Warum der Python männlich ist

Frage

Warum heißt es der Python und nicht die Python?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

der Python verdankt seinen Namen der von Apollo getöteten Schlange Python. Diese mythologische Figur, die das Orakel in Delphi behütete, ist im Griechischen männlich. Deshalb heißt die Schlange wohl auch im Deutschen offiziell der Python.

Vor allem umgangssprachlich ist diese Schlange aber häufig weiblich: die Python. Auch ich muss mir Mühe geben, um „der Python“ zu sagen, denn auch bei mir kommt spontan die Python“ auf. Das liegt daran, dass praktisch alle anderen Schlangenarten wie das Wort Schlange“ weiblich sind*. Zum Beispiel:

die Anakonda, die Boa, die Kobra, die Mamba, die Natter, die Otter (der Otter ist ein ganz anderes Tier!), die Viper

Wenn man es aber standardsprachlich ganz richtig machen will, sagt man am besten der Python“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Ich habe auf die Schnelle“ nur eine weitere Ausnahme gefunden: der Buschmeister (eine giftige Grubenotternart aus Mittel- und Südamerika). Es ist möglich, dass es noch mehr Ausnahmen gibt.

Daten vom Laptop auf den Klapprechner migrieren

In der vergangenen Woche gab es in diesem Blog recht wenig zu lesen. Das lag unter anderem daran, dass ich einen neuen Rechner erhalten habe; so einen schönen metallfarbenen mit einem Apfel auf dem Deckel (ich will ja keine Reklame machen). Einen solchen tragbaren Rechner, den man auf- und zuklappen kann, nennt man im Allgemeinen einen Laptop oder ein Notebook. Mit dem neuen Gegenstand kamen neue Wörter auf, denn das Ding musste ja einen Namen haben. Nun sind weder der tragbare Rechner noch sein Name wirklich neu: Laptop und Notebook stehen schon in vielen deutschen Wörterbüchern. Die beiden Wörter sind klassische Beispiele dafür, wie neue Wörter in eine Sprache aufgenommen werden: Ein neues Phänomen taucht auf und muss benannt werden. Oft wird dabei wie in diesem Fall der Name von dort übernommen, wo das Phänomen herkommt.

Es gibt Leute, die es schade, schädlich oder sogar schändlich finden, dass zurzeit so viele neue englische Wörter aufkommen. Der Verein Deutsche Sprache will dieser Tendenz entgegenwirken, indem er unter anderem deutsche Übersetzungen oder Entsprechungen für „unnötige“ Anglizismen vorschlägt. Die meisten dieser Vorschläge sind zwar gut gemeint, haben aber meiner Meinung nach keine allzu großen Überlebenschancen. Die Sprachgemeinschaft lässt sich in der Regel nichts aufdrängen. Anders als viele der bekritisierten Anglizismen haben es, wenn überhaupt, nur sehr wenige der Gegenvorschläge in ein Wörterbuch geschafft.

Ein Vorschlag aber hat es mir angetan. Für Laptop und Notebook schlägt der VDS Klapprechner vor. Auch dieser Vorschlag ist nicht mehr ganz taufrisch, aber ich möchte ihn Ihnen doch noch einmal vorlegen, weil das Wort so schön ist. Es klingt gut und bezeichnet genau das, was ein Laptop ist: ein Rechner den man auf- und zuklappen kann. Schoßcomputer oder Mobilrechner können mich nicht begeistern, aber Klapprechner verdient es, in die deutsche Sprache aufgenommen zu werden. Deshalb will ich den VDS mit diesem Aufruf für einmal in seinem Bestreben unterstützen: Wenn Sie alle dieses Wort von jetzt an in Wort und Schrift verwenden, kann Klapprechner vielleicht schon bei der nächsten oder übernächsten Datenaktualisierung im CanooNet-Wörterbuch aufgenommen werden!

Neben diesen sofort als neu erkennbaren Wörtern, gibt es noch viel subtilere neue Wörter. Ein solches habe ich beim Übertragen der Daten vom alten auf den neuen Rechner entdeckt: migrieren. Dieses Verb gibt es fachsprachlich im Deutschen schon lange: Tierische Parasiten migrieren von einem Wirt auf den anderen; Erdöl oder Erdgas migriert vom Mutter- ins Speichergestein; halb Europa migrierte während der Völkerwanderungen von einem Ort zum anderen. In all diesen Anwendungen bedeutet migrieren so etwas wie wandern. Wie wandern ist es ist ein intransitives Verb, das heißt, es hat kein Akkusativobjekt (man kann nicht fragen: wen oder was migrieren?).

Beim Übertragen der Daten und Einstellungen habe ich festgestellt, dass man diesen Vorgang Migration nennt. Die Daten werden migriert. Man migriert die Daten. Das Erstaunliche und Neue daran ist, dass migrieren ein transitives Verb geworden ist: „Wen oder was migriert man?“ Hier hat sich ein neues Verb mit einer neuen Bedeutung und einer neuen Konstruktion „eingeschlichen“. Da es unter dem Deckmantel eines bestehenden Verbs auftritt, bemerkt man diesen Neuankömmling nämlich kaum. Es könnte sogar ein Anglizismus sein.

Neue Wörter können also in verschiedenster Weise auftauchen. Drei Beispiele haben wir gesehen: der Direktimport bei Laptop und Notebook, die Übersetzung oder Neuschöpfung bei Klapprechner und die Wiederverwendung von bestehendem Material mit neuer Funktion bei migrieren. Was man nicht alles entdeckt, wenn man Daten vom alten Laptop auf den neuen Klapprechner migriert!

Das zähe Wörtchen Frühstück

Nachdem unsere neue Nachbarin gestern Abend beim Abendessen gezeigt hatte, dass sie sympathisch und dem Weine nicht ganz abgeneigt ist, hatte ich heute Morgen beim Frühstück einen etwas schwereren Kopf als sonst. Da es kein ausgewachsener, kampfeslustiger Kater war, trat er schon nach einer Tasse Kaffee den Rückzug an, sodass doch noch ein paar einigermaßen klare Gedanken aufkamen. Einer davon war: „Frühstück? Weshalb Frühstück? Früh kann ich noch erklären, aber Stück?“

Natürlich bin ich nach einer zweiten Tasse Kaffee dieser Frage für Sie und für mich nachgegangen. Dabei bin ich recht schnell auf eine wenig spektakuläre Antwort gestoßen: Das Wort Frühstück gibt es seit dem 15. Jahrhundert. Wie das mittelhochdeutsche Morgenbrot bezeichnete es das erste in der Frühe gegessene Stück Brot.

Es ist ein recht robustes Wort. Es gelang ihm, Morgenbrot zu verdrängen und später aufkommende Konkurrenten wie Frühkost erfolgreich hinter sich zu lassen. Auch fremdsprachlichen Thronprätendenten bietet es erfolgreicher die Stirn als seine Vettern Mittagessen und Abendessen. In der Zeit, in der man in der besseren Gesellschaft beim Parlieren ein mit französischen Ausdrücken gespicktes Deutsch benutzte, kannte man zwar das Wort Dejeuner und benutzte es für Frühstück oder leichtes Mittagessen. Viel schwerer hatte es aber das Abendessen, das je nach Festlichkeitsgehalt Diner oder Souper genannt wurde. In der heutigen Hochzeit des Englischen hört man zwar öfter, dass Kollegen zum Lunch gehen, dass ein Dinner organisiert wird oder dass man sich am Sonntag zum Brunch trifft, aber von Breakfast redet im täglichen Sprachgebrauch eigentlich kaum jemand. Ein zähes Wörtchen, dieses Frühstück!

Natürlich geht es wieder einmal nicht ganz ohne regionale Unterschiede. Für die Schweizer war und ist Frühstück eine Art Fremdwort. In der Deutschschweiz nimmt man am Morgen das Morgenessen oder im Dialekt den Zmorge zu sich. Es wundert mich, dass ich keine anderen regionalen Varianten finden konnte, denn üblicherweise gibt es gerade bei solchen häuslichen Dingen oft mehr landschaftliche Varianten als sonst. Vielleicht kennen Sie ja noch andere gebräuchliche Ausdrücke. Und sonst gilt eben – wie bereits gesagt –: ein zähes und robustes Wörtchen, dieses Frühstück!

Ist umsonst auch vergebens?

Frage

Woher stammt  der Begriff umsonst? Was hat es mit Wortspielen auf sich, die sagen, dass umsonst nicht vergeblich sei? Zum Beispiel:

Ich bin umsonst nach Berlin gefahren, da die Ausstellung schon geschlossen hatte.
Ich bin umsonst nach Berlin gefahren, weil ich eine kostenlose Mitfahrgelegenheit gefunden habe.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

das Wort umsonst hat drei Bedeutungen:

  1. kostenlos, ohne Gegenleistung: Ich habe es umsonst bekommen.
  2. vergebens, vergeblich: Ich habe umsonst auf ihn gewartet.
  3. (nur verneint) ohne Zweck, grundlos: Ich habe dich nicht umsonst davor gewarnt.

Nun gibt es Leute, die meinen, es sei nicht richtig, umsonst im Sinne von vergebens zu verwenden. Diese Verwendung von umsonst ist aber ebenso alt, wie sie üblich und eingebürgert ist. Solange man darauf achtet, missverständliche Formulierungen zu vermeiden, ist deshalb nichts dagegen einzuwenden. Meist gibt ja – wie in Ihren Beispielsätzen – der Satzzusammenhang an, was gemeint ist. Wenn Sie am Telefon hören: „Sie rufen umsonst an, der Kinderwagen ist schon weg“, ist ganz klar, dass Sie den Anruf vergebens und nicht kostenlos gemacht haben. Wenn man sagt: „Umsonst geht nur die Sonne auf“, ist damit nicht gemeint, dass die Sonne vergebens aufgeht, sondern dass es nun einmal nichts gratis gibt.

Das Wort geht auf mittelhochdeutsches umbe sus zurück, das eigentlich um dieses, um so bedeutete. Wenn man das Aussprechen von sus (dieses, so) mit einer wegwerfenden, herablassende Geste begleitete, bedeutete die Wendung also um nichts, für nichts (Quelle: Kluge, „Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“).

Wenn Sie nun hoffen, dass ich hier auf ein allzu naheliegendes Wortspiel verzichte, hoffen Sie umsonst. Ich kann es einfach nicht lassen:

Fragen Sie Dr. Bopp! Fragen stellen Sie immer umsonst, aber nie umsonst.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kanzler, Kanzlei, abkanzeln

Aus einem in diesem Fall nicht gerade unerfindlichen Grund kam bei mir dieses Wochenende die Frage auf, woher denn das Wort Kanzler(in) stammen könnte. Damit meine ich nicht die geschichtlichen oder gar staatsrechtlichen Hintergründe, warum man in Deutschland einen Reichskanzler hatte und zurzeit gerade eine Bundeskanzlerin eine nicht ganz unwichtige Rolle im politischen Leben dieses Landes spielt. Ich meine nur ganz einfach das Wort.

Das Wort Kanzler geht auf das spätlateinischen Wort cancellarius zurück.  Ein cancellarius war im Mittelalter ein hoher Beamter, der für die Ausfertigung wichtiger Urkunden zuständig war. Wie  man ganz genau von dieser Bedeutung zur heute in Deutschland und übrigens auch in Österreich gebräuchlichen Bedeutung des Wortes Bundeskanzler(in) kam, weiß ich nicht so genau. Man kann sich diesen Bedeutungswandel aber leicht vorstellen.

Die cancellarii hatten ihren Namen der Tatsache zu verdanken, dass sie ihre Tätigkeit in einem durch Schranken oder Gitter abgetrennten Raum ausübten: in der Kanzlei (von lateinisch cancelli = Gitter, Schranken). Auch die Kanzel, von der aus man manchmal abgekanzelt wurde und wird, hat den gleichen Ursprung. Wenn man ein, zwei Schritte weiter zurückgeht, trifft man sogar auf den Vorläufer des Wortes Kerker. Man sollte also froh sein, dass bei Wörtern, die historisch miteinander verwandt sind, in der gegenwärtigen Sprache oft nur noch sehr wenig von dieser Verwandtschaft übriggeblieben ist. Was immer man eventuell von Bundeskanzlern und -kanzlerinnen halten mag, als die Gemeinde abkanzelnde Kerkermeister(innen) kann man sie glücklicherweise nicht bezeichnen.

Performant, gibt es das?

Frage

Existiert eigentlich das Wort performant im Deutschen? Ich lese das Wort bei „führenden“ technischen Online-Portalen […] und habe es selbst textlich ebenfalls schon verwendet.

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

wenn Sie das Wort verwenden und es auch in führenden Online-Publikationen zu finden ist, dann gibt es das Wort. Die Frage ist nur, ob performant ein „gutes“ deutsches Wort ist. So wie ich das auf die Schnelle beurteilen kann, ist es ein im IT-Bereich sehr übliches Fachwort, das sich lautlich und formal gut in den bestehenden Fremdwortschatz einfügt. Ich finde es deshalb ein „gutes“ Fachwort. In der Allgemeinsprache würde ich es aber nicht verwenden. Dort verwendet man vielleicht besser zum Beispiel leistungsfähig, leistungsstark oder je nachdem ein anderes, bekannteres Fremdwort wie effizient.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Was hat der Herbst, was der Lenz nicht hat?

Zurzeit befinden wir uns in einem saisonalen Niemandsland oder, besser gesagt, einem jahreszeitlich doppelt besetzten Zeitraum. Das klingt ungewöhnlich, fast schon ein bisschen beunruhigend. Keine Angst, es hat nichts mit Klimawandel oder ähnlich Besorgniserregendem zu tun! Solche Perioden kommen jedes Jahr viermal vor. Das liegt schlicht und einfach am Unterschied zwischen den meteorologischen Jahreszeiten und den astronomischen Jahreszeiten. Die meteorologischen Jahreszeiten beginnen immer am ersten des Monats. Das scheint unter anderem die statistische Rechnerei zu vereinfachen. Die astronomischen Jahreszeiten hingegen richten sich nach den Sonnenhöchst- und -tiefstständen. Meteorologisch gesehen befinden wir uns deshalb schon seit dem 1. September im Herbst, während astronomisch gesehen der Sommer erst am 23. September endet. Solche „Doppelbesetzungen“ gibt es auch zwischen dem 1. und dem 21. Dezember, dem 1. und dem 21. März sowie dem 1. und dem 21. Juni.

Dies zeigt wieder einmal, das selbst Begriffe, die eigentlich ganz eindeutig sind, doch nicht immer ganz so eindeutig definiert sind. Und trotzdem gibt es selten Verständigungsschwierigkeiten, wenn es um Frühling, Sommer, Herbst und Winter geht.

Das Wort Herbst geht weit zurück. Es hat über ein paar Ecken auch mit dem lateinischen Wort für pflücken carpere und mit griechischen Wort für Frucht κα?πος zu tun und bedeutete ursprünglich Zeit der Ernte. Diese Bedeutung findet sich noch im englischen Wort für Ernte: harvest. Sein „Gegenspieler“, Lenz, ist ein ebenso altes Wort. Es ist mit lang verwandt und bezeichnete ursprünglich so etwas wie das Längerwerden der Tage.

Wofür ich keine Erklärung finden konnte, ist Folgendes: Herbst gehört auch heute noch zum allgemeinen Wortschatz. Lenz hingegen erscheint nur noch in Ausdrücken wie „zwanzig Lenze zählen“ (zwanzig Jahre alt sein) und „sich einen faulen Lenz machen“ (sehr wenig arbeiten) oder in wahren Perlen von Schlagertexten wie  „Veronika, der Lenz ist da. Die Mädchen singen tralala …“ Weshalb sagen wir heute Frühling oder Frühjahr statt Lenz, aber nur selten Spätjahr und nie Spätling anstelle von Herbst? Was hat der Herbst, was der Lenz nicht hat? Die Antwort auf diese Frage muss ich Ihnen und mir leider schuldig bleiben.

Das Holzbrett und die Einladung zur Ladeneröffnung

Heute stellte ein englischsprachiger CanooNet-Nutzer die Frage, warum das Verb laden zweimal aufgeführt sei, obwohl doch beide Verben die genau gleichen Wortformen haben. Ich wollte dem Herrn flugs antworten, dass die beiden Verben nicht nur eine unterschiedliche Bedeutung haben (einfüllen, beladenzum Kommen auffordern), sondern auch einen anderen Ursprung. Letzteres musste ich dann aber doch noch überprüfen, denn ganz sicher war ich mir dessen nicht. Ich hatte „natürlich“ recht (denn sonst würde ich diesen Beitrag ja nicht schreiben):

Das erste laden mit der Bedeutung einfüllen, beladen usw. lautete im Mittelhochdeutschen laden und im Althochdeutschen [h]ladan und hatte ursprünglich die Bedeutung hinbreiten, aufschichten.

Das zweite laden mit der Bedeutung zum Kommen auffordern war ursprünglich ein schwaches, das heißt regelmäßig gebeugtes Verb (ahd. ladon). Als die Grundformen der beiden Verben lautlich zusammenfielen, übernahm dieses schwache Verb langsam alle Formen seines starken „Konkurrenten“, so dass heute beide Verben genau gleich konjugiert werden:

laden; lädst, lädt; lud; geladen

Über den genauen Ursprung des zweiten Verbs ist man sich in der Gelehrtenwelt wieder einmal nicht ganz einig. Wahrscheinlich geht es auf einen alten Stamm zurück, dessen Bedeutung etwas mit gern, bitte, flehen zu tun hat.

Eine andere, wahrscheinlich weniger realistische Erklärung (sie ist nämlich fast zu schön, um wahr sein zu können) lautet, dass eine Einladung früher durch ein mit Zeichen versehenen Brett übermittelt wurde: das Einladungsbrett als Vorläufer der Einladungskarte. Eine andere Bezeichnung für Brett war das Wort laden, das wir noch recht deutlich in Fensterladen als solches erkennen können. Auch das Wort Laden im Sinne von Geschäft geht auf die Bedeutung Brett zurück: Es bezeichnete ursprünglich den Bretterstand oder die Bretterbude als Verkaufsort und das Brett, auf dem die Ware feilgeboten wurde.

Nicht nur die Wörter haben sich weiterentwickelt, auch dasjenige, was sie bezeichnen: So muss man sich heute meistens nicht mehr vor Holzsplittern im Finger, Laufmaschen im Strumpf und Triangeln im Hosenbein in Acht nehmen, wenn man zur Eröffnung eines Ladens geladen wird. Das Einladungsbrett (falls es so etwas je gegeben hat) hat schon lange der Karte und neuerdings auch der E-Mail Platz gemacht, und wenn es im Laden überhaupt ein Brett gibt, dann ist es bestimmt gehobelt und gelackt.

Die Kirchenmaus

Seit langem habe ich heute Morgen wieder einmal die Redewendung arm wie eine Kirchenmaus gelesen. Für die Jüngeren und Deutschlernenden unter uns: Wenn jemand arm wie eine Kirchenmaus ist, dann ist er oder sie sehr arm. Weshalb ist oder war nun eine Kirchenmaus so besonders arm, dass sie es zu einer eigenen Redewendung geschafft hat? In Wohnhäusern, Scheunen und Ställen konnten Mäuse überall etwas Essbares finden. Man musste sich als Maus zwar sehr gut vorsehen, nicht der Katze oder der Mausefalle zum Opfer zu fallen, aber zu essen gab es. Nicht so in der Wohnstätte einer Kirchenmaus. In Kirchen findet sich nichts, womit ein Mäuschen seinen Magen füllen könnte.

Wenn man den Ausdruck etwas aufpeppen und modernisieren möchte, könnte man im heutigen Sprachgebrauch auch sagen: so arm wie eine Designerküchenmaus. Falls man den Bildern in vorabendlichen Fernsehserien und schicken Küchenprospekten glauben darf, wird in vielen dieser Küchen nämlich nie gekocht. Es gibt dort zwar Essbares, aber an Suppendosen aus dem Delikatessenshop, griechischen Kalamataoliven im Glas und Champagner- oder Wodkaflaschen beißt auch eine noch so gut gerüstete Maus sich nur die Zähne aus.

Eine x-stellige Millionensumme

Frage

In einem meiner Texte habe ich etwas leichtfertig von einer neunstelligen Millionensumme gesprochen. Es ging dabei um eine Geldsumme, die nicht genau bestimmt im Zahlenraum 100.000.000 bis 999.999.999 liegt. Es geht um den Begriff neunstellig. Es ist zwar eine neunstellige Zahl gemeint, aber einem Freund und mir kamen dann Zweifel, ob in Bezug auf die Millionen im vorliegenden Fall nicht doch der Ausdruck dreistellige Millionensumme richtig ist. Ist der Betrag 450.000.000 Euro nun eine neunstellige Millionensumme oder doch nur eine dreistellige Millionensumme?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

eine neunstellige Millionensumme ist tatsächlich einiges höher als die Summe, die Sie meinen. Bei zum Beispiel 450.000.000 (vierhundertfünfzig Millionen) spricht man von einer neunstelligen Summe oder von einer dreistelligen Millionensumme. Wenn es sich dabei um einen Betrag handelt, ist es auch üblich, von einem Betrag in dreistelliger Millionenhöhe zu sprechen. Zusammenfassend:

450 000 000 €
= eine neunstellige Summe
= eine dreistellige Millionensumme
= ein Betrag in dreistelliger Millionenhöhe

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Eine neunstellige Millionensumme entspräche somit einer dreistelligen Billionensumme. Allzu viel würde ich allerdings nicht darauf verwetten, denn all diese Nullen sind für mich schon so etwas wie höhere Mathematik.