentechnik noch nicht beherrschen, können Sie sich mit Stickern und Abziehbildchen helfen und die beiden Techniken bis zum nächsten Ostern lernen

Diese Formulierung behagt mir aber nicht. Ich würde entweder schreiben bis zum nächsten Osterfest oder bis nächste Ostern. Bei der letzteren Variante bin ich jedoch unsicher.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

wie Sie mit dem Wort Ostern umgehen, scheint davon abhängig zu sein, woher Sie kommen oder wo Sie sind. Im südlichen deutschen Sprachraum ist Ostern ein Pluralwort. In Nord- und Mitteldeutschland ist es ein sächliches Singularwort. Sie schreiben also je nachdem:

bis nächste Ostern
bis nächstes Ostern

Die etwas schwerfälligen Formulierungen bis zu den nächsten Ostern und bis zum nächsten Ostern sind ebenfalls möglich. Was immer Sie auch wählen, ein Teil der Leserschaft wird sich über die Formulierung wundern. Wenn nicht der Süden den Kopf schüttelt, dann ist der Norden unzufrieden. Deshalb empfehle ich Ihnen, den Satz anders zu formulieren, wenn Sie den gesamten deutschen Sprachraum ansprechen wollen:

bis dieses Jahr Ostern bzw. bis nächstes Jahr Ostern
bis zum nächsten Osterfest

Ganz Ähnliches gilt auch für Pfingsten und Weihnachten.

Wenn es wie jetzt gar nicht mehr so lange dauert, kann man auch einfach sagen:

bis Ostern

So zum Beispiel in der folgenden Gewissensfrage: Gelingt es Ihnen, den je nach Region und Größe des Geschäfts zentner- bis tonnenweise angebotenen Süßigkeiten in Eiform bis Ostern zu widerstehen? Ich gestehe: Es ist mir nicht gelungen. Die kleinen Schokoladeneier mit Fondant- und Haselnussfüllung und die Nougateier schmecken einfach zu gut! Ich versuche allerdings, mich der Tradition und meiner Gesundheit zuliebe bis Ostern einigermaßen zurückzuhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp