Neue Wörter, die wir dem dieses Jahr in Oslo abgehaltenen Liederwettbewerb der Eurovision zu verdanken haben: Während sich in der Schweiz die Song-Contest-Ernüchterung breitmacht, herrscht in Deutschland eindeutig die Lenamanie.
Schlagwort: Wortgeschichte
Das Feierbiest und die Gladiolen
Ich muss noch einmal auf den neuen holländischen Liebling der Nation (genauer: der deutschen Nation) zurückkommen. Vor kurzem habe ich dank Herrn van Gaal die Tradition der Bierdusche für den Meisterschaftssieger und das Wort Tulpengeneral kennen gelernt. Seit kurzem kennt die deutsche Sprache dank Herrn van Gaal zwei neue Ausdrücke (mindestens!):
der Tod oder die Gladiolen
Feierbiest
Die erste Wendung lautet auf Niederländisch de dood of de gladiolen und bedeutet ungefähr alles oder nichts. Sie wird dem Radrennfahrer Gerrie Knetemann (1951-2004) zugeschrieben, der sie als Erster verwendet haben soll. Auch ein anderer Spruch, der die Radler, die an einer langen Etappe der Tour de France teilnehmen, treffend charakterisiert, soll von diesem Amsterdamer stammen: Verstand auf null, Blick auf unendlich. Ich wollte Ihnen diese zweite Redewendung hier nicht vorenthalten, weil eine solche Haltung im Fußballsport so wenig empfehlenswert ist, dass wir wahrscheinlich lange warten müssen, bis Herr van Gaal den Ausdruck für uns importiert.
Aber weshalb Tod oder Gladiolen? Hier die Erklärung, die ich finden konnte: Bei Radrennen erhielt der Sieger oft Gladiolen. Auch beim viertägigen Nijmegenmarsch erhalten die Teilnehmer am Ziel von den Zuschauern Gladiolen. Gerrie Knetemann meinte also, dass man sich so sehr anstrengen soll, dass man entweder tot hinfällt oder die Ziellinie (als Sieger) erreicht.
Die Gladiole verdankt ihren Namen ihrer Form. Das lateinische Wort gladiolus bedeutet kleines Schwert. Mit einem solchen Schwert wurden die Blätter der Gladiole verglichen. So weit, so gut. Nun beginnt der historisch eher wacklige Teil der Erklärung: Auch das Wort Gladiator ist vom lateinischen Wort gladius = Schwert abgeleitet. In einem Gladiatorenkampf gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man verlor und fand den Tod oder man siegte und wurde mit Gladiolen überschüttet.
Irgendwie habe ich diesen Gladiolenregen in Filmen wie „Ben Hur“, „Spartacus“ und „Gladiator“ verpasst. Auch sonst konnte ich nirgendwo eine Bestätigung dieser römischen Variante der Bierdusche finden. Es bleibt aber eine schöne Erklärung, auch wenn sie nicht wahr sein sollte.
Wie dem auch sei, Herr van Gaal durfte die neu-sprichwörtlichen Gladiolen als Feierbiest so richtig schön feiern. Mit dem Wort feestbeest scheint man im Niederländischen jemanden zu bezeichnen, der weiß, wie man Feste feiert.

Kaninchen
Heute gibt es Kaninchen. (Ja, Dr. Bopp isst Kaninchen. Siehe hier). Da dies leider oder, je nach Interesse, glücklicherweise keine Kochrubrik ist, verschone ich Sie mit Rezepten und Weintipps. Es geht natürlich um das Wort Kaninchen. Warum denn chen? Ein großes Kaninchen ist doch kein Kanin, wie ein großes Hündchen ein Hund ist oder wie man ein großes Häuschen meist einfach ein Haus nennt. Weshalb also chen?
Mit der Nachsilbe chen bildet man Diminutive oder zu gut Deutsch Verkleinerungsformen. Vor allem im Süden verwendet man dafür oft auch lein. Richtung Norden lockt man deshalb als Hexe Kinder, die sich im Wald verlaufen haben, eher in ein Lebkuchenhäuschen, während man als südliche Hexe eher ein Lebkuchenhäuslein bewohnt, in dem man dann das Mädchen als Mägdchen zur Kinderarbeit zwingt und den Jungen wie ein Kaninchen einsperrt und fett mästet. So geht es jedenfalls – ganz gleich ob Häuschen oder Häuslein – in einem ordentlichen Märchen zu und her.
Kaninchen ist nicht der einzige ursprüngliche Diminutiv, bei dem das Grundwort im heutigen Deutschen nicht mehr bekannt oder gebräuchlich ist. Auch zum Beispiel bei Mädchen und Märchen oder beim Zipperlein, das böse Hexen plagen möge, ist das Grundwort nicht mehr allgemein bekannt. Das Wort Mädchen geht auf Mägdchen, also kleine Magd, zurück und wurde in einer Zeit gebildet, in der eine Magd noch nicht eine Bedienstete, sondern eine junge weibliche und idealerweise jungfräuliche Person war. Ein Märchen ist eine kurze Mär, das heißt eine kurze Geschichte oder Erzählung. Die Herkunft von Zipperlein erspare ich ihnen; das wird sogar mir zu umständlich.
Bleibt also noch das Kaninchen. Das Grundwort Kanin gab es einmal (und gibt es überigens immer noch als Fachwort für Kaninchenfell). Ein großes Kaninchen war früher also doch ein Kanin! Es geht über das alte französische Wort conin auf lateinisch cuniculus zurück. Auch das Wort Karnickel lässt sich über eine niederdeutsche Verkleinerungsform kanineken aus conin herleiten. Das r hat sich unterwegs einmal als überkorrekte Aussprache eingeschlichen.
Das lateinische caniculus gelangte auch noch auf anderem Wege ins Deutsche und ist so noch in landschaftlich gebräuchlichen Formen wie Künig, Chüngel, Kinigl oder Kiniglhas zu finden. Weil es volkstümlich als mit König (verkl. Königlein) verwandt angesehen wurde, gibt es im Südbayrischen und Österreichischen auch die Bezeichnungen Königlein und König(s)hase.
Beim lateinischen Wort cuniculus könnte es sich um ein Lehnwort aus dem Iberischen (d.h. aus einer der damals auf der Iberischen Halbinsel gesprochenen Sprache) handeln. Eine andere Erklärung sagt, dass der Name des Tieres vom lateinischen Wort für unterirdischer Kanal, Gang, Stollen cuniculus abzuleiten sei. Der Name der Behausung wäre dann auf das Tier übergegangen.
Ein paar Informationen zu Form und Herkunft des Wortes Kaninchen hätte ich somit zusammengesucht und beschrieben. Der Geist ist also wieder frei, sich mit „wichtigeren“ Dingen zu beschäftigen: Wie bereiten wir das Kaninchen zu und welcher Wein könnte gut dazu passen? Doch das ist, wie bereits gesagt, Stoff für ein ganz anderes Blog.
Oper, Toast und Eponyme
Soeben bin ich zufällig über diese Information gestolpert: Heute ist der 79. Todestag der australischen Opernsängerin Helen Porter Mitchell (19. Mai 1861 – 23. Februar 1931). Unter dem Namen Nelly Melba sang die international gefeierte Sopranistin u. a. Verdi, Rossini, Donizetti, Puccini und Wagner in Häusern wie der Mailänder Scala, der New Yorker Metropolitan Opera und dem Londoner Royal Opera House.
Es geht mir hier aber nicht um die Sangeskünste dieser Primadonna, sondern ums Essen. Wie es sich für eine Diva gehört, wohnte Frau Melba in London im Savoy Hotel, wo der französische Meisterkoch Georges Auguste Escoffier das Zepter über die Küche schwang. Hier soll nun der Meisterkoch für die Primadonna ein Dessert (Nachtisch klingt hier eindeutig zu gewöhnlich) kreiert haben, das er nach ihr benannte: Pfirsich mit Vanilleeis und Himbeermark, bekannt unter dem Namen Pêche Melba oder Pfirsich Melba. Einige Jahre später soll die Sängerin während eines Aufenthalts in London auf Diät gegangen sein, dies im Zusammenhang mit einer Erkrankung und nicht etwa wegen des Kalorienreichtums des Desserts. Für diese Krankendiät schuf Escoffier einen trockenen, sehr dünnen Toast, der wahrscheinlich auf Veranlassung des ebenfalls sehr berühmten Hotelbesitzers César Ritz den Namen Toast Melba erhielt.
Neben dem Melba-Toast und dem Pfirsich Melba gibt es noch die Bezeichnung Melba-Sauce für die Himbeersauce und die Farbbezeichnung Melba für einen bestimmten Pfirsichton. All diese Wörter sind Beispiele für Bezeichnungen, die auf einen Personennamen zurückgehen. Solche Wörter nennt man Eponyme. Andere Beispiele sind Achillesferse, Béchamelsauce, Brailleschrift, Casanova, Chauvinismus, Diesel, Geigerzähler, Kalaschnikow, pasteurisieren, Saxophon, Zeppelin. Hiermit ist mir der Dreh von der Opernsängerin über das Essen zur Sprachwissenschaft gelungen!
Kommt Kunst von Können?
Frage
„Kunst kommt von Können“ ist eine verbreitete Plattitüde. Ich habe einmal in einem Wörterbuch gelesen „es kommt zwar von Können, jedoch meinte dieses früher ‚Kennen’ also im Sinne von ‚Wissen’ …“. Was sagen Sie?
Antwort
Sehr geehrter Herr K.,
das Wort Kunst kommt tatsächlich vom Verb können. Dieses Verb bedeutete nicht nur können, sondern auch kennen, vermögen und ursprünglich kennen, wissen.** Entsprechend hatte Kunst ursprünglich die Bedeutung Wissen(schaft), Fertigkeit (vgl. die sieben freien Künste). Danach erhielt es die Bedeutung durch Übung erworbene Fertigkeit, die man auch heute noch verwendet, wenn zum Beispiel jemandes Kochkunst gelobt wird oder jemandes Fahrkünste Anlass zur Sorge geben. Noch später (seit dem 18. Jahrhundert) wurde Kunst für die künstlerische, schöpferische Betätigung des Menschen und für das Produkt dieser Betätigung verwendet. Dies ist die heute am häufigsten verwendete Bedeutung von Kunst.
Bevor man nun aber ganze philosophische Betrachtungen oder gar Streitdiskussionen über das Wesen der Kunst an der Herkunft des Wortes „aufhängt“, sollte man nicht außer Acht lassen, dass die Bedeutung eines Wortes vor allem damit zu tun hat, wie wir es heute verwenden, und oft nur sehr wenig damit, was es früher einmal bedeutet hat. So kann man zwar zu Recht behaupten, dass Weib früher einfach Frau bedeutete, aber man kann das Wort Weib heute trotzdem nicht mehr losgelöst von seiner negativen Bedeutung verwenden. Wörter haben heute die Bedeutung, mit der sie heute verwendet werden. Die Antwort auf die Frage, ob das Wort Kunst von können oder von wissen kommt, sagt deshalb nicht viel darüber aus, was heute „zu Recht“ als Kunst bezeichnet wird.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
**Die Verben können und wissen sind in anderen Sprachen auch heute noch eng miteinander verbunden. So verwendet man zum Beispiel in romanischen Sprachen wie Französisch und Italienisch dasselbe Verb (savoir resp. sapere) für sowohl wissen als auch für können im Sinne von die Fertigkeit haben:
Je sais ce que tu as fait. = Ich weiß, was du getan hast.
Je sais nager. = Ich kann schwimmen.
Sapete quando parte il treno? = Wisst ihr, wann der Zug fährt?
Sapete giocare a tennis? = Könnt ihr Tennis spielen?
Bonne journée aus dem Hochgeschwindigkeitszug
Wieder einmal darf ich auf Reisen sein. Zurzeit bin ich irgendwo in Frankreich in einem Hochgeschwindigkeitszug unterwegs. Es wäre natürlich interessant, etwas über die Unterschiede bei der Wortbildung in verschiedenen Sprachen zu schreiben. So kann oder muss man den vier Wörter zählenden französischen Ausdruck train à grande vitesse mit dem für Französischsprechende unaussprechlichen Wortungetüm Hochgeschwindigkeitszug ins Deutsche übersetzen. Zwei so unterschiedliche Strategien, Konzepte auf der Wortebene zu einem neuen Konzept zusammenzufügen, verdienten einen Kommentar. Ich könnte auch etwas darüber schreiben, dass das Wort Zug tatsächlich von ziehen abgeleitet ist. Bei dem Zug, in dem ich mich gerade befinde, handelt es sich um eine direkte Übersetzung des gleichbedeutenden englischen Wortes train. Ursprünglich war ein Zug ein Gefolge, dann eine Reihe von Packtieren und Wagen, die hintereinander durch die Lande zogen.
Doch das ist es nicht, was mich zurzeit am meisten beschäftigt. Ich bin nämlich auf kommunikationstechnischem Gebiet ziemlich altmodisch. Im Gegensatz zu Leuten, die selbst während eines Fallschirmabsprungs noch kurz über iPod oder Blackberry ihre Mail abrufen, finde ich Folgendes schon beinahe an ein Wunder grenzend erstaunlich: Ich brause mit 300 Stundenkilometern durch die französische Landschaft, schreibe einen Blogeintrag und kann ihn vom Zug aus direkt im Blog veröffentlichen! Ich komme eben tatsächlich noch aus der Zeit, in der es noch nichtelektrische Schreibmaschinen gab … In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen schönen Tag und bonne journée!
Die Parabel, das Symbol und der Teufel
Zufällig bin ich letzte Woche auf einen historischen Wortzusammenhang gestoßen, der mich überrascht hat: Die Wörter Parabel, Symbol und Teufel haben alle eine gemeinsame Wurzel: werfen.
Die Parabel, eine gleichnishafte Erzählung, geht auf das gleichbedeutende griechische Wort parabolé zurück. Seine wörtliche Bedeutung ist das Danebenwerfen. Es gehört zum Verb parabállein = danebenwerfen, vergleichen (para = entlang, neben; bállein = werfen).
Auch das Wort Symbol lässt sich auf werfen zurückführen: Das griechische Wort sýmbolon bedeutete Kennzeichen oder wörtlicher Zusammengefügtes. Es war ein von zwei verschiedenen Parteien festgelegtes Erkennungszeichen. Dazu wurde ein Tonstück, ein Ring oder etwas Ähnliches zerbrochen und jede Partei erhielt ein Bruchstück. Wenn sich dann später Vertreter der beiden Parteien trafen, konnten die Bruchstücke zusammengefügt werden und so die Rechtmäßigkeit der Vertretung überprüft werden. Das Wort sýmbolon gehört zum Verb symbállein = zusammenwerfen; zusammenfügen (sýn = zusammen, bállein = werfen)
Genau das Gegenteil von Zusammenwerfen treffen wir bei Teufel an. Das Wort geht über Formen wie tiuvel, tievel, tiufal auf das kirchenlateinische diabolus zurück, das vom griechischen Wort diábolos = Verleumder kommt. Das Verb diabállein bedeutete verleumden, entzweien, verfeinden oder ganz wörtlich auseinanderwerfen (dia = durch, auseinander; bállein = werfen).
Natürlich lassen sich die Bedeutungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser drei Wörter heute kaum mehr mit danebenwerfen, zusammenwerfen und auseinanderwerfen umschreiben oder erklären. Dafür haben sich die jeweiligen Bedeutungen zu sehr von der ursprünglichen wörtlichen Bedeutung entfernt. Aber eine kleine Meldung in der Rubrik „Verschiedenes“ der Wochenendbeilage finde ich diese „Entdeckung“ doch wert.
Es gibt übrigens noch weitere Wörter, bei denen man das griechische Wort für werfen antrifft. Dazu gehören das Anabolikum (Präparat zum Aufbau von Muskeln), die Diskobolie (ein sehr gelehrtes Wort für Diskuswerfen) und der Ball im Sinne von Tanzfest.
Rutschen
Das neue Jahr ist nun gut eine Woche alt. Wenn ein „Wort der ersten Woche im Jahr 2010“ gekürt werden müsste, fiele meine Wahl auf rutschen. Warum? – Zuerst einmal wegen der zum Jahreswechsel oft gehörten Wendungen „Guten Rutsch ins neue Jahr!“, „Rutschen Sie gut rüber!“ und allen anderen Variationen zu diesem Thema, dann aber auch wegen der aktuellen Wetterlage in weiten Teilen Europas.
Ich gehöre zu den Glücklichen, die die täglichen Staus nur von den Verkehrsmeldungen im Rundfunk kennen. Die meisten im Alltag notwendigen Ortsveränderungen kann ich nämlich mit dem Fahrrad unternehmen. Das tue ich bei fast jedem Wetter, auch wenn es nass und kalt ist. Diese Woche aber habe ich das Rad zu Hause stehen lassen und auf gutes Schuhwerk und die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen müssen. Schnee und Glätte einerseits und das Fahrrad andererseits sind nämlich eine sehr ungünstige Kombination. Auf zwei Rädern rutscht es sich so leicht. Geradeaus geht es ja noch, aber Kurven, Steigungen und nur schon leichtes Gefälle sind jedes Mal ein Abenteuer, auf dessen guten Ablauf man nur hoffen kann. Wenn es nicht gut abläuft, liegt man – rutsch! – auf dem Boden. Das kann im Straßenverkehr nicht ganz ungefährlich sein.
Rutschen ist also „das Wort der Woche“. Es ist wieder einmal eines dieser schönen Wörter, deren Klang gut zur Bedeutung passt: rutsch! Wie es im Deutschen bei Bewegungsverben üblich ist, kann man rutschen auch so schön mit vielen verschiedenen Partikeln kombinieren, je nachdem wie oder wohin man rutscht. Zum Beispiel: abrutschen, abwärtsrutschen, ausrutschen, durchrutschen, herumrutschen, herunterrutschen, umherrutschen, wegrutschen, weiterrutschen, zurückrutschen; verrutschen.
Weitere Kombinationsmöglichkeiten gibt es, wenn im übertragenen Sinne gerutscht wird: Man kann hoffentlich gut ins neue Jahr hinüberrutschen, ungewollt in eine Sache hineinrutschen oder etwas kann einem dummerweise einfach so herausrutschen. Obwohl man eigentlich nicht hinaufrutschen kann (das widerspricht irgendwie der Bewegungsart, die rutschen beschreibt), gibt es sogar ein Verb, das nach oben rutschen bedeutet: Ein knapp sitzender Rock oder eine zu enge Jacke können immer wieder hochrutschen.
Ich schweife wieder einmal ab. Ich wollte eigentlich nur wissen, woher das Wort kommt. Die Antworten, die ich finden konnte, sind aber nicht gerade befriedigend. Das Verb rutschen taucht erst relativ spät (im 15. Jahrhundert) als rütschen auf. Eine andere, ältere Form ist rützen. Die weitere Herkunft ist ungeklärt. Es handle sich wahrscheinlich um ein lautmalerisches, das heißt den Klang nachahmendes Wort. Ich finde also nicht als Einziger, dass der Klang des Verbs recht gut seine Bedeutung wiedergibt.
Vielerorts scheint das Streusalz knapp zu werden. Seien Sie also vorsichtig und passen Sie gut auf, dass Sie nicht ausrutschen!
Dr. Bopp
Wieso heißen Dominosteine eigentlich Dominosteine?
Passend zum vierten Adventssonntag eine weihnächtliche Frage:
Frage
Wieso heißen Dominosteine eigentlich Dominosteine? Ich meine damit nicht die Spielsteine, sondern die mit Schokolade überzogenen Süßigkeiten aus Lebkuchen, Marzipan und Fruchtgelee. Sie sind nicht dominostein-, sondern würfelförmig. Wieso heißen sie also Dominosteine?
Antwort
Sehr geehrter Herr P.,
leider habe ich keine Ahnung, was den Dresdener Feinbäcker Herbert Wendler im Jahre 1936 dazu bewogen hat, seine inzwischen in ganz Deutschland „weltberühmte“ süße Neuschöpfung Dominosteine zu nennen. Ihn persönlich kann man nicht mehr danach fragen, da er im Jahre 1998 verstorben ist. Auch sonst habe ich nirgendwo entsprechende Informationen finden können.
Ich muss also raten: Vielleicht hatten sie ursprünglich eine länglichere Form. Vielleicht liegt es an den drei Lagen (Lebkuchen, Fruchtgelee, Marzipan), die ein wenig wie drei aufeinandergeschichtet Dominosteine aussehen. Es könnte auch sein, dass zwei nebeneinanderliegende süße Dominosteine von oben gesehen an einen echten Dominostein erinnern. Vielleicht heißen sie so, weil sie mit mehreren zusammen verpackt wie Dominosteine in einer Schachtel liegen. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass sie viereckig sind und dass Dominosteine einfach gut klingt.
Es tut mir leid, dass ich Ihnen eine genauere Antwort schuldig bleiben muss.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
Nachtrag
Geneigte Leser und Leserinnen aus Dresden oder dem Rest der Welt, die Genaueres wissen, mögen doch bitte nicht zögern, ihr Wissen mit uns zu teilen!
Warum der Python männlich ist
Frage
Warum heißt es der Python und nicht die Python?
Antwort
Sehr geehrte Frau D.,
der Python verdankt seinen Namen der von Apollo getöteten Schlange Python. Diese mythologische Figur, die das Orakel in Delphi behütete, ist im Griechischen männlich. Deshalb heißt die Schlange wohl auch im Deutschen offiziell der Python.
Vor allem umgangssprachlich ist diese Schlange aber häufig weiblich: die Python. Auch ich muss mir Mühe geben, um „der Python“ zu sagen, denn auch bei mir kommt spontan „die Python“ auf. Das liegt daran, dass praktisch alle anderen Schlangenarten wie das Wort „Schlange“ weiblich sind*. Zum Beispiel:
die Anakonda, die Boa, die Kobra, die Mamba, die Natter, die Otter (der Otter ist ein ganz anderes Tier!), die Viper
Wenn man es aber standardsprachlich ganz richtig machen will, sagt man am besten „der Python“.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
* Ich habe „auf die Schnelle“ nur eine weitere Ausnahme gefunden: der Buschmeister (eine giftige Grubenotternart aus Mittel- und Südamerika). Es ist möglich, dass es noch mehr Ausnahmen gibt.