Es wird wieder geflogen

Der Vulkan (dessen Namen ein Durchschnittsmensch nicht isländischer Herkunft sich einfach nicht merken kann) speit Asche. Die Aschewolke zieht über Europa und legt Flughäfen lahm. Das sind schöne Beispiele, wie man Dinge und Naturphänomene sprachlich „verpersönlichen“ kann. Man sieht schon fast vor sich, wie der Vulkan mit aufgeblähten Wangen Asche auspustet und wie die träge Aschewolke sich dann aufmacht, sich über Europa und dessen Flughäfen zu legen, um uns allen das Fliegen zu verunmöglichen.

Das Umgekehrte hörte ich heute Morgen am Radio: „Es wird wieder geflogen.“ Eine menschliche Aktivität, das Fliegen mit Flugzeugen, wird beschrieben und trotzdem werden keine Ausführenden wie Piloten, Flugpersonal, Bodenpersonal oder auch nur die Passagiere genannt. Auch keine verpersönlichten Flugzeuge, die ja auch fliegen, kommen in dieser Aussage vor. Nicht einmal das Wörtchen „man“ verwendet die Radiostimme. Es ist zwar auch unpersönlich, verlangt aber immerhin noch eine aktive Verbform: „Man fliegt wieder.“ Nein, man hört nur ein völlig unpersönliches „es“, durch das – sozusagen – wieder geflogen wird. Das ist die maximale Stufe sprachlicher Entpersönlichung.

Man könnte jetzt stilistische, rhetorische und psycholinguistische Betrachtungen über solche unpersönlichen Formulierungen anstellen, aber mir fiel einfach nur auf, wie unterschiedlich „persönlich“ man im Deutschen formulieren kann. Den gestrandeten Flugpassagieren wird es ohnehin egal sein, warum man es wie sagt; Hauptsache, es wird wieder geflogen.

Bei gutem, schönem, heiterem Wetter: dreimal em

Eine Frage, die immer wieder auftaucht, betrifft die Beugung aufeinanderfolgender Adjektive. Weil der Beispielsatz in der folgenden Frage so gut zum heutigen Wetterbild passt, tische ich Ihnen gleich zum Wochenanfang etwas schwerere Kost auf.

Frage

Selbst Deutschlehrer können mir meine Frage nicht eindeutig beantworten: Heißt es „bei gutem, sonnigem, heiterem Wetter“ oder „bei gutem, sonnigen, heiteren Wetter“? Ich meine, in der Schule einmal die zweite Variante gelernt zu haben, aber sicher bin ich mir inzwischen nicht mehr.

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

es ist nicht so erstaunlich, dass Ihnen niemand eine eindeutige Antwort geben kann. Ich kann es auch nicht. Die Situation ist nämlich nicht so einfach. Im Prinzip gilt, dass aufeinanderfolgende Adjektive gleich gebeugt werden:

gutes, sonniges, heiteres Wetter
wegen guten, sonnigen, heiteren Wetters
gute, sonnige, heitere Witterung
bei guter, sonniger, heiterer Witterung

Dies ist auch im Dativ Singular mit der Endung em korrekt:

bei gutem, sonnigem, heiterem Wetter

Bei der Endung em kommt aber auch die folgende Formulierung vor:

bei gutem, sonnigen, heiteren Wetter

In der heutigen Standardsprache wird die Formulierung mit der sogenannten parallelen Beugung (überall em) bevorzugt. Die zweite Formulierung (nur einmal em, dann en) wird nicht von allen als richtig anerkannt. Am besten verwenden Sie hier deshalb die parallele Beugung:

bei gutem, sonnigem, heiterem Wetter
in fröhlichem, ungezwungenem Rahmen
mit schönem, großem und ruhigem Balkon

Nur damit niemand meint, die parallele Beugung hänge irgendwie mit positiven Beschreibungen zusammen, folgt hier noch ein letztes Beispiel:

von graugrünem, schleimigem, stinkendem Moos überzogen

So weit, so gut. Anders sieht es aus, wenn das zweite Adjektiv als Substantiv verwendet wird. Dann überwiegen in der Standardsprache die Formen mit em/en. Die parallele Beugung em/em gilt hier als veraltet:

Betrieb verbietet ehemaligem Angestellten den Zugang
veraltet: Betrieb verbietet ehemaligem Angestelltem den Zugang
Gespräch mit Europas jüngstem Abgeordneten
veraltet: Gespräch mit Europas jüngstem Abgeordnetem

Das Gleiche gilt für die Dativendung er bei weiblichen substantivierten Adjektiven:

Betrieb verbietet ehemaliger Angestellten den Zugang
veraltet: Betrieb verbietet ehemaliger Angestellter den Zugang
Gespräch mit Europas jüngster Abgeordneten
veraltet: Gespräch mit Europas jüngster Abgeordneter

Wie Sie sehen, ist die Situation wieder einmal alles andere als einfach und eindeutig! Mehr dazu finden Sie in der CanooNet-Grammatik hier und hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Aus stark wird schwach – und umgekehrt.

Frage

Ich bin über ein Verb gestolpert, das mich ein bisschen irritiert. Normalerweise endet das Partizip Perfekt bei regelmäßigen Verben auf -t (gesagt, gefühlt, gebildet). Bei unregelmäßigen Verben ist die Endung -en (gelesen, gerufen, gesessen). Das dachte ich zumindest. Dann stieß ich auf mahlen: mahlen, mahlte, gemahlen. […]

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

ein paar wenige Verben haben tatsächlich neben sonst regelmäßigen Formen ein unregelmäßiges Partizip Perfekt. Meist lassen sich Vermischungen von unregelmäßigen (starken) und regelmäßigen (schwachen) Formen damit erklären, dass viele Verben sich im Laufe der Zeit von unregelmäßigen zu regelmäßigen Verben entwickelt haben. Bei einigen Verben ist diese Entwicklung (noch) nicht abgeschlossen. Das führt dazu, dass es Verben gibt, die sowohl starke als auch schwache Formen haben. Zum Beispiel:

gären, gor/gärte, gegoren/gegärt
saugen, sog/saugte, gesogen/gesaugt
melken, molk/melkte, gemolken/(gemelkt)
backen, backte/buk, gebacken

Bei den folgenden Verben ist nur das Perfektpartizip unregelmäßig:

mahlen, mahlte, gemahlen
salzen, salzte, gesalzen/gesalzt
spalten, spaltete, gespalten/gespaltet

Interessant ist, dass es auch Verben gibt, die in die umgekehrte Richtung gehen: regelmäßige Verben, die unregelmäßige Formen annehmen. Ein bekanntes Beispiel ist das Verb winken, das nicht nur mit dem schwachen Partizip gewinkt, sonder auch schon häufig mit dem starken Partizip gewunken verwendet wird; dies in Analogie mit den starken Formen getrunken, gestunken und gesunken. Es ist übrigens nicht das erste regelmäßige Verb, das unregelmäßige Formen annimmt. Ihm vorgegangen sind zum Beispiel die Partizipien gepriesen und verdorben, die die ursprünglich regelmäßigen Formen gepreist und verderbt verdrängt haben.

Wie man sieht, ist nichts in der Sprache absolut fest und unveränderlich; nicht einmal die starken Verben. Doch wenn Sie der Kritik eifriger Sprachhüter entgehen wollen, verwenden Sie in der Standardsprache vorläufig trotzdem besser nur gewinkt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Jeans und Shorts: der Numerus fremdsprachlicher Hosen.

Frage

Ich lese gerade in einem Buch erst von „den Hotpants“ und dann von „einer Shorts“. Sind bei englischen Begriffen für eine Hose wie bei „Jeans“ immer Singular und Plural möglich? Und dann meine ich auch schon einmal „eine Short“ gehört zu haben. Könnte man sich das so erklären, dass man hier ein Plural-s sieht, das dann umgangssprachlich im Singular weggelassen wird.

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

bei den Hosen gibt es im Deutschen in Hinblick auf Einzahl und Mehrzahl eine erstaunliche Variantenvielfalt:

Er trug eine schwarze Hose.
Er trug schwarze Hosen.
Er trug ein Paar schwarze Hosen.

All diese Formulierungen können sich standardsprachlich korrekt auf ein einzelnes schwarzes Kleidungsstück beziehen. Das erklärt vielleicht, warum es bei Beinkleidern bezeichnenden Fremdwörtern zu Unsicherheiten kommen kann. Mehr oder weniger allgemein akzeptiert ist, dass Jeans wie Hose sowohl im Singular als auch im Plural ein einzelnes Kleidungsstück bezeichnet:

Sie trug eine schwarze Jeans.
Sie trug schwarze Jeans.
Sie trug ein Paar schwarze Jeans.

Der Singular eine Jeans kann vielleicht als Verkürzung von eine Jeanshose erklärt werden.

Bei Shorts und Hotpants gilt dies nach meinem Sprachgefühl und den mir zur Verfügung stehenden Wörterbüchern nicht. Hier scheint standardsprachlich nur der Plural üblich zu sein. Kleidungsstücke kommen aber wie zum Beispiel Lebensmittel und Toilettenartikel vor allem in der gesprochenen Alltagssprache vor, in der die Formenvielfalt oft größer ist als in der besser dokumentierten geschriebenen Sprache. Es ist also möglich, dass die Variante eine Shorts im Alltag ebenso häufig verwendet wird wie eine Jeans. Die Form eine Short hingegen scheint mir – wie Ihnen – eine umgangssprachliche Form zu sein, die überkorrekt aus dem Plural „zurückvereinzahlt“ wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Es tut mir leid, …

… wenn Sie schon wissen, wie man leidtun schreibt, blättern Sie einfach weiter. Heute geht es wieder einmal um einen Klassiker unter den Rechtschreibfragen. Es ist also kein neues, aber für viele von uns immer wieder leidiges Thema:

Frage

In Ihrem Rechtschreibwörterbuch steht bei „Es tut mir leid“, dass das Wort „leid“ in diesem Zusammenhang kleingeschrieben wird. Im Duden steht jedoch eindeutig, dass es gerade in diesem Fall großgeschrieben wird: „Es tut mir Leid.“ Was ist denn nun richtig?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

nach der seit 2006 geltenden amtlichen Rechtschreibregelung schreibt man leidtun zusammen:

Das wird dir noch leidtun!
Es braucht dir nicht leidzutun.
Sie haben mir sehr leidgetan.

Wenn das Verb im Satz getrennt erscheint, schreibt man leid klein:

Es tut mir leid.
So leid es mir tut, ich kann euch nicht helfen.
Die Kinder taten ihm sehr leid.

Sehen Sie hierzu leidtun, leid und die entsprechende Rechtschreibregel in CanooNet.

Ihre Verwirrung, Frau G., ist allerdings nicht unbegreiflich. Sie verwenden wahrscheinlich eine veraltete Duden-Ausgabe. Vor der Rechtschreibreform, d.h. bis 1996, schrieb man leid tun. Danach war es bis 2004 nur Leid tun. Von 2004 bis 2006 konnte man dann zwischen Leid tun und leidtun wählen und seit 2006, d.h. nach der jetzt geltenden Regelung, schreibt man ausschließlich leidtun.

Man könnte hier natürlich wieder einmal die Diskussion über Sinn und Unsinn der Rechtschreibreform(en) aufgreifen, doch das lohnt sich meiner Meinung nach nicht mehr. Am besten versucht man einfach, sich leidtun und Es tut mir leid zu merken. Und wenn man es wie ich doch immer wieder vergisst, gibt es ja noch CanooNet!

Die Zusammenschreibung gilt übrigens nur, wenn leidtun die Bedeutung bedauern hat. Wenn wörtlicher Leid zufügen gemeint ist, schreibt man Leid als Substantiv groß und vom Verb getrennt:

jemandem ein Leid tun

Wenn Sie schon wussten, wie man leidtun schreibt, tut es mir leid, sie hiermit belästigt zu haben. Ich hoffe, dass Sie dieses Blog trotzdem nicht leid werden …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wegen Äpfelkuchen zum Zähnearzt

Frage

Wieso geht man nicht zum Zähnearzt, nachdem man durch zu viel Äpfelkuchen Zahnschmerzen hat, die ja auch Zähneschmerzen sein könnten?!? Unmengen von Wörtern werden in der Singularform benutzt, obwohl sie sehr oft mehrere Dinge gemeint sind.

Antwort

Guten Tag A.,

Sie haben recht: Man bäckt einen Apfelkuchen und nicht einen Äpfelkuchen. Man geht zum Zahnarzt und nicht zum Zähnearzt. Das hat damit zu tun, dass die Form einer Zusammensetzung im Deutschen meist nur wenig darüber aussagt, wie sich die beiden beteiligten Wörter genau zueinander verhalten. Bei einer Zusammensetzung der Form XY kann man in der Regel nur sagen, dass ein XY eine Art Y ist, die in irgendeiner Weise etwas mit X zu tun hat:

Ein Apfelkuchen ist ein Kuchen, der etwas mit Apfel zu tun hat.
Ein Hochzeitskuchen ist ein Kuchen, der etwas mit Hochzeit zu tun hat
Ein Streuselkuchen ist ein Kuchen, der etwas mit Streusel zu tun hat.
Ein Pfannkuchen ist ein Kuchen, der etwas mit Pfanne zu tun hat.

Die Art des Verhältnisses zwischen dem ersten und dem zweiten Teil einer Zusammensetzung kann also ganz unterschiedlich sein. Bei den soeben genannten Kuchen bezeichnet der erste Teil:

– eine wichtige Zutat,
– die Gelegenheit, für die er gebacken wird,
– seine Form,
– das Mittel der Zubereitung.

Auch die Einzahl- oder Mehrzahlform des ersten Wortteils X sagt lange nicht immer etwas darüber aus, ob es um ein oder mehrere X geht:

Eine Baumreihe besteht immer aus mehreren Bäumen.
Für Erdnussbutter braucht man viele Erdnüsse.

Umgekehrt:

Ein Hundebiss kann nur von einem Hund verursacht sein.
Eine Kinderhand gehört nur einem Kind.

Wichtig für die Form ist meist nicht die Bedeutung, sondern die Analogie mit anderen Wörtern, die mit dem gleichen ersten Element gebildet werden. Vgl.

Apfelbaum, Apfelsorte, Apfelsorbet, Apfelwangen
Zahnbelag, Zahnfleisch, Zahnlücke, Zahnstocher
Baumgruppe, Baumstamm, Baumkrone, Baumstruktur
Kindergruppe, Kinderwagen, Kinderfahrrad, Kinderseele
Hundehalterin, Hundefloh, Hundeleben, Hundepfote

Ein Apfelkuchen ist also nicht deshalb ein Apfelkuchen und kein Äpfelkuchen, weil man nur einen Apfel verwenden dürfte, sondern weil man auch Apfelbaum, Apfelsorte und Apfelbäckchen sagt. Man darf einfach nicht zu viel in die Form einer Zusammensetzung hineinlesen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Osterpause

Über die Ostertage werde ich Sprache wieder einmal einfach Sprache sein lassen. Ihre Fragen können Sie natürlich jederzeit stellen [hier], antworten werde ich aber erst wieder am 6. April. Ich wünsche Ihnen frohe Ostern! Mögen Ihnen die im Garten versteckten Ostereier nicht weggeschwemmt, zugeschneit oder kaputt gehagelt werden!

Dr. Bopp

Der Leser-freundliche Bindestrich?

Frage

Ich habe eine Frage zur Groß-/Kleinschreibung in Zusammenhang mit dem Bindestrich. Wird der substantivische Bestandteil des zusammengesetzten Adjektivs kindgerecht bei Schreibung mit Bindestrich großgeschrieben, also Kind-gerecht? Welche Rechtschreibregel wird angewendet?

Antwort

Sehr geehrter Herr V.,

ein Substantiv wird in einer Verbindung mit Bindestrich großgeschrieben. Das gilt auch dann, wenn die Verbindung als Ganzes kein Substantiv ist. Also:

eine Unternehmer-freundliche Politik
Wir verkaufen nur Schadstoff-freie Trinkflaschen.
Spielzeug sollte Kind-gerecht sein.
die Leser-freundliche Nicht-Verwendung des Bindestrichs

Die entsprechende Regel finden Sie hier.

Man sollte den Bindestrich allerdings sparsam einsetzen. In einem durchlaufenden Text behindert er meiner Meinung nach oft den Lesefluss eher, als dass er ihn erleichtert. Ich finde leserfreundlich leserfreundlicher als Leser&#8209freundlich und würde deshalb empfehlen:

eine unternehmerfreundliche Politik
Wir verkaufen nur schadstofffreie Trinkflaschen.
Spielzeug sollte kindgerecht sein.
die leserfreundliche Nichtverwendung des Bindestrichs

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wintersport und Sommerzeit

Gestern Abend fielen mir am Ende der Abendnachrichten zwei Meldungen auf. Bei den Sportmeldungen erfuhr ich, dass nach den Meisterschaften in Biathlon und Eiskunstlauf ziemlich alle Wintersportarten die Saison abgeschlossen haben werden. Dem Sport folgte unvermeidlich der Wetterbericht und dann kam die zweite Mitteilung, die mir auffiel: Dieses Wochenende fängt die Sommerzeit an.

Gehen wir einmal davon aus, dass Wintersportler ihren Sport im Winter ausüben und dass die Uhren die Sommerzeit im Sommer anzeigen. Daraus müsste man dann eigentlich schließen, dass der Winter von gestern auf heute nahtlos in den Sommer übergegangen ist. Wir wissen natürlich, dass dem in unseren Breitengraden nicht so ist, auch wenn der Frühling sich dieses Jahr schon sehr ziert, endlich ins Land zu ziehen. Bei der fast unmittelbaren Folge von Wintersport und Sommerzeit fiel mir einfach wieder einmal das Folgende auf:

Man darf Wörter nicht immer wörtlich nehmen.

Treffpunkt und Treffzeit?

Noch ein Beitrag dazu, dass das einheitliche Benennen der Dinge in der Sprache oft zu wünschen übrig lässt:

Frage

Steht „Treffpunkt“ neben der Bezeichnung für den Ort, an dem man sich trifft, auch für den Zeitpunkt? So lese ich häufig „Treffpunkt ist um …“ und auch bei mir im Sportverein fragen wir (auch ich) öfter mal „Wann ist noch mal Treffpunkt?“

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

das Wort Treffpunkt bezeichnet einen Ort, an dem man sich trifft. Es ist also eigentlich nicht richtig, „Treffpunkt ist um zehn Uhr“ zu sagen. Auch wenn es ein zeitliches Wort wie Zeitpunkt gibt, ist Treffpunkt nur örtlich gemeint.

Wenn Treffpunkt für einen Zeitpunkt verwendet wird, liegt das wahrscheinlich daran, dass im Deutschen kein entsprechender, ebenso praktischer und kurzer Ausdruck üblich ist. Das Wort Treffzeit wäre hier ein guter Kandidat; so gut, dass ich mich wundere, weshalb man es nicht verwendet.

Man sagt und schreibt normalerweise einfach „Wir treffen uns um zwei Uhr“ oder „Zeit: 14.00 Uhr“. Diese Ausdrucksweisen sind anscheinend so deutlich, dass ein Begriff wie Treffzeit nicht notwendig ist. Ich finde diese Erklärung sogar einigermaßen einleuchtend. Sie hat aber einen Haken: Es stellt sich umgekehrt gleich die Frage, warum dann das Wort Treffpunkt gebräuchlich ist. Man kann ja genauso gut sagen „Wir treffen uns im Klubhaus“ oder „Ort: Klubhaus“.

Warum also verwenden wir „Treffpunkt“, aber nicht auch „Treffzeit“? Eine einfache, logische Antwort muss ich Ihnen schuldig bleiben. Wahrscheinlich gibt es gar keine. Ich sage es immer wieder: Sprache und Logik haben oft reichlich wenig miteinander zu tun. Und das ist gut so.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp