Bei hältst behältst du das t

Heute wieder einmal ein Dauerbrenner in allen Hitparaden der häufig vorkommenden Schreibfehler:

Frage

Jahrelang schrieb ich „du erhälst“ auf diese Art und fühlte mich dabei ganz sicher, bis ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass das eigentlich falsch sei und „erhältst“ geschrieben werden sollte. Meine Nachforschungen auf canoonet bestätigen das zwar, aber in der Praxis sehe ich fast nur die erste Variante. Hat das eventuell etwas mit einer schweizerischen Schreibweise zu tun?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

richtig ist nur du erhältst. Das t vor der Endung st gehört zum Stamm erhalt/erhält des Verbs erhalten. Dies gilt für den gesamten deutschen Sprachraum vom Nord- und Ostseestrand bis hin zum Alpenrand (und darüber hinaus). Alle Formen von erhalten sehen Sie hier.

Die Schreibung erhälst kommt deshalb häufig vor, weil man bei der Aussprache das t vor der Endung st oft nicht (gut) hört. Sie gilt aber allgemein als falsch. Dasselbe gilt für halten und andere von ihm abgeleitete Verben. Man schreibt zum Beispiel:

Du hältst einen Vortrag (nicht: du hälst)
Du behältst die Übersicht (nicht: du behälst)
Du verhältst dich sonderbar (nicht: du verhälst dich)
…, wo immer du dich aufhältst (nicht: dich aufhälst)
…, wenn du die Augen zuhältst (nicht: die Augen zuhälst)

Oder ganz einfach gesagt: „Du hältst dich an die Regel, wenn du bei hältst das t behältst.“ Ich habe allerdings schon bessere Eselsbrücken gehört …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Von den Social Media zum Möchtegern-Latin-Lover

Um es gleich vorwegzunehmen: Es geht hier nicht um besondere Aspekte des Internetdatings, sondern lediglich um den Bindestrich bei englischen Lehnwörtern.

Frage

Ich habe eine Frage zu getrennt geschriebenen Wörtern, die es in der englischen Sprache gibt (Social Media, Social Network): Laut den Regeln sollte man überall einen Bindestrich dazwischensetzen, sobald man sie ins Deutsche übernimmt. Wie schreibe ich einen Begriff, den ich aus der englischen Sprache übernehme und mit einem deutschen Wort verbinde?

Antwort

Sehr geehrter Herr Rest,

englische Lehnwörter machen uns das Schreiben manchmal schwer. Wenn wir englische Komposita übernehmen, die man in der Ursprungssprache getrennt schreibt, wird die Lage besonders heikel. Man sieht dann sehr oft, dass sie auch im Deutschen getrennt geschrieben werden. Das ist aber nach den amtlichen Rechtschreibregeln sehr oft falsch. Aus zwei Substantiven bestehende Zusammensetzungen sollten im Deutschen nämlich entweder mit Bindestrich oder zusammengeschrieben werden:

Beauty-Case oder Beautycase
Bungee-Jumping oder Bungeejumping
Internet-Dating oder Internetdating
Midlife-Crisis oder Midlifecrisis

Auch aus einem Verb und einer Partikel bestehende Zusammensetzungen schreibt man mit Bindestrich (oder, wenn die Lesbarkeit es zulässt, zusammen):

das/der Back-up oder Backup
das Coming-out oder Comingout
der/das Flash-back oder Flashback
das Make-up

Wer jetzt verständlicherweise meint, dass man bei Verbindungen aus dem Englischen immer einen Bindestrich verwenden kann, irrt sich leider. So einfach wird es uns nicht gemacht:

Die beiden Beispiele in Ihrer Frage bestehen aus einem Adjektiv und einem Substantiv. Adjektiv-Substantiv-Verbindungen wie Social Media, Social Network, Electronic Banking oder Latin Lover werden nicht mit Bindestrich geschrieben, sondern wie im Englischen getrennt (oder, wenn die Hauptbetonung auf dem Adjektiv liegt, auch zusammen: Latinlover). Andere Beispiele:

der Long Drink oder Longdrink
Slow Food oder Slowfood
das Mobile Banking
Public Relations

Wenn solche getrennt geschriebenen Wortgruppen in Zusammensetzungen vorkommen, setzt man allerdings wieder Bindestriche, und zwar zwischen alle Teile der Zusammensetzung:

das Slow-Food-Restaurant*
die Public-Relations-Managerin
die Social-Media-Plattform
eine Mobile-Banking-ähnliche Dienstleistung
der Möchtegern-Latin-Lover*

(*Bei Zusammenschreibung Slowfood und Latinlover auch möglich:
Slowfood-Restaurant oder Slowfoodrestaurant
Möchtegern-Latinlover oder Möchtegernlatinlover)

Eine Übersicht über die Verwendung von Bindestrichen bei Fremdwörtern finden Sie hier. Für Angaben zur Getrennt- und Zusammenschreibung bei Fremdwörtern, siehe hier.

Damit ist noch nicht ganz alles zur Schreibung von mehrteiligen englischen Lehnwörtern gesagt, aber ich will ich Sie hier nicht mit weiteren Detailfragen belästigen. Wer weiß, wie man Wörter wie Mobile-Banking-ähnlich und Möchtegern-Latin-Lover richtig schreibt, weiß in Sachen Rechtschreibung eigentlich mehr als genug. Den Rest schlägt man notfalls nach – oder man fragt „Dr. Bopp“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Madeira und die Rechtschreibreform

Ich kann nun aus eigener Erfahrung sagen, dass Madeira eine Reise wert ist. Man kann dort ausgezeichnet wandern, Natur und Berglandschaften bewundern, über kurvige Straßen gemächlich von einer eindrucksvollen Aussicht zur nächsten fahren, und dies bei angenehmen 20 bis 25 Grad. Die Insel ist grün, grüner, am grünsten und trägt den Beinamen „Blumeninsel“ ganz zu Recht: Wo man auch hinschaut, überall blüht etwas. Dank Fisch, den man auf einer Insel natürlich überall bestellen kann, und dank lokalem Wein oder vom portugiesischen Festland importiertem jungem vinho verde hat die Gastronomie auch für Liebhaber und Liebhaberinnen nicht allzu deftiger Küche vieles zu bieten. Nur denjenigen, für die breite Sandstrände und immerwährender Sonnenschein unverzichtbare Bestandteile eines gelungenen Urlaubs sind, würde ich ein anderes Reiseziel empfehlen.

Bevor der Verdacht aufkommt, dass ich auf der Lohnliste des madeirischen Fremdenverkehrsamtes stehe, folgt nun doch noch etwas eher Sprachliches. In einem halb englisch, halb portugiesisch geführten Gespräch erfuhr ich, dass die portugiesischen Schüler (Madeira gehört zu Portugal) nach den Sommerferien die neue, reformierte portugiesische Rechtschreibung lernen und verwenden müssen. Beim Thema Rechtschreibreform wurde ich natürlich neugierig.

Die Details werde ich Ihnen hier ersparen. Es geht bei dieser Reform vor allem darum, die Rechtschreibung in den verschiedenen lusophonen Ländern möglichst zu vereinheitlichen. (Das Adjektiv lusophon ist ein Fachausdruck für portugiesischsprachig.) Die größten Unterschiede gibt es dabei zwischen einerseits dem brasilianischen Portugiesisch und andererseits dem Portugiesisch in Portugal und anderen Ländern.

Eine Rechtschreibreform ohne Proteste gibt es natürlich nicht. So fand unser madeirischer Gesprächspartner es nicht „gerecht“, dass in Portugal  mehr Wörter an die brasilianische Schreibung angepasst werden als umgekehrt. In Brasilien sind ca. 0,5 % des Wortschatzes betroffen, in Portugal und den anderen portugiesischsprachigen Ländern ca. 1,6 %. Das hat damit zu tun, dass nach der Reform viele nicht mehr ausgesprochene Konsonanten weggelassen werden (z. B. correcto wird correto). Das tut man in Brasilien schon länger.

Uneinigkeit gibt es bei Rechtschreibreformen immer. Interessant finde ich hier aber vor allem etwas anderes. Die Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung dauerte lange und verlief nicht ganz ohne Holpern und Stolpern. In der Lusophonie geht das nicht anders: Der Beschluss, eine Reform durchzuführen, wurde von den folgenden Ländern (außer Osttimor) am 16. Dezember 1990 gemeinsam gefasst. Zu einer einheitlichen Einführung ist es aber nicht gekommen:

  • Angola: voraussichtliche Einführung im März 2013
  • Brasilien: Übergangsphase vom 1. Januar 2009 bis 31. Dezember 2012
  • Guinea-Bissau: Reform angenommen, kein Einführungsdatum festgelegt
  • Kap Verde: Übergangsphase vom 1. Oktober 2009 bis Oktober 2019
  • Mosambik: kein Beschluss vor Beendigung einer (2008 begonnenen) „technischen Evaluation“
  • Portugal: Übergangphase vom 13. Mai 2009 bis 13. Mai 2015; Einführung an Schulen im Schuljahr 2011/2012, im öffentlichen Dienst am 1. Januar 2012
  • Osttimor: Reform angenommen, kein Einführungsdatum festgelegt
  • São Tomé und Príncipe: Reform angenommen, kein Einführungsdatum festgelegt

„Wir“ sind also nicht die einzigen, denen so etwas nicht ganz harmonisch und hindernisfrei gelingt. So viel zum Thema Reformen und deren Einführung. Das war sozusagen mein Souvenir aus dem portugiesischsprachigen Madeira. Ab morgen geht es dann wieder um die deutsche Sprache und Rechtschreibung.

Wie sieht Ihrs aus?

Frage

Es geht um einen Fotowettbewerb, bei dem man sein schönstes Urlaubsbild einreichen kann/soll. Der „Werbesatz“ dazu lautet:

Das schönste Urlaubsbild, wie sieht Ihr’s aus?

Kann man in diesem Fall den Buchstaben e durch den Apostroph ersetzen (abgesehen davon, dass es sehr umgangssprachlich ist)?

Antwort

Sehr geehrter Herr Weber,

im heutigen Standarddeutsch ist die Form ihrs für ihres nicht gebräuchlich. Sie ist entweder umgangssprachlich oder veraltet/poetisch. Ein Beispiel für Letzteres:

HORTENSIUS
Lucius!
Wie, treffen wir uns hier?
LUCIUS‘ DIENER
Und, wie ich glaube,
Führt ein Geschäft uns alle her; denn meins
Ist Geld.
TITUS
Und so ist ihrs und unsers.

[William Shakespeare, Timon von Athen, Dritter Aufzug, Vierte Szene; Übersetzung von Dorothea Tiek, 1832]

Standardsprachlich schreiben Sie also besser:

Das schönste Urlaubsbild, wie sieht Ihres aus?

Wenn Sie die Form ihrs trotz oder gerade wegen ihres heute umgangssprachlichen Charakters verwenden wollen, würde ich empfehlen, sie wie die allgemein gebräuchlichen Formen meins, deins und seins ohne Apostroph zu schreiben (Regel):

Das schönste Urlaubsbild, wie sieht Ihrs aus?

Ich hoffe, dass Ihr Aufruf mit oder ohne e dafür sorgt, dass viele schöne Urlaubsfotos eingereicht werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der längste Tag

Es ist halb zehn Uhr abends und immer noch nicht dunkel! Heute ist der längste Tag. Obwohl dies ein ganz besonderer, in jedem Jahr nur ein einziges Mal vorkommender Tag ist, schreibt man einfach der längste Tag. Trotz der teilweise herrschenden „Manie“, bei festeren Wortgruppen, die sich aus einem Adjektiv und einem Nomen zusammensetzen, auch dem Adjektiv einen großen Anfangsbuchstaben zu verpassen, schreibt man einfach der längste Tag, nicht der Längste Tag. Sogar im gleichlautenden Titel des berühmten, vor Stars strotzenden amerikanischen Kriegsfilms aus dem Jahre 1962 schreibt man das Adjektiv einfach klein: „Der längste Tag“. Siehe auch hier und hier.

So, das waren wieder einmal ein paar „erbauliche“ Worte zur Rechtschreibung. Eigentlich ist es dafür heute schon viel zu spät. Deshalb nur noch Folgendes: Der längste Tag markiert auch den astronomischen Beginn des Sommers. Ich wünsche allen einen schönen Sommer!

Dr. Bopp

Auslassungspunkte und andere Satzzeichen

Was Sie schon immer über die Satzzeichen wissen wollten … oder wahrscheinlich eher nicht. Es geht diesmal um etwas so Trockenes wie die Auslassungspunkte in Verbindung mit anderen Satzzeichen.

Frage

Heute habe ich ein Frage zum Thema Auslassungspunkte: Werden Satzzeichen nach Auslassungspunkten gesetzt oder fallen sie weg?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

die Auslassungspunkte treten immer zu dritt auf. Sie stehen oft für etwas, das weggelassen wird (Wortteil, Wort, mehrere Wörter). Sie haben dann keinen Einfluss auf die anderen Satzzeichen oder die Leerzeichen. Man setzt sie gleich, wie wenn anstelle der Auslassungspunkte das Ausgelassene stünde. Man schreibt also zum Beispiel:

Ich habe keine Zeit für den Auftrag von Herrn …, weil zwei Mitarbeiter krank sind.
Der Auftrag Nr. … ist fertig.
Das Geheimnis des Dr. …
Kennen Sie Frau …?
Dann fragte Frau …: „Was ist los?“
Warum funktioniert das Sch…ding nicht?
Verd…!

Ohne Ausnahmen geht es allerdings doch nicht: Nach den Auslassungspunkten steht der Schlusspunkt nicht mehr. Nach den drei Punkten folgt also kein vierter:

Das Wort beginnt mit ver
Ich habe keine Zeit für den Auftrag von Herrn … Zwei Mitarbeiter sind krank.
„Kennen Sie Frau …?“ – „Ja, ich kenne Frau …“

Sehen Sie auch hier.

Zu guter Letzt noch eine weitere Ausnahme: Die Auslassungspunkte werden auch als Pausenzeichen oder als Zeichen für einen nicht abgeschlossenen Gedankengang/Satz verwendet. Ein Komma an der Abbruchstelle setzt man dann besser nicht:

Ich habe kaum mehr Zeit für mein Hobby … aber ich werde etwas daran ändern.
Es geht um Geld, Macht, Beziehungen, Sex …
»… denn sie wissen nicht, was sie tun« (Filmtitel)

Es gäbe wahrscheinlich noch mehr zu den Auslassungspunkten zu sagen, doch ich möchte Sie wirklich nicht weiter langweilen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Einmilliardengrenze

Frage

Was ist korrekt: jenseits der Ein-Milliarden-Grenze oder jenseits der Eine-Milliarden-Grenze?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

es heißt:

jenseits der Einmilliardengrenze

Millliarde ist ein Zahlwort, aber es ist wie Million oder Dutzend ein Substantiv. Es hat ein Geschlecht (die Milliarde), hat Einzahl- und Mehrzahlformen (Milliarde – Milliarden) und wird entsprechend großgeschrieben. Auch bei der Wortzusammensetzung verhält es sich wie ein Substantiv. Das Wort Einmilliardengrenze hat den gleichen Aufbau wie zum Beispiel:

Einfamilienhaus, Einparteienstaat, Einpersonenhaushalt, Einschienenbahn, Zweiparteiensystem, Mehrfamilienhaus usw.

Die Zusammensetzung Einmilliardengrenze entspricht also einer im Deutschen üblichen Wortbildungsart.

Wenn man „unbedingt“ will, kann man Bindestriche verwenden:

jenseits der Ein-Milliarden-Grenze

Diese Bindestriche sollen der Verdeutlichung dienen. Ich finde aber, dass sie hier im Gegenteil eher verwirren als verdeutlichen. Ist es nicht so, dass Ihre Frage vor allem dann aufkommt, wenn man die einzelnen Elemente der Zusammensetzung durch Bindestriche voneinander trennt? Erst dann fällt so richtig auf, dass die ungebeugte Form ein vor der Form Milliarden steht, die man so isoliert und mit großem M als Pluralform interpretiert:

Ein-Milliarden?Es heißt doch eine Milliarde oder mehrere Milliarden!

Milliarden entspricht zwar formal einer Pluralform, hat aber in einer Zusammensetzung wie Einmilliardengrenze nicht mehr diese Funktion (vgl. Fugenelmente). Und wie zum Beispiel Einfamilienhaus zeigt, verwendet man in Zusammensetzungen die ungebeugte Form ein auch dann, wenn ein weibliches Wort folgt. Zusammensetzungen „funktionieren“ anders als nebeneinanderstehende Wörter in einem Satz. Ich empfehle hier deshalb die Schreibung ohne Bindestriche:

Einmilliardengrenze
Einmillionenstadt
Einfamilienhaus

Und wenn Ihnen das Wort weder mit Bindestrichen noch ohne sie wirklich gefallen will, können Sie natürlich auch einfach jenseits der Grenze von einer Milliarde sagen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Italien und Aserbaidschan

Wenn gestern Abend in Düsseldorf der italienische Beitrag das Finale des Eurovisonsfestivals gewonnen hätte, wäre ich in unserem Wohnzimmertippspiel trotzdem Letzter geworden. Ich hatte die Iren auf den ersten Platz gesetzt, die Gewinner auf dem vierten Platz vorhergesehen und, den Geschmack des gesamteuropäischen Publikums völlig unterschätzend, den zweitplatzierten, ausgezeichneten italienischen Beitrag unter „ferner liefen“ eingeteilt. Doch was hat dies alles mit Sprache oder Rechtschreibung zu tun? – Nichts. Ich schweife nur wieder einmal ab.

Wenn also gestern Abend in Düsseldorf der italienische Beitrag gewonnen hätte, gäbe es für die schreibenden Kommentatoren und Kommentatorinnen nächstes Jahr höchstens das Problem, dass man die italienischen Organisatoren und nicht die Italienischen Organisatoren schreibt.  Wie man Italien, italienisch, Italiener, Italienerin und zum Beispiel Rom, Mailand oder Venedig schreibt, müsste man als allgemein bekannt voraussetzen können. Sanremo ist ebenfalls einfach, denn auch San Remo ist richtig. Probleme auf der Ebene der Schreibung gäbe es wohl erst, wenn die Italiener das Festival in zum Beispiel Civitavecchia, Giugliano in Campania oder Chioggia veranstalten würden.

Anders sieht es beim gestrigen Gewinnerland aus. Wie schreibt man Aserbaidschan offiziell auf Deutsch? Genau so: Aserbaidschan, nicht (mehr?) Aserbeidschan und auch nicht wie im Englischen Azerbaijan. Das wusste ich natürlich auch nicht. Ich musste es in den offiziellen Länderlisten nachschlagen. Die Einwohner sind Aserbaidschaner und Aserbaidschanerinnen und das Adjektiv ist aserbaidschanisch (vgl. hier). Die auf i endende Form Azerbaijani oder Aserbaidschani, die irgendwie so klingt, als kenne man sich gut aus, ist englisch (resp. wahrscheinlich durch das Englische inspiriert). Dies sind, wie gesagt, die offiziellen Namen und deren Schreibung. Wie so oft bei „exotischeren“ geographischen Namen, trifft man auf der freien Sprachwildbahn auch andere Schreibweisen an (z. B. Aserbaidjan). Am meisten viel fiel mir übrigens auf, dass man die Hauptstadt Aserbaidschans genau so schreibt, wie man sie ausspricht: Baku; nicht Bhaku, Bakhu oder Bakou, nein, einfach Baku. Das ist so einfach, dass man es kaum glauben will, und in dieser Hinsicht schon fast wieder ein Problem.

Wer also nächstes Jahr etwas über das Songfestival schreiben will, weiß nun, wie man all diese Namen schreibt. Ich befürchte allerdings, dass dieses Wissen bis zum nächsten Mai nicht mehr bei allen ganz präsent sein wird. Aber wer weiß, vielleicht schreibt ja vor dem großen, fröhlichen Liederfest noch jemand etwas über zum Beispiel den wenig demokratischen Charakter des dortigen politischen Systems.

Vermischtes über Vögel

Zu Hause brüten die Kohlmeisen. Das habe ich Ihnen schon erzählt. Hier im Ferienhäuschen gab mir ein anderer Vogel zu denken. An das Hausamselpärchen, das um das Haus herum Regenwürmer sammelt, hatte ich mich schon gewöhnt (und sie sich an mich). Letzthin sah ich aber einen anderen, etwas kleineren, braunen Vogel mit hellem Bauch und Tupfen und Streifen, der ebenfalls im Garten Würmer und anderes, was solche Vögel mögen, aufpickte. Das gefiel den Amseln nicht besonders gut, aber ihre Vertreibungsversuche waren wohl nicht allzu erfolgreich. Ich sehe den Vogel seither regelmäßig im Garten herumtrippeln. Da meine ornithologischen Kenntnisse nicht viel weiter reichen als bis zum Erkennen von Kohlmeisen, Amseln, Stadttauben, Spatzen und Flamingos, wusste ich nicht, um was für einen Vogel es sich handelt. Der Nachbar brachte Klarheit: „Das ist eine Lerche.“

Von Lerchen wusste ich bis anhin wenig, außer dass eine Vertreterin dieser Vogelart Romeo und Julia den Tag ankündigte und dass man sie im Gegensatz zum Lärche genannten Baum mit e schreiben muss. Den Unterschied Lerche = Vogel und Lärche = Baum musste ich auswendig lernen. Welche Eselsbrücke ich auch ausprobierte, es gab immer auch einen Baum mit e oder einen Vogel mit a oder ä, der mir das neu erdachte Brücklein gleich wieder einstürzen ließ. Geblieben ist nur das wenig überzeugende „Lerche wie Vogel und Lärche wie Baum.“

Nachdem ich nun zum ersten Mal bewusst eine Lerche gesehen hatte, nahm mich wunder, ob vielleicht die Wortherkunft als Stütze dienen kann. Der Name des Vogels ist ein altes germanisches Wort, dessen althochdeutsche Form lerahha sich zum heutigen Lerche entwickelt hat. Der Name des Baumes (das klingt fast wie ein Roman eines Eco-Nachahmers) geht auf die lateinische Bezeichnung larix zurück, die über die Formen larche und lerche zur heutigen Lärche wurde. Wenn man nicht des Althochdeutschen mächtig ist und einem die lateinischen Bezeichnungen von Bäumen auch nicht allzu geläufig sind, hilft einem die Wortherkunft also nicht viel weiter. Das ist aber nicht sehr tragisch. Es gibt Schwierigeres in der Rechtschreibung und Wichtigeres im Leben als den Unterschied zwischen Lerche und Lärche. Und in „Notfällen“ hilft Canoonet weiter.

Während des Schreibens höre ich, wie die Amselmännchen in der Umgebung sich sehr melodiös fast die Lungen aus dem Leibe singen. Dabei stellt sich mir plötzlich eine ganz andere Frage: Warum treten in Literatur und Dichtung eigentlich immer die Nachtigallen und Lerchen auf, wenn in der Vogelwelt schön gesungen wird? Die Amseln haben doch auch ein großes Repertoire, das sie in sehr verdienstvoller Weise zu Gehör bringen!

Word und -bar

Frage

Beispiel: „Insbesondere haftet die Firma nicht für kundeninterne, nicht ohne Weiteres klärbare und bereinigbare Meinungsdifferenzen.“ Warum akzeptiert Word „klärbare“ und „bereinigbare“ nicht? „Verrechenbare Spesen“ will Word in „errechenbare“ oder „berechenbare“ ändern. Wir meinen aber diejenigen Spesen, die wir dem Kunden verrechnen können … also „verrechenbar“.

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

die Formen klärbare, bereinigbare und verrechenbare sind korrekt. Man kann von sehr vielen transitiven Verben ein Adjektiv auf –bar bilden. Wenn etwas x-bar ist, kann es ge-x-t werden: essbar, trinkbar, verschiebbar, aufklappbar, abschließbar, erklärbar usw. usw. Mehr dazu finden Sie hier. Es gibt so viele Verben, für die man ein Adjektiv auf –bar bilden kann, und deren Bedeutung ist in der Regel so durchsichtig, dass es kein Wörterbuch gibt, die sie alle auflistet – auch Canoonet nicht.

Warum Ihr Word klärbar, bereinigbar und verrechenbar nicht akzeptiert, weiß ich nicht genau. (Meine Version von Word stört sich übrigens nur an den ersten beiden Wörtern, verrechenbar „rutscht“ problemlos durch die Kontrolle.) Die nicht akzeptieren Wörter stehen wohl nicht im Wörterbuch des Korrekturprogramms. Es verfügt offensichtlich auch nicht über eine Regel, die solche Formen analysieren und erkennen kann. Wenn ein Wort nicht in der Basiswörterliste steht und nicht aufgrund einer Regel erkannt werden kann, muss es wohl falsch sein ­– sagt Word.

Aus diesem Grund darf man Korrekturprogrammen nicht blind vertrauen. Nicht alles, was sie korrigieren, ist tatsächlich falsch. Erst recht gilt übrigens umgekehrt, dass nicht alles, was sie unkorrigiert stehen lassen, auch richtig geschrieben ist! Trotz guter Kontrollprogramme muss – und darf! – man auch selbst noch ein wenig nachdenken.

Nicht alle komplexen Wörter, die einen Verbstamm an erster Stelle haben und auf -bar enden, sind im Übrigen Adjektive: Ist Musik nicht tanzbar, hört man sie selten in der Tanzbar, und wer nicht animierbar ist, dem hilft auch keine Animierbar. Diese Beispiele sind zwar ziemlich forciert, sie zeigen aber, was ein Grund dafür sein könnte, warum ein Korrekturprogramm mit unbekannten Wörtern auf –bar so seine Schwierigkeiten hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp