Was ist besser: „mit nach Hause nehmen“ oder „nach Hause mitnehmen“?

Frage

Neulich wurde mir folgender Satz gesagt: „Ich nehme das Buch nach Hause mit.“ Ich würde in diesem Fall sagen: „Ich nehme das Buch mit nach Hause.“ Welcher der beiden Sätze wäre zu bevorzugen?

Antwort

Guten Tag Frau K.,

beide Formulierungen sind möglich und richtig. Was ist der Unterschied? Es geht hier rein grammatisch betrachtet um zwei unterschiedliche Konstruktionen, die (fast) die gleiche Bedeutung haben.

Die erste Konstruktion wird mit dem Verb mitnehmen und der Adverbialbestimmung nach Hause gebildet:

nach Hause mitnehmen
Ich nehme das Buch nach Hause mit.
Ich will das Buch nach Hause mitnehmen.
Ich habe das Buch nach Hause mitgenommen.

Die zweite Konstruktion wird mit dem Verb nehmen und der komplexen Adverbialbestimmung mit nach Hause gebildet:

mit nach Hause nehmen
Ich nehme das Buch mit nach Hause.
Ich will das Buch mit nach Hause nehmen.
Ich habe das Buch mit nach Hause genommen.

Ähnlich zum Beispiel auch:

in seine Heimat zurückfahren
zurück in seine Heimat fahren

auf den Turm hinaufsteigen
hinauf auf den Turm steigen

ins Tal hinunterführen
hinunter ins Tal führen

Die beiden Konstruktionen sind jeweils eng miteinander verwandt. Genaueres dazu kann ich so schnell nicht finden (eine gründlichere Untersuchung wäre bestimmt interessant). Sie scheinen dann möglich zu sein, wenn eine Richtung angegeben wird und ein selbständiges Adverb beteiligt ist, das auch Teil eines trennbaren Verbs sein kann (hinauf, hinunter, mit, zurück u.a.m.).

Und nun endlich zu Ihrer eigentlichen Frage: Beide Formulierungen sind korrekt. Es gibt keine Richtlinie, was zu bevorzugen ist. Sie können also wählen, was Ihnen im jeweils gegebenen Zusammenhang besser zusagt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Grünes-Gewölbe-Einbrecher?

Frage

In einem Forum ist diese Frage aufgekommen: Wie wird „Grünes-Gewölbe-Einbrecher“ richtig dekliniert?

In Ihrem Artikel Wie man „Tschechische Republik, Deutsche Bank und Alte Post beugt“ schreiben Sie:

Das Adjektiv kann gebeugt werden, aber auch ungebeugt bleiben:

der Rote-Armee-Fraktion / der Roten-Armee-Fraktion
der Arme-Sünder-Glocke / der Armen-Sünder-Glocke (o. der Armesünderglocke)

Heißt es dann „die Verurteilung der Grünen-Gewölbe-Einbrecher“ oder „die Verurteilung der Grünes-Gewölbe-Einbrecher“? Ich wär ja eh für „die Verurteilung der Einbrecher ins Grüne Gewölbe“.

Antwort

Guten Tag S.,

Es heißt bei einigen Ausnahmen:

die Rote-Armee-Fraktion, der Rote[n]-Armee-Fraktion
die Arme-Sünder-Glocke, der Arme[n]-Sünder-Glocke
(auch: die Armesünderglocke, der Armesünderglocke)

Die Beugung des Adjektivs ist streng nach der Struktur der Zusammensetzung eigentlich nicht vertretbar. Sie kommt aber bei diesen Wörtern regelmäßig vor und wird zum Teil als korrekt angesehen, zum Teil aber auch als umgangssprachlich bezeichnet.

Wodurch entsteht die Unsicherheit? – Sie entsteht dadurch, dass diese Art der Wortzusammensetzung (dreiteiliges Kompositum mit einem Adjektiv mit Flexionsendung an erster Stelle) im Deutschen eigentlich nicht vorgesehen ist und nur selten vorkommt. Üblich und stilistisch in der Regel viel besser ist eine Formulierung mit einem Attribut.

Besser nicht:

die Goldener-Löwe-Wirtin
die Schwarze-Madonna-Verehrung
ein Süddeutsche-Zeitung-Artikel
die Grünes-Gewölbe-Einbrecher

Sondern:

die Wirtin des Goldenen Löwen
die Verehrung der Schwarzen Madonna
ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung
die Einbrecher in das Grüne Gewölbe

Die Frage, die Sie stellen, lautet also, wie man eine unübliche und stilistisch schlechte Zusammensetzung korrekt beugt. Eine Regel gibt es nicht (vgl. unüblich und stilistisch schlecht) und mit „Logik“ kommt man in der Sprache oft nicht sehr weit.

Streng nach der Struktur der Zusammensetzung passt besser:

die Verurteilung der Grünes-Gewölbe-Einbrecher

Nach dem Sprachgefühl vieler passt aber eher:

die Verurteilung der Grünen-Gewölbe-Einbrecher

Gut klingt beides nicht und wirklich korrekt ist meiner Meinung nach ebenfalls keines von beiden.

Und wenn man ganz streng ist, „klemmt“ auch die Formulierung die Verurteilung der Einbrecher in das Grüne Gewölbe. Man sagt normalerweise auch nicht die Suche nach den Einbrechern in die Bank oder die Verhaftung der Einbrecher in mehrere Wohnungen. Noch besser wäre deshalb:

die Verurteilung der Täter des Einbruchs in das Grüne Gewölbe

Das ist präziser, aber dafür wieder ziemlich lang. Die optimale Lösung gibt es häufig nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Reinbekommen und rein bekommen

Frage

Es geht um das Verb „reinbekommen“: Ich stolpere über die Tore, die ich reinbekommen habe und meine Frau über die Wäsche, die sie nicht reinbekommen hat. Oder müssen wir das jeweils getrennt schreiben?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

für die Rechtschreibung ist hier die Bedeutung von rein nicht unwichtig, denn rein ist nicht gleich rein.

Bälle, die nicht vor dem Tor abgefangen worden sind, hat die Mannschaft reinbekommen. Hier steht rein für herein. Die (umgangssprachlich) verkürzten Formen rein, raus, rauf, rüber und runter werden immer mit dem Verb zusammengeschrieben: rausgehen, raufsteigen, rüberschicken, runterfallen und entsprechend auch reinbekommen.

Wäsche, die nicht sauber geworden ist, hat die Waschmaschine nicht rein bekommen. Man schreibt hier getrennt, weil rein eine eigenständige konkrete Bedeutung hat und es nicht das Resultat einer Verbhandlung bekommen ist (vgl. unten):

Also:

reinbekommen = hereinbekommen
rein bekommen = sauber bekommen

Ganz so einfach ist es nicht: Ein Adjektiv kann dann mit dem nachfolgenden Verb zusammengeschrieben werden, wenn es das Resultat der Verbhandlung bezeichnet (hier: bewirken, dass etwas rein wird):

die Wäsche rein waschen / reinwaschen
das Zimmer rein machen / reinmachen

Und dann noch dies: Immer zusammen schreibt man, wenn die Verbindung eine übertragene Bedeutung hat:

einen Text reinschreiben = ins Reine schreiben
sich reinwaschen = seine Unschuld beweisen

Es kann also ziemlich komplex werden: Ein Ball wird reingemacht, wenn er ins Tor geschossen wird. Dann hat man ihn reinbekommen. Ein Ball wird rein gemacht oder reingemacht, wenn man in putzt. Und wenn er nicht sauber geworden ist, hat man ihn nicht rein bekommen. Da diese Verben (eher) umgangssprachlich sind, ist es aber nicht so schlimm, wenn man sich einmal bei der Schreibung täuscht. In formelleren Texten kommen sie ohnehin nicht vor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Gebeugte Werktitel: die Hauptrolle in Shaws „Die Heilige Johanna“ / in Shaws „Heiliger Johanna“

Frage

Ich habe mal wieder eine Frage, und zwar betrifft es die Deklination von Film- oder auch Buchtiteln. Hier ein Beispiel: Welche Formulierung ist richtig?

Ich spielte die Hauptrolle in Shaws „Die Heilige Johanna“
Ich spielte die Hauptrolle in Shaws „Heiliger Johanna“

Antwort

Guten Tag Frau R.,

wieder einmal gibt es mehr als nur eine Möglichkeit. Beides ist nämlich möglich und richtig.

Im Prinzip werden mehrteilige Werktitel im Text gleich gebeugt wie „gewöhnliche“ Wortgruppen. Man kann und darf Titel verändern, indem man sie beugt (soweit es möglich ist*). Es heißt demnach:

Für „Die heilige Johanna“ erhielt Shaw 1925 den Nobelpreis
Ich spiele die Hauptrolle in Shaws „Heiliger Johanna“.
Bernhard Shaw hat dies im Vorwort seiner “Heiligen Johanna” sehr gut beschrieben.

Welcher klassische Komponist hat „Eine kleine Nachtmusik“ geschrieben?
Das Konzert startet mit Mozarts „Kleiner Nachtmusik“.
eine Neuaufnahme der „Kleinen Nachtmusik“

Bis heute hat „Der dritte Mann“ nichts von seiner Faszination verloren.
Das Burg-Kino zeigt den „Dritten Mann“ jeden Dienstag.
die schillernde Entstehungsgeschichte des „Dritten Mannes“

Wie oft wurde „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner verfilmt?
das im Jahr 1933 erschienene „Fliegende Klassenzimmer“
ein Zitat aus dem „Fliegenden Klassenzimmer“

Es ist heute aber immer üblicher, den Werktitel als Ganzes ungebeugt zu lassen. Einige der oben stehenden Formulierungen klingen auch ein bisschen seltsam (vor allem ohne weiteren Kontext). Für alle Beispiele mit gebeugtem Titel gibt es auch eine Variante mit unverändertem Titel:

Ich spiele die Hauptrolle in Shaws „Die heilige Johanna“.
Bernard Shaw hat dies im Vorwort zu „Die heilige Johanna“ sehr gut beschrieben.

Das Konzert startet mit Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“.
eine Neuaufnahme von „Eine kleine Nachtmusik“

Das Burg-Kino zeigt „Der dritte Mann“ jeden Dienstag.
die schillernde Entstehungsgeschichte von „Der dritte Mann“

das im Jahr 1933 erschienene „Das fliegende Klassenzimmer“
ein Zitat aus „Das fliegenden Klassenzimmer“

Dies wiederum klingt in einigen Fällen ziemlich holprig. Es ist deshalb stilistisch oft besser, dem unveränderten Titel ein beschreibendes Substantiv vorangehen zu lassen. Zum Beispiel:

Bernard Shaw hat dies im Vorwort zu seinem Stück „Die heilige Johanna“ sehr gut beschrieben.

eine Neuaufnahme der Serenade „Eine kleine Nachtmusik“

die schillernde Entstehungsgeschichte des Filmklassikers „Der dritte Mann“

ein Zitat aus dem Roman „Das fliegenden Klassenzimmer“

Mit etwas Flexibilität und Stilgefühl findet man also immer eine oder zwei passende Formulierungen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Dies alles gilt nur für Titel, die Substantivgruppen sind, die sich grammatisch in einen laufenden Text integrieren lassen. Nicht gebeugt werden können also Titel wie zum Beispiel „Vom Winde verweht“, „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Der Junge muss an die frische Luft“ oder „Zur See“.

Wusste der Onkel nicht mehr, wo er war oder wo er ist?

Frage

Mich quält seit einiger Zeit die Frage, wie der folgende Satz eigentlich richtig lautet:

Mein Onkel war verwirrt, er wusste gestern nicht mehr, wo er war.

Oder müsste es wie folgt heißen:

Mein Onkel war verwirrt, er wusste gestern nicht mehr, wo er ist.

Ich denke, ich würde es spontan vielleicht sogar richtig sagen, doch sobald man anfängt über etwas nachzudenken, geht es nicht mehr.

Antwort

Guten Tag Herr B.,

es gibt im Deutschen kaum feste Regeln zur Abfolge der Zeiten. Vieles ist möglich. Welche Zeitform man in Ihrem Beispiel wählt, hängt unter anderem davon ab, ob ein Gegenwartsbezug besteht oder nicht.

Mein Onkel wusste gestern nicht mehr, wo er ist.

Hier wird ein deutlicher Gegenwartsbezug hergestellt. Der Onkel ist zum Sprechzeitpunkt immer noch an demselben Ort, an dem er auch gestern war (und normalerweise ist).

Mein Onkel wusste gestern nicht mehr, wo er war.

Hier wird kein Gegenwartsbezug hergestellt. Es wird nichts darüber ausgesagt, ob der Onkel zum Sprechzeitpunkt noch am gleichen Ort wie gestern ist oder ob er jetzt an einem anderen Ort ist. Was zutrifft, ergibt sich (wenn es überhaupt wichtig ist) aus dem weiteren Zusammenhang. Zum Beispiel:

Mein Onkel wusste gestern nicht mehr, wo er war, aber jetzt ist er wieder zu Hause und nicht mehr verwirrt.

Mein Onkel wusste gestern nicht mehr, wo er ist/war, aber jetzt erkennt er sein Zimmer wieder.

Das Präteritum wusste im Hauptsatz und das Verb sein in Nebensatz machen die Wahl für war in diesem Satz wahrscheinlicher. Falsch ist ist aber nicht. Vgl. zum Beispiel:

Mein Onkel wusste gestern nicht mehr, wo er wohnt.
Mein Onkel wusste gestern nicht mehr, wo er wohnte.

Hier sind sogar noch weitere Zeitverhältnisse denkbar. Welche Zeitform man in solchen Fällen wählt, ist also eine Frage, die sich oft nicht so einfach und eindeutig beantworten lässt. Wichtig für das genaue Verständnis ist nicht unbedingt die gewählte Zeitform, sondern – wie so oft – der engere und weitere Zusammenhang.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn der Genitiv nicht passt: „mittels welches“

Frage

Ich hätte eine Frage zum Kasus bei Verwendung der Präposition „mittels“ und zur Deklination des Pronomens „welcher“. Der fragliche Satz lautet in etwa:

a) Die Vorrichtung weist einen Hebel auf, mittels welches der Sitz verstellt werden kann.
b) Die Vorrichtung weist einen Hebel auf, mittels welchen der Sitz verstellt werden kann.
c) Die Vorrichtung weist einen Hebel auf, mittels welchem der Sitz verstellt werden kann.

Die Präposition „mittels“ wird normalerweise mit dem Genitiv verwendet. Das wäre dann also „mittels welches“ oder „mittels welchen“ […] Zudem gibt es noch die Regel, dass der Dativ verwendet wird, wenn der Genitiv nicht erkennbar ist. Welche Formulierung ist nach Ihrer Ansicht richtig?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

das Relativpronomen welcher/welche/welches wird je nach der Form nur selten oder gar nicht im Genitiv verwendet. Selten ist die Verwendung der Genitivform welcher (Singular weiblich und Plural):

die Frau, welcher wir gedenken
(üblicher: deren/derer wird gedenken)
die Vorrichtungen, mittels welcher …
(üblicher: mittels deren/derer …)

Nicht gebraucht wird die Genitivform welches (Singular männlich und sächlich). Das gilt auch für die Genitivform welchen. Man weicht dann auf die Genitivform dessen von der/die/das aus:

der Mann, dessen wir gedenken
(nicht: welches o. welchen wir gedenken)
das Instrument, mittels dessen …
(nicht: mittels welches o. welchen …)

Es hier ist standarsprachlich nicht üblich, auf den Dativ auszuweichen (mittels welchem), da es die Möglichkeit gibt, dessen zu verwenden.

Für Ihren Satz bedeutet dies, dass Sie zum Beispiel wie folgt formulieren können:

Die Vorrichtung weist einen Hebel auf, mittels dessen der Sitz verstellt werden kann.
Die Vorrichtung weist einen Hebel auf, mit dem der Sitz verstellt werden kann.
Die Vorrichtung weist einen Hebel auf, mit welchem der Sitz verstellt werden kann

Dasselbe oder Ähnliches gilt auch für andere allein stehende Pronomen wie zum Beispiel dieser, keiner, jeder, alles.

nicht: Ich bediene mich dieses statt jenes.
sondern: Ich bediene mich dieser statt jener Sache.

nicht: Das kommt im Leben jedes vor.
sondern: Das kommt im Leben eines jeden / jedes Menschen vor.

nicht: das Beste alles
sondern: das Beste von allem

Das ist bei weitem nicht alles, was es zu diesem Thema zu sagen gäbe. Eine Schlussfolgerung dieses könnte sein – nein – eine Schlussfolgerung hieraus könnte sein: Wen wundert es, dass der Genitiv es manchmal schwer hat, wenn er sich so „zickig“ verhält!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Konjunktiv oder Indikativ: Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge/untergeht …

Frage

Ich habe eine Frage bezüglich des Konjunktivgebrauchs in folgendem Satz (angeblich ein Zitat Luthers):

Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterGINGE, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.

Das kam mir sprachlich nicht richtig vor. Ich hätte hier eher den Indikativ „untergeht“ im Nebensatz benutzt. Also begann ich im Netz zu recherchieren, wo man aber leider nur ein großes Durcheinander vorfindet, auch auf Seiten, die sich mit Sprache befassen. […]

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Sie finden keine eindeutige Erklärung, weil es im Deutschen beim Konjunktivgebrauch fast keine festen Regeln gibt. Vieles ist möglich und wenig ist wirklich falsch.

In diesem konkreten Beispiel würde auch ich spontan den Indikativ wählen:

Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.

Es geht um einen sogenannten irrealen Bedingungssatz. In einer solchen Konstruktion steht normalerweise in Haupt- und Nebensatz der Konjunktiv II:

Wenn ich das wüsste, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.

Die Frage ist nun, ob der von wüsste abhängige Nebensatz auch im Konjunktiv II stehen muss. Das ist nicht der Fall. Häufig steht „einfach“ der Modus, der auch bei einem realen Satz steht:

Wenn ich wüsste, was du willst, könnte ich dir helfen.
vgl. Wenn ich weiß, was du willst, kann ich dir helfen.

Wenn ich sicher wäre, dass er recht hat, ginge ich …
vgl. Wenn ich sicher bin, dass er recht hat, gehe ich …

Wenn ich wüsste, dass es nicht regnen wird, wäre ich beruhigter.
vgl. Wenn ich weiß, dass es nicht regnen wird, bin ich beruhigter.

Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich … pflanzen
vgl. Wenn ich weiß, dass morgen die Welt untergeht, pflanze ich …

Der Indikativ ist auch im letzten Satz in Ordnung, obwohl ich nicht wissen kann, ob die Welt morgen untergeht, und obwohl ich wahrscheinlich davon ausgehe, dass sie nicht untergehen wird. In diesem Fall kann formal nicht zwischen Realität und Irrealität im Nebensatz unterschieden werden (Irrealität wird im Deutschen bei Weitem nicht immer mit dem Konjunktiv II ausgedrückt). Dass auch der dass-Satz irreal zu verstehen ist, ergibt sich aus dem Kontext und/oder dem Gesamtsinn.

Manchen genügt das offenbar aber nicht immer. Sie drücken die Irrealität auch im Nebensatz durch den Konjunktiv II aus:

Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich …
Vgl. Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich …

Der Konjunktiv II unterginge ist hier nicht notwendig, aber verständlich und kommt zum Beispiel bei diesem Zitat sehr häufig vor – von wem immer es auch stammen mag. Ich würde ihn nicht wählen, da es aber in diesem Bereich keine festen Regeln gibt, ist richtig, was üblich ist. Und üblich ist beides, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Dies würde zum selben Ergebnis […] führen, wenn man davon ausginge, dass für die Berichtigung der Umsatzsteuer und der Vorsteuer die gleichen Grundsätze gelten.

Wenn Sie wüssten, dass diese Schachtel den kostbarsten Diamanten der Welt enthält, wäre es plötzlich eine ganz besondere Schachtel.

Was würden Sie tun, wenn Sie wüßten, dass Sie nur mehr ein Jahr zu leben hätten?

Wenn wir davon ausgingen, dass es wirklich nur einen einzigen Soulmate gäbe, stünden die Chancen, diese Person zu finden, in der Tat ziemlich schlecht.

Diese Sätze wären auch mit dem Konjunktiv bzw. dem Indikativ richtig:

Dies würde zum selben Ergebnis […] führen, wenn man davon ausginge, dass für die Berichtigung der Umsatzsteuer und der Vorsteuer die gleichen Grundsätze gelten würden.

Wenn Sie wüssten, dass diese Schachtel den kostbarsten Diamanten der Welt enthielte, wäre es plötzlich eine ganz besondere Schachtel.

Was würden Sie tun, wenn Sie wüßten, dass Sie nur mehr ein Jahr zu leben haben?

Wenn wir davon ausgingen, dass es wirklich nur einen einzigen Soulmate gibt, stünden die Chancen, diese Person zu finden, in der Tat ziemlich schlecht.

Wenn ich davon ausgehen könnte, dass es im Deutschen eindeutige Regeln für den Konjunktivgebrauch gibt/gäbe, hätte ich beim Beantworten solcher Fragen weniger zu tun.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Teilweise trennbare Verben: ich inlineskate, habe inlinegeskatet

Frage

Könnten Sie mir bitte kurz Ihre Meinung zu folgenden Verbformen mitteilen:

ich skate inline
ich habe inlinegeskatet

Bei Duden steht für die 3.Person komischerweise nur die Form:

er/sie/es inlineskatet

Antwort

Guten Tag Frau K.,

das Verb inlineskaten gehört zu einer speziellen Gruppe von Verben, die auch in Hauptsatzstellung untrennbar sind, obwohl die Hauptbetonung nicht auf dem Verb liegt.

Normalerweise sind präfigierte und zusammengesetzte Verben trennbar, wenn sie auf dem ersten Teil betont sind. Sie sind untrennbar, wenn das Verb die Hauptbetonung trägt. Ein bekanntes Beispiel ist umfahren:

úmfahren (fahrend umwerfen): ich fahre um, habe umgefahren
umfáhren (darum herumfahren): ich umfahre, habe umfahren

Wenn man Beulen vermeiden will, ist es also meist besser, ein Hindernis zu umfahren, als es umzufahren.

Ebenso zum Beispiel:

wégfahren, ich fahre weg, bin weggefahren
befáhren, ich befahre, habe befahren

téílnehmen, ich nehme teil, habe teilgenommen
entnéhmen, ich entnehme, habe entnommen

Einige wenige Verben entziehen sich diesem Schema. Sie sind untrennbar, obwohl sie auf dem ersten Teil betont sind. Zum Beispiel:

doppelklicken, ich doppelklicke
missverstehen, ich missverstehe
notlanden, ich notlande
inlineskaten, ich inlineskate

Eine weitere Besonderheit ist, dass diese Verben häufig (aber nicht immer) beim Partizip Perfekt und beim mit zu erweiterten Infinitiv eine Art trennbare Form haben:

doppelgeklickt, doppelzuklicken
(missverstanden), misszuverstehen
notgelandet, notzulanden
inlinegeskatet, inlinezuskaten (auch: zu inlineskaten)

Siehe auch die Angaben in der LEO-Grammatik auf dieser Seite unter Untrennbare Verben mit „getrennten“ Formen.

Außer missverstehen kommen die Verben dieser Art eher selten und vor allem im Infinitiv vor. Es führt deshalb schnell zu Unsicherheit, wenn sie einmal anders als im Infinitiv verwendet werden sollen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Blumen sind verblüht – Perfekt oder Präsens?

Frage

Ich hätte eine Frage zu folgendem Satz: „Dann war er plötzlich verschwunden und sie wunderte sich, was mit ihm passiert war.“ Hier ist „war verschwunden“ ein Plusquamperfekt. Das Wort „verschwunden“ kann aber auch einfach als Adjektiv verwendet werden. Wie kann ich erkennen, ob „verschwunden“ als Partizip II oder als Adjektiv genutzt wird? Zum Beispiel im folgenden Satz: „Der Kugelschreiber war verschwunden“? […]

Antwort

Guten Tag Herr L.,

bei gewissen intransitiven Verben sieht das Perfekt oder Plusquamperfekt, das mit sein gebildet wird, und das adjektivisch verwendete Partizip mit sein genau gleich aus:

Die Blumen sind verblüht = Perfekt von verblühen
Die Blumen sind verblüht = Präsens von verblüht sein

Das Wasser war gefroren = Plusquamperfekt von gefrieren
Das Wasser war gefroren = Präteritum von gefroren sein

Der Kugelschreiber war verschwunden = Plusquamperfekt von verschwinden
Der Kugelschreiber war verschwunden = Präteritum von verschwunden sein

Ohne Kontext lässt sich nicht entscheiden, ob ein Vorgang im Perfekt bzw. Plusquamperfekt oder ein Zustand im Präsens bzw. Präteritum gemeint ist. Häufig ergibt sich aus dem Zusammenhang, welche Zeitform gemeint ist:

Die Blumen sind vor einiger Zeit verblüht (Vorgang → Perfekt)
Die Blumen sind seit einiger Zeit verblüht (Zustand → Präsens)

Der Teich ist über Nacht gefroren (Vorgang → Perfekt)
Der Teich ist drei Monate lang gefroren (Zustand →Präsens)

Der Kugelschreiben war plötzlich verschwunden (Vorgang → Plusquamperfekt)
Der Kugelschreiber war immer noch verschwunden (Zustand → Präteritum)

Aber auch mit Kontext ist es oft nicht möglich, eine genaue Unterscheidung zu machen:

Es sieht traurig aus, weil alle Blumen verblüht sind.
Es war sehr kalt. Das Wasser war gefroren.

Das ist aber kein großes Problem, denn es ist in solchen Fällen häufig gar nicht wichtig, ob der Vorgang oder dessen Resultat bezeichnet wird. Ob der Kugelschreiber plötzlich verschwunden ist oder schon seit Längerem verschwunden ist, schreiben kann man damit nicht. Und der Zustand verblühter Blumen (sind verblüht) ergibt sich aus dem Vorgang des Verblühens (sind verblüht). Für einen Blumenstrauß taugen sie sowieso nicht mehr.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Was würden Sie wählen?:
– Fragezeichen
– Doppelpunkt
– beides

Frage

Setzt man bei Aufzählung der folgenden Art ein Fragezeichen und einen Doppelpunkt oder nur ein Fragezeichen oder nur einen Doppelpunkt?

Gibt es einen Bedeutungsunterschied zwischen diesen Sätzen:?
– Satz 1
– Satz 2
– Satz 3

Antwort

Guten Tag Herr M.,

das Fragezeichen steht im Prinzip auch bei Fragesätzen mit einer Aufzählung:

Gibt es einen Unterschied zwischen diesen Sätzen: Satz 1, Satz 2 und Satz 3?

Mit welchem Transportmittel reisen Sie an, Auto, Fahrrad oder Bahn?

Ein bisschen schwieriger wird es, wenn eine Auflistung verwendet wird. Dann übernimmt das Fragezeichen häufig auch die Funktion der Ankündigung:

Gibt es einen Bedeutungsunterschied zwischen diesen Sätzen?
– Satz 1
– Satz 2
– Satz 3

Mit welchem Transportmittel reisen Sie an?
a) Auto
b) Fahrrad
c) Bahn

Wenn die Liste den Satz „natürlich“ weiterführt, kann wie folgt vorgegangen werden:

Gibt es einen Bedeutungsunterschied zwischen
– Satz 1
– Satz 2
– Satz 3?

Entscheiden Sie sich bei der Anreise für
a) Auto
b) Fahrrad
c) Bahn?

Das sind übrigens keine festen, allgemein gültigen Vorschriften, sondern nur Hinweise darauf, was üblich, übersichtlich und verständlich ist. Sie können also auch eine andere Darstellung wählen, die allerdings übersichtlich und verständlich sein sollte. Nicht vorgesehen/möglich ist jedoch, was oben im Titel und in der Frage zu sehen ist: Ein Doppelpunkt und ein Fragezeichen stehen nie unmittelbar nebeneinander, ganz gleich in welcher Reihenfolge.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp