Nicht unbedingt falsch: eine Grammatikübung, wo …

Frage

Bei einem der Beiträge hieß es in der Fragestellung: „Es handelt sich um eine Grammatikübung, wo jeweils das Adjektiv zu deklinieren ist.“ Wo wird also als Relativpronomen verwendet. Von einem Lehrer ganz offensichtlich. Nehmen Sie daran keinen Anstoß?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

der Relativanschluss wo ist standardsprachlich nicht richtig, wenn wo anstelle des einfachen Relativpronomens verwendet wird:

nicht: das Buch, *wo ich gelesen habe
sondern nur: das Buch, das ich gelesen habe

nicht: die Grammatikübung, *wo ich gemacht habe
sondern nur: die Grammatikübung, die ich gemacht habe

Man kann aber wo dann relativisch verwenden, wenn eine Ortsangabe gemacht wird. Dann steht wo für eine Verbindung von Präposition und Relativpronomen:

der Ort, wo ich sie getroffen habe
oder: der Ort, an dem ich sie getroffen habe

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen?
oder: Kennst du das Land, in dem die Zitronen blühen?

Das ist die Stelle im Text, wo das Rätsel gelöst wird.
oder: Das ist die Stelle im Text, an der das Rätsel gelöst wird.

Das gilt auch dann, wenn die Ortsangabe in übertragenem Sinne zu verstehen ist:

ein fester Freundeskreis, wo neue Gesichter nicht gerne gesehen werden
oder: ein fester Freundeskreis, in dem neue Gesichter nicht gerne gesehen werden

eine Grammatikübung, wo das Adjektiv zu deklinieren ist
oder: eine Grammatikübung, in der das Adjektiv zu deklinieren ist

Anders und etwas vereinfacht gesagt: Wenn man mit wo fragen kann, ist wo auch als Relativpronomen möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Leipziger Allerlei im Genitiv

Frage

Heute eine Frage zur (Weglassung der) Flexionsendung: Heißt es „wie im Falle des ‚Leipziger Allerlei‘“ oder „wie im Falle des Leipziger Allerleis“? „Leipziger Allerlei“ steht in dem betreffenden Text in Anführungszeichen, deshalb bin ich mir nicht sicher. Meiner Meinung nach müsste es „Allerleis“ heißen. Stimmen Sie mir zu?

Antwort

Guten Tag Herr A.,

richtig ist hier eigentlich die Beugung des Namens des Gerichtes:

im Falle des Leipziger Allerleis
im Falle des „Leipziger Allerleis“

Immer häufiger kommt aber bei Bezeichnungen dieser Art – wie bei Eigennamen mit Artikel (siehe hier) – auch in der Standardsprache die Variante ohne Genitiv-s vor:

im Falle des Leipziger Allerlei
im Falle des „Leipziger Allerlei“

Wie die Beispiele zeigen, spielt es dabei im Prinzip keine Rolle, ob der Name in Anführungszeichen steht oder nicht.

Ich würde hier die Varianten mit der Genitivendung empfehlen, aber bei Leipziger Allerlei ist die endungslose Variante mindestens ebenso üblich. Nicht empfehlen würde das Weglassen der Endung bei Gerichten u. Ä. die noch näher an „gewöhnlichen“ Wörtern liegen. Sie sagen und schreiben also besser nicht des Schwarzwälder Schinken oder eines Wiener Schnitzel, sondern des Schwarzwälder Schinkens und eines Wiener Schnitzels.

Ob mit oder ohne Genitiv-s: Hauptsache, es schmeckt!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wer nicht weiß, was Leipziger Allerlei ist, schaut zum Beispiel hier nach.

»Sitz!« und »Setz!«

Frage

Ich verzweifle am Imperativ der zweiten Person Singular des Verbs „sitzen“. Grammatikalisch richtig scheint mir „sitz“. Dabei denke ich aber automatisch und ausschließlich an einen Hund. Wie sage ich zu meinem Kind? Intuitiv „setz“, was aber wohl falsch ist. Laut Internet „sitze“, was ich aber noch nie gehört habe.

Können Sie mir weiterhelfen?

Antwort

Guten Tag Herr M.,

der Imperativ der zweiten Person Einzahl von sitzen ist sitz oder sitze. Beide Formen sind korrekt und es gibt keinen Bedeutungsunterschied. Dieser Imperativ sieht etwas seltsam aus, wenn er ganz alleine steht. So kommt er eigentlich nur als Kommando für einen Hund vor:

Sitz!

Ganz alleine kommt die Form sonst nicht vor. Für die Aufforderung, mit dem Sitzen anzufangen, verwenden wir setzen (setz dich!). Wenn jemand schon sitzt, kann man nur noch befehlen, sitzen zu bleiben (bleib sitzen!),  oder angeben, wie man sitzen bzw. nicht sitzen soll.

In Verbindung mit passenden anderen Wörtern sieht der Imperativ von sitzen deshalb schon viel „normaler“ aus:

Sitz still! / Sitze still!
Sitz gerade! / Sitze gerade!
Sitz nicht einfach nur faul herum! / Sitze nicht einfach nur faul herum!

Die Form setz gehört nicht zu sitzen, sondern zum Verb setzen. Sie können zum Beispiel sagen:

Setz dich und sitz still!

Manche Wortformen benötigen einen Zusammenhang, damit sie nicht seltsam oder ungewöhnlich aussehen. Ohne (obligatorische) Ergänzungen machen Imperative wie fall, finde, lieg oder tritt einen seltsamen Eindruck. Erst im Zusammenhang sind sie eigentlich sinnvoll:

Pass auf, fall nicht!
Finde die Lösung.
Lieg nicht den ganzen Tag im Bett!
Tritt nicht ins Fettnäpfchen!

Bei anderen Verben gibt es den Imperativ nur theoretisch, weil sie einen Vorgang bezeichnen, zu dem man gar nicht auffordern kann. Beispiele sind: besitz, gäre, glimme, quill, sprieß, stink u.v.a.m. Sehr oft sind Imperative dieser Art aber nicht unmöglich, nur unüblich. Siehe zum Beispiel:

Besitze nicht, sondern teile!
Glimm weiter, Feuer, geh nicht aus!
Stink nicht so, geh duschen, du Penner!

Viele Wörter und Wortformen – auch Imperative – erhalten ihre ganze Bedeutung erst im Zusammenhang.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Öffnen Theater am Tag der offenen Tür ihre Tür oder ihre Türen?

Frage

Hier stolpere ich immer wieder drüber – wie ist es richtig mit den Türen?:

Über 100 Theater öffnen ihre Tür für das Publikum.
Über 100 Theater öffnen ihre Türen für das Publikum.

Oder geht einfach beides?

Antwort

Guten Tag Frau P.,

eine enttäuschende Antwort für alle, die denken, dass Deutsch eine so schön logische Sprache sei: Beides ist richtig.

Es sei vorausgeschickt, dass ein Theater wörtlich seine Türen in der Mehrzahl oder im übertragenen Sinne seine Tür in der Einzahl öffnen kann. Die meisten Theater sind so groß, dass sie mehr als eine Tür haben, die geöffnet wird. An einem Tag der offenen Tür kann aber einfach bildlich „die Tür“ als Zugang gemeint sein.

Das Stadttheater öffnet seine Türen für Neugierige.
Das Stadttheater öffnet seine Tür für Neugierige.

Wie sieht es nun aus, wenn mehrere Theater jeweils eine (sprichwörtliche) Tür öffnen? – Auch dann geht beides.

Es gibt im Deutschen den sogenannten distributiven Singular, den man verwendet, wenn mehrere Einheiten oder vor allem mehrere Personen jeweils eine Sache haben:

Alle hatten eine Mütze auf.
Viele Eltern tendieren dazu, ihr Einzelkind zu verwöhnen.
Bei mehreren Hütten hatte der Sturm das Dach abgedeckt.

Es ist aber nicht falsch, hier den Plural zu verwenden:

Alle hatten Mützen auf.
Viele Eltern tendieren dazu, ihre Einzelkinder zu verwöhnen.
Bei mehreren Hütten hatte der Sturm die Dächer abgedeckt.

Das gilt auch für Theater, die ihre Tür(en) öffnen, selbst wenn die eine sprichwörtliche Tür gemeint ist:

Über hundert Theater öffnen ihre Tür für das Publikum.
Über hundert Theater öffnen ihre Türen für das Publikum.

Nur dann, wenn gesagt werden soll, dass alle beteiligten Theater jeweils mehr als eine Tür öffnen, nur dann muss der Plural ihre Türen stehen.

Mehr zu diesem Thema finden Sie in zwei älteren Artikeln (Fragen dieser Art tauchen immer wieder auf): Der erste behandelt die Frage, ob sich unsere Vorfahren in ihrem Grab oder in ihren Gräbern umdrehen würden. Der zweite beschäftigt sich mit dem „Problem“, wie viele Häuser ein Popstar hat, der Häuser in drei Ländern besitzt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn + und – unmittelbar nebeneinanderstehen: LGBTQ+ in Zusammensetzungen

Frage

Wie schreibt man eine Zusammensetzung richtig, die ein Sonderzeichen beinhaltet, ganz konkret ein Pluszeichen? Ich meine hier den Begriff „LGBTQIA+-Feindlichkeit“. Kann hier der Bindestrich ausbleiben, um ein seltsames „+-“ zu vermeiden? Darf das ohne Bindestrich geschrieben werden?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

Zusammensetzungen mit einer Abkürzung werden mit Bindestrich geschrieben (amtl. Rechtschreibregelung §40.2):

die NATO-Länder
das WM-Spiel
Kfz-Papiere
CO2-Emissionen
eine dpa-Meldung
die US-amerikanische Staatsbürgerschaft

Auch dann, wenn die Abkürzung mit einem + endet, sollte der Bindestrich in einer Zusammensetzung verwendet werden:

LGBTQIA+-Personen
LGBTQ+-Rechte
LGBTQIA+-Feindlichkeit
LGBTQ+-feindliche Politik

Das Aufeinandertreffen von + und – ergibt ein ungewöhnliches Schriftbild. Wahrscheinlich deshalb kommt die Schreibung ohne Bindestrich häufig vor. Es ist aber nach den Rechtschreibregeln nicht korrekt, den Bindestrich hier wegzulassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das Komma, wenn etwas „wie für dich gemacht“ aussieht

Frage

Ich bin oft unsicher, wenn es um Vergleiche geht. Wäre zum Beispiel hier ein Komma angebracht?

Der Tisch sieht aus, wie für dich gemacht.

Ich hätte gedacht, da müsste eins hin. […] Ein Kollege meinte jedoch, es gäbe in diesem Satz keinen Nebensatz.

Antwort

Guten Tag Frau R.,

Ihr Kollege hat recht. Sie sollten hier kein Komma setzen, denn wie leitet keinen Nebensatz ein:

Der Tisch sieht aus wie für dich gemacht.
Der Tisch sieht wie für dich gemacht aus.

Es dauerte nicht so lange wie erwartet.

Ein Komma steht bei Vergleichen mit als und wie nur dann, wenn als oder wie einen Nebensatz einleiten. Ein Komma muss also zum Beispiel hier stehen:

Der Tisch sieht aus, wie er für dich gemacht  worden wäre.

Es dauerte nicht so lange, wie ich erwartet hatte.

Siehe auch hier (ganz unten auf der Seite).

Wie immer ist es „natürlich“ möglich, die ganze Sache zu komplizieren. Manchmal ist eine solche wie-Gruppe nicht Teil eines Vergleiches, sondern ein Nachtrag, den man mit einem Komma (oder Gedankenstrich) abtrennen muss:

Der Tisch sieht toll aus, wie für dich gemacht.
Der Tisch ist sehr schön, wie für dich gemacht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Titel und Eigenname im Genitiv: im Leben des Pater[s] Pio

Frage

Ich bin Korrektorin und versuche mich gerade zu rechtfertigen, warum ich den Titel „Ein Tag im Leben des Pater Bio“ (ohne Genitiv-s bei „Pater“) habe durchgehen lassen. […] Ich selbst hätte zwar das Genitiv-s gesetzt, es klang aber ohne nicht völlig falsch, und ich hatte wohl auch Hochachtung vor dem Autor, der sich im Gegensatz zu mir in Kirchenbelangen auskennt.

Antwort

Guten Tag Frau Z.,

bei erweiterten Eigennamen im Genitiv ist es gar nicht so einfach, ob und wie man beugen soll. Entscheidend ist dabei, ob ein Artikel mitspielt oder nicht.

Verwandtschaftsbezeichnungen, Berufsbezeichnungen, Anredeformen, Titel u. Ä. gehören zum Namen, wenn sie ohne Artikelwort verwendet werden. Dekliniert wird der ganze Name:

Tante Annas Cabriolet
König Arthurs Tafelrunde
die Tafelrunde König Arthurs
Pater Browns Geheimnisse
Pater Pios Leben

Wenn sie von einem Artikelwort begleitet werden, sind Verwandtschaftsbezeichnungen, Berufsbezeichnungen, Anredeformen, Titel u. Ä. in der Regel nicht Teil des Namens und werden gebeugt. Der Name ist Apposition und bleibt ungebeugt:

das Cabriolet meines Onkels Anton
die Tafelrunde des Königs Arthur
die Geheimnisse des Paters Brown
das Leben des Paters Pio

In formeller oder gehobener Sprache können solche Verbindungen aber auch mit Artikel als Ganzes als Name aufgefasst werden. Allgemein gilt, dass nachgestellte Personennamen mit Artikel im heutigen Deutschen ungebeugt bleiben:

das Spielzeugauto des kleinen Joachim
das sagenhafte Reich der Kleopatra

Entsprechend bleiben auch diese Verbindungen endungslos, wenn sie als Ganzes als Eigennamen aufgefasst werden:

das Vermögen des Onkel Dagobert
die Tafelrunde des König Arthur
die Geheimnisse des Pater Brown
das Leben des Pater Pio

Immer zum Namen gerechnet wird übrigens der Titel Doktor, auch wenn er mit einem Artikel daherkommt:

der Blog des Doktor Bopp

Sie haben also Ein Tag im Leben des Pater Pio zu Recht durchgehen lassen. Es klingt nicht falsch, weil es in eher gehobenem/formellem Sprachgebrauch möglich ist, die Verbindung ‚Titel + Name‘ auch mit Artikel als Ganzes wie einen Eigennamen zu behandeln. In „neutralerem“ Sprachgebrauch hätte auch ich Ein Tag im Leben des Paters Pio gewählt – oder ohne Artikel: Ein Tag in Pater Pios Leben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wortstellung: „außer du hast keine Zeit“

Frage

in LEOs deutsche Grammatik: 3.6.3.3.3 Modalsatz findet sich dieser Satz als Variante zu den Subjunktionen „außer dass“ und „außer wenn“:

Wir kommen zu dir, außer du hast keine Zeit.

Beim Lesen dieses Satzes stutzte ich, denn der außer-Satz ist aufgrund der Verbstellung kein Nebensatz, sondern ein nebengeordneter Hauptsatz […] Aber in dieser Funktion wird sie in keiner mir vorliegenden Grammatik erwähnt. Die Konstruktion erinnert mich an ähnliche mit „weil“, die als umgangssprachlich gelten: „Wir sollten jetzt reingehen, weil es regnet ziemlich stark.“ […] Also scheint mir Ihr Beispielsatz eher aus dem umgangssprachlichen Bereich zu sein.

Antwort

Guten Tag Herr H.,

für weil gilt tatsächlich, dass es standardsprachlich nur unterordnend verwendet werden sollte:

… weil es ziemlich stark regnet.
besser nicht: … weil es regnet ziemlich stark.

Das gilt nicht für außer. So schrieb zum Beispiel Erich Kästner diesen berühmten Satz:

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Aber auch zum Beispiel in Grammis oder in den Wörterbüchern und der Grammatik von Duden finden sich Beispielsätze wie die folgenden (wobei keine stilistischen Angaben wie umgangssprachlich oder Ähnliches gemachtwerden):

Im Falle einer Scheidung bekommt das Sorgerecht die Mutter, außer der Richter entscheidet anders.
Morgen fahre ich in die Berge, außer das Wetter spielt nicht mit.

ich komme, außer es regnet, außer wenn es regnet;
Er muss zu dem Termin erscheinen, außer er ist wirklich krank.
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Die Verwendung von außer mit dieser Wortstellung kommt also nicht nur in unserer Grammatik vor.

Es gibt somit vier verschiedene Möglichkeiten, mit Hilfe von außer Teilsätze miteinander zu verbinden:

außer dass
außer zu
außer wenn
außer

Dabei haben außer dass und außer zu die gleiche Bedeutung: ausgenommen dass.

Ich habe nichts erfahren können, außer dass sie abgereist ist.

Es gibt keinen Ausweg, außer dass wir ihn um Hilfe bitten.
Es gibt keinen Ausweg, außer ihn um Hilfe zu bitten.

Und das allein stehende außer hat die gleiche Bedeutung wie außer wenn: ausgenommen wenn.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
Es gibt nichts Gutes, außer wenn man es tut.

Im Falle einer Scheidung bekommt das Sorgerecht die Mutter, außer der Richter entscheidet anders.
Im Falle einer Scheidung bekommt das Sorgerecht die Mutter, außer wenn der Richter anders entscheidet.

Wir kommen zu dir, außer du hast keine Zeit.
Wir kommen zu dir, außer wenn du keine Zeit hast.

Bei außer haben wir es also mit einem recht flexibel einsetzbaren Wörtchen zu tun. Und was hier beschrieben wird, ist noch nicht alles, wie dieser ältere Blogartikel zeigt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ein Freitag[,] der Dreizehnte

Heute ist zwar Freitag, der Dreißigste, Thema ist dennoch Freitag, der Dreizehnte:

Frage

Die Formulierung „ein Freitag, der 13.“ kommt manchmal vor. Hier erscheint mir die Kombination aus unbestimmtem und bestimmtem Artikel paradox. Müsste es nicht „ein Freitag als Dreizehnter (dreizehnter Tag)“ heißen?

Mehr noch: Das englische „Friday the 13th“ ist ohne Komma gängig und es gibt ja auch Fälle wie „Alexander der Große“. Lässt sich das auf „Freitag der 13.“ übertragen oder ist ein Komma obligatorisch? […]

Antwort

Guten Tag Herr P.,

ein bisschen Flexibilität ist auch bei der Rechtschreibung und der Grammatik gefragt. Im Prinzip ist es Freitag, der 13. mit Komma:

an einem Freitag, dem Dreizehnten
schon wieder ein Freitag, der 13.
für jeden Freitag, den 13.

Es handelt sich oft um eine besondere Datumsangabe, weil dann eine Portion Aberglaube und zusätzliche Bedeutung mitmischt. Ich halte deshalb die Kombination von bestimmtem und unbestimmtem Artikel für gut möglich – nur schon deshalb, weil sie mehr oder weniger regelmäßig vorkommt.

Man könnte weiter dafür plädieren, dass es sich um den Namen eines besonderen Tages handelt, und ohne Komma schreiben:

schon wieder ein Freitag der Dreizehnte
die Angst vor [dem] Freitag dem 13.

Es ist aber anders als Alexander der Große, Elisabeth die Zweite, Lukas der Lokomotivführer oder Shaun das Schaf kein wirklicher Eigenname. Der Freitag(,) der Dreizehnte, den Sie hier meinen, passt also weder zu den eigentlichen Datumsangaben noch zu den besonderen Eigennamen.

Um auf die Flexibilität zurückzukommen: Man kann für Freitag der 13. ohne Komma argumentieren, wenn ein Unglückstag gemeint ist. Das Komma ist aber auch gut vertretbar. Wenn Sie „auf Nummer sicher gehen“ wollen, wählen Sie die Schreibung mit Komma, die übrigens auch (implizit) in den Rechtschreibwörterbüchern angegeben wird:

schon wieder ein Freitag, der Dreizehnte
die Angst vor [dem] Freitag, dem 13.

Man könnte auch ein Freitag als Dreizehnter sagen, aber das ist für diesen besonderen Tag nicht üblich und entsprechend weniger gut verständlich. So viel zu diesem Thema am heutigen Freitag, dem Dreißigsten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp