Schwierigkeiten beim Infinitivgruppenschreiben und beim Infinitivgruppen-richtig-Schreiben

Da es für komplexere Fragen viel zu warm ist (endlich!), gibt es heute wieder einmal ein einfacheres, aber bei vielen häufig eine gewisse Schreibunsicherheit verursachendes Thema: die substantivierte Infinitivgruppe.

Frage

Meine Frage betrifft die Schreibweise von als Substantiv verwendeten Wortgruppen. Wenn sich jemand zum Beispiel ansehen lässt, und man diese Eigenschaft im Satz mit einem vorangestelltem Artikel verwendet, heißt es dann „das Sich-ansehen-Lassen“ oder „das Sich-Ansehen-Lassen“? Das erste Wort dürfte aufgrund der substantivischen Verwendung großgeschrieben werden. Das letzte Wort vermutlich auch. Wie sieht es mit dem Wort in der Mitte aus?

Antwort

Sehrt geehrter Herr S.,

bei substantivierten Infinitivgruppen gilt diese Faustregel: Besteht sie aus nur zwei Teilen, schreibt man zusammen:

das Teetrinken
gemütliches Spaghettiessen
zum Schwimmengehen
beim Schnellfahren
des Sichanpassens

Besteht die substantivierte Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen, verwendet man Bindestriche*:

das Miteinander-Tee-Trinken
das Nicht-mehr-Weiterwissen
zum Aus-der-Haut-Fahren
des Sich-zu-sehr-anpassen-Wollens

Dabei gilt für die Groß- und Kleinschreibung – und damit sind wir endlich bei Ihrer eigentlichen Frage –, dass die folgenden Teile der Verbindung großgeschrieben werden:

  • das erste Wort der Gruppe
  • der (letzte) Infinitiv
  • ggf. Wörter, die auch sonst großgeschrieben werden (z.B. Substantive)

Bei Ihrem Beispiel ist somit der erste Vorschlag, den Sie machen, korrekt:

das Sich-ansehen-Lassen

So einfach ist es im Prinzip. Die Regeln finden Sie hier und hier. Eine älterer Blogbeitrag zum Thema der substantivierten Infinitivgruppen steht hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Natürlich geht es nicht ohne Ausnahmen. Es hat der Rechtschreibkommission nämlich (unter Zwang?) „behagt“, diese wunderbar einfache Grundregel etwas schwammiger zu formulieren (§ 43 E): „Dies [die Schreibung mit Bindestrich] gilt nicht für übersichtliche Zusammensetzungen mit Infinitiv“. Als dreiteiliges Beispiel wird dort das Inkrafttreten angeführt. Laut Duden ist auch das Zuspätkommen eine solche zusammenzuschreibende Ausnahme.

Ganz kann ganz schwierig sein

„Das hast du ganz gut gemacht.“ Heißt das nun, dass ich es wirklich sehr gut gemacht habe, oder heißt es, dass ich es nur einigermaßen gut gemacht habe? Für Muttersprachige ist in der Regel sofort klar, welche dieser beiden Interpretationen im konkreten Fall gemeint ist. Für Deutschlernende kann dies aber ziemlich verwirrend sein.

Frage

Ich bin ziemlich fortgeschrittene DaF-Lernerin, habe aber manchmal Fragen zu einigen Feinheiten der deutschen Sprache. Ich wurde mal angewiesen, dass das Wort „ganz“ in der Kombination „ganz gut“ eine andere Bedeutung hat als mit anderen Wörtern (ganz schön, ganz früh etc.). Das bedeute nicht „sehr, sehr gut“ sondern werde eher ironisch gemeint und als „nicht besonders gut“ verstanden. Stimmt es oder nicht?

Antwort

Sehr geehrte Frau Z.,

es stimmt, dass das Adverb ganz nicht nur eine verstärkende Bedeutung, sondern auch eine einschränkende Bedeutung haben kann. Diese recht widersprüchlichen Bedeutungen kann ganz bei allen Adjektiven haben, nicht nur bei zum Beispiel gut. Welches die gemeinte Bedeutung ist, merken geübte Sprecher und Sprecherinnen am Kontext und an der Betonung.

Wenn ganz verstärkend gemeint ist (= sehr, besonders), ist es betont:

Das hast du gánz gut gemacht!
Ich finde das Bild gánz schön, weil die Farben so leuchten.
Wir mussten gánz früh aufstehen, um die Delphine sehen zu können.

Wenn ganz einschränkend gemeint ist (= ziemlich, relativ, eingermaßen), ist es unbetont. Es wird dann häufig von einer einschränkenden Angabe begleitet:

Das hast du ganz gút gemacht, aber du warst auch schon besser.
Dafür dass das Bild eigentlich nicht meinen Geschmack trifft, finde ich es ganz schön.
Ich habe nicht viel Neues gelernt, aber es war doch ganz interessánt.

In der gesprochenen Sprache hilft die Betonung (betont = sehr, unbetont = ziemlich). In der geschriebenen Sprache ist es nicht immer so einfach. Oft hilft dann erst der weitere Satzzusammenhang beim Verständnis, welche Bedeutung von ganz gemeint ist. Und manchmal hilft auch das nichts: Die Interpretation von ganz kann manchmal ganz schwierig sein.*

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Dann hilft beim Schreiben nur das Ausweichen auf eine andere Formulierung, also je nachdem was gesagt werden soll:

Die Interpretation von ganz kann manchmal sehr/wirklich schwierig sein.
Die Interpretation von ganz kann manchmal recht/ziemlich schwierig sein.

Kein Komma vor „und“?

Das Komma ist eines der komplexesten Phänomene der deutschen Rechtschreibung und bereitet uns entsprechend hin und wieder einiges Kopfzerbrechen. Noch nicht einmal auf eine so einfache Regel wie »Kein Komma vor und« darf man sich blind verlassen. Es ist dann auch nicht erstaunlich, dass immer wieder Fragen zu diesem Thema gestellt werden.

Frage

Hier habe ich zwei Beispielsätze, anhand derer ich ein Kommafrage klären möchte. Ich dachte immer, dass prinzipiell kein Komma vor und steht, aber nun habe ich Zweifel.

1) Mein Vater hatte das Talent, gut zu schreiben[,| und die Fähigkeit, Verlagshäuser davon zu überzeugen.
2) Er ist seit vielen Jahren krank[,] und er muss immer wieder ins Krankenhaus aufgenommen werden.

Antwort

Sehr geehrte Frau N.,

wir haben gelernt, dass vor und im Prinzip kein Komma steht. Das ist aber nicht immer der Fall.

Kein Komma vor und

Die Grundregel gilt auch bei längeren Aufzählungen sowie vor usw. und etc.:

nicht: Sie erhielt einen kleinen Globus, eine große Nussschokolade, zwei T-Shirts, ein Etui für ihr Tablet, ein Paar Ohrringe, und das lang ersehnte Hündchen.
sondern: Sie erhielt ein einen kleinen Globus, eine große Nussschokolade, zwei T-Shirts, ein Etui für ihr Tablet, ein Paar Ohrringe und das lang ersehnte Hündchen.

nicht: Er kaufte Tomaten, Zucchini, Auberginen, usw.
sondern: Er kaufte Tomaten, Zucchini, Auberginen usw.

Man trifft des Öfteren Texte an, in denen bei solchen Aufzählungen ein Komma vor und oder usw. steht. Dieses Komma könnte durch die englische Interpunktion beeinflusst sein. Im Deutschen ist es nicht korrekt.

Abschließendes Komma vor und:

Das heißt jetzt aber nicht, dass im Deutschen nie ein Komma vor und stehen darf oder muss. (Das wäre ja viel zu einfach!) Die Regeln sagen nämlich: Zu Nebensätzen, Infintivgruppen, Appositionen und Nachträgen gehörende Kommas müssen auch vor und gesetzt werden. Das klingt umständlich, ist aber relativ einfach, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Eingeschobener Nebensatz:

Sie schaute sich um, ob sie jemanden kannte, und ging wieder weg.
vgl. Sie schaute sich um und ging wieder weg.

Wir hoffen, dass wir die Augabe zu Ihrer Zufriedenheit ausgeführt haben, und wir freuen uns auf einen neuen Auftrag.
vgl. Wir hoffen und wir freuen uns

Eingeschobene Infinitivgruppe:

Mein Vater hatte das Talent, gut zu schreiben, und die Fähigkeit, Verlagshäuser davon zu überzeugen.
vgl. Mein Vater hatte das Talent und die Fähigkeit

Wir sind davon überzeugt, Ihren Kunden interessante Alternativen anbieten zu können, und freuen uns auf ein Gespräch mit Ihnen.
vgl. Wir sind davon überzeugt und freuen uns

Apposition

Ich habe Äpfel, meine Lieblingsfrüchte, und Bananen gekauft.
vgl. Ich habe Äpfel und Bananen gekauft.

Wir grüßen Alois, unseren lieben Freund aus Klagenfurt, und auch seine Frau und Kinder.
vgl. Wir grüßen Alois und auch seine Frau und Kinder.

Selbstständige Sätze:

Ihr zweiter Beispielsatz ist ein anderer Fall. Es handelt sich um die Verbindung von zwei selbstständigen Sätzen. Dabei steht normalerweise kein Komma vor und, es kann aber zur Verdeutlichung des Gesamtsatzes gesetzt werden (Regel):

Er ist seit vielen Jahren krank und er muss immer wieder ins Krankenhaus aufgenommen werden.
Er ist seit vielen Jahren krank, und er muss immer wieder ins Krankenhaus aufgenommen werden.

Er aß nur das Brot und den Kuchen ließ er stehen.
Er aß nur das Brot, und den Kuchen ließ er stehen.

Komma vor und zwar, und das, und dies

Das ist noch nicht alles: Vor ergänzendem und zwar, und das, und dies muss ein Komma stehen:

Die Arbeit muss nächste Woche abgegeben werden, und zwar spätestens am Donnerstag.
Das ist bares Geld wert, und zwar viel.
Sie hat uns sofort geholfen, und das/dies an einem Sonntagmorgen.

—-

Im Prinzip steht vor und kein Komma. Die Beispiele zeigen aber, dass es Gründe gibt, auch vor und (oder, bzw., sowie, als auch) einen Beistrich zu setzen. Wenn Sie das Wichtigste in einer kürzeren Zusammenfassung sehen möchten, ist das möglich, und zwar hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Calvados: kahle Rücken oder Armadaschiff

Im Urlaub schauen viele gerne einmal über die Grenze. So sind auch wir für ein paar Tage über Landes- und Sprachgrenze nach Frankreich gezogen. Dort stand ich vorgestern noch auf dem (oder der) Pont de Normandie, einer eleganten Brücke, die die Mündung der Seine zwischen Le Havre und Honfleur überspannt. Auf einem knapp zwei Meter breiten Trottoir, nur durch einen wenige Zentimeter hohen Betonrand vom mit 90 km/h vorbeirasenden Verkehr getrennt, kann man diese Brücke begehen. Das haben wir uns nicht zweimal sagen lassen. Wenn man irgendwo hinaufsteigen und hinunterschauen kann, ganz egal ob Kirchturm, Leuchtturm, Aussichtsturm, Wolkenkratzer oder eben in diesem Fall eine Brücke, dann muss ich hinauf. Dort stand ich also mehr als fünfzig Meter über der Seine, hielt meine Mütze fest (merke: auf einer hohen Brücke an der Küste ist es nicht windstill!), schaute um und unter mich und dachte: „Mann, ist das hoch!“ Wenn Sie einmal in der Gegend sind und keine Höhenangst haben: Der Pont de Normandie ist das Begehen wert.

In der Mitte der Brücke zeigten Tafeln an, dass wir auf der Grenze zwischen den Departements Calvados und Seine-Maritime standen. Und plötzlich schlug wieder einmal die Berufsdeformation zu: Woher kommt der Name Calvados? Er sieht ja eher spanisch als französisch aus.

Calvados-Schild
Foto Wikipedia . Foto P.v.B.

Der Name Calvados, den Liebhaber und Liebhaberinnen destillierter Wässer ja auch als Bezeichnung für den berühmten Apfelbranntwein aus dieser Region kennen, ist nicht typisch für die Normandie. Der Name Normandie geht auf das altfränkische nortman oder das altnordische nordmaðr zurück, die beide Nordmann bedeuten. Es kam im mittelalterlichen Latein ab dem 9. Jahrhundert vor und bezeichnete also das Gebiet der Nordmänner. Die Normandie war von einem Mischvolk besiedelt, das aus vom Norden eingedrungenen Skandinaviern und den ansässigen Franken entstanden war. Natürlich ist wie immer alles viel komplizierter, aber der Name Calvados kam bestimmt nicht mit den Wikingern in diese Region.

Es gibt zwei Erklärungen für den Ursprung des Namens: eine eher realistische und eine eher romantische. Nach der realistischeren, allgemein als wahrscheinlich anerkannten Erklärung stammt der Name von alten Seekarten. Mit dem lateinischen calva dorsa (kahle Rücken) sollen sie von See aus sichtbare kahle, also baumlose Hügel der Gegend angegeben haben. Die romantischere Erklärung sagt, dass der Name von Salvador komme. Salvador war der Name eines Schiffes, das zur „Unbesiegbaren Armada“ gehörte, der Kriegsflotte, die 1588 auf Befehl des spanischen Königs Philipp II. ausfuhr, um England zu erobern. England wurde nicht erobert und die Salvador strandete auf einem Felsen vor der Küste des heutigen Calvados. Über ein paar abenteuerliche Lautverschiebungen soll das Schiff dann Namensgeberin der Gegend geworden sein.

Vom Pont de Normandie aus habe ich beides gesehen: mehr oder weniger baumlose Hügel und einige Schiffe. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet könnten also beide Erklärungen zutreffen, aber auch mir scheint die erste Erklärung (calva dorsa) die wahrscheinlichere zu sein.

Pont de Normandie

So weit der Blick über die Grenze. Die nächsten Beiträge werden sich dann wieder mit „deutscheren“ Themen befassen.

 

Urlaub

Dr. Bopp ist im Urlaub.

Ich kann Ihre Fragen zu Sprache und Rechtschreibung deshalb leider nicht beantworten. Nach dem 9. Juni geht es aber wieder wie gewohnt weiter.

Das heißt natürlich nicht, dass CanooNet bis dann einfach stillliegt. Unser Team wird dafür sorgen, dass die unter www.canoonet.eu verfügbaren Sprachdienste wie immer vierundzwanzig Stunden am Tag online verfügbar sind.

Der Unterschied zwischen Christoph Kolumbus und George Clooney

Außer dass Kolumbus und Clooney beide Männer sind, die außerdem etwas mit Amerika zu tun haben – der eine hat es für die Europäer (wieder)entdeckt und der andere wurde dort geboren –, gibt es wohl vor allem Unterschiede. Hier geht es darum, dass wir im Deutschen sehr unterschiedlich mit den anderssprachigen Namen der beiden Herren umgehen.

Frage

Eigennamen werden ja allgemein nicht an die Sprache angepasst. Somit sind Sie auch in New York Mr. Bopp, und Mr. Clooney ist auch in Italien Sig. Clooney.  Dennoch schreibt man bspw. Aristoteles, Platon oder Kolumbus im Englischen anders (Aristotle, Plato, Columbus). Warum ist das so? Und gibt es hierfür eine Regel, die ich nicht erkennen kann?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

eine Regel gibt es nicht, eine Erklärung aber schon: Der Unterschied liegt darin, dass Namen aus anderen Sprachen, insbesondere Namen historischer Persönlichkeiten, früher an die eigene Sprache angepasst wurden, dies aber heute bei Personen „jüngeren Datums“ nicht mehr geschieht. Früher war der Umgang mit Namen aus anderen Sprachen also freier als heute.

Anhand der Beispiele, die Sie anführen, lässt sich gut zeigen, dass dies nicht nur im Deutschen, sondern auch in anderen Sprachen so war und ist:

de: Aristoteles
en: Aristotle
fr: Aristote
it: Aristotele
sp: Aristóteles
pl: Arystoteles

Bei Aristoteles kommt hinzu, dass der Name ursprünglich mit griechischen Buchstaben geschrieben wurde: Αριστοτέλης. Bei der Übertragung vom griechischen ins lateinischen Alphabet haben verschiedene Sprachen verschiedene Methoden entwickelt. Beim ursprünglich italienischen Entdecker der Neuen Welt spielt das allerdings keine Rolle:

it: Cristoforo Colombo
de: Christoph Kolumbus
en: Christopher Columbus
fr: Christophe Colomb
sp: Cristóbal Colón
pl: Krzysztof Kolumb

Im Gegensatz dazu werden neuere Namen in allen Sprachen (mit lateinischem Alphabet) gleich geschrieben:

George Clooney
Margaret Thatcher
Jeanne Moreau
Giuseppe Verdi

Zwei Ausnahmen gibt es auch hier: Namen von Herrschern und original nicht mit lateinischen Buchstaben geschriebene Namen werden ebenfalls meist an die eigene Sprache angepasst.

it: Vittorio Emanuele III (1869-1947)
de: Viktor Emanuel III.
en: Victor Emmanuel III
fr: Victor-Emmanuel III
sp: Víctor Manuel III
pl: Wiktor Emanuel III

Bei den aus anderen Schriftsystemen übernommenen Namen geht es eigentlich „nur“ um die lautliche Wiedergabe des ursprünglichen Namens. Es geht also weniger um eine wirkliche Anpassung des Namens an die eigene Sprache als um die Wiedergabe des Namens in der eigenen Schrift:

ru: Михаил Горбачёв
de: Michail Gorbatschow
en: Mikhail Gorbachev
fr: Mikhaïl Gorbatchev
sp: Mijaíl Gorbachov
pl: Michaił Gorbaczow

Abgesehen davon, dass die historische Bedeutung von George Clooney etwas geringer ist (und voraussichtlich auch bleiben wird) als diejenige von Christoph Kolumbus, ist es vor allem die Tatsache, dass er aus unserer eigenen Epoche stammt, dass er hierzulande nicht zu Georg Kluhni wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Personalabteilung als Businesspartner(in)

Frage

Muss in „die Personalabteilung als Business-Partner“ das Wort „Business-Partner“ zwingend in „Business-Partnerin“ geändert werden?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

im Allgemeinen gilt, dass bei Bezug auf eine Institution mit weiblichem Genus sowohl die männliche als auch die weibliche Form verwendet werden kann:

die Personalabteilung als Businesspartner
die Personalabteilung als Businesspartnerin

die Universität als Antragssteller
die Universität als Antragstellerin

Lieferant ist die Firma B.
Lieferantin ist die Firma B.

Siehe auch hier.

Es ist aber im Rahmen der Verwendung geschlechtergerechter Sprache zunehmend üblich, hier nur die weibliche Form zu benutzten. Theoretisch ist das zwar auch aus geschlechtergerechter Sicht nicht notwendig, da diese Bezeichnungen sich ja nicht auf Männer oder Frauen beziehen. Das Umgekehrte ist aber nicht üblich:

*der Staat als Businesspartnerin
*Lieferantin ist der Betrieb B.

Die Verwendung der männlichen Form bei Institutionen mit weiblichem Genus ist also eine Art generisches Maskulinum, und gerade das soll ja in der geschlechtergerechten Sprache vermieden werden. Wohl deshalb schreibt zum Beispiel der Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren im Deutschen der Schweizerischen Bundeskanzlei vor, dass hier im amtlichen Sprachgebrauch die weibliche Form zu verwenden sei (Abs. 7.48, S. 127).

Im Prinzip muss also in Ihrem Beispiel Businesspartner nicht in Businesspartnerin geändert werden. Es ist vielleicht anzuraten, aber nicht zwingend. Wenn Sie allerdings an einen Leitfaden wie zum Beispiel den gerade genannten gebunden sind, ist die Verwendung der weiblichen Form zwingend.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Gurgelbacher gegen die Mönche

Das Einzige, was ich als Sportmuffel erster Klasse zum morgigen Duell in London beitragen kann, ist ein wenig Namenkunde:

Bayern

Wo die Bayern herkommen ist ungeklärt. Lange Zeit wurde angenommen, dass sie im 5. Jahrhundert aus Böhmen eingewandert waren und sich mit ein paar Germanen und der verbleibenden römisch-keltischen Bevölkerung vermischt hatten. Der Name Bayern wäre demnach über Bajuwaren aus einem alten Wort mit der ungefähren Bedeutung Männer aus Böhmen entstanden. Neuere Forschungen zeigen aber, dass dies nicht so sein kann, werfen damit aber mehr Fragen auf, als sie beantworten.* Sicher und recht bekannt ist, dass die heutige Schreibung mit y auf einen Beschluss König Ludwigs I. im Jahre 1825 zurückgeht. Bevor der große Verehrer der antiken Griechen das griechische Ypsilon einführte, war die Schreibung Baiern üblich.

*Die Anfänge Bayerns, Von Raetien und Noricum zur frühmittelalterlichen Baiovaria, hrsg. von Hubert Fehr und Irmtraut Heitmeier, EOS Verlag, 2012

Borussia

Mit einer klassischen Sprache hat auch dieser Name zu tun. Borussia ist die neulateinische Bezeichnung für Preußen. In der Zeit, als man wichtige Texte noch in lateinischer Sprache abfasste, wurden auch die Ortsbezeichnungen latinisiert. So wurde zum Beispiel Hessen in lateinischen Texten zu Hassia, Leipzig zu Lipsia, Bayern zu Bavaria und Preußen zu Borussia. Der Fußballclub wurde aber – so will es zumindest die Legende – nicht direkt nach Preußen, sondern nach einer Brauerei mit dem Namen Borussia benannt.

Dortmund

Dieser Name ist wahrscheinlich germanischen Ursprungs. Die älteste Nennung von Dortmund stammt aus dem Jahr 889: Throtmanni. Darüber, wo dieser Name herkommt, herrscht – wie könnte es anders sein – Uneinigkeit. Der erste Teil des Namens könnte auf das altgermanische Wort throt (Kehle, Gurgel, Schlund, Hals) zurückgehen, das heute noch im englischen throat fortlebt. Der zweite Teil könnte vom altsächsischen Wort manni (Gewässer) oder einer altgermanischen Form *munt (Berg, Hügel, Anhöhe) kommen. Dortmund bedeutete dann also Gurgelbach oder Berg mit einem Einschnitt o. Ä. Problematisch ist allerdings, dass nicht nachgewiesen werden kann, dass es dort einen Gurgelbach oder einen Hügel mit Einschnitt gegeben hat. Eine weitere Theorie meint dann auch, dass Dortmund ursprünglich einem Mann namens Throtmann gehört haben könnte. Der neulateinische Name ist übrigens Tremonia, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

München

Der Name München wird üblicherweise aus bei den Mönchen hergeleitet. Im Jahr ihrer Gründung, 1158, wurde die Stadt in einem Dokument apud Munichen genannt (apud = lateinisch bei, munich = althochdeutsch Mönch). Auf dem dortigen Petersbergl gab es schon seit dem 8. Jahrhundert eine Siedlung von Mönchen. Der Mönch im Stadtwappen sowie der neulateinische Name Monacum o. Monachum (lat. monachus = Mönch) gehen auf diese Erklärung zurück.

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Den eingefleischten Fans mag dies alles ganz egal sein, Hauptsache, ihre Mannschaft gewinnt. Ich meine dazu ganz diplomatisch: Ob es nun die Gurgelbacher oder die Mönche sind, möge die bessere Mannschaft gewinnen!

Das teure Hotel und der Gegenwartsbezug

Frage

Es geht darum, zwei Sätze zu verbinden: „Ihr wart in einem Hotel in New York“ und „Das Hotel ist/war teuer“.  Nun ist die Frage, ob es da zwei Möglichkeiten gibt oder die eine besser als die andere ist?

Es erstaunt mich nicht, dass das Hotel, in dem ihr in New York wart, sehr teuer ist.

Oder heißt es am Ende:

Es erstaunt mich nicht, dass das Hotel, in dem ihr in New York wart, sehr teuer war.

Ich meine, dass beide Lösungen i. O. sind. Und was meinen Sie?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

Ihre Frage zielt eigentlich darauf, ob es eine obligatorische Zeitenfolge gibt. Zuerst die allgemein Antwort, die für Liebhaber und Liebhaberinnen strenger Regeln enttäuschend, aber für „Freiheitsliebende“ eher erfreuliche sein mag: Im Gegensatz zu anderen Sprachen kennt das Deutsche keine streng geregelte Folge der Zeiten. In längeren geschriebenen Texten herrscht zwar gewöhnlich das Präsens oder das Präteritum vor, aber es gibt keine obligatorische Zeitenabfolge in aufeinanderfolgenden Sätzen (Consecutio Temporum; wenn Satz a im Tempus x, dann Satz b „zwangsläufig“ im Tempus y). Nur bei Nebensätzen und den ihnen übergeordneten Sätzen gibt es gewisse Tendenzen, die hier angedeutet werden.

In Ihrem Beispielsatz haben wir es mit zwei möglichen Sehensweisen oder Aspekten zu tun, die bei der Wahl der Verbform zu einem unterschiedlichen Resultat führen. Damit meine ich eigentlich nur: Auch ich finde beide Formulierungen richtig.

Es erstaunt mich nicht, dass das Hotel, in dem ihr in New York wart, sehr teuer ist.

Bei der Verwendung der Präsensformt ist wird davon ausgegangen, dass es das Hotel zum Sprechzeitpunkt noch gibt und dass es immer noch teuer ist. Es gibt einen deutlichen Gegenwartsbezug. Eine mögliche Gesprächssituation wäre, dass jemand ebenfalls an Hotels in New York interessiert ist.

Es erstaunt mich nicht, dass das Hotel, in dem ihr in New York wart, sehr teuer war.

Bei der Verwendung der Präteritumsform war wird nichts über den gegenwärtigen Zustand des Hotels gesagt. Es gibt keinen direkten Gegenwartsbezug. Das Hotel kann noch bestehen und immer noch teuer sein, es kann aber auch geschlossen oder ausgesprochen billig geworden sein. Die Formulierung bleibt innerhalb der Schilderung von etwas Vergangenem. Sie könnte zum Beispiel ein interessierter oder höflicher Kommentar zu einem Reisebericht sein.

Die Wahl der Zeitform hängt also vom weiteren Kontext ab. Wichtig ist hier nicht ein zeitliches Verhältnis zwischen zwei Teilsätzen (z.B. Gleichzeitigkeit oder Nachzeitigkeit), sondern die Frage, ob in einem Teilsatz ein Bezug zur Gegenwart besteht. Das ist auch in den folgenden, „selbstgestrickten“ Beispielsätzen der Fall:

Ohne direkten Gegenwartsbezug:

Ich traf dort eine Frau, die im Zirkus arbeitete.
Er sang ein Lied, das mir gut gefiel.
Ich wusste, dass er in Salzburg wohnte.

Mit Bezug auf die Gegenwart:

Ich traf dort eine Frau, die im Zirkus arbeitet.
Er sang ein Lied, das mir gut gefällt.
Ich wusste, dass er in Salzburg wohnt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Trotzdem dennoch wie obwohl?

Frage

Wie unterscheiden sich die Konjunktionen „trotzdem“, „dennoch“ und „obwohl“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

das Wort obwohl ist eine Konjunktion, die einen Einräumungssatz (Konzessivsatz) einleitet. In einem Einräumungssatz wird eine Situation, eine Ursache geschildert, die nicht die zu erwartende oder gewünschte Wirkung hat:

Obwohl es stark regnete, fuhr sie mit dem Fahrrad zu Schule.
Sie fuhr mit dem Fahrrad zur Schule, obwohl es stark regnete.

In einem Satz mit dem Wort dennoch, wird die nicht gewünschte oder nicht zu erwartende Folge angegeben:

Es regnete stark und dennoch fuhr sie mit dem Fahrrad zur Schule.
Selbst wenn es stark regnete, fuhr sie dennoch mit dem Fahrrad zur Schule.

Dabei ist das Wort dennoch keine Konjunktion, sondern ein sogenanntes Konjunktionaladverb. Wie eine Konjunktion verbindet es zwei Sätze miteinander, es hat aber die Wortstellung eines Adverbs. Es ist ein Satzglied und kann als solches allein vor der konjugierten Verbform oder im Satzinnern stehen:

Dennoch fuhr sie mit dem Fahrrad zur Schule.
Sie fuhr dennoch mit dem Fahrrad zur Schule.

Zum Vergleich: Mit der Konjunktion obwohl ist dies nicht möglich:

nicht: *Obwohl regnete es stark …
nicht: *Es regnete obwohl stark …

(Vgl. auch Unterschied zwischen Konjunktionaladverbien und Konjunktionen.)

Ein spezieller Fall ist trotzdem. In der Standardsprache ist es wie dennoch ein Konjunktionaladverb. Es hat auch ungefähr die gleiche Bedeutung:

Es regnete stark und trotzdem fuhr sie mit dem Fahrrad zur Schule.
Selbst wenn es stark regnete, fuhr sie trotzdem mit dem Fahrrad zur Schule.

Manchmal wird trotzdem aber auch wie obwohl als Konjunktion verwendet. Es hat dann die gleiche Bedeutung wie obwohl:

Trotzdem es regnete, fuhr sie mit dem Fahrrad zur Schule.
Sie fuhr mit dem Fahrrad zur Schule, trotzdem es regnete.

Diese Verwendung von trotzdem ist aus der Formulierung trotz dem, dass entstanden.

Aber: Nicht alle finden trotzdem im Sinne von obwohl standardsprachlich korrekt. Vorsichtige unter Ihnen verwenden trotzdem deshalb besser nur mit der Bedeutung dennoch. Wenn Sie aber kein Problem mit trotzdem im Sinne von obwohl haben und die eventuelle Kritik, es sei umgangssprachlich, Sie nicht stört, können Sie trotzdem auch als konzessive Konjunktion verwenden. Sie verwenden dann also trotzdem dennoch wie obwohl.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp