Wann ist die Preisverleihung?

Frage

Wenn einer Person zu einem gewissen Zeitpunkt ein Preis zugesprochen und dieser Preis zu einem späteren Zeitpunkt überreicht wird – für welchen Vorgang verwendet man korrekterweise das Verb „verleihen“?

Antwort

Guten Tag Frau D.,

üblicherweise wird das (feierliche) Überreichen eines Preises Preisverleihung genannt. Ein Preis, ein Recht, ein Orden, ein Titel u. Ä. wird zuerkannt und dann verliehen. So wird der Friedensnobelpreis jährlich am 10. Dezember verliehen. Wer ihn erhalten soll, wird schon früher bestimmt. Das gilt vor allem dann, wenn wie zum Beispiel bei der Oscarverleihung erst während der Zeremonie bekannt gemacht wird, wer einen Preis erhält. Die Zuerkennung kann auf allerlei Arten erfolgen (öffentlich, geheim, sachkundig, inkompetent, regelgebunden, spontan, demokratisch, [un]begründet, politisch motiviert, ehrlich, vetternwirtschaftlich, korrupt …), die Verleihung ist meist offiziell und feierlich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Morbus helveticus, Heimweh und Auffahrt

Frage

Wie schreibe ich folgenden Begriff korrekt: „Schweizer Krankheit“ oder „Schweizerkrankheit“? Oder sind beide Schreibweisen gleichermaßen möglich? Im WWW finden sich genauso viele Belege für „Schweizer Krankheit“ wie für „Schweizerkrankheit“ .

Antwort

Guten Tag Herr B.,

es gibt hier offenbar keine gefestigte Schreibung. Möglich und vertretbar ist beides:

Schweizer Krankheit = schweizerische Krankheit
Schweizerkrankheit = Krankheit der Schweizer
(Morbus helveticus = Heimweh)

Welches der beiden mit Morbus helveticus gemeint ist, lässt sich nicht eindeutig festlegen. Vergleiche hierzu ähnlich aufgebaute Krankheitsbegriffe und deren Schreibung in den Wörterbüchern:

französische/Französische Krankheit o. Franzosenkrankheit
(Morbus gallicus = Syphilis)
englische/Englische Krankheit
(Morbus Anglorum = Rachitis)

Sie können also Schweizer Krankheit oder Schweizerkrankheit schreiben. Es empfiehlt sich allerdings, innerhalb eines Textes oder einer Textreihe immer die gleiche Variante zu verwenden.

Der Begriff ist eine Bezeichnung für (krankhaftes) Heimweh, das Ende des 17. Jahrhunderts wahrscheinlich zum ersten Mal in der Schweiz beschrieben wurde. Dass die „Krankheit“ Schweizerkrankheit oder Schweizer Krankheit genannt wurde, soll an den vielen im Ausland engagierten Schweizer Söldnern gelegen haben, die daran litten.

Dass es gerade hier zu unterschiedlichen Schreibungen kommt, hat zwar nicht damit zu tun, es sieht aber wie ein Symptom einer anderen Schweizer „Krankheit“ aus: andere Rechtschreibgepflogenheiten als im Rest des deutschen Sprachraumes. So genießt man in der Schweiz zum Beispiel die Aussicht auf den Genfersee und wohnt man an der Baslerstrasse statt auf den Genfer See und an der Basler Straße (siehe diesen uralten Blogartikel zum Tessinerbrot).

Der morgige Tag zeigt übrigens, dass es auch bei der Wortwahl gewissen Eigenheiten gibt: Während man morgen im Allgemeinen Christi Himmelfahrt feiert und viele sich ein verlängertes Himmelfahrtswochenende gönnen, nennt man dies in der Schweiz Auffahrt und Auffahrtswochenende (mit Auffahrt ist also selbst in Schweizer Wintersportregionen nicht die Bergfahrt in einer Bergbahn vor der Skiabfahrt gemeint).

Schöne Himmelfahrt oder eben Auffahrt!

Dr. Bopp

Ist man über den Berg oder über dem Berg (wenn man das Gröbste hinter sich hat)?

Frage

Erlauben Sie bitte die folgende Frage:

Er ist über den Berg (er hat die Krise überstanden)!

Frage: Weshalb steht hier der Akkusativ? Keine statische Situation?

Antwort

Guten Tag Herr M.,

wer über den Berg ist oder noch nicht über den Berg ist, hat die größte Schwierigkeit überwunden oder eben noch nicht überwunden. Es geht also um eine Situation, in der man sich befindet. Weshalb steht dann der Berg in der Redewendung im Akkusativ und nicht im Dativ (vgl. statisch über dem Berg und dynamisch über den Berg)?

Den Akkusativ kann man damit verteidigen, dass die Wendung als Verkürzung von (noch nicht) über den Berg gegangen/gekommen sein verstehen kann. Grammatisch lässt sich dieses Fallwahl somit einigermaßen „logisch“ erklären.

Seltener wird allerdings auch über dem Berg sein gesagt. Dass hier häufiger der Akkusativ als der Dativ steht, lieg an der Bedeutung von über. Hier ist nicht über = oberhalb gemeint, sondern das über, das mit dem Akkusativ steht und einen Ort angibt, der überquert wird (über den Platz gehen, über die Brücke fahren, über den Zaun springen, über den Berg gehen).

Nur das erste über ist eine sogenannte Wechselpräposition, die mit dem Akkusativ  (Angabe des Ziels der Handlung)  oder mit dem Dativ (statische Ortsangabe) stehen kann:

Sie hängten das Poster über das Sofa.
Das Poster hing über dem Sofa.

Beim zweiten über, um das es hier geht, fehlt sozusagen die statische Variante. Wenn man über den Berg gegangen ist, ist man danach nicht über dem Berg, sondern jenseits oder auf der anderen Seite des Berges:

Sie gingen über die Brücke.
Sie waren auf der anderen Seite/jenseits der Brücke.

über den Berg gehen
jenseits/auf der anderen Seite des Berges sein

Mit über dem Berg wird also eigentlich oberhalb des Berges gesagt. Vgl. zum Beispiel:

Dunkle Wolken hängen über dem Berg.
Der Adler kreist über dem Berg.

Darum steht über in Wendungen, bei denen sprichwörtlich Berge überwunden worden sind,  am besten mit dem Akkusativ:

über den Berg sein (die Krise überwunden haben)
längst über alle Berge sein (längst auf und davon / weit weg sein)

Nicht jedes über wird mit dam Akkusativ und dem Dativ verwendet oder: Das eine über ist das andere nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Von Rumkugeln und Jamaikanern

Frage

Warum heißen Rumkugeln heutzutage Jamaicaner?

Antwort

Guten Tag J.,

Rumkugeln heißen vielerorts auch heute noch einfach Rumkugeln. Andere Bezeichnungen wie Streuselkugeln oder Jamaikaner kommen aber auch vor. Eine eindeutige Antwort, warum das so ist, muss ich Ihnen schuldig bleiben. Es gibt (mindestens) zwei Erklärungsmöglichkeiten:

Wenn die Rumkugeln Rum enthalten, kann Jamaikaner ein Kurzname für (echte) Jamaika-Rumkugeln sein. Dabei ist mit Jamaika-Rumkugeln gemeint, dass die Rumkugeln mit echtem Jamaika-Rum gemacht wurden.

Wenn die Kugeln keinen Rum enthalten, kann die Bezeichnung Jamaikaner genau aus diesem Grund gewählt worden sein. Ohne Rum ist eine Rumkugel ja eigentlich keine Rumkugel. Mit der Bezeichnung Jamaikaner (oder einem anderen „rumlosen“ Namen) wird nicht oder weniger stark der Eindruck geweckt, dass die Kugeln Rum enthalten.

Ich vermute, dass häufig die zweite Erklärung zutrifft. Nach dem deutschen Jugendschutzgesetz dürfen nämlich Rumkugeln mit mehr als einem Prozent Alkohol nicht an Jugendliche verkauft werden. Um diese Hürde zu umgehen, wird auf alkoholfreie Varianten (mit oder ohne Rumaroma) ausgewichen, die dann eigentlich einen anderen Namen tragen sollten.

Wenn Sie genau wissen wollen, ob die Süßigkeit Rum, Rumaroma oder keines von beidem enthält, informieren Sie sich am besten vor dem Kauf. Am besten schmecken meiner Meinung nach „natürlich“ die echten Rumkugeln (vorausgesetz, man hat das jeweils geltende gesetzliche Mindestalter erreicht …).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Dr. Bopp zügelt

Seit dem letzten Blogartikel ist es schon ein Weilchen her. Das liegt daran, dass wir gerade zügeln. Wir zügeln nicht etwa ein Pferd oder unsere Zunge, sondern in eine andere Stadt.

Deutschsprachige Schweizer und Schweizerinnen sowie andere, die die Deutschschweiz gewohnt sind, verstehen nun, worum es geht. Wie Sie vielleicht wissen, habe ich Schweizer Wurzeln, und meine Familie wohnt in der Schweiz. Für alle anderen folgt hier die Erklärung:

Neben dem überall gebräuchlichen Verb zügeln gibt es in der Schweiz des Verb zügeln mit der Bedeutung umziehen. Dr. Bopp zieht also um (und dies nicht zum ersten Mal; siehe hier). Dieses zügeln kommt nicht vom allgemeindeutschen zügeln, sondern leitet sich direkt von ziehen/Zug ab. Zügeln im Sinne von umziehen wird nicht nur in den schweizerdeutschen Dialekten verwendet, sondern häufig auch im (eher informellen) schweizerischen Standarddeutsch. So finden sich zum Beispiel auf der deutschschweizerischen Website des schwedischen Möbelriesen diese Sätze:

Mit diesem Ratgeber kannst du deinen Umzug optimal planen. Freu dich auf viele Tipps rund ums Thema Zügeln.

Warum den Arbeitsplatz bei schönem Wetter nicht einfach ins Freie zügeln?

Wenn Schweizerinnen und Schweizer umziehen, dann zügeln sie. Dies tun sie an einem bestimmten Zügeltermin mit einem Zügelwagen oder Zügelauto und häufig auch mit Hilfe von Zügelleuten einer Zügelfirma. Auch bei uns haben – auf gut Schweizerisch gesagt – Zügelleute (die übrigens nicht wussten, dass sie anderswo so genannt werden) das eigentlichen Zügeln übernommen. Am alten Ort einpacken und in der neuen Wohnung einräumen mussten wir aber selbst. Da man in der Regel viel mehr Möbel, Dinge, Zeug und anderes hat, als man vorher je vermuten würde, ist das sehr zeitraubend. Das erklärt, warum ich den Blog und die Beantwortung von Fragen in den letzen Tagen etwas vernachlässigt habe: Ich hatte zügelfrei.

Mittlerweile ist alles eingeräumt und hängt das meiste, wo es hängen soll (außer den Lampen, den leidigen Lampen!). Die ziemliche stressige Züglerei haben wir also fast hinter uns, und ich kann mich zwar noch leicht ermüdet, aber mit frischem Mut wieder mit Sprachfragen beschäftigen. Und wer das Wort noch nicht kannte, hat nun einen schönen Helvetismus* gelernt.

*typisch schweizerischer sprachlicher Ausdruck

Nicht immer ist „(sich) erhellen“ sehr erhellend

Frage

Ich verwende in einer Publikation die beiden Sätze:

Dieser Zusammenhang erhellt [sich] auch aus dem im ersten Kapitel Gesagten.
Dass weitere Interpretationen möglich sind, erhellt [sich] bereits daraus, dass …

Ich hatte hier ursprünglich die reflexive Form verwendet, die Herausgeber haben nun allerdings vorgeschlagen, das „sich“ jeweils wegzulassen.

Eine Internet-Recherche führt zu keinem völlig eindeutigen Befund. Allgemein scheint eher das Weglassen als korrekt erachtet zu werden. […] Ist nur eine Variante richtig oder ggf. beides möglich?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

das „Problem“ mit erhellen ist, dass das Verb zwei verschiedene Verwendungsarten mit zwei verschiedenen Konstruktionen hat:

a) deutlich, verständlich werden; sich [als Folgerung] ergeben (intransitiv)
b) deutlich machen, erklären (transitiv)

Es sieht so aus, als ob Sie in den beiden Sätzen das Verb erhellen mit der ersten Bedeutung verwenden. Mit dieser Bedeutung steht erhellen ohne sich:

Dieser Zusammenhang erhellt auch aus dem im ersten Kapitel Gesagten.
Dass weitere Interpretationen möglich sind, erhellt bereits daraus, dass …

Diese Verwendung von erhellen ist eher gehoben und formal.

Man kann aber auch sagen, dass Sie erhellen mit der zweiten Bedeutung, deutlich machen, erklären, verwenden. Dann muss es in den beiden Sätzen reflexiv sein (sich erhellen = sich erklären, sich verdeutlichen):

Dieser Zusammenhang erhellt sich auch aus dem im ersten Kapitel Gesagten.
Dass weitere Interpretationen möglich sind, erhellt sich bereits daraus, dass …

Es gibt also zwei Verbvarianten. Welche der beiden Sie verwenden (sollten), ist unklar. In einem gehobeneren oder formaleren Kontext würde man intransitives erhellen (deutlich werden; sich ergeben) ohne sich erwarten, insbesondere in Verbindung mit (dar)aus. Man kann aber auch das andere erhellen (deutlich machen; erklären) mit sich verwenden. Beides ist vertretbar.

Um der möglichen Verwirrung vorzubeugen, würde ich entweder – entgegen Ihrer Sprachintuition –  erhellen ohne sich verwenden oder auf eine andere Konstruktion ausweichen. Zum Beispiel:

Dieser Zusammenhang ergibt sich auch aus dem im ersten Kapitel Gesagten.
Dass weitere Interpretationen möglich sind, verdeutlicht/erklärt sich bereits daraus, dass …

Aus dem hier Gesagten erhellt, dass dass Verb erhellen mit seinen Varianten nicht immer so deutlich erhellend ist. Und es erhellt, warum das so ist. Wer das noch versteht, muss sprachlich hell sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Gewöhnlich, gemein, ordinär und vulgär

Wörter können im Laufe der Zeit eine andere Bedeutung annehmen. Das kommt interessanterweise vor allem bei negativ beladenen Wörtern vor (Bedeutungsverbesserung ist seltener als Bedeutungsverschlechterung). Letzthin sind mir die beiden Wörter ordinär und vulgär wieder einmal aufgefallen.

Dank dem bisschen Latein, das mir noch aus frühen Schulzeiten geblieben ist, weiß ich, dass ordinär auf ordinarius zurückgeht, das die Bedeutung ordentlich, regelmäßig, gewöhnlich hatte (ein Blick ins Wörterbuch Latein zeigt, dass es sogar vorzüglich bedeuten konnte). Das Wort vulgär kommt weit zurück ebenfalls aus dem Lateinischen (vulgarius), wo es gewöhnlich, alltäglich, allgemein bedeutete. Es gehört zum Substantiv vulgo = Volksmasse, breite Masse, einfaches Volk.

Beide Wörter hatten also ursprünglich die Bedeutung gewöhnlich. Im heutigen Sprachgebrauch sind aber ordinäre Scherze oder ordinäre Personen nicht mehr gewöhnlich, sondern unfein und unanständig. Vulgäre Witze und vulgäre Menschen sind erst recht nicht gewöhnlich oder allgemein, sondern „auf abstoßende Weise derb und ordinär“.

Das gleiche Los war dem Wort gemein beschieden: Heute bedeutet es vor allem niederträchtig und unverschämt. Ursprünglich war seine Bedeutung u. a. gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich. Das kann man noch in gemeinsam, gemeinschaftlich und allgemein oder Gemeinde und Gemeinbesitz erkennen. Auch die Gemeine Stubenfliege und die Gemeine Grasnelke sind weder niederträchtig noch besonders unverschämt, sondern einfach gewöhnliche Vertreterinnen ihrer Art. (Die Stubenfliege kann allerdings häufig sehr nervig und unverschämt sein, aber sie hat ihren Namen nicht dieser Eigenschaft zu verdanken.)

Die Wörter ordinär, vulgär und gemein erhielten ihre negative Bedeutung, weil gewöhnlich oft als nicht gut genug oder nicht wertvoll genug gilt. Diese negative Nebenbedeutung wird dann im Laufe der Zeit zur Hauptbedeutung. Das passiert – wenn man genauer hinschaut – auch schon mit dem Wort gewöhnlich: Wenn von der neuen Freundin oder einem Heiratsakandidaten gesagt wird, sie bzw. er sei schon etwas gewöhnlich, ist das je nach Spitzzüngikeit der beurteilenden Person ein leicht negatives bis absolut vernichtendes Urteil. Gewöhnlich wird eben oft als nicht gut genug empfunden.

Von Superintendenten und Superintendanten

Frage

Können Sie mir den Unterschied zwischen „Superintendent“ und „Superintendant“ erklären?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

ein Superintendent ist ein evangelischer Geistlicher, der einem Kirchenkreis vorsteht (vgl. hier). Das Wort Superintendent kommt von spätlateinisch superintendens (die Aufsicht habend).

Wer englische Krimiserien mag, kennt auch zum Beispiel Detective Superintendent Stella Gibson oder Detective Superintendent Andrew Dalziel, die beide fachkundig Mörder und Mörderinnen aufspüren und überführen.

Ein Intendant ist der Leiter eines Theaters, Rundfunksenders oder Fernsehsenders (vgl. hier). Ein Generalintendant ist der Leiter eines größeren oder mehrerer Theater, Rundfunksender oder Fernsehsender. Das Wort Intendant haben wir im 18. Jahrhundert aus dem Französischen übernommen, wo es Verwaltungsleiter bedeutete. Dort lässt es sich über Umwege auf das gleiche Wort zurückführen wie superintendens. Im Französischen hat es auch sein a bekommen.

Superintendant wird meistens fälschlich anstelle von Superintendent verwendet, sei es für einen evangelischen Geistlichen oder eine britische TV-Spürnase.

Ganz ausgeschlossen ist das Wort aber nicht. Ein Superintendant kann ein besonders guter (er ist super!) oder ein besonders einflussreicher, viele Funktionen bekleidender Intendant in Theater, Oper, Rundfunk oder Fernsehen sein. (Außerdem konnte ich so schnell nicht ausschließen, dass es Superintendant nicht doch irgendwo an einem Theater, einer Oper o. Ä. als offizielle Funktionsbezeichnung gibt.)

Zusammenfassend:

  • Superintendent = evanglischer leitender Geistlicher
  • Intendant = Leiter eines Theaters, Radio- oder Fernsehsenders
  • Superintendant = sehr wahrscheinlich falsch für Superintendent

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Pünktlich zum 1. Dezember gibt es auch dieses Jahr wieder LEOs Adventskalender!

Der Schwarze Freitag war ein schwarzer Freitag

Frage

Ist es dasselbe: der Schwarze Freitag und ein schwarzer Freitag / ein Schwarzer Freitag?

Antwort

Ihre Frage ist berechtigt, denn nicht alle Freitage, die schwarz genannt werden, bezeichnen dasselbe. Das wirkt sich auch auf die Rechtschreibung aus.

a) ein schwarzer Freitag

Ein schwarzer Freitag ist ein Unglückstag, der in der Regel auf einen Freitag fällt.

Heute war wieder einmal ein schwarzer Freitag in ihrer Beziehung.

Es handelt sich um eine figürlich verwendete Verbindung von einem Adjektiv und einem Substantiv. Nach § 63 (1.2) der Rechtschreibregelung wird das Adjektiv in einer solchen Verbindung kleingeschrieben (ebenso zum Beispiel: der blinde Passagier, die biologische Uhr, die graue Maus, der rote Teppich).

b) der schwarze Freitag oder meistens der Schwarze Freitag

Dieser schwarze/Schwarze Freitag ist eigentlich der amerikanische Black Friday, das heißt der Freitag nach Thanksgiving Day in den USA. Der Black Friday wird, meistens unter seinem englischen Namen, in den letzten Jahren vermehrt auch in Europa kommerziell „gefeiert“.

Sonderangebote zum Schwarzen / schwarzen Freitag

Es ist ein besonderer (aber kein religiöser oder offizieller) Kalendertag, bei dem das Adjektiv nach § 63 (E4) der Rechtschreibregelung klein- oder großgeschrieben werden kann. Da viele alle besonderen Kalendertage großschreiben, ist dieser Freitag – wenn er nicht sowieso Black Friday genannt wird – meistens der Schwarze Freitag mit großem S.

c) der Schwarze Freitag

Der Vater aller schwarzen Freitage ist der 24. November 1929, der Tag des großen Börsencrashs in New York.

Der Schwarze Freitag (der Schwarze Donnerstag [Black Thursday] in Amerika) im Oktober 1929 gilt als Auslöser der amerikanischen Wirtschaftsdepression der 1930er Jahre.

Es ist der Name eines historischen Ereignisses, deshalb wird nach § 60 (6) der Rechtschreibregelung das Adjektiv großgeschrieben (ebenso zum Beispiel: der Siebenjährige Krieg, die Französische Revolution, die Goldenen Zwanzigerjahre).

Es gibt also verschiedene Arten des schwarzen/Schwarzen Freitags. Wenn man wissen möchte, was genau gemeint ist, kann die Groß- und Kleinschreibung helfen. Da sich hier aber lange nicht alle an die Rechtschreibregelung halten (die hier nicht immer allzu einfach nachvollziehbar ist), empfiehlt es sich, vor allem auf den Zusammenhang zu achten. Dann erweist sich schnell, ob ein Unglückstag, ein Tag der Sonderangebote oder ein bestimmter historischer Börsencrash gemeint ist.

Mit freundlichen Grüße

Dr. Bopp

Billig und günstig

Frage

Seit einiger Zeit wird das Wort „billig“ durch „günstig“ ersetzt, was mich jedesmal schaudern macht. Da ist dann von „günstigen Ostern“ oder „günstig serviert“ (Supermarkt-Prospekt) die Rede. […] Woher kommt diese Wortwandlung und bin ich der einzige der sich daran stört?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

manchmal wird die Verwendung von günstig im Sinne von billig als umgangssprachlich bezeichnet. In zum Beispiel Duden werden aber keine stilistischen Angaben gemacht:

a) durch seine Art oder [zufällige] Beschaffenheit geeignet, jemandem einen Vorteil oder Gewinn zu verschaffen, die Vorzüge einer Person oder Sache zur Geltung zu bringen, ein Vorhaben oder das Gedeihen einer Sache zu fördern: […]

b) billig, preiswert:  […]

[Duden, Deutsches Universalwörterbuch, Eintrag „günstig“]

Es ist also üblich, das Wort günstig auch in Bezug auf Preise und Kosten zu verwenden. Dazu, wo genau die Bedeutung billig von günstig herkommt, finde ich leider keine Angaben. Es ist aber gut verständlich, denn ein niedriger Preis ist für Käufer und Käuferinnen oder zumindest deren Geldbeutel vorteilhaft, also günstig. In dieselbe Richtung weisen auch Wortbildungen wie preisgünstig und kostengünstig. In diesem Sinne könnte günstig auch einfach als Verkürzung dieser Begriffe angesehen werden.

Weiter umgeht günstig wie zum Beispiel auch preiswert oder preisgünstig die negative Beibedeutung, die billig haben kann. Etwas, was billig ist, kann qualitativ schlecht sein. Bei günstig schwingt diese Bedeutung nicht mit. Deshalb klingt in einen Reklamepropekt günstige Ostern besser als billige Ostern. Ersteres kostet vergleichsweise wenig, Letzteres kann auch einen eher dürftigen, ärmlichen Eindruck machen. Als Gebrauchtwagen kann eine Ferrari vielleicht günstig sein, wirklich billig wird er aber nie. Bei billigen Luxusuhren würde ich zu noch größerer Vorsicht raten als bei günstigen Angeboten. Und ich habe – vielleicht ganz zu Unrecht – mehr Vertrauen in die Qualität günstiger Schuhe als in die Qualität billiger Schuhe.

Ob Sie sich als Einziger an der Verwendung von günstig im Sinne von preislich vorteilhaft stören, weiß ich natürlich nicht, aber ich kannte diese Kritik bis jetzt nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp