Zahlen schreiben

Herr H. stellte die folgende Frage:

Wann werden Zahlen in literarischen Texten wörtlich und wann in Ziffern geschrieben?

Antwort:

Sehr geehrter Herr H.,

es gibt keine allgemeine Regel, wann Zahlen in Worten und wann in Ziffern geschrieben werden. Ich kann mich erinnern, in der Schule gelernt zu haben, dass man die Zahlen bis und mit zwölf in Worten und Zahlen über zwölf in Ziffern schreibt. Dies ist nicht mehr als eine Faustregel, die ich nur in technisch-wissenschaftlichen und evtl. journalistischen Texte anwenden würde. Im Allgemeinen gilt wohl, dass Zahlen in wissenschaftlichen und technischen Texten eher in Ziffern geschrieben werden, während man sie in literarischen Texten üblicherweise in Worten schreibt.

Letzteres gilt auch für größere und große Zahlen: siebenundzwanzig Stufen, vierzig Räuber, tausendundeine Nacht, hundertzwanzigtausend Golddublonen usw. Bei Jahrzahlen und anderen unübersichtlichen Zahlen würde ich allerdings Ziffern verwenden. Zum Beispiel:

1782 statt siebzehnhundertzweiundachtzig
125 738 statt hundertfünfundzwanzigtausendsiebenhundertachtunddreißig

Zahlen wie die zweite kommen allerdings in literarischen Texten kaum je vor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Umgangssprache – Standardsprache

Auf eine Frage von Herrn K. die folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr K.,

auch Ihnen vielen Dank für Ihre Antwort. Es freut das Linguistenherz, wenn sich nicht immer nur Linguisten für Spracherscheinungen interessieren.

Sie haben recht: Wir sprechen alle die gleiche Sprache, aber trotzdem gibt es viele Varianten und Unterschiede. Das ist auch nicht weiter erstaunlich, wenn man bedenkt, dass über 80 Millionen Menschen, vom Alpenbauern bis zum Ostseefischer und von der Forellenzüchterin bis zur Informatikprofessorin, Deutsch sprechen. Es gibt allerdings einen mehr oder weniger allgemein akzeptierten Standard, der die Verständigung unter allen Deutschsprachigen erleichtern soll. Aber sogar innerhalb dieses Standards gibt es korrekte Varianten. Zum Beispiel: norddeutsch “ich habe gestanden”, süddeutsch “ich bin gestanden”. Im Gegensatz zu dem, was viele denken, gibt es in der deutschen Sprache eine recht große Freiheit.

Die bei Ihnen übliche Form “…, dass er gestern spielen hat müssen” statt standardsprachlich “…, dass er gestern hat spielen müssen” ist wohl eher regionale Umgangssprache. Die Formen sind nicht in den Grammatiken belegt, und – ehrlich gesagt – ich kannte sie nicht.

Umgangssprachlich ist aber nicht gleichbedeutend mit falsch. Wenn man es bei Ihnen so sagt, ist das völlig in Ordnung. Es bedeutet nur, dass man die Form besser nicht z.B. in offiziellen Briefen, in formellen Reden, in Schulaufsätzen, bei Menschen aus anderen (Sprach-)Regionen usw. verwenden sollte. Im Umgang mit Familie, Freunden, Kollegen, Mitgliedern seines Sportvereins usw. ist man zum Glück in keiner Weise gezwungen Standardhochdeutsch zu sprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

etwas einstecken haben

Herr J. fragt:

Hallo liebes canoonet-Team,

ich bräuchte zur Klärung eines Sachverhalts Ihre Hilfe.
Ich arbeite in einem Büro mit vielen anderen Menschen, welche aus allen Teilen der Bundesrepublik Deutschland kommen.
Bei Gesprächen untereinander sind wir über den Satz “Hast du Geld einstecken?” gestolpert. Nun ist hier bei uns eine Diskusion entbrannt, ob dieser Satz Richtig ist oder nicht.
Viele sagen dieser Satz ist kein hochdeutscher Satz, was ich nicht verstehe. Nach meiner Meinung widerspricht dieser Satz keiner Regel im Deutschen.
Nun meine Frage. Können Sie mir zu diesem Problem eine eineindeutige Aussage unterbreiten?
Bitte entschärfen Sie unsere Diskusion mit Ihrem Fachwissen.
Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort:

Sehr geehrter Herr J.

Vielen Dank für Ihr Vertrauen in unsere Fachkenntnisse. Ich hoffe, dass sich die Situation bei Ihnen inzwischen etwas “entschärft” hat, denn meine Antwort hat aus Urlaubsgründen etwas auf sich warten lassen. Außerdem ist Ihre Frage leider nicht mit einem eindeutigen Richtig oder Falsch zu beantworten.

Den Ausdruck “etwas einstecken haben” gibt es und er bedeutet “etwas bei sich haben”. Er gilt aber nicht als Hochdeutsch oder Standarddeutsch, sondern wird z.B. vom Duden als umgangssprachlich bezeichnet.

Man könnte darüber streiten, ob der Ausdruck wirklich keiner Regel des Deutschen widerspricht. Rein formal müsste es sein: “etwas eingesteckt haben”, aber das bedeutet nicht ganz das Gleiche. Der Ausdruck ist nicht grundsätzlich falsch. Stilistisch gehört er aber zur Umgangssprache und nicht zur Standardsprache. In einem Gespräch unter Kollegen ist er völlig angebracht. In z.B. einem formellen Brief würde ich ihn nicht verwenden, sondern auf z.B. “etwas bei sich haben” ausweichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp