Mit und ohne Kommas drohen

Frage

Kann man das Wort „drohen“ auch als Hilfsverb auffassen und das Komma vor dem erweiterten Infinitiv weglassen?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

das Verb drohen kann tatsächlich wie ein Hilfsverb, genauer gesagt wie ein Modalverb verwendet werden. Seine Bedeutung ist dann in Gefahr sein, Gefahr laufen. Vor der nachfolgenden Infinitivgruppe setzt man kein Komma (Regel):

Der Wagen drohte in die Schlucht zu stürzen.
Bub drohte an Wurststück zu ersticken.
Wer droht nicht manchmal an den Kommaregeln zu verzweifeln?

Wenn drohen als „gewöhnliches“ Vollverb mit der Bedeutung eine Drohung aussprechen verwendet wird und eine Infinitivgruppe bei sich hat, kann diese durch ein Komma abgetrennt werden (Regel). Die folgenden Sätze können entsprechen mit oder ohne Komma geschrieben werden:

Er drohte(,) den Wagen in die Schlucht zu stürzen.
Bub drohte(,) die ganze Wurst aufzuessen.
Sie drohten(,) die Kommaregeln zu bündeln und rituell zu verbrennen.

Die Kommaregeln können manchmal fast bedrohlich kompliziert sein. Wenn man sich aber nicht verkrampft und davon ausgeht, dass wir (fast) alle immer wieder gegen die eine oder andere Kommaregel verstoßen, muss man weder an ihnen verzweifeln noch sie alle über Bord werfen oder, wie oben unter Verwendung des Vollverbs gedroht wird, bündeln und rituell verbrennen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der nützliche Strichpunkt

Der Strichpunkt wird manchmal als schlaffes Satzzeichen für Unentschlossene bezeichnet. Man überlegt sich, was man sagen will, und setzt dann entweder einen Punkt oder ein Komma. Das ist die Meinung der „Entschlossenen“. Ich bin damit nicht einverstanden. Manchmal kann es stilistisch wünschenswert sein, deutlicher zu trennen, als nur mit einem Komma, aber doch keine so strenge Trennung zwischen zwei Gedanken zu setzen, wie ein Schlusspunkt sie darstellt. Das sind allerdings stilistische Fragen. Hier geht es um einen ganz praktischen Aspekt, bei dem der Strichpunkt gute Dienste leisten kann:

Frage

Aufzählungen und Einschübe werden durch Kommas getrennt. Was mache ich aber, wenn beides gleichzeitig auftritt, zum Beispiel bei der Nennung von Firmen und deren Standorte (… Daimler AG, Stuttgart, BMW AG, München, VW AG, Wolfsburg, …)?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

komplexere Aufzählungen kann man mit Hilfe des Strichpunktes oder – mit einem schönen Fremdwort ausgedrückt – mit Hilfe des Semikolons übersichtlicher gliedern. In Ihrem Beispiel sieht das wie folgt aus:

Daimler AG, Stuttgart; BMW AG, München; VW AG, Wolfsburg; …

Andere Beispiele sind:

Abfahrtszeiten: Saarbrücken Hbf 11:33; Saarbrücken-Burbach 11:36; Luisenthal (Saar) 11:39; Völklingen 11:42; Saarlouis Hbf 11:53; Dillingen (Saar) 11:56;  Merzig (Saar) 12:06; Trier Hbf 13:00

Serviert werden belegte Brötchen, Kuchen, Früchte; Kaffee, Tee und Orangensaft.

Wenn man diese beiden Beispiele kombiniert, müsste eine Reise von Saarbrücken nach Trier mit oder ohne Strichpunkte ganz angenehm werden. Weitere Angaben zum Strichpunkt finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der hybride 100-millionste Passagier

Frage

Schreibt man „der 100 millionste Passagier“, „der 100-millionste Passagier“ oder „der 100 Millionste Passagier“?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

in einer Quizsendung würde es ungefähr so klingen: „Richtig ist Antwort b: der 100‑millionste Passagier!“

Auch ich werde hier allerdings unsicher, weil es sich um eine Art Hybridschreibung handelt. Das klingt komplizierter als es ist. Ein Hybridauto fährt sowohl mit Strom als auch mit Benzin oder Diesel. Die Hybridschreibung besteht hier darin, dass eine einzelne Zahl sowohl in Ziffern als auch in Worten geschrieben wird. Während Hybridautos wohl eine gute Entwicklung sind, sollte man bei Hybridschreibungen dieser Art vorsichtiger sein.

Anstelle von:

20-tausendste
100-tausendste
10-millionste
der 100-millionste Passagier

schreibt man besser alles in Ziffern:

20 000.
100 000.
10 000 000.
der 100 000 000. Passagier

oder alles in Worten:

zwanzigtausendste
hundertausendste
zehnmillionste
der (ein)hundertmillionste Passagier

Ich finde bei runden Zahlen in einem durchlaufenden Text die Schreibung in Worten die eleganteste Lösung: der einhundertmillionste Passagier.

Ich frage mich immer wieder, wie eigentlich festgestellt wird, wer der hundertmillionste Passagier oder die zehnmillionste Besucherin ist. Da sich bei einer so großen Anzahl sicher ein- oder zweimal jemand verzählt haben muss, darf man diese Zahl wohl nicht allzu wörtlich nehmen … Sie in Worten zu schreiben ist aber trotzdem eine gute Lösung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das zweite l des Kellners

Bei einem Cafébesuch heute Nachmittag waren die Kellner und Kellnerinnen so schlecht organisiert (alle kümmerten sich um alles und deshalb niemand wirklich um etwas), dass man immer ziemlich lange warten musste, obwohl ihre Gesamtzahl kaum geringer war als die Zahl der Gäste. Auch das Kellnern will gelernt sein. Mir kommt dabei die folgende Frage von Frau S. in den Sinn:

Frage

Laut der Rechtschreibregelung wird ein Konsonant nach einem kurzen Vokal nur dann verdoppelt, wenn er allein steht. Wie verhält es sich nun mit dem Wort „Kellner“? Das e wird kurz gesprochen, darauf folgen l und n. Also dürfte das l nicht verdoppelt werden. Wo liegt also der Ursprung des Wortes, durch den man das Doppel-l erklären könnte? Kommt es von „Keller“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

das Wort Kellner (lat. cellenarius) ist tatsächlich mit Keller (lat. cellarium) verwandt. Der Kellner war ursprünglich der Kellermeister, der Vorsteher des Wein- und Vorratskellers. Die heutige Bedeutung (Bedienung in Gasthäusern) hat das Wort seit dem 18. Jahrhundert.

Ein Ober ist übrigens nichts anderes als ein verkürzter Oberkellner. Der Oberkellner ist eigentlich der Kellner, der für die Abrechung mit den Gästen verantwortlich ist. Die Kurzversion Ober wird aber in der Regel als Anrede für alle bedienenden Herren verwendet. Wenn man die Aufmerksamkeit einer Kellnerin erheischen will, muss man sich meist mit einem Entschuldigen Sie bitte behelfen. Die Anredeform Oberin hat sich nicht durchgesetzt. Das hat vielleicht damit zu tun, dass Oberin bereits die Bezeichnung für eine Oberschwester oder die Leiterin eines Nonnenklosters ist. Auch bei Kellnern ziehe ich heutzutage übrigens das Entschuldigen Sie bitte! dem Ober! vor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS:

Dieses Entschuldigen Sie bitte! war heute leider etwas häufiger nötig, als mir eigentlich lieb ist. Dafür war das Wetter vorfrühlingshaft schön! Dann wird man auch weniger professionellem Kellnerhandwerk gegenüber vergebungsgesinnt.

Ebendas ist eben das, was verwirrt

Ebendas und eben das im gleichen Satz zu verwenden, führt selten zu einem stilistischen Meisterwerk. Hier geht es aber nur um die Zusammen- und Getrenntschreibung.

Frage

Schreibt man „ebendeshalb“ und „ebendie, ebender, ebendas“ immer zusammen oder gibt es auch die Möglichkeit auseinanderzuschreiben. Ich sehe es nämlich auch öfter auseinandergeschrieben, insbesondere die letzteren Wörter.

Antwort

Guten Tag M.,

man schreibt ebendeshalb zusammen, wenn damit gerade deshalb, genau deshalb gemeint ist. Man schreibt ebender/ebendie/ebendas zusammen, wenn gerade der/die/das, genau der/die/das gemeint ist. Getrennt sollte man schreiben, wenn eben als Abtönungspartikel im Sinne von halt, nun einmal verwendet wird.

Du vertraust ihnen nicht. Ebendeshalb (= gerade deshalb) solltest du noch vorsichtiger sein.
Ich bin eben deshalb (= halt deshalb) nicht gekommen, weil ich es vergessen habe.

Das ist ebender (= genau der), von dem ich dir damals erzählt habe.
Das ist eben der (= nun einmal der), den wir auch noch mitnehmen müssen.

Das Gleiche gilt auch für zum Beispiel ebendeswegen (gerade deswegen) und eben deswegen (nun einmal deswegen) oder ebendiese (genau diese) und eben diese (halt diese). Ebensolche Unterschiede sind eben solche Unterschiede, die einem die Rechtschreibung manchmal so spitzfindig erscheinen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Von und de, wenn der Adel in die Schlagzeilen gerät

Der Adel macht es einem nicht einfach, wenn er in die Schlagzeilen gerät. Es geht hier aber nicht um Abgeschriebenes und Rücktritte, sondern nur um die Schreibung von Adelspartikeln wie von und de am Satzanfang.

Frage

Wenn es Frau von der Leyen in die Überschrift einer Zeitung schafft, ist dann am Anfang der Titelzeile ,,von der Leyen tut dies und das“ oder ,,Von der Leyen tut dies und das“ korrekt“?

Antwort

Guten Tag Frau A.,

das Wörtchen von in Familiennamen verhält sich gleich wie die „gewöhnliche“ Präposition von: Man schreibt es grundsätzlich klein, außer wenn es am Satzanfang steht. Zum Beispiel:

Sehr geehrte Frau von der Leyen, …
Wer folgte Frau von der Leyen im Amt als Familienministerin?
Die deutsche Arbeitsministerin heißt von der Leyen.

Von der Leyen heißt die deutsche Arbeitsministerin.

Man schreibt auch dann groß, wenn der Name in einer Zusammensetzung an erster Stelle steht:

Politik nach Von-der-Leyen-Art

Aus aktuellem Anlass sei noch ergänzt, dass dies im Prinzip auch für die Adelspartikel de gilt:

Sehr geehrter Herr de Maizière, …
Wer folgt Herrn de Maizère im Amt als Innenminister?
Der neue Verteidigungsminister heißt de Maizière.

De Maizière heißt der neue Verteidigungsminister.
Politik nach De-Maizère-Art

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Fragezeichen nach indirekten Fragen?

Fragezeichen machen ihrem Namen manchmal alle Ehre, indem sie zu Fragen Anlass geben:

Frage

Bei indirekten Fragen setzt man normalerweise am Ende einen Punkt. Zum Beispiel:

Ich möchte wissen, ob er kommt.
Sie fragt ihn, wann er komme.

Setzt man auch einen Punkt bei:

Wissen Sie, ob er kommt
Können Sie mir sagen, wann er kommt

Oder setzt man doch besser ein Fragezeichen?

Antwort

Guten Tag M.,

Sie müssen hier ein Fragezeichen setzen:

Wissen Sie, ob er kommt?
Können Sie mir sagen, wann er kommt?

Das liegt daran, dass der Hauptsatz, von dem die indirekte Frage abhängig ist, eine Frage ist. Man sieht das gut, wenn man die indirekte Frage ob/wann er kommt im Gesamtsatz durch das ersetzt:

Ich möchte das wissen.

Wissen Sie das?
Können Sie mir das sagen?

Das Fragezeichen in Ihren beiden Beispielen gehört also nicht zur indirekten Frage, sondern zum Gesamtsatz. Wenn der Gesamtsatz eine Aufforderung ist, endet er entsprechend mit einem Ausrufezeichen:

Frag ihn endlich, wann er kommt!

Und wie Ihre Beispiele ganz am Anfang zeigen, setzt man am Schluss einen Punkt, wenn der Gesamtsatz ein Aussagesatz ist:

Ich möchte wissen, ob er kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Valentinstagsrätsel

Es geht hier weder um die Liebe noch um den Kommerz, sondern einfach um die Wortbildung.

Frage

Mein örtliches Anzeigenblättchen titelte links oben: „Valentinstagsrätsel“. Das klingt furchtbar, aber ist es auch falsch? Das ist gerade mein Rätsel …

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Wort Valentinstagsrätsel mag mit seinen beiden Fugen-s nicht allzu melodiös klingen, aber es ist korrekt gebildet. Wenn Zusammensetzungen mit dem Wort Tag an zweiter Stelle in einer weiteren Zusammensetzung an erster Stelle stehen, verwendet man in der Regel ein Fugen-s:

Sonntagsruhe
Bundestagswahl
Reichstagsabgeordneter
Gründonnerstagsliturgie
Geburtstagsüberraschung
Reformationstagsfeier

In den angelsächsischen Ländern ging es, soweit ich weiß, beim Valentinstag eigentlich um (anonyme) Valentinstagskarten. Heutzutage wird man auch bei uns „multimedial“ dazu aufgefordert, mindestens ein persönliches Valentinstagsgeschenk zu überreichen. Ein speziell auf den Valentinstag zugeschnittenes Rätsel ist also auf der Ebene der Wortbildung entsprechend ein Valentinstagsrätsel. Ebenfalls üblich sind allerdings die Bezeichnungen Valentinskarte und Valentinsgeschenk. Im Titel hätte also auch der kürzere Begriff Valentinsrätsel stehen können.

Valentinstagsrätsel ist vielleicht nicht die schönste aller Wortschöpfungen. Es ist aber immerhin ganz erfreulich, dass Ihr Anzeigenblatt nicht der um sich greifenden „Bindestrichmanie“ erlegen ist (Valentinstags-Rätsel) oder die Rechtschreibregeln gänzlich hinter sich lassend Valentinstags Rätsel oder gar Valentinstag’s Rätsel geschrieben hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Es gibt keine DIN für Wurst!

Vor einiger Zeit kam hier die Frage auf, ob man Cervelatwurst oder Zervelatwurst schreibt. Gemeint ist nicht der Schweizer Cervelat, den man im Sommer an beiden Enden einschneidet, aufspießt und über einem Lagerfeuer halb verkohlen lässt, weil man nicht aufpasst. So sieht jedenfalls mein nostalgisch verklärter Blick diese Wurst. Andere denken vielleicht eher an einen Wurst-Käse-Salat mit Cervelat und Gruyère. Doch ich schweife ab. Es geht hier um die Dauerwurst, die zwar der Salami gleicht, die aber, wie Kenner wissen, etwas ganz anderes ist (u. a. feinkörniger, ohne Knoblauch).

Nach der Wörterliste, die zur amtlichen Rechtschreibregelung gehört, kann man Zervelatwurst oder Servelatwurst schreiben. Die deutschen Kollegen und Kolleginnen aus Nord und Süd (als Schweizer ist einem diese Wurstart mehr oder weniger unbekannt) meinten aber, sie würden auch oder vor allem die Schreibung Cervelatwurst kennen.

Ich konnte nur auf die Rechtschreibregelung verweisen. Damit war man aber nicht zufrieden. Es wurde deshalb beschlossen, die entsprechende DIN-Norm herbeizuziehen. Es gibt schließlich für alles eine DIN, es muss also auch eine Wurst-DIN geben. Hendrik hat sich der Sache angenommen (wofür hier noch einmal ganz herzlichen Dank) und ist zu folgendem enttäuschendem Ergebnis gekommen:

Es gibt keine entsprechende DIN. Dafür gibt es aber das sogenannte Lebensmittelbuch vom deutschen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), in dem unter anderem jedes Fleischerzeugnis in seiner Rezeptur definiert wird, um sich der „Verkehrsbezeichnung XYZ“ rühmen zu dürfen.

Die Verkehrsbezeichnung ist in §4 der deutschen Verordnung über die Kennzeichnung von Lebensmitteln geregelt. Dort heißt es, dass jedes Lebensmittel die richtige Verkehrsbezeichnung zu tragen hat. Diese Verkehrsbezeichnung (zum Beispiel Cervelatwurst, Gouda, Orangensaft) muss der allgemeinen Verkehrsauffassung entsprechen. Das bedeutet vereinfacht ausgedrückt, dass man einem Lebensmittelerzeugnis keine Phantasiebezeichnung geben darf und dass man Lebensmittel, die üblicherweise als z. B. Salamiwurst bekannt sind, nicht unter der Bezeichnung Gemüseeintopf in den Handel bringen darf.

Die allgemeine Verkehrsauffassung ist, wie der Name ja schon vermuten lässt, keine in Stein gemeißelte Definition, sondern eben eine übliche Auffassung. Als Grundlage wird in Deutschland üblicherweise das schon erwähnte Lebensmittelbuch vom BMELV verwendet. Dort findet man unter dem Punkt 2.211.07 der „Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse“ die Vorgaben über die Zusammensetzung von Cervelatwurst.

Der langen Rede kurzer Sinn: Die Schreibweise scheint nicht festgelegt zu sein. Das BMELV verwendet in den als übliche Definition anerkannten Leitsätzen jedoch die Schreibweise Cervelatwurst.“

Weiter meinte Hendrik (mit einem Augenzwinkern), dass ihn dies nicht so recht zufriedenstellen könne, weil er als Deutscher lieber eine klare Regel habe. Auch ich muss sagen, dass mich diese Erkenntnis etwas erstaunt hat: Es gibt keine DIN für Wurst!

Man kann sich also an die Rechtschreibregelung halten und Zervelatwurst (oder auch Servelatwurst) schreiben. Wer nicht als Schüler oder Staatsangestellter an die amtliche Regelung gebunden ist, kann sich auch nach dem Deutschen Lebensmittelbuch richten und Cervelatwurst schreiben. Denen, die diese Wurst einfach mögen, ist die korrekte Schreibweise wahrscheinlich ohnehin – gewisse Wortspiele drängen sich so auf, dass ich sie auch mit äußerster Willensanstrengung nicht unterdrücken kann – Wurst.

Eine placebokontrollierte Studie

Frage

Wie schreibt man: eine Placebo-kontrollierte, placebokontrollierte oder Placebo kontrollierte Studie?

Antwort

Sehr geehrte Frau I.,

man schreibt

eine placebokontrollierte Studie

Wenn in einer Verbindung von einem Substantiv und einem Adjektiv das Substantiv für eine Wortgruppe steht, schreibt man es mit dem Adjektiv (bzw. dem adjektivisch verwendeten Partizip) zusammen. Hier steht Placebo für so etwas wie mithilfe von Placebos:

eine placebokontrollierte Studie = eine mit Hilfe von Placebos kontrollierte Studie

Weitere Beispiele sind:

luftdichte Verpackung = in Bezug auf Luft dichte Verpackung
mineralstoffreiche Getränke = an Mineralstoffen reiche Getränke
die Apps benutzerfreundlich gestalten = für den Benutzer freundlich gestalten
ein efeugrüner Baumelf = ein wie Efeu (so) grüner Baumelf

luftgefüllte Reifen = mit Luft gefüllte Reifen
ein abendfüllendes Programm = ein den Abend füllendes Programm
genmanipulierter Mais = auf der Ebene der Gene manipulierter Mais
das handgeschaltete Sportcoupé = das von Hand geschaltete Sportcoupé

Die entsprechende Rechtschreibregel finden Sie hier. Zur Verdeutlichung könnten Sie übrigens auch ein Bindestrich verwenden:

eine Placebo-kontrollierte Studie
die Apps Benutzer-freundlich gestalten

Die Verwendung des Bindestrichs ist hier aber meiner Meinung nach nicht notwendig. Die bindestrichfreie Schreibung ist oft mindestens ebenso leserfreundlich wie die „bindestrichgeschmückte“. (Vgl. Die Bindestrich-freie Schreibung ist oft mindestens ebenso Leser-freundlich wie die „Bindestrich-geschmückte“.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

bindestrichfrei = von Bindestrichen frei
bindestrichgeschmückt = mit Bindestrich(en) geschmückt
leserfreundlich = freundlich für den Leser – und die Leserin!